„Ich sah Reich-Ranicki an und dachte, wenn Sie meinen _ mein Buch kommt. Und es kam“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Elisabeth Plessen, Schriftstellerin _ Berlin 24.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Elisabeth Plessen, Schriftstellerin _ Berlin.

Premierenteilnehmerin 1977

Liebe Elisabeth, Du hast am ersten Bachmannpreis 1977 in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Ich hätte nicht hinfahren sollen, war privat in einer sehr labilen Situation, kein glücklicher Ausgangspunkt für eine solche Einladung, zumal ich Ingeborg Bachmann mehrmals begegnet war, in Wien, in Rom in ihrer Wohnung in der Via Bocca Leone, bei Hans Werner Henze in La Leprara

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Ich nahm im ersten Jahr teil, zusammen mit meinen Freunden Gerd Jonke und Jörg Läderach. Das war wichtig der Front der Kritiker gegenüber. Da war man nicht so allein und ihren ad-hoc-Urteilen ausgeliefert. Wir waren sehr aufgeregt und versuchten, uns gegenseitig zu beruhigen…

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich las aus der 1. Fassung meines 2. Romans ’Kohlhaas‘, und Marcel Reich-Ranicki, der Jury-Vorsitzende, erklärte im Vollton der Überzeugung: ‚Dieses Buch kommt nie über die Rampe.‘ Ich sah ihn an und dachte, wenn Sie meinen – es kommt. Und es kam. Die 2. Fassung wurde zum gerade von Günter Grass gestifteten Döblin-Preis eingereicht. In der Jury: Hans Werner Richter, Prof. Hans-Dieter Zimmermann und Fritz J. Raddatz. HWR und Zimmermann wollten mir den Preis zuteilen. Der Einwand von Raddatz: Der erste Döblin-Preis kann unmöglich an eine Frau gehen. Danach hatte ich genug von diesem ‚Ringen‘.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?

Auf meinen Stil hatte die Teilnahme keinen Einfluss.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Ich kann es nicht sagen, habe das Prozedere nicht hinreichend weiterverfolgt.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Dass die Tage vergnüglich werden und sich für die Autoren neue Begegnungen eröffnen. Das Drumherum damals – nicht nur das Schwimmen im See – war das Lebendige.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Elisabeth Plessen, Schriftstellerin

Zur Person: Elisabeth Plessen | internationales literaturfestival berlin 20.6.2026

Bachmannpreis _ Jury (1986)

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Bachmannpreisgründer und langjähriger Juror, Autor und Journalist _ Humbert Fink
Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt _ Innenstadt
Wörthersee

Fotos: Elisabeth Plessen _ 1 Renate von Mangoldt (1976); 2 Petra Seeger.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 20.6.2026

https://literaturoutdoors.com

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