„Malina blickt schonungslos auf den Wunsch geliebt zu werden“ Johanna Mucha, Schauspielerin_50 Jahre Roman Malina _Ingeborg Bachmann_ Wien 20.4.2021

Die erste intensive Begegnung mit Ingeborg Bachmann und ihrem Werk fand in meiner Schulzeit statt. Ich habe mit 17 Jahren „Malina“ für die Erstellung meiner Fachbereichsarbeit gelesen. Da war für mich diese Dreiecksbeziehung zwischen der Erzählerin, Ivan und Malina zentral. Jetzt sehe ich mehr dieses Spiegel-Ich. Malina ist die Rückfrage an das Ich – „Weißt Du wer/wie Du bist, wie Du geworden bist?“

Johanna Mucha_Sängerin, Schauspielerin

Der Blick auf sich selbst ist der schwierigste. Ob in Kritik oder Lob.

Auf der Bühne wird ob in Wort, Gesang oder Tanz eine Geschichte erzählt. Da steckt das Leben in Dramatik und Vision drin. Das kann auch ein Kampf sein, wie im Roman. Das treibt mich an.

Eine Darstellung, ein Kunstwerk ist immer ein Stück Biographie. Auch ein Weiterkommen darin. Der Versuch dazu.

Meine Beobachtung der Gegenwart ist, dass wir uns sehr schwer tun, uns selbst anzuschauen, uns selbst zu sehen. Das zu sehen was wir wirklich sind.

Moderne Selbstdarstellung in sozialen Medien hat nichts mit dem realen Selbstbild zu tun, da geht es um Perfektion, um den Aufbau von Perfektion. Die Schwierigkeit ist dann eben der reale Spiegelblick. Da kann viel zerbrechen. Malina ist da eine kritische Position dazu und ist 50 Jahre danach aktuell wie nie – wer bin ich hinter Fassaden und Schichten, die oberflächlich oder tief im Außen und Innen liegen?

Liebe kann ein Sehnen, Wollen, Ziehen und Zurückweichen sein. Wer kennt das nicht? Der Roman trifft da ins dunkle Herz der Liebe. Stellt ihre erdrückenden Schatten bloß.

Es dreht sich alles um Ivan. Das Sehnen, das Warten. Der einzige Gedanke. Es macht sie kaputt und sie weiß es.

Das beiderseitige Spiel der Liebe, diese Koketterie von Nähe und Distanz, funktioniert ja zwischen Ivan und der Erzählerin gar nicht. Ivan hat eine Position und sie zerbricht daran.

Liebe ist Begeisterung und Schwere. Zweiteres bleibt, wenn ersteres geht. Umgekehrt funktioniert das meist nicht.

Jede Frau und jeder Mann wünschen sich geliebt zu werden. Angenommen zu sein, Halt zu haben. Der Roman blickt auf und hinter diesen Wunsch. Stellt schonungslos das Ringen und Scheitern daran dar.

Malina lesen gelingt mir nur in Etappen. Ich muss es immer wieder beiseite legen. Da ist so viel Schmerz, Verzweiflung. Der Griff zum Buch braucht dann wieder Zeit.

Es gibt immer Verletzungen in der Liebe. Die Selbstliebe kann da ein Halt und eine Kraft der Integration ein. Auch die Distanz, der Humor.

Im Roman wird gekämpft. Um Liebe, um jeden Moment von Nähe. Bis zum Ende. Ich liebe das. Ich liebe dieses Ringen, dieses Alles-Geben bis der Vorhang fällt, auf der Bühne wie im Leben.

Ein leidender Mensch auf der Bühne ist immer interessant, weil es näher ist. Glücklich sind ja immer die anderen.

Das Spiegelbild darf nicht nur der eigene Spiegel sein. Es braucht das Außen. Freunde wie Feinde. Das ist der Weg sich selbst besser kennenzulernen. Das ist in der Kunst wie im Leben, der Liebe so.

Die Enge der eigenen Spiegelbilder im Roman ist ja das Zehrende und Verzehrende. Da ist kein Kabinett von Spiegeln, kein Drehen und Wenden, dann auch keine Kraft mehr dazu.

Es gibt nur eine offene Tür in der Liebe. Liebe ist frei. Im Beginn, der Dauer und im Ende. Im Hinein oder Hinaus.

Wir lernen in der Liebe zu scheitern. Besser zu scheitern.

Das Geheimnis von Liebe ist Ehrlichkeit und Humor. Das sind die Zutaten.

Männer tun sich mit der zweiten Stelle schwer. Wenn sie nicht immer und überall auf der „Lebens-Liebes-Bühne“ ganz vorne stehen. Ich habe meine Bühne, meine Kunst, das muss der Mann akzeptieren.

Das Schlimmste für eine Frau ist ein Mann, der sich seiner selbst, seiner Männlichkeit, nicht bewusst ist. Es gibt leider sehr viele davon.

Selbstbewusstsein ist immer ruhend und still. Das ist kein Narzissmus. Das ist auch sehr attraktiv.

Im Sex geht es nicht um Leistung sondern um Liebe. Für Männer ist dies oft schwer. Auch heute noch.

Wenn ein Mann Schluss macht in einer Beziehung kommt es aus dem Nichts.  Das macht ziemlich grantig.

Ich bin in der Liebe „old school“. Es geht um ein Miteinander, nicht nur bei Sonnenschein, kein schnelles Aufgeben bei Wind und Wetter. Drama gehört dazu.

Eine Partnerschaft ist für mich ein Halten und Heben. Zuhause und in der Öffentlichkeit. Das ist für mich ganz wichtig.

Und ich liebe das Diskutieren in der Liebe. Ich mag das, es erweitert den Horizont. Und ich heiße Johanna, ich kämpfe (lacht).

Wenn ich probe, nehme ich die Rolle auch mit nachhause. Das muss der Mann aushalten. Da bin ich Perfektionistin. Wenn dann das Stück läuft, ist es anders. Bis dahin gilt es für den Mann durchzuhalten (lacht). Das ist natürlich für eine Beziehung anstrengend.

Ein attraktiver Körper ohne Herz, Gefühl und Intellekt ist nur für zwei Tage toll.

Ich verliebe mich gern in den Intellekt. Wissen zieht mich an. Aber das genügt natürlich allein nicht. Irgendwann ist alles erzählt und bewundert. Dann braucht es mehr. Wie im Roman.

Fehlende Liebe kann nicht nach-, aufgeholt werden. Der Schmerz, das Leiden daran holt beim ersten Kuss ein. Das ist ein Todeskuss. Ein dunkles Ringen mit der Sehnsucht.

Bei Ingeborg Bachmann geht es immer um Erfahrungen, Erleben, Gegensätze, welche die Liebe, das Leben bestimmen und die es zu benennen gilt. Das Schreiben ist das offene Wort dazu.

Liebe ist ein Lernen von Nähe. Wie nahe lasse ich Verletzungen kommen? Wie weit entfernt mich dies von mir selbst? Was zerstört mich? Darum geht es ja im Roman.

Die eigenen Gedanken sind nicht immer die besten Wegweiser. Sie können Pfeile nach Innen sein. Selbstgespräche der gespannte Bogen dazu. Es braucht eine Distanz und einen Austausch. Im Roman geht es ja auch um die Suche danach, das Befreien davon. Und das Scheitern daran.

Der Tod ist im Roman ein Gesprächspartner. Und das ist er ja auch. Die Auseinandersetzung ist wichtig, in Kunst und Leben.

Die Herausforderung von Kunst und Bühne ist, Gegenwart und Vergangenheit zu verbinden. Ich sehe mich als Darstellerin in diesem Inspirations- und Spannungsfeld.

Jedes Buch, jedes Bühnenstück sind eine Entdeckungsreise zum Menschen. Kultur ist Entdeckung.

Johanna Mucha_Schauspielerin, Sängerin

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch:

Johanna Mucha _ Sängerin, Schauspielerin _Wien.

Johanna Mucha | Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin, Model & Coach

„Ein ganz normaler Tag im Lockdown“ Johanna Mucha, Schauspielerin_Wien 27.2.2021 | Literatur outdoors – Worte sind Wege

Station bei Ingeborg Bachmann- alle Fotos/Interview_Walter Pobaschnig _ Hotel Regina_Wien_3_2021

Walter Pobaschnig _ 4_2021

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„Kunst und Kultur entwickelt sich weiter, mit oder ohne Zustimmung eines Systems“ Xiting Shan, Schauspielerin_ Wien 20.4.2021

Liebe Xiting, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Unterschiedlich. Wenn ich meinen Nebenjob habe, dann wache ich meistens gegen 8 oder 9 auf, frühstücke und gehe dann direkt in die Arbeit. Nach dem Dienst gehe ich meistens direkt nach Hause. Zuhause, koche ich mir dann etwas Feines und wenn ich danach noch fit genug bin, stürze ich mich auf meine üblichen Sprach- oder Gesangsübungen.

Wenn ich keinen Dienst habe, frühstücke ich genüsslich, danach mache ich meine üblichen Aufwärmübungen. Meistens bin ich an solchen Tagen zuhause und arbeite an Projekten, für die ich immer keine Zeit gefunden habe. Bei guter Stimmung singe ich auch gerne und bei gutem Wetter gehe ich liebend gerne in den Wald spazieren oder an die Donau.

Xiting Shan, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Weiterdenken und den Fokus nicht verlieren. Es ist einfach, in solch turbulenten Zeiten das Wesentliche aus den Augen zu verlieren und sich mitreißen zu lassen, besonders wenn man noch einen Nebenjob hat und schier um das Überleben ringt. Doch auch wenn die Lage prekär ist, glaube ich, ist es umso wichtiger die eigenen Prioritäten nicht zu vernachlässigen und sich nicht demotivieren zu lassen. Die Zeit sinnvoll zu nutzen – sei es für eine Auszeit um mal durchzuatmen – und uns dessen bewusst zu sein, dass aller Anfang auch ein Ende hat.

Ich glaube, das, was uns alle KünstlerInnen zusammenhält, ist ein loderndes Feuer und ein unbeugsames Vertrauen in unser eigenes Schaffen. Egal in welcher Sparte wir auch sind, wir alle leben und lieben unsere Kunst. Besonders jetzt, wo es keine Bühnen und Säle gibt, in welchen wir diese Kunst ausüben und zeigen können, haben wir die Möglichkeit neue Wege zu entdecken unsere Kunst auch ortsungebunden auszuleben und dieses, so wichtige Element, einer funktionierenden Gesellschaft, nicht untergehen zu lassen. Kunst und Kultur entwickelt sich weiter, mit oder ohne Zustimmung eines Systems. Das macht die Kunst und das macht uns Kulturschaffende aus.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, dass die Kunst immer schon einen hohen Stellenwert genossen hat, aber immer nur an der Oberfläche. Diese Krise hat uns gezeigt, wie immens der Kulturbereich aus dem System rausfällt und wir sollten dies nicht stillschweigend hinnehmen.

Die Kunst ist ein Fenster zu unserem inneren Selbst. Sie spiegelt das System, die Bevölkerung und jeden einzelnen von uns wieder. Das Theater ist das Medium, wo wir SchauspielerInnen Gefühle und Bilder mit Menschen verbinden und zum Nachdenken anregen. Es entsteht eine Art Austausch und Kommunikation zwischen Darstellenden und Zuschauenden, und diese Verknüpfung führt, meiner Meinung nach, zu einem neuen Bewusstsein. Somit bilden wir uns weiter, indem wir ins Theater, ins Museum, in die Oper oder zu einem Konzert gehen.

Daher bin ich davon überzeugt, dass Theater sowie Kultureinrichtungen für unsere persönliche und gesellschaftliche Weiterentwicklung essentiell sind und auch nach dieser Krise stärker denn je in den Fokus treten werden.

Damit jedoch dies funktionieren kann, ist die Versorgung von Kultureinrichtungen mitsamt den KünstlerInnen und die im Hintergrund Arbeitenden von größter Wichtigkeit, denn Kultur lebt und belebt, aber Kultur kann nicht funktionieren ohne die Menschen, die Kultur ausleben; und der Mensch kann nicht sein ohne Kultur.

Was liest Du derzeit?

Das letzte Buch, das ich gelesen habe hieß „Weniger ist mehr“ von Michael Caine, da ich mich ein bisschen in die Filmbranche einlesen wollte. Aber ich muss  auch zugeben, dass ich zurzeit, nicht wie viele meiner anderen Kollegen und Kolleginnen, etwas lese, sondern dem Aufholbedarf meiner ewig langen Filmliste nachkomme. Erst kürzlich habe ich mir den Lars von Trier Film „Dancers in the dark“ angesehen. Es war überwältigend.

Xiting Shan, Schauspielerin

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Den Wind können wir nicht ändern, aber die Segel anders setzen. ~Aristoteles

Vielen Dank für das Interview liebe Xiting, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Xiting Shan, Schauspielerin

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Hotel Regina_Roth Bar_Wien 28.3.2021.

21.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Eine Theatererfahrung kann ich auf keinem Sofa dieser Welt alleine zu Hause erreichen“ Elisa Seydel, Schauspielerin _Wien 19.4.2021

Liebe Elisa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe im Februar des Jahres wieder angefangen zu proben. Eine Stückentwicklung im Werk X! Ob und wann wir Premiere haben „dürfen“, steht noch in den Sternen. Seitdem fühlt sich mein Leben wieder ein bisschen normaler an.

2020 habe ich nur zwei Tage gearbeitet. Ich hatte zwei Drehtage fürs Fernsehen. Alle geplanten Theaterproduktionen sind verschoben worden. Fad war mir aber trotzdem nicht, weil es privat bei mir drunter und drüber ging! Trotzdem war ich frustriert, weil man mit der Zeit anfängt zu glauben, der eigene Beruf ist sinnlos.

Elisa Seydel, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

sozialer Zusammenhalt (und keine noch größere Spaltung der Gesellschaft durch einen grünen Pass…)!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel und der Kunst an sich zu?

Ich hoffe, dass dem Theater und der Kunst nach der Krise überhaupt wieder eine Rolle oder Bedeutung zukommt, weil zur Zeit spielen wir keine Rolle! Ich hoffe, dass wir als Gesellschaft nicht denken, dass wir auch ohne Kunst und Kultur leben können, weil wir während der Lockdowns bequem geworden sind und glauben, dass auf dem Sofa liegen und Netflix schauen ausreicht in unserem Leben! Theater ist nicht bequem. Ich kenne das von mir als Zuseher. Zuallererst muss ich vom Sofa aufstehen und hinfahren. Manchmal an den Arsch der Welt. Dann kostet es auch noch Geld, (was nicht automatisch von meinem Konto abgebucht wird, so dass ich es gar nicht mitbekomme…), ich muss aktiv bezahlen und manchmal gar nicht wenig, dass es sogar weh tut und dann muss ich manchmal 2-4 Stunden auf unbequemen Stühlen sitzen. Also, das hört und fühlt sich erst mal sehr unbequem an und ist alles andere als eine „Berieselung“. Aber den Gewinn/  den Nutzen einer Theatererfahrung, unabhängig vom persönlichen Geschmack, kann ich auf keinem Sofa dieser Welt alleine zu Hause erreichen. Ich bekomme neuen Input, neue Lebensenergie, spüre mich selber, bin berauscht, entsetzt, gelangweilt, aufgedreht…

Ich hoffe, dass wir als Gesellschaft ( und vorallem auch nicht Theaterschaffende) uns nach dieser Krise daran erinnern, was Kunst und Kultur für eine lebenswichtige Rolle spielt, auch wenn wir uns erst mal dafür in den Arsch treten müssen um das zu erkennen.

Was liest Du derzeit?

„Körpersprache“ von Sami Molcho

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Unsere Körpersprache ist deutlicher als die der Wörter. (…) Unser Körper reagiert immer auch spontan und kann sich nicht so verstellen, wie das unsere Wörter tun. Der Körper ist primär – nicht das Wort.„

Vielen Dank für das Interview liebe Elisa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Elisa Seydel, Schauspielerin

Foto_selfie/ Selbstportrait, März 2020_lockdown _in Quarantäne am Neusiedlersee/Burgenland.

20.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Paul Celan“ Theo Buck. Böhlau Verlag

Es ist ein Vermächtnis, das von und für den deutschen Germanisten Theo Buck mit dem vorliegenden Buch in die Welt gesetzt wird. Das Leben eines Dichters am Weg in und schließlich am Scheitern der Welt. Einer Welt, die derzeit selbst taumelt und um Möglichkeiten und Perspektiven des Lebens und der Zukunft ringt und das Scheitern zu verhindern sucht.

Perspektiven des Lebens, darum ging es wesentlich dem Dichter Paul Celan (1920 – 1970) in seinem Werk, das von einer Auseinandersetzung der persönlichsten Leidenserfahrung in der Shoa wie dem Ausblick zu Leben und Liebe geprägt ist.

Theo Buck, selbstkonfrontiert mit einer erschütternden Krankheitsdiagnose, arbeitete an dieser Biographie Paul Celan als Vermächtnis seiner persönlichen Lebensschwerpunkte wie als Zeugnis von Poesie für und in der Welt. Es gibt in dieser Welt etwas zu sagen. Schwer, leicht – immer bedeutungsvoll. Und darauf ist hinzuweisen, davon ist zu sagen.

Das vorliegende Buch bietet einen kompakten Überblick zu Leben und Werk Paul Celans, der wichtige Lebensstationen öffnet wie exemplarisch Gedichte und deren Kontext in Zeit und Biographie vorstellt.

Dem Autor (sein Sohn, Bertolt Buck, assistierte bei dem letzten Kapitel und dem Personenregister) ist dabei eine sehr griffige Darstellung von Literatur und Lebens-, Zeitbezügen gelungen. Die biographische Grundstruktur lässt gleichsam ein Mitwandern in Zeit und Leben wie poetischer Kraft und Ausdruck zu. Es ist eine ganz enge Verbindung von Kunst und Lebensweg, die hier sichtbar und spürbar wird und die damit wesentlich Vermächtnis von Theo Buck ist.

Beeindruckend sind auch die literaturhistorische Detailkenntnis und die Darstellung im Kontext von Gesellschafts- und Kulturgeschichte. Sicherlich eine der großen Stärken des Autors, dem posthum für dieses Buch zu danken und große Anerkennung zu zollen ist.

Walter Pobaschnig 4_21

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„Ich denke, jeder ist in seiner eigenen Weltenblase angehalten in sich zu gehen“ Rosa Roedelius, Künstlerin _ Wien 19.4.2020

Liebe Rosa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin eine Frühaufsteherin, genieße die stillen Morgenstunden sehr. Oft ist es nur ein vor mich hinschauen, erste Denkversuche oder Nichtdenkversuche, Morgenmeditation dann Tee trinken. Unter der Woche heißt es den jüngeren Buben auf Homeschooling-Schiene setzen, wenn er es nicht schon selbst getan hat und ihm dann Frühstück bringen. Bei Präsenzunterricht gehen wir gemeinsam zum Zug und ich verbringe den Tag im Atelier, was ich sonst erst nach dem Familienrummel mache. Mein Großkind ist ja schon 20, macht die Ausbildung zum Sounddesigner und taucht auf und wieder ab, wie es für ihn passt. Zwischendurch lässt er mich an seinen Kompositionen teilhaben oder findet Zeit musikalisch etwas für meine Videosequenzen zu machen.

Die Ausschließlichkeit, das -ganz das meine -Tun zu können, hat mir gezeigt wie viel weiter es gehen kann. Im Atelier ist es Schaffen; Malerei und skulpturales Arbeiten, daheim eben Kinder, Katzen, Küche, Körper 🙂 Und die Nacht fürs Ideen spinnen.

Rosa Roedelius, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich kann nicht für die Anderen sprechen, nur ahnen was Krisenzeiten fürs Kollektiv auch an Chancen bringen. Wir sind jedenfalls aufgefordert, nicht die Nerven zu verlieren. So ganz auf uns selbst zurückgeworfen, kommt natürlich vieles zu Tage was sonst keine Bühne finden würde, hm. Ich denke, es gilt neue Kanäle zu finden. Wir Kreativen sind da ja Glückskinder, finde ich. Ich walke vieles in meinen Ton ein, bau mir eigene Welten, wo doch das Reisen im Moment nicht sein kann, verschriftliche die Sorgen und versuche leicht zu bleiben. Bei mir in der Familie hat sich eine wunderschöne Tiefe entwickelt, ein Zusammenhalt, innige Gespräche. Irgendwie hat sich der Freundeskreis auf die Allerliebsten zusammengezogen oder erweitert, wie man`s sehen will. In der Informationsflut, mit der wir konfrontiert sind, ist es schwer einen klaren Kopf zu behalten.  Da kommen wir wieder zurück zu uns selbst. Zum Fühlen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Schön, wie du das mit dem Aufbruch und Neubeginn formulierst. Ich denke, jeder ist in seiner eigenen Weltenblase angehalten in sich zu gehen und zu sehen wie man in seinen Möglichkeiten fürs Große Ganze seinen Beitrag leisten kann. Ich möchte auch mehr tun, als einfach meine Welt zu zeigen. Vielleicht gelingt mir manchmal den Blick ins Schöne zu lenken und dann auch wieder ins Dunkle, das auch angeschaut werden will. Wahrscheinlich geht es darum, den Anderen teilhaben zu lassen an der eigenen Entwicklung. Hm, einander Hoffnung geben.  Nicht nur Aufschreien bei Ungerechtigkeit, sondern tätig werden, dort wo man es kann. Zeit der Herzöffnung. Und die Kunst kann ja nie aus, sich auseinander zu setzen . Das ist ja auch ihre Aufgabe. Und sie darf und muss dennoch frei sein. Oh, nicht leicht .

Was liest Du derzeit?

Bei mir liegt gerade Der geteilte Visconte von Italo Calvino ( irgendwie passend ) und Meine Preise von Thomas Bernhard . Zwischendurch gibts Heinrich Heine oder ich werde angeRilket.

Kürzlich gelesen hab ich auch „Schmerz und Gegenwart“ von Alfred Goubran .

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Dann sieh, dass du Mensch bleibst:

Mensch sein ist vor allem die Hauptsache.

Und das heißt: fest und klar und heiter sein, ja heiter trotz alledem und alledem denn das Heulen ist Geschäft der Schwäche.

Mensch sein heißt, sein ganzes Leben auf des Schicksals großer Waage freudig hinwerfen – wenn`s sein muss.

Sich zugleich aber an jedem hellen Tag und jeder schönen Wolke freuen.

Auch ich weiß keine Rezepte zu schreiben, wie man ein Mensch sein soll.

Ich weiß nur, wie man`s ist!“

Rosa Luxemburg: Brief aus dem Gefängnis an Mathilde Wurm, 28. Dezember 1916. In: Gesammelte Briefe, Band 5, Dietz, Berlin 1987, S. 151

Rosa Roedelius, Künstlerin

Vielen Dank für das Interview liebe Rosa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Rosa Roedelius, Künstlerin

Rosa Roedelius

Fotos_Rosa Roedelius

21.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„In der Kunst ist Platz für alles, was den Menschen umtreibt und in ihm rumort“ Linda Pichler, Schauspielerin_ Wien 18.4.2021

Liebe Linda, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Also die kurze Antwort lautet: bei mir läuft, was im Moment geht. Ich versuche so gut es mir gelingt im Tun zu bleiben- ob mit Workshops, im kreativen Austausch mit Kolleg*innen, mit Bewerbungen und dem ein oder anderen Vorsprechen oder Casting, Yoga, eigenen szenischen Basteleien. Liebe Menschen treffe ich gern im Park zum Kaffee und ich fahre öfters mit dem Bus in den Wald. Ich freue mich darauf mich in die Proben für den Sommer zu stürzen und bis dahin soll kommen, was will. Mit dieser Ungewissheit konnte ich mich den letzten Monaten etwas mehr anfreunden- in diesem Beruf ohnehin nie ein Fehler. Ohne die Gastro ist es allerdings nicht so einfach für die fiesen Lücken eine geeignete Überbrückungs-Hackn zu finden- die wenigsten Unternehmen wollen Mitarbeiter*innen einstellen, die sich vertschüssen, sobald der nächste Dreh oder das nächste Engagement an Land gezogen ist. Jene Kolleg*innen, die ganz ohne Unterstützung dastehen, trifft das natürlich besonders hart- das lässt sich nicht schönreden.

Linda Pichler, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Solidarisches Handeln, Flexibilität und Durchhaltevermögen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Auf die politische Ebene runtergebrochen, ist die Bühne für mich ein riesiger Diskursraum, deren Macht darin besteht gesellschaftliche Fragen situativ bekleiden und emotional bespielen zu können, also in ihrer Verhandlung richtig persönlich zu werden. Zum Theater gehört auch die Befriedigung eines eskapistischen Bedürfnisses- sich in den Strudel dieser Geschichten hineinreißen zu lassen und sich auf dieser Flucht dann doch unverhofft selbst über den Weg zu laufen.

Ich denke, dass alles woran wir jetzt knabbern, woran wir uns manchmal vielleicht sogar die Zähne ausbeißen, von der Kunst verdaut wird- da ist Platz für alles, was den Menschen umtreibt und in ihm rumort. Gerade Zeiten des Umbruchs halte ich für besonders großzügige Materialspenderinnen. Vorwegnehmen will ich nichts, das wird alles für sich sprechen. Wir können jedenfalls gespannt darauf sein welchen Braten uns Kunst und Kultur servieren werden, sobald sie wieder richtig auftischen dürfen, so viel ist sicher.

Was liest Du derzeit?

Oh je, ich will seit gefühlt 100 Jahren „Die Eroberung des Brotes“ lesen und habe mir deshalb ausdrücklich verboten neue Romane in meinem Lieblingsbuchladen zu bestellen, bis ich mit dieser Lektüre fertig bin. Herr Kropotkin schläft zwar jede Nacht in meinem Bett, aber gebacken gekriegt hab ich’s bisher trotzdem noch nicht. Ein Buch, das ich gern empfehle, ist „In the dreamhouse“ von Carmen Maria Machado- das hat mich so gefesselt, dass ich es an einem Tag ausgelesen habe.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„The role of the artist is to make the revolution irresistible.“ – Toni Cade Bambara

Linda Pichler, Schauspielerin

Vielen Dank für das Interview liebe Linda, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Linda Pichler, Schauspielerin

Foto_1,2 Barbara Maria Hutter; 3 Linda Pichler.

20.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der Lebensentwurf des Künstlerdaseins muss ganz neu gedacht werden“ Nermina Kukic _ Schauspielerin_ Düsseldorf 18.4.2021

Liebe Nermina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf sieht so aus, dass ich an zwei Tagen auf meinem zweiten Standbein beim Juwelier stehe. Habe letztes Jahr Diploma als Edelstein und Diamantenzertifiziererinn gemacht und glücklicherweise eine Teilzeitstelle gefunden. An den anderen Tagen, wie auch sonst immer: aufstehen, einatmen, ausatmen. Nicht viel los.

Nermina Kukic _ Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Count your blessings! Dankbar sein für das, was man hat, Wertschätzung  verbreiten, sich Hilfe holen, wenn man spürt, man schafft es nicht alleine. Immer wichtig, nicht nur jetzt.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Wir müssen alle für uns selber definieren, was Kunst für uns bedeutet. Wir sollten Wege finden, uns von Abhängigkeiten zu befreien, und versuchen Selbstwirksamkeit zu erlangen. Wenn die Kunst, die wir ausüben, unseren Lebensunterhalt nicht sichern kann, dann kann es sein, dass uns wertvolle Ressourcen verloren gehen in und nach dieser Krise, und Künstler/In sein wieder eine Frage von Herkunft wird, von Geld und Gönnern abhängt. Das sollten wir alle gemeinsam hinterfragen. Ich stelle mir das sehr schwierig vor, vor allem für Menschen, die Verantwortung für Kinder tragen. Der Lebensentwurf des Künstlerdaseins muss ganz neu gedacht werden. Im Privaten und Öffentlichen. Die Wichtigkeit von Kunst im Allgemeinen, in ihrer kathartischen Wirkung und Spiegelfunktion steht für mich ausser Frage , egal in welcher Kunstform.

Nermina Kukic vor einer Kunstinstallation von Susanne Ristow

Was liest Du derzeit?

Eurotrash von Christian Kracht

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Möge ich die Gelassenheit haben, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit das Eine vom Anderen zu unterscheiden.

Nicht sehr sexy, aber hilfreich.

Nermina Kukic vor einer Kunstinstallation von Claus Föttinger

Vielen Dank für das Interview liebe Nermina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Nermina Kukic, Schauspielerin

Nermina Kukic – Wikipedia

Foto_1 Mimi Fiedler; 2 privat; 3 Susanne Ristow; 4 Claus Föttinger.

21.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Viel lesen, schlecht schlafen, viel träumen …“ Christian Futscher, Schriftsteller_Wien 18.4.2021

Lieber Christian, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?

Ich arbeite an einem neuen Buch, verfasse Auftragsarbeiten, gehe einkaufen, schreibe viele E-Mails, schicke meiner Mutter und meiner Nichte lange Briefe nach Vorarlberg, gehe mit meiner Frau spazieren, wir treffen manchmal wen am Ufer der Alten Donau, am Kanal oder im Wald und trinken zusammen ein Bierchen, ich schenke meiner Frau und anderen Gänseblümchen, wir schauen Serien (nie hätte ich gedacht, dass ich jemals ein Serien-Gucker werde, einen Zweizeiler mit dem Titel „Sofa“ habe ich jüngst verfasst, der geht so: „Sehnsucht danach, / Hass darauf.“), viel lesen, schlecht schlafen, viel träumen …

Christian Futscher, Schriftsteller

Was ist jetzt für alle besonders wichtig?

Den Mut nicht sinken lassen. Zusammenhalten. Gänseblümchen!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Nicht unwesentlich wird sein, öfters im Gras zu liegen und Gänseblümchen zu betrachten, über Gänseblümchen nachzudenken, Gänseblümchen zu verschenken, zu bedichten, zu malen, zu filmen, zu vertonen, auf die Bühne zu bringen …

Was liest du derzeit?

Das neue Buch von Arne Rautenberg: betrunkene wälder.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

„mit etwas glück gibt’s noch einen zeugen vom gesang / ein vogelkadaver erinnert an den toten wellensittich / cosmic deadbird sing the song of the gänseblümchen / ich sage: bei den top elf der pflanzen / ist für mich das gänseblümchen dabei / es wächst neben der scheiße und man kann es essen / überhaupt: jeder blumenstrauß ist eine macht / die blüten sind ein feuerwerk …“ – aus dem langen Gedicht „bilder aus der frühzeit der alten zeitgenossenschaft“ in betrunkene wälder von Arne Rautenberg, eben erschienen bei Wunderhorn.

Vielen Dank für das Interview lieber Christian, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Christian Futscher, Schriftsteller

Foto_MagdalenaTuertscher

8.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Das Erwartete tritt in beständiger Unerwartung in Erscheinung“ Tobias Leibetseder, Komponist_Wien 17.4.2021

Lieber Tobias, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

„Das älteste elektromagnetische Signal, das wir beobachten können, ist der kosmische Mikrowellenhintergrund (englisch: cosmic microwave background, kurz CMB). Er entstand, als das kosmische Plasma etwa 380 000 Jahre nach dem Urknall zum ersten Mal neutral wurde und die Wärmestrahlung freisetzte, die im heißen, frühen Anfangszustand des Universums entstanden war. Genaue Beobachtungen dieser kosmischen Restwärmestrahlung zeigen, dass bereits damals Strukturen im Universum angelegt waren, die heute noch in Form von geringen Temperaturschwankungen des CMB beobachtbar sind.“ (Spektrum der Wissenschaft)

Tobias Leibetseder_Komponist, Musiker, Performer, Medienkünstler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das Wesensfreudige, Infra-  und Ultraregionlae

Das Unortspezifische, Weitluftige

und natürlich NFTs…

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Das Erwartete tritt in beständiger Unerwartung in Erscheinung. Gleichwohl grenzförmig, kugelflächig erhellend.

Was liest Du derzeit?

Unebenheiten der Raumzeit im Vorzimmer. Eine Auralisation der Welt im postdimensionalen Zeitalter. (erschienen 2124, 3. Auflage)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Do. Or do not. There is no try. (Yoda)

Vielen Dank für das Interview lieber Tobias, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musik-, Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Tobias Leibetseder_Komponist, Musiker, Performer, Medienkünstler

5 Fragen an KünstlerInnen:

Tobias Leibetseder_Komponist, Musiker, Performer, Medienkünstler

Tobias Leibetseder :: Home

Fotos_1 Tobias Leibetseder; 2 Christian König.

25.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Dass das Kino und seine Filme wieder zelebriert und hochgehalten werden“ Anna Tenta, Schauspielerin_ Zürich 17.4.2021

Wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Moment bin ich gerade noch etwas in einer Schockstarre, weil ein Dreh wegen Corona gerade zum dritten Mal verschoben wurde. Von Januar bis Anfang April sah es gerade noch so gut aus, endlich war wieder was los, und ich hatte den Eindruck dass meine Branche gelernt hat, trotz Corona zu funktionieren, aber jetzt wo die Fallzahlen wieder steigen, werden die Engagements, je nach Drehort, gerade wieder auf Eis gelegt.

Anna Tenta, Schauspielerin

Daher versuche ich mir aktuell gerade besonders viel Struktur zu geben um nicht dem Corona-Blues zu verfallen.Ich stehe um 7h auf, wecke meinen Sohn Johnny(11Jahre alt),animiere ihn mit Frühstück und viel Geblödel, damit er wenigstens halbwegs gut gelaunt in die Schule geht.

Wir verlassen gemeinsam das Haus und ich mache dann den ersten Spaziergang mit unserer Hündin Lou. Danach gibts Asthanga oder Vinyasa Yoga inklusive Mini Meditation-mein täglicher Endorphin Kick. Emails beantworten, Krempel und Einkäufe erledigen sind dann am Plan, nach dem Mittagessen gibt es Zeit für E-Castings, falls gerade was ansteht, wenn nicht male ich.

Kürzlich gerade habe ich Dank Instagram wieder ein Bild verkauft was mich sehr gefreut hat, oder ich fahre schnell zu meinem Pflegepferd Manio und streife mit ihm durch den Wald und erzähle ihm alles was mir grad so durch den Kopf geht, er hat die besten Antworten ;)… und dann kommt schon Johnny aus der Schule und wir spielen, machen Aufgaben, Abendessen, und den Rest behalte ich für mich.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube es ist wichtig dass wir einander nicht aus den Augen verlieren. Damit wir durch die individuelle Problematik und die Angst vor der Ungewissheit, die jeden unterschiedlich trifft- nicht zu kleinen Inseln werden, die immer weiter auseinander driften. Jeder hat seinen eigenen Kampf, seine eigenen Issues mit der Situation. Wir sind nicht alle im selben Boot, aber im selben Sturm. Wir dürfen einander nicht vergessen, und sollten immer noch wahrnehmen können, wenn jemand über Bord geht und wirklich Hilfe braucht.

Manchmal muss man die eigene kleine Glasglocke sprengen und wieder lernen andere wirklich zu sehen und wahrzunehmen.Damit die Masken,die Regeln,die Angst vor Ansteckungen oder die Absenz davon, das Kreisen um die eigene Problematik nicht dazu führen dass wir einander verlieren.

Mir kratzt das alles natürlich auch an der Seele, und ich muss dadurch wirklich auch noch bewusster lernen meinen Selbstwert nicht so stark über mein berufliches Wirken zu definieren. Ich hab gedacht ich bin schon weiter diesbezüglich, aber ich merke ich übe immer noch. Es ist schon eine echte Herausforderung, wenn der eigene “Platz in der Welt” plötzlich so massiv in Frage gestellt wird.

Vielleicht ist es die Zeit sich an Sehnsüchte,Träume, Visionen zu erinnern, an die vielleicht zarteren, intimieren Töne die uns bewegen… vielleicht sind Sie es, die unserer Seele helfen da heil durchzutauchen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei Theater und Film zu?

Irgendwie ist Kunst doch ein Resonanzkörper unserer selbst, aber im weiteren Sinne auch eine Stellungnahme, eine individuelle Momentaufnahme, ein Zeitzeugnis, eine Haltung und ein Anhalten, eine Erinnerung zur Reflektion und Introspektion.

Ich bin ganz sicher, dass Kunst, sich auszudrücken mit künstlerischen Mitteln, ein Urbedürfnis des Menschen ist und nicht wegzudenken ist aus unserer Welt, das war schon immer so und wird auch immer so bleiben.

Die Wertigkeit, welche der Kultur innerhalb unserer Gesellschaft gegeben wird, die jedoch ist antastbar und zerbrechlich. Und wir Künstler sind es auch. Das wird uns allen durch die aktuelle Situation schmerzlich bewusst.

Ich hoffe wirklich sehr, dass die Politik unsere Existenz als Kulturschaffende nicht per se in Frage stellt, sondern dass es nach dieser langen Zwangspause zu einer großen Kunst und Kulturwelle kommen wird, in der es nur so sprüht vor Kreativität, Phantasie und Lebenslust.

Persönlich wünsche ich mir, dass das Kino und seine Filme wieder zelebriert und hochgehalten werden. Die große Leinwand und das gemeinsame Erleben im dunklen Bauch eines Kinosaals hat eine ganz eigene Magie, die ich trotz all der tollen Serienformate weder als Schauspielerin noch als Zuschauerin missen möchte.

Was liest Du derzeit?

“To be a man” von Nicole Krauss-und ein Sachbuch über natural horsemanship von Monty Roberts liegen auf dem Nachttischchen, gerade fertig gelesen habe ich  “conversations with friends” von Sally Rooney.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“The world is violent and mercurial–it will have its way with you. We are saved only by love–love for each other and the love that we pour into the art we feel compelled to share: being a parent; being a writer; being a painter; being a friend. We live in a perpetually burning building, and what we must save from it, all the time, is love.”

Tenessee Williams

soul search_Anna Tanta

Vielen Dank für das Interview liebe Anna, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Film-, Schauspiel- und Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Anna Tenta, Schauspielerin

http://www.annatenta.com

Foto_Wolfgang Zac

Bild_Anna Tenta

14.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com