„Im Jetzt zu sein. Wir haben nichts anderes“ Shira Karmon, Sängerin_ Wien 24.6.2021

Liebe Shira, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe auf und versuch den Tag langsam auf mich zukommen zu lassen. Manchmal gelingt es mir. Jeder Tag ist anders und eine Chance das Leben zu umarmen. Sei es mit Familie, Musik, mit meiner Stimme, mit einer Probe oder einem Konzert. Es kommen jetzt viele Konzerte im Sommer und ich probe schon intensiv mit weiteren Musiker*innen dafür.

Shira Karmon, Sängerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig? 

Es wird jetzt ganz wichtig sein, dass wir Menschen wach sind und aufeinander schauen. Das wir unseren Alltags schätzen lernen und die Natur. Dass wir offen bleiben und uns mit extremen Situationen ruhig auseinandersetzen können.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Es wird das Bewusstsein wesentlich sein, dass der Mensch ein soziales Tier ist. Dass wir einander brauchen und sei es für einen Blick Austausch auf der Straße. Ich hoffe, dass wir uns bewusst werden, im Jetzt zu sein. Wir haben nichts anderes. Die Musik hilft uns, in uns hinein zu fühlen, sie hilft uns unsere Sinne zu spüren und damit zu kommunizieren – dadurch entsteht soziales Leben. Die Kunst erlaubt uns, in dem Jetzt zu sein. Sie gibt uns auch Freiheit. Es gibt keine falsche Antwort auf eine künstlerische Frage. Die Kunst kann die Menschheit so vielseitig spiegeln.

Was liest Du derzeit?

Wenn ich die Ruhe habe, lese ich jetzt ein Buch von Nathan Shaham „Bone to its Bone“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ aus der  Tragödie Hamlet, Prinz von Dänemark von William Shakespeare.

Vielen Dank für das Interview liebe Shira, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Shira Karmon, Sängerin

https://shirakarmon.org

https://www.facebook.com/karmonshira

Nächster Konzerttermin: Samstag 26.6. 2021 Sobieskiplatz, Wien 1090,_ 19:30 h bis 21:00h – SHIRA Kultursommer Alsergrund – Eintritt frei

Weitere Termine siehe_homepage.

Foto_Karina Shabnam

24.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ingeborg Bachmann war so was von Frau!“ Christin Amy Artner_Schauspielerin _ Romanjubiläum Malina_Wien 24.6.2021

In Kärnten in eine Musikerfamilie hineingeboren zu werden, bedeutet, dass ich mit 4 Jahren Noten lesen, schreiben und spielen konnte (lacht)! Meine Schauspielleidenschaft begann ebenfalls sehr früh und ich konzentrierte mich anfangs auf Musical, weil ich begeistert Gesangs- und Tanzunterricht nahm. Meine Tante war besonders prägend für mich und machte mich mit der deutschen Sprache und Literatur, vor allem Theaterliteratur, vertraut.

Christin Amy Artner_Schauspielerin, Sprecherin, Drehbuchautorin, Produzentin.

Da Sprachen immer schon ein Steckenpferd von mir waren, studierte ich neben dem Musikstudium auch Englisch, Italienisch, Französisch und Spanisch. Ich ging nach Wien, um mein Musikstudium an der damaligen Hochschule für Musik und darstellende Kunst (jetzt mdw) abzuschließen. Das war ein großer erster beruflicher Schritt und Erfolg für mich als 22 -jährige.

Danach ging es direkt nach Berlin. Ein Umzug mit elf Kartons im Zug (lacht). Ab diesem Zeitpunkt war mein Fokus für längere Zeit ausschließlich auf den darstellenden Bereich gerichtet und ich studierte Schauspiel in Berlin.

Wieder zurück in Wien machte ich mein Schauspieldiplom und bekam meinen ersten Sohn. Kurz danach kam mein zweiter Sohn auf die Welt. Als alleinerziehende Mutter spielte ich vorwiegend im Theater. Erst als mein dritter Sohn kam, hat sich mein Fokus auf Film verlagert, wo ich als Schauspielerin, Regisseurin, Drehbuchautorin, Cutterin und Musikerin alle meine Schwerpunkte vereinen kann. Es macht mir zuviel Spaß, das Bild im Ganzen zu kreieren, als mich nur auf einen Bereich zu beschränken.

Das Loslösen und neu Ankommen, Lebenswege an sich, da ist immer viel Freude, viel Spannung und auch Schmerz dabei.

Wien war und ist künstlerisch sehr lebendig. Wien sucht sich jetzt neu nach den Lockdowns. Es bildet sich gerade viel Neues, viele künstlerische Initiativen.

Kultur ist dabei, sich einen neuen Stellenwert zu schaffen. Kunst und Alltag werden sich mehr verbinden. Das ist zu spüren.

Kultur ist Leben. Vom Essen bis zur Musik. Es ist eine ineinandergreifende, ganz wesentliche Entwicklung.

Liebe, das sind Gedanken und Geheimnisse des Momentes. Ich erinnere mich da an jeden Moment minuziös – welche Kleider ich trug, wieviel Uhr es war, was wir sprachen, auch was die Kellnerin im Restaurant sagte (lacht). Das war bei mir immer so.

Liebe auf den ersten Blick gibt es. Und diese ist lebbar, ist machbar. Schon in Teenagerzeiten erlebte ich Liebe auf den ersten Blick, die große Liebe. Es ist ein Spüren, das alles will und alles kann. Das muss man auch zulassen können.

Liebe hat mit Vertrauen, bedingungslosem Vertrauen zu tun. Das ist etwas, das ich mir erarbeitet habe. Das braucht Erfahrungen. Wenn man diese Erfahrungen integriert, kann man stärker werden, im Leben und in der Liebe.

Ingeborg Bachmann hat in Malina Erfahrungen der Liebe geöffnet, ganz radikal. Persönlich hat sie einen hohen Preis für die Liebe gezahlt. 

Sehnsucht und Suche sind immer in der Liebe.

Glück muss man auch loslassen können, damit es wieder kommen kann. Für Ingeborg Bachmann war das Schreiben so ein Loslassen, ein Verarbeiten.

Ich denke, Ingeborg Bachmann war sehr einsam in ihrer Sehnsucht.

Dankbarkeit öffnet in der Liebe.

Liebe lebt von jedem Moment. Ununterbrochen. Da gibt es nichts Unwichtiges.

Liebe braucht viel Gespräch. Viel freies Gespräch.

Das Männer- und Frauenbild hat sich gewandelt. In der jungen Generation hat sich sehr viel verändert. Viel weniger männliches oder weibliches Gehabe, gleichberechtigter.

Ingeborg Bachmann war eine absolut emanzipierte Frau. Sie war eine Vorreiterin. Wild und stark, auch in einer Schüchternheit.

In meiner Familie hatten die Frauen immer eine zentrale Rolle. Es war nicht männlich dominiert. Es gab immer Gleichberechtigung.

Es braucht in der Erziehung eine gute Kommunikation der Eltern, die Egos müssen im Rahmen sein. Frau und Mann sind da ganz wichtig in ihrer Rolle als Einheit, was besonders für uns alleinerziehende Mütter ein schwieriges Thema ist .

Kommunikation ist ein Heilmittel. Zuhören, reden, reflektieren. In gleichberechtigter Weise, ohne Gefälle.

Die Malinas sind die, mit denen man eine sehr lange Beziehung haben kann, wenn man Fadesse aushält. Mit den Ivans kann man nie eine Beziehung haben, aber es wird keine Sekunde fad. Ich kenne beide Extreme. Wir haben auch beide in uns.

Beide Typen, Ivan und Malina, sind spannend, erfahrungsreich aber es geht an die Substanz, ist sehr anstrengend. 

Ivan und Malina, das ist auch eine Frage des Lebensabschnittes. Menschen verändern sich, können sich verändern. Es geht auch um Leidensdruck und Toleranz.

Neuanfang – Wohnungswechsel, neue Wohnung, neuer Bezirk, neue Möbel, neues Gewand – loslassen, um neu zu beginnen.

Wir haben einen selbstzerstörerischen Hang in uns. Wenn wir da Grenzen überschreiten, führt eine Abwärtsspirale in die Hölle unserer Ängste, die es anzusehen und gehen zu lassen gilt.  

Ingeborg Bachmann war so was von Frau! Ganz normal, durch und durch Frau.

Ich sehe und spüre an Ingeborg Bachmann so viele Facetten des Frauseins.

Es gibt im Roman eine große Sehnsucht nach Berührtwerden, Berührtsein, in unterschiedlichen Lebensfacetten. Da ist ein sehr großes, weiches, schönes Herz.

Ingeborg Bachmann war echt und suchte danach, noch echter zu sein. Das kann nicht gelingen.

Ingeborg Bachmann begleitet mich seit der Schulzeit. Sie war da immer eine Art Heilige. Im Lauf des Lebens gab und gibt es ein immer tieferes Verstehen von ihr. Als Schriftstellerin und Frau.

Beim Lesen von Malina findet ein innerer Monolog statt.  Das hat auch mit dem szenischen Charakter des Buches zu tun. Da sind viele Bilder und Gefühle. Es ist wie ein Sehen.

Liebe Ingeborg, Du warst viel größer als alle Ivans und Malinas.

Ivan war zu feig und Malina war zu schwach für Bachmann.

Christin Amy Artner_Schauspielerin, Sprecherin, Drehbuchautorin, Produzentin.

50 Jahre Malina _ 1971 – 2021 – Roman _ Ingeborg Bachmann _

im Gespräch und szenischem Fotoporträt: Christin Amy Artner_Schauspielerin, Sprecherin, Drehbuchautorin, Filmproduzentin_ Wien

CAA | NEWS de – Christin Amy Artner

_Station bei Ingeborg Bachmann _Hotel Regina_Wien_5_2021

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _ 5_2021.

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„Wir sollten alle miteinander arbeiten und nicht gegeneinander“ Veronika Koth, Maskenbildnerin_Wien 24.6.2021

Liebe Veronika, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Momentan ist mein Tagesablauf immer recht ähnlich: Zuerst einmal so lange wie nur möglich schlafen (das kann auch gerne mal bis 11 Uhr sein). Da ich Ende Juni die Lehrabschlussprüfung zur Maskenbildnerin habe, besteht mein Nachmittag aus lernen, üben, lernen, üben. Sowohl Theorie als auch Praxis, da es eine 3- tägige Praxisprüfung und eine 1- tägige Theorie/Rechnen/Zeichnen- Prüfung ist. Hier kommen auch regelmäßig meine Prüfungsmodelle zu mir, damit ich an ihnen die Aufgaben bereits üben kann und die Teile, die ich im Vorhinein anfertigen muss, herstellen und anpassen kann. Am Abend arbeite ich circa 2-3 Mal pro Woche als Maskenbildnerin in der Volksoper. Auch sonst habe hin und wieder tagsüber Nebenjobs bei etwaigen Fotoshootings, Videodrehs, etc. Nach der Arbeit kümmere mich dann um meine Haustiere, mache mir meistens noch eine Gesichtsmaske, höre meine Lieblingsmusik und singe dazu (zur Freude meiner Nachbarn) und gehe um circa 1 ins Bett.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Durchhaltevermögen, Zusammenhalt und Geduld. Außerdem müssen sich die Leute mehr an die Regeln halten, damit der Wahnsinn hoffentlich bald aufhört oder zumindest weniger wird und auch der Sommer etwas entspannter wird. Wir sollten alle miteinander arbeiten und nicht gegeneinander- egal aus welcher Branche wir kommen. Man hat auch gemerkt wie wichtig familiärer und freundschaftlicher Zusammenhalt und Kontakt ist in den Lockdowns- sei es auch teilweise nur per Skype, Zoom oder FaceTime. Auch Tiere können in dieser Zeit eine große Stütze gewesen sein! Besonders wichtig ist auch die Hoffnung nicht zu verlieren- so vielen Leuten geht es durch den Virus psychisch schlechter und viele Leute sind perspektivenlos geworden- so schwer es klingt: Positiv in die Zukunft blicken! Es kann nur mehr wieder besser werden!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Man kann hoffen, dass wir Menschen in dieser Zeit der Isolation, etc. erkannt haben was wirklich wichtig ist im Leben und was nicht. Was man braucht und was nicht. Und was alles eigentlich nur Luxusgüter sind. Was man auch wieder gesehen ist, dass wir in Österreich ein tolles Gesundheitssystem haben- vor allem im Verhältnis auch zu manch anderen Ländern. Dadurch, dass im Prinzip die ganze Welt von diesem Virus betroffen ist, wird man hoffentlich noch mehr zusammenarbeiten und zusammenhelfen und noch mehr die Länder unterstützen, die nicht die finanziellen Mittel dazu haben.

Für die Kunst würde ich mir wünschen, dass die Leute sie endlich höher ansehen würden. Die Theater waren bei allen Listen und Öffnungen immer an letzter Stelle und so sollte das nicht sein. Kunst und Kultur ist wichtig- für die die sie ausüben, die die sie erschaffen und die die sie erleben.

Was liest Du derzeit?

Lesen ist für mich derzeit nicht möglich, da ich, wie bereits erwähnt, mich voll und ganz auf die Prüfung konzentriere, doch ich lese für die Prüfung alle möglichen Bücher über historische Frisuren, Make up, Stilkunde, Formenbau, Maskenbildnerbücher,… alles was eben für die Prüfung wichtig sein könnte! Für mich spielt eher Musik eine wichtige Rolle.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„You are the artist of your own life.“ ~Lady Gaga

„I grew up with this understanding that you can be brave in many different ways, and one of those ways is make up.“ ~Lady Gaga

„There is no darkness- but ignorance.“ ~William Shakespeare

Veronika Koth, Maskenbildnerin/Make up Artistin

Vielen Dank für das Interview liebe Veronika, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Veronika Koth, Maskenbildnerin/Make up Artistin

Fotos_ 1, 4 stage shadows; 2,3 Veronika Koth.

29.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Künstler*innen überleben immer irgendwie“ Ingo Weber, Filmemacher_ Guttaring/K 24.6.2021

Lieber Ingo, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich arbeite prinzipiell immer an mehreren Projekten gleichzeitig, und widme mich dem was gerade kommt um in Angriff genommen zu werden, welches sich gerade ergibt und auf eine gewisse Werkbank gelegt wird.

Ich versuche täglich zu üben, da beschäftige ich mich mit Rhythmik und Noten, betreibe auch regelmäßig Sport, erledige meine Post, ich koche mir Essen, ich kümmere mich auch um meine Familie, spiele Sessions, und wir sind gerade dabei einen neuen Film fertig zu machen, ich hab auch schon ewig meine nächsten zwei Arbeiten im Kopf.

Ingo Weber, Filmemacher

Und ich versuche sehr auf meinen Körper zu achten, wenn du die Schlagzeug-Bude wirklich gut und ausdauernd spielen willst, dann musst du halbwegs fit sein und ständig an dir arbeiten, auch das Schlagzeug will dass du ständig mit ihm arbeitest, hahahahah!

Und ich bin ja so ein bisschen eine orthopädische Baustelle und hab da immer was zu tun, was mich dazu bringt lange Wald-Wanderungen zu unternehmen. Die nütze ich auch fürs Nachdenken und Reflektieren.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Mitgefühl, Fokus, viel gute Kunst, Musik. Weg von der Trübheit der Herzen, rein in die Sonne. Aber nehmt auch den Nebel ernst, der ist nicht schlecht!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Film, der Musik, der Kunst an sich zu?

Gesellschaftlich:

Wesentlich wird sein dass wir brüderlicher mit Uns Mitmenschen und der Natur, der Umwelt, und dem Tier umgehen. Nicht alles ist selbstverständlich.

Genau das hat uns ja Corona jetzt gezeigt.

Weg vom zerstörerischen Egoismus und der Ausbeute!

Die Menschen sollten sich auch um die Tiere kümmern, Barbareien und Ausbeute dieser Art oder auch auf menschlicher Ebene erzeugen soviel unnötiges, bei Tieren auch nicht auf den ersten Blick ersichtliches Leid.

Die Leute sollten nicht vergessen die Ohren aufzureissen und die Natur zu hören, und natürlich kann man sie auch sehen.

Auch das städtische urbane hat seinen eigenen Reiz.

Aufbruch und Neubeginn ist natürlich nichts ungewöhnliches und eigentlich ist es nichts Neues. Wenn man es genau betrachtet. Das ist ein ganz natürlicher Zyklus, der uns unser ganzes Leben lang begleitet. Selbst im Universum spiegelt sich das wieder.

Frei nach Goethe:

Und so lang du das nicht hast,

dieses Stirb und Werde,

bist du nur ein trüber Gast

auf der dunklen Erde.

Persönlich: Jede Krise ist eigentlich gut, also sehe ich auch Corona als eine Möglichkeit oder sogar eine Chance.

Ich bin prinzipiell ein sehr optimistischer Mensch, und ich lege große Hoffnung in die Generationen die nach uns kommen, ich glaube da sind sehr sehr großartige junge, kleine Menschen unterwegs…

Film:

Hoch interessant finde ich die Filmemacher die auf analoges Material zugreifen, eigentlich ist es ja in der Filmindustrie, jedoch eher im Ausland, gar nicht unüblich bzw. sehr häufig der Fall dass auf Film gedreht wird.

Leute wie Scorsese und viele andere, sind wahre Romantiker des analogen Celluloid.

Solche Freaks, selbst einer wie Tarantino oder viele in US oder anderen Ländern arbeiten mit analogem Film.

Dieses Faszinosum Film, ja Mysterium, das eigentlich jeden Menschen in seinen Bann lockt und ihn begeistert und oder Rätsel aufgibt.

Eigentlich sollten wir wieder da hin dass es in jedem Kaff, jeder Kleinstadt ein Kino gibt.

Musik:

Musik ist Leben, und Leben ist Musik. Sie behellt die Geister, fördert und bringt die Liebe zutage. Wahre Leidenschaft, ja sogar Ekstase. Natürlich kann sie auch destruktiv und zerstörerisch wirken, je nachdem auf welches Konzert man sich verirrt oder auf welche Leute man gerade stößt…

Im Grunde jedoch hat Musik immer etwas vermittelndes, gemeinschaftliches, vereinendes. Es sollte viel mehr musiziert werden, von mir aus an jeder Ecke und die Musiker sollten überall auf Sessions gehen können.

Kunst:

Vielen, hauptsächlich den meisten bleiben gewisse Aspekte der Bildung überhaupt unerschlossen und müssen es selber lernen oder draufkommen, das fängt schon bei der Kunst an. Welche Schülerin hat schon gesagt, „super ich hab in der Volksschule Blockflöte gelernt, mittlerweile spiele ich seit 20 Jahren oder so und spiele mehrere verschiedene aus anderen Ländern.

Alles was wir lernen ist prinzipiell auf Leistung und Optimierung aufgebaut um Maximalstes für Geringeres einzulösen…

Was sollen da so viele kleinen Leute tun, als zu saufen, zu fressen, fette Autos zu fahren und um sich zu schleudern…

Und es ist ja echt für viele so schwierig sich durchzusetzen und zu verwirklichen, und da schätze ich die Künstler so sehr, die überleben immer irgendwie und schöpfen einfach aus anderem und sind aber meistens auch noch so hilfsbereit um anderen zu helfen.

Aber eigentlich sollten wir alle vom selben schöpfen.

Was natürlich nicht heisst das jeder ein Maler, Musiker oder ähnliches sein muss.

Jeder sollte seine Genugtuung dort finden wo er es am besten genießen kann und seine Tätigkeit liebt.

Es sind so kleine Dinge auch, die die Menschen wieder durchringen sollten, einen Vogel zu beobachten oder einer Katze oder einem Hund länger zuzusehen zb.

Wie meldet sich David Lynch aus L.A.? „Heute habe ich gerade den ganzen Tag darüber nachgedacht, wie schön Bäume sind!“ Hahahaha

Die Kunst wird uns immer dienen als der Nektar und der Honig um uns an ihr zu laben, sie auszuüben oder uns einfach daran zu erfreuen.

Schön wärs einfach, wenn die Welt so bunt wie möglich wird, die toten Städte sollten wieder nette Cafés haben und Ecken wo man Essen kann, vlt dann am Abend irgendwo ein Ausstellungs oder Theater-Besuch oder in ein Kino reinspringen oder auf ein Konzert gehen.

Das sollte so ein Minimum sein für viele Menschen die hungrig danach sind und dafür brennen, besser als isoliert irgendwo in einem Park zu saufen oder zu Hause in das Tablet schauen oder am Smart-Phone verbringen. Oder am Smart-Tv… Natürlich ist der Stream eine tolle Sache und das Netz, man kann alle Information haben.

Jedoch greife ich lieber zu Büchern oder Vinyl oder einer simplen DVD.

Was liest Du derzeit?

Ich nehme das Buch zur Hand das mir in die Hand fliegt. Es liegen schon länger über 10 Bücher zur Hand, von Filmtheorie und Filmgeschichte bis zu Viktor Rogy. zb…. Lord of the Rings ist komischerweise auch wieder auf Englisch aufgetaucht,

Mit einigen Büchern studiere ich und versuche sowas wie Forschung zu betreiben.

Meine kleine feine Bibliothek begleitet mich schon mein ganzes Leben, und viele Bücher kommen auch durch Zufall oder Empfehlungen zu mir.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Trachtet immer dem Unmöglichen entgegen, bringt es ins Mögliche. Lasst die Menschen träumen und realisieren. Jeder soll sich so gut wie möglich finden und grösste Freude verspüren.

Wer Augen hat der Sehe,

Wer Ohren hat der Höre,

So einfach

Vielen Dank für das Interview lieber Ingo, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Filmprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Ingo Weber, Filmemacher

Ingo Weber Cinema | Short Film. Experimental. Animation. Movies. (weberingo.com)

Fotos_privat.

25.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kollektiv Alternativen zur „alten Normalität“ zu denken, zu verkörpern und zu leben“ Katharina Senk_Tänzerin_Wien 23.6.2021

Liebe Katharina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Kaffee immer. Ein kleiner Morgenspaziergang mit dem Hund. Und dann ab nach Linz zu den Proben für #schalldicht im Phönix Theater mit Premiere Mitte Juni beim SCHÄXPIR Festival. Ich bin also zurück im Theaterleben. Es wirkt fast unrealistisch. Für mich ist das ein großer Switch: nach über einem Jahr des permanenten Ausnahmezustands in den eigenen vier Wänden, hin zum Ausnahmezustand von Intensivproben im Theater. Auch ein guter Switch.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für mich ist es wichtig, kollektiv Alternativen zur „alten Normalität“ zu denken, zu verkörpern und zu leben. Ich wünsche uns Zeit, die Erfahrungen der letzten eineinhalb Jahre zu verdauen. Ich wünsche uns Zuwendung, die wir uns selbst und einander geben können; und ich wünsche uns Mut. Um mutig, neugierig und mitunter auch lustvoll Antworten zu suchen auf die Fragen, Herausforderungen und Ungerechtigkeiten, die die Pandemie befeuert hat.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz, dem Theater, der Kunst an sich zu?

Die schwarze Autorin und Aktivistin Toni Cade Bambara hat einmal gesagt „The role of the artist is to make the revolution irresistible.“ (übersetzt: „Die Aufgabe der Künstler:innen ist es, die Revolution unwiderstehlich zu machen.“)
Das ist für mich ein starker Leitgedanke. Wie kann ich durch meine Kunst anti-ableistische, anti-rassistische und anti-sexistische Utopien für das Publikum erfahrbar machen, und diese Zukunftsperspektiven so unwiderstehlich machen, dass wir sie auch in unsere gelebte Wirklichkeit hineinpraktizieren möchten?

Was liest Du derzeit?

„Care Work – Dreaming Disability Justice“ von Leah Lakshmi Piepzna-Samarasinha und die aktuelle Ausgabe vom an.schläge-Magazin.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„All that you touch you change. All that you change changes you.“
Octavia Butler

Vielen Dank für das Interview liebe Katharina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Tanz-, Performanceprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Katharina Senk_Tänzerin, Performerin, Pädagogin

Katharina Senk – Official Website from the Vienna based Dancer and Choreographer – Katharina Senk – Dancer and Choreographer – Official Website

Foto_Rene Baumgartner

25.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Egal was in Zukunft passieren wird, die Kunst wird uns alle überleben“ Lucille Wittgenstein, Künstlerin_Wien 23.6.2021

Liebe Lucille, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf – nun ich steh um 5 auf, geh Gassi mit meiner Babette und beginne im Kopf auf halber Strecke zu malen. Seh` ich Taubenscheiße am Asphalt, denk` ich mir unfassbar was für ein herrliches Neapelgelb und bin schon beim Inkarnat im Kopf und rieche förmlich die wohlig milchige Brust, die ich malen werde!

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Besonders wichtig zurzeit ist, sich den Mund nicht verbieten lassen und Rücksicht .

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Egal was in Zukunft passieren wird, die Kunst wird uns alle überleben, das ist eine Art Fundament, das wir Menschen für die Nachwelt hinterlassen, streiten drüber können sich andere Generationen.

Was liest Du derzeit?

Lesen tu ich grad von Suter die dunkle Seite des Mondes – lovely .

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Mitgeben möchte ich den Leuten ein Kipferl und nen Becher Kaffee, dann sinds schon viel besser drauf . hugs lu

Vielen Dank für das Interview liebe Lucille, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Lucille Wittgenstein, Künstlerin

Foto_Lucille Wittgenstein

31.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Irgendwie surreal, man findet kein richtiges Verhältnis dazu“ Magda Woitzuck, Schriftstellerin_ Bachmannpreisteilnehmerin 2021_Niederösterreich_ 22.6.2021

Rückblick_Bachmannpreis 2021_Interview-Blitzlicht:

Magda Woitzuck_Schriftstellerin_Niederösterreich__Teilnehmerin _Tage der deutschsprachigen Literatur _ 2021

Liebe Magda, herzlichen Dank für Deine Teilnahme, Deinen spannenden Text wie Lesung!

Wo und wie hast Du die Preisverleihung und den Abschluss der Literaturtage miterlebt?

Ich war bei mir zu Zuhause und habe die Preisverleihung mit meiner Familie auf dem Laptop mitverfolgt. Für Nava Ebrahimi und Dana Vowinckel habe ich mich gefreut. Das waren zwei wirklich starke Texte.

Wie sieht Dein Rückblick auf die Literaturtage aus?

Es waren sehr aufregende Tage, die aber auch ziemlich anstrengend waren. Ich habe mir alle Lesungen und Diskussionen angesehen. Am Abend haben wir Fußball geschaut. Es ist eine seltsame Situation: man weiß, da findet irgendwo etwas statt, von dem man Teil ist, aber man ist daheim und sitzt auf dem Sofa. Das macht es irgendwie surreal, man findet kein richtiges Verhältnis dazu.

Welche Inspirationen nimmst Du für Deine Literaturprojekte mit?

Der Bewerb an sich ist ja nicht sonderlich inspirierend, insofern denke ich nicht, dass ich davon etwas für meine Arbeit mitnehmen werde. Gefallen hat mir, dass so viele völlig unterschiedliche Texte vertreten waren.

Was sind Deine nächsten Schreibprojekte?

Am Tag nach dem Bachmannbewerb ist bei SWR2 mein Podcast „Shit happens“ erschienen, eine Doku über eine Wiener Drogendealerin, die im großen Stil mit Haschisch gehandelt hat. Den kann man jetzt auf jeder Podcast-Plattform anhören, worüber ich mich sehr freue. Dann kommt auch bald ein neues Hörspiel und im Herbst stehen einige kleinere Projekte an.

aktuelles und lesetermine – magdawoitzucks Webseite!

Liebe Magda, vielen Dank für das Interview! Viel Freude und Erfolg weiterhin wie schönen Sommer!

Bachmannpreis 2021_Rückblick_Blitzlicht:

Magda Woitzuck, Schriftstellerin_Bachmannpreistelnehmerin 2021

Magda Woitzuck (A) – Bachmannpreis (orf.at)

Live und on demand – Alle Videos 2021 – Bachmannpreis (orf.at)

Walter Pobaschnig 22.6.2021

screenshots _ Bachmannpreis 3sat – Walter Pobaschnig.

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„Am stärksten sind Literatur und Kritik immer gemeinsam“ Klaus Kastberger_Graz_Juror_ Bachmannpreis 2021_ 22.6.2021

Rückblick_Bachmannpreis 2021_Interview-Blitzlicht:

Univ.-Prof. Dr. Klaus Kastberger, Leiter Franz-Nabl-Institut/Literaturhaus Graz_Juror_Tage der deutschsprachigen Literatur _ 2021

Lieber Klaus, herzlichen Dank für Deine spannenden Besprechungen, Deine Zugänge, Impulse zu den Lesungstexten wie die abwechslungsreiche Diskussion im Kolleg*innenkreis des Juror*innenteams!

Wie hast Du die Preisverleihung und den Abschluss der Literaturtage miterlebt?

In Klagenfurt gibt es viele Arten des Glücks. Eine besteht darin, dass die eigene Kandidatin gewinnt. Nava Ebrahimis Text war einer der komplexesten des ganzen Bewerbs und dabei noch dazu höchst gegenwärtig und wach. Dass ausgerechnet so ein Text gewinnt, ist ein gutes Zeichen nicht nur für die deutschsprachige Literatur, sondern auch für die momentane Verfasstheit der Literaturkritik.

Wie sieht Dein Rückblick auf die Literaturtage aus – wie hast Du die Textbeiträge und wie die Jurydiskussionen im Team erlebt?

In irgendeinem Feuilleton habe ich gelesen: Texte schwach, Jury lebendig wie kaum je zuvor. Literatur und Kritik aber gehören in einer ganz anderen Weise zusammen, denn es ist durchaus nicht so, dass die Stärken des einen sich aus den Schwächen des anderen bauen. Am stärksten sind Literatur und Kritik immer gemeinsam und, wenn man es schon als ein Match sehen will, das sich hier abspielt, ist eines sicher: Am Ende gewinnt immer der literarische Text. Oftmals übrigens auch gegen den eigenen Autor oder die eigenen Autorin.

Welche Inspirationen nimmst Du für Deine vielseitigen Tätigkeiten im Literatur- Kunstbereich mit?

Egal, ob auf der Uni oder im Literaturbetrieb, alle meine Tätigkeiten fokussieren auf einen einzigen Moment: Texte zu lesen, sie zu verstehen und das Verstandene zu vermitteln. Es ist schon seltsam, dass ich mich gerade in Klagenfurt, inmitten einer Fernsehshow, diesen Momenten oft am nächsten fühle.

Wie bist Du mit der Hitze heuer in und außerhalb des ORF-Studios in Klagenfurt zurechtgekommen bzw. umgegangen? Waren es die heißesten Literaturtage bisher?

Im Studio war es angenehm kühl. Und der Wörthersee traumhaft.

Was wünscht Du Dir für die Literatur Tage in Klagenfurt 2022?

Autoren und Autorinnen, Publikum und Kollegen vor Ort. Und Texte, die uns vom Hocker reißen. Vielleicht gerade auch deshalb, weil sie unsere ersten Erwartungen an sie nicht erfüllen.

Laudatio_Klaus Kastberger für Nava Ebrahimi, Bachmannpreisträgerin 2021. Nava Ebrahimi wurde von Klaus Kastberger zu den Literaturtagen in Klagenfurt eingeladen.

Lieber Klaus, vielen Dank für das Interview! Viel Freude und Erfolg weiterhin für alle Literaturprojekte wie schönen Sommer!

Bachmannpreis 2021_Rückblick_Blitzlicht:

Univ.-Prof. Dr. Klaus Kastberger, Leiter Franz-Nabl-Institut/Literaturhaus Graz_Juror_Tage der deutschsprachigen Literatur _ 2021

Literaturhaus Graz (literaturhaus-graz.at)

Die Bachmannpreisträgerin 2021, Nava Ebrahimi, wurde von Klaus Kastberger zu den Literaturtagen in Klagenfurt eingeladen.

Bachmannpreis (orf.at)

Walter Pobaschnig 22.6.2021

screenshots _ Bachmannpreis 3sat

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„Die Kunst schenkt uns Assoziationen mit unserem eigenen Leben“ Beata Beck, Sopranistin, Wien_ 22.6.2021

Liebe Beata, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wenn ich über meinen derzeitigen Alltag nachdenke und dabei automatisch zurückblicke, habe ich eigentlich jahrelang in einem Hamsterrad gelebt – viel studiert – zunächst Klavier, parallel ein paar Jahre Architektur bis zum Sudienabbruch und danach Gesang. Ich war zielstrebig dabei, mein Leben mehr und mehr aufzubauen und nach meinen Wünschen zu gestalten. Und auf einmal war sie da, die ungewohnte Stille im bewegten Leben der Künstler. Die Ruhe, die doch oft so ersehnt wird, wenn sie sich in weiter Ferne befindet.

Man glaubt es kaum: aber auch während des Stillstandes hatte mein Tag immer noch zu wenig Stunden. 

Als menschliche Wesen bedienen wir uns der hedonistischen Anpassung. Das Leben bietet immer wieder Veränderungen im Positiven wie im Negativen, man passt sich schnell an und gewöhnt sich an die neue Situation, wodurch sich der Alltag natürlich verändern kann oder neue Prioritäten bekommt. Mit anderen Worten: das Leben muss irgendwie weiter gehen. Andernfalls wäre es ja auch ziemlich eintönig.

Ich bin der Typ Mensch, der aus jeder Situation versucht, das Beste heraus zu holen und habe – da es meiner Natur immer schon widerstrebte, faul zu sein, ohne dabei ein zermarternd schlechtes Gewissen zu haben – auch die Zeit der Pandemie sehr gut genutzt, um mich in erster Linie meiner Stimme zu widmen, also Technik und Repertoire zu fokussieren. Erweiterung im Klavierrepertoire stand auch am Tagesplan – ich habe alle Werke, die für entfallene Konzerte geplant waren, einstudiert und hoffe auf eine Verwirklichung der aufgeschobenen Konzerte. 

Natürlich ist es insgesamt nicht immer einfach, sich zum Üben zu motivieren – ich hatte auch genug Tage zwischendurch, an denen gar nichts ging und die Motivation im Keller war. Das Üben ohne Ziel im Sinne von Druck beziehungsweise Auftritten, ist bekanntlich nicht so einfach. Insofern muss man sich die Ziele eben selbst setzen.

Inzwischen überrollt es mich im Alltag ohnehin bereits wieder, zwar noch ohne Aufrittsroutine, aber auf einmal ist der Stress wieder da. Die Zeit, alles in Ruhe zu erledigen, viel zu lesen und sich für alles einfach mehr Zeit zu nehmen, nimmt wieder drastisch ab. Nach so langer Zeit wiederum eine Umstellung, aber ich liebe es und fühle mich sehr energiegeladen.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Mir persönlich wäre es ein Herzensanliegen, wenn unsere Gesellschaft an sich wieder zu einer Menschlichkeit und einem gegenseitigen Verständnis zurückkehren würde. Einer Menschlichkeit, die mit Werten von Toleranz und Akzeptanz konform geht und sich nicht am Hass orientiert, somit also erfolgreich spalten lässt. Seinen eigenen Verstand einsetzt und sich auch nicht wie eine Computerseele am geschürten und eingetrichterten Wortschatz unsrer Zeit bedient. Ich persönlich kann so manch modischen Wortgebrauch im respektlosen Gegeneinander eigentlich nicht mehr hören.

Jedes Individuum in unserer Gesellschaft befindet sich in seiner eigenen Auseinandersetzung und seinem eigenen Konflikt mit dieser Situation – manche mehr bis existenzbedrohend, manche weniger. Die einen sind von der Krise stark eingeschränkt und machen verschiedene Maßnahmen schwer zu Schaffen, die anderen bemerken einige Einschnitte in unsere Freiheit nicht einmal, weil sie gar nicht in Berührung kommen oder auch gar nicht realisieren, dass eventuell sogar gewisse Maßnahmen nicht unbedingt gesundheitsfördernd sein müssen.

Jeder hat aber auch mit seiner Lebensgeschichte verschiedene Ängste und Sorgen. Mensch sein bedeutet, den anderen „sein“ zu lassen und wahrzunehmen. Wie er ist, wie er fühlt – denn all dies hängt mit den eigenen Erfahrungen zusammen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens macht. Diese Erfahrungen sind Teil seiner Seele und tragen dazu bei, wie ein Mensch denkt und was er für sich und sein Umfeld als richtig oder falsch empfindet. Dieses Gefühl, diese Intuition kann einem niemand nehmen. Mensch sein heisst nicht, sein „Ich“ und seinen Willen auf andere zu projizieren.

Deshalb ist es so wichtig, immer wieder in die Selbstreflexion zu gehen. Sich die Frage zu stellen: Was will ich und was will ich vor allem nicht? Menschen immer so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Mit Respekt, Meinungstoleranz und Empathie. Oder gibt es tatsächlich Menschen, die selbst nicht mit diesen Werten geschätzt werden möchten?

Mehr denn je ist es heute wichtig, eine gefestigte Persönlichkeit zu haben und zu sich zu stehen, auch wenn man mitunter dabei aus der Reihe tanzen muss. Ist nicht gerade dies auch reizvoll? Anders und authentisch zu sein und dabei die eigene, innere Wahrhaftigkeit anzustreben? Dazu fällt mir folgendes Zitat ein, über das ich im Netz gestolpert bin: „Die einzige Wahrheit, die du geben kannst, ist jene dir selbst gegenüber. Und das ist die einzig wahre Befreiung. Dir selbst am Abend im Spiegel in die Augen zu sehen und zu sagen: Ich bin mir selbst treu geblieben.“ 

Es ist also meinem Empfinden nach auch besonders wichtig, sich selbst und seinen Körper zu spüren. Auf den Körper, die innere Stimme, die Intuition zu hören und dabei seinem Herzen in richtiger Balance mit dem Verstand zu folgen. Der Kreislauf der Natur und der Lebenszyklus zeigen vor, wie es funktioniert, man muss nur aufmerksam wahrnehmen lernen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Wesentlich ist wohl die Entwicklung des Exhibitionismus von Sachverhalten, die bisher eigentlich unter „Privatleben“ eingestuft wurden: der Trend scheint immer mehr Richtung „gläserner Mensch“ zu gehen. Wenn man rückblickend genau hinsieht, wurde dies mit Social Media eigentlich seit Jahren aufgebaut und zwar in die Richtung gehend, sich sogar selbst dazu zu erziehen. Natürlich jeder in seinem Raum und jedem überlassen, wie weit er dabei gehen möchte, was ja auch völlig in Ordnung ist, solange man sich frei dazu entscheidet. Natürlich aber wird durch diesen jahrelangen Aufbau auch die Hemmschwelle kleiner, sich hedonistisch und reflektionslos anzupassen und widerstandslos zu befolgen, was unter dem Deckmantel des Gemeinwohls beschlossen wird, um so immer mehr dem Zeitalter der Digitalisierung entgegen zu schlittern.  

Nun zur Kunst – als Künstler muss, oder besser gesagt kann man (denn müssen soll man gar nichts) ja auch eine gewisse Offenheit im Leben mitbringen, die ich persönlich auch sehr schön, reizvoll und sogar berufsbezogen spannend finde. Authentische Musiker musizieren meist auch so, wie sie leben. Man kommuniziert auf unausgesprochener Ebene, mit dem Ausdruck der Gefühlswelt in Farben und Nuancen. Beim Musizieren und bei der Art des Interpretierens lernt man also oft einen großen Teil der Seele kennen – das ist wohl auch ein Grund, wieso sich Musiker untereinander sehr schnell in zwischenmenschlicher Beziehung finden können. Manchmal sogar quasi von heute auf morgen. Vor allem, wenn die Seelen ein Ganzes ergeben, auf der gleichen Ebene schwingen, was sich auch durch Gemeinsamkeiten spezieller Musikliebe bemerkbar macht. Dasselbe trifft natürlich ähnlich auch in anderen Kunstsparten zu…

Die Rolle der Musik und der Kunst an sich sollte also immer eine verbindende sein. Ein festes, überirdisches Band, das zwei Menschen bis eine ganze Gesellschaft verbinden kann. Jeder von uns kennt es wohl: man hört bestimmte Musik und ist unmittelbar mit einer Erinnerung oder Menschen verbunden, mit denen man diese Musik gemeinsam erlebt hat und eben durch diese immer verbunden sein wird. Genauso wecken auch visualisierte Kunst wie Architektur – Gebäude oder Plätze – besondere Lebensbegebenheiten. Oder verschiedenste Bücher, die ja auch inspiriert aus dem Leben entstanden sind. 

Die Kunst als Ganzes schenkt uns Assoziationen mit unserem eigenen Leben, was ich ganz besonders wichtig finde, auch als heilenden Prozess und als Festhalten von besonderen Erinnerungen und Lebenserfahrungen. Die Kunstform, die uns in den letzten Monaten vermutlich am stärksten blieb, ist das Buch. Dank diesem können wir uns auf Reise begeben, auch oft unvermutet in die eigene Vergangenheit und sogar in nicht erlebte Zeitepochen.

Mein Wunsch wäre abschließend, dass jeder Mensch seinen Weg gehen kann, so wie er/sie es für richtig empfindet und zwar frei, in Eigenverantwortung, frei von Ängsten, frei vom Gefühl, sich genötigt zu fühlen zu etwas, dass er/sie nicht will. Frei vor allem, seine Berufung ausüben zu können.

Was liest Du derzeit?

Ich lese eigentlich alles, was mir in die Hände fällt und anspricht. Von alten Meistern bis zur modernen und zeitgenössischen Literatur und weiterbildenden Lektüren rund um Psychologie, Gesellschaft und natürlich auch musikgeschichtlichem und künstlerbiografischem Inhalt, wie im letzten Herbst die neu erschienenen Bücher von Franz Welser-Möst und Philippe Jordan über die Stille aus unterschiedlichen Perspektiven, musik – als auch lebensbezogen.

Da ich schon seit Kindheit, gefördert durch meine Eltern und meiner Deutschprofessorin am Akademischen Gymnasium begeisterte Leserin bin, schaffe ich mir immer wieder Büchertürme an, die leider im indirekt proportionalen Verhältnis zur tatsächlichen Lesezeit stehen. 

Zuletzt habe ich „Stiller“ von Max Frisch gelesen und nun lese ich „Orangen für Dostojewkij“ von Michael Dangl. Seit einiger Zeit habe ich auch Hanns-Josef Ortheil für mich entdeckt, den ich jedem Musiker/Künstler und Kunstgesinnten, der ihn nicht kennt, ans Herz legen möchte. Er schreibt nicht nur wunderschön und lebensnah, sondern auch sehr kunstreich – Musik und Kunst darf in seinen Romanen nicht fehlen. Denn als zunächst angehender Konzertpianist kommt er von der Musik und erzählt auch viel autobiografisch. Seine Bücher sind also immer ein lebensnahes Erlebnis.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Bei so vielen Lieblingsschriftstellern wie Hugo von Hofmannsthal, Thomas Bernhard, Stefan Zweig u.a. war es nicht so einfach, sich zu entscheiden – ich habe Paulo Coelho ausgesucht und möchte Euch gleich ein paar Textimpulse aus seinem neuesten Büchlein „Und die Liebe hört niemals auf“ mitgeben:

„Das Leben ist kein langer Urlaub, sondern eine Zeit unablässigen Lebens. Und die wichtigste Lektion ist: lieben zu lernen. Jedes Mal besser zu lieben. Was macht einen Menschen zu einem großen Künstler, einem großen Schriftsteller, einem großen Musiker? Die Übung. Was macht einen Menschen zu einem großen Menschen? Übung. Nichts anderes.“

Da der Tod vielfach Thema der letzten Zeit war und in Gedenken an meinen eigenen, vor drei Jahren verschiedenen Vater, möchte ich abschließend auch folgende Textstelle von Paulo Coelho zitieren:

„Und die einzigen Dinge, die unsterblich sind, sind ‚Glaube, Hoffnung und Liebe’. Man könnte natürlich einwenden, dass zwei davon doch vergänglich sind: der Glaube, wenn wir die Gegenwart Gottes spüren und erleben, und die Hoffnung, wenn sie erfüllt wird. Aber die Liebe wird ganz gewiss bleiben. Gott, der ewige Gott, ist Liebe. Sucht also die Liebe – diesen ewigen Augenblick, das Einzige, das Bestand haben wird, wenn die Menschheit am Ende ihrer Tage angelangt ist. Die Liebe wird immer die einzige im Universum gültige Währung sein, wenn alle anderen Währungen aller Nationen ihren Wert verloren haben. Wenn ihr euch etwas hingeben wollt, gebt euch der Liebe hin – und alles Weitere wird euch hinzugegeben.“ … „Ich musste alleine herausfinden … Dass in Wahrheit alle, die Gott vertrauen – das heißt, dass jene, die ihn lieben, denn das Vertrauen ist der einzige Weg hin zur Liebe – ein ewiges Leben haben würden.“

Dimitri Schostakowitsch vertonte das „ewige Leben“ 1975 im Finale seiner letzten Komposition – der Sonate für Bratsche und Klavier – wenige Wochen, bevor er verstarb. Ein Abschiedsgesang (mit zitierten Elementen aus der Mondscheinsonate), mit dem ich meinen Vater musikalisch verabschiedete und somit seine Seele in Gottes Hände legte. So viel zurückkehrend zur Rolle der Musik: eine unbändige Kraft, ein verbindendes Band zwischen Menschen und gegenüber Gott – in jeder Lebenslage, die uns fernab vom Musikerberuf an sich auch im Alltag begleitet.

Vielen Dank für das Interview liebe Beata, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Beata Beck, Lyrische Koloratursopranistin und Pianistin

Beata Beck – Musikerin, Sopranistin, Pianistin

Foto_Marcus Freisem (aufgenommen im Künstlerhaus München)

31.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Champagner, dann ausschlafen! Dann weiterschreiben“ Dana Vowinckel_Schriftstellerin_ Berlin_Deutschlandfunk- Preisträgerin 2021_ 21.6.2021

Rückblick_Bachmannpreis 2021_Interview-Blitzlicht:

Dana Vowinckel_Schriftstellerin_Berlin_Deutschlandfunk_Preisträgerin_Tage der deutschsprachigen Literatur _ 2021

Dana Vowinckel_Schriftstellerin_Deutschlandfunk Preisträgerin _ Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt 2021

Liebe Dana, herzliche Gratulation zum Deutschlandfunkpreis 2021!

Wie und wo hast die Preisverleihung miterlebt?

Im Wohnzimmer meiner besten Freundin, da ist das Internet besser. Zum Glück wohnt sie im gleichen Haus wie ich, dann konnte ich danach schnell in die Arme der Mitfiebernden laufen, die in meiner Wohnung die Verleihung verfolgt haben!

Was sind Deine ersten Gedanken jetzt?

Erstmal nicht die ganze Zeit weinen vor Glück, dann schaue ich weiter.

Wie sieht Dein Rückblick auf die Literaturtage aus?

Ich möchte von nun an nur noch Zuschauerin sein. Viele Texte haben mich sehr berührt und begeistert, aber die Teilnahme war wirklich nichts für meine zarten Nerven!

Wie wirst Du heute den Deutschlandfunkpreis feiern?

Champagner, dann ausschlafen! Dann weiterschreiben.

Was sind Deine nächsten Schreibprojekte!

Der Roman über Margarita und ihren Vater natürlich.

Liebe Dana, vielen Dank für das Interview! Viel Freude und Erfolg weiterhin wie schönen Sommer!

Bachmannpreis 2021_Rückblick_Blitzlicht:

Dana Vowinckel, Schriftstellerin_ Deutschlandfunk Preisträgerin _ Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt 2021

Dana Vowinckel (D) – Bachmannpreis (orf.at)

Live und on demand – Alle Videos 2021 – Bachmannpreis (orf.at)

Walter Pobaschnig 21.6.2021

screenshots _ Bachmannpreis 3sat

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