„Nicht die Flinte ins Corona-Korn werfen, neue Projekte in Angriff nehmen und alle Förderungen anzapfen, die es gibt“ Horst Dieter Sihler, Schriftsteller _ Klagenfurt 10.11.2020

Lieber Horst, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

wie immer seit 20 jahren – als copd-behinderter single bin ich schon lange im homeoffice – bin stolz dass ich genau am höhepunkt meines copd-schubs im jänner – in klausur zwischen bett und pc – mein neues buch, den foto-gedichtband „haus im sommer“ (wieser-verlag 2020), fertigstellen konnte, für das ich jetzt begeistertes feedback bekomme (siehe auch ilse gerhardt in der kärntner woche) und im september sogar ein kurzfilm-projekt mit chris haderer  realisieren werde …

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

durchhalte-vermögen – nicht die flinte ins corona-korn werfen – sondern im widerstand gegen alle fake-news und soziale probleme neue projekte – welche auch immer – in angriff nehmen – und alle förderungen anzapfen die es gibt …

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, dem Film, der Kunst an sich zu?

als im märz die buchmesse, die diagonale und der bachmannpreis abgesagt wurden – habe ich sofort digitale gegenangriffe entwickelt – die zum teil dann auch realisiert wurden (nicht von mir)- war etwas überfordert – ergebnis: stiller schlaganfall/gesichtslähmung/augenprobleme – war eine zeitlang fast blind – kann seit damals nur eingeschränkt lesen und filme schauen – bessert sich alles viel zu langsam…

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Was liest Du derzeit?

habe plötzlich ganze vier buch-manuskripte von freunden am computer

wo ich ein bißchen lektor spielen sollte (mit meinem auge!!!)

1 – Jozi Strutz: Das Feuerschiff – Gedichte/Prosa /Drama (15o Seiten )

2 – Wolfgang Koch: Biographie von Viktor Rogy (555 Seiten)

3 – Ilse Gerhardt: Zug um Zug – Groteskes Theaterstück

4 – Martin Daniel Sihler – Fantasy-Roman (400 Seiten)

jaja – mein jüngster sohn – der kaum bücher liest (was mich immer sehr betrübte) aber bücher schreibt – hat seinen dritten roman fertig …

 

außerdem stapeln sich bei mir – nur angelesen – 10 neue bücher (von meiner digitalen zweiten bibliothek am kindle gar nicht zu reden) – wie christa wolfs bestes SOMMERSTÜCK – der erstaunliche GESCHENKTE GAUL von hildegard knef oder VULVA – das wichtigste aufklärungsbuch unserer tage usw.- ebenso wie gedichte von guttenbrunner/cosovel/octavio paz usw. – gerade habe ich auf lyrikline schöne gedichte gehört – gelesen von unserer stadtschreiberin ronya othmann – die sich auch für den kurdischen film einsetzt – wo sind die zeiten als ich in den 90ern den ersten film in kurdischer sprache im volkskino einsetzte – werde kontakt mir ihr aufnehmen …

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Aus einem der Texte meines nächsten Buches „Miniaturen 1960-2020“ (gerade den Vertrag bekommen), „Klagenfurt und die Moderne“:

Niemand wußte, was da schon einige Jahre vorher – um 1950/51 – geschehen war. Dass da Maria Lasssnig in ihrem Atelier in der Klostergasse am Heiligen-Geist-Platz (gerade verdienstvoll restauriert von Maria Nicolini), zusammen mit Arnulf Rainer, die Weichen für die moderne Kunst in Österreich stellte  – und sogar einen „obszönen“ männlichen Akt eines gewissen Michael Guttenbrunner ausgestellt hatte, der in den zur gleichen Zeit beim Verlag Haid in Klagenfurt erschienenen „Surrealistischen Publikationen“ eines Max Hölzer (hat die Auseinandersetzung mit dem Surrealismus Andre Bretons angekurbelt) unter dem Pseudonym Michael Straßburg grandiose Gedichte veröffentlichte: „Der Tod ist ein Schauer der Frühe/es fehlt ihm an nichts wenn wir gehen … wir haben Christus gesehen/in der Schlangengrube der Dogmen.“ Und zu allem Überfluss findet man da auch einige Gedichte des jungen Paul Celan, unzweifelhaft an die junge Ingeborg Bachmann gerichtet, die kaum zweihundert Meter von dem Ort, wo ich jetzt lebe, aufgewachsen ist: „Wer sein Herz aus der Brust reisst zur Nacht, der langt nach der Rose/Sein ist ihr Blatt und Ihr Dorn …“

 

Vielen Dank für das Interview lieber Horst Dieter, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen

Horst Dieter Sihler, Schriftsteller

Horst Dieter Sihler

Foto_privat.

 

 

21.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

 

 

 

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