Liebe Eva Schreiber, ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?
Ich komm nicht drauf, wie die Frage gemeint ist. Ok, es ist 05:26 nach drei intensiven Tagen.
Was zeichnet einen österreichischen Gast aus?
Er führt sich halbwegs anständig auf, wenn er sehr sehr nett behandelt wird.
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Öhm, das bräuchte jetzt noch einen Edi Finger, den sen. Aber es war schon sehr schön.
Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint mit dem WIR geschickt Deutschland narzisstisch überlisten?
Interessante Idee. So hab ichs noch gar nicht gelesen. Jedenfalls hatte ich das Vergnügen, mit etlichen BesucherInnen ins Gespräch zu kommen, die vergeblich versucht haben, „meaoiswiamia“ auszusprechen. Wies genau gemeint ist, tja, darüber haben wir dann gemeinsam nachgedacht. Lautmalerisch ists jedenfalls wunderschön.
…oder als Selbstkritik des Literaturbetriebes?
Haha. Vielleicht als Lob an den Gastgeber, quasi als Einladung an potenzielle Sommergäste.
Was nimmt ein österreichischer Gast aus Deutschland mit. Offiziell und inoffiziell.
Offiziell: Großartige Organisation, wunderbare Veranstaltungen, großzügige Gastgeber – der Empfang im Gewandhaus, das hatte schon was.
Inoffiziell: Ich lass eine Bitte da: Bitte alle Klo-Kabinen offiziell für alle BesucherInnen vorsehen, dann fühlt man sich nicht so komisch, wenn man aufs Männerklo geht, um die Schlange vor dem Frauenklo etwas abzukürzen.
Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich?
3:2 für Österreich. Aber warum klingen bloß viele junge AutorInnen aus Österreich wie junge AutorInnen aus Deutschland?
Herzlichen Dank!
Zur Person_Schreiber Eva wurde 1962 geboren und wuchs in Mannersdorf am Leithagebirge in Niederösterreich auf. Sie studierte in Wien und Linz und war 30 Jahre lang als Journalistin, Pressereferentin und Konsumentenschützerin in den Arbeiterkammern für NÖ und später für das Burgenland tätig. Seit 2003 lebt sie in Winden am See, seit 2018 ist sie freie Autorin.
Nach Reportagen aus der Arbeitswelt und Reiseberichten begann Eva Schreiber mit dem Verfassen von literarischen Texten. Erste Veröffentlichungen waren 2017 Nobody saw me writing this über die Künstlerin Fria Elfen (ORF Burgenland) und 2019 Mein Abenteuer Motorsport, die Biografie eines Rennfahrers. Mit dem Text Leermeldung war Eva Schreiber auf der Shortlist des Ö1-Literaturwettbewerbes 2017. Mit Trude und Amalie gewann sie 2019 den ersten Platz beim Literaturpreis der Energie Burgenland. Ihre Kurzgeschichte Schau, da unten sind die Indianer … war auf der Longlist des FM4 Literaturwettbewerbes Wortlaut 2021. Eine Ahnung vom Ende des Glücks ist ihre erste Buchveröffentlichung.
Aktuelles Buch_Eva Schreiber, Eine Ahnung vom Ende des Glücks. Kurzgeschichten. Edition lexliszt12. 2022
„Eva Schreibers Kurzgeschichten handeln vom Vergessen und Vergehen, von der Brüchigkeit menschlicher Beziehungen, aber auch von den Absurditäten des Alltags. Die Autorin schildert all das mit einem wertschätzenden Blick auf ihre Figuren, einem angedeuteten Augenzwinkern und in einer angenehm knappen Sprache, die ohne überflüssige Verzierungen auskommt. Nicht nur die Titelgeschichte vermittelt dabei das, was in Eva Schreibers literarischem Universum allgegenwärtig mitschwingt: eine Ahnung vom Ende des Glücks.
Man muss in Würde sterben können, sag ich immer. Ich wär schon dafür, dass die Ärzte was machen können, wenn man keine Lebensqualität mehr hat. Das Schwierige ist nur, wann ist der Moment? Ich hätt Angst, dass ich den Moment versäum. Aus der Kurzgeschichte: Um einen Strich in der Hose hat man sich nicht gekümmert …“
Eva Schreiber, Eine Ahnung vom Ende des Glücks. Kurzgeschichten. Edition lexliszt12. 2022
Coverbild: Manu Tober Artikel-Nr.: 978-3-99016-223-1 20,00 € Bruttopreis
Lieber Markus Köhle, wie verhält sich ein Gastgeber als Gast zum Gastgeber als Gast im Gastland?
Mit Respekt und Hochachtung für all das, was auf die Beine gestellt wurde und gleichzeitiger Erleichterung, selbst keine Gastgeberrolle gespielt haben zu müssen.
Wie lange bleibst Du? – wird Österreich in Leipzig dies zuerst gefragt?
Auch den City-Light-Posters in Rotation vermutlich sieben Tage lang. In den Herzen vermeintlich für immer. Österreich wird nicht gefragt, Österreich ist gefragt. Gut so.
Warum wird Leipzig Österreich nicht vergessen?
Weil sich das Wienerisch-Nasale als Ohrwurm meaoiswia der Slogan eingenistet hat.
Ist „Meaoiswiamia“ eine Aussage bei einem Scheidungsrichter?
Mia wean kan Richter nit brauchen um uns von Leipzisch wieder zu scheiden.
Was nimmt der Gast Österreich aus Deutschland mit? Offiziell und inoffiziell.
Als Teil des siegreichen Slam-Teams nehm ich offiziell eine Urkunde über sieben in Sachsen gepflanzte Bäume mit. Inoffiziell haben wir naturgemäß Vorurteilsberge versetzt.
Herzlichen Dank!
Zur Person_
Markus Köhle schreibt, um gehört zu werden. Er ist Sprachinstallateur, Literaturzeitschriftenaktivist und Papa Slam Österreichs.
Er studierte in Innsbruck und Rom Germanistik und Romanistik, war 2004-2006 Forschungsprojektassistent an der Universität Innsbruck. Seit 2001 ist er literarisch, literaturkritisch, literaturwissenschaftlich und auch als Literaturveranstalter aktiv.
Seit 2002 veranstaltet er Poetry Slams. Er macht Lesungen, Vorträge und Workshops in Schulen, Universitäten und diversen Kulturveranstaltungsorten im In- und Ausland (z.B. Österreich Bibliothek Jerewan, Goethe Institut Alexandria, Taschkent, Österreich Institut Kairo, Ljubljana, Sommerakademie Zakynthos, Universität Maribor, Skopje, Tetovo, Prag, Stellenbosch, Grahamstown, …).
Liebe Evelyn Bubich, ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?
Definitiv. Und in Wahrheit freut man sich ja auch ganz narrisch aufeinander. Aber wären (österreichische) Bücher bloß so populär wie österreichische Badeseen …
Was macht den österreichischen Gast aus?
Auch sie:er badet gern (es gibt übrigens auch in unmittelbarer Nähe von Leipzig sehr idyllische Seeufer). Sein:Ihr Pro-Kopf-Absatz von Kaffee (Betonung liegt auf der zweiten Silbe) liegt wiederum über dem der:des deutschen, das mit dem Veltliner und so muss ich ja nicht erwähnen, das ist schon sehr abgedroschen. Lassen wir die Klischeetrommel also eher ungerührt.
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Also, als Wunder (in »unserem« Fall) würde ich es jetzt nicht bezeichnen. All die Kraft und Arbeit, die hier drinsteckt, allerdings schon. Und es wird garantiert das ein oder andere Wunder geschehen. Oder wie war das bei »uns« … man wird sich noch … Nena wusste es jedenfalls besser. Und in jedem Fall hat die österreichische Literatur(szene) – eben – weit mehr zu bieten, als dies vor Leipzig Erwähnung fand. Auch nach Leipzig.
Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint mit dem Österreich geschickt narzisstisch Deutschland überlistet?
Ich glaube, je mehr man sich hier hineindenkt, desto mehr denkt man sich hier wieder hinaus.
…oder als Kritik am Literaturbetrieb?
Da bin ich mir nicht ganz sicher. Aber in (Selbst-)Kritik steckt auch Wachstumspotenzial.
Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich?
Das ist doch ganz klar!
Herzlichen Dank!
Zur Person_Evelyn Bubich lebt und arbeitet als Autorin, Lektorin und Literaturvermittlerin in Wien und gern auch andernorts. Mehr auf https://www.textzeit.at
Liebe Irene Diwiak, was macht den österreichischen Gast aus?
Dass er aus Österreich kommt. Und dass er irgendwann wieder geht.
Irene Diwiak,Schriftstellerin _ Wien
Ist Österreich für Deutschland nicht immer (nur) ein Gastland?
Es ist ja ein Privileg, immer „Gastland“ zu sein – und nicht etwa auf gut amerikanisch ein „asshole state“. Wobei unser Ruf in Deutschland besser ist als verdient, eigentlich, weil Deutsche in der Regel die österreichische Innenpolitik nicht verfolgen. Ihnen würde aber auch der richtige Humor dafür fehlen.
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Literarisch haben wir kein Cordoba nötig. Da hat sich Österreich schon sehr gut etabliert beim großen Nachbarn. Das liegt auch daran, dass wir (noch!) viel bessere Förderungsstrukturen haben als die Deutschen. Gute Literatur ist nämlich vor allem eine politische Entscheidung. Guter Fußball vermutlich auch. Aber gute Literatur ist mir persönlich wichtiger.
Ist „Meaoiswiamia“ Ausdruck des österreichischen Minderwertigkeitskomplexes?
Das könnte man so interpretieren. Oder auch als Majestätsplural. Die imperialen Phantomschmerzen sind ja auch nach hundert Jahren noch ein bisschen zu spüren. Und manchmal musste ich schon ein bisschen schmunzeln darüber, wie sehr sich Österreich da selbst abfeiert auf der Messe. Ist das noch Ironie oder doch schon so ein ganz, ganz, ganz kleines bisschen Nationalismus?
…oder auf den Literaturbetrieb selbst bezogen?
Oder auf die Literatur an sich. Deswegen ist die Frage „Was hat der Autor / die Autorin mit dem Text gemeint?“ stets obsolet. Literatur ist immer mehr als das, was der Autor / die Autorin meint. Auch mehr, als er / sie schreibt, übrigens. Das macht die Magie der Literatur aus.
Was hat Österreich was Deutschland nicht hat?
Die ÖBB.
Herzlichen Dank!
Irene Diwiak,Schriftstellerin _ Wien
Zur Person_Irene Diwiak, geboren am 10. Dezember 1991 in Graz, aufgewachsen in Deutschlandsberg, Studium der Judaistik, Slawistik und Komparatistik in Wien. Nebenher viel Theater, auf und hinter der Bühne. Zahlreiche Literaturpreise, u.a. bei der Jugendliteraturwerkstatt Graz (2005, 2008), FM4-Wortlaut (2013), Theodor-Körner-Förderpreis (2015), Jurypreis beim Autorenwettbewerb der Nibelungen-Festspiele Worms (2015), Förderpreis der Stadt Graz (2018), Stipendiatin am Literarischen Colloquium Berlin (2019), Literaturstipendium der Stadt Graz (2020), Stipendium für Dramatik der Stadt Wien (2021). Ihr Theaterstück „Die Isländerin“ wurde 2016 in Worms uraufgeführt. Ihr Debütroman „Liebwies“ erschien 2017 bei Deuticke (Taschenbuchausgabe 2019 bei Diogenes) und stand auf der Shortlist für den Debütpreis des Österreichischen Buchpreises. Ihr zweiter Roman „Malvita“ ist 2020 bei Zsolnay erscheinen. Ihr dritter Roman erscheint voraussichtlich 2023 bei C. Bertelsmann, München.
„Irene Diwiak schreibt klug, humorvoll und stark. Das mag böse wirken, denn sie löst in keiner Sekunde den Blick von der enormen Eitelkeit des Menschen und enthüllt damit die Brutalität des Banalen.“ (Marija Bakker, WDR5, 15.12.17)
Lieber Volker Kaminski, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Sehr unspektakulär, fürchte ich. Vor dem Frühstück eine Gymnastikeinheit auf der Matte und ein wenig Hanteltraining, gefolgt von einem längeren Spaziergang (zwecks Bewegung und Einfällesammeln).
Anschließend die Vormittagssitzung (Lektüre von Rezensionstiteln oder Masterarbeiten mit anschließendem Verfassen eines Gutachtens o. Ä.).
Nach der Mittagspause ab 16Uhr Nachmittagssitzung: Arbeit am Eigenen! Höhepunkt des Tages!
Abends Privates, Lesung, Konzert, Theater, Vernissage oder Tummeln auf dem Berliner Parkett (z.B. in Botschaften und Landesvertretungen) mit einem Entspannungsgläschen Rotwein.
Volker Kaminski, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Sich nicht verdüstern und einschüchtern lassen von der aktuellen Weltlage. Rückgriff auf Ressourcen und Erfahrungswissen. Pläne schmieden, Ziele ins Auge fassen. Als Künstler sich nicht entmutigen lassen, immer den Kopf oben behalten und ansonsten dem folgen, wohin der eigene Antrieb dich steuert. Ganz wichtig auch: sich vernetzen und mit anderen austauschen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Das ist schwer einzuschätzen. Vermutlich wird es wesentlich darum gehen, unser freiheitliches Leben auf der Basis demokratischer Grundrechte und eines funktionierenden Parlaments mit Meinungsvielfalt und Parteienpluralität aktiv zu verteidigen. Kunst und Literatur werden dann die Leuchttürme der freien Individualität bleiben, Ausdruck selbstbewussten Bürgersinns, selbst extreme Kunstwerke muss es weiter geben dürfen – da erwarten uns noch kontroverse Diskussionen.
Was liest Du derzeit?
Den wundervollen Roman „Fünf Minuten vor Erschaffung der Welt“ meines Verlagskollegen Wolf Christian Schröder (PalmArtPress). Eine verrückt-liebenswerte Lektüre, jedoch mit erstaunlich viel negativer Energie, ohne dass sich dabei Hoffnungslosigkeit ausbreitet.
Die Romane von Patrick Modiano, z. B. „Im Café der verlorenen Jugend“ oder „Eine Jugend“. Ein äußerst ökonomisch arbeitender Autor, dessen Romane Geheimnisse enthalten und in ihrer scheinbaren Harmlosigkeit menschlich ins Herz treffen.
Toll und spannend ist auch: „Die Anomalie“, von Hervé Le Tellier. Eine Spur Science Fiction, formal ungewöhnlich. Ein Flugzeug verdoppelt sich auf rätselhafte Weise, samt aller Passagiere und der Crew. Wie ist so etwas möglich? Darauf wird im Roman eine Antwort gesucht. Herrlich verrückt!
Ansonsten mische ich gerne unter die neuen Titel auch immer wieder Älteres, Bewährtes wie zuletzt: „Der Steppenwolf“ von Hermann Hesse oder Aufsätze von Thomas Mann (gerade gelesen: „Deutsche Hörer“, Manns Abrechnung mit Hitler-Deutschland in einer Vielzahl von BBC-Reden).
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Reisen hat keinen Reiz, wenn du nirgendshin heimkehren kannst.“ Stanislaw Lem.
Vielen Dank für das Interview lieber Volker, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Volker Kaminski, Schriftsteller
Zur Person_
VOLKER KAMINSKI, geb. 1958 in Karlsruhe, Studium Germanistik/Philosophie, lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Er veröffentlicht Kurzgeschichten, Glossen (Berliner Zeitung), zahlreiche Romane, z.B. „Herzhand“ 2021, „Der Gestrandete“ 2019, „Auf Probe“ 2018, „Rot wie Schnee“ 2016. Im Herbst 2023 erscheint der Roman „RUA17“ bei PalmArtPress Berlin.
Kaminski rezensiert Romane aus dem arabisch-persischen Kulturraum für die Deutsche Welle. Seit 2014 ist er Lehrbeauftragter an der Alice Salomon Hochschule in Berlin und unterrichtet dort Creative Writing in einer Romanwerkstatt. Außerdem bildet er Autor*innen aus über das Institut für kreatives Schreiben (IKS). Stipendien: Alfred Döblin-Stipendium. Stipendium Kunststiftung Baden-Württemberg, Stipendium Künstlerhaus Edenkoben.
Ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?
Ich hoffe nicht
Was liest ein österreichischer Gast in Deutschland?
Ein Buch eines deutschen Autors, das mich unlängst sehr beeindruckt hat, war „Freudenberg“ von Carl-Christian Elze
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Hoffentlich ist es nur der Beginn einer Reihe von außergewöhnlichen Erfolgen
Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint mit dem WIR geschickt Deutschland narzisstisch überlisten?
Ich denke, meaoiswiamia ist ein spannender Zugang zu der Vielfältigkeit und Vielgestaltigkeit eines Landes, das diese viel zu oft und ohne ersichtlichen Grund zu verstecken versucht.
Was kann Österreich aus Deutschland und Deutschland aus Österreich gestohlen bleiben?
Gegenseitige Vorurteile.
Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich?
Ich freue mich über jeden Menschen, der tatsächlich bereit ist, sich mit Herz und Hirn einem Buch zu widmen, egal woher er kommt
*1990 in Wien, Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (Magisterium) und der Philosophie (Bachelor) an der Universität Wien.
Publikation des Debütromans „Das Fell der Tante Meri“ (2014) und des zweiten Romans „Chikago“ (2017) im Picus Verlag. Mit ihren Theaterstücken steht Theodora Bauer seit 2016 bei Schultz & Schirm unter Vertrag.
Teilnahme am 20. Klagenfurter Literaturkurs im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Preises mit dem Manuskript von „Chikago“ (2016). „papier.waren.pospischil“ gewinnt den 1. Preis beim Festival „Die Freiheit des Lachens“ am Salzburger Landestheater (2017) und wird im März 2019 dort uraufgeführt. Theodora Bauer erhält den Anerkennungspreis der Burgenlandstiftung Theodor Kery für „Chikago“ (2018) und das DramatikerInnenstipendium des Bundes für ein in Arbeit befindliches Theaterstück (2018). Die Süddeutsche Zeitung setzt den Roman auf die Liste der „10 Bücher des Jahres“ (2017). Mit „Chikago“ kommt sie ins Finale des Alpha-Literaturpreises 2018. 2019 erhält Theodora Bauer den Förderungspreis für Literatur der Stadt Wien. 2019-2020 verbringt sie zwei Monate am Deutschen Haus der New York University in NYC im Rahmen eines Schreibaufenthaltes. Im Spring Term 2022 ist Theodora Bauer Writer in Residence und Gastdozentin an der BGSU (Bowling Green State University) in Ohio. 2022 erhält sie sowohl das Projektstipendium des Bundes für ihren neuen Roman als auch den rotahorn-Literaturpreis.
Sie moderiert die Literatursendung „literaTOUR“, die im österreichischen Sender ServusTV ausgestrahlt wird.
Short Biography in English
Born in Vienna in 1990, Theodora Bauer studied Philosophy (Bachelor) and Communication Science (Master) at the University of Vienna. Her debut novel „Das Fell der Tante Meri“ („Aunt Meri’s Fur“) was published in 2014, followed by her second novel „Chikago“ in 2017, both with Picus Verlag / Vienna. Her plays have been represented by Verlag Schultz & Schirm / Vienna since 2016.
Theodora Bauer participated in the „20th Klagenfurt Literaturkurs“ being organised parallel to the Ingeborg-Bachmann-Preis in 2016, working on the manuscript of „Chikago“. The German paper Süddeutsche Zeitung listed „Chikago“ among the 10 best books of the year 2017. Her reading trips presenting the book took her, amongst others, to the US and Canada.
Her play „papier.waren.pospischil“ won the first prize at a competition called „Die Freiheit des Lachens“ at Salzburg State Theatre (Salzburger Landestheater) in 2017 and premiered there in March 2019.
In 2018, Theodora was awarded a prize by the Burgenland Foundation Theodor Kery for „Chikago“ and a scholarship for playwrights by the Austrian Ministry of Culture for a play that she recently finished. She was nominated for the Alpha Literary Prize 2018 for her second novel. In 2019 she got a literary award from the City of Vienna. In 2019/2020, Theodora spent two months in NYC at the Deutsches Haus at New York University on a writer’s residency. Theodora spent the spring term of 2022 as a writer in residence and guest lecturer at BGSU (Bowling Green State University) in Ohio. In 2022 she received a scolarship by the Austrian government to finish her current novel and the prestigious rotahorn literary award.
Theodora is hosting the show „literaTOUR“ on the Austrian TV station ServusTV.
Romane:
Zahlreiche Lesungen und wohlwollende mediale Berichterstattung nach der Publikation von „Chikago“ in deutschen und österreichischen Medien. Die Süddeutsche Zeitung setzt den Roman auf die Liste der „10 Bücher des Jahres“ (2017). Lesereisen mit „Chikago“ nach Paris, nach Budapest und zwei Mal in die USA (2018). Förderung von Lesungen aus „Chikago“ an österreichischen öffentlichen Bibliotheken im Rahmen des Programmes „Geschichte in Geschichten“ des BVÖ (2018). Theodora Bauer erhielt den Anerkennungspreis der Burgenlandstiftung Theodor Kery für “Chikago” (2018) und wurde mit dem Buch für den Literaturpreis Alpha nominiert (2018). Im Oktober 2018 wurde „Chikago“ in einer dramatisierten Fassung auf die Bühne gebracht.
„Das Fell der Tante Meri“ erscheint als Taschenbuch im Aufbau Verlag (2016)
Recherchereise nach Chicago, nach Hamburg und Bremerhaven (2015)
Lesereise durch Deutschland und Österreich anlässlich der Veröffentlichung von „Das Fell der Tante Meri“ (2014). Umfangreiche mediale Berichterstattung zur Veröffentlichung u.a. im ORF, auf WDR und BR. Rezensionen in nahezu allen wichtigen österreichischen Medien. Lesereisen nach Serbien, Belgien, in die Türkei und nach Luxemburg. (2014 – 2016)
Theater:
Uraufführung von „papier.waren.pospischil“ am Landestheater Salzburg (2019)
Dramatisierung von „Chikago“ und Aufführung im Rahmen von „Szene Österreich“ (2018)
Aufführung des Theaterstücks „Am Vorabend“ anlässlich des Sommertheaters „thalhof wortwiege“ am Thalhof in Reichenau an der Rax unter der Regie von Anna Maria Krassnigg und Jérôme Junod (2018).
Aufführung des Theaterstücks „papier.waren.pospischil“ als Szenische Skizze beim Festival Neues Wiener Volkstheater (2017), bei den Österreichischen Theatertagen in Paris (2018) und beim Festival „Hin & Weg“ in Litschau am Herrensee (2018). „papier.waren.pospischil“ gewinnt den 1. Preis beim Festival „Die Freiheit des Lachens“, ausgeschrieben vom Salzburger Landestheater (2017).
Auswahl für das Projekt „Schreib’ Drama“ des Theaterzentrums Deutschlandsberg; Premiere des dort entstandenen Stückes (2013)
Entwicklung des Stückes „Und wir, die Neuen. Eine Tragödie“ im Rahmen des vom bm:ukk geförderten Projekts „macht.schule.theater“ am Offenen Haus Oberwart. Regie: Angelika Messner (2013)
Literaturpädagogik:
Kontinuierliche Betreuung von literarischen Workshops für Kinder und Jugendliche am Literaturhaus Mattersburg (verstärkt ab 2017), in Eisenstadt und für KulturKontaktAustria in Kooperation mit dem UNHCR (2018).
Teilnahme an zahlreichen Schreibwerkstätten und Workshops, u.a. der Literaturwerkstatt Graz, der Jungen Literaturwerkstatt Wien, des Offenen Hauses Oberwart und des Schauspielhauses Wien. (2001-2013)
Andere Betätigungsfelder:
Moderation der Fernsehsendung „literaTOUR“ auf ServusTV (ab 2018)
Moderation von Diskussionsveranstaltungen (ab 2015)
Austauschsemester an der University of Illinois at Urbana-Champaign in den USA. Teilnahme ermöglicht durch ein Stipendium der Universität Wien (SS 2014). Im Rahmen davon Internship beim “Ebertfest: Roger Ebert’s Film Festival” in Champaign, IL. (2014)
Teilnahme am Europäischen Forum Alpbach mit einem Stipendium des Club Alpbach Burgenland (2013 – 2015, 2017). 2019 ist Theodora Bauer als „Art Scholar“ am Forum Alpbach vertreten.
Studium in klassischem Gesang bei Eva Lindqvist, Wien (2008 – 2013)
Tutoriatsauftrag an der Universität Wien, Betreuung der Seminare von Univ.-Prof. Dr. Alfred Pfabigan am Institut für Philosophie. Thema: Politische Philosophie (2011 – 2012)
Praktikum in der Kulturredaktion des ORF Burgenland (2010)
Andreas Unterweger, Schriftsteller, Herausgeber der Literaturzeitschrift manuskripte_ Graz
Lieber Andreas Unterweger, wie verhält sich ein Gastgeber als Gast zum Gastgeber als Gast im Gastland?
Sowohl die Gäste als Gastgeber als auch die Gastgeber als Gäste erwiesen sich als Ehrenleute! Und es war mir auch eine Ehre, die Leipziger Buchmesse mit dem Gastland Österreich mitzuerleben – als Ehrengastarbeiter, sozusagen.
Leipzig: der manuskripte-Poesieautomat „Liebe aus Österreich“ und manuskripte 239 zur freien Entnahme!
Wie lange bleibst Du? – wird Österreich in Leipzig dies zuerst gefragt?
Ich bin sicher nicht der Einzige, der den Auftritt von Gastland Österreich, kuratiert von Katja Gasser, als ausgesprochen gelungen empfindet. Bestimmt wird er in der Stadt in positiver Erinnerung bleiben, angefangen mit der großartigen Rede unseres Bundespräsidenten bei der Eröffnung im Gewandhaus. Welch seltenes Vergnügen, dass ein österreichischer Politiker einmal im Ausland für Aufsehen sorgt, ohne dass man sich dafür schämen muss.
Dazu kommen die zahlreichen Kontakte zwischen österreichischem und deutschem Literaturbetrieb, die auf der Messe und in ihrem Umfeld vertieft oder erst geknüpft wurden. Sie werden in Zukunft sicherlich für viel Freude sorgen. Diese Erfahrung habe ich als Autor und mit den manuskripten wieder und wieder gemacht. Ein geselliger Nachmittag im Zeichen der Poesie mit den richtigen Leuten, und man kann sich nicht nur die Agentur sparen, sondern findet darüber hinaus auch Freunde fürs Leben.
Ich hoffe, dass auch die manuskripte ihre Spuren hinterlassen haben. Mit dem manuskripte-Poesieautomaten „Liebe aus Österreich“, der im Herzen des österreichischen Standes für 50 Cent 14 Liebesgedichte aus Österreich ausgab, und den Tausenden Freiexemplaren der Ausgabe 239 mit dem ebenso ironischen wie ikonischen Cover von Anna Jermoalewa, stehen die Chancen dafür, vermute ich, gar nicht einmal so schlecht. Sowohl Gedichte als auch Hefte gingen jedenfalls weg wie die warmen Buchteln aus dem Österreich-Café, vom Bio-Weißwein (Weingut Nievoll), den wir zu besonderen Gelegenheiten ausschenkten, ganz zu schweigen.
Ist „Meaoiswiamia“ eine Aussage bei einem Scheidungsrichter?
…oder Selbstkritik des Literaturbetriebes?
Mir gefällt der Claim „mea ois wia mia” von Thomas Stangl sehr gut. Scheidung sehe ich darin keine heraufdämmern, im Gegenteil: der Spruch, in dem das wohl typischste Merkmal der österreichischen Literatur, die Sprachmusikalität, anklingt, entgrenzt und umarmt die Welt. Zugleich handelt es sich freilich auch um eine deutliche Absage an ein scheuklappenhaftes „mia san mia“-Denken, auch die Biederkeit des ORF-Slogans „ORF. Wie wir“ wird entlarvt und aufgebrochen. Österreich ist ja weder in der Literatur noch im Allgemeinen jene eindimensionale und -sprachige wintertouristische Alpenfestung, auf die es jeden Wahlkampf wieder, und nicht einmal nur von einer Partei, reduziert wird.
Was nimmt ein österreichischer Gast Österreich aus Deutschland mit? Offiziell und inoffiziell.
Offiziell den neuen Gedichtband des slowenischen Dichters Aleš Šteger, einen Block und einen Kugelschreiber von der Pressekonferenz. Inoffiziell eine Mischung aus Hochgefühl und Kopfweh, die Erfüllung monatelanger Vorarbeit und die dazugehörige Erschöpfung, dazu noch Tassen vom Katzenkaffee Katzentempel für meine Kinder.
Ansonsten: Mehr als ich jetzt schon wissen kann. Reden wir doch in ein paar Jahren wieder darüber!
Literaturzeitschrift _manuskripte_Gegründet 1960. Erschien zum ersten Mal zur Eröffnung der Forum Stadtpark. Zuerst dreimal im Jahr, dann viermal. Die manuskripte bringen nur Erstveröffentlichungen.
Ab 1962 bildete sich um die manuskripte ein Kreis von jungen Autoren: Wolfgang Bauer, Barbara Frischmuth, Peter Handke, Gunter Falk, Klaus Hoffer, Alfred Kolleritsch. Man nannte diesen Kreis “Grazer Gruppe”.
Seit dem Heft 2 1961 sind in den manuskripten die Autoren der “Wiener Gruppe” mit ihren Arbeiten vertreten: HC Artmann, Konrad Bayer, Gerhard Rühm, Friedrich Achleitner, Oswald Wiener, dann für viele Jahre Ernst Jandl und Friederike Mayröcker, Gert Jonke, Raoul Hausmann, in zwei Heften auch Heimito von Doderer.
In mehreren Folgen (1965-68) bestimmte Oswald Wiener Roman “Die Verbesserung von Mitteleuropa” die Hefte. Wegen dieses Romans wurde gegen Alfred Kolleritsch ein Pornographieprozess angestrengt. Viele Medien und deutschsprachige Autoren setzten sich damals erfolgreich für den Weiterbestand der manuskripte ein.
Von Jahr zu Jahr erweiterte sich der Kreis der Autoren: Gerhard Roth, R.P. Gruber, Helmut Eisendle, Peter Waterhouse, Michael Donhauser, Felix Philipp Ingold, Jürg Laederach, Ilma Rakusa, Elfriede Jelinek, Robert Menasse, Kathrin Röggla, Raoul Schrott, Werner Schwab, Paul Wühr, Peter Rühmkorf, J. Zoderer, Birgit Kempker, Olga Martynova, Ingeborg Horn, Urs Widmer, u.v.a.
Im Haus Forum Stadtpark trafen sich viele Autoren zu Lesungen, enge Kontakte wurden geknüpft. Ab 1976 fanden Symposien statt.
Seit 1995 sind die manuskripte unabhängig vom Forum Stadtpark und werden vom manuskripte Literaturverein herausgegeben.
Interview _Elias Hirschl, Schriftsteller _ Wien _ BKS Publikumspreisträger 2022Klagenfurt_ Wien
Elias Hirschl, Schriftsteller _ Wien _ BKS Publikumspreisträger 2022Klagenfurt_ Foto _ Preisverleihungstag Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt 6_22
Lieber Elias Hirschl, ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?
Die Touristen jetzt? Ja das wär eigentlich schön, wenn mal mehr Österreicher in den Off-Monaten nach Deutschland kämen, November-Urlaub in Duisburg, die leerstehenden Zechentürme bewundern, hat doch auch was richtig Entspannendes.
Was zeichnet den österreichischen Gast aus?
Wenn der Selbsthass den Fremdhass übersteigt und die Selbstunterschätzung die Selbstüberschätzung. Wenn man sich, sogar wenn es in Deutschland einen Österreich-Fokus gibt, darüber beschwert wie irrelevant Österreich in Deutschland ist.
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Ich mit meiner nahezu fanatischen Fußball-Indifferenz sage da ganz klar: Jein.
Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint, um Deutschland geschickt narzisstisch zu überlisten, oder als Selbstkritik am Literaturbetrieb?
Ich habs bisher eine ganz coole Taktik gefunden, um mit Deutschland ins Gespräch zu kommen. Üblicherweise fragt mich jemand, was das bedeuten soll und ich antworte dann ehrlich gesagt keine Ahnung und schon ist man mitten in einer Diskussion über die Österreichische Sprache und Literatur.
Henne oder Ei? Wer zuerst? Wer war literarisch zuerst da? Österreich oder Deutschland – Wer ist literarische Henne oder literarisches Ei?
Keine Ahnung, aber ich finde die Vorstellung von Österreich als literarisches Ei zum Ausblasen, Eierpecken und schälen ganz schön.
Herzlichen Dank!
Zur Person_Elias Hirschl wurde 1994 in Wien geboren, ist Romanautor, Slam Poet, Musiker und schreibt fürs Theater.
Zuletzt erschienen die Romane „Salonfähig“ (August 2021, Zsolnay) und „Hundert schwarze Nähmaschinen (2017, Jung und Jung)
2014 wurde er österreichischer Meister im Poetry Slam und ist seit mehreren Jahren erfolgreich mit Spoken Word-Texten auf Bühnen in ganz Europa unterwegs. Er schrieb Texte für die Theaterstücke „Swing – Dance to the right“ und „Die wunderbare Zerstörung des Mannes“ vom Aktionstheater Ensemble und tourte 2017 und 2019 zusammen mit dem Wiener Musiker Jimmy Brainless lesend und singend durch Ostasien Im Sommer 2018 war er Stipendiat am Literarischen Colloquium Berlin. 2020 wurde er für sein bisheriges Schaffen mit dem Reinhard-Priessnitz-Preis für Literatur ausgezeichnet.
Seit 2020 schreibt und spricht er zusammen mit Antonia Stabinger, Berni Wagner und Leopold Toriser für die Hörspielreihe „Das Magische Auge“ auf Radio FM4. Zusammen mit dem Rapper Selbstlaut bildet er das Musikduo „Ein Gespenst“ Elias Hirschl lebt in Wien. 2022 gewann er mit dem Text „Staublunge“ den Publikumspreis beim Bachmannpreis.
Interview _Veronika Bauer, Schriftstellerin _ Wien
Veronika Bauer, Schriftstellerin
Liebe Veronika Bauer, ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?
Ich habe die Animositäten gegenüber unseren Nachbarn nie verstanden. Ja, Touristen können lästig sein, wenn sie in Scharen auftreten oder sich daneben benehmen. Aber das trifft auf alle Nationen zu. Die Deutschen sind nicht schlimmer als wir – es gibt nur mehr davon.
In meiner Gegend beginnt das schon beim Nachbardorf. Die „drentn“ (drüben) sind suspekt und dann die „Weaner“ (Wiener) erst. Und von den Ausländern gar nicht zu reden …
Obwohl meine Mutter aus dem Ort, in dem ich heute lebe, stammte, werde ich skeptisch beäugt, weil ich keinen Dialekt spreche, sondern nach der Schrift. Anfangs hat man mich gefragt: „Bist du a Deitsche oda warum redst du wia a Schreibmaschin?“
Ja, ich bin eine Schreibmaschine.
Was macht den österreichischen Gast aus?
Egal ob im Pauschalurlaub oder bei einem Ausflug kultureller Natur gibt es eine große Bandbreite: Zwischen „I wü a auf Hawai mei Schnitzel und mei Bier“ und Offenheit für andere Geschmäcker und Sichtweisen. Pauschal würde ich sagen: eine Mischung aus Neugier und Skepsis, gewürzt mit ein wenig Nörgelei.
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
In der Literatur geht es nicht ums Gewinnen. Gut, ich gebe zu, einen Preis will fast jeder von uns. Trotzdem ist es keine Schlacht der Nationen. Uns eint die Sprache. Es ist ein Spiel, würde ich sagen. Und es wird mit Begeisterung gespielt.
Aber: Wie im Fußball gibt es einige Player, die gehypt werden. Der Rest kann mehr schlecht als recht vom Schreiben leben.
Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint mit dem Österreich geschickt narzisstisch Deutschland überlistet?
Ich weiß nicht recht. Ich finde es nicht gut, dass wir Österreicher uns immer auf den Dialekt reduzieren. Das Land ist so kleinteilig – zwischen dem Burgenländischen und dem Vorarlbergerischen ist ein gewaltiger Unterschied.
Für mich definiert sich das Österreichische in der Literatur und im Film mehr dadurch, dass es eine Lust am Zwiespältigen, am Grauslichen und an den Grenzbereichen des Lebens.
Wir sind wie ein Kind, das auf der Straße niederkniet und einen überfahrenen Hasen inspiziert.
…oder als Kritik am Literaturbetrieb?
Ich glaube nicht, dass das Motto darauf abzielt. Obwohl: Der Literaturbetrieb muss laufend kritisiert werden. Die einen schimpfen, er wäre zu abgehoben. Die anderen meinen, er sei zu kommerziell. Die literarische Öffentlichkeit darf nicht den Kontakt zum Publikum mit seinen vielfältigen Vorlieben verlieren. Die Messe verbindet Schreibende und Lesende – egal ob E oder U.
Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich?
Ich schätze mal, das hält sich die Waage. Beim Vorlesen sind die Deutschen schneller – mit Ausnahme der Bayern vielleicht.
Herzlichen Dank!
Zur Person_Veronika Bauer arbeitet als freie Schriftstellerin und lebt in Niederösterreich. Ehemals Grafikerin hat sie sich mehr und mehr dem Texten zugewandt und der Werbung schließlich ganz den Rücken gekehrt. Unter einem Pseudonym schreibt sie heute Krimis und Thriller, unter ihrem Klarnamen Romane – und zu ihrem Vergnügen Gedichte.