„Ein ganz normaler Tag im Lockdown“ Johanna Mucha, Schauspielerin_Wien 27.2.2021

Liebe Johanna, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?

9:00 Wecker läutet – wie jeden Morgen. Dann wanke ich in die Küche. Bevor ich nicht meine Wiener Kaffeespezialität Einspänner oder Franziskaner getrunken habe, bin ich zu nichts zu gebrauchen und nicht ansprechbar.

Johanna Mucha_Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin

9:30 Frühstück ist fertig. Es wird gefrühstückt und Zeitung gelesen.

10:30 Morgentoilette

11:00 Es werden Mails beantwortet und Telefonate geführt.

12:00 Ich trainiere für eine Stunde. (Bauchmuskeln, Rückenmuskeln sowie Steppen und Tanzen dürfen nicht fehlen. Meistens artet es aus und ich tanze irgendwann wild durch meine Wohnung mit lauter Musik. Meine armen wunderbaren und verständnisvollen Nachbarn.)

13:00 Ich probiere neues Gesangsrepertoire aus und recherchiere was ich über mein neues Repertoire wissen sollte.

14:00 Ich habe Hunger, großen Hunger. Ich überlege, was ich einkaufen soll. Blick in den
Kühlschrank. Zu faul um einzukaufen. Ich esse das, was da ist.

15:00 Mittagessen am Tisch. Während des Mittagessens erledige ich noch einige Telefonate bezüglich Projekten.

16:00 Ich bereite mich für meine Zoom Online-Klassen vor.

17:00 – 20:00 Zoom Online-Klassen. Es wird gesteppt, Jazz getanzt, 80’s Aerobics gemacht, gesungen, gestretcht und viel gelacht.

20:05 Meine Schülerinnen und Schüler wollen nicht aufhören mit mir zu reden.

20:15 Wir unterhalten uns noch immer angeregt über Dies und Das. Ich denke in dieser Zeit ist die Kommunikation und der Austausch einzelner Gedanken für Geist, Seele und Körperliche Gesundheit am wichtigsten.

20:30 Feierabend. Ich checke noch, ob ich etwas für den nächsten Tag vorbereiten muss.

21:00 Ich brainstorme, wie ich das nächste Vorsprechvideo gestalten kann.

22:00 Ich such mir ein Buch und verkrieche mich im Bett.

23:00 Ich bin müde. Ich mach mich bettfertig.

23:30 Ich liege im Bett und denke darüber nach, warum Staub auf den weißen Fliesen schwarz aussieht und auf einer schwarzen Marmorplatte weiß. Gleichzeitig beschäftigt mich der Wandel der Zeit, die Schnelllebigkeit der Gesellschaft und das Bedürfnis langsamer zu treten.

24:00 Ich denke, ich bin eingeschlafen.

Ein ganz normaler Tag im Lockdown.

Wie sonst auch. Nur ohne soziale Kontakte, Probenarbeit und Aufführungen.


Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zusammenhalten, durchhalten, Ruhe bewahren; nicht alles glauben, was im Netz steht; der Glaube daran, aus dem Schlamassel mit so wenigen körperlichen, seelischen, geistigen und finanziellen Schäden wie möglich rauszukommen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater der Musik, der Kunst an sich zu?

Die Welt ist seit jeher ungerecht und hat sich noch nicht allzu sehr weiterentwickelt.

Wir werden gesellschaftlich und persönlich neue Wege suchen müssen, angefangen mit dem bedingungslosen Grundeinkommen. Das wäre eine sehr gute Idee, um die Verteilung der Ressourcen zwischen Reich und Arm neu zu definieren.
Ich bin keine Hellseherin, aber ich denke (wenn ich mal als „Zukunft“ die nächsten 30 Jahre
benennen darf), dass es das Theater bestimmt noch geben wird – dafür gehört es einfach zu sehr zu unserer kulturellen Identität in Österreich.

Man hat vor Jahren auch behauptet die Malerei sei tot und die Fotografie würde sie ersetzten… und dann gab es ein großes Comeback und keiner kommt heute mehr auf die Idee, die Malerei als obsolet anzusehen.

Sicherlich wird viel online passieren: Wir haben dann einfach einen Kanal mehr zu bespielen. Wahrscheinlich werden Gestaltungsmöglichkeiten im Netz auch vielfältig sein.

Aber eine reale Konfrontation mit der Wirklichkeit im Raum-Zeit-Kontinuum wird glaub ich immer spannend bleiben und Fernsehen, Netflix, YouTube, Instagram, usw. wird das Live-Theater, die Live-Musik und Live-Konzerte nie ersetzen können.

Was liest du derzeit?

Ich lese so wahnsinnig gerne vor dem Schlafengehen und lese oft mehrere Bücher gleichzeitig. Meistens entscheide ich mich spontan – auf welche Lektüre ich gerade Lust verspüre.

  1. Zurzeit lese ich zum zweiten mal „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron. Dieses
    Buch inspiriert mich und aktiviert meine Gedanken und Kreativität.
  2. „Alle Toten fliegen nach Amerika“ von Joachim Meyerhofer. Einfach wahnsinnig amüsant
    und anregend.
  3. „Ella Fitzgerald und ihre Zeit“ von Johannes Kunz erzählt wie Jazz und Blues die
    amerikanische Gesellschaft verändern, ebenso wie von dem Leben einer scheuen,
    eigenwilligen Frau, die nur auf der Bühne wirklich aus sich heraustrat, ganz nach dem
    Motto: „Das einzige, was besser ist als zu singen, ist mehr zu singen.“
  4. „Mind Fuck“ von Petra Bock. Die Parallelwelt in unserem Kopf. Sehr spannend. Lege ich
    jedem sehr ans Herz.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du der Gesellschaft mitgeben?

„Lebe jetzt. Liebe das Leben. Liebe die Menschen.“

„Wir sollten alle beginnen zu leben, bevor wir zu alt sind. Angst ist etwas Dummes, ebenso wie etwas zu bereuen.“ – Marylin Monroe

Johanna Mucha_Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin

Vielen Dank für das Interview liebe Johanna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel-, Musik-, Tanzprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Johanna Mucha, Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin

http://www.johannamucha.at

Alle Fotos_Andrea Peller

24.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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