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„Ich könnte weinen und schreien“ Katia Tangian, Schriftstellerin, Malerin _ Give Peace A Chance _ Hannover 26.1.2023

Katia Tangian (geboren in Moskau, Mitte) mit Schwester Nina (links) und ihrer ukrainischen Freundin Lesja, Kiew, ca. 1983

GIVE PEACE A CHANCE

Lieber Walter,

ich habe mich dran gesetzt und ich habe versucht, zu „Give Peace a Chance“ ein Akrostichon zu schreiben, aber es geht nicht.

Dieser Krieg in der Ukraine nimmt mich zu sehr mit. Mir fehlen komplett die Worte, wenn ich nur in diese Richtung denke. Wie du vielleicht gesehen hast, komme ich ursprünglich aus Moskau. Auch wenn ich seit dem 14. Lebensjahr im Westen lebe, habe ich weiterhin einige Kontakte nach Russland UND Ukraine, viele meiner russischen Freunde hier und da stehen genauso ratlos und schockiert in Anbetracht der Ereignisse, die seit bald einem Jahr vor aller Augen stattfinden, ohne dass der Einzelne dagegen etwas tun kann. Ich könnte weinen und schreien, aber ein Akrostichon dazu schreiben kann ich leider nicht. Wohl weil ich zu nah dran bin. Und es meine persönlichsten Wunden aufreißt.

Das Thema ist für mich aktuell so emotional aufgeladen, dass ich nicht einmal in unserem Familien-Fotobuch, das ich Jahr für Jahr mache, darüber schreiben konnte, sondern den Ukraine Wikipedia-Text per Copy and Pace hineinkopiert habe. Ist es zu glauben? Dass mir eines Tages die Worte fehlen, hätte ich nicht für möglich gehalten…

Katia Tangian _ 16.1.2023  

Katia Tangian, Schriftstellerin, Malerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Katia Tangian, Schriftstellerin, Malerin

www.katiatangian.de

Persönliches

„Im Alter von 14 Jahren bin ich mit meiner Familie von Moskau nach Deutschland umgezogen. Gleich bei unserer Ankunft begegnete uns eine überwältigende Welle von Gastfreundschaft und Empathie. Von wegen, die Deutschen seien kalt, pragmatisch und auf Effizienz bedacht! Ganz im Gegenteil. Immer wieder trafen wir auf Menschen, die mehr taten, als sie mussten: pensionierte Lehrer, die uns Deutschunterricht erteilten; Jugendheim-Leiter, die uns nicht nur beherbergten, sondern zur Schule fuhren, unsere Wäsche mitwuschen und mit uns „zu Abendbrot“ aßen – ein ganzes Jahr lang. Und ja, natürlich gab es auch weniger schöne Begegnungen und in der Fläche viel Misstrauen und Desinteresse. Doch die Hilfsbereitschaft einzelner Menschen hat sie einfach überstrahlt.

Gerade in unserem ersten Jahr in Deutschland, als unser Heimweh am größten und wir am verlorensten waren, hat uns die Unterstützung dieser einzelnen Menschen enorm viel bedeutet. Dank ihnen hatten wir von Anfang an das Gefühl, willkommen zu sein, als Individuen wahrgenommen zu werden: als jemand, der der Gesellschaft nicht etwas wegnehmen, sondern ihr auch etwas zurückgeben würde. Es sind immer einzelne Menschen, die in Erinnerung bleiben. Menschen, die helfen, die Mut machen, die mehr tun, als sie müssen. Wir alle können diese Menschen sein. Lasst uns gleich damit anfangen!“

Als der Krieg losging und die ersten ukrainischen Kinder an die deutschen Schulen strömten, habe ich in meinem Blog http://www.artsetc.de den Blogbeitrag „Welcome, Ukraine! Für einen guten Start an deutschen Schulen“ verfasst. Eigentlich geht es in meinem Blog um (junge) Kunst; aber es war mir ein Bedürfnis, meinen Beitrag zur Integration und dem Willkommens-Gefühl der ukrainischen Kinder und Jugendlichen zu leisten. Diesen Beitrag haben über 30.000 Leute gelesen, hauptsächlich Lehrer-Kollegen und somit Multiplikatoren. Ich höre von vielen Schulen, dass sie mit meinen (und den von mir weiterempfohlenen) Materialien täglich arbeiten. Das macht mich ein bisschen stolz. Aber noch besser wäre es gewesen, wenn ich diesen Blogbeitrag nicht hätte verfassen müssen.

https://www.artsetc.de/post/welcome-ukraine-links-rund-um-die-schule-für-einen-besseren-start

Fotos_privat

Walter Pobaschnig _ 20.1.2023

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„Gorkaja prawda“ Elizaveta Kuryanovich, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Frankfurt/Main 25.1.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Gorkaja prawda

Is this [war] necessary?

Victories require victims

Equilibrium lost

Pust wsegda budet solntse

Especially now when

A voice is a void is in vain

Choices are crafted

Earned in honor

Attitudes to shift

Can we treasure lives?

Hostility is so fossil

Armed forces are our future?

No, if we want to thrive

Can we evolve?

Earnestly, we should 

give it a chance


Elizaveta Kuryanovich, 8.1.2023

Elizaveta Kuryanovich, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Elizaveta Kuryanovich, Schriftstellerin

https://www.elizaveta-kuryanovich.de/

Foto_Daria Murashko 


Walter Pobaschnig _ 8.1.2023

https://literaturoutdoors.com

„Ich würde mir mehr Demut, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit wünschen“ Sven Heuchert, Schriftsteller _ Köln 25.1.2023

Lieber Sven, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen, Kaffee, Lohnarbeit, Feierabendbier, Rauchen, ein wenig schreiben, ein wenig lesen, Schlafen. Im Grunde genauso wie die letzten dreißig Jahre auch.

Sven Heuchert, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich weiß nicht, was für „uns alle“ jetzt besonders wichtig ist, ich weiß nur, was für mich wichtig ist und schon immer war, nämlich meine eigene mentale Hygiene. Das bedeutet, dass ich mich von Ideologien, sozialen Medien, toxischen Menschen und ganz allgemein der Moderne und dem Zeitgeist fernhalte.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich bin mir nicht sicher, ob die Gesellschaft als solches aufbrechen wird oder vor einem Aufbruch steht. Das wurde schon oft behauptet oder erhofft, geschehen ist wenig. Ich sehe mich auch nicht imstande zu beurteilen, was bei einem solchen Aufbruch wesentlich sein wird; dazu fehlt mir der umfassende Einblick. Ich würde mir mehr Demut, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit wünschen. Die Rolle der Literatur und Kunst etc ist nicht so wichtig, wie in den jeweiligen Blasen immer angenommen wird.

Was liest Du derzeit?

Stories von Rick Bass und Tony Earley.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“You can’t believe people when they look you in the eyes. You gotta‘ look behind them. See what they’re standing in front of. What they’re hiding. Everyone’s hiding. Everybody. Nobody look like what they are.”

Sam Shepard

Vielen Dank für das Interview lieber Sven, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Sven Heuchert, Schriftsteller

Zur Person_Sven Heuchert wurde 1977 im Rheinland geboren und lebt heute bei Köln. Seine beiden Noir-Romane Dunkels Gesetz und Alte Erde wurden von der deutschen Presse begeistert aufgenommen. Das Gewicht des Ganzen ist sein literarisches Debüt.

Foto_privat

Kommende Neuerscheinung_

Sven Heuchert, Das Gewicht des Ganzen_Ullstein Verlag

»Im späten Licht rückte die Wildnis näher an sie heran. Die Grenzen von Leib und Erde
verwischten. Etwas Altes wuchs zusammen.«
Jeder hat sein Bündel zu tragen, doch das Gewicht des Ganzen trägt allein die Mutter. Milla hat sich nach dem Freitod ihres Sohnes nach Kanada zurückgezogen. Sie hat ihre Spedition aufgegeben und den Mann, mit dem sie ein halbes Leben zusammen war. In einem alten Haus mitten im Nirgendwo versucht sie weiterzumachen. Sie lernt Russ kennen, einen Antiquitätenhändler, als sie einen Revolver versetzen will, den sie unter einer Treppendiele gefunden hat. Zwischen beiden entsteht etwas, das man eine Freundschaft nennen könnte, das aber zugleich mehr und weniger ist als das. Bis sich ihre Wege wieder trennen.

In glasklarer Prosa erzählt Sven Heuchert die universelle Geschichte von Verlust, Trauer und Neuanfang. In einer Welt, die kein Heilsversprechen mehr bereithält, dafür aber die echte Chance, wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen.

Meike Blatnik_Ullstein Buchverlage, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Erscheinungstermin: 23. Februar 2023

https://www.ullstein.de/werke/das-gewicht-des-ganzen/epub/9783843729055

17.1.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der betrunkene Berg“ Heinrich Steinfest. Roman. Piper Verlag

Eine Schneeflocke vorm Fenster. Im Herbst. Die Höhe erklärt das. 1.765 Meter. Das Fenster gehört einer Buchhandlung. Und die Buchhandlung Katharina. Der Name ist dabei fest wie der Berg. Keine Kosenamen. Nicht einmal die Eltern dürfen das.

Privat. Zwei Ehen. Zwei Scheidungen. Keine Kinder. Serpentinen des Lebens und der Liebe, Jahreszeiten. Alles durch.

Jetzt Winter. Zumindest oben. Schnee. Sie ist am Weg zum Berg. Doch da sieht sie etwas Dunkles, schon bedeckt von Schneeflocken. Als sie näherkommt, sieht sie, dass es ein Mensch ist.

Sie spricht zu ihm und jetzt wird alles anders…neue Serpentinen tun sich auf…wie wird sie, wird das Leben, weitergehen? Am Berg…

Heinrich Steinfest, vielfach ausgezeichneter österreichischer Schriftsteller, gelingt mit seinem neuen Roman eine sprachlich fulminante wie inhaltlich abgründige Hochschaubahn von Leben, Leidenschaft, Verhängnis.

Unvergleichlich versteht es Heinrich Steinfest in seinem Schreiben eine Leichtigkeit der Sprache in Witz und existentiellem Tiefsinn zu treffen, die jedes Buch zum Leseereignis macht.

„Ein wunderbares Fest höchster Erzählkunst!“

„Der betrunkene Berg“ Heinrich Steinfest. Roman. Piper Verlag

Walter Pobaschnig 8_22

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„Globalaktionärrische“ Joachim J. Vötter_Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Wien 24.1.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Globalaktionärrische

Inflationsderwische

versinken vernetzungsverirrt

einhellig sich im Kreis nur noch mehr um die eignen Achsen drehend,

rund um den Erdball

und ganz so,  

als drehte sich die Welt mit jedem Tag um weniger


Pontius Pilatus-pathologische Proporzprimadonnen

erbeten enden wollend euphemistisch in

algorithmusandächtiger

Champagnerlaune couragiert:

Erhöre uns, wir bitten dich, du heiliger Matthäus,

schütze Zürich, Jersey und Katar,

Dubai, Lichtenstein und Barbados,

Hongkong und die Ilse of Man,

und keinesfalls vergessen Panama!  




Aber das ist diesbezüglich dir wohl klar…




Cayman Island-cholerische

Hedgefonds-Hasardeure grasen in den Vorgärten des Kommenden,

nagen stoisch an den jüngsten Trieben unsrer Endlichkeit,

als wärens Knochen und Gebeine jener Tage,

welche Zukunft auf den Schultern wollen tragen,

doch vor der Zeit der Blüte sind schon totgesagt und totverbucht,

an alledem, was noch um Form ringt und Gestalt,

und doch hier mitten unter uns in aller Stille Wurzeln schlagen

NASDAQ -, Nikkei -, New York Stock Exchange – hörige Neuzeit-Neppnomaden

nisten nachhaltigkeitsnihilistisch in ihnen nahegelegten Niedriglohnländern,

Chardonnay-beschwingte Chairmen chaten chic cäsarisch

um ihr Leben,

wenn’s sich einzig darum dreht,

wer denn nun welchen Knochen netto wird beheben

Er kriegt dies und sie kriegt das,

ich, du, er, sie, es, wir kriegen und ihr kriegt,

und wird auf diesem Wege nicht gekriegt,

wenn nicht ich krieg,

so wird er umgekehrt, der Spieß,

und dies Wort wird zum Gebot der Stunde: KRIEG,

so wie es Anfang ist und Ende,

Wurzel wie auch Auswuchs eines Dunkels,

wo Hunger ist die stärkste Waffe,

Dürre, Durst und all das Elend

aus unser aller menschlich finstern Seite,

dieser bleichen und tottiefen Nacht jener Tage,

die Zukunft auf den Schultern wollen tragen,

und doch hier mitten unter uns

in aller Stille

unbeirrt aufs neue Wurzeln schlagen


Joachim J. Vötter, 3.1.2023

Joachim J. Vötter_Schriftsteller, Musiker, Sänger

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Joachim J. Vötter_Schriftsteller, Musiker, Sänger

Literatur

Foto_Georg Buxhofer


Walter Pobaschnig _ 3.1.2023

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„Dass es eine offenere Welt sein wird“ Melanie Stocker, Designerin _ Kennelbach/Vorarlberg 24.1.2023

Liebe Melanie, wie sieht dein Tagesablauf aus?

Ich bin ein Morgenmensch. Ich muss also abends auch früh ins Bett, damit ich mich am Morgen gut aushalten kann. Es folgt ein typischer Familien-Morgen bis 8 Uhr, und dann Rückzug in mein Kämmerlein zur Arbeit.

Früher suchte ich kreative Impulse immer im Außen. Auf Reisen oder Ausstellung. Städtetrips oder Magazinen. Durch die Pandemie musste ich umdenken. Jetzt suche ich in meinem Inneren und versuche die Essenz des neuen Produktes aufzuspüren. In dieser Arbeit kann ich mich ganz verlieren. Zum Ausgleich brauche ich Bewegung und frische Luft. Ich treffe mich also regelmäßig mit meiner Katze auf der Terrasse. Da versuche ich dann zu atmen. Oder streichele halt eben die Katze.

Neben der Arbeit brauche ich regelmäßig Sport. Nichts löst Probleme so schnell wie ein erhöhter Puls, der in den Ohren rauscht und das Denken in immer wiederkehrender Schleife verhindert. Laufen und Gewichtheben versuche ich mindestens jeden zweiten Tag einzubauen. Es gibt auch aufregendere Tage – aber auch Tage, an denen wirklich nichts Nennenswertes passiert. Auch schön.

Melanie Stocker – Hendl, Designerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Beziehungen. Wir sollten uns wieder alle mehr an unseren Beziehungen festhalten. Liebe, Freundschaften, Zuneigung, Familie … Das ist es, was der Mensch braucht, um glücklich zu sein. Diese Konzentration weg vom egoistischen „Ich“ und hin zum gemeinschaftlichen „Wir“ wird uns auch als Gesellschaft heilen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Viel zu lange hat man sich verkrusteten, gemeinschaftlichen Regeln hingegeben, die einfach jedem übergestülpt wurden. Das funktioniert jetzt aber nicht mehr. Das Individuum und die gesellschaftliche Vielschichtigkeit schält sich gerade mühsam aus ihrem Ei. Wir stehen an einer Schwelle, an der wir entscheiden müssen, ob wir uns als Person, aber auch in der Masse neu erfinden können. Die Welt wird sich ändern. Als Optimistin bin ich – trotz der momentanen weltlichen Lage – davon überzeugt, dass es eine offenere Welt sein wird. Vielleicht spielen materielle Dinge, zwangsläufig, nicht mehr so eine große Rolle. Vielleicht wird es anstrengend, weil sich jeder erst einmal selber definieren muss und ein Mitlaufen in der Masse nicht mehr so einfach möglich ist. Und welche Rolle dabei die Kunst innehat? Sie muss natürlich die Möglichkeiten aufzeigen. Sie muss mit all ihren zur Verfügung stehenden Mitteln zeigen, wie das geht: Individuum sein. Das ist ja nicht einfach.

Was liest du zurzeit?

Immer wenn ich ein für mich uninteressantes Buch lese, beginne ich parallel mit einem zweiten, oder gleich mit einem dritten. Ich habe mir selbst auferlegt, dass ich alle Bücher, die ich beginne, auch zu Ende lese. Dann langweile ich mich halt an drei Büchern gleichzeitig. Das letzte Buch, das mich nicht gelangweilt hat, war „Miroloi“ von Karen Köhler. Das war gut und zeigt, wie verrückt die gesellschaftlichen Ordnungen von außen betrachtet sein können. Man möchte gerne urteilen, und merkt aber leider, dass man ja im selben Glashaus sitzt.

Welches Zitat möchtest du gerne mitgeben?

Ich setzte meinen Fuß in die Luft, / und sie trug. Von Hilde Domin – denn Mut und Tatendrang wird immer belohnt. Zumindest mit dem Gefühl von bewusst gelebtem Leben.

Melanie Stocker – Hendl, Designerin

Vielen Dank für das Interview liebe Melanie, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Design,- Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Melanie Stocker – Hendl, Designerin

https://deepwhiteblack.com/nachhaltige-mode/

Fotos_A.Lamprecht

15.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gäbe es“ Renate Pittroff, Regisseurin _ Give Peace A Chance _ Wien 23.1.2023

GIVE PEACE A CHANCE

Gäbe es

  In der

  Vergesslichen welt

  Einen

   Platz,

  Einen ort,

  An dem

eChtes

  Erinnern

 An die

              sChrecken und

verbrecHen

         dAnn

      kanN ein

       weChsel

  gelingEn


Renate Pittroff , 28.12.2022

Renate Pittroff, Regisseurin, Medienkünstlerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Renate Pittroff, Regisseurin, Medienkünstlerin

wechselstrom, christoph theiler, renate pittroff (wechsel-strom.net)

Foto_Christoph Theiler

Walter Pobaschnig _ 28.12.2022.

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„ob die Gesellschaft sich in Zukunft Kunst leisten will“ Peter Hudler, Cellist _ Wien 23.1.2023

Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich teile den Tag in Übezeit, Admin-Zeit und Freizeit ein und versuche immer auch Zeit für mich zu finden, für Joggen, Qi Gong etc. Außer es gibt Proben und Konzerte dann ist alles sehr flexibel.

Peter Hudler, Cellist

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Auf sich selbst besonders gut aufpassen, um mit den diversen Krisen gut umgehen zu können und „Ruhe zu bewahren“. Dann kann man auch ein bisschen auf die Anderen aufpassen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Die Musik und die Kunst werden mit Sicherheit eine große Rolle spielen, weil die Menschen immer den Spiegel der Kunst benötigen, um sich ihrer Gefühle und Emotionen bewusst zu werden und sich mit ihrem Inneren zu verbinden, das wird noch viel wichtiger werden in Zukunft. Die Frage ist, ob die Gesellschaft in Zukunft glauben wird, sich das leisten zu wollen. Ich hoffe natürlich schon.

Was liest Du derzeit?

Ein Buch von Sarah Bakewell über Michel de Montaigne. Und ein kleines

Büchlein von John Cleese über Kreativität.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die Zukunft unserer Welt wird allen Völkern gemeinsam sein – oder sie wird sich als eine sehr unwirtliche Zukunft erweisen. (L. Bernstein)

Vielen Dank für das Interview lieber Peter, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Peter Hudler, Cellist

Zur Person_

Peter Hudler, geboren 1980 bei Wien, studierte am Konservatorium Wien und am Mozarteum Salzburg, wo er Bachelor sowie Master im Konzertfach Violoncello mit Auszeichnung abschloß. Er nahm an Meisterklassen ua. am IMS Prussia Cove und an der Accademia Chigiana Siena bei Enrico Dindo, Antonio Meneses, Enrico Bronzi, Thorleif Thedeen, Pieter Wispelwey und anderen teil. Als Kammermusiker hat er unter anderem von Thomas Riebl und Rainer Schmidt wichtige Impulse bekommen.

Peter Hudler lebt als freischaffender Musiker in Wien. Er ist in verschiedenen Ensembles und Gruppierungen tätig und scheut dabei auch nicht vor Ausflügen in andere Genres und stilistischen Experimenten zurück. Sein Cross Over Soloprogramm, das das Cello in seiner gesamten Bandbreite an stilistischen Möglichkeiten auslotet, ist auch international erfolgreich und wurde mehrfach prominent auf Ö1 vorgestellt. Mit dem Duo Schrammelbach tritt er auch als Arrangeur, Sänger und Lieder-Komponist in Erscheinung. Die Solo-CD Cello On Fire erscheint 2022 bei Gramola Wien. Peter Hudler ist seit 2019 künstlerischer Leiter der Konzertserie Cello Expansion in Wien, in der er in hochklassigen Kammermusik-Konzerten mit renommierten Gästen (ua. Paul Gulda, Christoph Meier, Thomas Riebl, Stefan Mendl), Cross Over Projekten (ua. Schrammelbach) und innovativen Soloprogrammen rund ums Violoncello auftritt. (www.celloexpansion.com,) Er hat Erfahrung als Pädagoge ua. an der Wiener Musikakademie und als Gast der Barenboim/Said Foundation, hat in zahlreichen Orchester-Projekten ua. bei der Camerata Salzburg, bei den Tonkünstlern Niederösterreich und beim Mozarteum Orchester Salzburg mitgewirkt und war als Solocellist in Norwegen beim Northern Opera and Symphony Orchestra und in Dänemark bei den Danish Chamber Players engagiert. Mehr Informationen: www.peterhudler.com

Foto_Julia Wesely

11.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Literatur Fotonovel_“Ich rufe wieder alle Spielgefährten aus meiner Kindheit“ _50.Todesjahr Christine Lavant _ acting Yvonne Brandstetter, Schauspielerin _ Wien 22.1.2023

Yvonne Brandstetter, Schauspielerin _ Wien _ acting
Fotonovel _ „Ich rufe wieder alle Spielgefährten“

Christine Lavant, Schriftstellerin (1915 – 1973)



Ich rufe wieder alle Spielgefährten

aus meiner Kindheit, die so einsam war



In meinem Herzen sind sie wunderbar

und stark wie einst; sie sind die unverjährten

Trostgründe gegen alle Trauer.



Die Apfelbäume vor der alten Mauer,

ein Dornenbusch mit vielen roten Beeren

am sanften Hügel, den die schweren

Schatten der Linden schützend überfluten.



Ein schmaler Bach mit roten Weidenruten,

Taubnesselblüten, die man ausgesogen,

weil sie so voll mit süßem Honig waren;




seltsame Falter haben sie umflogen;

in ihrem scheuen lockenden Gebaren

glichen sie irgendeinem Zauberding:

Man hätte sie so gerne sanft erlöst.

Doch wenn man sie mit zarten Fingern fing,

ward einem stets ein Fürchten eingeflößt,

und man entließ sie traurig in die Ferne.





Ach, kommt doch wieder, Falter, Blumen, Sterne!



Bringt meiner Kindheit milde Einsamkeit

in meine abgebrauchten Stunden,

darin ich keine andre Frucht gefunden

als äußerste Verlassenheit.



Yvonne Brandstetter, Schauspielerin _ Wien _ acting
Fotonovel _ „Ich rufe wieder alle Spielgefährten“

Christine Lavant, Schriftstellerin (1915 – 1973)

Literatur im Bild_Fotonovel

Ich rufe wieder alle Spielgefährten _ Christine Lavant

Band „Die unvollendete Liebe“

Ich rufe wieder alle Spielgefährten

aus meiner Kindheit, die so einsam war.

In meinem Herzen sind sie wunderbar

und stark wie einst; sie sind die unverjährten

Trostgründe gegen alle Trauer.

Die Apfelbäume vor der alten Mauer,

ein Dornenbusch mit vielen roten Beeren

am sanften Hügel, den die schweren

Schatten der Linden schützend überfluten.

Ein schmaler Bach mit roten Weidenruten,

Taubnesselblüten, die man ausgesogen,

weil sie so voll mit süßem Honig waren;

seltsame Falter haben sie umflogen;

in ihrem scheuen lockenden Gebaren

glichen sie irgendeinem Zauberding:

Man hätte sie so gerne sanft erlöst.

Doch wenn man sie mit zarten Fingern fing,

ward einem stets ein Fürchten eingeflößt,

und man entließ sie traurig in die Ferne.

Ach, kommt doch wieder, Falter, Blumen, Sterne!

Bringt meiner Kindheit milde Einsamkeit

in meine abgebrauchten Stunden,

darin ich keine andre Frucht gefunden

als äußerste Verlassenheit.

Yvonne Brandstetter, Schauspielerin _ Wien _ acting
„Ich rufe wieder alle Spielgefährten“
Christine Lavant _

50.Todesjahr_Christine Lavant _ Schriftstellerin (1915 – 1973)

Idee _ Walter Pobaschnig

Inszenierung/Regie _ Yvonne Brandstetter/Walter Pobaschnig

Kostüm/Style_Yvonne Brandstetter

Alle Fotos _ Walter Pobaschnig

Herzlichen Dank an das Mercure Grand Hotel Biedermeier Wien für die freundliche Kooperation!

Walter Pobaschnig 1_2023

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„Tanz ist immer ein Aufbruch“ Silke Grabinger, Choreografin & Performerin _ Linz 22.1.2022

Liebe Silke, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Immer unterschiedlich. Es kommt darauf an, ob ich konzeptioniere. Es ein Proben- oder ein Meetingtag ist.

Silke Grabinger, Choreografin & Performerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Eigentlich immer noch das gleiche wie vorher. Sich selbst treu zu sein.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz/Theater, der Kunst an sich zu?

Der Tanz oder die Performance ist immer ein Aufbruch. Da es meistens eine autiobiografische Komponente hat bzw. immer eine neue Stückentwicklung ist, die sich vorwiegend nicht an literarischen Texten orientiert. Das Adaptieren per sie und dem Universum ins Auge zu blicken, bleibt.

Was liest Du derzeit?

Ich lese vieles gleichzeitig aufgrund von Recherche. Partitur von Anton Bruckner 9te Symphonie liegt am Nächsten.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Der Mensch hat überall und immerzu eine Würde. So vermag man es aus rechtlichen und politischen Grundsatzerklärungen unserer Zeit vernehmen. Unantastbar ist sie, nichts für sie eintauschbar und damit hat der Mensch selbst einen absoluten Wert. Die Reaktion der Kritik darauf ist die des Neins, „So ist es nicht!“, weder hat er sie an allen Orten der Welt, noch hatte er sie zu allen Zeiten. Das Fortleben alter Übel, die Sklaverei, der Krieg, die Ungleichheit der Geschlechter und Nationen sowie das Aufkommen neuer Nöte, das Verlustig-Gehen bisherigen Lebensraums, die Ausbeutung von Crowd- und Clickwork, kurz all die Menschenrechtsverletzungen weisen solche Feststellungen in ihre Grenzen. Doch damit wechselt die kritische Entgegnung nicht die Seiten, schlägt sich nicht auf die der auch aufgrund ihrer Härte rechthaberischen Realität. Ihren verneinenden Ausspruch mit dem in den Sätzen über die Menschenwürde liegenden Anspruch verknüpfend reformuliert sie ihren Einspruch: „Würde die Menschheit ganzheitlich in befreiter Form leben, so würde der Mensch überall und im Immerzu der Zukunft eine Würde haben.“ Dieses „würde“ öffnet innerhalb der Welt den Raum einer anderen Welt; beide sind zwar nicht identisch, sollten es in der Absicht der Kritik jedoch sein.

Der zum Hilfszeitwort geronnene Konjunktiv steht aber zur Würde in keinem derart äußerlichen Verhältnis, wie dies zunächst erscheinen mag. Seit der Renaissance liegt ein Menschenbild vor, das nicht bloß sagt, der Mensch ist dies oder jenes Bestimmte, das ist seine Natur, sondern vielmehr darauf verweist, der Mensch sei derjenige, der sagen kann „Ich würde X“ und ausgehend von diesem kreativen Akt die Möglichkeit hat, diese Äußerung über ein hoffnungsvolles „Ich werde … sein“ zu einem tatsächlichen „Ich bin X“ zu verwandeln – das ist seine Natur, freie Kultur zu schaffen. Und gerade in dieser offenen Bestimmung des Menschen als Wesen der Freiheit – sei sie kreativ oder moralisch gedacht –, wurde seine Besonderheit gesehen; die Würde des Menschen liegt dieser Vorstellung zufolge in seiner Fähigkeit, zu sich selbst und zur Welt „Ich würde …“ sagen zu können.

Gemahnte die Kritik an der Welt ein, Würde sei nicht so universell, wie sie sein sollte, so folgt aus deren Bestimmung wiederum, dass das „Ich würde …“ nicht in seiner gewünschten Umfassendheit gewährleistet ist. Dass es tendenziell im Gedanken verleibt und nicht ins Handeln eingehen kann, ist Ausdruck dessen. Von beiden Richtungen gilt es diesem Umstand entgegenzuwirken, mit der Intensivierung individueller, kreativer Akte sowie der gesellschaftlichen Verstärkung des würdevollen Behandelns der Einzelnen, das Achten der Würde überhaupt erst ermöglichend. Stimmte dadurch die Lebens- und Gesellschaftsform des Menschen mit dem klassischen, inhaltlichen Grund des Zuspruchs von Würde einmal schließlich überein, wäre die (selbst)schöpferische Freiheit aller Einzelnen zugleich die Freiheit der Gesellschaft, so würde die Würde wahrhaft wirklich. Sie würdelose Würde und zugleich Anbruch der wahren Zeit des würdevollen Ich würde im allgemeinen, dann indikativischen, Wir würden.

 (Ludwig Felhofer nach einem Konzept von Silke Grabinger 2023 Würde)

Vielen Dank für das Interview liebe Silke, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Tanz-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Silke Grabinger, Choreografin & Performerin

https://silk.at/silk/silke-grabinger/

Foto_Meinrad Hofer

2.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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