„Vielleicht besteht die tatsächliche Rolle der Literatur darin, ihr eigenes Ungenügen zu offenbaren“ Pegah Ahmadi, Schriftstellerin_ Köln 4.3.2021

Liebe Pegah, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wie immer konzentriere ich mich auf das Lesen sowie das Schreiben und ich führe einige Schreibprojekte durch, Korrespondiere mit meinen Freunden und denke darüber, was in diesen Briefe ausgetauscht wird.

Pegah Ahmadi, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke in der gegenwärtigen Situation, in der der Außenraum beinahe aus unserem Leben entfernt ist und wir mit verschiedenen Bedrängnissen in allen Dimensionen konfrontiert sind, ist es wichtig eine Art Akzeptanz, Toleranz, Empathie und Versöhnung mit dem Inneren üben zu können. Diese kann vielleicht zu einer besseren Harmonie mit uns selbst und anderen führen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Literatur strömt weiterhin. Sie hört nicht auf Fragen zu stellen und bezeugt ihre eigene Betroffenheit, durch das, was sie produziert. Vielleicht besteht die Rolle der Literatur darin, ohne ihre Kraft und Strahlung zu mindern, ihr eigenes Ungenügen zu offenbaren. Und das schließt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit ein. Auf jeden Fall ist es die Literatur, die uns ermutigt weiterzumachen, um in Konfrontation mit dem Desaster etwas Stärkeres zu erschaffen, auch wenn dieses Stärkere unsere Schrecken reflektiert.

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer mehrere Bücher parallel. In jedem Buch kann ein Funke den Geist in eine andere Richtung lenken. Zur Zeit lese ich allerdings ‘’ Wir sagen uns Dunkles’’ von Helmut Böttiger, zwei Gedichtsammlungen von Günter Eich und Ernst Meister und parallel einige Artikel über ihre Poetologie.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

‘’Ich kann mir kein seligeres Wissen denken, als dieses Eine: dass man ein Beginner werden muss. Einer, der das erste Wort schreibt hinter einen jahrhundertelangen Gedankenstrich.’’ – Rilke, Die Prosa

Vielen Dank für das Interview liebe Pegah, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Gerne.

5 Fragen an KünstlerInnen:

Pegah Ahmadi, Schriftstellerin

Foto_privat.

7.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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