„Dass das Kino und seine Filme wieder zelebriert und hochgehalten werden“ Anna Tenta, Schauspielerin_ Zürich 17.4.2021

Wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Moment bin ich gerade noch etwas in einer Schockstarre, weil ein Dreh wegen Corona gerade zum dritten Mal verschoben wurde. Von Januar bis Anfang April sah es gerade noch so gut aus, endlich war wieder was los, und ich hatte den Eindruck dass meine Branche gelernt hat, trotz Corona zu funktionieren, aber jetzt wo die Fallzahlen wieder steigen, werden die Engagements, je nach Drehort, gerade wieder auf Eis gelegt.

Anna Tenta, Schauspielerin

Daher versuche ich mir aktuell gerade besonders viel Struktur zu geben um nicht dem Corona-Blues zu verfallen.Ich stehe um 7h auf, wecke meinen Sohn Johnny(11Jahre alt),animiere ihn mit Frühstück und viel Geblödel, damit er wenigstens halbwegs gut gelaunt in die Schule geht.

Wir verlassen gemeinsam das Haus und ich mache dann den ersten Spaziergang mit unserer Hündin Lou. Danach gibts Asthanga oder Vinyasa Yoga inklusive Mini Meditation-mein täglicher Endorphin Kick. Emails beantworten, Krempel und Einkäufe erledigen sind dann am Plan, nach dem Mittagessen gibt es Zeit für E-Castings, falls gerade was ansteht, wenn nicht male ich.

Kürzlich gerade habe ich Dank Instagram wieder ein Bild verkauft was mich sehr gefreut hat, oder ich fahre schnell zu meinem Pflegepferd Manio und streife mit ihm durch den Wald und erzähle ihm alles was mir grad so durch den Kopf geht, er hat die besten Antworten ;)… und dann kommt schon Johnny aus der Schule und wir spielen, machen Aufgaben, Abendessen, und den Rest behalte ich für mich.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube es ist wichtig dass wir einander nicht aus den Augen verlieren. Damit wir durch die individuelle Problematik und die Angst vor der Ungewissheit, die jeden unterschiedlich trifft- nicht zu kleinen Inseln werden, die immer weiter auseinander driften. Jeder hat seinen eigenen Kampf, seine eigenen Issues mit der Situation. Wir sind nicht alle im selben Boot, aber im selben Sturm. Wir dürfen einander nicht vergessen, und sollten immer noch wahrnehmen können, wenn jemand über Bord geht und wirklich Hilfe braucht.

Manchmal muss man die eigene kleine Glasglocke sprengen und wieder lernen andere wirklich zu sehen und wahrzunehmen.Damit die Masken,die Regeln,die Angst vor Ansteckungen oder die Absenz davon, das Kreisen um die eigene Problematik nicht dazu führen dass wir einander verlieren.

Mir kratzt das alles natürlich auch an der Seele, und ich muss dadurch wirklich auch noch bewusster lernen meinen Selbstwert nicht so stark über mein berufliches Wirken zu definieren. Ich hab gedacht ich bin schon weiter diesbezüglich, aber ich merke ich übe immer noch. Es ist schon eine echte Herausforderung, wenn der eigene “Platz in der Welt” plötzlich so massiv in Frage gestellt wird.

Vielleicht ist es die Zeit sich an Sehnsüchte,Träume, Visionen zu erinnern, an die vielleicht zarteren, intimieren Töne die uns bewegen… vielleicht sind Sie es, die unserer Seele helfen da heil durchzutauchen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei Theater und Film zu?

Irgendwie ist Kunst doch ein Resonanzkörper unserer selbst, aber im weiteren Sinne auch eine Stellungnahme, eine individuelle Momentaufnahme, ein Zeitzeugnis, eine Haltung und ein Anhalten, eine Erinnerung zur Reflektion und Introspektion.

Ich bin ganz sicher, dass Kunst, sich auszudrücken mit künstlerischen Mitteln, ein Urbedürfnis des Menschen ist und nicht wegzudenken ist aus unserer Welt, das war schon immer so und wird auch immer so bleiben.

Die Wertigkeit, welche der Kultur innerhalb unserer Gesellschaft gegeben wird, die jedoch ist antastbar und zerbrechlich. Und wir Künstler sind es auch. Das wird uns allen durch die aktuelle Situation schmerzlich bewusst.

Ich hoffe wirklich sehr, dass die Politik unsere Existenz als Kulturschaffende nicht per se in Frage stellt, sondern dass es nach dieser langen Zwangspause zu einer großen Kunst und Kulturwelle kommen wird, in der es nur so sprüht vor Kreativität, Phantasie und Lebenslust.

Persönlich wünsche ich mir, dass das Kino und seine Filme wieder zelebriert und hochgehalten werden. Die große Leinwand und das gemeinsame Erleben im dunklen Bauch eines Kinosaals hat eine ganz eigene Magie, die ich trotz all der tollen Serienformate weder als Schauspielerin noch als Zuschauerin missen möchte.

Was liest Du derzeit?

“To be a man” von Nicole Krauss-und ein Sachbuch über natural horsemanship von Monty Roberts liegen auf dem Nachttischchen, gerade fertig gelesen habe ich  “conversations with friends” von Sally Rooney.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“The world is violent and mercurial–it will have its way with you. We are saved only by love–love for each other and the love that we pour into the art we feel compelled to share: being a parent; being a writer; being a painter; being a friend. We live in a perpetually burning building, and what we must save from it, all the time, is love.”

Tenessee Williams

soul search_Anna Tanta

Vielen Dank für das Interview liebe Anna, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Film-, Schauspiel- und Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Anna Tenta, Schauspielerin

http://www.annatenta.com

Foto_Wolfgang Zac

Bild_Anna Tenta

14.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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