50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur

Im Interview _ Sabine Scholl, Schriftstellerin, Wissenschaftlerin _ Berlin
Bachmannpreisnominierte 1992
Liebe Sabine, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Ein selbst genähtes Sommerkleid aus einem afrikanischen, in Paris gekauften Stoff. Verwirrung. Ich will meinen Text im Stehen vortragen, weil ich ansonsten meine, Atemprobleme zu bekommen und mache das dann.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Mit dem Wissen von heute, würde ich sagen, dass ein Preis hilft, Namen und Werk zu verbreiten, zu Lesungen eingeladen zu werden, etc, also die Aufmerksamkeit zu erhalten, die man in diesem Betrieb braucht. Damals war ich völlig überfordert von der geballten Masse an Menschen, die wichtig für junge Schreibende sein könnten und bin deshalb eher vor dem Trubel geflohen.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Lesung: OK. Ich habe meinen Atem nicht verloren.
Jurydiskussion: Leider nicht Ok. Ein befreundeter Autor, Wolfgang Hermann, versuchte, das Wort zu ergreifen, um meinen Text zu retten. Danke.
Preisverleihung: Ich habe keinen Preis erhalten, aber peinlicherweise bis zum Schluss daran geglaubt, dass mein Name doch noch genannt wird.
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
Zuerst ein großes Zweifeln an der eigenen Arbeit. Danach wurde ich schwanger und brachte im April darauf meine Tochter zur Welt. Ich schrieb weiter.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Unterstützung durch die geldgebenden Institutionen.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Sonniges Wetter!
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Ritterverlag | SabineScholl

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.


Foto: Sabine Scholl _ Fotostudio Gezett, Berlin
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt_ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 10.6.2026