
2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann
Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
im Interview _ Klára Hůrková, Schriftstellerin _ Aachen/D.
Liebe Klára, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Bachmann wurde in Prag der 70. und 80. Jahre, als ich zu Schule und zur Uni ging, nicht ein Teil des Curriculums – sie gehörte wohl zu den sogenannten „bourgeoisen Schriftsteller*innen“, die das damalige Regime ablehnte. Deshalb lernte ich ihr Werk erst viel später kennen, durch eine deutsche Freundin, die über „Malina“ ihre Abschlussprüfung gemacht hat. Ich mag vor allem Bachmanns Gedichte und Erzählungen, zum Beispiel „Undine geht“. Schon seit meiner Kindheit war ich von Feen, Rusalkas, kleinen Meerjungfrauen, Nymphen und Undinen fasziniert – Ich glaube, Ingeborg Bachmann war selbst so ein Wesen…
Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?
Sie denkt und schreibt in sehr eigenen, wunderschönen Metaphern und Vergleichen. Gleichzeitig ist ihre Sprache musikalisch. Beides – das Bildhafte und das Musikalische – macht die große Poesie aus. Sie will immer die Tiefe berühren, die Wahrheit finden, und obwohl sie über eine umfangreiche Kenntnis der abendländischen Ideenwelt verfügt, geht sie kompromisslos von ihren eigenen subjektiven Wahrnehmungen und Bewertungen aus, die sie artikuliert, strukturiert und durch ihre Kunst auf eine allgemeine Ebene hebt.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
Ich bewundere ihre Gedichte aus den beiden Sammlungen „Die gestundete Zeit“ und „Anrufung des Großen Bären“. Mit zwei Freundinnen habe ich im privaten Kreis über das Buch „Der Fall Franza“ diskutiert, in dem sie ihre großen Themen behandelt – die Unterdrückung der Frauen und die männliche Dominanz, die Krankheit und den Tod. Wir fanden das Buch sehr bedrückend. Ich kann sehr gut verstehen, warum Bachmann die Arbeit daran abgebrochen hat. Die Wahrheitsfindung tut manchmal richtig weh. Jetzt muss ich an Franz Kafka denken, dessen Romane auch Fragmente geblieben sind – vielleicht aus demselben Grund. Bei „Malina“ ist es Bachmann immerhin gelungen, das Werk zu vervollständigen.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich würde ihr sagen: „Danke dafür, dass Sie sich für alles Schwache und Unterdrückte und für die Poesie im weitesten Sinne eingesetzt haben! Ihr Leben war viel zu kurz, aber Sie haben sehr viel getan und viel erreicht.“
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich schreibe wie immer Gedichte über alles, was mich berührt und beschäftigt. Darüber hinaus versuche ich schon seit langem, Prosa zu schreiben über mein Ankommen in Deutschland und die ersten Jahre meiner Emigration. Aber das ist sehr schmerzhaft und ich breche es immer wieder ab…
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Deck mir, Nacht, die Augen / mit dem Narrenhut.“ (Heimweg. In: Anrufung des Großen Bären)
Herzlichen Dank für das Interview!

Zur Person/über mich: – Vita
Website: https://www.hurkovaklara.de/ 24.9.2026
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Klára Hůrková _ privat
Walter Pobaschnig, 24.9.2026