Am Weg zur Preisverleihung 26.6.2022 _ Behzad Karim Khani, Schriftsteller _ Bachmannpreisteilnehmer 2022
Lieber Behzad, Ihr hattet als Lesende vor der Preisverleihung eine interne Beratung. Welche Überlegungen gab es da?
Unser Plan wäre gewesen, die Punkte der Jury anzunehmen und das gesamte Geld aller Preise dann in der Gruppe zu teilen bzw. zu spenden. Dafür haben wir eine Einstimmigkeit vereinbart.
Dies war als Geste eines solidarischen Momentes gedacht, als Respektbezeugung gegenüber allen, die keinen Preis bekommen. Es wäre nicht als systemsprengende Entscheidung gedacht gewesen.
Es kam aber aufgrund der Abstimmung nicht dazu. Es gab eine Gegenstimme.
Wie hast Du das Miteinander in der Gruppe erlebt?
Sehr gut, es ist wie eine Klassenfahrt hier (lacht). Es ist im Miteinander wie textlich ein starker Jahrgang.
Nach der Lesung _ Behzad Karim Khani, Schriftsteller _ Bachmannpreisteilnehmer 2022 _ ORF Gartenbühne
Ist dies wie im Sport zu verstehen, wenn gesagt wird, „wir sind zu einem Wettbewerb gekommen und gehen als Freunde“?
Ja, genau (lacht).
Wie siehst Du den veränderten Preisevergabemodus?
Es ist fairer so, weil es für jede/jeden Punkte geben kann. Ich habe mir schon gedacht, warum dies nicht schon früher so gemacht wurde.
Am Weg zur Preisverleihung 26.6.2022 _ Behzad Karim Khani, Schriftsteller _ Bachmannpreisteilnehmer 2022
Lieber Behzad, herzlichen Dank für das Interview und das Dabeisein in Klagenfurt, viel Freude und Erfolg weiterhin!
Im Interview _ Behzad Karim Khani, Schriftsteller, Bachmannpreisteilnehmer 2022
Lieber Juan, herzliche Gratulation zum Kelag Preis 2022!
Wo liegen Wurzeln, Inspirationen des ausgezeichneten Textes?
Die Wurzeln sind vielleicht das Nachdenken, Fragen über die Vorstellung was wir mit „der Menschheit“ meinen, wenn wir von „der Menschheit“ sprechen. Als Gegenstück zum Konstrukt des Individuums, das in bestimmten Kontexten relevant gemacht wird. Das ist natürlich eine sehr hohe Flughöhe, von der ich mich dann der Erzählung genähert habe, auf der maximalen Abstraktionsebene dieser Fragen.
Lesung _ Juan S.Guse _ Garten Bühne ORF
Wie siehst Du das Verhältnis von „Ich und Wir“ heute?
Es ist da auch genau diese Frage gestellt, wann adressieren wir uns als „Ich“? Das Individuum ist natürlich eine Konstruktion im Kontext.
Es gibt auch dieses Bild: zehn Menschen werden auf zehn Inseln gesetzt und sie machen alle dasselbe – Feuer, Kokosnüsse, pinkeln. Werden zehn Menschen auf dieselbe Insel gesetzt, denken sie arbeitsteilig und agieren im gesellschaftlichen Kontext.
Das Wir und Ich konstruiert sich aufgrund der Umstände. Der Gegensatz von Wir und Ich ist absurd. Weil es ein Wir gibt, gibt es ein Ich.
Vor der Lesung _ Juan S.Guse
Wann hast Du zu schreiben begonnen?
Als ich angefangen habe zu lesen, mit siebzehn oder so.
Wie hast Du den 46.Bachmannpreis in Klagenfurt erlebt?
Super. Ich hatte nicht so viel Wissen darüber, wie es läuft. Sehr unterhaltsam in allem, das finde ich toll.
Wie hast Du die Jurydiskussion wahrgenommen?
Gut. Ich hätte gedacht, ich bekomme mehr auf die Nase. Gerade weil auch Hannes Stein im Text Phantastik hatte, mehr als ich, dachte ich, da falle ich in denselben Eimer. Das war aber nicht ganz so, oder nur halb.
Juan S. Guse (D), KELAG-Preisträger 2022
Lieber Juan, herzlichen Dank für das Interview und das Dabeisein in Klagenfurt, viel Freude und Erfolg weiterhin!
Im Interview _ Juan S. Guse (D), KELAG-Preisträger 2022
Ankommen am Tag der Preisverleihung _ Usama Al Shahmani, CH/IQ, Bachmannpreisteilnehmer 2022
Lieber Usama, herzlichen Dank für Deine Lesung und das Dabeisein in Klagenfurt!
Wo liegen Wurzeln, Inspirationen Deines beeindruckenden Textes?
Es sind die zwei Kulturen, mit und zwischen denen ich lebe. Das sind Gefäße, aus denen ich meine Literatur, die Kraft dazu, schöpfe. Die Sprache, die Geschichten meiner Großmutter, die sie mir in meiner Kindheit erzählte, sind ein wesentlicher Teil davon.
Lesung _ Usama Al Shahmani, CH/IQ _ Gartenbühne ORF
Sind die Erzählungen Deiner Großmutter unmittelbarer Impuls, Beginn Deines Schreibens gewesen?
Ich würde sagen, diese Erzählungen sind eine Quelle meines Schreibens. Das Bedürfnis auf diese Art und Weise mündlich zu erzählen, ist in der arabischen Kultur sehr verankert.
Das ist schon eine Qualität, wenn man das als Kind erlebt hat. Es muss nicht zwingend sein, aber es kann die Liebe zur Sprache inspirieren, wie Kommunikation an sich. Bei mir ist das bis heute so.
Wie haben sich in Deinem Schreiben jetzt die Sprachebenen der Herkunft und dann im neuen Ankommen verbunden, entwickelt?
Diese Ebenen stehen natürlich für zwei Kulturen, zwei Sprachen, auch die Spannungen zwischen zwei Sprachen. In diesem „Labor“ kommen immer wieder neue Fragmente, Fakten und stellen zunächst für mich etwas Neues dar. Da sind viele Farben, die zusammenkommen und etwas Neues bilden.
Du schreibst Prosa und Lyrik. In welchen Sprachen?
Prosa schreibe ich in Deutsch, Lyrik auf Arabisch.
Werden Deine Texte auch übersetzt in die jeweils andere Sprache?
Meine Prosa ist nur in Deutsch. Da gibt es keine arabische Übersetzung, keine arabische Version.
Von einem Teil meiner Gedichte, die ich im Arabischen geschrieben habe, habe ich auch deutsche Übersetzungen gemacht. Ein Teil wartet noch auf die Übersetzung.
Im Prozess der Übersetzung meiner Gedichte kommt oft auch ein neues Gedicht heraus (lacht).
Wie hast Du die Jurydiskussion wahrgenommen?
Es hat mir sehr gefallen. Ich finde die Kriterien der Literaturkritik sehr interessant, wie sie sich entwickeln, ausweiten, um Ebenen der Sprache zu betrachten.
Wie hast Du den 46.Bachmannpreis erlebt?
Sehr sozial, sehr kommunikativ, sehr schön.
Ankommen am Tag der Preisverleihung _ Usama Al Shahmani, Elias Hirschl, Juan S.Guse, Behzad Karim Khani, Leona Stahlmann, Andreas Moster _ Bachmannpreisteilnehmer 2022 Im ORF Garten _Usama Al Shahmani, CH/IQ, Bachmannpreisteilnehmer 2022
Lieber Usama, herzlichen Dank für das Interview und das Dabeisein in Klagenfurt, viel Freude und Erfolg weiterhin!
Im Interview _ Usama Al Shahmani, CH/IQ, Bachmannpreisteilnehmer 2022
Liebe Sheida, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Da ich noch ein Schulkind für die nächsten 1 1/2 Jahre habe, richtet sich meine „Morgenroutine“ noch nach den Schulzeiten. Es ist auf alle Fälle früh und je nach Jahreszeit auch dunkel. Aber auch ohne diese selbstbestimmte Pflicht, bin ich eine Frühaufsteherin. Ich mag es, wenn es noch ruhig ist, und alles Weitere noch schläft. Da kann ich mir in Ruhe die Zeit nehmen zu denken, zu planen, im Kopf und Notizbuch zu zeichnen und mir alles andere auszumalen.
Ich arbeite selbständig und somit folge ich meiner ganz natürlichen, freien Zeiteinteilung. Ich arbeite immer. Das schon immer von zu Hause aus, wie man Homeoffice früher genannt hat. Scheinbar hat sich meine Arbeitswelt in den letzten zwei Jahren nicht wirklich verändert. Scheinbar… Ich schreibe Texte, Lyrik, Konzepte, Referate für mich und für andere. Ich entwerfe alles, was man von einer Grafikerin so erwartet und kreiere Kunstwerke aus Ideen, die sich so lange aufdrängen, bis sie sich nicht mehr zurückhalten lassen. Meine Pausen bestehen aus ins Grüne, Blaue, Weiße und Schwarze Schauen und darauf zu achten, bei allem, was das Leben so an Anforderungen an mich stellt, die Ruhe zu bewahren, und im besten Fall schlafe ich dabei ein.
Ich glaube nicht, dass nur jetzt für uns alle etwas besonders wichtig ist. Ich glaube eher, dass das, was jetzt so wichtig erscheint, seit jeher seine existentielle Bedeutung gehabt hat und das größer werdende Fehlen dessen zu den heutigen Problemen geführt hat. Es ist wichtig einander zuzuhören und nicht einfach abzuwarten, bis man endlich alles sagen kann, was man will. Nachzudenken, ob das, was man sagen will, immer noch seine Berechtigung hat, nachdem man zugehört hat. Hinzuschauen, wenn etwas nach Veränderung verlangt. Zu handeln, ohne etwas Anderes dabei zu zerstören. Geduldig zu sein, wenn es keine Lösung zu geben scheint und zu fragen, wenn man keine Antwort findet. Zuzugeben, nicht alles zu verstehen. Einander zu umarmen und sich gegenseitig zu unterstützen, wenn Worte keinen Sinn machen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Neubeginn und Aufbruch finden gestern, heute, morgen und jeden folgenden Tag aufs Neue statt. Dabei zu bleiben ist das Wichtigste und nicht zu vergessen, dass wir ein wichtiger, unverzichtbarer Teil dieser Gesellschaft sind, ob wir es so sehen und wollen oder nicht und jeder einzelne trägt seine Verantwortung für diese. Bewusst oder unbewusst verändern wir täglich mit unserem Sein und Handeln. In keinem Moment macht es unsere Gesellschaft besser, wenn wir unsere Unterschiede über unsere Gemeinsamkeiten stellen. Und besonders Gleichgültigkeit Unbekanntem gegenüber hilft zu vergessen und steht der Veränderung im Weg. Die Rolle der Kunst ist selbstverständlich vielfältig. Sie kann alles, was wir ihr gestatten mit uns und für uns tun. Als Experiment könnten wir uns nur einen Tag ohne sie vorstellen, ohne Musik, ohne Bilder, ohne Bücher, ohne Kunst. Die Welt wäre leer, wir wären leer und in dieser Leere gäbe es nichts, was eine Rolle spielt. Wir würden aufgeben an eine bessere Welt zu glauben und auch das wäre uns egal.
Was liest Du derzeit?
Da ich sehr viel am Bildschirm arbeite, oder zeichne brauchen meine Augen Pausen und so bin ich ein Fan von Hörbüchern geworden. Da kann mir sogar Rasenmähen nicht lange genug dauern. Zurzeit finde ich gerade nichts, was mich richtig fesselt. Aber eines der Highlights war Makarionissi von Vea Kaiser, Das Rosie Projekt von Graeme Simsion und alles von Zadie Smith.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„I’ve learned that people will forget what you said, people will forget what you did, but people will never forget how you made them feel.” ― Maya Angelou
„Don’t walk in front of me… I may not follow Don’t walk behind me… I may not lead Walk beside me… just be my friend” ― Albert Camus
„I am so clever that sometimes I don’t understand a single word of what I am saying.” ― Oscar Wilde
friedensstifte
zeichnen strich für strich
ein wünschenswertes zeitbild
schreiben wort für wort
zukünftige geschichte
treffen frisch gespitzt erneuert
haarscharf niemals daneben
liegt das ziel in unserer hand
gestreckt entgegen
der erwartung
siegt der gedanke
zählt nicht nur
allein
― Sheida Samyi
Vielen Dank für das Interview liebe Sheida, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Elias Hirschl, Schriftsteller _ Wien _ BKS Publikumspreisträger 2022
Lieber Elias, herzliche Gratulation zum BKS Publikumspreis 2022!
Wo liegen die Wurzeln, Inspirationen Deines ausgezeichneten Textes?
Es war jetzt offen, wo der Text genau spielt, aber dieser ist inspiriert vom Ruhrgebiet/D, weil ich dort seit Mai des Jahres Stadtschreiber bin. Da kommt so das grobe Setting her.
Dann die Bezüge zu digitalen Firmen generell, auch alles was mit prekären Arbeitsverhältnissen im Internet abgeht, das kam dann eher aus der Pandemie heraus. Weil ich mir in den Lockdowns stundenlang kompletten Schrott im Internet angesehen habe, kam die Frage auf, wer stellt das her? Ich habe dann angefangen, da ein wenig reinzurecherchieren wie diese Firmen aussehen, die diesen völlig sinnbefreiten Content bereitstellen.
Es wurde jetzt darüber gesprochen, ob mein Text eine Kritik daran ist. Das ist es aber selten, ich finde es einfach faszinierend – die Arbeitswelten, die Sprache, die da verwendet wird. Ich finde es faszinierend mich da einzulesen und in diesen Duktus reinzukippen.
Es wäre auch komisch dies zu kritisieren, weil ich ja ein Konsument dessen bin. Ich bestelle ja auch Essen manchmal.
Lesung Gartenbühne ORF _ Elias Hirschl
Wie geht der literarische Prozess, der Transfer dieser unmittelbaren Ausgangspunkte von digitaler Lebenswelt vor sich?
Da war der ausschlaggebende Impuls, dass ich an einem Haus vorbeigegangen bin, das dermaßen zerstört war, die Fenster waren alle eingeschlagen und es sah aus wie ein ehemaliges Lagerhaus eines dieser Eisen-, oder Kohleverarbeitungsbetriebe. Das ist in der Nähe von Bochum – und ich habe mir dann vorgestellt, dass Leute sich einbilden, hier eine riesige tolle Firma aufzubauen und basically aber nur ein Haus besetzen. Diese Diskrepanz fand ich sehr spannend. Auch ist die Menge an leerstehenden Gebäuden im Ruhrgebiet auffällig.
Der Protagonist im Text bezieht auch nicht eindeutig Stellung für die Arbeiter. Es ging mir darum, dass diese Figur völlig apathisch ist, dass ihr alles völlig egal ist und sie einfach auch ihren Job macht. Im Hintergrund spielen sich die Arbeitskämpfe ab, die aber etwas zur Kulisse verkommen.
Elias Hirschl (Fünfter sitzend von links) _ vor der Preisverleihung _ORF Kärnten _ Teilnehmer:innen _ 46.Tage der deutschsprachigen Literatur _ Bachmannpreis 2022
Was lässt den Protaginsten in dieser Arbeitswelt der Geschwindigkeit, des gleichsam Mittreibens funktionieren?
Mir macht es Spaß mich mit diesen Sprachwelten zu beschäftigen, das ist immer der erste Impuls. Was an politischer message mitschwingt, ist vermutlich nur meine eigene Meinung. Das ist auch nicht der Hauptgrund, warum ich das schreibe. Es liegt am Spaß mit dem Spiel damit, sonst würde ich es generell gar nicht machen. Spaß an der Sprache.
Wie erlebst Du Klagenfurt?
Jetzt nach der Lesung entspannter (lacht). Die Tage waren sehr nett, ich mochte es auch bei den Lesungen zuzuschauen. Ich wäre da konzentrierter gewesen, wenn ich selbst schon aufgetreten wäre (lacht).
Unter uns Autoren:innen war überhaupt kein Konkurrenzdenken zu spüren. Es war ein völlig cooler Austausch mit den Leuten und so sollte es ja auch sein. Weil es ja auch völlig lächerlich ist, dass es mit Punkten bewertet wird. Obwohl da doch relativ viel dranhängt, stört es jetzt nicht.
Elias Hirschl, Schriftsteller _ Wien _ BKS Publikumspreisträger 2022
Lieber Elias, herzlichen Dank für das Interview und das Dabeisein in Klagenfurt, viel Freude und Erfolg weiterhin!
Im Interview _ Elias Hirschl, Schriftsteller _ Wien _ BKS Publikumspreisträger 2022
Clemens Bruno Gatzmaga, Schriftsteller _ Wien _ Bachmannpreisteilnehmer 2022
Lieber Clemens, wo liegen die Wurzeln, Inspirationen Deines Textes?
Ich hatte eine unglaubliche Sehnsucht einen Mann zu erfinden – weil ich diesen eben nicht gefunden habe – der ein alter weißer Mann ist, der Fehler gemacht hat und der diese Fehler vielleicht reflektiert. Da kam der Impuls her und das musste aufs Papier.
Lesung _ Clemens Bruno Gatzmaga,_ Gartenbühne _ ORF Kärnten
Ist Deine Textfigur auf eine reale Person in literarischer Analogie bezogen?
Nein, überhaupt nicht.
Ich finde auch, dass der alte weiße Mann nicht unbedingt alt sein muss oder auch ein Mann sein muss.
Es geht um diese Starrsinnigkeit und das Grundsätzliche des Machterhalts darin. Alles Andere ist egal, da kann die Unterhose voll sein – „Ich muss weitermachen, ich muss…“. Das ist nicht an eine Figur angelehnt, sondern an eine grundsätzliche Starrsinnigkeit, die ich leider beobachte.
Wie hast Du die Jurydiskussionen erlebt?
Da äußere ich mich nicht dazu. Das ist die Jury und ich bin der Autor.
(links) Barbara Zeman, Schriftstellerin, Wien _ Bachmannpreisteilnehmerin 2022,; Brigitte Schwens-Harrant, einladende Jurorin; Clemens Bruno Gatzmaga, Schriftsteller, Wien _ Bachmannpreisteilnehmer 2022
Lieber Clemens, herzlichen Dank für das Interview und das Dabeisein in Klagenfurt, viel Freude und Erfolg weiterhin!
Im Interview _ Clemens Bruno Gatzmaga, Schriftsteller _ Wien _ Bachmannpreisteilnehmer 2022
Alexandru Bulucz, Schriftsteller, Berlin _Deutschlandfunkpreisträger 2022
Lieber Alexandru, herzliche Gratulation zum Deutschlandfunkpreis 2022!
Welche Eindrücke, Erfahrungen, Erlebnisse nimmst Du vom 46.Bachmannpreis in Klagenfurt mit?
Es sind die schönsten Eindrücke. Es ist so ein toller Jahrgang, so ein toller Zusammenhalt.
Ich habe keine Konkurrenz empfunden oder Ellebogen, die ausgefahren werden, sondern es war einfach eine tolle Veranstaltung.
(von links) Ana Marwan (Bachmannpreisträgerin 2022), Andreas Moster, Alexandru Bulucz (Deutschlandfunkpreisträger 2022), Leon Engler (3sat Preisträger 2022), Mara Genschel, Hannes Stein
Ich fand die Textanalysen der Jury toll. Ich verstehe die Funktionen jedes Jurymitglieds und habe deshalb auch Verständnis für etwas, das woanders vielleicht anders ankommt.
Alexandru Bulucz, Schriftsteller, Berlin _Deutschlandfunkpreisträger 2022 _ Lesung ORF Gartenbühne _Preisverleihung _ Alexandru Bulucz, Schriftsteller, Berlin _Deutschlandfunkpreisträger 2022 _ mit Insa Wilke, Juryvorsitzende, Einladende des Preisträgers
Und überhaupt der Wörthersee, das Wasser, die Menschen, Österreich, es war toll.
Ich kann es jedem empfehlen, bewerbt Euch, habt Spaß, kommt hierher.
Alexandru Bulucz, Schriftsteller, Berlin _Deutschlandfunkpreisträger 2022 (rechts im Bild) _ mit Josef Winkler Büchnerpreisträger (2008), Klagenfurt
Lieber Alexandru, herzlichen Dank für das Interview und das Dabeisein in Klagenfurt, viel Freude und Erfolg weiterhin!
Im Interview _Alexandru Bulucz, D, Schriftsteller _ Berlin _ Deutschlanfunkpreisträger 2022
Lieber Clemens, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich stehe auf und muss dann entweder zur Probe fürs Sommertheater oder auf die Uni. Nach getaner Arbeit versuche ich so viel Zeit wie möglich draußen zu verbringen, treffe Freunde oder gehe ins Theater. Meistens trifft man mich dann abends bei einem guten Gespräch und kühlen Bier im Schanigarten.
Clemens Martin Fröschl _ Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dass wir gesund bleiben und arbeiten und spielen können. Wir sollten den Sommer genießen, gute Menschen treffen und unsere Zeit so schön wie möglich ausnützen. Dabei aber nicht vergessen in welcher Schräglage sich die Welt momentan befindet und überlegen was jede:r Einzelne dafür tun kann sie ein Stück weit besser zu machen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Aufbruch? Neubeginn? Wovon? Also wenn es um Corona geht, so glaube ich, hat sich dadurch gesellschaftlich auch nicht viel geändert. Risse und Hass waren davor auch schon da.
Im Theater werden wir nach wie vor darum kämpfen, die die ohnehin schon belehrt sind weiter zu bestärken und die Menschen achtsam zu machen. Achtsam dafür auch bei anderen hinzuhören, die Geschichten der Menschen verstehen und nachfühlen zu wollen. Wer ein bisschen mehr Empathie an den Tag legt, liegt wohl nie falsch.
Was liest Du derzeit?
Medea. Alle möglichen Fassungen, von Euripides über Grillparzer bis hin zu Dea Loher und Christa Wolf.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Genau über folgendes Zitat habe ich mich erst letzthin mit Freunden unterhalten. Es stammt von Erich Kästner. Ich glaub`, ich muss daran jetzt nichts erklären.
„An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die Schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“
Vielen Dank für das Interview lieber Clemens, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Clemens Martin Fröschl _ Schauspieler
Foto_Fabian Steppan
8.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Behzad Karim-Khani, Schriftsteller _ Berlin _ Bachmannpreisteilnehmer 2022
Lieber Behzad, wo liegen die Wurzeln, Inspirationen Deines Klagenfurt-Textes?Wieviel Autobiografie steckt darin?
Es ist kein autobiografischer Text. Ich war nie im Gefängnis.
Ich schreibe aus einem Milieu, das ich kenne und in dem ich aufgewachsen bin, aus dem ich aber auch raus bin. Es gibt da diese Szene im Text mit den beiden Brüdern und beide bin ich selbst in a way. In beiden steckt ähnlich viel Fiktives drin.
Behzad Karim-Khani, Lesung _ ORF Gartenbühne
Was waren Gründe für diese Figuren Wahl im Text?
Vielleicht war eine Ästhetik des Widerstandes ein Ausgangspunkt, das Durchspielen fiktiver Biografie.
Diese beiden Figuren – Saam und Nima – wären darin gleichsam mögliche Endpunkte eines Schicksalsparameters. Was wäre, wenn ich größer, kräftiger, gewalttätiger gewesen wäre? Wenn ich Saam geworden wäre? Was wäre, wenn ich feiger, diplomatischer, vielleicht opportunistischer gewesen wäre und der jüngere Bruder Nima geworden wäre? Ich habe diese beiden Figuren in einen Raum gestellt, um mal zu sehen, was die so miteinander machen.
Wie hast Du die Jurydiskussionen Deines Textes erlebt?
Größtenteils konnte ich sehr vieles nachvollzuziehen, was gesagt worden ist.
An ein paar Stellen hätte ich mir von der Jury etwas mehr Professionalität gewünscht. Teilweise auch ein etwas genaueres Lesen. Gewünscht hätte ich mir eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Text selbst und etwas weniger diese Dynamiken in der Jury.
Bei meinem Text hatte ich zwar jetzt weniger dieses Gefühl, aber bei anderen mehr, dass man seitens der Jury Texte nur reinschmeißt, dass es diese „Kämpfe“ in der Diskussion geben kann. Und diese sind stellenweise etwas unsachlich.
Jury Diskussion _ Übertragung Gartenbühne ORF
Wie hast Du das Lesesetting auf der Gartenbühne erlebt?
Ich fand es toll, fand es sehr gut. Ich fand die ganze Atmosphäre sehr entspannt. Den Umgang der Autor:innen miteinander fand ich sehr schön.
Wir sind hier auch total schön empfangen worden, auch das Hotel ist sehr schön.
Ich fühlte mich sehr willkommen.
Vor der Preisverleihung _ ORF Kärnten _ von links _ Usama Al Shahmani, CH/IQ; Elias Hirschl, A; Juan S. Guse, D; Behzad Karim Khani, D; Leona Stahlmann, D; Andreas Moster, DVor der Lesung _ ORF Gartenbühne _ Behzad Karim-Khani, Schriftsteller _ Berlin _ Bachmannpreisteilnehmer 2022 –
Lieber Behzad, herzlichen Dank für das Interview und das Dabeisein in Klagenfurt, viel Freude und Erfolg weiterhin!
Im Interview _Behzad Karim-Khani, Schriftsteller _ Berlin _ Bachmannpreisteilnehmer 2022
Mara Genschel, Schriftstellerin _ Berlin _ Bachmannpreisteilnehmerin 2022
Liebe Mara, wo liegen die Wurzeln, Inspirationen Deines Textes?
Ich wollte eine Erzählung über den Entstehungsprozess einer Erzählung schreiben. Der Text ist in der Corona Zeit im Winter entstanden, in diesem Lockdown-Pandemie Zustand, wo man ja nicht vor die Tür gegangen ist und wenig input abseits der screens, dem Internet und dem Sehen im absoluten Nahbereich hatte. Das Fenster ist eine Art Metapher dafür.
Diese Art von passiver resignativer Grundhaltung habe ich versucht zu analysieren und anderseits auch zu persiflieren, weil ich diese nicht für eine Lösung erzählerischen Schreibens halte.
Es ist auch eine Art Selbstportrait im move des Beobachtetwerdens. Dabei verwendete ich auch Approximation-Markierungen, etwa im Titel „Das Fenster zum Hof“.
Lesung ORF Gartenbühne _ Mara Genschel
Mich interessieren auch immer performative Strukturen, das Text-Verhalten. Deshalb habe ich dann überspitzt diese absolute Inhaltslosigkeit mit wenig dürren blassen Bezügen zu Klassikern, die im übertragenen Sinne direkt auf dem Regalbrett liegen, in Beziehung gesetzt. Der Film „Das Fenster zum Hof“ von Hitchcock ist natürlich strukturell supercool gemacht.
Ist Interdisziplinarität in der Kunst für Dich ganz wesentlich im Schreiben?
Ja, aber ich möchte mich nicht unbedingt auf diesen Begriff festzurren. Ich denke eher an Textlichkeit außerhalb literaturbetrieblicher Textbeschaffenheit.
Wie hast Du die Jurydiskussion Deines Textes erlebt?
Also, ich muss ganz ehrlich sagen, diese ist etwas an mir vorbeigerauscht – aus akustischen Gründen und auch weil meine Konzentration noch woanders war. Ich habe mich aber über Zuspruch und bestimmte Schlagworte gefreut. Michael Wiedersteins Begriff des „Stunt“ fand ich super. Ich mache gerne einen literarischen Stunt.
Philipp Tingler provoziert eine Auseinandersetzung, die in diesem Konstrukt nicht möglich ist. Das ist das eigentliche Dilemma. Vielleicht nicht einmal die Art wie er ist, sondern, dass man nicht „zurückschlagen“ kann, weil wir nicht selbst im Studio sind. Das ist vielleicht eine strukturelle Fehlkonstruktion von diesem Setting Versuch.
Du hast Dich auch selbst in der Jurydiskussion zu Wort gemeldet. Das kommt sehr selten vor. Was war Dir dabei wichtig?
Ich finde es generell gut, diese Möglichkeit zu haben und es wurde ja eine Steilvorlage geliefert. Erlebt habe ich es dann, dass es gar nicht so leicht ist, einzugreifen. Erstens aus technischer Hinsicht und zweitens, weil die Diskussion so eine Dynamik hat und man aus verschieden Gründen – etwa Höflichkeit, Neugier, Faulheit – nicht richtig reinkommt.
Ich kann mir vorstellen, dass ich nicht die Einzige war, die Bock hatte, sich da so zu zeigen. Aber das ist nicht leicht und je nachdem wie die Diskussion verläuft, geht das halt dann gar nicht. Ich hatte einfach das Glück, dass ich eine schöne kleine Steilvorlage gekriegt habe.
ORF Studio _ vor der Preisverleihung Bachmannpreis _ Mara Genschel, Juan S.Guse (Deutschlandfunk Preisträger 2022), Maskenbildnerin Michaela Haag, Andreas Moster, Eva Sichelschmidt und Leona Stahlmann (alle erste Reihe von links)
Wie hast Du das Lese-, Jury-, Publikumssetting heuer erlebt?
Das kann ich nicht vergleichen, ich kenne ja Klagenfurt nicht anders.
Eigentlich mag ich Gartenlesungen nicht. Aber diese Gartenlesung war superschön. Es war gelöstes, lockeres Publikum da.
Es war eine sehr starke Live_Situation. Mehr als ich das konzipiert hätte. In der Vorbereitung für meine Lesung habe ich sehr stark über das Fernsehen nachgedacht. Wie sind die Bilder im Fernsehen? Wo ist die Kamera? Wo gucke ich hin?
Ich dachte, ich lasse die Live-Situation etwas außen vor aber dann hat sie mich überwältigt, weil sie einfach cool war. Well es eine schöne Stimmung war.
Wie hast Du die Schnurrbartmaske gestylt?
Es ist Echthaar, ich war beim Frisur und habe es dann zur Maskenbildnerin Michaela Haag im ORF mitgebracht. Und sie war ganz toll, hat sofort verstanden, was ich will und fand das super – bart&crime.
Mara Genschel, Schriftstellerin _ Berlin _ Bachmannpreisteilnehmerin 2022
Liebe Mara, herzlichen Dank für das Interview und das Dabeisein in Klagenfurt, viel Freude und Erfolg weiterhin!
Im Interview _Mara Genschel, Schriftstellerin_Berlin _ Bachmannpreisteilnehmerin 2022