„Kunst und Kultur entwickelt sich weiter, mit oder ohne Zustimmung eines Systems“ Xiting Shan, Schauspielerin_ Wien 20.4.2021

Liebe Xiting, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Unterschiedlich. Wenn ich meinen Nebenjob habe, dann wache ich meistens gegen 8 oder 9 auf, frühstücke und gehe dann direkt in die Arbeit. Nach dem Dienst gehe ich meistens direkt nach Hause. Zuhause, koche ich mir dann etwas Feines und wenn ich danach noch fit genug bin, stürze ich mich auf meine üblichen Sprach- oder Gesangsübungen.

Wenn ich keinen Dienst habe, frühstücke ich genüsslich, danach mache ich meine üblichen Aufwärmübungen. Meistens bin ich an solchen Tagen zuhause und arbeite an Projekten, für die ich immer keine Zeit gefunden habe. Bei guter Stimmung singe ich auch gerne und bei gutem Wetter gehe ich liebend gerne in den Wald spazieren oder an die Donau.

Xiting Shan, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Weiterdenken und den Fokus nicht verlieren. Es ist einfach, in solch turbulenten Zeiten das Wesentliche aus den Augen zu verlieren und sich mitreißen zu lassen, besonders wenn man noch einen Nebenjob hat und schier um das Überleben ringt. Doch auch wenn die Lage prekär ist, glaube ich, ist es umso wichtiger die eigenen Prioritäten nicht zu vernachlässigen und sich nicht demotivieren zu lassen. Die Zeit sinnvoll zu nutzen – sei es für eine Auszeit um mal durchzuatmen – und uns dessen bewusst zu sein, dass aller Anfang auch ein Ende hat.

Ich glaube, das, was uns alle KünstlerInnen zusammenhält, ist ein loderndes Feuer und ein unbeugsames Vertrauen in unser eigenes Schaffen. Egal in welcher Sparte wir auch sind, wir alle leben und lieben unsere Kunst. Besonders jetzt, wo es keine Bühnen und Säle gibt, in welchen wir diese Kunst ausüben und zeigen können, haben wir die Möglichkeit neue Wege zu entdecken unsere Kunst auch ortsungebunden auszuleben und dieses, so wichtige Element, einer funktionierenden Gesellschaft, nicht untergehen zu lassen. Kunst und Kultur entwickelt sich weiter, mit oder ohne Zustimmung eines Systems. Das macht die Kunst und das macht uns Kulturschaffende aus.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, dass die Kunst immer schon einen hohen Stellenwert genossen hat, aber immer nur an der Oberfläche. Diese Krise hat uns gezeigt, wie immens der Kulturbereich aus dem System rausfällt und wir sollten dies nicht stillschweigend hinnehmen.

Die Kunst ist ein Fenster zu unserem inneren Selbst. Sie spiegelt das System, die Bevölkerung und jeden einzelnen von uns wieder. Das Theater ist das Medium, wo wir SchauspielerInnen Gefühle und Bilder mit Menschen verbinden und zum Nachdenken anregen. Es entsteht eine Art Austausch und Kommunikation zwischen Darstellenden und Zuschauenden, und diese Verknüpfung führt, meiner Meinung nach, zu einem neuen Bewusstsein. Somit bilden wir uns weiter, indem wir ins Theater, ins Museum, in die Oper oder zu einem Konzert gehen.

Daher bin ich davon überzeugt, dass Theater sowie Kultureinrichtungen für unsere persönliche und gesellschaftliche Weiterentwicklung essentiell sind und auch nach dieser Krise stärker denn je in den Fokus treten werden.

Damit jedoch dies funktionieren kann, ist die Versorgung von Kultureinrichtungen mitsamt den KünstlerInnen und die im Hintergrund Arbeitenden von größter Wichtigkeit, denn Kultur lebt und belebt, aber Kultur kann nicht funktionieren ohne die Menschen, die Kultur ausleben; und der Mensch kann nicht sein ohne Kultur.

Was liest Du derzeit?

Das letzte Buch, das ich gelesen habe hieß „Weniger ist mehr“ von Michael Caine, da ich mich ein bisschen in die Filmbranche einlesen wollte. Aber ich muss  auch zugeben, dass ich zurzeit, nicht wie viele meiner anderen Kollegen und Kolleginnen, etwas lese, sondern dem Aufholbedarf meiner ewig langen Filmliste nachkomme. Erst kürzlich habe ich mir den Lars von Trier Film „Dancers in the dark“ angesehen. Es war überwältigend.

Xiting Shan, Schauspielerin

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Den Wind können wir nicht ändern, aber die Segel anders setzen. ~Aristoteles

Vielen Dank für das Interview liebe Xiting, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Xiting Shan, Schauspielerin

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Hotel Regina_Roth Bar_Wien 28.3.2021.

21.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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