„Die Fähigkeit zuzuhören und zu hören, zu lieben und die Liebe zu schätzen, nicht gleichgültig zu sein“ Marta Mokhnatska, Schriftstellerin_Lwiw, Ukraine _ 6.11.2020

Liebe Marta, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Seit Februar des Jahres arbeite ich von zu Hause aus. Anfangs, als ich nicht allein zu Hause war, bedeutete die Quarantäne für mich nichts mehr als eine sehr bequeme Reduzierung der Anzahl der Menschen um mich herum.

Aber während der letzten Monate wurde die Quarantäne zu meinem ständigen Versuch, mir selbst zuzustimmen, all meine schlechten Gedanken und Zustände zu überwinden, nach Selbstkontrolle und inneren Kompromissen zu suchen.

Ich versuche zu arbeiten, zu lesen, nach interessanten Informationen zu suchen und mich zu entwickeln. Aber es gelingt mir nicht immer. Die Quarantäne ist in einer schwierigen Zeit meines Lebens geraten, in der es kompliziert ist, allein zu sein, und es geht für mich nicht um die Selbstständigkeit oder die Selbstgenügsamkeit, sondern um was anderes.

Marta Mokhnatska

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Fähigkeit zuzuhören und zu hören, zu lieben und die Liebe zu schätzen, nicht gleichgültig zu sein.

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Die Kunst spricht immer so direkt wie möglich über das Wichtigste. Subjektiv natürlich, aber trotzdem.

Daher ist sie wahrscheinlich der erste Kanal, der verwendet wird, wenn man etwas zu sagen hat. Wir stehen jetzt vor mehreren Jahren des Umdenkens von Makro- und Mikrowerten.

Und dieses Umdenken muss ständig dokumentiert, aufgezeichnet und als Beweise uns selbst vorgelegt werden. Und es ist die Kunst, die diese Beweise, dieses Signal an sich selbst in ein paar Jahren oder an sich selbst in den nächsten Generationen darstellt.

 

 

Was liest Du derzeit?

“Das Ministerium des äußersten Glücks” von Arundhati Roy. Ich kann mich noch nicht vollständig in dieses Buch vertiefen, aber ich freue mich wirklich darauf. Arundhati Roy ist für uns eine sehr wichtige Translatorin einer völlig anderen Welt. Aber die Welt ist einzig und bedeutet eigentlich immer eins: Gewalt, innere und äußere Einschränkungen, Liebe und Tod, kleine Tragödien und Wellen, die von ihnen abweichen. Ich habe große Angst vor Erdbeben in Roys Sprache, aber ich warte immer noch endlos auf sie.

 

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“Der Mensch ist nie ganz unglücklich” von Albert Camus

 

Vielen Dank für das Interview liebe Marta, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen

Marta Mokhnatska, Schriftstellerin

Foto_privat.

21.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Ich bedanke mich auch! Alles Gute!

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