„Künstler*innen überleben immer irgendwie“ Ingo Weber, Filmemacher_ Guttaring/K 24.6.2021

Lieber Ingo, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich arbeite prinzipiell immer an mehreren Projekten gleichzeitig, und widme mich dem was gerade kommt um in Angriff genommen zu werden, welches sich gerade ergibt und auf eine gewisse Werkbank gelegt wird.

Ich versuche täglich zu üben, da beschäftige ich mich mit Rhythmik und Noten, betreibe auch regelmäßig Sport, erledige meine Post, ich koche mir Essen, ich kümmere mich auch um meine Familie, spiele Sessions, und wir sind gerade dabei einen neuen Film fertig zu machen, ich hab auch schon ewig meine nächsten zwei Arbeiten im Kopf.

Ingo Weber, Filmemacher

Und ich versuche sehr auf meinen Körper zu achten, wenn du die Schlagzeug-Bude wirklich gut und ausdauernd spielen willst, dann musst du halbwegs fit sein und ständig an dir arbeiten, auch das Schlagzeug will dass du ständig mit ihm arbeitest, hahahahah!

Und ich bin ja so ein bisschen eine orthopädische Baustelle und hab da immer was zu tun, was mich dazu bringt lange Wald-Wanderungen zu unternehmen. Die nütze ich auch fürs Nachdenken und Reflektieren.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Mitgefühl, Fokus, viel gute Kunst, Musik. Weg von der Trübheit der Herzen, rein in die Sonne. Aber nehmt auch den Nebel ernst, der ist nicht schlecht!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Film, der Musik, der Kunst an sich zu?

Gesellschaftlich:

Wesentlich wird sein dass wir brüderlicher mit Uns Mitmenschen und der Natur, der Umwelt, und dem Tier umgehen. Nicht alles ist selbstverständlich.

Genau das hat uns ja Corona jetzt gezeigt.

Weg vom zerstörerischen Egoismus und der Ausbeute!

Die Menschen sollten sich auch um die Tiere kümmern, Barbareien und Ausbeute dieser Art oder auch auf menschlicher Ebene erzeugen soviel unnötiges, bei Tieren auch nicht auf den ersten Blick ersichtliches Leid.

Die Leute sollten nicht vergessen die Ohren aufzureissen und die Natur zu hören, und natürlich kann man sie auch sehen.

Auch das städtische urbane hat seinen eigenen Reiz.

Aufbruch und Neubeginn ist natürlich nichts ungewöhnliches und eigentlich ist es nichts Neues. Wenn man es genau betrachtet. Das ist ein ganz natürlicher Zyklus, der uns unser ganzes Leben lang begleitet. Selbst im Universum spiegelt sich das wieder.

Frei nach Goethe:

Und so lang du das nicht hast,

dieses Stirb und Werde,

bist du nur ein trüber Gast

auf der dunklen Erde.

Persönlich: Jede Krise ist eigentlich gut, also sehe ich auch Corona als eine Möglichkeit oder sogar eine Chance.

Ich bin prinzipiell ein sehr optimistischer Mensch, und ich lege große Hoffnung in die Generationen die nach uns kommen, ich glaube da sind sehr sehr großartige junge, kleine Menschen unterwegs…

Film:

Hoch interessant finde ich die Filmemacher die auf analoges Material zugreifen, eigentlich ist es ja in der Filmindustrie, jedoch eher im Ausland, gar nicht unüblich bzw. sehr häufig der Fall dass auf Film gedreht wird.

Leute wie Scorsese und viele andere, sind wahre Romantiker des analogen Celluloid.

Solche Freaks, selbst einer wie Tarantino oder viele in US oder anderen Ländern arbeiten mit analogem Film.

Dieses Faszinosum Film, ja Mysterium, das eigentlich jeden Menschen in seinen Bann lockt und ihn begeistert und oder Rätsel aufgibt.

Eigentlich sollten wir wieder da hin dass es in jedem Kaff, jeder Kleinstadt ein Kino gibt.

Musik:

Musik ist Leben, und Leben ist Musik. Sie behellt die Geister, fördert und bringt die Liebe zutage. Wahre Leidenschaft, ja sogar Ekstase. Natürlich kann sie auch destruktiv und zerstörerisch wirken, je nachdem auf welches Konzert man sich verirrt oder auf welche Leute man gerade stößt…

Im Grunde jedoch hat Musik immer etwas vermittelndes, gemeinschaftliches, vereinendes. Es sollte viel mehr musiziert werden, von mir aus an jeder Ecke und die Musiker sollten überall auf Sessions gehen können.

Kunst:

Vielen, hauptsächlich den meisten bleiben gewisse Aspekte der Bildung überhaupt unerschlossen und müssen es selber lernen oder draufkommen, das fängt schon bei der Kunst an. Welche Schülerin hat schon gesagt, „super ich hab in der Volksschule Blockflöte gelernt, mittlerweile spiele ich seit 20 Jahren oder so und spiele mehrere verschiedene aus anderen Ländern.

Alles was wir lernen ist prinzipiell auf Leistung und Optimierung aufgebaut um Maximalstes für Geringeres einzulösen…

Was sollen da so viele kleinen Leute tun, als zu saufen, zu fressen, fette Autos zu fahren und um sich zu schleudern…

Und es ist ja echt für viele so schwierig sich durchzusetzen und zu verwirklichen, und da schätze ich die Künstler so sehr, die überleben immer irgendwie und schöpfen einfach aus anderem und sind aber meistens auch noch so hilfsbereit um anderen zu helfen.

Aber eigentlich sollten wir alle vom selben schöpfen.

Was natürlich nicht heisst das jeder ein Maler, Musiker oder ähnliches sein muss.

Jeder sollte seine Genugtuung dort finden wo er es am besten genießen kann und seine Tätigkeit liebt.

Es sind so kleine Dinge auch, die die Menschen wieder durchringen sollten, einen Vogel zu beobachten oder einer Katze oder einem Hund länger zuzusehen zb.

Wie meldet sich David Lynch aus L.A.? „Heute habe ich gerade den ganzen Tag darüber nachgedacht, wie schön Bäume sind!“ Hahahaha

Die Kunst wird uns immer dienen als der Nektar und der Honig um uns an ihr zu laben, sie auszuüben oder uns einfach daran zu erfreuen.

Schön wärs einfach, wenn die Welt so bunt wie möglich wird, die toten Städte sollten wieder nette Cafés haben und Ecken wo man Essen kann, vlt dann am Abend irgendwo ein Ausstellungs oder Theater-Besuch oder in ein Kino reinspringen oder auf ein Konzert gehen.

Das sollte so ein Minimum sein für viele Menschen die hungrig danach sind und dafür brennen, besser als isoliert irgendwo in einem Park zu saufen oder zu Hause in das Tablet schauen oder am Smart-Phone verbringen. Oder am Smart-Tv… Natürlich ist der Stream eine tolle Sache und das Netz, man kann alle Information haben.

Jedoch greife ich lieber zu Büchern oder Vinyl oder einer simplen DVD.

Was liest Du derzeit?

Ich nehme das Buch zur Hand das mir in die Hand fliegt. Es liegen schon länger über 10 Bücher zur Hand, von Filmtheorie und Filmgeschichte bis zu Viktor Rogy. zb…. Lord of the Rings ist komischerweise auch wieder auf Englisch aufgetaucht,

Mit einigen Büchern studiere ich und versuche sowas wie Forschung zu betreiben.

Meine kleine feine Bibliothek begleitet mich schon mein ganzes Leben, und viele Bücher kommen auch durch Zufall oder Empfehlungen zu mir.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Trachtet immer dem Unmöglichen entgegen, bringt es ins Mögliche. Lasst die Menschen träumen und realisieren. Jeder soll sich so gut wie möglich finden und grösste Freude verspüren.

Wer Augen hat der Sehe,

Wer Ohren hat der Höre,

So einfach

Vielen Dank für das Interview lieber Ingo, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Filmprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Ingo Weber, Filmemacher

Ingo Weber Cinema | Short Film. Experimental. Animation. Movies. (weberingo.com)

Fotos_privat.

25.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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