Liebe Angela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Was für mich wichtig ist, obwohl das oft anfangs Überwindung kostet, sind alltägliche Tätigkeiten und Handgriffe. Diese Erden und geben mir das Gefühl der Unmittelbarkeit und Handlungsfähigkeit. Es gilt diese Balance zu Halten zwischen den Eingebungen aus einer Anderswelt dem Kunstraum und den ebenso wichtigen Rollen als Mutter, Frau, Freundin, Schwester, Tochter, Haushaltsjongleurin etc. Dazwischen dann noch in Beziehung sein mit den unterschiedlichsten Menschen, als Kunsttherapeutin.
Aus dieser Vielfalt im Erleben, schöpft dann wieder die Kunst.
Unerlässlich sind für mich aber außerdem Auszeiten und All-einSein, vor allem in der Natur. In diese Zeiten nährt sich die Seele, kommt die Kraft und Inspiration zurück, für neue Projekte und nicht zuletzt entsteht so die Kunst.
Wir müssen uns verabschieden von alten Strukturen, Rollenbildern, wirtschaftlichen Annahmen und überholten Vorstellungen. Wir befinden uns in einer revolutionären Zeit des Wandels und wir haben bereits erfahren, wieviel Veränderung eigentlich möglich wäre. Wichtig wäre nun, die eigenen Kompetenzen wahrzunehmen und ins konstruktive Handeln zu finden. Wir können so viel, wenn jede/jeder einzelne einen kleinen Part übernimmt. Eigentlich hätte die gesamte Menschheit die Voraussetzung, satt, gesund und zufrieden im Paradies zu leben. Leider ziehen immer noch, wie spätestens seit dem Mittelalter, die gleichen destruktiven Kräfte auf der anderen Seite: Machtgier, Neid, Maßlosigkeit.
Ich frage mich oft, was nötig wäre, diese Kräfte zu transformieren? Und mein Wunsch ist, dass dieses mit Hilfe der Kunst teilweise gelingen kann.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Ich glaube, dass Kunst sowie die Wissenschaft das Potential hat, das Unmögliche zu erschaffen. Eigentlich würde ich noch darüber hinaus gehen, denn im unendlichen Raum der Kunst ist einfach alles, wirklich alles möglich. Ich wünsche mir eine Kunst, die neben den wichtigen Aufgaben von Kritik, Provokation, Aufrütteln auch ihr Potential einer konstruktiven, inspirierten und aktiven Rolle wahrnimmt. Wir müssen mit unserer Kunst hinaus gehen und die Menschen motivieren, ihr eigenes Leben und damit unsere Welt schaffend und schöpfend zu gestalten, im Einklang mit unserer ursprünglichen Bestimmung und Achtung der Natur. Es können so kleine Dinge sein, die oft unbemerkt große Wirkung haben.
Was liest Du derzeit?
Juicy Gray – Plädoyer für einen Atlas der Kreativität (Bernhard Zünkeler),
Es existiert (Johannes Huber),
Hamster im hinteren Stromgebiet (Joachim Meyerhoff)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Finde das Schöne in deinem Herzen, auf dass du es in jedem Herzen entdeckst. (Rumi)
Vielen Dank für das Interview liebe Andrea, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
1977. Da ist die Erinnerung an den Kauf der ersten David Bowie LP. Es ist der dritte LP-Kauf nach den Beatles und Sweet. Und jetzt tut sich eine neue Welt der Musik, der Kunst, der vielfältigsten Assoziationen, Impulsen auf, die bis weit in die Gegenwart reichen…
Frank Kelleter, Professor für Nordamerikanische Kultur und Kulturgeschichte am J.F.Kennedy Institut der Freuen Universität Berlin, legt mit „David Bowie“ ein ganz besonders persönliches wie musik- kunst- und kulturanalytisches Buch zu einem der bedeutendsten wie faszinierendsten Künstler der Moderne vor.
Kelleter verbindet dabei persönliche Notizen über David Bowie mit einem Abriss zu Leben und Werk, der sehr genau musikalischen Einflüssen, Entwicklungen des Ausnahmemusiker folgt und so ein Gesamtbild entstehen lässt, welches den Künstler wie Menschen David Bowie sehr gut umreißt.
Zahlreiche Informationen zu LP-releases, musikalischen Kooperationen wie kulturellen Facetten im Werk Bowies geben genaue Auskunft und laden auch ein, weiterführend Leben und Werk kennenzulernen.
„Eine wunderbare facettenreiche Vorstellung eines Ausnahmekünstler der Moderne“
Lieber Andreas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mitte September 22: Früh um 7 raus, schnell was frühstücken, versuchen, das Baby zu füttern und rechtzeitig angezogen in den Fahrradanhänger zu verfrachten. Kurz zu Eingewöhnung in der Kita abhängen, heim, Mittagessen, Spielplatz, Abendessen, Sofa, Bett, oder so in der Art. In den Pausen, die das Baby durch seine zwei Nickerchen vorgibt: Homeoffice für das curt Magazin Nürnberg, Mails checken, Rechnungen schreiben oder bezahlen, Spülmaschine, Waschmaschine, Staubsaugerroboter in Tätigkeit versetzen, paar Zeilen am Roman schreiben, paar Zeilen an einem Artikel für ein Magazin/eine Zeitung schreiben, dies, das. Bald wird sich das zur Hälfte in Büro, zur anderen Hälfte in Care-Arbeit aufteilen, wiederum aufgeteilt mit meiner Partnerin, sodass sich in den kommenden Wochen ein neuer Tagesablauf etablieren wird. Und ich herausfinden muss, was ich wo reduzieren kann.
Andreas Thamm_ Schriftsteller, Journalist
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Das gleiche wie immer, Geld und ein liebevolles, unterstützendes und manchmal ablenkendes Umfeld. Mit guten Wünschen und Gottvertrauen kann man nicht heizen und allein ist alles noch viel mühsamer.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur (Film und Theater und so mitgemeint) kann uns ja wie nichts anderes Perspektiven außerhalb unserer eigenen Lebenswelt eröffnen und uns damit bei unseren ewigen Versuchen in Empathie und Menschenfreundlichkeit unterstützen.
Andererseits fand ich die Literaten und Intellektuellen in den vergangenen Monaten im Postulieren, Fordern, Offenebriefeschreiben weder schlau noch hilfreich. Es tut dem Output von Künstler*innen nicht gut, wenn sie ihre Rolle zu wichtig nehmen. Unsere Aufgabe ist es am Ende Literatur zu machen, also Geschichten erzählen und das ist doch auch schon ganz viel.
Was liest Du derzeit?
– Jeff Chi: Who is the Scatman? Eine Graphic Novel über das Leben von John Larkin, besser bekannt als Scatman John, sehr berührend, sehr empfehlenswert.
– Erich Kästner: Pünktchen und Anton. Ich hab irgendwie nie Kästner gelesen und finde es jetzt umso interessanter, mal zu kucken, wie der Sachen gemacht hat.
– Amos Oz: Plötzlich tief im Wald
– Jörg Alt: Widerstand! – Gegen eine Wirtschaft, die tötet. Das ist für eine Recherche.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
All the beautiful things ever seen on our world have, of course, already been seen—are being seen at this instant and will always be seen—by our descendants, and by their doubles who have preceded and will follow them. Scions of a finer humanity, they have already mocked and reviled our existence on dead worlds, while overtaking and succeeding us.
Eliot Weinberger
Vielen Dank für das Interview lieber Andreas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Andreas Thamm, Schriftsteller
Zur Person: Andreas Thamm, geboren 1990 in Bamberg, hat in Hildesheim Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus studiert. Lebt als Journalist, curt-Redakteur Autor und Suppenkoch in Nürnberg. Texte erschienen in: taz, ZON, SPON, Fluter, etc. Bei Magellan erschienen die Jugendromane „Heldenhaft“ und „Wenn man so will, waren es die Aliens“, in der Serie945756 der Roman „Unter Schluchten“. Andreas Thamm ist Kulturförderpreisträger und Arbeitsstipendiat des Freistaats Bayern 2020 und Kulturpreisträger der Stadt Nürnberg 2021.
Foto_privat
20.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Da sind das Leben und die Musik. Kompromisslos. Weiter und weiter. Die Bühne ein Raumschiff. Applaus und Einsamkeit. Hotelzimmer. Fragen, Erinnerungen. Und wiederum Scheinwerferlicht. Bis die Nacht alles umschließt. Da wo alles begann. Der Traum. Das Leben. Die Musik….
Hank Williams, Brian Jones, Janis Joplin, Jim Morrison, Amy Winehouse…
Ernst Hofacker, profilierter Musikjournalist legt mit „Live fast, love hard, die young“ ein beindruckendes wie tragisches Mosaik der Rock`n`Roll Epoche vor, das auch mit spannenden Details zu überraschen weiß.
Hofacker versteht es ausgezeichnet musikalische Legenden in Wort und Bild kompakt vorzustellen und so in Leben und Werk einzutauchen wie auch den Todesumständen nahezukommen und so manches Geheimnis zu lüften.
„Eine dramatische wie beeindruckende Zeitreise zu Musiklegenden des Rock`n`Roll“
„Live fast, love hard, die young“ Tragische Geschichten aus Rock und Pop. Ernst Hofacker. Reclam Verlag.
An einem durchschnittlichen Tag helfe ich morgens den Kindern (13 und 8), sich für die Schule fertig zu machen und arbeite die meiste Zeit von Zuhause für die Agentur, in der ich angestellt bin (35 h/Woche). Dabei wechsel ich manchmal zwei bis drei Mal am Tag den Scheibtisch bzw. Platz, je nachdem, wo mein Mann arbeitet und ob die Kinder auch zuhause sind.
Zu Schreiben versuche ich morgens zwischen 8:30 und 9 Uhr und manchmal abends und/oder am Wochenende. Manchmal habe ich Textbeprechungsgruppen abends oder schreibe noch Mails, die im weiteren Sinne mit dem Schreiben zu tun haben.
Ich muss zugeben, dass es mir gerade schwerfällt, die Frage zu beantworten, weil sich jeder Tag unterschiedlich anfühlt und ich jeden Tag kleine Sachen anders mache, ich esse selten zur genau gleichen Zeit, mal gehe ich mehr spazieren, mal weniger, mal verabrede ich mich in der Stadt oder zu Telefonaten, mal mache ich mehr Haushalts- und Gartenarbeit und Dinge mit den Kindern mal weniger. Manchmal schaue ich tagelang abends Serien, dann wieder gar nicht. Alle zwei Monate etwa bin ich eine Woche in Berlin und ich versuche, einmal die Woche in einen Coworkingspace in der Innenstadt von Uppsala zu gehen, weil mir auf Dauer doch die Decke auf den Kopf fällt und ich mich nachmittags, wenn die Kinder auch zuhause sind, schlecht konzentrieren kann.
Eva Brunner, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich glaube, Hoffnung und Freude nicht ganz zu verlieren und das auch an Kinder und Jugendliche zu vermitteln.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Im Moment habe ich eher den Eindruck, dass der eigentlich nötige Neubeginn gar nicht kommt. Dass wir alle unter den täglichen Belastungen und der Fülle an schlechten Nachrichten leiden, von den Pandemiejahren geschwächt und nun deprimiert und verunsichert sind. Wir wissen, dass wir so nicht weiterleben können, aber nicht wie wir es als Einzelne oder in kleinen Gruppen verändern können.
Die Literatur und Kunst kann alles Mögliche, ablenken, trösten, inspirieren, verstehen helfen, irritieren, fordern.
Was liest Du derzeit?
Als letze Romane habe ich »Dschinns« von Fatma Aydemir und »Eufori« und »Snö och Potatis«, zwei schwedische Romane, gelesen. Gerade springe ich ein bisschen zwischen der Biografie »Sontag. Her Life and Work« von Benjamin Moser, dem Hörbuch »Against White Feminsm« von Rafia Zakaria und dem Lyrikband »Rückruf« von Marie T. Martin.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
»wie du Halme knickst, wenn du weitergehst / zurück zu den Häusern den Strommasten« (Marie T. Martin)
Vielen Dank für das Interview liebe Eva, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Eva Brunner, Schriftstellerin
Kurzbio
Eva Brunner, *1980 in Siegen, lebt als freie Autorin und Angestellte der Berliner Kreativagentur Henkelhiedl in Uppsala/Schweden. Sie promovierte über „confessional poetry“ und veröffentlichte literarische Texte online, in Anthologien und Zeitschriften. Zuletzt erschienen ihr Lyrik-Debüt „Achtung, die Naht“ (parasitenpresse) und der kollaborative Gedichtzyklus „Die Mandarinenorakel“ zusammen mit Elke Cremer, herausgegeben von GE59. Sie schreibt regelmäßig für „Other Writers Need to Concentrate”, einer Initiative zur Vereinbarung von Autor*innenschaft und Elternschaft.
Foto_Leif Santoso Knobbe
21.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Christl, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Derzeit beschäftige ich mich mit der Bekanntmachung von meinem neuen Lyrikband „berichte von der innenfront“ (Edition Lex Liszt 12, Oberwart). Nach dem Sommerloch geht es jetzt Anfang September heftig los mit Lesungen, die ja auch vorbereitet und beworben werden wollen. Ich arbeite meist abends und nachts, leider, weil tagsüber ständig Dinge dazwischenkommen. Wenn immer möglich, schiebe ich in diese sachlichen Arbeiten kleine Poesie-Phasen ein.
Christl Greller, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Da viele Menschen unter den Pandemie-Restriktionen gelitten haben, ist meiner Meinung nach das Aufarbeiten und Bewältigen der Bedrückungen vorrangig. Nur auf einem gut geglätteten Boden kann man ein stabiles Haus aufbauen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Es gibt aus meiner Sicht zwei Gruppen von Kolleginnen und Kollegen: Die einen – wie ich schon erwähnte – haben eine Leidenszeit hinter sich. Die anderen fanden oft zu ihrer eigenen Überraschung speziell die Lockdown-Zeit als Geschenk für ihre Kreativität. Daraus ergibt sich der jeweilige Aufbruch und Neubeginn: Es gibt keine „freigeschaufelte“ Kreativzeit mehr, und man will ja auch präsentieren, was entstanden ist.
Die Bedrückten müssen sich aus ihrem Tief herausarbeiten und ebenfalls zu ihrem künstlerischen Alltag zurückfinden.
Wobei ALLTAG positiv gemeint ist. Die Kunst schenkt uns ja die Möglichkeit, aus ALLen TAGen etwas Besonderes zu machen. Darin sehe ich auch einen Teil der Rolle der Kunst. Wir sind umzingelt von prosaischen Aufgaben, Banalitäten, Routine-Arbeiten. Gerade jetzt brauchen wir etwas, das uns aus diesem Strudel heraushebt. Literatur tut genau das auf vielfältige Weise, besonders die Poesie. Und die brauchen wir mehr denn je. Poesie ist ein Menschenrecht.
Was liest Du derzeit?
„Sagtest du Liebe?“ von C.H. Huber
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Einen Spruch von Lao Tse:
„Wenn du es nicht in deinem Inneren findest – – wo willst du danach suchen?“
Vielen Dank für das Interview liebe Christl, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Christl Greller, Schriftstellerin
Neuerscheinung:
Foto_Portrait_Renate Ritter
30.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.