50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Doron Rabinovici, Schriftsteller _ Wien
Bachmannpreisnominierter 1994
3sat Preisträger
Lieber Doron, Du hast 1994 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Es war meine erste Begegnung mit dem Literaturbetrieb, zudem traf ich auf andere Autoren und Autorinnen. Da eben erst mein Debut – Papirnik.stories – in der edition suhrkamp erschienen war, ermunterte mich mein Lektor, bei dem Wettbewerb mitzumachen. Ich schrieb daraufhin einen neuen Text, der alleinig für das Wettlesen entstand. Nachher sollte aus der Geschichte der Ausgangspunkt für meinen ersten Roman „Suche nach M.“ werden.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Es ist, als gerate einer in den Schleudergang einer Waschmaschine. Die gesamte Rezensionsmechanik läuft im Zeitraffer dahin. Es wird klarer, wie über Literatur geredet werden kann. In diesem dichten Arrangement wird einem bewusst, wie stark die Kritik auch vom Beziehungsgeflecht und von Netzwerken abhängt. Was der eine in diesem Halbkreis lobt, wird von der anderen unweigerlich bemängelt, was dieser Gruppe zusagt, stößt jene eher ab. Es wird leichter verständlich, wie über das Schreiben verhandelt wird und welche Perspektiven auf einen Text möglich sind.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Ich fühlte mich von manchen in der Runde, die mir wichtig waren, missverstanden. Aber im Nachhinein überzeugte der Text mehrere innerhalb der Jury.
Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?
Er brachte eine gewisse Anerkennung und Aufmerksamkeit. Aber mein weiteres Schreiben blieb davon unberührt. Wichtiger war, dass ich mit anderen, die schrieben, in Kontakt gekommen war. Zudem überzeugten mich die Argumente der Jurorin und Germanistin Konstanze Fliedl, von deren kritischer Lektüre und Analyse ich viel lernen konnte.
Was braucht der Bachmannpreis an Weiterentwicklung für eine gute Zukunft?
Vor allem gute Texte, sodann Verlage, die auch kurze Prosa zu schätzen wissen und Menschen, die dichte Schriften lesen wollen. Zudem lebt der Bachmannpreis von dem Kulturprogramm im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Die Neugier, um sich Neuem zu öffnen, zudem Courage – und Gelassenheit, denn das Urteil der Jury hängt zuweilen von Fragen ab, die wenig mit dem Text zu tun haben.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Biografie | Doron Rabinovici 20.6.26
Website des Autors: Doron Rabinovici


Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.


Foto: Doron Rabinovici _ Lukas Beck
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 20.6.2026