„Ich sah Reich-Ranicki an und dachte, wenn Sie meinen _ mein Buch kommt. Und es kam“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Elisabeth Plessen, Schriftstellerin _ Berlin 24.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Elisabeth Plessen, Schriftstellerin _ Berlin.

Premierenteilnehmerin 1977

Liebe Elisabeth, Du hast am ersten Bachmannpreis 1977 in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Ich hätte nicht hinfahren sollen, war privat in einer sehr labilen Situation, kein glücklicher Ausgangspunkt für eine solche Einladung, zumal ich Ingeborg Bachmann mehrmals begegnet war, in Wien, in Rom in ihrer Wohnung in der Via Bocca Leone, bei Hans Werner Henze in La Leprara

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Ich nahm im ersten Jahr teil, zusammen mit meinen Freunden Gerd Jonke und Jörg Läderach. Das war wichtig der Front der Kritiker gegenüber. Da war man nicht so allein und ihren ad-hoc-Urteilen ausgeliefert. Wir waren sehr aufgeregt und versuchten, uns gegenseitig zu beruhigen…

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich las aus der 1. Fassung meines 2. Romans ’Kohlhaas‘, und Marcel Reich-Ranicki, der Jury-Vorsitzende, erklärte im Vollton der Überzeugung: ‚Dieses Buch kommt nie über die Rampe.‘ Ich sah ihn an und dachte, wenn Sie meinen – es kommt. Und es kam. Die 2. Fassung wurde zum gerade von Günter Grass gestifteten Döblin-Preis eingereicht. In der Jury: Hans Werner Richter, Prof. Hans-Dieter Zimmermann und Fritz J. Raddatz. HWR und Zimmermann wollten mir den Preis zuteilen. Der Einwand von Raddatz: Der erste Döblin-Preis kann unmöglich an eine Frau gehen. Danach hatte ich genug von diesem ‚Ringen‘.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?

Auf meinen Stil hatte die Teilnahme keinen Einfluss.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Ich kann es nicht sagen, habe das Prozedere nicht hinreichend weiterverfolgt.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Dass die Tage vergnüglich werden und sich für die Autoren neue Begegnungen eröffnen. Das Drumherum damals – nicht nur das Schwimmen im See – war das Lebendige.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Elisabeth Plessen, Schriftstellerin

Zur Person: Elisabeth Plessen | internationales literaturfestival berlin 20.6.2026

Bachmannpreis _ Jury (1986)

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Bachmannpreisgründer und langjähriger Juror, Autor und Journalist _ Humbert Fink
Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt _ Innenstadt
Wörthersee

Fotos: Elisabeth Plessen _ 1 Renate von Mangoldt (1976); 2 Petra Seeger.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 20.6.2026

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„Als der Bachmannpreis mit Gert Jonke nach Paris kam“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Heinz Schwarzinger, Schriftsteller _ Paris 23.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Heinz Schwarzinger, Schriftsteller, Übersetzer, Regisseur und Schauspieler  _ Paris

Bachmannpreisjuror 1990

Lieber Heinz, Du warst 1990 Juror beim Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Eine anziehende Stadt, noch dazu meine Geburtsstadt. In der ich nie gelebt habe. Oder nur wenige Monate, die ersten nach Kriegsende. Dann in der Südsteiermark. Aber der Tonfall des Kartnerischen ging mir nie mehr aus dem Ohr, und blieb mir immer lieb. Nahe Verwandtschaft sorgte dafür.

Erste Erinnerung also ein Gefühl von Zugehörigkeit, von Heimat, gleich wieder zerstört von der leiblichen Anwesenheit des Landeshauptmanns J Haider, welcher von Publikum und Teilnehmenden jedoch konsequent ignoriert wurde.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Das Auswahlsystem: Die Juroren wählen ihre Kandidat.innen aus und können sich im Voraus mit ihnen besprechen. Der Bekanntheitsgrad der Autor.innen spielt keine Rolle, sie müssen nur in deutscher Sprache schreiben.

Die Möglichkeit, vor Ort Vertreter großer und kleiner Verlagshäuser mit den Autor.innen bekannt zu machen.

Wie hast Du als Juror die Lesungen, die Jurydiskussionen, die Preisverleihungen und die Begegnungen rundum erlebt?

Die Juroren wählen im vorab die Texte bzw. Auszüge in Absprache mit den Autor.innen aus. Das ist der „private“ Teil der Veranstaltung. Bei der Jurydiskussion betätigt sich der.die Juror.in als Fürsprecher bzw. Verteidiger des Kandidatin. Außerhalb des Versammlungorts steht es dem.r Juror.in frei, mit seinem.r Kandidaten.in zu verkehren.

Ich erinnere mich an einen Kandidaten, T.M., der im letzten Moment die Textauswahl änderte und im Radiosaal einen Auszug vorlas, über den wir nicht gesprochen hatten. Schlecht darauf vorbereitet, konnte ich ihm beim Jurygespräch nur notdürftig beistehen.

Wie gelingt es Objektivität zu bewahren?

Indem man den Auswahltext unter allen möglichen Gesichtspunkten untersucht und beurteilt, wenn „Objektivität“ auch nicht unbedingt unabdingbar ist.

Wie hat sich diese Funktion auf Deinen weiteren beruflichen Weg ausgewirkt?

Ein paar Jahr nach meiner Teilnahme in Klagenfurt habe ich in Paris in der Maison de la Poesie den Bachmannpreis einmal nachvollzogen, mit Gert Jonke z.B. als „Kandidat“, entsprechende Textauszüge wurden ausgewählt, übersetzt und von Schauspielern gelesen. Die Veranstaltung wurde von der Presse interessiert besprochen, Bachmann ist auch in Frankreich eine bekannte Autorin, aber zu weiteren derartigen Veranstaltungen kam es meines Wissens nicht.

Was braucht der Bachmannpreis für eine zukünftige gute Entwicklung?

Gute Autor.innnen und vielleicht Schauspieler.innen, die statt der Autor.innen die Texte lesen.

Was möchtest Du aktuellen Juroren:innen, Teilnehmer:innen und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Viel Spaß und viel Glück! Auf dass die Veranstaltung andauere! Und schönes Wetter am See.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Heinz Schwarzinger_ freier Übersetzer, Autor, Regisseur und Schauspieler

Zur Person: Heinz Schwarzinger lebt als freier Übersetzer mit dem Schwerpunkt auf zeitgenössische Dramatik, sowie als Autor, Regisseur und Schauspieler in Paris.

Schwarzinger studierte Theaterwissenschaft in Wien und Paris, 1969 erfolgte seine Promotion. Seit 1972 übersetzt er Theatertexte ins Französische, meist unter dem Pseudonym “Henri Christophe”. Seit 1986 konzipiert und leitet und konzipiert Schwarzinger die Österreichischen Theaterwochen in Paris und die seit 1991 bestehenden Französischen Theatertage in Wien. Daneben leitet er Übersetzungsseminare und Workshops in Österreich, Deutschland und Frankreich. Schwarzinger ist Herausgeber der Theaterwerke von Ödön von Horváth und Arthur Schnitzler in französischer Sprache. 1991 wurde er mit dem Österreichischen Staatspreis für literarisches Übersetzen ausgezeichnet. Heinz Schwarzinger – Literaturhaus Wien 23.6.26

Bachmannpreis _ Publikum

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee _ Abendstimmung

Foto: Heinz Schwarzinger _ Eva Trummer/Verlag der Autoren

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 23.6.2026

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„Die Hervorhebung der einen bedeutet eben die Zurücksetzung der anderen“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Engelbert Obernosterer, Schriftsteller _ Hermagor 23.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Engelbert Obernosterer, Schriftsteller _ Hermagor/Kärnten

Bachmannpreisnominierter 1978 und 1982

Die Interviewfragen wurden dem im Kärntner Gailtal lebenden Autor per Brief übermittelt und kamen per Brief zurück. Die Antworten des Autors folgen als Foto nach den Fragen.

Herzlichen Dank an Ilse Kilic, Schriftstellerin, Präsidentin der Grazer Autoren:innenversammlung, Wien, für die so freundliche engagierte Vermittlung dieses Brief-Interviews!

Fragen: Lieber Engelbert, Du hast 1982 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit und den weiteren Weg ausgewirkt?

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Antworten _ Engelbert Obernosterer:

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

 Engelbert Obernosterer, Schriftsteller

Zur Person: Engelbert Obernosterer * 1936 in St. Lorenzen im Lesachtal/Kärnten

Studium der Germanistik und Geschichte in Wien; danach Tätigkeit als Volks- und Hauptschullehrer, ab 1975 Kunsterzieher an einer AHS. Zur Zeit lebt er als freier Schrifsteller in Hermagor. Er veröffentlichte unter anderem »Ortsbestimmung« (1975); »Am Zaun der Welt« (1988); »Verlandungen« (1993); »Vom Ende der Steinhocker« (1998) sowie »Grün. Eine Verstrickung« (2001). Eine Werkausgabe ist in Vorbereitung. Biografien: Österreichische Gesellschaft für Literatur 22.6.2026

Publikum _ Bachmannpreis _ ORF Studio Kärnten

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Bachmannpreisgründer und langlähriger Juror, Autor und Journalist _  Humbert Fink
Bachmannpreis, 1980er Jahre _
Juryvorsitzender Marcel Reich-Ranicki

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Gerlitzen _ Kärnten
Ossiacher See

Foto: Engelbert Obernosterer _ C.Russwurm

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Gerlitzen/Ossiacher See _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 22.6.2026

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„wie Züge durch die Nacht“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Anja Knafl, Schauspielerin _ Klagenfurt 23.6.2026

Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Drei Wege zum See“ am Originalschauplatz Klagenfurt _
„Drei Wege zum See“, Erzählung, Ingeborg Bachmann 1972 _
Fotos: Walter Pobaschnig 3/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz _ „Drei Wege zum See“

„Sie kam immer am Bahnsteig II an und fuhr vom Bahnsteig I weg.“

BAHNSTEIG 2 (Ankunft)  _ Akrostichon

Text & Performance  _ Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Drei Wege zum See“ am Originalschauplatz Klagenfurt _
„Drei Wege zum See“, Erzählung, Ingeborg Bachmann 1972 _
Fotos: Walter Pobaschnig 3/26, folgende

BAHNSTEIG 2 (Ankunft)

Bachmann schrieb nie über Landschaften, ohne auch über Menschen zu schreiben.

Angst, Liebe und Einsamkeit rasen in ihren Texten wie Züge durch die Nacht.

Hinter jedem Satz liegt eine Wahrheit, die man nicht laut aussprechen will.

Nichts ist stärker als ein Mensch, der beginnt, sich selbst zu erkennen.

Sie schrieb über Frauen, die unterwegs sind, weil Stillstand nicht tragbar geworden ist.

Träume können Türen sein, aber manchmal auch Labyrinthe.

Erst wenn wir zurückblicken, merken wir, wie weit wir gegangen sind.

In ihren Geschichten bleibt immer ein Rest von Schweigen zurück.

Genau in diesem Schweigen beginnt Literatur.

Anja Knafl, 8.3.2026

Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Drei Wege zum See“ am Originalschauplatz Klagenfurt _
„Drei Wege zum See“, Erzählung, Ingeborg Bachmann 1972 _
Fotos: Walter Pobaschnig 3/26, folgende
Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Drei Wege zum See“ am Originalschauplatz Klagenfurt _
„Drei Wege zum See“, Erzählung, Ingeborg Bachmann 1972 _
Fotos: Walter Pobaschnig 3/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz _ „Drei Wege zum See“

„Sie kam immer am Bahnsteig II an und fuhr vom Bahnsteig I weg.“

BAHNSTEIG 2 (Ankunft)  _ Akrostichon

Text & Performance  _ Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann am See _ Kärnten, um 1938 _
Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

„Drei Wege zum See“ Ingeborg Bachmann, 1972

Die Erzählung erschien im letzten Erzählband von Ingeborg Bachmann „Simultan“ ein Jahr vor ihrem Tod in Rom. In der Erzählung kehrt die Protagonistin Elisabeth (Fotografin) zu einem Besuch in ihr Elternhaus in Klagenfurt zurück. Auf den regelmäßigen Spaziergängen am nahen Kreuzbergl, alleine und mit dem Vater, begleiten Erinnerungen von Zeit und Leben wie Geschichte und Gesellschaft in Gedanken und Reflexion auf vertrauten Wegen der Kindheit

Ingeborg Bachmann entwirft eine historische Rück- und Zusammenschau österreichischer Geschichte im Dialog zu Existenzfragen um Familie, Liebe, Beruf. Die Verbindung eines individuellen Lebens- und Herkunftspanoramas mit zahlreichen literarischen Referenzen (Joseph Roth) macht den Text zu einem der Schlüsseltexte zu Leben und Werk Bachmanns.

Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _

Fotos: Ingeborg Bachmann_ Familienarchiv Bachmann, Heinz Bachmann.

Fotos: Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Drei Wege zum See“ am Originalschauplatz Klagenfurt _
„Drei Wege zum See“, Erzählung, Ingeborg Bachmann 1972 _
Walter Pobaschnig 3/26

Walter Pobaschnig 8.3.2026

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„In Klagenfurt fühlt man sich wie in einem Spiel: Man gewinnt, man verliert“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Boris Schumatsky, Schriftsteller _ Berlin 23.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Boris Schumatsky, Schriftsteller _ Berlin.

Bachmannpreisnominierter 2025

Deutschlandfunkpreisträger

Lieber Boris, Du hast 2025 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Auch nach einem Jahr bleibt es eine wichtige Erinnerung, dass ich den Deutschlandfunkpreis gewonnen habe. In Klagenfurt fühlt man sich wie in einem Spiel: Man gewinnt, man verliert. Man bereitet sich auf die Lesung vor wie auf einen Wettlauf, und auch ein Jahr später freut man sich, wenn man eine gute Leistung gezeigt hat. Auch die Jury sah meinen Text „Kindheitsbenzin” sehr positiv, ich habe mich während der Jurydiskussion verstanden gefühlt. Das freut mich besonders, denn in diesem Text sind die wichtigen Motive meines neuen Romans enthalten, der in wenigen Wochen erscheint: das Leben und die Liebe Paul Celans in Paris sowie mein Leben heute in Berlin und früher in Moskau.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

In diesem Jahr wird nicht nur das runde Jubiläum des Bachmannpreises gefeiert, sondern auch das seiner Namensgeberin. Für mich hat das eine besondere Bedeutung, denn Bachmann ist eine Figur in meinem Roman „Die Seine fließt ins Schwarze Meer“. Im Roman ist sie für Paul Celan zwar nicht die Liebe seines Lebens, so doch eine wichtige Geliebte. Ihre Rolle in seinem Leben ist jedoch sehr zwiespältig – sowohl persönlich als auch politisch: Ingeborg Bachmann ist selbst vom Unglück gezeichnet und treibt zugleich andere ins Unglück.

Wie hat sich Deine erfolgreiche Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit und weiteren Weg ausgewirkt?

Mein Schreibstil hat sich durch den Erfolg keinen Millimeter verändert. Erfolge sollten sich idealerweise anders auf das Schreiben auswirken. Schreiben ist ein Risiko, oder sollte es zumindest sein. Wo es Risiken gibt, gibt es auch Ängste. Erfolg ist einer der Faktoren, die dagegenwirken, die einem helfen, trotz allem weiterzuschreiben. So schreiben, wie man sich traut und nicht auf einen Erfolg hin.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Derzeit ist die Preisvergabe für das Publikum und die Teilnehmenden weitgehend eine Blackbox: Alle müssen warten, bis die Jury nach einer geheimen und intransparenten Abstimmung ihr Ergebnis verkündet. Der einzige nennenswerte Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass der Hauptpreis als Höhepunkt zuletzt bekannt gegeben wird.

Meiner Meinung nach überwiegen jedoch die Nachteile – eine Kritik, die auch die Literaturwissenschaftlerin und langjährige Jurorin Daniela Strigl bereits geäußert hat. Früher verständigte sich die Jury des Bachmannpreises zunächst intern auf eine Shortlist. Anschließend erfolgte die öffentliche Live-Abstimmung über die verbliebenen Kandidatinnen und Kandidaten. Dabei war jedes Jurymitglied dazu angehalten, seine Entscheidung zu begründen. Dieses Verfahren wurde gegen den Willen der Jury geändert, und ich wäre dafür, die Preisabstimmung wieder so zu gestalten, wie sie bis vor einigen Jahren erfolgreich praktiziert wurde.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Reserviert euch bei der Stadtinformation ein Fahrrad. Glaubt mir, ihr werdet es brauchen.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Boris Schumatsky, Schriftsteller

Zur Person: Boris Schumatsky ist deutschsprachiger Schriftsteller und Publizist. Er ist in Moskau geboren und lebt seit Mitte der 1990er Jahre in Berlin. In seinem ersten Buch „Silvester bei Stalin“ zeichnet er den Weg seiner Familie durch die Zeiten des Krieges und des Terrors nach. 2016 erschien sein Essaybuch „Der neue Untertan. Populismus, Postmoderne, Putin.“ zur Situation der europäischen Politik und Gesellschaften. Sein Roman „Die Trotzigen“, Blumenbar/Aufbau Verlag 2016, spielt am Beginn der neuen Zeit nach dem Zusammenbruch des Sowjetkommunismus. 

Schumatsky studierte in Moskau, St. Petersburg und Berlin Kulturgeschichte und Politologie. Seit 1991 schreibt er für taz, FAZ, NZZ und Die ZEIT und er ist der Autor vieler Hörfunkfeatures bei Deutschlandradio. Seit 2021 kuratiert Schumatsky das Projekt „Stolperworte“, Literaturlesungen an den Stolpersteinen. Er ist Mitglied im PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland und der Gruppe „Writers in Prison“.

2025 erhält Schumatsky den Deutschlandfunk-Preis beim Bachmannwettbewerb. Start < Boris Schumatsky 23.6.2026

Die Preisträger:innen 2025 in Klagenfurt mit Heinz Bachmann (Mitte, Bruder von Ingeborg Bachmann) _ Boris Schumatsky ganz links.

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt _ Neuer Platz
Wörthersee

Foto: Boris Schumatsky _ Milena Schloesser

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 23.6.2026

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„Es geht nicht um Leben und Tod, das meine ich ganz im Ernst“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Martina Hefter, Schriftstellerin _ Leipzig 23.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Martina Hefter, Schriftstellerin _ Leipzig

Bachmannpreisnominierte 2005

Liebe Martina, Du hast 2005 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Erstens: Lustige und lange Zugfahrten mit einigen lieben Kolleginnen und Kollegen nach Klagenfurt und wieder zurück.

Zweitens, dass ich mit einem halbgaren, unfertigen Text hinfuhr, mit dem ich selber nicht zufrieden war. Ich hatte mich nicht beworben, sondern wurde von einer Jurorin eingeladen, mich zu bewerben. Ich hatte damals aber keinen neuen Text, da mein Roman gerade erst erschienen war, und musste mir irgendwas aus den Fingern saugen. Damals habe ich intensiv mit Lyrik begonnen und dann relativ unmotiviert einen Prosatext geschrieben.

Ich war nicht erfahren genug, um die Einladung auszuschlagen, das habe ich später bereut.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Dass er im Fernsehen übertragen wird. Das ist ein Stück weit natürlich auch eine Crux, aber auch eine Chance für Sichtbarkeit und Vermittlung. Eine größere Öffentlichkeit kann Schreibweisen entdecken und sehen, wie über Literatur gesprochen werden kann.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Dafür, dass ich so unzufrieden war mit meinem Text, war die Diskussion ganz gut. Es gab ein paar Meckereien von wenigen Juroren, bei denen ich es sowieso erwartet hatte. Sonst aber viel Lob.

Bei der Preisverleihung – ich hatte mit gar nichts gerechnet- ist mir dann dieses typische Schicksal passiert, das öfter vorkommt: Mein Name wurde für alle Preise außer dem Hauptpreis genannt, es gab ja noch diese Abstimmungen mit Zetteln und mehreren Runden, und ich bin dann immer durchgerutscht und am Ende ganz ohne Preis rausgegangen. Das fand ich aber nicht schlimm.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Das war meine allererste Begegnung überhaupt mit einem größeren Literaturbetrieb, und damals erschien mir das Ganze ein bisschen wie eine Bussi-Bussi-Gesellschaft. Das war sicher übersteigert von mir wahrgenommen, aber es hat mich zu der Zeit ziemlich abgestoßen, und ich habe mich tatsächlich lange Zeit gefragt, ob ich mich da überhaupt bewegen will.

Das sehe ich jetzt aber entspannter. Ich bewerbe mich zwar keinesfalls nochmal, die Vorstellung, beim Bachmannpreis zu lesen, fände ich sehr, sehr merkwürdig. Aber so aus Spaß würde ich eigentlich sehr gerne nochmal in den Wörthersee springen. Allein schon wegen meiner Tattoos.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Das kann ich ganz schwer sagen. Vielleicht weiterhin so gute Juror*innen wie jetzt gerade. Ich mag die derzeitigen Leute alle sehr, tatsächlich. Ich finde, sie haben auch wirklich eine Entwicklung durchgemacht, vielleicht sogar in kathartischem Sinne 🙂 im Ernst, ich finde, die sind an sich gewachsen und haben an sich gearbeitet, sowas mag ich.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Vielleicht so viel: Es geht nicht um Leben und Tod, das meine ich ganz im Ernst.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Martina Hefter, Schriftstellerin

Zur Person: Martina Hefter ist Schriftstellerin und arbeitet auf dem Gebiet der Performance. Sie lebt in Leipzig, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studierte. Ihr Roman »Hey guten Morgen, wie geht es dir?« wurde 2024 mit dem Deutschen Buchpreis sowie dem europäischen Prix Grand Continent ausgezeichnet und war ein SPIEGEL-Bestseller. Für ihre schriftstellerische Arbeit erhielt Martina Hefter den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds und den Wiesbadener Literaturpreis. Zuletzt erschienen von ihr die Gedichtbände »Es könnte auch schön werden« und »In die Wälder gehen, Holz für ein Bett klauen«. (Text/Verlag _ Klett-Cotta)

Aktueller Roman:

„Tagsüber hilft Juno ihrem schwerkranken Mann Jupiter dabei, seinen Alltag zu meistern. Außerdem ist sie Künstlerin, tanzt und spielt Theater. Und nachts, wenn sie wieder einmal nicht schlafen kann, chattet sie mit Love-Scammern im Internet. Martina Hefter hat einen berührenden Roman über Bedürfnisse und Sehnsüchte im Leben geschrieben. Und darüber, wie weit man bereit ist, für die Liebe zu gehen.

Juno schreibt online mit Männern, die Frauen online ihre Liebe gestehen und so versuchen, sie um ihr Geld zu bringen. Doch statt darauf hereinzufallen, werden genau diese Männer zu einer Form von Freiheit für Juno. In den Gesprächen kann sie sein, wer sie will und sagen, was sie will – und das vermeintlich ohne Konsequenzen. Ganz im Gegensatz zu ihrem sonstigen Leben, in dem sie immer unterwegs, immer besorgt um Jupiter, immer beschäftigt und eingebunden ist. Also flüchtet Juno ab und zu vor ihrem Alltag ins Internet und spielt dort Spielchen mit Männern, die sie anlügen. Sie selbst wird zur Lügnerin. Aber ist es nicht so, dass man sich beim Lügen zuallererst selbst belügt?

Eines Tages trifft Juno auf Benu, der ihre Behauptungen ebenso durchschaut wie sie seine. Und trotz der Entfernung zwischen ihnen entsteht eine Verbindung. »Hey guten Morgen, wie geht es dir« ist ein tiefgehender Roman, aber so leichtfüßig wie eine Komödie.“ (Pressetext/Verlag)

13. Druckaufl., 2024, Erscheinungstermin: 13.07.2024, 224 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

ISBN: 978-3-608-98826-0

22 EUR

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Martina Hefter _ Maximilian Gödecke Photography

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt _  Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 9.6.2026

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„dass der Autor Lothar Seiler nach mehreren Stichwahlen den Bachmannpreis 2007 gewonnen hätte“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Lutz Seiler, Schriftsteller _ Wilhelmshorst/D 23.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Lutz Seiler, Schriftsteller _ Wilhelmshorst/D

Bachmannpreisnominierter 2007

Lieber Lutz, Du hast 2007 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Ich erinnere mich, dass die weithin etablierte Nachrichtenagentur dpa nach der Bekanntgabe des Bachmannpreises 2007 die Nachricht herausgab, dass „der 47jährige in Berlin lebende Schriftsteller Lothar Seiler nach mehreren Stichwahlen“ den Ingeborg-Bachmann-Preis 2007 gewonnen hätte – nichts davon stimmte: Weder das Alter noch Wohnort Berlin, weder „Lothar“ noch „Stichwahl“. Alle großen Medien haben dann, wie üblich, erstmal die dpa-News übernommen … Eine Zeit lang war es lustig, sich vorzustellen, wo der Mensch von dpa bei der Preisverkündung eventuell gerade war und in welchem Zustand – oder was er eigentlich gemacht hat in diesem Moment, ehe er seine Nachricht erfunden hat …

Jedenfalls war traumhaft schönes Wetter damals in Klagenfurt. Am schönsten war der Nachmittag des Fußballspiels, ich glaube eine deutsche Autorenauswahl gegen eine österreichische Auswahl, bei sehr guter Stimmung. Auch Trinkpausen wurden schon damals gemacht, weil es so heiß war. Den Lesewettbewerb hab ich vom Hotelzimmer aus im Fernsehen verfolgt. Eine Stunde vor meinem eigenen Auftritt bin ich losgegangen und hab in der Maske ein großes Bier getrunken – zur Beruhigung, denn aufregend ist das Ganze in jedem Fall.     

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Ohne Zweifel ist das die Situation des Auftritts vor laufender Kamera plus öffentliche Diskussion nach der Lesung plus Live-Übertragung in einem Fernsehsender. Jede und jeder muss sich vorher sehr gut überlegen, ob sie oder er sich dem aussetzen möchte. Gut finde ich den Modus, dass die Jurymitglieder Vorschläge für den Kreis der teilnehmenden Autorinnen und Autoren machen können, damals jedenfalls war es so, jedes Jurymitglied brachte zwei Leute mit. Die Jury ist auf diese Weise mitverantwortlich für das Niveau des Wettbewerbs.    

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich hatte das große Glück, von Ilma Rakusa vorgeschlagen worden zu sein. Ilma war dafür bekannt, dass sie auch in schwierigen Diskussionen zu „ihren“ Autorinnen bzw. Autoren stand, ihnen zur Seite stand, auch wenn der Zug vielleicht gerade in eine andere Richtung fuhr. Sie wäre nie auf diesen Zug aufgesprungen, was ja gar nicht so selten geschah, öfter auch mal nur, um als Kritikerin oder Kritiker für den Moment zu glänzen und ein irgendwie gelungenes Bonmot anzubringen.

Die Veranstaltung selbst, die Menschen im Raum und das Geräusch der kleinen Brandung, wenn im Publikum die Seiten des gerade gelesenen Textes umgeblättert wurden – diese ganze Aufmerksamkeit und Ernsthaftigkeit, auch in der Diskussion der Texte, war schon sehr besonders. Bewegend auch die Lieder auf dem Schloss und grandios das Schwimmen im See, dazu die phantastische Gegend mit Musil-Museum, Christine Lavant und Ingeborg Bachmann; ich glaube, der Ort ist ideal für ein paar Tage Literatur.   

Wie hat sich Deine erfolgreiche Teilnahme, der Preisgewinn, auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit und weiteren Weg ausgewirkt?

Die Erzählung „Turksib“, die ich damals gelesen habe, war meine erste veröffentlichte Erzählung, mein Eintritt in die Prosa, von den Essays einmal abgesehen. Der Stoff beschäftigt mich bis heute – „Auszug aus einem langen Prosatext“ stand damals noch im Untertitel, aber es ist mir in Folge nicht gelungen, diesen Roman auch zu schreiben, die Idee schien mir dann doch zu speziell, aber irgendwie ging es immer weiter damit, jedenfalls in meinen Notizen und Notizbüchern der letzten zwanzig Jahre, und auf gewisse Weise habe ich jetzt diesen Roman geschrieben: „Das tickende Herz“ wird in diesem Herbst erscheinen.

Und davon abgesehen: Durch die Auftritte im Wettbewerb bin ich auf Autoren aufmerksam geworden, die ich seitdem regelmäßig lese und großartig finde, Thomas Stangl zum Beispiel; „Reisen und Gespenster“, das damals ein paar Jahre nach Klagenfurt erschien, ist noch heute eines meiner Lieblingsbücher.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Mehr Werkstatt vielleicht – was hieße, dass die lesende Autorin oder der Autor stärker eingeladen werden, mitzureden in der Diskussion des Textes.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

„Ein Geld muss eins da sein“, sagt der Mann vor dem Supermarkt in Fassbinders Film  „Katzelmacher“ (ich glaube, bevor er den Laden ausraubt). Also: Reichlich Finanzen durch Land und Sender, mindesten für nochmal fünfzig Jahre. 

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Lutz Seiler, Schriftsteller

Zur Person: Leben / Lutz Seiler 22.6.2026

Website des Autors: Lutz Seiler

Bachmannpreis _ ORF Studio

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Bachmannpreisgründer und langjähriger Juror _ Autor und Journalist Humbert Fink
Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Musilmuseum Klagenfurt
Wörthersee

Foto: Lutz Seiler _ Jürgen Bauer

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 22.6.2026

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„Ich habe aus einem viel zu umfangreichen Projekt gelesen, das funktionierte nur bei einigen Juroren – Adolf Muschg etwa“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ O. P. Zier, Schriftsteller _ St.Johann/Pongau 22.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ O. P. Zier, Schriftsteller _ St.Johann/Pongau

Bachmannpreisnominierter 1978

Lieber Othmar Peter, Du hast 1978 am zweiten Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Mir war das damals nicht bewusst.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die umgehende Reaktion auf die Texte.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich habe aus einem viel zu umfangreichen Projekt gelesen, das funktionierte nur bei einigen Juroren – Adolf Muschg etwa, soweit ich mich erinnere.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?

Gar nicht.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Gute Autorinnen und Autoren und gute Jury.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Gelassen bleiben.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

O. P. Zier, Schriftsteller

Zur Person: O. P. Zier, geboren 1954, aufgewachsen in Lend (Salzburg), lebt als Schriftsteller in St. Johann und Eschenau. Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften, Arbeiten für Hörfunk und Fernsehen. O. P. Zier wurde mehrfach ausgezeichnet und hat zahlreiche Romane veröffentlicht, „Tote Saison“ (2007) und „Mordsonate“ (2010), „Komplizen des Glücks“ (2015). O. P. Zier 22.6.2026

Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee _ Strandbad Klagenfurt

Foto: O. P. Zier _ Lukas Beck

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 22.6.2026

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„„Mein Großvater hieß Franz Kafka““ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Walter Müller, Schriftsteller _ Salzburg 22.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview  _ Walter Müller, Schriftsteller _ Salzburg

Bachmannpreisnominierter 1979

Text „Apokalypso“ _ Gewinn des Stipendiumpreises

Lieber Walter, Du hast 1979 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Ich wurde in letzter Minute nachnominiert, da ein Schriftsteller aus der DDR kein Einreisevisum bekommen hatte und somit einer von insgesamt 27 „Leseplätzen“ zur Verfügung stand. Meinen Text („Apocalypso“) hab ich in der Nacht vor der Abreise von Salzburg nach Klagenfurt ins Reine geschrieben. Die Texte mussten noch nicht vorab von einem Jurymitglied begutachtet werden. Die Auslosung für die Startreihenfolge hab ich in meinem Pensionszimmer buchstäblich verschlafen, kein Mensch wusste, ob ich überhaupt angekommen war. Zum Glück wurde ich „in Abwesenheit“ für einen Termin notiert … falls „Müller aus Salzburg doch noch auftauchen sollte“.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Das schmerzhaft-emotionale Ausgeliefertsein des Autors, der Autorin an famose, redebegabte Beurteiler und Beurteilerinnen (nicht zynisch gemeint!)

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich war 29, Journalist und Musiker – und eine leere, weiße Seite im Literaturbetrieb, Juror Rudolf Walter Leonhard schrieb in seinem Bachmann-Preis-Bericht: „…auch emsigen Verfolgern der Gegenwartsliteratur bis dato unbekannt.“

Also setzte ich mich ohne große Aufregung oder gar Erwartung an den Lesetisch. Unmittelbar vor meinen ersten Sätzen protestierten junge Kärntner Kunstschaffende für ein Kulturzentrum und gegen Marcel Reich-Ranitzki. Aber auch das ging vorbei. In meiner Geschichte kommt dieser Satz vor: „Mein Großvater hieß Franz Kafka.“ In der Jurydiskussion meldete sich Reich-Ranitzki vorwurfsvoll: „Man kann doch den Namen Franz Kafka nicht in so einem Text verwenden!!!“ Damals herrschte absolutes Redeverbot für die Wettbewerbs-Teilnehmer während der Beurteilungen durch die Literaturgrößen. Da war eisernes Schweigen angesagt. „Mein Großvater hieß aber wirklich Franz Kafka“, der Satz ist einfach so aus meinem Mund herausgesprungen. Gelächter im Publikum, Mitgefühl und Zuspruch von anderen Juroren – und am nächsten Tag eine Schlagzeile in einer Kärntner Zeitung: „Mein Großvater hieß wirklich Franz Kafka“. Nur soviel: Er war nicht der Schriftsteller sondern ein Lastwagenfahrer, der im Zweiten Weltkrieg vermisst gemeldet worden ist.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?

Wie gesagt: Ich war ein Newcomer, ich hatte nichts zu verlieren und hätte viel zu gewinnen gehabt. Nach dem Bewerb und dem Stipendien-Gewinn kamen Anfragen von großen namhaften Verlagen aus Österreich und Deutschland. Mein Pech: Ich hatte noch nicht sehr viel geschrieben und ließ mir zu viel Zeit, bis das Interesse verraucht war oder ich „auf die Schnelle“ die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Bestärkt hat mich die Anerkennung in meinem Interesse am Geschichten-Recherchieren, den Stil beim Schreiben hab ich mehrmals für mich neu entdeckt. Der Großvater im Text hat mich zum Ergründen der eigenen Familiengeschichte gebracht („Die Häuser meines Vaters“ etc.) – Neben der literarischen Arbeit, neben zwei Dutzend Büchern auch zwei Dutzend Theaterstücke, hat mich die Tätigkeit als Abschiedsredner voll und ganz begeistert – („Wenn es einen Himmel gibt“ z.B.)

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Themenvielfalt, mutige Autorinnen und Autoren, mit überraschenden Einblicken von allen Seiten in und auf diese Welt, zum Bersten neugierige Juroren und Jurorinnen, waches, begeisterungsfähiges Publikum.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

All das, was ich grad formuliert habe, Glück, Segen, Tumult, Aufbegehren, Kühnheit, den Glauben an das Wort, die Sprache, das Schweigen, das Lachen und den vitalisierenden Zauber der Wörthersee-Wellen.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Walter Müller, Schriftsteller

Zur Person: Walter Müller, Schriftsteller, Journalist, Dramaturg, 1950 geboren in Salzburg, Hat bisher 17 Bücher veröffentlicht, zwei Dutzend Theaterstücke, drei CDs mit eigenen Liedern für Kinder; er schreibt Essays und Feuilletons, ist Trauerredner und wurde mit etlichen Preisen und Auszeichnungen bedacht, unter anderem mit dem Ingeborg Bachmann-Förderpreis, dem Rauriser Förderungspreis und dem Georg-Trakl-Stipendium. Die Stadt Salzburg ehrte ihn für seine kulturellen Verdienste mit dem Stadtsiegel in Silber und in Gold. Müller Walter – Edition Tandem – Verlag Salzburg Wien 22.6.26

Bachmannpreisjury _ Vorsitzender Marcel Reich-Ranicki

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Bachmannpreisgründer und langjähriger Juror _ Autor und Journalist Humbert Fink
Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt/Rathaus _ Bachmannpreisankündigung
Wörthersee

Foto: Walter Müller _ Anna Aicher

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/ORF Archiv_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 22.6.2026

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„Die Kritiker haben beim Bachmannpreis mehr zu gewinnen und weniger zu verlieren“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Martin Ahrends, Schriftsteller _ Berlin 22.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Martin Ahrends, Schriftsteller _ Berlin

Bachmannpreisnominierter 1989 und 1992

Lieber Martin, Du hast 1989 und 1992 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen? 

Der unterschwelligen Herablassung seitens der Jury war ich nicht gewachsen, etwas davon wollte ich oberwellig zurückgeben und bin vom Dampfer gehopst. Hab mich von Deck – in voller Montur, vor laufender Kamera – mit Schmackes herabgelassen.  

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Kritiker sind und bleiben weit namhafter als die Autoren. Sie haben dort mehr zu gewinnen und weniger zu verlieren.  

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich nahm den Wettbewerb schon 1989 viel zu ernst, wusste aber nicht, worauf ich mich einlasse, Herr Karasek fühlte sich „angekitscht“ und ich mich völlig missverstanden.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt? 

Vor meiner zweiten Teilnahme 1992 hatte mein Verlag (KiWi) eine Lesereise mit meinem Romanerstling geplant, der im Herbst erscheinen sollte, das Plakat war schon gedruckt; es wurde eingestampft, die Reise abgesagt, mein Roman als „Weglasser“ vermarktet, also von den Verlagsvertretern – trotz sehr guter Rezensionen – nicht empfohlen. Ich hab lange gebraucht, bis ich wieder Wind unter die Flügel bekam.  

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung? 

Der Wettbewerb ist jetzt wohl ein anderer.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen? 

Dass man seitens der Kritik eher synthetisch als analytisch vorgehen möge.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Martin Ahrends, Schriftsteller

Zur Person: Martin Ahrends wurde 1951 in (West-)Berlin Zehlendorf geboren, er zog mit den Eltern 1957 nach Kleinmachnow (DDR). Abitur 1970 in Potsdam, Studien der Musik, Philosophie, Theaterregie in Berlin, wo er als Redakteur einer Zeitschrift für ernste Musik und als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Komischen Oper tätig war. Nach einem politisch begründeten Arbeitsverbot stellte er 1982 einen Ausreiseantrag, dem 1984 stattgegeben wurde. In Hamburg war er zwischen 1986 und 94 Redakteur und freier Mitarbeiter der Wochenzeitung DIE ZEIT, seither ist er freier Autor. Neben zahlreichen publizistischen Arbeiten hat er literarische Texte veröffentlicht: Erzählungen, Essays, Romane u. a. bei Kiepenheuer & Witsch in Köln, bei Wallstein in Göttingen und im Aufbau Verlag Berlin. Martin Ahrends – Autorenlexikon 22.6.26

Bachmannpreis _ Publikum _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt _ Innenstadt
Wörthersee

Foto: Martin Ahrends _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis _ Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 20.6.2026

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