„Nicht die Flinte ins Corona-Korn werfen, neue Projekte in Angriff nehmen und alle Förderungen anzapfen, die es gibt“ Horst Dieter Sihler, Schriftsteller _ Klagenfurt 10.11.2020

Lieber Horst, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

wie immer seit 20 jahren – als copd-behinderter single bin ich schon lange im homeoffice – bin stolz dass ich genau am höhepunkt meines copd-schubs im jänner – in klausur zwischen bett und pc – mein neues buch, den foto-gedichtband „haus im sommer“ (wieser-verlag 2020), fertigstellen konnte, für das ich jetzt begeistertes feedback bekomme (siehe auch ilse gerhardt in der kärntner woche) und im september sogar ein kurzfilm-projekt mit chris haderer  realisieren werde …

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

durchhalte-vermögen – nicht die flinte ins corona-korn werfen – sondern im widerstand gegen alle fake-news und soziale probleme neue projekte – welche auch immer – in angriff nehmen – und alle förderungen anzapfen die es gibt …

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, dem Film, der Kunst an sich zu?

als im märz die buchmesse, die diagonale und der bachmannpreis abgesagt wurden – habe ich sofort digitale gegenangriffe entwickelt – die zum teil dann auch realisiert wurden (nicht von mir)- war etwas überfordert – ergebnis: stiller schlaganfall/gesichtslähmung/augenprobleme – war eine zeitlang fast blind – kann seit damals nur eingeschränkt lesen und filme schauen – bessert sich alles viel zu langsam…

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Was liest Du derzeit?

habe plötzlich ganze vier buch-manuskripte von freunden am computer

wo ich ein bißchen lektor spielen sollte (mit meinem auge!!!)

1 – Jozi Strutz: Das Feuerschiff – Gedichte/Prosa /Drama (15o Seiten )

2 – Wolfgang Koch: Biographie von Viktor Rogy (555 Seiten)

3 – Ilse Gerhardt: Zug um Zug – Groteskes Theaterstück

4 – Martin Daniel Sihler – Fantasy-Roman (400 Seiten)

jaja – mein jüngster sohn – der kaum bücher liest (was mich immer sehr betrübte) aber bücher schreibt – hat seinen dritten roman fertig …

 

außerdem stapeln sich bei mir – nur angelesen – 10 neue bücher (von meiner digitalen zweiten bibliothek am kindle gar nicht zu reden) – wie christa wolfs bestes SOMMERSTÜCK – der erstaunliche GESCHENKTE GAUL von hildegard knef oder VULVA – das wichtigste aufklärungsbuch unserer tage usw.- ebenso wie gedichte von guttenbrunner/cosovel/octavio paz usw. – gerade habe ich auf lyrikline schöne gedichte gehört – gelesen von unserer stadtschreiberin ronya othmann – die sich auch für den kurdischen film einsetzt – wo sind die zeiten als ich in den 90ern den ersten film in kurdischer sprache im volkskino einsetzte – werde kontakt mir ihr aufnehmen …

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Aus einem der Texte meines nächsten Buches „Miniaturen 1960-2020“ (gerade den Vertrag bekommen), „Klagenfurt und die Moderne“:

Niemand wußte, was da schon einige Jahre vorher – um 1950/51 – geschehen war. Dass da Maria Lasssnig in ihrem Atelier in der Klostergasse am Heiligen-Geist-Platz (gerade verdienstvoll restauriert von Maria Nicolini), zusammen mit Arnulf Rainer, die Weichen für die moderne Kunst in Österreich stellte  – und sogar einen „obszönen“ männlichen Akt eines gewissen Michael Guttenbrunner ausgestellt hatte, der in den zur gleichen Zeit beim Verlag Haid in Klagenfurt erschienenen „Surrealistischen Publikationen“ eines Max Hölzer (hat die Auseinandersetzung mit dem Surrealismus Andre Bretons angekurbelt) unter dem Pseudonym Michael Straßburg grandiose Gedichte veröffentlichte: „Der Tod ist ein Schauer der Frühe/es fehlt ihm an nichts wenn wir gehen … wir haben Christus gesehen/in der Schlangengrube der Dogmen.“ Und zu allem Überfluss findet man da auch einige Gedichte des jungen Paul Celan, unzweifelhaft an die junge Ingeborg Bachmann gerichtet, die kaum zweihundert Meter von dem Ort, wo ich jetzt lebe, aufgewachsen ist: „Wer sein Herz aus der Brust reisst zur Nacht, der langt nach der Rose/Sein ist ihr Blatt und Ihr Dorn …“

 

Vielen Dank für das Interview lieber Horst Dieter, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen

Horst Dieter Sihler, Schriftsteller

http://www.literaturhaus-graz.at/autor/horst-dieter-sihler/

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21.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Am Wichtigsten wäre jetzt praktische Solidarität. Einsicht in gemeinsame Interessen und dann kämpfen“ Philipp Böhm, Schriftsteller _ Berlin 9.11.2020

Lieber Philipp, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich schlafe so lang es geht, trinke Kaffee unterwegs und gehe noch etwas verballert zur Arbeit. Nachmittags setze ich mich an meine Texte, überarbeite, mache Notizen, Skizzen und recherchiere zu Fettbergen, Schlafhaien und spiritistischen Fotografien der 20er Jahre. Das ist schön.

Philipp Böhm

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Auf die Pandemie bezogen gibt es meiner Ansicht nach kein „Wir alle“. Ich halte die Reden von der Krankheit, die uns „alle gleich macht“, für falsch. Die Krankheit setzt nicht alle auf einen Status universeller Verletzbarkeit zurück, sie macht vor allem die Unterschiede deutlich: Klassenunterschiede und damit verbunden rassistische Strukturen, traditionelle Geschlechterrollen, die in Zeiten des Rückzugs aus dem öffentlichen Raum noch stärker forciert wurden. Es macht eben doch einen großen Unterschied, ob man nicht raus kann und aber gleichzeitig auf einem geräumigen Balkon hockt oder in einer viel zu kleinen Wohnung. Ob man im Home-Office arbeiten kann oder jeden Morgen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit muss. Ganz banale Sachen eben. Deshalb: Am wichtigsten wäre jetzt praktische Solidarität. Und das heißt nicht Charity, sondern Einsicht in gemeinsame Interessen und dann kämpfen.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Aufbruch und Neubeginn sehe ich nicht, eher eine Verschärfung dessen, was davor schon da war. Ich hatte das Gefühl, es gab ein kurzes Zeitfenster, in dem mehr Menschen über Arbeit, Alltag und wie man das alles anders organisieren könnte, nachgedacht haben – aber das ist vorbei. Es waren wieder die am lautesten, die meinten, es wäre jetzt am allerwichtigsten, dass alle wieder arbeiten, dass alles möglichst schnell wieder so werden soll, wie es vor der Pandemie war.

Und was die Literatur angeht: Die Literatur wird ohnehin andauernd mit Aufgaben belastet, für die sie nicht da ist. Die Literatur sollte vor allem erst einmal nicht langweilig sein. Das ist übrigens sehr viel mehr, als es im ersten Moment scheinen mag. Ansonsten finde ich sie da am interessantesten, wo sie nichts will und dadurch alles fordert.

 

 

Was liest Du derzeit?

„Tenth of December“ von George Saunders, „Zolitude“ von Paige Cooper, 70er Jahre Comics von Philippe Druillet und ein Sachbuch über Okkultismus. Alles sehr gut.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich bin nicht mehr so gut im Sentenzen-Game, wie ich es mal war, aber dieses Zitat von Arno Schmidt geht immer: „Das Leben des Menschen ist kurz. Wer sich betrinken will, hat keine Zeit zu verlieren!“

 

 

Vielen Dank für das Interview lieber Philipp, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen

Philipp Böhm, Schriftsteller

https://www.verbrecherverlag.de/author/detail/320

Foto_privat.

 

 

21.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wie ein Regenbogen“ Das außergewöhnliche Leben von Anita Pallenberg, Simon Wells. Hannibal Verlag.

„Es ist die Liebe, die spricht, über die Stille und Weite hinweg“ – so erinnert sich der amerikanische Künstler Gerard Malanga, enger Mitarbeiter von Andy Warhol, an Anita Pallenberg (1942 – 2017)  – Model, Schauspielerin, Muse und Mutter. Eine Frau zwischen Träumen, Visionen und persönlichen Realitäten wie Dramen. Selbstbewusst und frei – „Es umgab sie eine faszinierende Aura, eine große Verführungskraft…Anita war belesen und weit gereist, doch immer voller Neugier und mit einem Gespür für das Abenteuerliche…“ (Deborah Dixon).

Geboren wird Anita Pallenberg im Frühling. In Rom. Im Krieg – 1942, als zweite Tochter von Arnoldo und Paula. Musik und Kunst spielen eine große Rolle für die Familie, in den Kriegstagen und danach. Es ist ein Anker, der hielt in Ungewissheiten und Verhängnissen des Krieges. Anita wächst damit auf und nimmt dies in ihre Lebenswege zu Kunst, Mode und mit Künstlern mit – an Lebensträumen festhalten und die Kraft davon aus der Kunst beziehen und ihr das zuzutrauen und anzuvertrauen…

Simon Wells, britischer Regisseur und Autor, legt mit seiner Biographie über Anita Pallenberg eine mitreißende kulturgeschichtliche Zeitreise in die 1960er wie die folgenden Jahrzehnte vor und lässt Leserinnen und Leser in Bühne, Tourleben wie Privatleben der Musik- und Kunststars der Zeit eintauchen. Beeindruckend sind die vielen Interviews von ZeitzeugInnen, die unmittelbaren Einblick in Begegnung und Erleben mit einer der schillerndsten wie geheimnisvollsten Persönlichkeiten in enger und engster Verbindung zur Kultband Rolling Stones wie dem weiteren Musik- und Kunstleben gibt.

Der Autor begeistert mit einem packenden Erzählstil, der am rasanten Leben der Zeit  und dessen ungeahnten Geschwindigkeiten in Liebe und Drama dran ist. Mit enormer Kenntnis der Entwicklungen von Kunst- und Musikbusiness in den 1960er Jahren und folgenden Dekaden gelingt es Wells Information zu Kultur- und Zeitgeschichte mit persönlichem Lebensweg zu verbinden und so auch eine Zeit anschaulich werden zu lassen.

„Eine Biographie als mitreißendes Rockkonzert vor und hinter der Bühne“

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„Sich nicht von Angst lenken lassen. Sich nicht ausbeuten lassen.“ Elena Messner, Schriftstellerin_Wien 8.11.2021

Liebe Elena, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich recherchiere, schreibe, lese, organisiere – und versuche mich von den Klängen der Lockdown-Drohungen und Ähnlichem (noch) nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Derzeit stelle ich mit KollegInnen eine wissenschaftliche Veranstaltung zum Heeresgeschichtlichen Museum in Wien und ein theaterpolitisches Forum in Klagenfurt auf die Beine, entwickle ein Veranstaltungsformat im Sinne eines literarisch-politischen „Realitätschecks“ für das Wiener Literaturhaus, plane mit ein paar Kolleginnen eine feministische Veranstaltungsreihe, schreibe außerdem an meinem vierten Roman und an einigen Essays. Der Austausch mit Anderen hat sich insgesamt stark ins Virtuelle oder aufs Telefonieren verlagert, wie das ja bei vielen Menschen gerade der Fall ist. Aber gerade die literarische und die politische Auseinandersetzung, egal ob in Form von Kunst, Literatur oder Wissenschaft, auch wenn sie jetzt im „soften Lockdown“ wieder nur beschränkt lebbar ist, schützt vor Isolation, schützt vor Frustration.

Elena Messner_Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Überhaupt zu verstehen, zu spüren, zu wissen, was für einen eben „besonders wichtig“ ist. Und dann dieses „Wichtige“, dieses „Besondere“ zu erhalten. Sich nicht „Hedonismus“ vorwerfen zu lassen, weil man einen Alltag aufrechtzuerhalten versucht, der mehr ist als Essen, Schlafen, Arbeiten und das Totschlagen von Zeit dazwischen. Sich nicht von Angst lenken lassen. Sich nicht einteilen zu lassen in „systemrelevant“ und nicht „systemrelevant“. Sich nicht ausbeuten lassen. Zu erkennen, dass und wie andere ausgebeutet werden und dagegenzusteuern, wo man kann.

Vor einem Aufbruch, Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich denke nicht, dass ein Neubeginn, oder ein Aufbruch im positiven Sinne ansteht. Weder politisch noch sozial. Diese globale „Gesundheitskrise“ hat die Schwächsten noch mehr geschwächt: Frauen, MigrantInnen, SchlechtverdienerInnen, prekär Beschäftigte, KleinunternehmerInnen, Kinder und Jugendliche. Denken wir nur an das Problem der Pflege, an Kindererziehungspflichten und Schulschließungen, an die gestiegene Arbeitslosigkeit und die neu auferstandenen Nationalgrenzen. Die neue Rolle der Kunst und Literatur wird also eine uralte bleiben, denn es ist ja  gesellschaftlich nichts Neues in Sicht. Die zentrale, alte Rolle, die man im marktorientierten Kulturbetrieb oft gerne übergeht, wird aber hoffentlich wieder mehr Relevanz erhalten, denn Literatur könnte zukünftig stärker ein kritisches, ein aufrüttelndes, ein ästhetisch spannendes Beschreibungs- und Analysemittel sein, das Utopien, Angstfreiheit, Hoffnungsdenken entwirft, das aber auch gegen jede – und zwar v.a. gegen politische – Naivität angeht. Ganz im Sinne der unten zitierten Christa Wolf: scharf, genau, zupackend, veränderlich.

Was liest Du derzeit?

Viel Ivan Cankar. Und kreuz und quer allerlei Anderes: Aufsätze zur Militärgeschichte Österreichs. Zur Romantheorie. Zur flexiblen neoliberalen Subjektivität, globalen Reality Show, Knechtschaft als Lust. Zum Judentum in Galizien, beäugt durch Alexander Sacher-Masoch. Zum Reisen in die Zukunft.

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Und doch hat man die Ahnung, dass es sie geben müsste: eine Gattung, die den Mut hat, sich selbst als Instrument zu verstehen – scharf, genau, zupackend, veränderlich –, und die sich als Mittel nimmt, nicht als Selbstzweck. Als ein Mittel, Zukunft in die Gegenwart hinein vorzuschieben.“

– Christa Wolf, „Weltbilder“ aus „Lesen und Schreiben. Aufsätze und Betrachtungen, 1972

Vielen Dank für das Interview liebe Elena, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Elena Messner, Schriftstellerin

https://www.elena-messner.com/

Foto_privat

29.10.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst muss nach vorne streben, vorausdenken, die Gesellschaft einbinden“ Lisa Fertner, Schauspielerin _ München _7.11.2020

Liebe Lisa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mir ist der Tag immer noch zu kurz, um ehrlich zu sein, viel hat sich nicht geändert.

Aber ich habe angefangen alltägliche Situationen bewusst zu genießen. Den Kaffeegeruch, bevor ich ihn trinke. Die Seifenblasen auf meiner Hand, wenn ich sie wasche. Die Ruhe auf meinem Balkon, die nie still ist.

Lisa Fertner, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht auf das zu schauen, was -nicht- geht, sondern aktiv voraus steuern und das Ruder nicht aus der Hand lassen. Wir sind selbst verantwortlich wie wir auf äußere Umstände reagieren, ob wir uns daran klammern, was wir hatten oder ob wir den Schalter umlegen und anfangen umzudenken.

Was wir jetzt lernen können, ist sparsam sein. Wertschätzen, was man hat. Augen aufmachen und uns mit Themen konfrontieren, zu denen wir gerne keine Zeit haben. Uns selbst gut tun. 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich bin auch jemand, der alte Traditionen liebt, keine Frage. Ich entwickle meine Fotos analog und klebe sie mit Fotoecken in ein Album. Aber das ist privat, da kann ich mich dafür entscheiden, nicht mit der Zeit zu gehen.

Kunst allerdings muss nach vorne streben, vorausdenken, die Gesellschaft einbinden. Das Theater versucht sich seit Jahren über Wasser zu halten. Vielleicht sind wir an dem Punkt angelangt, wo es gezwungen wird zu handeln und nicht nur darauf zu hoffen, dass „sich alles wieder einpendelt“. Ich glaube daran, dass sich Kunst vermischen muss. Vielleicht sehen wir irgendwann einen halben Film, dessen Geschichte im Theater zu Ende erzählt wird, während MalerInnen, FotografInnen im Foyer themenbezogen ausstellen und anschließend gibt es ein Konzert. Ich glaube der Weg, den wir einschlagen müssen, ist ein gemeinsamer.

Was liest Du derzeit?

Omar Khir Alanam – Auf der Reise im Dazwischen

Lisa Fertner, Schauspielerin

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich denke, wir machen kurzen Prozeß mit den Gardinen oben im Saal und schneiden sie etwas ab oder schließen wenigstens die Fenster; es wird ohnehin bald stürmisch genug werden.“ (Effi Briest, T. Fontane)

Vielen Dank für das Interview liebe Lisa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen

Lisa Fertner_Schauspielerin

http://lisa.fertner.com/de/home.html

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Hotel Regina_Wien 2.11.2020.

10.10.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Fähigkeit zuzuhören und zu hören, zu lieben und die Liebe zu schätzen, nicht gleichgültig zu sein“ Marta Mokhnatska, Schriftstellerin_Lwiw, Ukraine _ 6.11.2020

Liebe Marta, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Seit Februar des Jahres arbeite ich von zu Hause aus. Anfangs, als ich nicht allein zu Hause war, bedeutete die Quarantäne für mich nichts mehr als eine sehr bequeme Reduzierung der Anzahl der Menschen um mich herum.

Aber während der letzten Monate wurde die Quarantäne zu meinem ständigen Versuch, mir selbst zuzustimmen, all meine schlechten Gedanken und Zustände zu überwinden, nach Selbstkontrolle und inneren Kompromissen zu suchen.

Ich versuche zu arbeiten, zu lesen, nach interessanten Informationen zu suchen und mich zu entwickeln. Aber es gelingt mir nicht immer. Die Quarantäne ist in einer schwierigen Zeit meines Lebens geraten, in der es kompliziert ist, allein zu sein, und es geht für mich nicht um die Selbstständigkeit oder die Selbstgenügsamkeit, sondern um was anderes.

Marta Mokhnatska

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Fähigkeit zuzuhören und zu hören, zu lieben und die Liebe zu schätzen, nicht gleichgültig zu sein.

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Die Kunst spricht immer so direkt wie möglich über das Wichtigste. Subjektiv natürlich, aber trotzdem.

Daher ist sie wahrscheinlich der erste Kanal, der verwendet wird, wenn man etwas zu sagen hat. Wir stehen jetzt vor mehreren Jahren des Umdenkens von Makro- und Mikrowerten.

Und dieses Umdenken muss ständig dokumentiert, aufgezeichnet und als Beweise uns selbst vorgelegt werden. Und es ist die Kunst, die diese Beweise, dieses Signal an sich selbst in ein paar Jahren oder an sich selbst in den nächsten Generationen darstellt.

 

 

Was liest Du derzeit?

“Das Ministerium des äußersten Glücks” von Arundhati Roy. Ich kann mich noch nicht vollständig in dieses Buch vertiefen, aber ich freue mich wirklich darauf. Arundhati Roy ist für uns eine sehr wichtige Translatorin einer völlig anderen Welt. Aber die Welt ist einzig und bedeutet eigentlich immer eins: Gewalt, innere und äußere Einschränkungen, Liebe und Tod, kleine Tragödien und Wellen, die von ihnen abweichen. Ich habe große Angst vor Erdbeben in Roys Sprache, aber ich warte immer noch endlos auf sie.

 

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“Der Mensch ist nie ganz unglücklich” von Albert Camus

 

Vielen Dank für das Interview liebe Marta, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen

Marta Mokhnatska, Schriftstellerin

Foto_privat.

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Ich bedanke mich auch! Alles Gute!

„Musik hilft in schwierigen Zeiten, da sie unsere Emotionen direkt anspricht“ Nicolas Legoux, Sänger _ Wien _ 5.11.2020

Lieber Nicolas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Während dem ersten Lockdown haben wir uns dazu entschlossen einen jungen Hund zu adoptieren. Das wäre davor allein zeitlich nie möglich gewesen. Und seitdem habe ich einen regelmäßigeren Tagesablauf als je zuvor.

Lange schlafen ist zum Beispiel jetzt nicht mehr möglich – wenn Gizmo (inspiriert von „Gremlins“, genau so süß und hat es faustdick hinter den Ohren) raus will, dann will er raus.

Danach teilt sich der Tag in Hund füttern, Fitnesstudio, mit Hund spazieren gehen, Emails bearbeiten, Hund füttern, singen üben und neue Stücke/Partien lernen und Hund füttern und mit ihm spazieren gehen. Wenn der Hund es erlaubt, dann bleibt noch etwas Zeit für japanisch lernen (nur noch online) und Taiji.

Was schmerzt und fehlt sind die Auftritte vor Publikum. Jeder Tag, den ich früher mit einem Konzert, oder als Teil einer Oper beenden durfte war etwas Besonderes und hat unglaublich viel Kraft und Energie gegeben.

Dafür bleibt jetzt etwas mehr Zeit um zu lesen und Filme anzusehen – und die Listen der Bücher und Filme, die ich unbedingt lesen und sehen will werden aktuell zumindest nicht länger.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es ist wichtig, dass wir langsam lernen mit dem Virus zu leben. Zu denken, dass er irgendwann wieder verschwinden wird ist wohl illusorisch – wir werden uns arrangieren müssen, so wie wir es ja auch bisher mit unzähligen Krankheiten und Viren (relativ) problemlos geschafft haben. Dabei hilft aber die ganze Panikmache und das Zerstören der Wirtschaft kein bisschen. Leider ist es mittlerweile ja schon fast unmöglich, herauszufinden, was tatsächliche Fakten sind – die Kehrseite der Medaille der unmittelbaren Verfügbarkeit sämtlicher Informationen und vor allem von Social Media.

Abgesehen davon hilft es sicher auch, wenn wir wieder etwas mehr darauf achten, wie wir uns ernähren. Weniger Junkfood und nicht immer nur das Billigste. Auf einen Markt gehen, regionale Produkte kaufen (das hilft auch der lokalen Wirtschaft). Eine Rückkehr zu Qualität vor Quantität. Es fällt einem gesunden, kräftigen Körper immer leichter, sich gegen Krankheiten zu verteidigen.

Nicola Legoux, Sänger_Bass_Bariton

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Der zweite Lockdown steht vor der Tür, und es geht wieder darum, füreinander da zu sein, anderen zu helfen (z.B. einkaufen gehen für ältere Nachbarn). Aber nicht nur die Erledigungen, vor allem den sozialen Kontakt aufrecht halten. Niemand soll vereinsamen, daher halte ich „social distancing“ für völlig falsch. Wo nötig und möglich Abstand halten, aber man kann sich von Balkon zu Balkon, Fenster zu Fenster oder zur Gasse oder in Parks mit genug Abstand wunderbar unterhalten. Menschen brauchen mehr soziale Nähe, nicht noch zusätzliche Distanz.

Musik, ja Kunst generell wird nach wie vor viel zu gering geschätzt. Es haben schon andere vor mir gesagt, aber es ist wichtig: jeder der denkt, dass Künstler doch besser was „richtiges“ arbeiten und einen „ordentlichen“ Beitrag leisten sollen, der möge doch mal versuchen einen Lockdown ohne Musik, Bücher, Filme, Bilder, Computerspiele, …  länger als einen Tag durchzuhalten. Bei den meisten beginnt die Panik ja schon, wenn das Handy mal keinen Empfang hat.

Literatur ist eine unendliche Quelle an Erfahrungen und Inspiration für unser Leben.

Und gerade Musik hilft in schwierigen Zeiten, da sie unsere Emotionen direkt anspricht. Musik ist Kraft, Musik animiert, hilft bei der Heilung (physisch und psychisch), Musik ist wohl tatsächlich beinahe omnipotent.

Nicola Legoux, Sänger_Bass_Bariton

Was liest Du derzeit?

„Der Hase mit den Bernsteinaugen“ von Edmund de Waal

Eine spannende Geschichte von einer Netsuke Sammlung (Japanische Miniskulpturen-Kunst) die innerhalb der Familie Ephrussi (eine der reichsten Familien der letzten zwei Jahrhunderte) von Paris in der Zeit von Monet und Proust nach Wien in der KuK Zeit bis zum Autor und heutigen Besitzer in London wanderte. Man konnte diese einmalige Sammlung bis vor kurzem in Wien im jüdischen Museum bewundern.

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Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Aus dem Buch: “Homo Deus: A Bief History of Tomorrow” von Yuval Noha Harari

“In the Middle Ages, the outbreak of a plague caused people to raise their eyes towards heaven, and pray to God to forgive them for their sins. Today, when people hear of some new deadly epidemic, they pick up the phone and call their broker. For the stock exchange, even an epidemic is a business opportunity.”

Zum Nachdenken, wem diese Pandemie nützen könnte…

Vielen Dank für das Interview lieber Nicolas, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Nicolas Legoux, Sänger -Bass/Bariton

http://www.awvk.at/bios/n_legoux.htm

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„Ohne Kunst sind wir tot“ ONA-B Künstlerin_Wien 4.11.2020

Liebe ONA-B, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wie immer. Unregelmäßig. Ich bin nachtaktiv – gerne arbeite ich im Bett. Schreiben und konzeptuelle Arbeit ist im Liegen am besten. Manchmal arbeite ich auch schon sehr früh – ab 2h morgens ist es schön still, da wird man wenig von Tagesgeräuschen oder Telefonaten gestört und die Konzentration auf das Wesentliche fällt leicht.

Im Sommer schwimme ich gerne früh morgens oder bei Sonnenuntergang. Leider war der Ort, den ich dafür bevorzuge, sehr frequentiert. Viele machten Ferien in der Nähe und nicht im Ausland. Das wirkte sich auf viele stille Gegenden aus und sie waren nicht mehr still.

Stille ist mir wichtig – auch als Gegensatz zur Musik, die ich mache. (derzeit wieder gemeinsam mit Robert Michael Weiss und ) Ich schlafe und träume sehr gerne, doch wenn mich eine Idee oder ein Traum wach macht, arbeite ich sofort daran weiter. Träume sind wesentlich für mich und fließen in meine Kunst ein.  Im Sommer ist mein Garten mein Wohnzimmer und mein Atelier. Etwas verwildert mit Naturwiese und alten Bäumen. Hier baue ich meine Objekte, male an großen Formaten oder schreibe.

Im Close Down habe ich noch mehr gearbeitet, weil ich nicht abgelenkt war. Zudem konnte ich mein neues Atelier renovieren ohne viel Zeit zu verlieren.

Außerdem habe ich mein Projekt „Cor.ONA Diary Mask 2020 by ONA B.“ reaslisiert. Ich verarbeite damit Lock Down, Corona – Pandemie, Maskenpflicht, Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen und deren Auswirkungen. Der Identitätsverlust durch die Maske erzeugt Handlungs-bedarf: auf meiner ersten selbst genähten Maske habe ich mit Lippenstift meine Lippen nachgezogen. Das Foto davon – auf Facebook gepostet – führte zu Anfragen von Freunden für die ich anschließend eine eigene Maskenserie mit appliziertem Mund produzierte. Gegen die Anonymität und Sprachlosigkeit.

2020 habe ich wieder meine Arbeit an kurzen Filmen, wie „face 2 face“ und „Second Sight“ fortgesetzt. Derzeit arbeite ich an meinem dritten Film dieses Jahr mit dem Titel „White Shadows“. Es ist eine Trilogie in Rot, Schwarz und Weiß.

Ich denke auch daran meine „Schundnovellen und Rezepte“ wieder fortzusetzen. Es ist herrlich ironisch sein zu dürfen.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Freude, Selbstbestimmung. Kontakt mit Freunden. Ein gutes Auskommen. Ideenrealisierung. Zusammenhalt. Die Arbeit. Erholung. Positive Impulse. Wendigkeit. Gelassenheit. Respektvoller Umgang miteinander. Humor. Die Möglichkeit zur Arbeit. Aufmerksamkeit. Wachsamkeit. Unterstützung. Menschlichkeit, Mitgefühl. Zuneigung und Interesse zeigen. Liebe zu sich selbst. Authentisches Leben. Die Natur. Gutes Essen – biologisch am besten. Angenehme Augenblicke genießen. Das Schöne im Kleinen sehen.

 Ich fahre wahrscheinlich dieses Jahr auch nicht ins Ausland. Vor wenigen Tagen ist die Kunstmesse in Thessaloniki wegen einer zweiten Covid – Welle abgesagt worden. Und soeben habe ich erfahren, dass auch die Kunstmesse in der Hofburg nicht stattfinden wird. Noch eine Ausstellung 2020 weniger für mich ! Ich habe das Gefühl, dass den KünstlerInnen immer wieder der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Eigeninitiative und Zusammenarbeit wird immer wichtiger. Andere Türen öffnen sich. Off – spaces sind aktiv. Künstler und Künstlerinnen stellen sich gegenseitig in ihren Ateliers aus, machen aufeinander aufmerksam. In meinem Atelier werden auch transmediale Ereignisse mit Schauspielern, Schriftstellern, Musikern und bildenden Künstlern stattfinden. Auch am 8.9.2020 abends wird etwas statt finden.

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Meine Kunst und mein Leben sind untrennbar. Ich sehe alles durch die Kunst. Wir alle sind umgeben von Kunst. Viele merken es gar nicht, aber ohne Kunst sind wir tot. Alles ist gestaltet, manches gut, manches schlecht. Musik, Literatur, Filme, Bilder, Architektur umgeben uns. Vieles davon ist so selbstverständlich, dass es nicht mehr wahrgenommen wird. Österreich wird als Kulturnation verkauft und im Ausland auch so wahrgenommen. Der Kultur und den Produzenten der Kultur sollte – jetzt und immer – mehr Aufmerk-samkeit als bisher zukommen! Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle wäre längst fällig. Wenn sich Politiker / Innen nicht dazu durchringen können, dann sollen sie das zumindest für alle Künstler/ Innen ermöglichen! Die Kunst ist der Nerv der Gesellschaft. Und ihr Gewissen. Politiker / Innen  sollten sich von den Künstler/ Innen inspirieren lassen !

Es wurde versucht einen Keil in die Gesellschaft zu treiben und system-relevante von nicht systemrelevanten Berufen zu trennen. Das ist grober Unfug. So wie auch die komplette Isolierung alter und kranker Menschen jedem humanitären Denken widerspricht. Die vermehrte Benützung von Karten statt Bargeld, die vor der Pandemie schützen soll, erhöht die Kontrolle über den Einzelnen. WIr Künstler / Innen haben die Rolle der Aufzeiger, die wachsam auf solche Entwicklungen achten und sie aufzeigen. Wir müssen unbequem sein.

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Was liest Du derzeit?

Nochmals das Floss der Medusa von Franzobel, der vor vielen Jahren mein Ateliernachbar war.  Die Geschichte ist sehr spannend und wirft Fragen auf wie: Was bedeutet Moral, was Zivilisation, wenn es um nichts anderes geht als ums bloße Überleben?“  Und ich lese wiederholt eine unglaubliche Rede von John F. Kennedy aus dem Jahr 1961, die er 2 Jahre bevor er einem Attentat zum Opfer fiel, vor Presseleuten hielt. Ich lese die Kochbücher „Palästina“ und „Jerusalem“ und gerne immer die „Zeit“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Eine Passage aus Kennedys Rede von 1961: Wir haben es mit einer monolithischen und ruchlosen weltweiten Verschwörung zu tun, die ihren Einfluss mit verdeckten Mitteln ausbreitet: mit  Infiltration statt Invasion, mit Umsturz statt Wahlen, mit Einschüchterung statt Selbstbestimmung, mit Guerillakämpfern bei Nacht statt Armeen am Tag. Es ist ein System, das mit gewaltigen menschlichen und materiellen Ressourcen eine komplexe und effiziente Maschinerie aufgebaut hat, die militärische, diplomatische, geheimdienstliche, wirtschaftliche, wissenschaftliche und politische Operationen verbindet. Ihre Pläne werden nicht veröffentlicht, sondern verborgen, ihre Fehlschläge werden begraben, nicht publiziert, Andersdenkende werden nicht gelobt, sondern zum  Schweigen gebracht, es werden keine Ausgaben in Frage gestellt, kein Gerücht wird gedruckt, kein Geheimnis wird enthüllt.“

Das hat Kennedy am 27. April 1961 im Waldorf Astoria Hotel in New York City vor Zeitungsverlegern – der American Newspaper Association – gesagt. Ich finde das erstaunlich. Kennedys Rede befasst sich mit einem Thema, das nicht aktueller sein könnte: die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit. Was können und sollen die Medien in einer Gesellschaft leisten und ab wann gehen Grenzen der Berichterstattung in die Einschränkung der Pressefreiheit über?  Kennedy bricht hier mit der Tradition seiner Vorgänger Eisenhower und Truman. Außerdem ist zu bedenken, dass sich die USA im sogenannten „Kalten Krieg“ mit der Sowjetunion befunden hat. Kennedys Vision von der wechselseitigen Zusammenarbeit einer Presse, die die Regierungsarbeit kontrolliert und einer Regierung, die auf Kritik der Presse in angemessener Weise reagiert und ihren Kurs anpasst, sind bis heute in den USA keine Wirklichkeit geworden. Siehe auch die scharfe Verfolgung Edward Snowdens.

Zum Schluss noch etwas von mir: „Ob ich etwas mag, kann ich prüfen, indem ich mich frage: ist es intelligent, elegant, witzig, sexy und bequem? Ob etwas wichtig ist, stellt sich heraus, wenn man es nicht mehr hat und es unbedingt wieder gewinnen will.

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Vielen Dank für das Interview liebe ONA B, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Vielen Dank und alles Gute, ONA!

5 Fragen an KünstlerInnen

ONA_B_Künstlerin

http://www.ona-b.com/

Fotos_Filmstills aus „face to face“ ONA B. 2020/Zusammenarbeit_Beo-Film, Musi: Robert Michael Weiss

21.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Theater ist wichtig: es ist ein Weg das Leben zu diskutieren und zu verstehen“ Joanna Godwin-Seidl_Schauspielerin _ Wien 3.11.2021

Liebe Joanna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Seitdem im Frühling (Anm.) bekannt war, das die Theater wieder öffnen werden, rannte ich von Meeting zu Meeting (mit Social Distancing natürlich) um unser neuestes Stück „Nina Simone: Four Women“ von Christina Ham zu produzieren. Im Sommer fingen die Proben an. Wir öffneten mit 4 Ausnahmetalenten ua. Dorretta Carte am 21. September 2020 im Theater Drachengasse.

Ansonsten: Yoga, dann mit Hund im Wald spazieren, dann bin ich entweder in Meetings oder muss Büroarbeit erledigen.

4 Mal die Woche las ich im Sommer mit meiner Kollegin Saman Giraud von Burton‘s Übersetzung von 1001 Nights immer um 21.45 Dienstag bis Freitag. Es ist auf www.facebook.com/viennatheatreproject anzuschauen. Das machten wir seit März und dem Lockdown, von unseren Wohnzimmern aus. Da wir nicht arbeiten konnten, und alle zu Hause waren, wollten wir was Unterhaltsames bringen, den Menschen einen Ort geben wo sie abschalten und relaxen konnten und so ist „Readings in Isolation“ entstanden. Daraus ist 1001 Nacht entstanden. Wir lesen immer noch, wollen das ganze Buch lesen. Wir haben noch einen weiten Weg..!

Joanna Godwin-Seidl _ Foto -Ine Gundervseen

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für einander da sein. Masken tragen wo es nötig ist, Hände waschen und respektvoll Abstand halten. Freunden und der Familie in finanziellen Schwierigkeiten helfen.

 

Vor einem Aufbruch, Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Die Menschheit vergisst sehr schnell, schauen wir mal. Es gibt ein Spruch „History doesn’t repeat itself, people do.“ Vielleicht küssen sich die Leute traurige weise weiterhin weniger!

Theater ist wichtig: ein weg um das Leben  zu diskutieren und verstehen. Sei es ein Komödie, etwas mit Musik oder ganz was ernstes, es ist ein weg das Leben durch ein Mikroskop zu betrachten und sich zu einigen (oder auch nicht) wofür das alles gut sein soll. Es ist loslassen, geniessen, in das Leben andere für ein paar Stunden einzutreten und den eigenen hinter sich zu lassen. Und gerade in Zeiten wie diesen, wo man Kaum von bestimmten Themen weg sehen kann ist das wichtig. Oder ich kann mir vorstellen ein lustiges Musical oder Sprechtheatre direkt über Pandemis od. was auch immer uns gerade beschäftigt ist auch gut für die Seele. Es einmal nicht alles so ernst nehmen.

 

Was liest Du derzeit?

1001 Arabian Nights (öffentlich Schau mich zu! Mit Kerzen!)

Nina Simone: Four Women!

Noel Coward „Blithe Spirit“ und „Relative Values”

Anders habe ich kein Zeit für ein richtiges Buch aber ich kann absolut empfehlen „Birdsong“ von Sebastian Faulks

Welchen Text-Impuls möchtest Du uns mitgeben?

Für die derzeitige Situation:

“I think my guardian angel drinks.”

Amsonsten was Positives :

“If at first you don’t succeed and your labours are in vein; try, try, try again.”

Vielen Dank für das Interview liebe Joanna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Joanna Godwin-Seidl_Schauspielerin, Theaterdirektorin

https://www.joannagodwinseidl.com/about

Foto_Ine&Thomas Photography

20.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Effi Briest“ – Lisa Fertner beschenkt das Theaterpublikum Wiens mit einzigartiger Spielkraft, Variation und Ansprache. Off Theater_Wien 1.11.2020.

Sonntagabend. Allerheiligen. Es regnet am Weg zum OFF-Theater in Wien. Der Himmel weint. Morgen schließen die Theater in Österreich. Doch heute Abend wird das Leben noch einmal auf die Bühne gestellt in allen Schattierungen, allem Feuer und aller Tragik…Effi Briest kommt!

Lisa Fertner, Schauspielerin _Hotel Regina Wien.

Als das zahlreiche Publikum in Maske und Babyelefantenabstand Platz nimmt, huscht eine junge Frau zwischen den Kulissen vorbei. Unbeschwertheit. Lachen. Das große Leben mit Tun, Müssen, Dürfen scheint so weit weg. Das Wollen, das Erkunden, Entdecken ist zu spüren. Sehnsucht nach dem Leben. Von ganz Innen. Voll Herz und Seele. Bühne und Leben. Ganz nah beieinander.…

Dann stürmt die Sehnsucht nach vor zur Schaukel. Springt hinauf. Voll Neugier und Wagnis. Voll Mitteilung. Die Sehnsucht nach Leben. Voll Schwung und Balanceversuchen. Immer am Kippen. Aber der Blick immer nach vorgerichtet. Und so viel ist jetzt zu erzählen. Von der Welt. Von den Träumen. Von der Zukunft. Im Garten des behüteten Hauses. Das Schaukeln im Blick der Mutter. Das Vertrauen der Tochter…

Effi Briest_Lisa Fertner_Off Theater Wien 1.11.2020

Das unbeschwerte Bewegen findet seinen Stillstand in der Heirat. Das Gehorchen der Mutter. Jetzt ihr Plan für das junge Leben. Das zu tun was gewünscht wird…

Das neue Leben nun an der Seite des älteren Mannes. Angst und Hoffnung. Das Wort des Ehemannes gilt. Es ist ein ganz anders als das eigene, unbeschwerte. Distanziert und ernst jetzt. Welten prallen da zusammen. Planeten. Doch die Lebensfreude der jungen Frau kämpft, ringt im Sturm ihres neuen Lebens. Auch des neu geborenen Lebens. Versucht Fenster zu öffnen, rauszublicken und den Himmel, ein Stück davon, reinzulassen, zu ergreifen. Zu zweit. Oder allein…

Geist und Körper verlangen Nähe, Aufmerksamkeit. Sie will leben. Leben und nicht Tod. Das Kennenlernen des Liebhabers. Sie will sich zurückholen in die Welt, will Liebe, Lust, Leidenschaft ergreifen. Intensiv, erschütternd, belebend. Nicht mehr das Stumme, Kalte, das sich anfühlt wie das Grab und die verwelkten Blumen darauf. Die Zeit zum Blühen ist immer. Zu jeder Jahreszeit von Zeit und Leben…

Doch dieser Weg wird zum Duell mit Gesellschaft und Konvention. Mit Grenze und Tod. Die Pistolen sind schon geladen. Und das Drama nimmt seinen Lauf. Gnadenlos. Doch sie kämpft weiter bis zum Schluss. Solange die Kräfte reichen. Um Leben, Liebe, die Tochter, um den Morgen, den Tag…auch wenn alles schwindet…

Die in Wien geborene und in München lebende Schauspielerin Lisa Fertner bringt mit Ihrem Solostück Effi Briest (Theodor Fontane) ein Feuerwerk an Lebenslust und Dramatik auf die Wiener Off-Theater Bühne, das in Spieldynamik, Sprachintensität und Ansprache begeistert. Die Bühne brennt, wenn Lisa Fertner in unglaublicher Intensität und Rollenvariation ein Frauenleben zwischen Weg und Mauer in den Raum zwischen Schaukel, Klavier und Stuhl setzt. Die Symbolik der Bühnenkomposition wird zum Sprungbrett einer Textansprache, die das Publikum von Beginn an packt und ergriffen folgen wie staunen lässt. Es verdichtet sich gleichsam die dramatische Situation gesellschaftlicher Gegenwart zwischen Angst und Hoffnung in einem Frauenleben. Wohin wird der Weg führen? Wie geht es weiter? Was wird für mich möglich sein? Diese zeitlosen Fragen der in Freude und Trauer so lebendigen energiegeladenen Bühnenfigur Effi Briest sind auch ganz persönliche Fragen der Gegenwart und Entscheidungen. Lisa Fertner spielt dem Publikum diese intensiv in der Wortkraft des Textes zu. Und das kommt an. Still wie wühlend, arbeitend. Wir nehmen diese auf und mit hinein in ein ungewisses Leben in Angst und Hoffnung.

Lisa Fertner beschenkte die Bühnenbretter Wiens vor dem Lockdown in einzigartiger Spielkraft, Variation und Ansprache. Die junge, so vielseitig talentierte Schauspielerin, bot ein grandioses Theaterfinale in Lust und Leben, Ringen und Dramatik wie es zu Zeit und Stadt nicht besser passen könnte.

Danke, Lisa Fertner, für diese so mitreißende Visitenkarte von Theaterenergie als Kraftquelle zu aller Zeit! Alles Gute und komm` bald wieder!

Effi Briest,

Mit: Lisa Fertner

http://lisa.fertner.com/de/home.html

Regie und Textfassung: Falco Blome

Licht und Ton: Julian Vogel

DAS OFF THEATER, Burggasse 28-32/2, 1070 Wien

Walter Pobaschnig, 2.11.2020   

Fotos_ Lisa Fertner_“Effie Briest“ Off Theater_Wien 1.11.2020

Fotos_Lisa Fertner_Hotel Regina_Wien _2.11.2020

Alle Fotos_Walter Pobaschnig

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