„Eine Theatererfahrung kann ich auf keinem Sofa dieser Welt alleine zu Hause erreichen“ Elisa Seydel, Schauspielerin _Wien 19.4.2021

Liebe Elisa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe im Februar des Jahres wieder angefangen zu proben. Eine Stückentwicklung im Werk X! Ob und wann wir Premiere haben „dürfen“, steht noch in den Sternen. Seitdem fühlt sich mein Leben wieder ein bisschen normaler an.

2020 habe ich nur zwei Tage gearbeitet. Ich hatte zwei Drehtage fürs Fernsehen. Alle geplanten Theaterproduktionen sind verschoben worden. Fad war mir aber trotzdem nicht, weil es privat bei mir drunter und drüber ging! Trotzdem war ich frustriert, weil man mit der Zeit anfängt zu glauben, der eigene Beruf ist sinnlos.

Elisa Seydel, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

sozialer Zusammenhalt (und keine noch größere Spaltung der Gesellschaft durch einen grünen Pass…)!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel und der Kunst an sich zu?

Ich hoffe, dass dem Theater und der Kunst nach der Krise überhaupt wieder eine Rolle oder Bedeutung zukommt, weil zur Zeit spielen wir keine Rolle! Ich hoffe, dass wir als Gesellschaft nicht denken, dass wir auch ohne Kunst und Kultur leben können, weil wir während der Lockdowns bequem geworden sind und glauben, dass auf dem Sofa liegen und Netflix schauen ausreicht in unserem Leben! Theater ist nicht bequem. Ich kenne das von mir als Zuseher. Zuallererst muss ich vom Sofa aufstehen und hinfahren. Manchmal an den Arsch der Welt. Dann kostet es auch noch Geld, (was nicht automatisch von meinem Konto abgebucht wird, so dass ich es gar nicht mitbekomme…), ich muss aktiv bezahlen und manchmal gar nicht wenig, dass es sogar weh tut und dann muss ich manchmal 2-4 Stunden auf unbequemen Stühlen sitzen. Also, das hört und fühlt sich erst mal sehr unbequem an und ist alles andere als eine „Berieselung“. Aber den Gewinn/  den Nutzen einer Theatererfahrung, unabhängig vom persönlichen Geschmack, kann ich auf keinem Sofa dieser Welt alleine zu Hause erreichen. Ich bekomme neuen Input, neue Lebensenergie, spüre mich selber, bin berauscht, entsetzt, gelangweilt, aufgedreht…

Ich hoffe, dass wir als Gesellschaft ( und vorallem auch nicht Theaterschaffende) uns nach dieser Krise daran erinnern, was Kunst und Kultur für eine lebenswichtige Rolle spielt, auch wenn wir uns erst mal dafür in den Arsch treten müssen um das zu erkennen.

Was liest Du derzeit?

„Körpersprache“ von Sami Molcho

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Unsere Körpersprache ist deutlicher als die der Wörter. (…) Unser Körper reagiert immer auch spontan und kann sich nicht so verstellen, wie das unsere Wörter tun. Der Körper ist primär – nicht das Wort.

Vielen Dank für das Interview liebe Elisa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Elisa Seydel, Schauspielerin

Foto_selfie/ Selbstportrait, März 2020_lockdown _in Quarantäne am Neusiedlersee/Burgenland.

20.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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