„die Menschen wieder von den Vorzügen eines Theaterbesuchs zu überzeugen“ Peter Uhl, Theatermacher _ Wien 1.1.2023

Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Die Fragestellung trifft das generelle Paradoxon unsere Zeit erschreckend genau: Jetzt und Tagesablauf gleichzeitig beantworten zu wollen, widerspricht einander. Klar, im Vergleich zu 2020/21 habe ich wieder mehr Termine, kann wieder Projekte vor Publikum realisieren, „live” unterrichten etc., und ich versuche die gewohnte Normalität wieder herzustellen, obgleich ich daran an jedem Tag – manchmal glücklich, ein anderes Mal produktiv und dann auch wieder deprimiert – scheitere.

Mein Tagesablauf wird zunehmend zu einem Tagesgeschehen und mein Bemühen ist, das Jetzt auszufüllen und weniger zu planen. Und mit allem aufzubringenden Optimismus ist das die Quintessenz, die ich durch die aktuellen und nicht mehr ganz aktuellen Krisen (und den daraus resultierenden Folgeschäden) gelernt habe: nicht im Extrapolieren von Möglichkeiten und Planen anhand von Wahrscheinlichkeiten, sondern im Tun anhand meiner Fähigkeiten (und dieses zu optimieren) liegt die Kraft des Fortschreitens.

Also, um die Frage irgendwie zu beantworten: mein Tagesablauf ist das, was ich in Abfolgen von vielen „Jetzt-Zuständen” im Rahmen einer gewissen Routine und akzeptierten und auch geliebten Strukturen erfüllen kann, muss und will 😉.

Peter Uhl_
Theatermacher, Schauspieltrainer und Autor

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig? 

Ach herrje, wo soll ich anfangen?! Strukturell gesehen Politiker*innen, die diese Bezeichnung verdienen, ohne, dass die alten Griechen im Grab rotieren. In gesellschaftlichem Hinblick ein Besinnen darauf, dass es nicht genügt, der Spezies Mensch anzugehören, sondern dass man zusätzlich auch menschlich sein sollte; in wirtschaftlichen Sphären vielleicht doch noch einmal das Dogma „Geht es der Wirtschaft gut, geht es dem Menschen gut” zu überdenken;  in medizinischen-pflegerischen Belangen die Einsicht, dass dies kein profitorientierter Sektor sein kann und darf; generell, dass Arbeit wertschätzend beglichen wird; … dass Bildung keine Anhäufung von Wissen, sondern ein Erfahrungsprozess und ein Verständnis von Zusammenhängen ist; und im privaten Bereich, dass Verachtung, Neid oder das Festhalten an überholten Strukturen, Geschlechterrollen und -bildern keine funktionale Gesellschaft hervorbringt. Für mich persönlich, dass Selbstverantwortung, Verantwortung gegenüber anderen und sich einen kritischen Geist zu bewahren etwas ist, das stets hochgelebt, aber auch ständig hinterfragt und gegebenenfalls angepasst/korrigiert werden muss.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu? 

Generell sollte Kunst und Kultur stets über den Tellerrand blicken, Missstände veranschaulichen und/oder Visionen sowie Illusionen bieten – unabhängig von Krisenzeiten, vermeintlichem Wohlstand, gesellschaftlichem Aufschwung oder allgemeiner Stagnation.

Was meines Erachtens an der aktuellen Lage ein Novum ist, sind die unterschiedlichsten Konfliktherde, die sich gleichzeitig aufgetan haben. War in der Vergangenheit der Fokus auf die Dekadenz des Adels, den Aufbruch der Arbeiter*innen, die Tragik eines Krieges und dessen Folgen, die sexuelle Revolution, die Rechte von Frauen etc. gerichtet, so ist es heute nicht mehr wirklich möglich, für das globale und lokale Geschehen einen einzigen „Hauptschuldigen” dingfest zu machen. Dadurch ist die Pluralität von Kunst und Kultur wichtiger denn je, um diese Komplexität zu verdeutlichen und im weiteren Sinne zu bedienen. Unabhängig davon, ob sie visionär, progressiv, provokativ oder im besten Sinne konservativ ist – oder einfach nur der Unterhaltung oder Ablenkung dient. Gerade die verabscheuungswürdige Polarisierung im Zuge der Corona-Jahre hat mir verdeutlich, wie wichtig es ist, wieder zu erlernen, eine gesunde Diskussion oder eine produktive Kontroverse zu führen – beziehungsweise einfach auch zuzuhören, ohne gleich allergisch auf gewisse Reizworte zu reagieren. Und darin liegt meines Erachtens auch ein Teil der unendlichen Kraft der Kunst: sie kann Fragen aufwerfen, mögliche Antworten anbieten, aber auch einfach nur „Dampf ablassen” … das Zu- und/oder Anhören/-schauen ist dabei stets Voraussetzung. Gerade in Wien haben wir diesbezüglich ein mannigfaltiges und großartiges Angebot – die Herausforderung besteht darin, die Menschen wieder besonders von den Vorzügen eines Theaterbesuchs zu überzeugen, um den Mehrwert, den sie gegenüber einer Lockdown-bedingten Bequemlichkeit in Hinblick auf Netflix & Co (ohne dadurch die dort mitunter angebotene hohe Qualität mindern zu wollen) klar zu machen. Denn es liegt in der Natur der Sache, dass etwas hautnah zu erleben oder zu konsumieren intensiver ist, als es über einen Bildschirm flimmern zu sehen.

Aber ich denke, dass wir im optimalsten Fall gerade dabei sind, einen Aufbruch vorzubereiten und die Grundsteine für einen Neubeginn setzen. Es genügt nicht mehr, die Gesellschaft und Politik durch revolutionäre Impulse, Provokation oder Aktivismus wach zu rütteln, sondern wir brauchen (zusätzlich) eine grundlegende evolutionäre Veränderung – ein generelles Umdenken, das bis in die Tiefen unseres Reptiliengehirns vordringen muss und somit zur Selbstverständlichkeit wird. Das ist inzwischen durchaus ein tragisches Rennen gegen die Zeit geworden, dessen tatsächlicher Ausgang ich wahrscheinlich nicht mehr erleben werden darf oder muss.

Was liest Du derzeit?

 „Ach, Marilyn” von Christina Jonke, immer und immer wieder – im Hinblick auf meine nächste Produktion (bin gerade in der Vorbereitungsphase und da gibt es in meinem Hirn keinen Platz für literarische Abwechslung 😜)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Lerne die Regeln, damit du sie richtig brechen kannst.” (aus den Empfehlungen des Dalai Lama für das Leben im neuen Jahrtausend)

Vielen Dank für das Interview lieber Peter, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Peter Uhl_Theatermacher, Schauspieltrainer und Autor

Foto_privat.

18.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Menschheit“ Brigitte Struzyk, Autorin _ Give Peace A Chance _ Berlin 31.12.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Menschheit

Gut könnte es sein

Im Leben im Sterben

Von Mensch und von Tier

Etwas

Peuble people

Ein einmaliges Leben

Am Anfang am Ende

Cirka geträumtes Fliegen

Ein einmaliger Flug

Am Anfang am Ende

Cirka ein Zirkus

Hält alles zusammen

Am Anfang am Ende

Nur Dasein nur Leben

Chaos vielleicht

Einmaliges Leben


Brigitte Struzyk, 23.11.22

Brigitte Struzyk, Autorin _
die Autorin (links) im Gespräch mit Marlen Pelny

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Brigitte Struzyk, Autorin

Foto: Gezett


Walter Pobaschnig _ 23.11.2022.

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„literature will make us more human“ Mohamed Khalfouf, poet _ Morrocco 31.12.2022

Dear Mohamed what’s  is your routine at the Moment?

I am currently working on my master’s thesis on radical feminism in the Moroccan women’s story. It’s a long and exhausting topic… and it needs a deep analysis… so I’m working hard.

Besides that there is writing stories. I try to maintain a yearly routine in writing stories. I try to be as different as possible in writing. All I do is follow the passion that gives my life meaning.

Mohamed Khalfoufpoet

what’s not particularly important for all of us?

I think stopping wars, in Syria, Ukraine, Yemen, woo… war is terrible. Then deal seriously with real world problems such as climate deterioration, nutrition, international politics… We have to deal seriously. Sometimes I feel the world’s population is living behind phones: on Facebook, Instagram, and TikTok… forgetting the real world problems.

new start, new beginning, what will be essential and wish riles will literature, art play?

The role of literature is important and effective, but I do not believe that literature can change the world. These are exaggerated utopian ideas… But literature will make us more humane, more accepting of each other.. especially in Arab countries, or a country like Morocco, where the influence of literature is almost non-existent. … We in Morocco live in cultural corruption… Literature, or art, must change its owner before thinking of changing the world.

what do you currently reading ?

I am a chaotic reader, I switch from one text to another.. but I read  now “ The Norwegian Wood“ by Haruki Murakami, I love this genius. I’m also thinking of re-reading „The Bell jar“ by Sylvia plath.

wish quote, text will you propose to us?

“ I write in order not to forget, to keep things alive in the heart and in the mind“.

Mohamed  Khalfouf/ Morocco.

Thank you very much for the Interview, dear Mohamed, much success for your wonderful literature projects, all the best in these days!

Five questions on artists:

Mohamed Khalfoufpoet

Foto_private

29.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Umklammere deine Lebensfreude und gehe auf dein Risiko zu“ Sabine Aussenac, Schriftstellerin _ Toulouse/FRA 30.12.2022

Liebe Sabine, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Irgendwie eingekapselt, da ich wegen meiner (Un)gesundheit und Corona immer noch von zu Hause aus arbeite. Aber vor einigen Monaten bin ich in eine Wohnung umgezogen, die in einem riesigen Park liegt, es gibt sogar einen kleinen Wald… Eichhörnchen und Rotkelche passen sehr gut zum Schreiben… Und es vergeht kaum ein Tag ohne einen Anruf an die Eltern, kaum eine Woche ohne Kontakt zu den weitlebenden Kindern.

Sabine Aussenac, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir müssen zusammenhalten. Und einander vertrauen. Innerhalb des intimen Kreises der Familie und Freunde, aber auch weiter: Alles ist heilig, vom Menschenleben bis zum Stein und Baum…

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kunst ist das Zentrum. Trotz der abscheulichen Situation in der Ukraine freue ich mich zum Beispiel jeden Tag, wenn ich über Instagram die dynamische Seite des Paul-Celan-Literaturzentrums in Czernowitz lesen kann: Dichter und Künstler, trotz Krieg und Verzweiflung, immer aktiv und hoffnungsvoll, genauso wie „meine“ Rose, Rose Ausländer, als sie wie Celan oder Selma Meerbaum-Eisinger im Czernowitzer Ghetto Gedichte verfasste…

Zwar sind Brot und Strom wichtig, und Medikamente, und Forschung, und und und… Aber Kreativität hilft der Menschheit, das Licht und die Kraft zu finden…

Last but not least: Als Frau fühle ich mich besonders dazu berufen, mich in diesem Sinne zu engagieren, sei es, um zu beweisen, dass Künstlerinnen aus den vergangenen Jahrhunderten eine wichtige Rolle spielten, oder um meine eigene Stimme zu bearbeiten…

Was liest Du derzeit?

Viel Fachliteratur über Worpswede und über die drei Künstlerinnen, die im Zentrum meiner Doktorarbeit stehen, da ich gerade über Paula Modersohn-Becker, Clara Westhoff-Rilke und Martha Vogeler promoviere. Gestern habe ich mich in Marthas Biografie vertieft, und ich musste mal wieder über die unglaubliche Kraft dieser Frau staunen.

Aber irgendwo in der Wohnung liegt immer ein Krimi, diese Woche wieder eine spannende Geschichte von Camilla Läckberg! Und dazu gibt es bei mir immer viel Presse, besonders aus Deutschland, da ich meine zweite Heimat so sehr vermisse. Die Zeit und Der Standard lese ich per Abo digital, und oft kaufe ich mir Spiegel oder Stern, gar Brigitte Woman -bin ja eben eine Frau und nicht mehr die jüngste…- oder Landlust (immer diese Land-und Naturtalgie…)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

« Impose ta chance, serre ton bonheur et va vers ton risque. À te regarder, ils s’habitueront. »

„Erzwinge dein Glück, umklammere deine Lebensfreude und gehe auf dein Risiko zu. Wenn sie dich ansehen, werden sie sich schon daran gewöhnen.“

Ganz schön schwierig, diesen Aphorismus des französischen Dichters René Char zu übersetzen, da es auf Deutsch ein einziges Wort für Chance und Bonheur gibt, und zwar Glück! Darum spreche ich von „Lebensfreude“… Auf jeden Fall ist dieser Satz seit Jahren mein Motto! Mein Leben gehört mir, und niemand darf mir sagen, was ich zu tun habe…

Vielen Dank für das Interview liebe Sabine, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Sabine Aussenac, Schriftstellerin

Zur Person:

Sabine Aussenac wuchs zwischen Mittelmeerlichtern und Tannenwäldern auf, pendelte oft zwischen Rhein und Garonne. Sie arbeitet als Deutschlehrerin in der „rosa Stadt“ Toulouse und schreibt Gedichte, Romane, Kurzgeschichten… Ihre Richtlinien: Frauenrechte, Lyrik, Shoah und Engagement gegen Antisemitismus, deutsch-französische Beziehungen… Meistens schreibt sie auf Französisch, aber manchmal auch auf Deutsch. Ihr letztes Buch ist ein Essay über Rose Ausländer, die sie auch übersetzt. Sie promoviert gerade über drei Worpsweder Künstlerinnen. Wien gehört zu ihren Lieblingsstädten!

https://sabine-aussenac-dichtung.blogspot.com/

https://sabineaussenac.blog/

Foto_privat

27.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gone are the brothers“ Rhea Krcmarova, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance_ Wien 30.12.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gone are the brothers who fathered the missiles  /  In their cathedrals the sisters will  rise / Victory tends to her garden once more and / Eris-ová yawns and cuts open her eyes

Pain picks it’s seeds from the blood of the missing / Enemy fire lies shallow and rare / All souls and hallows are orthodox icons / Cold graves hoard secrets they may never share

Earth will lay bare on the belly of Dola  / All that is left is what Mokosh will cry / Czernobog turns into open horizons /  His brother Belobog threatens the sky

Add one more skull on the fence of the Baba / Night rides and Yaga will straddle her broom / Cauldrons will fill and then empty their visions / Everyone´s  daughter will bury her doom

Rhea Krcmarova, 5.12.2022

Rhea Krcmarova, Schriftstellerin und transmediale Textkünstlerin_ Selbstporträt

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Rhea Krcmarova, Schriftstellerin und transmediale Textkünstlerin_ Selbstporträt

Rhea Krcmárová | Texte. Mehr. (rhea-krcmarova.com)

Fotos_Rhea Krcmarova

Walter Pobaschnig _ 5.12.2022.

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„Mein Tag ist seit Jahren eine einzige schlaflose Nacht“ Barbara Plagg, Autorin _ Bozen 29.12.2022

Liebe Barbara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tag ist seit Jahren eine einzige schlaflose Nacht: Es beginnt, ohne wirklich aufgehört zu haben, mit freudigem Frühstück mit Mann und Kindern. Ein Kind in den Kindergarten und das Baby dreimal die Woche bei der Tagesmutter abliefern macht meistens mein Mann, ich sitze dann an meinen Forschungsprojekten, zwischendrin Vorlesungen und Meetings, alles eng getaktet von Kindergarten- und Tagesmutter-Abholzeiten.

Am Nachmittag mal so, mal so: Entweder Zeit mit den Kindern oder Arbeit. Wenn die Kinder endlich schlafen nochmal Wissenschaft bis circa Mitternacht, dann mit der ersten Stillpause ins Bett bis circa 4 Uhr, nächste Stillpause und dann Prosa in Kolumnen bis 5 oder 6 Uhr, in der Dämmerung nochmal ins warme Bett kriechen und eine Mütze Schlaf bis halb 8 holen.

Dann beginnt’s wieder freudig, ohne wirklich aufgehört zu haben: Tagsüber Wissenschaft, nachts Prosa.

Barbara Plagg, Autorin, Wissenschaftlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Frei nach einem bekannten Spruch: Dass wir gelassen genug sind, das hinzunehmen, was wir nicht ändern können, dass wir mutig genug sind, das zu verändern, was wir dringend verändern müssen und dass wir Grips genug haben, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Wissenschaft, der Kunst an sich zu?

Gesellschaftlicher Aufbruch geht nur ganz — also über alle Bereiche hinweg —oder gar nicht. Wir können z.B. kein kapitalistisches Wirtschaftssystem, aber eine sozial-ökologische Kunst haben, das ist innerhalb desselben Gesellschaftssystems unmöglich. Ist die Wirtschaft kapitalistisch, ist es die Kunst auch, da kann man sich nicht fein rausnehmen und sagen nö, damit hab ich nix zu tun.

Wesentlich empfinde ich deswegen das Verständnis, dass soziale und ökologische Veränderung eine Entscheidung ist, die wir als Zivilgesellschaft kollektiv und graduell fällen und dass wir alle, ob Künstler:in, Kindergärtner:in, Wissenschaftler:in oder Bauarbeiter:in eben die Macht und damit auch die Verantwortung für beiderlei tragen: transformative Prozesse einzuleiten — oder eben in einer vermeintlichen Komfortzone verharren. Die Komfortzone hat aber leider nicht genug Zukunft für alle, deswegen muss da, wo Wissenschaft evidenzbasiert Lösungen aufzeigt, Kunst und Kultur zum kreativen Motivator und Katalysator werden, Menschen zu erreichen und den Prozess der Umsetzung zu begleiten und befördern.

Was liest Du derzeit?

Das ist das Schöne am Stillen: Man ist zum Nichtstun gezwungen und hat endlich Zeit zum Lesen. Momentan habe ich zwei unterschiedlich gepolte Still-Lektüren, die ich abwechselnd lese: Die poetisch tröstlichen Ereignislosigkeit in „Dagegen die Elefanten“ von Dagmar Leupold, im Wechsel mit der tröstlichen Aufbruchstimmung in „Das Ende des Kapitalismus“ von Ulrike Herrmann.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. (Hölderlin)

Barbara Plagg, Autorin, Wissenschaftlerin

Vielen Dank für das Interview liebe Barbara, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Wissenschaftsprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Barbara Plagg, Autorin, Wissenschaftlerin

Zur Person: Barbara Plagg (Wissenschafterin und Autorin) arbeitet als Wissenschaftlerin am Institut für Allgemeinmedizin und Public Health in Bozen und schreibt als Autorin vordergründig sozialkritische Beiträge im Südtiroler online Magazin barfuss. Ihr Theaterstück „72 Stunden – Eine Anklage“, das zum Thema Femizid sensibilisiert, wurde diesen Herbst als Ko-Produktion der Städtetheater Bruneck, Bozen und Meran aufgeführt. Barbara lebt mit ihrer Familie in Südtirol.

Fotos_1 Mati Photography, 2 privat.

27.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gegebenes“ Eberhard Geisler, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Mainz 29.12.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Gegebenes

Interpretieren

Verborgenes

Ernten

Paris

Erkunden

Abgassünder

Catchen

Endlich

Ach!

Cherubim

Hören

Analphabeten

Nachhelfen

Conchita

Erreichen


Eberhard Geisler, 30.11.2022

Eberhard Geisler, Schriftsteller,
Literaturwissenschaftler, ÜbersetzerLiteraturkritiker

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Eberhard Geisler, Schriftsteller,
Literaturwissenschaftler, ÜbersetzerLiteraturkritiker

Foto_Isabel Jasnau

Walter Pobaschnig _ 30.11.2022.

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„HerzensfreundInnen“ Eva Schreiber, Schriftstellerin _ Winden am See 28.12.2022

Liebe Eva, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin Frühaufsteherin und beginne den Tag mit drei Espressi aus dem italienischen Espressokocher, daneben hör ich Frühjournal oder Morgenjournal.
Momentan gelingt es mir ganz gut, Wichtiges gleich anzugehen. Gerade ist das die Projektdokumentation meiner Lockdown-Miniaturen „Unerhörte Wünsche“. Jänner und Februar werde ich in Italien sein, um einer 90jährigen Wienerin zu helfen, ihre Familiengeschichte aufzuschreiben. In dieser Zeit wird eine Grafikerin mein Haus bewohnen und „bearbeiten“. Es gilt in den nächsten Tagen daher, aufzuräumen und Platz zu schaffen im Büro, das dann ihr Atelier sein wird.

Eva Schreiber, Schriftstellerin und Fotografin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Glücklich ist, wem es angesichts der unfassbaren Dinge, die um uns geschehen, gelingt, „bei sich“ zu bleiben. Es ist wichtig, mit den eigenen Ressourcen sorgsam umzugehen, sich ein offenes Herz zu bewahren und immer etwas zu haben, auf das man sich freut. Und HerzensfreundInnen, ja, die sind jetzt für uns alle auch besonders wichtig.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es ist wichtig, sich gegen Hetze und Ignoranz zu stemmen und endlich das Primat der Wirtschaft zu brechen. Das braucht Kraft und Courage und Ausdauer und Schmäh. Auch die eigene Toleranz ist da ordentlich gefordert. Der Kunst und im Speziellen der Literatur kann es gelingen, dem Gefühl der Hilflosigkeit etwas entgegen zu setzen, andere Allianzen zu schmieden, damit die Resignation nicht überhand nimmt.

Was liest Du derzeit?

Verena Rossbacher, Mon Chéri und unsere demolierten Seelen

Nicoletta Verna, Der Wert der Gefühle

Marco Balzano, Damals am Meer

Siljarosa Schletterer, azur ton nähe, flussdiktate

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Erst kürzlich gefunden: „Wer immer nur funktioniert, entzieht sich dem Abenteuer des Lebens.“ Armin Müller-Stahl, ja Stahl, so ein Zufall, der Name, den ich hier auf facebook in Erinnerung an meine geliebte Stahl-Oma verwende.

Vielen Dank für das Interview liebe Eva, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Eva Schreiber, Schriftstellerin und Fotografin

Foto_Birgit Machtinger

23.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Let us snow roses in the field of this desolate world“ Mohamed Khalfouf, poet _ Give Peace A Chance _ Morroco 28.12.2022

GIVE PEACE A CHANCE

To the ukrainian poetess  I.K.

Let us snow roses in the field of this desolate world,

Let’s stop this damned war…

Nobody wants this war,

Nobody wants to fall down Donetsk or Kyiv

Nobody wants war, tanks, missiles, or casualties…

Nobody … nobody…

Little girl in Dunstik:

I think of how scared you are,

how you cry every day,

Who tells you bedtime stories?

Who plays the piano for you?

Oh little princess !

How cruel and dark this world is!

War is a savage, ruthless creature.

 does not believe in love and peace,

 doesn’t read poetry or hear songs…

The wolf eats the sheep at the end of our story…

I watch TV every day

I receive hot news through tongues about Ukraine

I pray for you, I pray for Ukraine:

Oh my God protect my princess!

Oh my God keep the war away from the good people of Ukraine!

Oh my God, why don’t our prayers reach you?!

I want to write a poem about war:

But I can’t,

My poetry is unable to stop the war

We can’t stop this war…

Nobody wants pure winter snow

To be contaminated with the rotten blood of war…

let the war fall


Mohamed Khalfouf , 13.12.2022

Mohamed Khalfouf, poet

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Mohamed Khalfouf, poet

Zur Person_ Mohamed Khalfouf, Moroccan writer. Born in 1997 in Khouribga. Graduated from the Faculty of Arts, Department of Arabic Language, Fez. Master’s student in women’s writing at the Faculty of Arts, Tetouan. Short story writer and translator. My stories, poems and translations have been published in many cultural arabic and international platforms. My texts have been translated into different languages: Hebrew, Georgian, German, Belarusian, Persian, Greek, Italian, Polish…Winner of the comic story award for Sayidaty magazine. Winner of the Story Award for Nomadic Literature Festival.

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 14.12.2022.

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„dass die westliche Kultur ihre positiven Werte verteidigt“ Thomas Fitzner, Schriftsteller _ Costitx, Malloca_ESP 27.12.2022

Lieber Thomas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich im Brotberuf bei einer Steuerkanzlei arbeite, ist der Spielraum für Originalität im Tagesablauf eher gering. Ich stehe werktags sehr früh auf, versuche mit Sport meine Vergreisung hinauszuzögern, schreibe ein wenig, und am Abend und Wochenende verfeuere ich meine Restenergie in Projekten, die fast immer mit Schreiben zu tun haben, aber nicht immer mit Literatur.

Thomas Fitzner, Schriftsteller    

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zuhören. Speziell jenen, die in konstruktiver Weise eine andere Sicht formulieren. Ich habe im Auto zwei Radiokanäle unterschiedlicher Ideologien programmiert, und in Facebook lasse ich mich auf „Freundschaften“ mit Personen ein, deren Ansichten ich in wichtigen Fragen nicht teile. Solange der Austausch einigermaßen intelligent, faktenorientiert und respektvoll ist, empfinde ich diese Diskrepanzen als Bereicherung.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Vor dem Aufbruch steht vermutlich der Zusammenbruch, die Frage ist nur, wie der aussehen wird. Apokalyptische Fantasien sind dabei nicht hilfreich, die Auflösung einer Ordnung ist notwendige Voraussetzung für das Entstehen einer neuen. Angst macht mit Recht der Übergang, die Zeit ohne Ordnung. Da kann viel passieren.

Entscheidend wird sein, dass die westliche Kultur, an der man weiß Gott viel kritisieren kann, ihre positiven Werte verteidigt. Ich nehme ein Übermaß an Relativismus wahr. Es ist eben nicht egal, ob Politik und Religion getrennt sind, ob mich Kritik an Mächtigen ins Gefängnis bringen kann oder ein Witz über Religion ins Grab, ob Homosexuelle um ihr Leben fürchten müssen, ob Frauen per Geburt untergeordnet sind …

Und es ist nicht egal, wie wir mit mächtigen autokratischen Regimes umgehen. Ist uns billige Ware wichtiger als die Freiheit unserer Nachkommen? Plötzlich spielt auch wieder eine Rolle, welchem Kollektiv ich angehöre. Welcher Religion. Ob ich Mitglied eines Clans bin, der mich schützt. Das war in Europa weitgehend überwunden. Ein Verdienst der Aufklärung. Darin bestand der Fortschritt, das ist die positive Seite der westlichen Kultur, die wert ist, ohne Wenn und Aber verteidigt zu werden.

Die Literatur, die Kunst, wenn sie überhaupt etwas bewirken kann oder will, muss furchtlos und respektlos sein. Und zwar nicht nur gegenüber dem faschistoiden Muff im eigenen Haus, sondern auch jenen gegenüber, die ideologischen Artenschutz beanspruchen.

Was liest Du derzeit?

Ich lese meist ein Sachbuch und einen Roman nebeneinander. Gerade habe ich den Roman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ von Manja Präkels zugeklappt, eines dieser Bücher, die man ewig weiterlesen möchte. Daneben liegt „The secret history of food“ von Matt Siegel auf meinem Nachttisch.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Aus meinem Zettelkasten: „Lese gerade, dass die 140-Millionen-Dollar-Yacht eines mexikanischen Multimilliardärs im Hafen von Palma angelegt hat. Da steh ich nun, mit meiner Sammelbüchse für die Dritte Welt …“

Vielen Dank für das Interview lieber Thomas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Thomas Fitzner, Schriftsteller

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19.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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