„dass ich erkannt habe, dass mein Lebensziel, Dichter zu werden, falsch ist“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Alois Schöpf, Schriftsteller _ Innsbruck 13.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Alois Schöpf, Schriftsteller _ Innsbruck

Bachmannpreisnominierter 1989

Lieber Alois, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt, dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum, teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Dass es lange her ist und dass ich selten einen größeren Jahrmarkt der literarischen Eitelkeit erlebt habe.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Tatsache, dass ihn Funktionäre und Medien haben wollen, obgleich er mit guter Literatur nichts zu tun hat. Was ist aus den hochgelobten Preisträgern geworden?

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich habe es schon bei meiner Lesung zur Jury gesagt: Alle Texte, die ich in meiner Rolle als Chefredakteur einer Zeitung aufgrund von Langeweile in den Papierkorb geschmissen hätte, wurden von der Jury hochgelobt.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Der große Verdienst des Bachmannpreises war für mich, dass ich erkannt habe, dass mein Lebensziel, Dichter zu werden, falsch ist. Die Erlebnisse beim Bachmannpreis ermöglichten mir den Weg in die Essayistik und in den Journalismus, mit dem ich sowohl erfolgreich war als auch ein bürgerliches Leben aufbauen konnte.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Da ich den Wert dieses Preises bezweifle, kann ich auch keine Angaben zu seiner Zukunft machen.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Dass er es im 50. Jahr seines Bestehens bleiben lässt.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Alois Schöpf, Schriftsteller

Zur Person: Website _ Selbstbeschreibung

Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee

Foto: Alois Schöpf _ Thomas Steinlechner

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Wörthersee_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 13.6.26

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