„Das reicht! So etwas lasse ich mir nicht gefallen!“ …Sie wandte sich kein einziges Mal mehr um…“ Rosa geht.
Und dann klopft es an der Wohnungstür von Jeremias, dem „Ex-Schriftsteller“. Immer wieder kommt ihm „Ex, Ex, Ex…“ nunin den Sinn „Ehemann, Vater, Dienstnehmer…“…sein Leben im Licht und Dunkel und jetzt sitzt er hier in der Küche mit den Vernehmungsbeamten. Und alles an „Ex“ zieht vorbei…
„Kennen Sie eine Person mit Namen Rosalinde Fuchs?“
Ex. Bilder im Kopf. Wege. Erinnerungen. Eine Reise beginnt in das Labyrinth eines Lebens in Rausch, Einsamkeit und Tragödie…
Und dann das Gewehr…
Heinz Kröpfl, mehrfach ausgezeichneter österreichischer Schriftsteller, legt mit „Jagdrausch“ einen Roman vor, der in formaler wie inhaltlicher Raffinesse von Textmontage und Erzählspannung beeindruckt. Der Autor versteht es meisterhaft in gleichsam spielerischer wie selbstbewusster Variation von Perspektivenwechsel Leserin und Leser von Beginn an in eine hintergründige Liebes-, Lebensgeschichte mitzunehmen und bis zur letzten Seite mit fulminantem Finale zu begeistern. Hier verbinden sich literarischer Mut mit einem ausgezeichneten Sinn für Erzählspannung.
„Ein Roman, in dem sich literarischer Mut mit Erzählspannung beeindruckend verbinden.“
Buch: „Jagdrausch“ Heinz Kröpfl. (K)ein Kriminalroman. Anton Pustet Verlag
Liebe Zarah, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Im ersten Jahr der Pandemie hat sich in London ein Writers‘ Salon gebildet – eine große Gruppe von Schreibenden und Kunstschaffenden trifft sich online, bis zu viermal am Tag, für je eine Stunde, meist über hundert Menschen aus aller Welt. Ich hätte nicht gedacht, dass es etwas für mich ist, aber dieses gemeinsame leise Arbeiten, mit einem inspirierenden Zitat am Anfang und einem Austausch über die Projekte in den Chats hilft mir sehr, dem Schreiben so viel Raum zu geben wie möglich – ich kann es nur empfehlen!
Zarah Weiss, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zuhören und immer weiter lernen. Offen sein, die eigenen Grenzen kennenlernen, sich engagieren. Immer wieder Energie suchen, nach Geschichten Ausschau halten, staunen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Empathie zu schaffen. Literatur und Kunst vermögen vielleicht oft nur im kleinen Raum verändern, aber sie prägen uns doch in allem, was wir sind und sie halten vor allem fest, wer wir sind und in welcher Welt wir uns bewegen. Der Breaking-Bad-Hauptdarsteller Bryan Cranston schreibt in seiner Autobiografie: „Storytelling is the essential human art. It’s how we understand who we are.“ Und das führt zu Empathie: Durch Geschichten sehen wir unsere Komplexität, unsere Schatten, unsere Wünsche und Gefühle, unsere Vielfältigkeit und Diversität. Und verändern vielleicht doch etwas.
Was liest Du derzeit?
„Notes of a Native Son” von James Baldwin
Und immer wieder greife ich für einige kleine Ausschnitte nach Maggie Nelsons „Bluets“ und Rainer Maria Rilkes „Briefe an einen jungen Dichter“
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
“Do stuff. Be clenched, curious. Not waiting for inspiration’s shove or society’s kiss on your forehead. Pay attention. It’s all about paying attention. Attention is vitality. It connects you with others. It makes you eager.”
– Susan Sontag, Vassar College Commencement Speech (2003)
Vielen Dank für das Interview liebe Zarah, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Ich gehe morgens joggen oder mache Yoga, dann heißt es Lesen und Schreiben – immer mit Tee in der Tasse vor mir. Vieles läuft international und digital ab, Kanäle wie Zoom sind mittlerweile Standard in unserer Branche. Im Moment bin ich mit verschiedenen Projekten am Start und ab September wieder auf der Bühne. Darauf freue ich mich sehr und bin froh, wenn die Begegnungen dann wieder vermehrt persönlich stattfinden. Das kann das Digitale nicht ersetzen, trotzdem hat es auch seine Vorteile. Es ist nicht mehr so wichtig, wo man sich befindet, das hilft mir als globaler Mensch enorm.
Zoe Hutmacher, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Es ist so viel los in der Welt und aktuell auch grad sehr viel in Europa, positiv bleiben fällt zunehmend schwerer. Aber spontan würde ich sagen: Ruhe bewahren, Zusammenhalt, Akzeptanz!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Jemand hat mal gesagt: Die Schwierigkeit ist nicht, das Neue zu entfachen, sondern das Alte loszuwerden. Ich hoffe, dass viel Neues entsteht in der Post Covid-Ära, in der wir uns nun befinden. Eine Zeit, mit der auch ein neues Sehen und Verstehen verbunden ist, ein Umdenken. Dass z.B. Differenziertheit und Anderssein in Film und Theater nicht mehr groß diskutiert werden, sondern Vielschichtigkeit als selbstverständlich angesehen wird. Das ist das neue “Normal”.
Was liest Du derzeit?
Ich lese oft zwei bis drei Bücher auf einmal. Für meine Seele sind auf jeden Fall immer Comics dabei, im Moment ‘Promethea’, von Moore/Williams/Gray. Dann lese ich noch ‘The Power’ von Naomi Alderman und ‘Tribes Of Mentors’ von Timothy Ferriss.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„There’s a starman waiting in the sky
He’d like to come and meet us
But he thinks he’d blow our minds„
-The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders From Mars
Vielen Dank für das Interview liebe Zoe, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Zoe Hutmacher, Schauspielerin
Foto_privat
11.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Nora Krehan, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris)
Liebe Nora, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?
Ich habe mir vor allem früher sehr gerne Bilder von ihr angesehen und beim Betrachten ihrer Bilder hatte ich immer das Gefühl, auch zu meiner eigenen Seele Zugang zu finden.
Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?
Ich kenne die Filme zu wenig. Habe als Kind die Sissi-Filme bewundert und sie gemeinsam mit meiner Oma angesehen. Die Sehnsucht, die dadurch in uns beiden ausgelöst wurde, hat uns in diesen Momenten sehr verbunden.
Gab es Berührungspunkte zu Werk und Leben Romy Schneiders in Deinen bisherigen Schauspielprojekten?
Ich glaube, dass ich ein etwas ähnlicher Frauentyp bin und dadurch auch für ähnliche Rollen in Frage komme. Und natürlich verbindet uns auch Wien und die immerwährende Liebessehnsucht.
Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Leben und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?
Romy Schneider war von Anfang an berühmt, da war das Spannungsverhätnis ein anderes als bei vielen Schauspielern, die das Leben dafür geben würden und geben, um überhaupt diesen Beruf ausüben zu dürfen. Das bedeutet oft viel Verzicht, abgelehnt werden und Schmerz. Romy musste um den Beruf an sich nicht so kämpfen, da war es eher das Leben, das ihr innere Herausforderungen und Schmerzen zugefügt hat. Und das wiederum hatte bestimmt auch Auswirkungen auf ihr Schauspiel.
Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?
Ich war früher sehr frei, überall hinzureisen, wo mir eine Rolle angeboten wurde und habe das auch getan. Momentan sind meine Freiheiten diesbezüglich sehr eingeschränkt durch meine Kinder. Die letzten Jahre habe ich kaum gespielt, dafür aber einen wundervollen neuen Beruf erlernt, der mir mindestens ebenso viel Freude bereitet und den vielleicht jeder Schauspieler zumindest im Ansatz erlernen sollte: Shiatsu. Vielleicht werde ich Shiatsu demnächst an Schauspielschulen unterrichten.
Was kann eine Schauspielerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?
Unglaubliche Inspiration und ein Seelenstrahlen, das nicht anders kann als tief zu berühren.
Gibt es etwas typisch Wienerisches bei Romy Schneider?
Diese Melange aus tiefer Sehnsucht und süßester Süße
Was bedeutet Dir Wien/Österreich und welche Erfahrungen hast Du hier im Schauspielberuf gemacht?
Da müsste ich zu sehr in der Vergangenheit wühlen. Es würde mich mehr interessieren, welche Erfahrungen ich hier noch in Zukunft machen könnte.
Wie siehst Du die Möglichkeiten als Schauspielerin in Wien/Österreich?
Gute Möglichkeiten für den Start und irgendwie geht immer irgendetwas, aber richtig berühmt werden hier nur die wenigsten.
Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?
Mit großer Freude und Leichtigkeit spielen zu dürfen ohne zuvor jemals wieder vorsprechen zu müssen.
Was sind Deine kommenden Projekte?
Eine Frauenwoche mit Yoga und Shiatsu und weiterer Aufbau meiner Shiatsupraxis
Was möchtest Du Schauspielstudenten*innen mitgeben?
Es ist wichtig, viele Lebenserfahrungen zu machen. Alles fließt ins Schauspiel ein und verleiht ihm mehr Tiefe. Körperarbeit ist auch gut und wichtig. Aber das Schauspiel soll nie der einzige Lebensinhalt sein. Und auch nicht das einzige Ziel. Sonst wird es hohl und leer. Glaube an dich und folge deiner Freude!
Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?
Ich würde ihr gerne Shiatsu geben 🙂
Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?
Bestimmt war der Tod ihres Sohnes sehr, sehr schmerzhaft. Seit ich selbst Mutter bin, kann ich ahnen, welche Verzweiflung und Leere das in ihr ausgelöst haben muss. Ihr großer Ruhm und die damit verbundene Angst vor dem Fall hat vielleicht auch dazu beigetragen.
Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Schneider Achrostikon bitten?
Ruhm
Ohnmacht
Mut
Yachtenmuse
Nora Krehan, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris)
Liebe Cassandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Momentan habe ich einen fast 14-Stunden Arbeitstag, weil ich ein Gastspiel meiner Salzburger Inszenierung von Thomas Bernhards „Der Ignorant & der Wahnsinnige“ in meiner Heimat Schwerin vorbereite. Bis zum Tag der Aufführung muss noch viel getan werden und meine nächsten Produktionen in Salzburg, Budapest und Deutschland stehen schon in den Startlöchern.
Wohl keiner von uns hat damit gerechnet, noch in unserer Lebenszeit vor gleich vier Weltkatastrophen zu stehen: Klimawandel, Krieg, Corona, Energiekrise. Besonders wichtig ist… es zu überleben.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Gerade jetzt wird Kunst besonders wichtig, die zum Denken anregt, Lösungen aufzeigt oder auch einfach nur zu entspannen hilft.
„Man kann mit Kunst über die Zeit ohne Brot kommen, aber niemals mit Brot über die Zeit ohne Kunst.“
Was liest Du derzeit?
Erich Fromm – Kunst des Liebens
Marc Aurel – Selbstbetrachtungen
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Du musst Chaos in dir tragen, um einen tanzenden Stern zu gebären.“ Friedrich Nietzsche
Vielen Dank für das Interview liebe Cassandra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-. Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!