„Kunst und Kultur sind Balsam für die Seele, egal in welcher Form“ Claudia Sabitzer, Schauspielerin _ Wien 28.6.2021

Liebe Claudia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Seit Anfang Juni des Jahres probe ich wieder. Vorproben für die neue Saison. Es fühlt sich ungewohnt und fast neu an. Auch stelle ich bei mir eine große Verunsicherung fest. War ich doch fast ein Jahr beinahe Eremitin. So ganz läßig kann ich die Maske noch nicht weglassen. Alle getestet, aber ich noch nicht geimpft.

Also mein momentaner Tagesablauf…

6:30 Tagwach, Frühstück gemeinsam mit den Kindern, Haushalt, Büro, Organisatorisches etc.

10:00 testen im KBB

11:00 Probenbeginn im Volks. Eine wunderbare Truppe hat sich da zusammengefunden. Was genau wir proben, soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden. Der neue Spielplan ist noch nicht offiziell…

17:00 spätestens Probenende

Zuhause wartet der Alltag mit 3 Kindern, die alle versuchen das Coronalerndefizit aufzuholen. Ich helfe so gut ich kann und soll. Wenn alle im Bett sind, setze ich mich hin und überarbeite die Probe nochmals. Versuche die Gedanken weiterzuspinnen. Merke wie ich noch nicht so ins Laufen gekommen bin. So nach einem Jahr fern ab vom Theater. Habe das Gefühl für jeden Gedanken dreimal so lange zu brauchen.

1:00 Licht aus.

Claudia Sabitzer, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Umsicht, Nachsicht, Geduld, Vorsicht, Zusammenhalt, Humor, Zeit, Toleranz, Besinnung, Solidarität.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Diese Pandemie hat wie ein Brennglas gewirkt. Defizite zu Tage gefördert, gleichzeitig den Blick frei geschaufelt auf das was man vermisst.

In Bezug auf Kunst und Kultur würde ich mir wünschen, dass es einen niederschwelligeren Zugang für ALLE geben könnte.

Kunst und Kultur ist Balsam für die Seele, egal in welcher Form.

Was liest Du derzeit?

Gedichte von Yvan Goll

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Albernheit ist die Erholung von der Umwelt,

Peter Bamm

Vielen Dank für das Interview liebe Claudia, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Claudia Sabitzer, Schauspielerin

CLAUDIA SABITZER – Volkstheater

Foto_Marcel Urlaub

8.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kontaktfläche sein. Sichtbarmachend sein.“ Sara Hauser, Lyrikerin_Berlin 27.6.2021

Liebe Sara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich arbeite als Lernbegleiterin an einer Oberschule, jeder Tag ist anders. Während des Lockdowns bestimmte ein Mix aus Sprachnachrichten, Telefonaten, Videocalls und persönlichen Besuchen in einem Übergangswohnheim meinen Alltag. Der persönliche Kontakt mit einzelnen Schüler*innen war eine tragende Konstante für mich, ich wusste: wenn es geht, bin ich ein bis zwei Mal wöchentlich im Übergangswohnheim und habe die Chance drei Jugendliche zu begleiten und mit ihnen zu arbeiten. Die Perspektiven der Jugendlichen beeindrucken und bereichern mich täglich. Wir sprechen über Gott, Racial Profiling, Motivationsschwierigkeiten, Träume, Ziele. Und schreiben Gedichte.

Als Online-Format habe ich eine Facharbeit zum Kreativen Schreiben geleitet, dabei sind tolle Texte entstanden und für uns alle ein bisschen Routine. Die Früchte dieser intensiven Zeit ernten wir nun. Ich begleite eine Gruppe von vier freiwilligen Jugendlichen dabei ein Minibuch  mit eigenen Texten zu erstellen. Es soll Fuck (ed) Up heißen. Täglich flattern Rückmeldungen zum Arbeitsstand, Fragen, Ideen ein. Daran hängt mein Herz gerade sehr, das trägt mich.

Und es zeigt: aus dieser abgekapselten Zeit ist etwas gewachsen. Ein Sprachfindungsprozess und Motivation und Raum eigene Ideen umzusetzen. Dabei sehe ich diese jungen Menschen wachsen, für sich, als Gruppe und als Sprachkünstler*innen, das ist sehr groß.

Sara Hauser, Lyrikerin, Literaturvermittlerin

Aber ja: Auch Ermüdungserscheinungen treten zu Tage. Und sind in ihren Nachwehen spürbar. Dass Corona wie ein Brennglas wirkt und die soziale Schere noch weiter vergrößert, sah und sehe ich mit eigenen Augen. Wer kein soziales Lernbegleitungsnetz und unermüdliche intrinsische Motivation hat, steht vor krassen Herausforderungen. Meine Arbeit mit einzelnen Jugendlichen ist ein Tropfen auf den heißen Stein einer systemischen Schieflage. Vielleicht werfe ich mit meiner Arbeit aber ein paar individuelle Dominosteine um. Ich bin mir sicher.

Und sonst? Ich esse gerade die ersten Male wieder in Restaurants im Außenbereich. Besuche weniger die Schafe auf dem Tempelhofer Feld, wo ich im harten Lockdown täglich war. Ich esse weiterhin Mohn-Marzipankuchen, den in so unfassbar gut bisher nur aus der Bahnhofsbäckerei in Luckenwalde kenne.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Behutsam Räume eröffnen. Formen von Nähe schaffen, trotz Distanz und ihren Nachwehen. Nähe wieder lernen, schätzen, aushalten. Weiter, wieder oder überhaupt mit dem nächsten Umfeld zu interagieren.

Ich hatte das Glück während des Lockdowns in eine neue, tolle Wohnkonstellation zu kommen.  Meine Mitbewohnerin Katleen machte die Idee stark, mehr mit unserer Hausgemeinschaft zu interagieren. Gemeinsam haben wir zu Fasching an allen Türen des Vorder- und Hinterhauses geklingelt und unseren Nachbar*innen das Angebot gemacht mit uns im Flur, maskiert und verkleidet eine Runde Wahrheit, Pflicht oder Gedicht zu spielen. Und ein blauer Hausgeist beauftragte mich in unserem Neuköllner Hausflur eine Poesie-Pandemiebox zu platzieren. In diese konnten alle Hausbewohner*innen Wörter einwerfen. Während des Lockdowns leerte ich die Box täglich und brachte dem Geist sein Futter für neue Hausgedichte, die zunehmend unseren Hausflur schmückten.

Ich setze bewusst dieses Spotlight aufs Möglichmachen und eigene kreative Ressourcen, denen mich die letzten Monate näher gebracht haben. Ich wünsche mir mehr von diesem Machbarkeitsmodus in Bereichen mit Gestaltungsspielraum. Und wann immer es geht für die Eröffnung solcher Räume einzutreten.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kontaktfläche sein. Sichtbarmachend sein. Unerhörtes artikulieren. Auf eine unerhörte Weise. Eine Sprache für diese neuen, digitalen, viralen Schmerzen finden. Sprachräume öffnen. Künstlerisch, perspektivisch. Für mich sind Kunst, Literatur, Kreativität und soziale Praxis verwoben. 

Was liest Du derzeit?

Mein Prinz, ich bin das Ghetto von Dinçer Güçyeter. Erinnerung eines Mädchens von Annie Ernaux. Immer wieder Lustdorf von Alicia Gamish. Und Texte meiner Schüler*innen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein Impuls aus der Fuck (ed) Up-Redaktion. Die Fortsetzung der ersten sechs Worte des Gedichts Cordoba von Fatima Naoot.

Wenn wir Gott die Erde übergeben und er stellt uns nur eine Frage:

Was habt ihr gemacht?

Tut uns leid, wir haben verkackt

Wir haben unsere Erde gefickt

Hunger, Gewalt, Krieg

Und wir lügen so viel

Mein Gott, tut uns leid.

(Mohamad Salman Dalfe)

Vielen Dank für das Interview liebe Sara, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Sara Hauser, Lyrikerin, Literaturvermittlerin

Foto_privat

18.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Weil die Kunst Brücken baut, wo keine sind“ Johanna Sophia Baader, Künstlerin _Wien 27.6.2021

Liebe Johanna Sophia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Momentan schlafe ich lange, frühstücke in Ruhe und setze mich dann an die Leinwand und male bis in den Nachmittag hinein. Gegen 17.00 gönne ich mir ein Tässchen Tee oder Kaffee, lese ein bisschen, spiele Klavier und mache meine Gesangsübungen. Ich beschäftige mich gesanglich mit meinen Arien, an denen ich derzeit arbeite. Zwischendurch hatte ich das Glück eine Produktion proben zu dürfen und an diversen Projekten mitzuarbeiten und freue mich schon sehr darauf, diese Arbeit bald auf der Bühne zeigen zu können. Ansonsten unterrichte ich meine Schüler oder habe selbst Unterricht und Korrepetiton. Abends koche ich mir etwas Feines und male dann noch ein bisschen oder telefoniere mit Freunden.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Diese seltsame Zeit birgt, trotz ihrer Schwierigkeiten auch eine große Chance: Wir sind, mehr denn je, zurückgeworfen auf uns selbst und müssen uns zwangsläufig mit unseren inneren Dämonen und Schatten auseinandersetzen. Ohne die übliche Ablenkung und dank der Ruhe, die diese Zeit mit sich bringt, haben wir die Möglichkeit, uns noch einmal auf eine ganz neue und intensive Art und Weise mit uns selbst auseinanderzusetzen und uns die wichtigen Fragen zu stellen: Bin ich glücklich? Was bedeutet Glück? Wer möchte ich sein? Wer bin ich? So profan diese Fragen auch klingen mögen, so schwierig sind sie manchmal zu ergründen. Doch es lohnt sich: Wenn wir uns durch diese Konfrontation mit uns selbst mehr mit unserer Essenz zu verbinden wissen, wird sich das positiv auf unsere mitmenschliche Liebesfähigkeit, unsere Empathie, unser tiefes Verständnis füreinander
auswirken, davon bin ich überzeugt und das ist, was wir alle brauchen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an
sich zu?

In dieser Zeit ist es, denke ich, wichtig, sich des gesellschaftlichen Gefüges nochmal aus einer neuen Perspektive bewusst zu werden. Wir sind es gewohnt, als zielstrebige Individuen unsere Träume und unsere Freiheit leben zu wollen und doch wird man sich innerhalb dieser ungewohnten Situation noch einmal mehr darüber im Klaren, wie sehr
die eigene Freiheit in Abhängigkeit zu der der Anderen steht; dass wir ein Zusammenspiel aus Individuen sind, das in sich fragil ist und Achtsamkeit und Menschlichkeit bedarf. Sich auszudehnen, ohne den Raum des Gegenübers zu beschneiden ist eine Kunst, die Reflexion und Empathie voraussetzt und das zu üben, wird nun immer wichtiger werden, wenn wir in einem harmonischen Miteinander leben möchten. Hierbei empfinde ich die Kunst, das Theater, die Musik wie eine zarte Materie, die uns mal weich, mal spiegelnd, miteinander verbindet und uns umhüllt wie ein schöner, funkelnder Königsmantel. Wir brauchen die Kunst in all ihren Ausformungen, weil sie Brücken baut, wo keine sind, weil sie verbindet, was in Distanz zueinander stand, weil sie Alles zusammenzuhalten vermag.

Was liest Du derzeit?

Ich lese ein wunderbares Buch, das mir sehr beim Verständnis meiner Selbst und der Reflexion über unser Wesen hilft: „Eastern Body, Western Mind“ von Anodea Judith. Ein umfassendes Werk über den Zusammenhang des östlichen Prinzips des Chakren-Systems mit der westlichen Psychologie.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„The word ‚love‘ is most often defined as a noun, yet (…) we would all
love better if we used it as a verb“ (Bell Hooks)

Vielen Dank für das Interview liebe Johanna Sophia, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Danke dir!!! 🙂

5 Fragen an Künstler*innen:

Johanna Sophia Baader, Opernsängerin, Schauspielerin, Malerin.

Foto_privat.

4.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der Kunst kommt die Rolle zu, die wir ihr beizumessen bereit sind“ Isabelle Hannemann, Bildende Künstlerin_Stuttgart 26.6.2021

Liebe Isabelle, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Während des Lockdowns konnte ich zum Glück noch einmal Elternzeit von meiner Lehrtätigkeit nehmen:

Der Wecker klingelt um 6.45 Uhr, mein Mann oder ich wecken die Kinder, bzw. vor allem unsere Älteste (11), die kleinen Jungs (8 und 5) sind oft schon wach und spielen.  Wir frühstücken miteinander und unsere meist noch sehr müde Tochter muss pünktlich um 7.45 Uhr am Rechner in ihrem Zimmer sitzen, dann beginnt ihr Online-Unterricht. Mein Mann geht um 8 Uhr aus dem Haus Richtung Arbeit. Ich mache die Küche, ziehe die Jungs an und gehe schnell duschen. Unser Zweitklässler hat entweder eine Online-Klassenbesprechung oder fängt direkt mit den Homeschooling-Aufgaben an. Ich helfe ihm, wo er Hilfe braucht, drucke Aufgabenblätter für die Tochter aus oder helfe beim Auf- und Abbau von Bio-Versuchen oder BK-Aufgaben ; ). Unser Jüngster wird ungeduldig und klagt spätestens ab 10 Uhr über Langeweile oder stellt Sachen an. Mit viel Glück ist sein großer Bruder bis dahin mit seinen Aufgaben fertig und sie spielen miteinander, bzw. hören Hörspiel. Sobald das der Fall ist, lasse ich Hausarbeit, Smartphone und andere Störfaktoren stehen und liegen und gehe für eine Stunde in mein Atelier, das sich im Untergeschoss des Hauses befindet und male. Danach koche ich Mittagessen. An schönen Tagen mit gutem Wetter rennen die Kinder nach dem Essen aus dem Garten in Richtung der großen Wiese und treffen dort ein paar Nachbarskinder, mit denen sie draußen spielen dürfen. Je nach Laune, Hunger und der Nachfrage nach Pflastern, Kühlpads oder tröstenden Worten, habe ich dann noch einmal ein bisschen Zeit zum Malen. Ich bin im Haus und da, wenn mich eines der Kinder braucht. An Tagen mit schlechtem Wetter schaffe ich es nachmittags nicht zu arbeiten. An guten Tagen kommen die Kinder gegen 18 Uhr erschöpft und meist begeistert zurück von ihren Wald- und Wiesenabenteuern und dürfen 30 Minuten „was anschauen“, während ich koche. Wir essen gemeinsam zu Abend und gegen zwischen 19 und 20 Uhr kommt Papa nach Hause. Einer von uns kümmert sich um die Badewanne, das abendliche Vorlesen usw. Gegen 21 Uhr ist Ruhe im Haus und je nachdem, woran ich gerade male, gehe ich noch mal für eine Stunde ins Atelier. Mein Mann setzt sich dann manchmal zu mir und erzählt.

Isabelle Hannemann, Bildende Künstlerin_©Juergen Pollak

Der Tagesablauf in „normalen Zeiten“ unterscheidet sich insofern, als dass alle Kinder vormittags bis 13.30 Uhr aus dem Hause sind, ich an zwei Vormittagen selbst unterrichte und an den anderen Vormittagen in Ruhe im Atelier arbeite. Nachmittags gehen die Kinder ihren Hobbys nach und treffen Freunde und ich muss die Kinder teilweise bringen und abholen und komme selten zum Malen.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ruhe, Zuversicht, Besinnung, Vernunft und keine Panik…und das Smartphone, um regelmäßig in Kontakt mit FreundInnen und Familie zu bleiben.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Ruhe, Zuversicht, Besinnung, Vernunft und keine Panik.

Der Kunst kommt die Rolle zu, die wir ihr beizumessen bereit sind.

Was liest Du derzeit?

Dornröschenschlaf von Banana Yoshimoto

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

The really important kind of freedom involves attention, and awareness, and discipline, and effort, and being able truly to care about other people and to sacrifice for hem, over and over, in myriad petty little unsexy ways, every day.

David Foster Wallace, This Is Water

Vielen Dank für das Interview liebe Isabelle, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Isabelle Hannemann, Bildende Künstlerin

ISABELLE HANNEMANN

Foto_Jürgen Pollak.

20.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gesellschaft und Kunst haben sich immer verändert“ Udo Hohenberger, Bildender Künstler_Wien 26.6.2021

Lieber Udo, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf  hat sich durch Corona und lockdowns in seiner Struktur verändert. Ich habe sehr viel Zeit im Atelier verbracht, war über einen langen Zeitraum sehr produktiv. Nach Monaten der sozialen Abstinenz wurde mir wieder bewusst  wie grundlegend soziale Kontakte und Erlebnisse für meine Arbeit sind.

Ich komme jetzt langsam wieder in meinen gewohnten Rhythmus .Aufstehen, mit meinem Hund laufen gehen dann ins Fitnessstudio, duschen, Frühstück und dann ins Atelier. Tagsüber erledige ich meist Termine, Konzepte schreiben, Ausstellungen planen, alles was nicht die Konzentration des Malprozesses braucht. Die künstlerische Arbeit beginnt bei mir meist erst am Abend.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Erkenntnisse, die wir durch die Reduktion unseres öffentlichen Lebens gemacht haben, in unser weiteres Tun einfließen zu lassen. Fokussiert an jeden Thema zu arbeiten. Dinge auszuscheiden, die Stress verursachen und das Wissen, dass sich unser Leben sehr schnell völlig verändern kann, behutsam zu bewahren. Wir können und müssen uns auf neue Situationen einstellen, dadurch bleiben wir beweglich.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Die Kunst war immer ein Spiegel der Zeit. Gesellschaft und Kunst haben sich immer verändert. Durch die Digitalisierung der Kunst verändern sich auch Präsentationsformen, die den Kunstbetrieb erweitern und einer breiteren Öffentlichkeit erschließen. Wichtig wird dabei sein, kritisch und fundiert der Kunst gegenüber zu treten. Ich denke wir haben eine sehr spannende Zeit vor uns in der sich auch die Kunstproduktion und auch die Themen der Kunst tätig weiter entwickeln.

Was liest Du derzeit?

Michael Bonke

Die Philosophie der Zeit

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!

Udo Hohenberger, Bildender Künstler

Vielen Dank für das Interview lieber Udo, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Udo Hohenberger, Bildender Künstler

Über Udo Hohenberger (udo-hohenberger.com)

Alle Fotos_privat.

29.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Pick mich auf!“ Mitreißende Uraufführung_Spitzwegerich/Werk X, Petersplatz_Wien 25.6.2021

Da ist die Bühne. Stille. Der Mensch. Der verharrende pinke Federhaufen. Dann das Wort. Die Bewegung, die Musik. Das Bild. Alles greift jetzt ineinander. Beginnt Worte aufzunehmen und ihnen Anschauung und Raum zu geben „Hier handelt die Sprache und Du  – handelst:mit!…“. Jetzt geht es um Heben und Erheben. Apelle und Versuche der Kraft der Phantasie und Poesie. Flug und Reise…

Ausgehend von Friedricke Mayröckers Text „Pick mich auf mein Flügel oder Anleitungen zu poetischen Verhalten“ (1976), entwickelten die experimentelle Wiener Künstler*innen Gruppe „Spitzwegerich“, die verschiedenste Kunstgenres ausgehend von Figuren- Objekttheater verbindet, gemeinsam mit der Schriftstellerin Natascha Gangl und der Produktionsleitung von Felix Huber und dem umfassenden Team einen Theaterabend, der in seiner Phantasie, Überraschung und poetischen Impulsgebung von Beginn an ergreift und in Staunen und Sinn begeistert.

Wie hier mit Sprache, Objekt, Musik inszeniert und performt wird, ist bestes Theaterstaunen, das große Traditionen österreichischen Kunst- und Bühnenexperimentes verbindet und neu belebt. Hier wird ein sehr sinnlicher Dialog geführt und ausgehend von konkreter Poesie großartig mit innovativem Figuren-, Objekttheater wie Musik spielerisch interagiert.

Die Bühnendynamik selbst ist dabei immer eine Dynamik von Form und Inhalt und dies ist auch an der Aufmerksamkeit des Publikums zu spüren. Die sinnliche Sensation, Wahrnehmung ist immer auch Reflexion und Ansprache. Das kommt vom ersten Bühnenmoment an wunderbar an. Aufmerksamkeit, Stille und Überraschung prägen den Abend und begeistern. Eine poetische Flugreise, die in vielerlei Weise inspiriert abheben lässt.

Hervorzuheben ist auch die Objektvielfältigkeit und -variation, das mitreißende dynamische Textfeld, die Musikperformance, welche vom Produktionsteam im gemeinsamen Erarbeitungsprozess selbst entwickelt, hergestellt und schließlich performt wird. Das ist einzigartig in Idee, Kompetenz und Umsetzung.

Ein wunderbarer Abend beflügelnder Poesie in beeindruckender Dynamik und Variation von Choreografie und Dramaturgie in Musik-, Bild-, Sprach- und Objektspiel, der mit langanhaltendem Applaus belohnt wird!

URAUFFÜHRUNG

PICK MICH AUF!
Ein Low-Tech-Spektakel
von Spitzwegerich

Mit: Emmy Steiner, Simon Dietersdorfer, Christian Schlechter
Musik: Simon Dietersdorfer

Mit Texten von Natascha Gangl,
freien Übersetzungen, Überschreibungen und Collagen nach Etel Adnan, Diane di Prima, Vicente Huidobro, Jenny Hval, Frieda Paris, Gerhard Rühm und Vandana Shiva. Für Friederike Mayröcker.

Eine Produktion von Spitzwegerich
in Kooperation mit WERK X-Petersplatz
Peterspl. 1, 1010 Wien

Weitere Vorstellungstermine:
25., 26., 27. und 30. Juni sowie 1. Juli 2021,
Beginn jeweils 19.30 Uhr.

WERK X-Peterspl. 1, 1010 Wien

Start | WERK X (werk-x.at)

https://www.spitzwegeriche.at

Walter Pobaschnig 6_21

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Alle Fotos_Performance: Apollonia Theresa Bitzan

Foto_Schlussapplaus_Walter Pobaschnig

„Dunkelkammer“ Bernhard Aichner. Ein Bronski Krimi. btb Verlag.

Da waren die guten Jahre. Jene als Fotograf. Die Orte und die Reisen. Die Aufträge der Presse. Das gute Leben. Er war immer in vorderster Reihe. Beim schrecklichen Lawinenunglück und dann beim Fund in den Alpen, der Sensation „Ötzi“. Die Kamera und dann die Dunkelkammer. Der Weg ins Licht. Der Zauber des Lichts. Und auch das Erschaffen eines Bildes. Die Welt und das Auge. Die Anerkennung dafür. Auch das Geld.

Und jetzt die Kälte. Der Winter. Die Einsamkeit. Den Beruf aufgegeben. Wie geht es weiter? Ein Tag reiht sich an den anderen. Wie viele noch?…

Jetzt steigt er in die Wohnung, die er von seinem Zelt aus beobachtet hatte. Er hatte kein Licht bemerkt. Und die Kälte treibt ihn an…

Er sucht in der Wohnung Schnaps. Doch da ist keiner. Er geht weiter und da sieht er es. Das Bett. Der tote Körper…

Und jetzt beginnt eine Reise in die Abgründe von Menschen in der Kälte dieser Zeit….

Bernhard Aichner legt mit der neuen Krimireihe erneut eine rasante hintergründige Erzählung vor, die alles hat, was es zu zum spannendem Lesevergnügen braucht.

Walter Pobaschnig 6_21

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„Utopien und Auswege durch die Musik bauen“ Anna Anderluh, Musikerin_Wien 25.6.2021

Liebe Anna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meistens in diese Richtung: Aufstehen, e-mails beantworten, Proben, üben für eine andere Probe, Konzert gehen, Konzert geben, ins Theater gehen. Jeden zweiten Tag gurgeln.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wer ist uns, und wer sind alle? Das Einzige was ich dazu verallgemeinert sagen kann, ist das ich es für wichtig halte den Humor nicht zu verlieren, oder einen zu entwickeln.

Auch halte ich es für wichtig sich gegenseitig zuzuhören und nicht Menschen voreilig als „Trottel“ abzustempeln, nur weil sie anderer Meinung sind.

Die Betonung liegt hier auf voreilig, weil natürlich steht es jedem frei sich eine Ansicht anzuhören, sich damit auseinander zu setzen und sie am Ende trotzdem nicht zu teilen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und
persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt
dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Mich würde interessieren wie diese Frage von jemandem beantwortet werden würde, der/die nicht selbst Kunst macht. (Ausgenommen PolitikerInnen)

Ich bin es nämlich langsam leid, dass wir uns seit ca. einem Jahr ausschließlich untereinander bestätigen müssen, und in unserer Bubble Diskussionen darüber führen wie wichtig und systemrelevant wir sind, und von außen relativ wenig davon merken.

Mir fehlt der Kontakt zum Publikum, durch den meine Rolle erst konkret wird.

Wir KünstlerInnen können unsere Rolle nicht alleine auf dem Weg in eine Einbahnstraße erfüllen. Genau das wurde aber von uns erwartet, ganz nach dem Motto „die wollen eh unbedingt und sind ganz heiß drauf“ egal unter welchen Bedingungen. Für mich braucht es gewisse Vorraussetzungen unter denen es möglich ist sich von Kunst berühren zu lassen und dazu gehört dass man überhaupt einmal damit in Berührung kommt und das zwischendurch auch einmal nicht vor dem Computer.

Vor ein paar Tagen hatte ich mein erstes Live Konzerte seit Monaten und da habe ich wieder ein Gespür dafür bekommen was die Aufgabe meiner Musik sein könnte. 

Generell frage ich mich, ob wir nun tatsächlich vor einem Neubeginn stehen, oder nur Pause gedrückt haben und die selbe alte Leier wieder losgeht. Auch ob Veränderung in Form von Aufbruch und Neubeginn kommen muss, oder auch graduell von statten gehen kann.

Ich hatte letztens einen Traum, in dem ich in ein spießiges Horrorferiendorf eingesperrt war, welches niemand lebend verlassen konnte. In der Geschichte war mein einziger Ausweg das dort bestehende System subtil zu stören und zu untergraben und damit kleine Risse zu finden die es zum Einstürzen bringen, statt auszubrechen. Das waren Kleinigkeiten wie zB mit Kindern beim Essen plötzlich unterm Tisch zu verschwinden und Blödsinn zu machen, oder Nacktfotoshootings (nicht mit den Kindern 😉 ) .

Bei Kunst ist es für mich dasselbe. Jeder einzelne Mensch, den ich damit erreiche und in dem ich dadurch was bewegen kann, zählt. So entstehen überall kleine Risse. Das hört aber nicht auf, wenn wir von der Bühne, oder aus der Ausstellung gehen. Das Leben wird über Kunst abstrahiert und verwandelt sich dann von der Kunst wieder zurück ins Leben usw.

Daher weiß ich auch nicht einmal ob es die „Kunst an sich“ – als abgetrennte Entität überhaupt gibt.

Was liest Du derzeit?

Es fällt mir derzeit schwer mich zu konzentrieren. Ich nehme an das liegt an der exzessiven Internetvermarktung und der E-mailschreiberei, die ich in letzter Zeit für den Release meines Soloalbums betrieben habe. Das zerstreut schon ganz schön. Auch wenn es mich freut, dass das so viel Positives zurückkommt, sehne ich mich schon wieder nach Zeiten wo ich nicht permanent nach draußen feuern muss und meine Konzentration zurückerlangen werde, um wieder etwas kreatives zu schaffen und zu lesen.

Derzeit beschränkt es sich auf gesangsphysiologische Fachliteratur und Anatomieatlanten. Interessanterweise das Einzige wo ich nicht während des Lesens abschweife.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die Einleitung aus „Trau keiner Melodie über dreißig“, 1976, Text/Musik: Georg
Kreisler

Was machen wir, wenn uns die Musik plötzlich abhanden kommt?
Durch Umweltverschmutzung, Energieverknappung, Krieg… Wenn die Musik eines Tages ganz einfach weg ist, vergessen, verloren, verschwunden wie jetzt zum Beispiel Wandergesellen, oder manche Arten von Schalentieren.
Was machen wir, wenn wir eines Tages aufwachen und jemand sagt uns:
Es gibt keine Musik mehr, leider, leider, Opfer der Technik,
aber dafür gibt es mehr Flugzeuge, mehr Elektronenrechner, mehr persönliche Bequemlichkeit, und im Völkerkundemuseum steht immerhin ein alter Bechsteinflügel,
aus dem allerdings kein Ton mehr herauskommt.

Was machen wir dann?
Nichts machen wir.

Das sieht man ja schon heute, dass wir nichts machen.
Aber was machen wir, wenn uns die freie Natur plötzlich abhanden kommt.
Durch Bevölkerungsexplosion, Hungersnot, exponentielles Wachstum.
Wenn die Natur eines Tages ganz einfach weg ist, ausgestorben, abgebröckelt, vertrocknet,
wie jetzt zum Beispiel Gaslampen, oder manche Arten von Stieglitzen.
Was machen wir, wenn wir eines Tages aufwachen, und jemand sagt uns:
Es gibt keine freie Natur mehr, leider, leider, Opfer der Technik,
aber dafür gibt es mehr Nachtlokale, mehr Kosmetika,
mehr industrielle Entwicklungshilfe,
und im Technischen Museum steht immerhin ein Weihnachtsbaum aus Plastik.
Denn man allerdings jede Woche neu bespannen muss.

Was machen wir dann?
Nichts machen wir.

Das sieht man ja schon heute, dass wir nichts machen.
Aber was machen wir, wenn uns der Hass plötzlich abhanden kommt,
wenn wir nichts mehr hassen können, nur noch lieben.
Und dann lieben wir die Technik, die Ausbeutung, die Ungerechtigkeit.
Wir lieben die Grausamkeit, den Neid, den Tod.
Wenn der Hass eines Tages ganz einfach weg ist, verspielt, verschlissen, verspekuliert,
wie jetzt zum Beispiel der Gemeinsinn, oder manche Arten von Demut.
Was machen wir, wenn wir eines Tages aufwachen, und jemand sagt uns:
Es gibt keinen Hass mehr!
Aber im Rathaus steht immerhin ein computergesteuertes Atomkraftwerk,
das die ganze Welt mit allem versorgt,
außer mit Hass gegen uns selber.

Was machen wir dann?

Ja, dann haben wir immerhin noch die Möglichkeit, Konzerte zu veranstalten!

Anna Anderluh, Musikerin, Sängerin, Komponistin, Performerin 

Vielen Dank für das Interview liebe Anna, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Anna Anderluh, Musikerin, Sängerin, Komponistin, Performerin 

Start – annaanderluh-blas Webseite!

https://annaanderluh.com

Alle Fotos_Maria Frodl

30.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ab heute können wir es anders machen!“ Christian Schiesser, Schauspieler_Wien 25.6.2021

Lieber Christian, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Zunächst einmal, danke für die Einladung zu diesem Interview! Mein Tagesablauf ist im Moment sehr dicht. Ich drehe gerade in Wien meinen Kurzfilm „Jakob & Maria“. Eine Geschichte die im ersten Lockdown entstanden ist, die ich jetzt produziere und Regie führe. Viel Arbeit, aber es macht viel Spaß und Freude – und ich habe das großartigste Team um mich, das man sich nur vorstellen kann – viele kreative, schöne Menschen, die mit mir an diesem Projekt arbeiten! Es ist eine schöne Geschichte, die Menschen animieren soll groß zu denken, und groß zu träumen, Visionen zu haben und umzusetzen.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sicherlich aus diesem Lockdown Schlamassel wieder rauszukommen. Wieder ein geregeltes Leben zu führen, ohne Einschränkungen. Ich denke nicht nur jetzt ist es wichtig wieder mehr zuzuhören. Beim Thema Corona sind die Fronten tw. verhärtet, wie das öfter war in der kürzeren Vergangenheit, meistens waren es soziale oder politische Themen, die Menschen gespalten hat. Und wenn wir beginnen uns gegenseitig anzubrüllen, uns nicht zuhören und einander nicht mehr verstehen, wie sollen wir dann einander respektieren. Das geht für mich gar nicht! Ein bisschen mehr gegenseitigen Respekt würde uns sicherlich helfen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Stehen wir wirklich vor einem Neubeginn oder Aufbruch? Ich habe nicht die Hoffnung verloren, aber wir haben es in der letzten Zeit oft genug vermasselt die Welt grundlegend zu ändern. Aber wie gesagt, was war, das war. Ab heute können wir es anders machen!

Der einfache Weg ist für mich nicht immer der nachhaltigste. Aber schön langsam kommen wir auch von dieser von dieser Superlativgesellschaft des „mehr, und billiger“ und „noch mehr und noch besser und schneller“ auch wieder ein bisschen ab. Dass es hoffentlich wirklich bald trendy sein wird, alte Sachen zu reparieren, oder im kleinen Geschäft ums Eck zu kaufen, oder nachzusehen woher das Produkt kommt, das ich kaufen will, das finde ich schon gut.

Und in unserem Zusammenleben ist Kunst immer ein wichtiger Motor des gesellschaftlichen Lebens und des Denkens. Kunst zeigt Grenzen auf und setzt Maßstäbe. Wir alle haben im letzten Jahr gemerkt, dass wir Kunst nicht einfach abdrehen können. Wenn ich in die Vergangenheit zurückblicke war es nicht anders. Kunst hat uns immer einen Spiegel vorgehalten. Und dieses Selbstbild brauchen wir, um uns weiterentwickeln zu können. Diese Entwicklung ist eben der Antrieb der Menschheit, auch wenn dieser Blick in den Spiegel nicht immer angenehm ist. Nicht jeder will das, aber das ist der Punkt wo wir uns weiterentwickeln, wenn wir aus unserer Komfortzone herauskommen.

Was liest Du derzeit?

Mein Drehbuch und meine Notizen zu „Jakob & Maria“ meinen Film. Sonst komme ich leider im Moment viel zu wenig dazu. Aber ich lese sehr gerne Biographien von Menschen die mich inspirieren… Angefangen von Charlie Chaplin, über Bob Dylan oder Arnold Schwarzenegger.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Vielleicht etwas von meinem Film „Jakob & Maria“:
Denke groß, Träume groß, hab große Visionen – aber bewege deinen Hintern und tu etwas!

Christian Schiesser, Schauspieler

Vielen Dank für das Interview lieber Christian, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Christian Schiesser, Schauspieler

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Fotos_1 Alexander Bachmayer; 2 Barbara Wirl; 3 Moritz Schell.

29.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Im Jetzt zu sein. Wir haben nichts anderes“ Shira Karmon, Sängerin_ Wien 24.6.2021

Liebe Shira, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe auf und versuch den Tag langsam auf mich zukommen zu lassen. Manchmal gelingt es mir. Jeder Tag ist anders und eine Chance das Leben zu umarmen. Sei es mit Familie, Musik, mit meiner Stimme, mit einer Probe oder einem Konzert. Es kommen jetzt viele Konzerte im Sommer und ich probe schon intensiv mit weiteren Musiker*innen dafür.

Shira Karmon, Sängerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig? 

Es wird jetzt ganz wichtig sein, dass wir Menschen wach sind und aufeinander schauen. Das wir unseren Alltags schätzen lernen und die Natur. Dass wir offen bleiben und uns mit extremen Situationen ruhig auseinandersetzen können.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Es wird das Bewusstsein wesentlich sein, dass der Mensch ein soziales Tier ist. Dass wir einander brauchen und sei es für einen Blick Austausch auf der Straße. Ich hoffe, dass wir uns bewusst werden, im Jetzt zu sein. Wir haben nichts anderes. Die Musik hilft uns, in uns hinein zu fühlen, sie hilft uns unsere Sinne zu spüren und damit zu kommunizieren – dadurch entsteht soziales Leben. Die Kunst erlaubt uns, in dem Jetzt zu sein. Sie gibt uns auch Freiheit. Es gibt keine falsche Antwort auf eine künstlerische Frage. Die Kunst kann die Menschheit so vielseitig spiegeln.

Was liest Du derzeit?

Wenn ich die Ruhe habe, lese ich jetzt ein Buch von Nathan Shaham „Bone to its Bone“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ aus der  Tragödie Hamlet, Prinz von Dänemark von William Shakespeare.

Vielen Dank für das Interview liebe Shira, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Shira Karmon, Sängerin

https://shirakarmon.org

https://www.facebook.com/karmonshira

Nächster Konzerttermin: Samstag 26.6. 2021 Sobieskiplatz, Wien 1090,_ 19:30 h bis 21:00h – SHIRA Kultursommer Alsergrund – Eintritt frei

Weitere Termine siehe_homepage.

Foto_Karina Shabnam

24.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com