50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Günther Freitag, Schriftsteller _ Leoben/AT
Bachmannpreisnominierter 1985
Lieber Günther, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen?
Bei meiner Teilnahme (1985) gab es 24 Teilnehmer und auch das Jury Team war größer, dominiert von Reich-Ranicki im ständigen Widerpart zu Joachim Kaiser. Die Texte kannten die Juroren nicht, mit den unterschiedlichsten Kriterien wurden die Texte diskutiert, nicht selten den Charakter einer Hinrichtung annehmend; erster Eindruck_ geringe Gerechtigkeit den unterschiedlichen Texten gegenüber, großer Raum für Selbstdarstellungen von Jurymitgliedern
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die große mediale Öffentlichkeit
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Zwiespältig, die gegensätzlichen Positionen der Jury zeigten sich auch in den Beurteilungen, die nach oftmals undurchsichtigen Kriterien erfolgten
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?
In keiner Weise
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Ob die Entwicklung, wie in der Fragestellung vorausgesetzt GUT ist, bezweifle ich. Die geringe Vergleichbarkeit der Kriterien in den Beurteilungen schränken aus meiner Sicht ein objektives Urteil stark ein.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
In einer Zeit, in der sich die Literatur (und Kunst allgemein) immer stärker in die Defensive gedrängt sieht (vor allem durch die reduzierten Förderungen, aber auch zb durch Lehrpläne, die die Literatur an den Rand drängen) ist jede Veranstaltung zu begrüßen (so sehr ihre Objektivität auch angezweifelt werden mag), welche das Schreiben in ein breites öffentliches Interesse rückt
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Günther Freitag wurde am 29.02.1952 in Feldkirch/Vorarlberg/Österreich geboren und wuchs in Graz auf, wo er Germanistik und Geschichte studierte. Am Konservatorium der Stadt Graz belegte er das Fach Klavier. Erste Kontakte zur Literatur ergaben sich für ihn durch das Forum Stadtpark in Graz, welches vom Dichter Alfred Kolleritsch und dem Maler Günter Waldorf geleitet wurde. So erschienen seine ersten literarischen Veröffentlichungen auch in der Literaturzeitschrift „manuskripte“, deren Autor er auch heute noch ist.
1985 nahm er auf Einladung Manfred Mixners am Ingeborg Bachmann Wettbewerb in Klagenfurt teil.
Seit 1982 veröffentlicht er vor allem Prosa (Romane, Erzählungen, Essays) und Hörspiele, die zum Teil vom ORF produziert wurden.
Günther Freitag lebt in Leoben/Steiermark/Österreich. (Literaturport/13.6.26)

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Günther Freitag _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Maltschacher See_ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 13.6.2026