„Unser letztes Zusammentreffen war vor circa zwei Jahren, als ich sie dazu überreden wollte, gemeinsam mit mir und dem Felix-Salten-Text „Josefine Mutzenbacher – oder: Die Geschichte einer Wienerischen Dirne, von ihr selbst erzählt“ auf Lesereise zu gehen“ _ Erinnerung an +Erni Mangold _ Georg Biron, Schauspieler _ Wien 5.9.2026

Erni Mangold _ Georg Biron
Erni Mangold, Schauspielerin, Regisseurin _
* 26.1.1927 Großweikersdorf/NÖ +5.9.2026 Wien

Zur Person: Erni Mangold – Wien Geschichte Wiki 5.9.2026

Im Interview _ Georg Biron _ Schriftsteller, Reporter, Drehbuchautor, Schauspieler, Regisseur und Kulturproduzent _ Wien.

Lieber Georg Biron, welche Erinnerungen gibt es für Dich an Erni Mangold?

Puh, das sind so viele, dafür haben wir hier und jetzt zu wenig Zeit. Ich könnte ein Buch schreiben, aber keine Angst, das mache ich nicht. Ich bin ihr immer wieder begegnet, anfangs in den 1970ern bei Peter-Patzak-Dreharbeiten, später auch im „Gutruf“. Unser letztes Zusammentreffen war vor circa zwei Jahren, als ich sie dazu überreden wollte, gemeinsam mit mir und dem Felix-Salten-Text „Josefine Mutzenbacher – oder: Die Geschichte einer Wienerischen Dirne, von ihr selbst erzählt“ auf Lesereise zu gehen. Leider fand sie es nicht gut, „die Mutzenbacher mit einem Mann zu machen“ …

Was macht für Dich das Besondere ihres Schauspiels aus?

Die Erni Mangold war eine Schauspielerin von internationalem Format. Wenn sie sprach, verstand man jedes Wort. Sie war nie überdreht und in ihrem Spiel eher zurückhaltend, ohne große übertriebene Gesten. Sie reduzierte ihre Rollen bis aufs Maximum und beherrschte das Timing aus dem Eff-Eff. Manchmal spielte sie fast nur mit Blicken. Wenn Du dir zum Beispiel den zweiten „Kottan“ aus dem Jahr 1977 anschaust („Der Geburtstag“), dann weißt Du, was ich meine.

Möchtest Du bestimmte Rollen hervorheben und warum?

Sie war in jeder Rolle authentisch und glaubhaft – und das ging so weit, dass bei ihr immer auch die Vorgeschichte und die politisch-soziale Haltung einer Figur zu spüren war.

Wie hast Du Erni Mangold als Kollegin/e erlebt?

Wir waren leider nie Kollegin und Kollege. Wir waren gemeinsame Freizeit-Designer.

Was nimmt die Theater/Filmbühne von ihr in die Zukunft mit?

Gar nix. In ein paar Tagen wäre sie 100 geworden. Ihre Schauspielkunst stammt aus dem vorigen Jahrhundert. Theater und Film haben heute völlig andere Strukturen. Was ich von ihr in der Erinnerung in meine Zukunft mitnehme, das sind ihre einprägsame Stimme, die unbeugsame Haltung in wichtigen gesellschaftspolitischen Belangen und – vor allem – auch ihr Witz und ihre Herzlichkeit.

Herzlichen Dank für das Interview!

Georg Biron _ Schriftsteller, Reporter, Drehbuchautor, Schauspieler, Regisseur und Kulturproduzent.

Foto: Erni Mangold _ Österreichisches Filminstitut

Foto: Georg Biron_ Nikolaus Similache

Walter Pobaschnig, 5.9.2026

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