„Und Füße waschen nicht vergessen!“ Manfred Rebhandl, Schriftsteller, Wien 12.5.2020

Wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen gegen Mittag, Körperpflege, danach Hände waschen, danach Pfui Filme schauen, ein paar Dick Pics verschicken (danach Körperpflege), kleine Runde im Hof um die Mülltonnen herum, mit der Nachbarin ratschn (wer wen bei was gesehen hat) anschließend SauerteigbrotBackung vorbereiten, dabei Geschmischter Satz trinken, ev. noch ein paar Pfui-Filme anschauen (vor allem Ärztinnen und Krankenschwesternfilme, da kann man was lernen: „Warum steht hier eigentlich ein Intensivbeatmungsgerät herum?“)

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Jetzt ist für uns alle besonders wichtig, dass wir einen Heuschnupfen nicht auch noch kriegen! Und Füße waschen nicht vergessen!

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur zu?

Bei einem Neuaufbruch muss die Literatur natürlich besonders gute Anfangssätze liefern, sonst wird das alles nichts.

 

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Was liest Du derzeit?

Donald Duck TB 19 „Das falsche Gold“. Da muss ich immer an die neue ÖVP denken und den Dr. Sebastian Kurz, den falschen Fuffzger. Dann lese ich wieder mal die Bibel, aber von hinten nach vorne, mal schauen, was am Ersten Tag passiert, bin gespannt. Und natürlich lese ich den ganzen Franzobel, der ist immer mein Betthupferl. Auch natürlich, weil er so gut ausschaut, ein wirklich fescher Schriftsteller. Und so sympathisch!

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Es wird schon wieder wern, sogt die Frau Kern, weil bei der Frau Horn is` a wieder worn

 

Vielen Dank für das Interview lieber Manfred und weiterhin viel Erfolg für Deine  großartigen Romane und vielfältigen Autorenprojekte!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Manfred Rebhandel, Schriftsteller, Reporter

 

Weitere Informationen zu Büchern des Autors: 

https://www.haymonverlag.at/autoren/manfred-rebhandl/

 

27.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://lteraturoutdoors.com

Foto_Manfred Rebhandl

 

 

„Geschichten kräftigen unser Immunsystem“ Marlen Schachinger, Schriftstellerin, Wien 11.5.2020

Liebe Marlen, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Unvorhersehbar, noch enger getaktet denn je zuvor und an den Tagesrändern ausufernder, da mir ein Solidaritäts-Projekt von und für Autorinnen besonders am Herzen liegt: »Arbeit statt Almosen« auf Startnext (https://www.startnext.com/fragmente). Gemeinsam mit Robert Gampus (buchsucht.at) startete ich diese Buchidee, zu der wir 19 weitere Autorinnen einluden. Eine Crowdfunding-Kampagne initiiert für unsere Leser*innen, die sich»Fragmente: Die Zeit danach« vorbestellen können, ein Buch, welches es ohne sie nicht gäbe, und das vor allem eines nicht will: jammern. Covid-19 und Corona sind darin kein Thema – wir haben sie mit entschiedenem Auftrittsverbot belegt! Uns geht es vielmehr um das Danach, welches jedweder Krise folgt, in die wir doch alle fortwährend und unser Leben lang stolpern: Was lernen wir daraus? Wie lässt sich dieser Bestandteil unseres Menschseins erzählen? Welche Kraft schlummert auch darin und wie erwecken wir sie literarisch zum Leben?

Marlen Schachinger
Marlen Schachinger, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Gelassenheit und Achtsamkeit im Umgang miteinander, Tatkraft und Elan füreinander. Es sind Kleinigkeiten, die entscheiden, ob wir gut durch diese Zeit kommen, die winzigen Gesten, die Aufmerksamkeit und Zuwendung bedeuten, damit wir alle nicht in Erstarrung verharren, im So-ist-es, sondern uns fragen: Was kann ich jetzt für ein Danach tun? Nennen wir es Hoffnungsschimmer, nennen wir es einen kreativen Umgang mit dem Seienden, das wir nicht ändern können. Ich denke dieser Tage oft an Boccaccios »Decamerone«: Wer konnte, floh vor der Pest aufs Land, wo man zuerst in Langeweile und Elend versumpfte, bis man auf die Idee kam, anderes in die Mitte des Denkens zu stellen und einander Geschichten zu erzählen, schaurige, spannende, unterhaltsame und pikante, absurde und witzige – allesamt rund um weitere unerhörte Begebenheiten arrangiert. Wie auch der Schwarze Tod eine war. Ein stilbildendes Werk, das zeigt, wozu Krisen führen können, wie Geschichten unser Immunsystem kräftigen und wie daraus in weiterer Folge etwas gänzlich Neues entstehen kann.

Es wird jetzt ein Neubeginn sein, vor dem wir gesellschaftlich und persönlich stehen werden. Was wird dabei wesentlich sein?

Man hat immer die Wahl an das Gute oder an das Schlechte zu glauben; ich ziehe ersteres vor, denn zweites raubt viel zu viel Kraft! Eine idealistische Optimistin zu sein, muss aber keineswegs Naivität im Gepäck führen; unser bisheriges Wirtschaftskonzept scheint uns nicht mehr ganz so siegreich, unser gesellschaftliches System ist eindeutig problematisch und von Werten haben wir jahrelang nur noch am Rande etwas vernommen. Gegenwärtig erleben wir auf einer breiteren gesellschaftlichen Ebene relevante Infragestellungen, sie beginnen bereits zu einer Entwicklung beizutragen, und das ist sehr gut so. Wesentlich sind immer die Weichen, die wir im Heute für ein Morgen stellen, danach ist es zu spät. Wie bringen wir uns ein oder wagen wir es aus Mattigkeit, Feigheit, Desinteresse, Ohnmachtsgefühlen nicht? Leben heißt in meinen Augen aber Verantwortung zu übernehmen, für unsere Kinder und Kindeskinder, ihnen eine bessere Welt zu hinterlassen, als diejenige, in die wir geboren wurden – im Kleinen wie im Großen.

Was liest Du derzeit?

Ich habe gerade Olga Tokarczuks »Der liebevolle Erzähler« abgeschlossen, lese in den Romantiker*innen, die ich in düsterer Zeit immer sehr bereichernd empfinde; und Maria Lazar »Leben verboten«, eine grandiose österreichische Autorin, die in den 1920er- und 30-er Jahren schrieb, alsdann ausgemerzt und vergessen wurde, bis Albert Eibl sie in seinem Verlag »Das vergessene Buch« wiederauflegte. Eine spannende Wiederentdeckung einer expressionistischen Literatin und großen Österreicherin, der ich ein fulminantes Echo wünsche!

Welches Zitat, welchen literarischen Impuls möchtest Du uns mitgeben?

Dieser Tage wurde ich zu meiner Namensgeberin befragt, Marlen Haushofer, da die Kollegin am 11. April ihren 100. Geburtstag feiern hätte können, hätte der Krebs sie nicht 1970 – mit gerade mal 50 – zum Sterben verurteilt, deshalb sei das Schlusswort hier ihr gewidmet. Ihr literarisches Vermächtnis lautet bekanntlich »Mach dir keine Sorgen«. Jener knappe Text kennt wohl so viele Auslegungen, wie es Kommentator*innen dazu gibt. Mir ist er vor allem tröstlich, weil er implizit aussagt, wie menschlich Scheitern ist. Es geht im Leben nicht darum, Scheitern zu meiden, sondern vielmehr, Leben zu versuchen: Mit Elan, Charme und jeder Menge Humor.

Vielen Dank für das Interview liebe Marlen, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Marlen Schachinger, Schriftstellerin

Aktuelles Buch: „Kosovarische Korrekturen“ Promedia 2019

https://www.marlen-schachinger.com/

 

28.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Ja, das Biest will fressen“ Angelika Stallhofer, Schriftstellerin, Wien _ 10.5.2020

Liebe Angelika, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Am 17. März habe ich mit dem „SONNENKRANZ.“ begonnen. Unter diesem Titel schreibe ich jeden Tag einige Zeilen. Es sind Verdichtungen, knappe Notizen. Die Idee dazu kam spontan. Es war ein starker Impuls, dem ich gefolgt bin. In der ersten Notiz schrieb ich: „Ich bin nervöser als sonst, mir fällt das Wort aus der Hand, rollt unter den Tisch. Ich suche im Staub noch nach dem Wort von gestern.“ Mittlerweile bin ich sehr ruhig. Das überrascht mich, ich staune über mich: Wie gefasst ich geworden bin. Wie rasch man sich an das Unfassbare gewöhnt.

Und kein Schatten ohne Licht. Auch wenn die Situation beunruhigend ist, das Schreiben fällt mir gegenwärtig leichter als sonst. Die Zeit der Quarantäne erinnert mich an die Ruhe zwischen Weihnachten und Silvester. Ich kann gut arbeiten, wenn die Welt ein wenig inne hält. Die “SONNENKRANZ.“-Notizen nehme ich einmal in der Woche auf und stelle sie ins Kulturforum von Ö1. Diese Regelmäßigkeit ist wohltuend. Auch andere kleine Rituale und Wiederholungen wie Spaziergänge.

Außerdem arbeite ich an meinem nächsten Roman und gerade an einem langen Prosagedicht für das Buch „Fragmente – Die Zeit danach“. Marlen Schachinger und Robert Gampus haben mich und 18 weitere Autorinnen zu diesem Projekt eingeladen. Wir möchten das Buch via Crowdfunding finanzieren und hoffen auf die Solidarität unserer Leser*innen. Wer uns bis 15. Mai mit 25 Euro unterstützt, erhält im Herbst das gedruckte Buch.

 

Angelika Stallhofer _ www.detailsinn.st

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Nähe zueinander trotz der räumlichen Distanz nicht zu verlieren. Aber das sind ohnehin zwei Paar Schuhe. Nähe hat viele Gesichter, Entfernung muss dabei keine so große Rolle spielen.

An dem Tag, als Orbán das Parlament entmachtete, notierte ich: “Das Virus sperrt den Rachen auf und wir werfen die Freiheit hinein.“ Auch unsere Freiheit, zu denken, wachsam zu sein, zu kritisieren. Ja, das Biest will fressen. Doch es darf nicht sein, dass wir ihm wahllos alles servieren.

Ich neige nicht zum Pessimismus, trotzdem fürchte ich, wir werden nach der Krise die gewohnten Muster wiederholen. Wir werden konsumieren und die kapitalistischen Rädchen werden schneller greifen beim Versuch, das nun Versäumte zu kompensieren. Die Natur wird wieder den Kürzeren ziehen.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur zu?

Die Literatur ist, wo sie aufrichtig ist, immer neu. Sie kann gar nicht anders. Und gewöhnlich berührt sie Menschen auf diese Art. Sie ist ein berühmter Spiegel. Das Spiegelbild kann Bestärkung bringen, Zweifel, Anregung, Trost. Ob man in diesen Spiegel hinein schauen will, muss jede/r selbst entscheiden. Aber es gibt ihn. Und er ist mindestens so notwendig wie schön.

 

Was liest Du derzeit?

Gertraud Klemm: Hippocampus. Michael Stavarič: Fremdes Licht. Und Paul Auer: Fallen.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich sehe geträumte Landschaften so deutlich wie wirkliche. Beschäftige ich mich mit meinen Träumen, beschäftige ich mich mit etwas Wirklichem. Sehe ich das Leben vergehen, so träume ich etwas.“

(Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe)

 

Vielen Dank für das Interview liebe Angelika, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Angelika Stallhofer, Schriftstellerin

Aktueller Roman: „Adrian oder: Die unzählbaren Dinge“ Kremayr-Scheriau Verlag, 2018

https://www.kremayr-scheriau.at/autoren/angelika-stallhofer/

 

Der „SONNENKRANZ.“ auf Ö1
https://oe1.orf.at/ugcsubmission/view/5a4e8035-ded7-4a16-821a-e35ee2711f11/SONNENKRANZ-Maerz-2020

Das Crowdfunding-Buch „Fragmente“/Arbeit statt Almosen
https://www.startnext.com/fragmente

 

28.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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„Kunst schaffen, die nachhaltig und positiv verändert“ Ernst Kurt Weigel_Schauspieler, Regisseur, Theaterdirektor, Wien 9.5.2020

Lieber Ernst, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ausschlafen (dauert bei mir bis etwa 7.30) – Frühstück – Joggen – Duschen- Frühstücken – Konzepte für Stücke/Konzepte für Produktionen/Konzepte für die Bühnenkunst im Allgemeinen und Speziellen/Konzepte für meine künstlerische Zukunft überdenken, bearbeiten, ersinnen und niederschreiben oder Bücher lesen – mehrere koffeinfreie Kaffees und Telefonate dazwischen – Ins OFF fahren und schauen, ob alles passt, wahlweise Theaterdirektor spielen und als solcher arbeiten (nicht zu viel, weil Kurzarbeit) – Nachmittags: Raus an die frische Luft und denken – Einkaufen-Kochen-Essen – Abends: Lesen / Serienschauen – Schlafen (etwa 23Uhr)

Ernst Kurt Weigel

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nachdenken, ob wir unser Leben nach der Krise genauso weiterführen wollen, wie wir davor gelebt haben. Und regelmäßig Sex haben!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst zu?

Das Wesentliche ist das oben genannte besonders Wichtige! Die Rolle, die das Theater für mich immer hatte: zu zerstreuen, zu erbauen, nachdenklich zu machen, dort hinzeigen, wo keiner hinschauen will, Licht hinhalten, wo Schatten ist, Kunst schaffen, die alle Menschen nachhaltig und positiv verändert…

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Was liest Du derzeit?

Ui, viel zu viel, und das parallel: Biografien über Stalin, Semmelweis und Nina Hagen, „Und sie wurden zerstreut unter alle Völker“ (kulturhistorischer Wälzer über das Judentum vom Anfang bis heute), „Die Zeit“ Ausgaben von vor 4 Monaten, die Falter vom ganzen April, und eine Menge anderer… Hab nämlich die dumme Angewohnheit, sehr viele Bücher anzufangen, wegzulegen und nach Tagen, oft Wochen wieder aufzunehmen, weiter- oder fertiglesen und so weiter. Deshalb habe ich Büchern gegenüber permanent ein schlechtes Gewissen. Hab ich eines ausgelesen, behalte ich es jedoch nicht, sondern verschenke es sofort, damit es mich nicht so provokant anstarrt und flüstert: „Komm, mich kannst Du ruhig nochmal lesen!“

Welches Zitat aus Deinen aktuellen Theaterprojekten möchtest Du uns mitgeben?

„Die Österreicher sind vom Unglück Besessene“ T.Bernhard

Vielen Dank für das Interview lieber Ernst und weiterhin viel Erfolg mit dem wunderbaren Bernhard Ensemble und dem großartigen Off_Theater Wien!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Ernst Kurt Weigel, Schauspieler, Regisseur, Theaterdirektor

das.bernhard.ensemble

Programm

26.4..2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Szenenfoto_“Taxi Speiber“ Bernhard Ensemble_ 2017

 

„Nach Ende der Pandemie wird nicht alles besser werden, schon gar nicht von allein“ Petra Piuk, Schriftstellerin, 8.5.2020

Liebe Petra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

So gegen 4:00 Uhr aufstehen. Schreiben. Schreiben. Schreiben. Frühstücken zu Mittag. Mit meiner Familie telefonieren. Mit Freundinnen und Freunden telefonieren. Schreiben. Eine Runde um den Block gehen, ein bisschen Yoga, tanzen. Also alles fast wie immer. Ich telefoniere nur viel mehr als sonst.

 

Petra Piuk

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Mitmenschlichkeit. Solidarisches Miteinander. Den Mut nicht verlieren. Und: weiterhin Abstand halten. Das ist für Menschen, die wie ich im gemütlichen Home Office sitzen, leicht gesagt. Das ist unmöglich für die Menschen in den völlig überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln. Man kann es nicht oft genug sagen, laut schreien: Leave no one behind.

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kunst, Literatur kann gesellschaftliche Missstände aufzeigen. Der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Ganz genau hinsehen. Hinhören. Ich mag Literatur, die schonungslos ist. Die mutig ist. Neue Formen findet. Risiken eingeht. Die in offenen Wunden bohrt. Literatur darf wehtun. Und nach Ende der Pandemie wird nicht alles besser werden, schon gar nicht von allein, ich befürchte eher das Gegenteil. Die Krise trifft die ohnehin schon sozial benachteiligten Menschen besonders hart. Es braucht dringend soziale Gerechtigkeit.

 

Was liest Du derzeit?

Mein Las Vegas-Manuskript, das ich in ein paar Tagen abgeben soll. Zeitungen. Schulaufsätze. Auf meinem Nachttisch stapeln sich die Neuerscheinungen, ich glaube nach der Manuskriptabgabe werde ich wieder die Zeit finden Romane zu lesen, besonders freue ich mich auf den Debütroman von Leona Stahlmann.

 

Welchen literarischen Impuls möchtest Du uns mitgeben?

Jetzt kann ich erleben, wer ich wirklich bin.
Lütfiye Güzel, dreh-buch

 

Vielen Dank für das Interview liebe Petra, viel Freude und Erfolg für Dein kommendes Buchprojekt und weiterhin für Deinen großartigen aktuellen Roman „Toni&Moni“ und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Petra Piuk, Schriftstellerin, 

Aktueller Roman: „Toni und Moni“ Kremayr&Scheriau Verlag 2017.

Taschenbuchausgabe „Toni&Moni“ Verlag Kein&Aber 2019

Petra Piuk

 

25.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Hegel – der Philosoph der Freiheit“ Biographie, Klaus Vieweg. Beck Verlag

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Es ist eine Zeitenwende, in welche der älteste Sohn des Finanzkammersekretärs Ludwig Hegel und dessen Frau Maria Magdalene Louisa Hegel (geb.Fromm) vor 250 Jahren in Stuttgart geboren wird. Der Mensch greift nach den Möglichkeiten des Denkens und der Vernunft. Das neue Selbstbewusstsein zeigt sich in Bildungseinrichtungen wie gesellschaftlichen Ideen und Bewegungen. Schließlich wird die Revolution in Frankreich zum Brennpunkt und Ausgangspunkt eines neuen Verständnisses von Mensch, Lebenswelt und Freiheit für Europa und die Welt. Und der junge Student, Hauslehrer und spätere Universitätsprofessor Georg Wilhelm Friedrich Hegel nimmt Zeit und Gesellschaft, Moral und Sinn, Denken und Zukunft interessiert wie kritisch auf und entwickelt ein System, das zum bahnbrechenden Impuls und Modell modernen Denkens bis in die Gegenwart wird…

Klaus Vieweg, Professor für klassische deutsche Philosophie an der Friedrich- Schiller-Universität Jena und bedeutender Hegel Experte legt nun zum 250.Geburtstag des „Philosophen der Freiheit“ eine umfassende Biographie vor, die seine Lebens- wie Denkwege in Zeit und Gesellschaft öffnet, darstellt und erläutert.

In neun Überblickskapitel wird von der Kindheit und Jugend in der „lieben Vaterstadt“, den Studienjahren in Jena, der Hauslehrerzeit in Bern, den journalistischen Jahren wie den akademischen Stationen und der Entwicklung der „Philosophie des Geistes“ bis zu letzten philosophischen Projekten das Werk Hegels in den Kontext der Lebensstationen gesetzt und so anschaulich lebendig erklärt und vermittelt. Der Autor versteht es umfassende philosophische Denkmodelle kompakt zu erläutern und so Neugierde und Reflexion zu wecken. Das ist eine besondere Leistung und zeichnet diese Biografie in hervorragender Lesbarkeit aus.

 

„Das Leben und Denken eines Philosophen als bahnbrechendes Sinnmodell fulminant dargestellt“

Walter Pobaschnig 4_20

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„Die menschliche Welt war auch vor der Pandemie eine ungerechte. Man kann immer was ändern.“ Yulia Izmaylova, Schauspielerin, Theaterdirektorin, Klagenfurt 7.5.2020.

Liebe Yulia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich genieße das Zusammensein mit meiner Familie und vermisse mein Publikum. Arbeiten tue ich nach wie vor. Ich bereite eine Lesung mit Texten von Engelbert Obernosterer vor; organisiere die postale Ausstellung „Sie haben Post/dobili ste pošto – Kunstwerke von Branka Jovanović mit Hauszustellung (ab 1.Mai 2020); in Kooperation mit dem UNIKUM entsteht ein online Projekt „FLASCHEN:POST – Nachrichten aus dem Packeis“, der Film „2020 – a Grace Odyssey“ ist in Arbeit, sowie eine neue Folge der Theater-Serie „Sternen Dreck / stari drek“ .

Yulia Izmaylova _ Foto_Leopold Fuchs

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das mit „für uns alle“ ist schwierig… Meinst Du EuropäerInnen? Die Menschheit? Alle Lebewesen? Die menschliche Welt war auch vor der Pandemie eine ungerechte. Man kann immer was ändern. Ein konkreter Schritt in Österreich wäre eine Steuerreform.

 Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst zu?

Für mich ist das kein Neubeginn. Ich werde weiterhin nach neuen künstlerischen Formen suchen. Ich werde Menschen für ihre Umwelt sensibilisieren. Ich werde die Demokratisierung des Theaters vorantreiben. Und ich werde eine klassenlose Gesellschaft propagieren.

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer mehrere Bücher parallel.

Robert Walser „Der Spaziergänger“ auf Russisch.

Bohumil Hrabal „Wie ich den englischen König bediente“ auf Russisch.

Edward Bernays „Propaganda“ auf Deutsch.

Valerian Albanow „Im Reich des weißen Todes“ auf Deutsch und auf Russisch:)

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Computer: „Der Mensch ist ein großartig astigmatisches Geschöpf. Es heißt, seine Stärke liege in der Fähigkeit des empathischen Empfindens und in seinem „Instinkt des Guten“. Aber wie sieht das sogenannte Mitgefühl in der Praxis aus? Sie empfinden Mitleid für das Opfer eines Unfalls und helfen ihm. Wenn Sie jedoch vor zehn tausend Opfern gleichzeitig stehen, können Sie nicht alle mit Ihrem Mitleid erfassen. Das Mitleid hat ein sehr begrenztes Fassungsvermögen. Es bewährt sich, solange es um einzelne geht, sobald aber die Masse auftaucht, breitet sich Ratlosigkeit aus. Die Aura der ethischen Verantwortung erstreckt sich nur auf die ersten Glieder in der Kette von Ursache und Wirkung. Der Auslöser eines Prozesses fühlt sich für die weiterreichenden Konsequenzen nicht verantwortlich. Die Atombombe ist nur ein Beispiel von tausenden. In eurer Auffassung von Gut und Böse seid ihr Menschen einfach lächerlich“

Aus „Die Verhandlung“ von Stanisław Lem (von VADA für das Stück „iHAL Die Liebe des Computers“ adaptiert)

Vielen Dank für das Interview liebe Yulia, viel Freude und Erfolg für Deine so engagierten Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Yulia Izmaylova, Schauspielerin, Regisseurin

Weitere Infos:

https://vada.cc/

25.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Foto_ Leopold Fuchs

 

„Kunst zeigt immer auf wunde Punkte unserer Gesellschaft – sofern es uns noch geben wird“ Markus Achatz, Schauspieler, Regisseur_Klagenfurt, 6.5.2020

Lieber Markus, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich versuche jeden Tag mit Yoga zu beginnen. Am Vormittag ist Homeschooling mit meinem Sohn (12) angesagt. Danach wird das „Homeoffice“ eröffnet, um in punkto Spielzeitplanung und Unterstützungsmöglichkeiten für Künstler und Vereine etc. auf dem Laufenden zu bleiben. Um nicht zu viel am Schreibtisch zu grübeln, gehe ich jeden Tag in die Natur. Ansonsten Homepages pflegen, Spielplanvorbereitungen, Fotografieren und neue Ideen kommen lassen.

 

Markus Achatz _ Foto_DominicKAchatz

 

 Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Schwer zu sagen. Auf der einen Seite wünsche ich mir wieder Normalität, auf der anderen Seite möchte ich nicht, dass es global so weiter geht, wie vor Corona.

Vielleicht Geduld und Genuss beim Innehalten. Und auf keinen Fall vergessen über den Tellerrand zu schauen. Uns geht`s noch ziemlich gut…

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst zu?

Die Kunst hat ja immer schon auf wunde Punkte in unserer Gesellschaft gezeigt. Sofern es uns (Theater WalTzwerk) noch geben wird, werden wir dies auch weiterhin tun.

 

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 Was liest Du derzeit?

Die Bücherdiebin von Markus Zusak

Die Terranauten von T.C. Boyle

Der Wal und das Ende der Welt

Die Regentrude von Theodor Storm

Die große Fotoschule von Christian Westphalen

Podcast hören: Fest und Flauschig

Viele WordPress-Tutorials

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die Kunst ist zwar nicht das Brot, wohl aber der Wein des Lebens. (Jean Paul)

 

Vielen Dank für das Interview lieber Markus, viel Freude und Erfolg für alle Ideen, Projekte und auf ein baldiges Wiedersehen im großartigen TheaterWalTzwerk http://waltzwerk.at/   und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Markus Achatz, Schauspieler, Sprecher, Theaterdirektor Theater WalTzwerk

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23.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Fotos:

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Szenenfoto_“Jedermann stirbt“ Theater WalTzwerk, Maria Saal/Thonhof 2019

 

„Vielleicht ist die größere Herausforderung jene, die soziale Krise solidarisch zu bewältigen“ Daniel Zipfel, Schriftsteller, Wien 5.5.2020

Lieber Daniel, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich befinde mich derzeit in Heimarbeit, teile mir gemeinsam mit meiner Frau die Kinderbetreuung auf, verbringe viel Zeit mit den Kindern im Wald und lese wieder meine alten Hemingway-Bücher. Gleichzeitig bin ich als pflegender Angehöriger momentan auch mit anderen Realitäten konfrontiert, mit dem Notbetrieb in Krankenhäusern, mit dem Bewusstsein, dass es neben der Verbreitung des Corona-Virus auch andere existentielle Themen gibt. Letzteres nehme ich gerade auch durch meine Arbeit im Flüchtlingsbereich wahr, insbesondere das Ausmaß der sozialen Krise bei vielen, die im Niedriglohnbereich beschäftigt sind. Momentan erlebe ich meinen Alltag daher gerade als ein Nebeneinander vieler Welten und ich frage mich, welche Perspektiven später dominant sein werden, wenn wir von der Corona-Krise erzählen.

 
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Auf einer persönlichen Ebene würde ich sagen, es ist für den Einzelnen auch in einer Krisenzeit dasselbe wichtig wie zuvor, nur wird einem das Wichtige in besonderen Umständen besser bewusst. Schließlich formt sich die Bedeutung einer Sache auch nicht plötzlich, sondern bildet sich immer mit der Zeit heraus.
Auf einer gesellschaftlichen Ebene ist es wohl wichtig, sich vor Augen zu halten, dass es immer mehr Welten gibt als die eigene, in der man gerade gezwungenermaßen viel Zeit verbringt. So wird ein frisch verliebtes Pärchen anders von der Corona-Krise erzählen als eine Alleinerzieherin, der das familiäre Netzwerk wegbricht, ein Rettungssanitäter oder eine Angestellte im Gastronomiebereich, die ihren Job verliert. Vielleicht liegt die größere Herausforderung für die Gesellschaft weniger darin, Abstand zu halten und zuhause zu bleiben, als die soziale Krise solidarisch zu bewältigen.

 
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur zu?

Wesentlich wird sein, dass in der Rezeption der Corona-Krise nicht eine Darstellung die Oberhand gewinnt und die unterschiedlichen Lebensrealitäten und Folgen der Krise Geltung erfahren. Die Literatur kann dazu beitragen, indem sie Wirklichkeiten zugänglich macht, mit denen man sonst nicht in Berührung kommt und auf diese Weise Einblicke gewährt und Verständnis schafft.

 

Daniel Zipfel _ Manfred Weis
Was liest Du derzeit?

Meine alten Hemingway-Bücher. Vor allem Kurzgeschichten.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ganz klassisch aus dem derzeit viel gelesenen Camus (Die Pest): „Mais qu’est-ce que ça veut dire, la peste ? C’est la vie, voilà tout.“ ( „Aber was soll das denn bedeuten, die Pest? Es ist das Leben, das ist alles.“)

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ganz klassisch aus dem derzeit viel gelesenen Camus (Die Pest): Mais qu’est-ce que ça veut dire, la peste ? C’est la vie, voilà tout.“ ( Aber was soll das denn bedeuten, die Pest? Es ist das Leben, das ist alles.“)

 

Vielen Dank für das Interview lieber Daniel, viel Freude und Erfolg für Deinen großartigen aktuellen Roman „Die Wahrheit der Anderen“ und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Daniel Zipfel, Schriftsteller

Aktueller Roman: „Die Wahrheit der Anderen“  Kremayr&Scheriau Verlag, 2020

 

23.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Foto_Manfred Weis.

„Dass wir jetzt erst recht strukturelle Ungleichheiten nicht hinnehmen.“ Jana Volkmann, Schriftstellerin, Wien 3.5.2020

Liebe Jana, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe noch nicht viel verloren, aber die Fähigkeit, Zeit als Kontinuum zu begreifen, ist mir komplett abhanden gekommen. Die Tage sind hermetisch geschlossene Einheiten geworden, die keinem speziellen Schema folgen, geschweige denn einem Plan. Aber ich lese und schreibe viel, arbeite an anderen Dingen, und schaue aus dem Fenster. Die Krähen haben sich noch nicht anfüttern lassen. Ein Zitronenküchlein, das ich ihnen auf die Fensterbank gelegt habe, lag am nächsten Tag noch immer da. Jetzt ist nur noch eine gelbe Aureole übrig, aber vielleicht ist das Küchlein einfach heruntergefallen. Ich kann mit Natur leider nicht viel anfangen, aber das kommt mir jetzt, wo sie eh so weit weg ist, zupass. Ich schminke mich jeden Tag, als hätte ich was vor, und lackiere mir die Nägel. Meine Freundin sagte am Telefon, die Soldaten, die aufhören sich zu rasieren, sind am nächsten Tag tot. Zum Glück sieht man keine Bärte unter den Mund- und Nasenmasken.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das Gleiche, was auch vorher wichtig war, nur haben wir es wohl weniger stark gemerkt: dass wir aufeinander aufpassen. Uns bewusst werden, dass das, was wir tun, nicht nur uns allein betrifft, sondern dass unser Verhalten Auswirkungen auf die Menschen um uns herum hat. Umsichtig sein, zugewandt sein. Natürlich wünsche ich mir, dass davon niemand ausgenommen wird: keine Erntehelferinnen, keine 24-Stunden-Pfleger, keine Menschen ohne festen Wohnsitz oder mit dem falschen Pass. Wenn das, was jetzt gerade in den kleinsten sozialen Gefügen – zum Beispiel unter Nachbarn – schon halbwegs klappt, auch im großen Rahmen ginge, wäre viel gewonnen. Leider ist das Gegenteil der Fall. Wichtig ist also auch, dass wir jetzt erst recht strukturelle Ungleichheiten nicht hinnehmen.

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Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich mag das doppelte Futur: dieses wir werden werden. Wenn man sich die Geschichte anschaut, sind tatsächliche Aufbrüche, im Sinne von Neuanfängen, sehr selten. (Zufällig schreibe ich diese Zeilen am 150. Geburtstag von Lenin, der dazu wahrscheinlich sehr viel zu sagen hätte.)

Mein Vater hatte eine Anstecknadel am Sakko, auf der stand: kan kunst de wereld redden? Man muss kein Holländisch verstehen, um leise Zweifel an der Kompetenz der Künstlerin als alleiniger Retterin der Welt zu hegen. Wenn Literatur – und Kunst – allerdings eins kann, dann zeigen, wie andere Leben und andere Formen des Zusammenlebens aussehen können. Andere Arten, mit der Welt zu interagieren und sie wahrzunehmen. Das sind keine unwesentlichen Fähigkeiten, wenn es darum geht, sich eine Wirklichkeit nach einem solchen Ereignis, wie wir es gerade erleben, vorzustellen.

Ich bewundere übrigens immer, wie schnell und fundiert gerade das Theater auf gesellschaftliche Eruptionen reagiert. Da könnten sich andere Sparten viel abschauen.

 

Was liest Du derzeit?

Relativ viel Theorie, die in Buchhandlungen wahrscheinlich unter „politisches Sachbuch“ einsortiert werden würde. In ruhelosen Zuständen, immer wieder: Sarah Kanes gesammelte Stücke. Zunehmend zwanghaft: alles von Walter Benjamin, die vielen Briefe von Samuel Beckett.
Beendet habe ich zuletzt den neuen Roman von Monika Helfer, „Die Bagage“.

Welchen literarischen Impuls möchtest Du uns mitgeben?

„Das Kunstwerk hat Wert nur insofern, als es von Reflexen der Zukunft durchzittert ist.“ – André Breton, zitiert nach Walter Benjamin.

Vielen Dank für das Interview liebe Jana, viel Freude und Erfolg für Deinen kommenden Roman „Auwald“, der im Herbst des Jahres erscheinen wird https://www.verbrecherverlag.de/ , und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Jana Volkmann, Schriftstellerin, Journalistin, Literaturwissenschaftlerin

http://www.janavolkmann.de/

23.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Foto_Walter Pobaschnig _ „Toter Grund“ Wien_Lobau_2020