„Das Besondere ist sicherlich die Atmosphäre vor Ort, dieses Flirren“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Isabella Feimer, Schriftstellerin _ Wien 14.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Isabella Feimer, Schriftstellerin _ Wien

Liebe Isabella, Du hast 2012 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen?

Der Spaß in der Maske, kurz vor dem Auftritt; dass mich Freundinnen, mein Partner und mein Vater nach Klagenfurt begleitet haben und dass wir eine schöne Zeit miteinander hatten; und natürlich die Aufregung über all die Tage hinweg – das Los hat damals entschieden, dass ich als Letzte lese.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Das Besondere ist sicherlich die Atmosphäre vor Ort, dieses Flirren. Schließlich geht es ja um etwas, und ganz besonders ist die Konzentration auf Literatur; es geht mal um nichts anderes und das noch dazu im Namen Ingeborg Bachmanns.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Nachdem die ersten Schrecksekunden auf der Bühne vorüber waren – also Licht und Kameras, die auf einen gerichtet sind, und quasi die Jury im Nacken -, hat mir die Lesung richtig Freude bereitet. Es kam so viel gute Energie und Zugewandtheit vom Publikum; das hat mich durch das Lesen und auch durch die anschliessende Diskussion getragen. Und von der Jurydiskussion habe ich gar nicht alles mitbekommen, ich glaube, man schaltet ein bisschen aus Selbstschutz ab, und ich war einfach nur froh, dass nach der Lesung die ganze Aufregung dieser intensiven Tage vorüber war.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Ich habe am Bachmannpreis teilgenommen, als ich noch ganz am Anfang von meiner literarischen Laufbahn stand; es gab noch keine Buchveröffentlichung, ich hatte noch nicht einmal einen Verlag, nur ein paar Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften. Und vor allem da ich noch am Anfang stand, war die Einladung zur Teilnahme eine wunderbare Sache; ich war einfach nur glücklich – und ja, es hatte eine Auswirkung, im Außen – die Einladung nach Klagenfurt ist eine Auszeichnung, die bleibt – und im Innen – es ist besonders, dass sich so intensiv mit einem Text auseinandergesetzt wird und die Auseinandersetzung und Anerkennung beflügelt das weitere Schreiben. So war es zumindest bei mir.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Das Offensichtliche: finanzielle Förderung. Aber auch weiterhin den Fokus auf die Literatur.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Das ist eine schöne Frage! Habt Freude an diesen Tagen, an der Literatur und am respektvollen, aber kritischen Miteinander!

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Isabella Feimer, Schriftstellerin

Zur Person: Isabella Feimer, geboren 1976 in Niederösterreich, studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und arbeitet seit 1999 als freie Regisseurin und Schriftstellerin in Wien. Sie schreibt Prosa, Essays, Lyrik und Theatertexte und veröffentlichte seit 2009 in diversen Literaturzeitschriften und Anthologien. Feimer erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, u.a. den Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich und die Buchprämie der Kulturabteilung des Bundes. Zu ihren Inspirationsquellen zählen ihre Reisen und die intensive Beschäftigung mit Bildender Kunst, Fotografie und Film. Bei Haymon erschien zuletzt 2025 der Gedichtband „Versuch einer Verpuppung“. Im August 2026 folgt der Roman „Dreiundsiebzig Quadratmeter“.

Isabella Feimer – Haymon Verlag

volles Haus bei den Lesungen _ ORF Studio

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Giselbert Hoke _ Freskenzyklus _ Bahnhof Klagenfurt
Wörthersee _ Abendstimmung

Foto: Isabella Feimer _ Station bei Malina/Walter Pobaschnig 1/26

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Studio/Bahnhof/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 8.6.2026

https://literaturoutdoors.com

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