„ich bin einer der letzten beiden DDR TeilnehmerInnen“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Andreas Montag, Schriftsteller _ Halle/Saale 14.6.26

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur

im Interview _ Andreas Montag, Schriftsteller _ Halle/Saale

Bachmannpreisnominierter 1990

Lieber  Andreas,  Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen?

Ich war 1990 dabei, als einer der beiden letzten TeilnehmerInnen aus der verschwindenden DDR. Es war eine aufregende Zeit damals, nach der friedlichen Revolution im Osten Deutschlands – und entsprechend aufgeregt war ich selbst, vor allem auch wegen der Ehre, an diesem Wettbewerb teilnehmen zu dürfen.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Das Besondere ist die Live-Atmosphäre, das Kribbeln, das einen während der ganzen Dauer des Wettbewerbs nicht verlässt. So empfand ich es wenigstens.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Die Jury-Diskussion war spannend, aber auch ein bisschen verfremdend in ihrer Wirkung auf mich: Da redeten Menschen über einen (meinen) Text und über einen, mich, der sich zuhörend selbst als dritte Person wahrnahm.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Ich habe weitergeschrieben, natürlich – auch, wenn ich den Preis damals nicht gewann. Wenn ich mich daran erinnere, dabei gewesen zu sein, freut es mich immer noch sehr. Und ich habe inzwischen eine Reihe von Büchern veröffentlicht, das nächste, “Das Gelächter”, erscheint im September 2026 bei Quintus Berlin.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Eine Vielfalt der Handschriften und neugierige ZuhörerInnen.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Schreibende wie Lesende mögen ihre Liebe zur Sprache und den Glauben an die Unersetzlichkeit von Literatur bewahren. Das gilt gerade auch in komplizierten Zeiten, von deren Spiegelung die Kunst schließlich lebt.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Andreas Montag, Schriftsteller

Zur Person: Andreas Montag, geboren 1956 in Gotha (Thüringen), hat dort die Schule besucht und 1974 das Abitur abgelegt.

Nach dem Grundwehrdienst zum Bibliothekar ausgebildet, absolvierte er später ein Fernstudium am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ in Leipzig. Dort wohnte er bis 1988, seitdem lebt er in Halle (Saale) und Berlin.

Seinem Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung im Herbst 1976 folgten Schikanen und staatliche Willkür. Deshalb war er nach dem ersten Studium als Packer in der Blindenbücherei Leipzig tätig, ab 1981 im Dienst der Katholischen Kirche.

1985 erschien Montags erster Roman, „Karl der Große oder Die Suche nach Julie“ im Mitteldeutschen Verlag Halle- Dort sollte Anfang 1990 auch der Erzählungsband „Die weitere Verwandlung des Blicks“ veröffentlicht werden,. Das Buch kam jedoch erst 2007 heraus – ergänzt um einen Text, den Montag 1990 beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt vorgetragen hatte. 2008 folgte der Roman „Mannestreu“, 2012 der biografisch-politische Essay „Lothar König: Eine rebellische Seele“. 2018 erschien in der Corvinus-Presse Berlin der illustrierte Lyrik-Band „Paradies“, 2022 im Quintus-Verlag Berlin die viel beachtete Erzählung „Glückliche Menschen“. Außerdem hat Montag in zahlreichen Anthologien und Zeitschriften publiziert, darunter „neue deutsche literatur“ und „Die Horen“.

Seit 1990 ist Montag bei der in Halle (Saale) erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ beschäftigt. Von 1996 bis 2022 war er dort als Ressortchef für den Kulturteil zuständig, ab 2023 weitere Arbeit für dieses Haus.

Website: Home – Andreas Montag

Bachmannpreis _ ORF Garten

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Bachmannpreisgründer, langjähriger Juror, Autor und Journalist_  Humbert Fink

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Einlass _ am Weg ins ORF Studio _ großes Publikumsinteresse
auch ein Platz im ORF Garten Salettl hat seinen besonderen atmosphärischen Reiz _ mit selbstgebackenen Kuchen

Foto: Andreas Montag_ Andreas Stedtler

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/ORF Studio/Garten _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 14.6.26

https://literaturoutdoors.com

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