„Frau rutscht wieder dem veralteten Rollenbild näher“ Natalie Krainer, Sängerin_St.Veit/Glan_ 4.3.2021

Liebe Natalie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

In welchem Bett ich aufwache, ist nicht so ganz sicher. Das kommt ganz darauf an, wer die bessere Überredungsstrategie hat, mein Großer (10 Jahre) oder ich. Mein Mann und mein Kleiner (4 Jahre) machen gemeinsam Frühstück. Danach darf einer in den Kindergarten und der andere in Schule. Uff… Kaffee und Brot mit Marmelade. Yoga. Singen. Musik hören. E-Mails. Kaffee. Lesen. Einkaufen. Kinder. Essen. Unterrichten. Probe. Vorstellung. Fahrt nach Hause. Musik hören. Kurze Zusammenfassung des Tages mit Rob. Gemeinsam durch den nächsten Tag planen. Und wenn das Makeup abgeschminkt und die Geräusche des Tages weit genug weg sind, nehm ich mir eines der Bücher und lese, bis ich nix mehr verstehe. Licht aus und dran denken, dass ich morgen einen neuen Polster kaufen muss.

Natalie Krainer, Sängerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für sich selbst eine Entscheidung treffen und die anderer respektieren.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Neubeginn und Aufbruch. Beginnt etwas Neues, bricht viel Altes weg. Wie leicht oder schwer das sein wird… Für viele aber wird es sehr schwer wieder dahin zurück, wo sie schon waren. Ich denke an alleinerziehende Frauen, die schon vor der Pandemie einen durchgeplanten und strengen Tagesplan hatten, jetzt aber gute Jobs aufgeben müssen, um für die Kinder da zu sein. Demzufolge rutscht Frau wieder dem veralteten Rollenbild näher. Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer, Kurzarbeit bringt viele Frauen in die Abhängigkeit. Es ist ja so, dass alltägliche Probleme nicht wegfallen. Es gibt eine Doppel- und Dreifachbelastung. Die Kraft um aufzuschreien, fehlt. 

Jedoch das ganze Ausmaß dieser Zeit zu sehen, gelingt mir nicht mal ansatzweise. Zahlen und Fakten tun nicht viel mit mir. Geschichten schon mehr und in den Geschichten drinnen, leben echte Menschen. Dann versuch ich zu verstehen und zu begreifen. Aber greifbar wird es trotzdem nicht. Denn die Blase aus der ich schaue, gibt mir keine gute Sicht nach außen. Die wird aber platzen und dann werden wir wieder hautnah hören und sehen was uns berührt. Kunst hat dann das Buffet geöffnet und jeder darf sich nehmen was er möchte und braucht. Gekocht, roh, leicht zu verdauen und mit vielem, dass uns sicher schwer fällt zu schlucken.

Natalie Krainer, Sängerin

Was liest Du derzeit?

Too Much Happiness von Alice Munro

Große Erwartungen von Geert Mak

Alice: Memories of a Barbary Coast Prositute von Alice Smith

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Jede Frau ändert sich, wenn sie erkennt,

dass sie eine Geschichte hat.“

Gerda Lerner, Professorin für Geschichte

„Wer sich nicht bewegt,

spürt seine Fesseln nicht.“

Rosa Luxemburg (1871 – 1919)

Vielen Dank für das Interview liebe Natalie, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte – und für Dein aktuelles Crowdfunding

https://wemakeit.com/projects/what-does-it-matter

wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Natalie Krainer, Sängerin

nmmk.net

Fotos_Rob Bargad.

2.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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