„Den Eskapismus der Kunst nicht unterschätzen. Ständig nur ZiB macht einen ja auch meschugge“ Irene Diwiak, Schriftstellerin_Wien 18.8.2020

Liebe Irene, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Gar nicht so anders als sonst eigentlich. Ich hadere erst mit dem Aufstehen, tu es irgendwann trotzdem, trinke meinen Kaffee und hadere dabei mit dem Leben. Und wenn ich damit fertig bin, fange ich zu schreiben an. Was ich schon (und auch finanziell) merke, ist, dass viel weniger Veranstaltungen stattfinden bzw. auch nur sehr wenige Anfragen eintrudeln. Selbst wenn Live-Lesungen jetzt wieder erlaubt sind, sind doch noch alle sehr vorsichtig, wenn es darum geht, etwas Konkretes zu planen. Verlage übrigens auch. Es werden weniger Lizenzen an- und verkauft, jedes Projekt wird noch kritischer auf seine Markttauglichkeit geprüft. Ein Betätigungsfeld, in dem die Verdienstmöglichkeiten von vornherein nicht so rosig waren, wird noch einmal ein wenig rauer.

Leonhard Hilzensauer_Zsolnay

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Flexibilität. Humor. Und, auch wenn’s manchmal schwerfällt: Menschenliebe.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Das ist jetzt die Frage, ob es wirklich so ein „Aufbruch“ und „Neubeginn“ wird. Momentan sieht es ja eher nach dem aus, was die Menschheit von jeher besonders gut kann: „Weiterwursteln“. So oder so spielt Kunst und Literatur eine entscheidende Rolle. Als Orientierungshilfe. Als Rückbesinnen auf die großen Fragen der Menschheit, die sich ja nie wirklich ändern. Und ich weiß, Autor*innen und Künstler*innen hören das nicht so gern, aber ich würde auch den Eskapismus nicht unterschätzen. Ständig nur ZiB macht einen ja auch meschugge (und von Social-Media-Nachrichten fang ich erst gar nicht an…)

 

 

Was liest Du derzeit?

Nachdem ich im Lockdown die Brüder Karamasow wieder gelesen (und immer noch nicht verstanden) habe, wartet jetzt der Doktor Schiwago auf mich. Dazwischen aber noch ein Buch über den Venus-Transit 1761/69 (Wissenschaft war einst ein wirklich, wirklich mühsames Geschäft). Und am E-Reader gerade Clemens Setz.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

There is a crack in everything, that’s how the light gets in. (Leonhard Cohen)

 

Vielen Dank für das Interview liebe Irene viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Irene Diwiak, Schriftstellerin

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/liebwies/978-3-552-06347-1/

Foto_Leonhard Hilzensauer/Zsolnay

 

17.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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