Über wortweg08

Fotografie, Literatur, Theater, Film, Kunst. Mail: walter.pobaschnig8@gmail.com

„Ich versuche mich im Ungewissen einzurichten“ Sabine Scholl, Schriftstellerin_Berlin _ 21.9.2020

Liebe Sabine, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Vormittags schreibe, denke, konzipiere ich. Nachmittags schwimme ich. Danach erledige ich die leichteren Arbeiten, wie E-Mails, Kooperationsprojekte und treffe mich mit Vertrauten.

Sabine Scholl

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zuversicht, Gesundheit, Zusammenhalt

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich glaube nicht, dass wir schon so weit sind, an einen tatsächlichen Neubeginn zu denken. Ich lebe weiter im Ungewissen und verlasse mich nicht allzu sehr auf Geplantes. Ich versuche, mich im Ungewissen einzurichten, denn die bisherigen Strategien, bei mir z.B. ständiges Unterwegssein, funktionieren nicht mehr. Literatur ist für mich sowohl Kommunikationsmittel als auch ein Bereich, in den ich eintauchen kann und in dem meine eigenen Regeln gültig sind. Das kann entlastend oder auch belastend sein. Im allgemeinen wünsche ich mir, dass wieder mehr gelesen wird, Verlage und Buchhandel bestätigen das aber leider nicht.

 

Was liest Du derzeit?

Ich bereite eine Veranstaltungsserie zum Thema „Geschichte Schreiben“ vor und dazu lese ich die Werke zeitgenössischer Autor*innen, wie Mahlke, Cusanit, Schwarz, Wodin, etc. Und ich lese Klassisches, z.B. Die Argonauten.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich stehe in Briefkontakt mit einer jungen iranischen Dichterin Maryam Al-Attah, die im Irak aus politischen Gründen in einer Art Isolation lebt. Sie überrascht mich immer wieder mit ihren Weisheiten:

„Vielleicht gab die Herrschaft des Virus über die Menschheit uns den Anlass zurück, das Leben zu lieben, oder es aus der Alltagsroutine zurückzugewinnen. Den Tag wieder mit Mut zu beginnen, um dem Unbekannten zu begegnen, etwas nicht Besonders zu tun.“

https://weiterschreiben.jetzt/wortwechseln/mariam-al-attar-sabine-scholl/wir-leben-in-einem-seltenen-moment-der-geschichte-brief-04/

Vielen Dank für das Interview liebe Sabine, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Sabine Scholl, Schriftstellerin

http://sabinescholl.com/

Foto_privat.

5.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Texte brauchen auch eine Stimme, ein Publikum und vor allem den unmittelbaren Austausch“ Martin Peichl_Schriftsteller_Wien 20.9.2020

Lieber Martin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich war die letzten Wochen und Monate mit der Fertigstellung meines zweiten Buches („In einer komplizierten Beziehung mit Österreich“, Erscheinungstermin: 14.9.2020) beschäftigt, habe währenddessen aber sehr stark gespürt, wie sehr mir Kulturveranstaltungen und das Wiener Nachtleben, in welches diese eingebettet sind, abgehen – auch als Teil meines kreativen Prozesses. Für mein Schreiben, das weiß ich jetzt, brauche ich nicht nur die Ruhe, da brauche ich vor allem auch den Lärm.

Es war eine entsprechend große Erleichterung, als Ende Juni die von Raoul Eisele und mir organisierte Lesereihe „Mondmeer und Marguérite“ fortgesetzt werden konnte. Und in der ersten Juliwoche habe ich gemeinsam mit Verena Stauffer die Open-Air-Lesung „This ain’t no picnic“ mit neun Autor*innen für einen guten Zweck organisiert. (Weil Literatur eben nicht nur zwischen zwei Buchseiten oder im digitalen Raum existiert, weil Texte auch eine Stimme, ein Publikum und vor allem den unmittelbaren Austausch brauchen.)

Ich verbringe meine Tage damit, viel zu lesen und sammle Ideen für die nächsten Projekte (bis ich die passende Sprache für den nächsten Text, das nächste Buch gefunden habe).

Martin Peichl_Matthias Ledwinka

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

„mein himmel ist nicht voller geigen / sondern voll solidarität“ habe ich bei Elfriede Gerstl gefunden. Ich denke, das brauchen wir jetzt: Solidarität, die über sich selbst als Schlagwort und Hashtag hinausgeht, mit anderen Worten: tatsächlichen Zusammenhalt. (Und viel Geduld auch, vor allem mit uns selbst und mit den Menschen, die uns nahe sind – wir dürfen nicht vergessen, dass wir gerade ein kollektives Trauma aufarbeiten müssen und das Wegfallen von gewohnten Abläufen.)

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Covid-19 hat die Bruchstellen unserer Gesellschaft aufgezeigt. Wie wichtig Schule zum Beispiel ist, um eine gewisse Chancengerechtigkeit zu ermöglichen. Oder wie heraufordernd das wochenlange „home schooling“ für Alleinerziehende war. Die Profiteure (ich gendere hier absichtlich nicht) dieser Krise sind die großen Konzerne und Politiker (auch hier verwende ich bewusst die männliche Form), die auf Kontrolle durch Angst und Falschinformation setzen. Während auf der anderen Seite kleinere Unternehmen vor einer ungewissen Zukunft stehen und viele Menschen in „systemrelevanten“ Berufen Applaus, nicht aber kürzere Arbeitszeiten oder fairen Lohn bekommen.

Versucht man in Österreich die 35-Stunden-Woche (für Pflegekräfte zum Beispiel) zu diskutieren, rennt man gegen eine Wand, dann werden sofort Totschlagargumente ausgepackt, dann heißt es: „Jobvernichtungsmaschine“ (klingt ein wenig nach Thomas Bernhard, ist aber ein Zitat von Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer).

Kunst und Literatur haben (unter anderem) die Aufgabe diese Bruchstellen zu beleuchten, und genau hinzuschauen, wohin wir uns gesellschaftlich und politisch bewegen. Wir müssen laut werden, wenn feministische Themen wieder vermehrt in den Hintergrund gerückt werden, wenn die Demokratie von Seiten der Politik gezielt untergraben wird, wir müssen und dürfen (vielleicht zum Teil utopische) Gegenentwürfe anbieten, die dabei helfen, Fehlentwicklungen zu entlarven.

Was liest Du derzeit?

Lyrik von Verena Stauffer („Ousia“), Essays von Dubravka Ugrešić („Lesen verboten“), Prosa von Barbara Rieger („Friss oder stirb“) und Science-Fiction von Jeff VanderMeer („Dead Astronauts“). Außerdem lese ich mich gerade durch das Gesamtwerk von Elfriede Gerstl!

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„I am ready to be every animal you leave behind“ ist ein Satz aus Ocean Vuongs Lyrik-Band „Night Sky with Exit Wounds“, der auch seinen Weg hinein in mein Buch gefunden hat.

Vielen Dank für das Interview lieber Martin, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Martin Peichl, Schriftsteller

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Foto_Matthias Ledwinka

4.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Denn eins ist klar: fehlt die Kultur eines Tages, wird man sie sehr vermissen“ Leonie Reiss, Schauspielerin_Wien_19.9.2020

Liebe Leonie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wie im normalen Schauspielerinnen-Alltag ist auch zurzeit kein Tag wie der andere. Ich lerne Spanisch (online), halte mich mit Home-Workouts fit, probiere neue Rezepte aus, plane neue Produktionen und schreibe mein erstes Theaterstück.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zuversicht. Es wird dauern bis wir gelernt haben mit dem Virus und dessen Folgen umzugehen. Doch es ist wichtig den Mut nicht zu verlieren und weiterhin seine Ziele zu verfolgen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Für mich persönlich bedeutet es mir selbst klar zu werden wie es beruflich für mich weitergehen soll. Ich sehe diesen Aufbruch als einen Neuanfang.

Kunst ist sehr wohl systemrelevant. Die Kultureinrichtungen müssen daran arbeiten, den Status von Kunst und Kultur in der Gesellschaft zu verbessern. Es ist auch wichtig, dass die Rahmenbedingungen für Kunstschaffende verbessert werden. Denn eins ist klar: fehlt die Kultur eines Tages, wird man sie sehr vermissen.

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Was liest Du derzeit?

Derzeit lese ich „Alte, Weiße Männer“ von Sophie Passmann.
In dem Buch geht die Autorin in mehreren Texten dem Klischeebild vom mächtigen, alten weißen Mann auf den Grund.

Welchen Impuls aus Theaterprojekten möchtest Du uns mitgeben?

 Ich wollte besser, schneller, höher fliegen als alle anderen. Ich war die erste Frau die den Atlantik im Alleinflug überquerte. Das reichte mir aber nicht. Also flog ich Strecken, die niemand zuvor geflogen ist, oder versuchte meine Vorgänger in der Zeit zu überbieten. Aber auch das war mir nicht genug. Ich wusste, dass es eine Sache gibt, die ich noch versuchen musste. Diese eine Sache von der ich wusste, dass ich keine Ruhe finden würde wenn ich es nicht täte. Ich muss es tun. Ich kann es tun. Ich werde es tun. Ich werde die Welt umrunden.“

– Amelia Earhart (aus dem Stück „Frauenzimmer“, eine Produktion des ALICE Ensemble)

Mich fasziniert diese Motivation, dieses unendliche Streben nach mehr. Es inspiriert mich, das Bestmögliche aus mir herauszuholen.

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(Alice Ensemble „Frauenzimmer“)

Vielen Dank für das Interview liebe Leonie, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Leonie Reiss, Schauspielerin

https://www.leoniereiss.com/

Fotos_ Theater_Walter Pobaschnig _ „Frauenzimmer – Frauen schreiben Geschichte“ Alice Ensemble_Uraufführung 3.5.2019_Wien.

https://literaturoutdoors.com/2019/05/04/frauenzimmer-frauen-schreiben-geschichte-begeisternde-urauffuehrung-des-alice-ensemble-wien-3-5-2019/

Porträt_Leonie Reiss

4.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Schwierige Situationen schärfen den Blick fürs Wesentliche“ Niko Stoifberg, Schriftsteller_Luzern_18.9.2020

Lieber Niko, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe auf, notiere meinen letzten Traum (das mache ich seit Anfang des Jahres und hab mir vorgenommen, es bis ans Lebensende zu tun), mache Frühstück für das Töchterlein, gehe zur Arbeit. Wenn ich abends nach Hause komme, schreib ich eine Stunde, dann wird gekocht und gegessen. Dann gelesen oder Musik gehört, noch ein bisschen Milch oder Schnaps getrunken, und dann auch schon wieder geträumt.

Diese alte/neue Normalität ist allerdings nur möglich, weil ich erstens nicht vom Schreiben leben muss (ich arbeite als Redakteur bei getAbstract, wo ich Sachbücher zusammenfasse), und weil wir unsere Tochter zu den Großeltern geben dürfen. Beides – einen Job und Kinderbetreuung zu haben – ist keine Selbstverständlichkeit.

Niko Stoifberg _ Hendrik Dietrich

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Freundschaft. Wenn du weißt, es gibt Leute, die auf dich warten, die dich vermissen, die sich freuen, dich bald wieder zu sehen – dann lassen sich ein paar Monate Isolation problemlos aushalten.

Wir sollten aber nie vergessen, dass das längst nicht für alle Menschen so ist. Und ab und zu nachdenken, wer unsere Aufmerksamkeit am Dringendsten benötigt.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Schwierige Situationen schärfen den Blick fürs Wesentliche. Wenn wir plötzlich für dies oder jenes keine Zeit, kein Geld oder keine Nerven mehr haben, merken wir, dass wir vielleicht von Vornherein darauf hätten verzichten können. Und umgekehrt: Wir merken, auf was wir keinesfalls verzichten können.

Das gilt auch für die Kunst. Die ist in den besten Fällen schon immer trotzdem entstanden. Wenn du etwas trotz widriger Umstände durchziehst, dann heißt das: Es liegt dir tatsächlich was dran. Die Chance, dass es etwas taugt, ist höher.

 

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer einiges parallel. Zurzeit Marlen Haushofers «Die Wand», Karl Ignaz Hennetmairs Thomas-Bernhard-Tagebuch, Lina Fritschis letzte Gedichte, Ian McEwans «Nutshell». Ach ja, und Camus «La Peste» – die mich seltsamerweise von allen fünf Büchern am wenigsten berührt.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Vielleicht geht es bald wieder aufwärts. Aber Achtung: aufwärts ist anstrengender.

Vielen Dank für das Interview lieber Niko, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schreibprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!5 Fragen an KünstlerInnen:

Niko Stoifberg, Schriftsteller

https://stoifberg.com/de/

Foto: Hendrik Dietrich

4.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wir brauchen eine neue Solidarität“ Siljarosa Schletterer_Schriftstellerin_ Innsbruck_17.9.2020

Liebe Siljarosa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das kommt auf die Definition von “jetzt” an: Die Antworten reichen von intensiver Festivalsvorbereitung (und Hoffnung, dass die Kunst auch überleben darf) über ein gänzliches Verkriechen in Buchmanuskripte bis hin, dass ich mich der Natur, dem Mee(h)r, wortwörtlich verschreibe.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Covid-19-Pandemie hat vieles Prekäre aus der Verdrängung geholt oder besser unverdrängbarer gemacht, aber leider genauso vieles vergessen lassen. Deshalb bin ich der Meinung, dass es gerade jetzt an der Zeit ist unsre Ur-Menschlichkeit des Mitfühlens, der Sensibilität und Wertschätzung wieder aufs Neue gewahr zu werden. Wir brauchen eine neue Solidarität. Wir brauchen eine neue Begreifung für Selbst- und Nächstenliebe – vielleicht wäre es sogar Zeit für ein neues Wort: der Miteinanderliebe. Wir brauchen nicht nur hörende Herzen sondern auch hörende Augen und eine gehörige Portion Mut, dieses  Gehörte auch umzusetzen. Und wir brauchen ein neues Wieder-Bewusstsein dafür, wie alles zusammengehört: “liegt eine scherbe im fluss, dann blutet auch hier dein erdiges herz”, schrieb ich in einem meiner letzten Gedichte.

 

Vor einem Aufbruch, Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

…im Spiegelich, im Spiegelwir war und ist oder sollte und muss (gerade jetzt) die Kunst Seismograph jeder Gesellschaft sein. Sie hat die Möglichkeit unsere Eigen- und Weltwahrnehmung zu ändern. Sie ist nicht nur durch ihre kathartische Wirkung lebenserhaltend und systemrelevant: Wer von uns hätte die Quarantäne überlebt ohne Musik/ Literatur/ Film?

„Wenn wir unserer orientierungslosen Menschheit wieder etwas Hoffnung geben wollen, müssen wir über den bloßen Dialog der Kulturen und Überzeugungen hinausgehen und zu einem Dialog der Seelen übergehen. So wie wir zu Beginn des 21. Jahrhunderts stehen, ist das die unersetzliche Mission der Kunst.“ Amin Maalouf

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Was liest Du derzeit?

Neben einem Berg an Mails, Planungslisten, Abstracts, Korrekturfahnen und Gedichtnotizen, wie immer Vieles gleichzeitig (und nein es gibt nicht ein Zuviel, wenn es um Bücher geht). Hier ein Auszug aus meinen Bücherstapeln am Schreibtisch, im und neben dem Bett, in der Schublade und in der Handtasche und anderswo:

– Caroline Criado-Perez: Die unsichtbaren Frauen, btb-Verlag

– Undine Materni: „Irr-Land“, Gedichte, Hellerau-Verlag

– Ernst Toller: Masse Mensch, Reclam

– Cyrill von Jerusalem: Mystagogische Katechesen

…und natürlich immer wieder neu verliebend in die Gedichte von Paul Celan oder Selma Meerbaum-Eisinger…

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Von mir?  Dann: “…wer wir sind und wie wir niemals waren, wird im augenblick erprobt” aus „EIN DIALOG DER SEELEN für Jordi Savall“ Übersetzung: Claudia Kalász

Vielen Dank für das Interview liebe Siljarosa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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5 Fragen an KünstlerInnen:

Siljarosa Schletterer_Schriftstellerin

https://siljarosaschletterer.wordpress.com/

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28.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der Ausstieg aus der paternalistischen Welt bleibt die Aufgabe, um eine Runde weiterzukommen“ Lydia Mischkulnig, Schriftstellerin_Wien_16.9.2020

Liebe Lydia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nachdem ich meinen ersten Kaffee zubereitet habe, setze ich mich an meine Arbeit: Lese, stimme mich ein ins Schreiben und lege los. Am frühen Nachmittag telefoniere ich und beantworte emails etc und dann verlasse ich die Wohnung, da mir sonst die Decke auf den Kopf fällt. Spaziergänge und Besuche und Gespräche mit Freunden und Kollegen beflügeln dann zumeist  und eine weitere Schreibphase setzt ein, die sich  bis in die Nacht hineinziehen kann. So viel zum Schreib-Leben, ich lebe aber mehrere Rollen gleichzeitig und so flechten sich die Stränge vom Familienleben und Beziehungsleben und Reiseleben und Tanzleben und Rechercheleben mit dem Schreibleben zu einem Zopf, den man sich wie einen Turban um den Schädel gewickelt vorstellen kann, in dem dieses Bild entstanden ist.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Umverteilung. Gleichstellung. Soziale Gerechtigkeit.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur ist mir ein Werkzeug das Leben zu ignorieren, frei nach Pessoa. Es ist ja nicht anders auszuhalten. Lesen bietet Trost, Schreiben ist die größte Konzentration, die ich erbringe, um mich an den Skurrilitäten, Widersprüchen und Brüchen meiner Erfahrungswelt, die auch unsere ist, abzuarbeiten und Wut und Ohnmacht und Trauer vielleicht auch als Rache zu kanalisieren. Schön ist es, geschrieben zu haben- ein Gefühl der Lust. Die Literatur ist mir ein Korrektiv, wenn sie gelingt, tut sie allen wohl. Blöd nur, dass sie mir sehr oft nicht gelingen will und vielleicht noch nie gelungen ist, so scheitert man halt. Deshalb muss man weiterüben, damit wenigstens die Ansprüche nicht verloren gehen.

Tiefgang und Genauigkeit mit der Schärfung der Gedanken sind in all den Alltagszwängen und unterschiedlichen Professionen an der Kunst und Literatur, die eine Sprachkunst ist,  auszuprobieren und erzeugt eine tiefe Zufriedenheit an der Gestaltung von Sinneinheiten im sinnentzerrten Leben. Die Menschen suchen eine Orientierung und Ordnung, literarische Gebilde sind menschlicher Ausdruck davon.

Was liest Du derzeit?

Nichts außer Zeitungen. Ein wenig Mishima, der Seemann der die See verriet, Ideale anzustreben ist teuflisch.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Es gibt nur zwei Arten von Männern, Feministen und Trottel.“ Also das ist mein Satz, den eine Protagonistin im Roman „die Richterin“ sagt. Ich denke bei diesen Worten an John Lennon und Yoko Ono, die  1972ein Lied veröffentlichten: „Woman ist the nigger of the world“.  Heute noch gültig und der Ausstieg aus der paternalistischen Welt bleibt die Aufgabe, um eine Runde weiterzukommen und die Menschrechte zu erkämpfen.

Vielen Dank für das Interview liebe Lydia, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Lydia Mischkulnig, Schriftstellerin

http://www.lydiamischkulnig.net/

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31.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wenn Rot kommt“ Petra Piuk, Barbara Filips. Kremayr&Scheriau Verlag.

Dieses Buch ist ein Ereignis!

Vielmehr ist eigentlich nicht zu sagen. Erleben sie es, steigen Sie ein und lassen Sie sich mit bester Innovationskraft von Kunst in das Roulette des Lebens katapultieren…

Petra Piuk, vielfach ausgezeichnete österreichische Autorin, und die Fotografin und Kulturmanagerin Barbara Filips legen mit „Wenn Rot kommt“ eine Wort-Bild par force  vor, welche ob der Kraft von Ausdruck, Spannung und Rasanz atemlos staunend macht.

Autorin und Fotografin knüpfen da an ganz große Traditionen avantgardistischer Sprach- und Kunstexperimente der Moderne an und gehen in Originalität und Konzeption selbstbewusst darüber hinaus. Sie setzen alles an Kraft und Möglichkeit was Wort und Bild zu bieten haben und erschaffen ein geniales artistisches crossover, das den Begriff des cut-up neu definiert und weiterentwickelt. Sprache und Fotografie finden sich hier gleichsam in magischer Erzählkraft und katapultieren Aufmerksamkeit und Sinn in eine moderne Parabel von Welt und Sehnsucht. Glückssuche und Wüste. Sonnenaufgang und endlose Nacht…

Eine mitreißende lovestory in einer pulsierenden Metropole des Glücksspiels in allen Lebensdimensionen und darüber hinaus.

Lassen Sie sich verführen, verwandeln, verdrehen, versuchen, verbandeln…

Dieses Buch ist ein Ereignis! Mehr ist nicht zu sagen.

„Ohne Zweifel ein Buch des Jahres, das Maßstäbe in Sprache und Kunst genial sprengt und setzt. Eine Sensation!“

Walter Pobaschnig 9_20

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„Uns vor anderen Menschen nicht zu fürchten. Gedichte lesen. Singen (im Freien). Musik.“ Andrea Grill, Schriftstellerin _ Wien 15.9.2020

Liebe Andrea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mittlerweile ist September, heute war Schulbeginn in Wien, vor den Schulgebäuden herrschte ein erfreuliches Gewusel. Solange es dabei bleibt, dass die anderen hinaus dürfen und nur ich (wie immer) zuhause arbeite, nutze ich die fünf oder sechs Stunden, an denen die Wohnung mir allein gehört. Ich lese, schreibe, denke nach, höre oder spiele Musik, zeichne usw. Ohne dieser Möglichkeit des Alleinseins kann ich künstlerisch kaum arbeiten. Schreibende Frauen, angefangen von Virginia Woolf über Ingeborg Bachmann („schreiben ist solitär“) und Marlen Haushofer (die sich zum Schreiben in die Küche setzte) erleben das in allen Zeiten ähnlich: du brauchst einen Raum, an dem dich niemand stören kann. Vor einem halben Jahr, als plötzlich alle monatelang dauernd zuhause waren, ging ich fast täglich laufen. Ab und zu stellte sich dabei ein Satz, eine Zeile ein, die mir festhaltenswert erschien, die habe ich dann in mein Mobiltelefon getippt. Sonst habe ich damals nichts Nennenswertes geschrieben.

Ich bewundere Dichterinnen wie Anna Achmatova, die unter den widrigsten Umständen die Kraft und Konzentration finden, beeindruckende Texte zu schreiben; und auch diejenigen, die im Morgengrauen gut arbeiten können. Bei mir gibt es gewisse Stunden des Tages, an denen es mir gelingt: zwischen zehn und zwei, vormittags wie nachts.

Andrea Grill _ Foto_März 2020_privat

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Uns vor anderen Menschen nicht zu fürchten. Gedichte lesen. Singen (im Freien). Musik.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur zu?

Ich glaube nicht, dass ausgerechnet eine Krankheit einen großartigen Neubeginn hervorrufen wird. Ich beobachte: die Menschen, die es sich leisten können, kaufen sich jetzt ein Auto, suchen sich ein Haus am Land, ziehen sich in ihre Familie zurück. Mir scheint, die ganze (menschliche) Welt ist in einer Wartehaltung, die darauf abzielt, es „wenn alles vorbei ist“ wieder genauso zu machen wie vorher. Als sich vor einigen Monaten zeigte, wie viel dessen, das bis dahin als unverzichtbar galt, von einer Stunde zur nächsten gestoppt werden konnte, da ja, da habe ich kurz gedacht, dass wir ab jetzt einiges anders machen würden. Dass nicht mehr alles bedingungslos dem Wachstum der sogenannten „Wirtschaft“ untergeordnet würde.

Dieser Zustand, als es nicht mehr genug Flächen gab, um all die Flugzeuge zu parken, die plötzlich nicht mehr dauernd in der Luft waren!

Da habe ich gedacht, wir sehen jetzt, es ginge auch anders. Wir haben das Glück gehabt, zu erleben, was wäre, wenn wir Menschen uns nur ein wenig zurücknehmen würden in unserem Herumsausen und Fuhrwerken auf der Erde. Delfine in Venedig! Wölfe in Holland! Luchse in Belgien! Schwalbenschwänze in Paris. Saubere Atemluft in Millionenstädten.

Aber nein. Bald zeigte sich, wir (die es sich leisten können) wollen auf Urlaub fliegen und bei ZARA und Max Mara die neuesten Kollektionen einkaufen. Sei es mit Maske.

Was kann die Literatur? Erzählen. Zum Beispiel die Geschichte des Pangolin, das einst häufig war in vielen Regionen der Erde, bevor es von den Menschen aufgegessen oder zu Cowboystiefeln oder Potenzmitteln verarbeitet wurde. Das Pangolin rollt sich ein, wenn es sich in Gefahr wähnt. Dieses Verhalten wurde ihm zum Verhängnis; eingerollt kann ein Mensch es einfach hochheben, mitnehmen und mit Ingwer und Zwiebeln servieren.

In in einem Gedicht, einer Erzählung können wir alle einmal Pangolin werden. (Und das überleben.)

Was liest Du derzeit?

Ich lese (nicht gleichzeitig, aber verschränkt, einmal in dem Buch, einmal in dem anderen) Dorothee Elmiger „Aus der Zuckerfabrik“, Jhumpa Lahiri „Dove mi trovo“, Christina Maria Landerl „Alles von mir“, Gabriela Cabezón Cámara „The adventures of China Iron“, eine Biographie von Elsa Schiaparelli von Meryle Secrest und von Jürgen Habermas „Auch einen Geschichte der Philosophie“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

clothes … change our view of the world and the world’s view of us“, schreibt Virginia Woolf in Orlando.

Vielen Dank für das Interview liebe Andrea, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Andrea Grill, Schriftstellerin

https://www.m-orld.org/

7.9.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

„Ich will Veränderungen am Theater sehen“ Lara Sienczak, Schauspielerin _ Wien 14.9.2020

Liebe Lara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mittlerweile kehrt wieder sowas wie Normalität ein. Wir proben wieder. Das tut gut. Aber es schwebt so eine Unsicherheit im Raum. Die Theaterleitung ist nervös. Wie sind jetzt genau die Vorgaben? Wie viel Abstand jetzt genau? Bis wohin genau? Kommen die Leute? Wie entwickeln sich die Zahlen? Wie reagiert die Politik? Können wir alle Vorstellungen spielen? Gestern hatten wir Generalprobe mit „vollem“ Haus. Und es hat sich gut angefühlt. Als wären wir alle in der theaterfreien Zeit ein wenig mit Abstand zusammengerückt.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wachsam bleiben. Moria, Black Lives Matter nicht vergessen, lesen, spenden, darauf aufmerksam machen, mit Familie und Freunden darüber sprechen, wahrscheinlich auch unangenehme Gespräche führen. Die eigenen Privilegien reflektieren, und für Veränderung nutzen. Das kann auch unbequem für einen selbst sein. Darf es, muss es vielleicht sogar. Sich fragen, was „nach der Pandemie zur Normalität zurückkehren“ heißt. War die Normalität so geil? Wie kann die neue Normalität nach Corona aussehen. Pläne schmieden, Utopien basteln. Gute Erkenntnisse und Gewohnheiten der Pandemie und des Lockdowns erinnern und beibehalten.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Neigen wir in „unsicheren Zeiten“ vielleicht dazu, auf Nummer sicher zu gehen? Falls ja, dem Reflex nicht nachgehen, falls eh nicht, toll, weiter was wagen. Ich will Veränderungen am Theater sehen. Ich will Ensembles sehen, die die Gesellschaft repräsentieren. Also nicht wie am Burgtheater, wo immer noch mehr männliche Schauspieler im Ensemble sind (wie übrigens in 90% der Theaterensembles im deutschsprachigen Raum). Ich will mehr People of Color sehen, Menschen mit Behinderung, queere Menschen, non-binary Menschen. In den Ensembles, und in den Geschichten und Themen, die auf der Bühne verhandelt werden. Ich will, dass die Theatermenschen sich mit Gender, Race, Class und Ableism auseinander setzen, Workshops organisieren und die eigenen Strukturen und Handlungen hinterfragen. Theater hat die Macht der Bilder und der Sprache, und eine gesellschaftliche Verantwortung. Dieser müssen wir nachgehen, für eine gerechte Gesellschaft. Das ist mir wichtig. Es dauert mir alles zu lange, und ich will diese Welt noch miterleben, in der es so etwas, wie Gerechtigkeit gibt. Sorry, diese Frage habe ich vielleicht nicht corona-spezifisch beantwortet, aber vielleicht doch. Letzten Sonntag wurden Reichsfahnen vor dem Bundestag in Berlin geschwenkt. Die Welt schläft nicht, Corona hin oder her, und wir dürfen auch nicht schlafen.

Was liest Du derzeit?

Byun Chul Han – Kapitalismus und Todessehnsucht

Eduard Louis – Wer hat meinen Vater umgebracht

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Shakshuka Rezept von einem alten Schulfreund

„Uuuh! Magst Du mir Dein Rezept nennen?“

Klar ist nicht schwer. Ich nehme ne Zwiebel und schneid die grob, dann 500kg Fleischtomaten und schneid die ebenfalls grob und eine rote Paprika, gleiches Spiel.

Dann die Zwiebeln in Olivenöl anbraten und die Tomaten und Paprika hinzugeben.Mit Salz, Pfeffer, bisschen Zucker, Kreuzkümmel und frischer Petersilie würzen.

Dann die Eier rein.

Am Ende etwas Petersilie zum Anrichten.

Tada

Vielen Dank für das Interview liebe Lara, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen

Lara Sienczak, Schauspielerin

Lara Sienczak

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„Roter Affe“ Kaska Bryla. Roman. Residenz Verlag.

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Der Sommer. Die Straße. Der Badeteich. Mania und Tomek. Sie laufen. Zum Wasser. Zum Sonnenuntergang. Bis sich die Stimmen und die Schritte nähern. Der Vater. Und dann der lange Weg nachhause, zur Mutter. Die Worte fehlen Mania jetzt. Es gibt so viele davon. Ungesagte. Unverstandene. Ungewollte. Wer kann schon damit umgehen…

Da ist die Großmutter. Der Rosenkranz und die Geschichte. Immer dieselbe. Der Held und der Tod. Damit schläft Mania jetzt ein…

Das war die Kindheit. Das Laufen. Die Nacht. Die Geschichten. Der nächste Tag. Und der nächste. Und die Nacht. Die Nacht…

Und jetzt, hier in der JVA (Justizvollzugsanstalt), geht es für Mania, die Gefängnispsychologin, tagtäglich um Abgründe, Schuld und Verzweiflung. Die lange Nacht bis zur Morgendämmerung. Und die fehlenden Worte. Da und dort…

Doch da ist auch Tomek. Ihr Jugendfreund. Bis er plötzlich nicht mehr da ist. Einfach verschwunden. Eine Mauer ohne Worte. Ein verlassener Ort.

Mania macht sich auf die Suche. Nach Tomek. Nach sich selbst. Nach dieser Welt. Zwischen Mauern, Stille und Abgründen…

Kaska Bryla, in Wien geborene Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin, legt mit „Roter Affe“ einen Roman vor, der Lebenswege in aller Sehnsucht und Zerbrechlichkeit in einzigartigem Sprachfluss und Wortgewalt setzt. Dichte Atmosphäre und Spannung lassen Leserin und Leser Seite um Seite den Lebensetappen, Herausforderungen und Unabwägbarkeiten der aufmerksam wie intensiv gezeichneten Charaktere erschütternd wie neugierig folgen. Da trifft jedes Wort mitreißend Welt und Leben.

„Kaska Bryla schenkt dem Leben Sprache und der Sprache Leben. Faszinierend und mitreißend.“

Walter Pobaschnig 9_20

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