„Dass es eine offenere Welt sein wird“ Melanie Stocker, Designerin _ Kennelbach/Vorarlberg 24.1.2023

Liebe Melanie, wie sieht dein Tagesablauf aus?

Ich bin ein Morgenmensch. Ich muss also abends auch früh ins Bett, damit ich mich am Morgen gut aushalten kann. Es folgt ein typischer Familien-Morgen bis 8 Uhr, und dann Rückzug in mein Kämmerlein zur Arbeit.

Früher suchte ich kreative Impulse immer im Außen. Auf Reisen oder Ausstellung. Städtetrips oder Magazinen. Durch die Pandemie musste ich umdenken. Jetzt suche ich in meinem Inneren und versuche die Essenz des neuen Produktes aufzuspüren. In dieser Arbeit kann ich mich ganz verlieren. Zum Ausgleich brauche ich Bewegung und frische Luft. Ich treffe mich also regelmäßig mit meiner Katze auf der Terrasse. Da versuche ich dann zu atmen. Oder streichele halt eben die Katze.

Neben der Arbeit brauche ich regelmäßig Sport. Nichts löst Probleme so schnell wie ein erhöhter Puls, der in den Ohren rauscht und das Denken in immer wiederkehrender Schleife verhindert. Laufen und Gewichtheben versuche ich mindestens jeden zweiten Tag einzubauen. Es gibt auch aufregendere Tage – aber auch Tage, an denen wirklich nichts Nennenswertes passiert. Auch schön.

Melanie Stocker – Hendl, Designerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Beziehungen. Wir sollten uns wieder alle mehr an unseren Beziehungen festhalten. Liebe, Freundschaften, Zuneigung, Familie … Das ist es, was der Mensch braucht, um glücklich zu sein. Diese Konzentration weg vom egoistischen „Ich“ und hin zum gemeinschaftlichen „Wir“ wird uns auch als Gesellschaft heilen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Viel zu lange hat man sich verkrusteten, gemeinschaftlichen Regeln hingegeben, die einfach jedem übergestülpt wurden. Das funktioniert jetzt aber nicht mehr. Das Individuum und die gesellschaftliche Vielschichtigkeit schält sich gerade mühsam aus ihrem Ei. Wir stehen an einer Schwelle, an der wir entscheiden müssen, ob wir uns als Person, aber auch in der Masse neu erfinden können. Die Welt wird sich ändern. Als Optimistin bin ich – trotz der momentanen weltlichen Lage – davon überzeugt, dass es eine offenere Welt sein wird. Vielleicht spielen materielle Dinge, zwangsläufig, nicht mehr so eine große Rolle. Vielleicht wird es anstrengend, weil sich jeder erst einmal selber definieren muss und ein Mitlaufen in der Masse nicht mehr so einfach möglich ist. Und welche Rolle dabei die Kunst innehat? Sie muss natürlich die Möglichkeiten aufzeigen. Sie muss mit all ihren zur Verfügung stehenden Mitteln zeigen, wie das geht: Individuum sein. Das ist ja nicht einfach.

Was liest du zurzeit?

Immer wenn ich ein für mich uninteressantes Buch lese, beginne ich parallel mit einem zweiten, oder gleich mit einem dritten. Ich habe mir selbst auferlegt, dass ich alle Bücher, die ich beginne, auch zu Ende lese. Dann langweile ich mich halt an drei Büchern gleichzeitig. Das letzte Buch, das mich nicht gelangweilt hat, war „Miroloi“ von Karen Köhler. Das war gut und zeigt, wie verrückt die gesellschaftlichen Ordnungen von außen betrachtet sein können. Man möchte gerne urteilen, und merkt aber leider, dass man ja im selben Glashaus sitzt.

Welches Zitat möchtest du gerne mitgeben?

Ich setzte meinen Fuß in die Luft, / und sie trug. Von Hilde Domin – denn Mut und Tatendrang wird immer belohnt. Zumindest mit dem Gefühl von bewusst gelebtem Leben.

Melanie Stocker – Hendl, Designerin

Vielen Dank für das Interview liebe Melanie, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Design,- Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Melanie Stocker – Hendl, Designerin

https://deepwhiteblack.com/nachhaltige-mode/

Fotos_A.Lamprecht

15.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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