Liebe Andrea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich stehe früh auf und setze mich zum Schreiben hin. Derzeit bin ich am Beenden meines nächsten Thrillers, der im Herbst bei Emons erscheint. Außerdem bereite ich Präsentationen in italienischer Sprache vor, da „Grado nella nebbia“ im Februar bei Emons libri & audiolibri in Rom erscheint. Es ist der dritte Band der Grado-Reihe um die Commissaria Maddalena Degrassi. Im März kommt der sechste Band der Reihe „Grado in Flammen“ auf den Markt. Zu Mittag esse ich gemeinsam mit meinem Mann und danach wandern wir durch den Wald oder zum See. Den Nachmittag verbringe ich in meiner Praxis und wieder am Schreibtisch. Der Abend ist dem Lesen und vielen Serien vorbehalten.
Andrea Nagele, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ausreichend zu schlafen, sich viel zu bewegen und sich gesund gut zu ernähren. Alles zu machen, was die Lebensqualität fördert. Wichtig ist außerdem, im Kontakt mit Familie und Freunden zu bleiben.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur ist ein reflektierendes Medium. In der einen oder anderen Weise wird jede Schreibende sich mit der schwierigen Zeit des letzten Jahres auseinandersetzen. Einerlei, ob CoVid in dem Text vorkommt, oder nicht.
Was liest Du derzeit?
James Rhodes Der Klang der Wut
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.“ Theodor W. Adorno
Vielen Dank für das Interview liebe Andrea, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Das Miteinander wieder viel mehr zu suchen, Behutsamkeit und Geduld in uns zu finden und das eigene Ego ein wenig zu zähmen.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Musik, Theater und Kunst – jene Rezeptionen, die das Leben leicht, bunt und festlich machen. Wir müssen wieder unermüdlich verführen, berühren und der Realität strengstens den Zutritt verwehren! Nehmen wir uns nicht zu wichtig, dann werden wir es wieder!
Was liest Du derzeit?
Das Lachen und der Tod / Pieter Webeling
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Wir waren schon alle satt, jetzt nährt Hunger wieder die Phantasie.
Vielen Dank für das Interview lieber Alexander viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musik-, Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Moritz, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich sitze ziemlich lange am Laptop. Morgens nutze ich die beste Zeit des Tages zum Schreiben. Danach – ich bin auch Lehrer – viel Online-Unterricht, Video-Konferenzen und so. Mittags fahr ich manchmal zum Restaurant, um sie zu unterstützen und Abwechslung in meinen Speiseplan zu bringen. Und irgendwann muss ich RAUS: aufs Rad oder durch den Schnee laufen! Aber schön zum baden-württembergischen Zapfenstreich wieder daheim sein…
Moritz Heger, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dass wir nicht selbstgerecht und nicht verbittert werden. Freundlich sein auch unter der Maske. Die reale Diversität möglichst wertfrei aushalten – wir erleben Corona unterschiedlich, wir SIND unterschiedlich. Das waren wir natürlich schon zuvor, aber die Krise mit ihrem Druck treibt es zutage.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur macht Stimmen hörbar, gerade auch Unerhörtes. Sie schafft Wegräume und Wegträume. Literatur erzeugt Bilder im (kollektiven) Kopf. Sie macht mündig. Das ist existenziell wichtig in einer Zukunft, die auch aus Traumaverarbeitung und gesellschaftlicher Deutung des Erlebten und Erlittenen bestehen wird.
Was liest Du derzeit?
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Marie T. Martin: „Rückruf“, Yevgeniy Breyger: „Gestohlene Luft“, Philip Roth: „Der menschliche Makel“, Lauren Groff: „Florida“ , Sasha Filipenko: „Rote Kreuze“, Anne Freytag: „Das Gegenteil von Hasen“, Markus Gabriel: „Fiktionen“, Terry Eagleton: „Opfer – Selbsthingabe und Befreiung“
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
To be really wortkarg, one must know every Wort. (Samuel Beckett)
Vielen Dank für das Interview lieber Moritz, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Moritz Heger, Schriftsteller
Aktueller Roman „Aus der Mitte des Sees“ Diogenes Verlag 2_2021
Foto_maurice-haas-diogenes-verlag
11.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Pegah, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Wie immer konzentriere ich mich auf das Lesen sowie das Schreiben und ich führe einige Schreibprojekte durch, Korrespondiere mit meinen Freunden und denke darüber, was in diesen Briefe ausgetauscht wird.
Pegah Ahmadi, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich denke in der gegenwärtigen Situation, in der der Außenraum beinahe aus unserem Leben entfernt ist und wir mit verschiedenen Bedrängnissen in allen Dimensionen konfrontiert sind, ist es wichtig eine Art Akzeptanz, Toleranz, Empathie und Versöhnung mit dem Inneren üben zu können. Diese kann vielleicht zu einer besseren Harmonie mit uns selbst und anderen führen.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die Literatur strömt weiterhin. Sie hört nicht auf Fragen zu stellen und bezeugt ihre eigene Betroffenheit, durch das, was sie produziert. Vielleicht besteht die Rolle der Literatur darin, ohne ihre Kraft und Strahlung zu mindern, ihr eigenes Ungenügen zu offenbaren. Und das schließt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit ein. Auf jeden Fall ist es die Literatur, die uns ermutigt weiterzumachen, um in Konfrontation mit dem Desaster etwas Stärkeres zu erschaffen, auch wenn dieses Stärkere unsere Schrecken reflektiert.
Was liest Du derzeit?
Ich lese immer mehrere Bücher parallel. In jedem Buch kann ein Funke den Geist in eine andere Richtung lenken. Zur Zeit lese ich allerdings ‘’ Wir sagen uns Dunkles’’ von Helmut Böttiger, zwei Gedichtsammlungen von Günter Eich und Ernst Meister und parallel einige Artikel über ihre Poetologie.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
‘’Ich kann mir kein seligeres Wissen denken, als dieses Eine: dass man ein Beginner werden muss. Einer, der das erste Wort schreibt hinter einen jahrhundertelangen Gedankenstrich.’’ – Rilke, Die Prosa
Vielen Dank für das Interview liebe Pegah, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Gerne.
5 Fragen an KünstlerInnen:
Pegah Ahmadi, Schriftstellerin
Foto_privat.
7.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Alexandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf hat sich nur unwesentlich verändert. Ich schreibe, zwischendurch gibt es eine Mahlzeit und wenn ich vom Sitzen gelangweilt bin, ziehe ich die Joggingklamotten über und drehe eine Runde um den Block. Durch Corona habe ich unseren Garten zu schätzen gelernt. Ein Stück Freiheit, in der wir für einen Augenblick vergessen können.
Alexandra Huß, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Menschlich bleiben und zusammenhalten. Hinhören und hinsehen. Die Straßen sind nicht mehr so bunt wie vor der Pandemie, der Puls der Städte schlägt langsamer und das Blau des Himmels hat einen grauen Anstrich bekommen. Doch auch das wird ein Ende haben und dann werden wir zurückschauen und getrost durchatmen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Kunst und Literatur ist Leben. Lesen ist Leben. Gerade deshalb ist es in Zeiten, in denen es an Orientierung fehlt, so notwendig. An diesem roten Faden, der die Gesellschaft erst zu einer macht, muss angeknüpft werden. Einige von uns wird es nach Corona nicht mehr geben, dafür hat die Politik gesorgt, und die, die übrigbleiben, stehen mit gesenktem Kopf vor einer Mammutaufgabe, die Überleben heißt.
Was liest Du derzeit?
Ich habe das aufgeschlagene Buch Paris, links der Seine hier liegen und widme mich anschließend dem Roman Der Wal und das Ende der Welt. Unter Wasser Nacht meiner Kollegin Kristina Hauff kommt mit auf Recherchereise.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Wenn die Angst vom Himmel fällt und sich wie eine Decke über die Menschheit legt, ist es an uns, sie abzustreifen.
Alexandra Huß, Schriftstellerin
Vielen Dank für das Interview liebe Alexandra, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Natalie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
In welchem Bett ich aufwache, ist nicht so ganz sicher. Das kommt ganz darauf an, wer die bessere Überredungsstrategie hat, mein Großer (10 Jahre) oder ich. Mein Mann und mein Kleiner (4 Jahre) machen gemeinsam Frühstück. Danach darf einer in den Kindergarten und der andere in Schule. Uff… Kaffee und Brot mit Marmelade. Yoga. Singen. Musik hören. E-Mails. Kaffee. Lesen. Einkaufen. Kinder. Essen. Unterrichten. Probe. Vorstellung. Fahrt nach Hause. Musik hören. Kurze Zusammenfassung des Tages mit Rob. Gemeinsam durch den nächsten Tag planen. Und wenn das Makeup abgeschminkt und die Geräusche des Tages weit genug weg sind, nehm ich mir eines der Bücher und lese, bis ich nix mehr verstehe. Licht aus und dran denken, dass ich morgen einen neuen Polster kaufen muss.
Natalie Krainer, Sängerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Für sich selbst eine Entscheidung treffen und die anderer respektieren.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Neubeginn und Aufbruch. Beginnt etwas Neues, bricht viel Altes weg. Wie leicht oder schwer das sein wird… Für viele aber wird es sehr schwer wieder dahin zurück, wo sie schon waren. Ich denke an alleinerziehende Frauen, die schon vor der Pandemie einen durchgeplanten und strengen Tagesplan hatten, jetzt aber gute Jobs aufgeben müssen, um für die Kinder da zu sein. Demzufolge rutscht Frau wieder dem veralteten Rollenbild näher. Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer, Kurzarbeit bringt viele Frauen in die Abhängigkeit. Es ist ja so, dass alltägliche Probleme nicht wegfallen. Es gibt eine Doppel- und Dreifachbelastung. Die Kraft um aufzuschreien, fehlt.
Jedoch das ganze Ausmaß dieser Zeit zu sehen, gelingt mir nicht mal ansatzweise. Zahlen und Fakten tun nicht viel mit mir. Geschichten schon mehr und in den Geschichten drinnen, leben echte Menschen. Dann versuch ich zu verstehen und zu begreifen. Aber greifbar wird es trotzdem nicht. Denn die Blase aus der ich schaue, gibt mir keine gute Sicht nach außen. Die wird aber platzen und dann werden wir wieder hautnah hören und sehen was uns berührt. Kunst hat dann das Buffet geöffnet und jeder darf sich nehmen was er möchte und braucht. Gekocht, roh, leicht zu verdauen und mit vielem, dass uns sicher schwer fällt zu schlucken.
Natalie Krainer, Sängerin
Was liest Du derzeit?
Too Much Happiness von Alice Munro
Große Erwartungen von Geert Mak
Alice: Memories of a Barbary Coast Prositute von Alice Smith
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Jede Frau ändert sich, wenn sie erkennt,
dass sie eine Geschichte hat.“
Gerda Lerner, Professorin für Geschichte
„Wer sich nicht bewegt,
spürt seine Fesseln nicht.“
Rosa Luxemburg (1871 – 1919)
Vielen Dank für das Interview liebe Natalie, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte – und für Dein aktuelles Crowdfunding
Jetzt probe ich ganz normal und intensiv, allerdings mit Maske, es schieben sich Dinge ineinander, weil es einen Arbeitsrückstau gab. Im Moment produzieren wir für s Netz und für die Lagerung. Wir werden sehen, was wird.
Ed.Hauswirth_Regisseur
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Solidarität. Kann nicht mehr dazu sagen. Wenn der Mensch kooperiert, funktioniert alles besser.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?
Die Kunst kann das Unbedachte, das Utopische, das an den Rändern, das Unscheinbare, scheinbar Unwichtige ins Zentrum rücken. Sie kann helfen einen zweiten Blick auf unser Sein und unsere gesellschaftliche Realität zu werfen. Und sie kann den Optimismus schüren, dass nicht alles so sein muss, wie es ist.
Was liest Du derzeit?
GRM Sibylle Berg.
Fachliteratur.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
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Vielen Dank für das Interview lieber Ed, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Ed.Hauswirth, Regisseur, künstlerischer Leiter Theater im Bahnhof_Graz
Liebe Louise, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich bin ein stiller Morgenmuffel und brauche meine Zeit. Ich trinke erstmal in Ruhe meinen Kaffee. Seit Herbst sitze ich mehr am Schreibtisch als noch vor dem Sommer beim ersten Lockdown. Ich bereite meinen Unterricht an einem Gymnasium in Berlin vor. Ich habe das Glück dort seit September Darstellendes Spiel zu unterrichten. Zusätzlich nutze ich die Zeit und absolviere gerade eine Weiterbildung und lerne für Prüfungen.
Gerade hilft es sehr gut, halbwegs gefordert zu sein. Ich skype und telefoniere oft mit Freunden und KollegInnen, um mit ihnen in Kontakt und im Austausch zu bleiben. Gehe spazieren.
Louise Knof, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns besonders wichtig?
Geduld ist das Gebot der Stunde. Sich in Geduld zu üben ist schon schwer genug zur Zeit, aber ein kleiner Anfang.
Dann sollten wir uns fragen, welche Dinge wir steuern und welche wir nicht ändern können. Wir können die jetzige Situation nicht (sofort) ändern, aber können kontrollieren, wie wir mit dieser und mit unseren Mitmenschen umgehen.
Allgemein in Kommunikation bleiben.
Wir sollten ab und zu durchatmen und optimistisch in die Zukunft schauen. Wir werden wachsen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Aufbruch und Neubeginn sind zwei wunderschöne Wörter und machen erstmal Hoffnung und Freude auf das Leben. Ich hoffe, wir brechen auf mit den Erkenntnissen, die wir jeder durch Corona erlangt haben.
Theater (die Kunst und Kultur an sich!) erfüllt einen wichtigen Bildungsauftrag, ist Versammlungsort, ein Ort für Emotionen in unserer kontrollierten Welt. Theater kann Lebensrezepte und Denkanstöße geben, Perspektiven eröffnen, Bewegung bringen und ist Spiegel der Gesellschaft. Das alles kann es aber nur, wenn es stattfindet.
Was liest Du gerade?
Ausgelesen habe ich gerade das Buch „Trotzdem“ von Alexander Kluge und Ferdinand von Schirach. „Ungezähmt“ von Glennon Doyle lese ich gerade. Danach beschäftige ich mich mit Carl Zuckmayer für mein Engagement im Sommer bei den Festspielen Reichenau. Dazu halte ich dann meine Daumen, dass wir in diesem Sommer spielen dürfen und freue mich auf ein Wiedersehen mit KollegInnen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Ich möchte laut über die Mauer hinausrufen: O bitte, beachten Sie doch diesen herrlichen Tag! …Beachten Sie doch den Glanz und die Herrlichkeit, die auf diesem Tage liegen, denn dieser Tag kommt nie, nie wieder!
Er ist Ihnen geschenkt wie eine voll aufgeblühte Rose, die zu Ihren Füßen liegt und darauf wartet, dass Sie sie aufheben und an Ihre Lippen drücken.“
– Rosa Luxemburg, 1917-
Louise Knof, Schauspielerin
Vielen Dank für das Interview liebe Louise, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Ich stehe auf und trinke 2 Häferlkaffee und lese die Zeitung. Dann suche ich im Internet, ob man sich wo als Schauspielerin bewerben kann und schicke emails. Dann bereite ich mich für die Sommersaison als Kinderanimateurin ab Ende März vor und überlege Programmpunkte. Ich koche jeden Tag ein gutes Mittagessen und gehe dann spazieren und einkaufen. Am Wochenende schaue ich mit meinem Freund alle Staffeln von Walking Dead. Ab und zu gehe ich Skifahren.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Umdenken ist gefragt. Kunst und Kultur gibt es weniger hautnah, vielmehr im Internet und TV. Der Gesellschaft ist Kunst und Kultur wichtig und es wird wieder richtige Vorstellungen geben.
Was liest Du derzeit?
101 Monologe
Zum Vorsprechen, Studieren und Kennenlernen, von Eva Spambalg und Uwe Berend
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Siehe, die Menschheit erschlappt unter diesem Bilde, die Spannkraft des Endlichen lässt nach, und die Phantasie, der mutwillige Affe der Sinne, gaukelt unserer Leichtgläubigkeit seltsame Schatten vor. Nein! Nein! Ein Mann muss nicht Sträuchern – Sei, wie Du willst, namenloses Jenseits – bleibt mir nur dieses mein Selbst getreu. – Sei wie Du willst, wenn ich nur mich selbst mit hinübernehme.
Rolle: Karl von Moor, Schiller, Die Räuber
Vielen Dank für das Interview liebe Tina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Ihre großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Tina Steiner, Schauspielerin
Alle Fotos_Tina Steiner.
7.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Als Musikerin, Performern und Autorin, als Mensch der Ideen, Texte & Songs sehr nahe an die Menschen bringen möchte, musste ich mich von einem Tag auf den anderen in die eigenen vier Wände zurückziehen. Auftritte wurden abgesagt, Probenprozesse untersagt, erstmals wurde die Darstellende Kunst als gefährlich, hochinfektiös und riskant eingestuft. Das Gefühl einfach gar nichts mehr machen zu können, um dadurch Menschen zu schützen (was wirklich das wichtigste auf der Welt ist), hat meinen Alltag auf den Kopf gestellt.
Tini Trampler, Sängerin, Komponistin, Autorin
Musik & Theater brauchen ein Gegenüber. Das wurde in unserer schnelllebigen Zeit kaum mehr angesprochen, denn unsere Lieder und Stücke werden mit ZuhörernInnen im Spiel weiterentwickelt. Konzerte und Performances sind ein grosses Rollenspiel, wo jeder, auch das Publikum, einen wichtigen Part übernimmt.
Als Nomadin, als Künstlerin, die von Ideen verfolgt wird – und das ist das ein sehr schönes Leben, meine „Ideenjagd“-, habe ich länger gebraucht, mich auf die neue Situation einzustellen. Die leidigen Themen, wie soll es weitergehen, wie kann ich starre kapitalistischen Systeme aushebeln, welche anarchistischen Räume, die wir brauchen, können wir jetzt aufmachen, wie bekommen wir Reaktionen auf unsere künstlerischen Arbeiten etc., standen plötzlich im Vordergrund.
Dies Umstellung meines Alltags kann ich auch gut mit Trauerarbeit vergleichen, die 5. Schritte, Leugnen, Zorn Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Anfänglich bemühte sich die ganze Welt alles wieder auf „Normal“ zu stellen, man versuchte Ideen umzustellen, neu zu gestalten, bis man akzeptiert hat, dass dieses Virus doch nach Veränderung und Nachhaltigkeit verlangt. Ein Thema das auch ohne Corona schon lange ein internationales Thema der freien Welt ist. Massenfabrikationen, Massenveranstaltungen und kurzlebiger Hype und Style in der Kunst beherrschen schon längst unseren Alltag.
Zeitloses bedarf eben viel Zeit, ist unbezahlbar und bewegt sich immer auf dünnem Eis, ist nicht kontrollierbar. Veränderung, neue Kommunikationswege zu erfinden, das ist es was mich gerade jetzt antreibt weiterzumachen, zu schreiben, Menschen zu erreichen.
Ich schreibe gerade intensiv an einer neuen Platte. „Wiener Rebellion“, Chansons mit unsichtbarer, verzeihender Revolutionswirkung. Ich habe das Glück mit meinem Musik- & Lebenspartner Stephan Sperlich gemeinsam im „Homestudio“ zu arbeiten. Das haben wir eigentlich immer schon gemacht, und wir lernen gerade noch mehr und neue technische Skills dazu, schneiden mittlerweile selbst Videos, reduzieren viele Ideen aufs Wesentliche.
Träumende Vögel: (vielleicht kann man den link einfügen zu dem Lied?)
Ein Musikprojekt das vielleicht irgendwann wieder auf der Bühne sein darf, wo sich Menschen berühren dürfen, entwickeln wir in einem neuen Format!
Mein Alltag ist also künstlerisch ausgefüllt, nur sehnt sich meine Sprache und Musik nach Aufführungen und Reaktionen.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
In Zeiten wie diesen wird uns gezeigt, dass wir uns immer wieder bewusst machen müssen auf Andere zu schauen. Die Welt verkauft uns Individualität, aber nicht die, uns selber zu mögen, sondern eine Individualität, die verlangt, alles selbst schaffen zu müssen. Das stimmt für mich etwas grundsätzlich nicht: Geben und Nehmen sollte selbstverständlich sein.
Wichtig fände ich es, sich endlich von diesem Konsumzwang zu befreien, der uns mehr einschränkt als frei sein läßt, wichtig fände ich immer und immer wieder zu thematisieren, wie wichtig jeder Einzelne im gesellschaftlichen Zusammenspiel ist.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Vor einem Neubeginn sollten wir uns besonders bewusst sein, wie schön es ist, in einer Demokratie zu leben, die es zulässt uns persönlich zu entwickeln und zu äußern und gleichzeitig uns als grenzenloses Kollektiv zu sehen, das das Leben gemeinsam bestreitet, gemeinsam feiert.
Schon vor Corona ging die Gesellschaft mit unserer Freiheit sehr fragwürdig um, und setzt sich nun immer mehr Grenzen und Regeln, die unsere Freiräume beschneiden. Freiheit ist das Schönste was es gibt, gleichzeitig auch liebevoll gefährlich, und lässt sich nicht manipulieren. Ich glaube man kann sie nicht verkaufen, weil es all zu menschlich ist, Fehler zu machen – und ohne Fehler gibts nun mal keine Entwicklung.
Ich wünsche mir, dass die Kunst wieder Räume bereitstellt, die, ob klein oder groß, experimentell und autonom arbeiten können, ich wünsche mir Bühnen, die nicht nur Perfektion zeigen, die Dialoge und Entwicklungen zeigen, ich wünsche mir dass man Künstlerinnen mehr Zeit gibt.
Ich wünsche mir von der Welt, dass sich die „Verpackungsindustrie“ auflöst und Ideen wieder an Wert gewinnen.
Was liest Du derzeit?
„Der Platz“ von Annie Ernaux
„Nachricht an den Großen Bären“ von Eva Schörkhuber
„Die unsichtbaren Städte“ von Italo Calvino
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Da sollten wir uns ständig bewegen, dann durften wir uns nicht mehr bewegen, und in dieser Bewegungslosigkeit bewegen wir uns plötzlich unsichtbar in alle Richtungen…“(Tini Trampler – Song Lyrik 2021)
Vielen Dank für das Interview liebe Tini, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!