Liebe Ingeborg, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Aufstehen, beim Frühstück die Süddeutsche Zeitung lesen, irgendwas im Haushalt machen, Klavier üben,…nichts Besonderes. Nachmittags am Schreibtisch oder im Wald, abends Krimi oder Kino oder Theater oder Konzert oder Freundinnen und Freunde. Manchmal auch ganz anders.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wachsam sein, aufmerksam, sensibel und frech. Vorsicht vor jeder Form der Anpasserei. Die Kinder schützen und stärken, Fantasie zulassen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Wie immer hat die Kunst, die Literatur die Aufgabe, zu entwerfen, wohin es mit dem Menschen gehen könnte. Zuallererst diese Frage stellen und sie nie vergessen, auch wenn man glaubt, eine Antwort gefunden zu haben.
Was liest Du derzeit?
Anja Kampmann: Die Wut ist ein heller Stern
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Ich kann kaum beschreiben, wie ich arbeite: Ich werfe Salz und Zucker in der Teig, rühre, schlage, probiere, finde ihn schlecht, mische ein Ei darunter, werfe die Hälfte fort, streue Mehl dazu, knete, schütte Wasser bei. Manchmal arbeite ich an einer einzigen Seite vier Wochen“. (Adelheid Duvanel an Maja Beutler am 6. Mai 1982)
Vielen Dank für das Interview, liebe Ingeborg, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen: Ingeborg Gleichauf, Autorin
Zur Person: Ingeborg Gleichauf, Philosophin, Schriftstellerin und Lyrikerin, wurde 1953 geboren und ist im Schwarzwald aufgewachsen. Sie studierte Germanistik und Philosophie und promovierte über Ingeborg Bachmanns Roman „Malina“ und Elfriede Jelineks Drehbuch zum gleichnamigen Film von Werner Schroeter. Sie veröffentlichte erfolgreiche Biographien über Schriftsteller*innen, Philosophinnen und Dramatikerinnen, darunter „Hannah Arendt“ (2000), „Sein wie keine andere. Simone de Beauvoir“ (2007) und „Denken aus Leidenschaft“ (2008). 2010 erschien bei Nagel und Kimche „Jetzt nicht die Wut verlieren. Max Frisch – eine Biografie“.
Als Essayistin überprüft sie in „Homezone“ (2012) den vielgedeuteten und widersprüchlichen Begriff Heimat anhand von skurrilen, witzigen und ehrlichen Alltagsepisoden. Ihr Lyrikband „Danebengeschrieben“ erschien 2016 im Drey-Verlag.
„Poesie und Gewalt. Das Leben der Gudrun Ensslin“ wurde 2017 bei Klett Cotta verlegt. Im gleichen Jahr erschien die Reiseerzählung „Wilde Wälder und Gedankenflieger“.
Ingeborg Gleichauf lebt in Freiburg.
Aktuelles Buch von Ingeborg Gleichauf:

Ingeborg Bachmann – Die Widerspenstige
Ein Essay zum 100. Geburtstag am 25. Juni 2026
Wie kann man sich Ingeborg Bachmann heute noch nähern? Sind ihr nicht allzu viele auf der Suche nach dem, was Person und Werk ausmachen, allzu nahe gekommen? Als »Diva der Dichtkunst« wird sie bezeichnet und als »Ikone« verehrt.
Es ist an der Zeit, solche Festlegungen zu vergessen und eine Neu-Entdeckung Bachmanns zu wagen! Bachmanns Werk steckt voller Widersprüche, Rätsel und Bezüge und verschließt sich einem eindimensionalen Lesen. Es ist ein widerspenstiges Werk. Und auch die Dichterin selbst trägt entschiedene Züge von Widerspenstigkeit in sich.
Anlässlich des 100. Geburtstags der Schriftstellerin erkundet Ingeborg Gleichauf in ihrem Essay diese spezifische Bachmann’sche Widerspenstigkeit. Im Gang durch Bachmanns Werk wie auch durch ihre Briefwechsel, die in den letzten Jahren nach und nach erschienen sind, lässt sich eine Dichterin entdecken, die immer wieder irritiert und überrascht. Genauso verhält es sich auch mit der Person. Sie agiert und reagiert kaum vorhersehbar. Person und Werk fordern heraus. Die Begegnung mit beiden bleibt ein Abenteuer – sowohl für diejenigen, die sie neu entdecken, als auch für diejenigen, die ihre Texte schon kennen.
Gleichauf, Ingeborg: Ingeborg Bachmann – Die Widerspenstige. Aviva Verlag.
144 Seiten, 18 €
Broschur
ISBN 978-3-949302-34-3
Kommende Lesung in Wien:
Do 7.5. 19.15h _ Buchhandlung analog, Otto Bauer Gasse 6/10,
Weitere Lesungstermine: Ingeborg Gleichauf | Autorin
Fotos: Ingeborg Gleichauf _ privat; Cover _ Verlag.
Walter Pobaschnig, 3.5.26