„eine rasche Rückkehr zum Prinzip der Spontan-Kritik“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Gert Ueding, Bachmannpreisjuror von 1981-86/1992 _ Heidelberg 22.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Gert Ueding, Literaturkritiker, Universitätsprofessor, Mitglied zahlreicher Literaturjurys.

Bachmannpreisjuror von 1981-86 und 1992

Lieber Gert, Du warst von 1981 bis 1986, und dann noch einmal 1992 mit Peter Demetz, Juror beim Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Ich habe gerne teilgenommen. Die Atmosphäre war kollegial, Stadt, Landschaft, Wörther See spielten sozusagen mit. Die Mischung aus literarischer Diskussion, entspanntem Beisammensein im Restaurant, bei der gemeinsamen Bootsfahrt usw. war im damaligen literarischen Leben einmalig.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Spontankritik war der wichtigste und reizvollste Bestandteil der Veranstaltung. Das hochkonzentrierte Zuhören, die direkte Konzentration mit Autor und Text, die Diskussion mit den Kollegen, das Risiko der spontanen Reaktion, die unverstellte Urteilsbildung, die nicht durch verfremdende Vorbereitung und langatmige, am Schreibtisch angefertigte Referate gestört wurde.

Wie hast Du als Juror die Lesungen, die Jurydiskussionen, die Preisverleihungen und die Begegnungen rundum erlebt?

Eine nicht spannungsarme, aber dadurch kontrastreiche Fülle von Begegnungen, die von freundschaftlicher Nähe bis zu kritischer Distanz eine ganze Skala von Möglichkeiten bot.

Wie gelingt es Objektivität zu bewahren?

Objektivität ist weder Ziel, noch Sinn von Kritik, und sowieso nicht möglich. Gerade die prononcierte Individualität der Urteile machte den Reiz aus und die Vielheit der kritischen Meinungen zeigte den jeweiligen Text und Autor in einem Reichtum an Perspektiven, die von der Zeitungskritik, wenn überhaupt, dann nur sehr selten erreicht werden kann.

Wie hat sich diese Funktion auf Deinen weiteren beruflichen Weg ausgewirkt?

Stärkung meiner literaturkritischen Tätigkeit für Presse, Funk und Fernsehen.

Was braucht der Bachmannpreis für eine zukünftige gute Entwicklung?

Vor allem eine schleunige Rückkehr zum Prinzip der Spontan-Kritik.

Was möchtest Du aktuellen Juroren:innen, Teilnehmer:innen und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Ziel sollte eine lebendige, auch unterhaltsame kritische Diskussion über die ausgewählten/eingereichten, aber erst durch Lesung des Autors der Runde bekannt werdende Texte sein.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Gert Ueding, Literaturkritiker, Universitätsprofessor, Mitglied zahlreicher Literaturjurys.

Zur Person: Gert Ueding, 1942 geboren, lebt bei Heidelberg, bis 2009 Ordinarius für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen, bis 2012 Gastprofessor an der Universität St. Gallen. Essayist, Literaturkritiker verschiedener großer Zeitungen, u. a. der FAZ und der Welt. Mitglied zahlreicher literarischer Jurys, u. a. der Jury zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels sowie der Jury der Bücherbestenliste des SWR. Bei Klöpfer & Meyer hat er über viele Jahre die renommierte Essayreihe Promenade herausgegeben. 2016 erschien, hoch gelobt, in drei Auflagen: Wo noch niemand war. Erinnerungen an Ernst BlochGert Ueding – Kröner Verlag 22.6.26

Bachmannpreis _ Jury 1980er Jahre (nicht alle am Bild)

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Bachmannpreis Empfang der Stadt Klagenfurt _ Schloss Loretto/Wörthersee

Foto: Gert Ueding _ Kröner Verlag

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis _ Archiv ORF; Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 22.6.2026

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„Mann – Ach“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wien 22.6.2026

Station bei Malina_
Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wienperforming Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 11/23, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

MALINA _ Akrostichon

Text & Performance _ Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Station bei Malina_
Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wienperforming Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 11/23, folgende

MALINA

M ann –

A ch

L iebes

I ch

N enne damit doch

A uch Dich, die Frau

Zarah Weiss, 11/23

Station bei Malina_
Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wienperforming Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 11/23, folgende
Station bei Malina_
Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wienperforming Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 11/23, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

MALINA _ Akrostichon

Text & Performance _ Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wienperforming Malina

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Station bei Malina_
Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wienperforming Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 11/23.

Walter Pobaschnig   11/23

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Im Schatten der Kraniche, Bernadette Németh. Roman, Wieser Verlag.

Die Träume. Der Flug der Vögel. Jetzt hier hilflos im Krankbett. Die große Angst des Stimmverlustes wird bei der Sängerin Ida ganz real. Das Wort fehlt. Sprachlosigkeit, die auch Ausdruck der stillen, erlittenen, verschwiegenen und verleugneten Geschichte am Ort und am Weg eines Landes, einer Familie hier im österreichischen Burgenland sind. Doch Namen, Gesichter, Leid und Verzweiflung kehren zurück und lassen zurückblicken…

Ihre Mutter Anna steht jetzt am Krankbett. Erkundigt sich nach dem Befund und den Perspektiven. Der Blick muss nach vorne gehen. In die Zukunft von Ida und allen rundum. So war es immer. Doch immerfort?

Anna erinnert sich jetzt der Wunden des Krieges, die lange noch nicht verheilt, ja benannt sind. Das Zusammenleben der Menschen, das Schicksal der Volksgruppen, es muss durch diese dunklen Stunden der Erinnerung hindurchgehen in vielen Erinnerungssteinen am Weg der Generationen und im Licht ein neues Bewusstsein finden, erschaffen…die Schrecken hier im Steinbruch, der Mord in den Kriegstagen ist überall unter der nur scheinbaren stillen Erde bedeckt vom Schweigen der Menschen hier. Und es sind Namen, die diese Geschichte in sich tragen, von Generation zu Generation…

Bernadette Németh, sehr facettenreiche und vielfach ausgezeichnete österreichische Schriftstellerin, legt mit „Im Schatten der Kraniche“ ihren vierten Roman vor. Und das ist ein ganz großer literarischer Wurf, der österreichische Zeit- und Regionalgeschichte in einem sehr innovativen wie gelungenen Erzählkonzept verbindet und Leserin und Leser auf eine erschütternd dramatische wie spannende Spurensuche von Frauenwegen im 20.Jahrhundert mitnimmt.

Die im Burgenland lebende Autorin verwendet Textmontagen, in denen Sie die Erzählperspektiven variiert und damit eine große Lebendigkeit erzeugt wie die Bedeutung von individuellen Erinnerungen als Gesamtkonzept von Identität hervorhebt. Geschichte hat viele Stimmen, die in unterschiedlichen Ton- und Existenzlagen Ereignisse wiedergeben und Erinnerungen verbinden. Das Erzählen ermöglicht eine Zukunft. Und dazu sind die Frauenpersönlichkeiten im Buch bereit und öffnen so die schwere dunkle Erde von Geschichte in der Möglichkeit und Hoffnung eines Weitergehens am Ort und in der Familie.

„Ein Roman, der Geschichte und Generationenfolge einzigartig und literarisch sensationell thematisiert und aufarbeitet. Ein Ereignis!“

Im Schatten der Kraniche, Bernadette Németh. Roman, Wieser Verlag.

Hardcover, 294 Seiten

ISBN: 978-3-99029-699-8

€24.00 inkl. MwSt.

Walter Pobaschnig 6/26

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„der Wettbewerb tut jungen Autorinnen und Autoren gut – sie lernen den Literaturbetrieb besser kennen, egal, ob sie was gewinnen oder nicht.“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Artur Becker, Schriftsteller _ Frankfurt/Main 22.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Artur Becker, Schriftsteller _ Frankfurt/Main

Bachmannpreisnominierter 2001 und 2004

Lieber Artur, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt, dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum, teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Der Müßiggang am Wörthersee ‒ in beiden Fällen, da ich 2001 und 2004 dort gelesen habe. Der See ist wunderschön und man kann sich dort prächtig erholen. Auch von den langen Nächten … und Lesungen.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Live-Lesung im TV. Alle fiebern mit, die dich kennen. Es ähnelt das Ganze ein bisschen einem mega Sportereignis.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

In beiden Fällen positiv, sowohl 2001 und 2004. Letztendlich ist es nur eine Lesung von 15 Minuten. Ich wurde gelobt und kritisiert. Ich war jung und hatte außerdem Lampenfieber. Im Großen und Ganzen eine schöne Erfahrung. Und Vorbereitung auf spätere Auftritte. Ich habe damals viel Zuspruch von älteren Kolleginnen und Kollegen erhalten. Mein Gott, manche Menschen leben nicht mehr.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Beim 2. Mal wurde ich von Journalisten gefragt, warum ich mir das überhaupt noch einmal geben würde. Na ja, der Wettbewerb tut jungen Autorinnen und Autoren gut – sie lernen den Literaturbetrieb besser kennen, egal, ob sie was gewinnen oder nicht. Schließlich wollen sie nur schreiben und veröffentlichen. Also, in meinem Fall war die Teilnahme schon eine Art Entrance, auch wenn Ruhm schnell verblasst, wie alles Übrige auch.   

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Das weiß ich nicht, weil ich den Wettbewerb kaum verfolge. Nicht aus Ignoranz – ich habe einfach viel zu tun. Auf dem Schreibtisch. Aber so ein Wettbewerb braucht vor allem gute Leute, auf beiden Seiten, und das scheint doch bisher ziemlich gut zu funktionieren. Seit 50 Jahren. Ist zumindest mein Eindruck. Aber ich mag mich täuschen.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Ich möchte allen viel Erfolg wünschen, den kommenden Gewinnern jetzt schon gratulieren und den kommenden Verlierern jetzt schon sagen: Kopf hoch, Klagenfurt ist nicht das Ende der Welt, nach dem Wettbewerb geht es mit dem Schreiben weiter ‒ seht es sommerlich-sportlich an dem schönen Wörthersee! Dem Publikum wünsche ich viel Vergnügen, der Jury ein gutes Händchen und den Organisatoren und den vielen Mitarbeitern aus der Gastronomie und Hotellerie viel Geduld ‒ diese wunderbaren Leute, die Knochenarbeit leisten, vergisst man nämlich immer.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Artur Becker, Schriftsteller

Zur Person: Artur Becker, 1968 geboren als Sohn polnisch-deutscher Eltern in Bartoszyce (Masuren), lebt seit 1985 in Deutschland. Schreibt Romane, Erzählungen, Gedichte und Aufsätze, auch als Übersetzer tätig.
Artur Becker ist Mitglied im P.E.N.-Zentrum Deutschland und im Exil-P.E.N.-Club sowie im Verband deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di. Vita 22.6.2026

Website des Autors: Artur Becker Aktuell

Klagenfurt _ Altstadt
Wörthersee

Foto: Artur Becker _ Alex Cio

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis_ Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 22.6.2026

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„eine Achtung vor den Mutigen“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Helga Schubert, Schriftstellerin _ Schwerin/D 22.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Helga Schubert, Schriftstellerin _ Schwerin/D

Bachmannpreisträgerin 2020

Liebe Helga, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Dass wegen Corona meine Teilnahme im Jahr 2020 nur digital war, dass ich meinen Beitrag also vorher in unserem Garten las.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die sofortige öffentliche Reaktion auf einen literarischen Text durch Fachleute.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Die Lesung im zeitlichen Vorfeld fand ich als entspannt, denn ich hätte ja Fehler machen können. Die Jurydiskussion war für mich sehr angenehm, weil die ja ebenfalls digital war. Sie hatte etwas Unwirkliches- ich verglich sie mit meiner eigenen Juryarbeit vor 30 Jahren, die ja vor Ort stattfand.

Die Preisverleihung war für mich überraschend, da ich nicht damit gerechnet hatte, tatsächlich den Preis zu bekommen. Außerdem war alles im Studio ohne Publikum- eben wegen Corona.

Wie hat sich Bachmannpreis bzw. Preisgewinn/Teilnahme auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Fundamental, denn ich hatte als 80-Jährige mit meinem Leben als öffentlich wirkende Schriftstellerin abgeschlossen. Nun kam ich in die Bestsellerliste, veröffentlichte weitere, auch frühere, vergriffene Bücher. Ich wurde zu vielen Lesungen, Diskussionen, auch u Tagungen eingeladen.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

 Auch weiter einen ausreichenden Sendeplatz und das Wohlwollen der Literaturinteressierten.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Ich wünsche den Teilnehmenden Selbstsicherheit im Vergleich  mit den Mitbewerbern und Mitbewerberinnen, der Jury eine Achtung vor den Mutigen und eine respektvolle Beziehung zur literarischen Tradition. Und dem Bachmannpreis-Wettbewerb wünsche ich noch viele ertragreiche Jahre.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Helga Schubert, Schriftstellerin _ Lesung Bachmannpreis 2020 _ Garten der späteren Bachmannpreisträgerin

Zur Person: Helga Schubert, geboren 1940 in Berlin, war Psychotherapeutin und Schriftstellerin in der DDR. Sie zog sich aus der literarischen Öffentlichkeit zurück, bis sie 2020 mit der Geschichte ›Vom Aufstehen‹ den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann. Der gleichnamige Erzählband erschien 2021 bei dtv und war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. 2023 erschien ›Der heutige Tag. Ein Stundenbuch der Liebe‹, 2024 wurde Helga Schubert mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Landeskulturpreis MV ausgezeichnet. Helga Schubert 15.6.2026

Bachmannpreis 2020 _ Moderator Christian Ankowitsch moderiert pandemiebedingt die online-Jurykritik im leeren ORF Studio
Bachmannpreis-Jury 2020_
Vorsitzender Hubert Winkels (zweite Reihe links)

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Bachmannpreisgründer und langjähriger Juror _ Autor und Journalist Humbert Fink
Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Rizzibrücke _ Lendkanal/Klagenfurt
Abendstimmung _ Wörthersee

Foto: Helga Schubert _ ORF screenshot/Walter Pobaschnig

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/screenshots_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 14.6.2026

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„denn Worte sind Tiere, etwa Hunde mit der Fähigkeit, sich abzukapseln“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Dieter Zwicky, Schriftsteller _ Zürich 21.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Dieter Zwicky, Schriftsteller _ Zürich

Bachmannpreisnominierter 2007 & 2016

Gewinner des Kelag Preis 2016

Lieber Dieter, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt, dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum, teilgenommen. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen?

Ich habe gleich zwei Mal teilgenommen, 2007 gewissermaßen als Jungspund, 2016 als angehender Silberrücken. Bei jeweils enormer Hitze boten beide Anlässe Grund zu wirklich saftiger sportlicher Herausforderung. 2007 war ich gleichsam euphorisierend-naiv unterwegs, mit nichts als meinem eigentümlichen Text befasst. 2016 hatte ich ein etwas offeneres Kapillarsystem, es erreichten mich selbst während der Lesung Nachrichten aus der unmittelbaren Umgebung. Aber beide Male Momente herrlichen Genusses, auch Dankbarkeit, dass eigene Worte einen nach Klagenfurt tragen können.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Das Setting löst das übliche Problem mangelnder Aufmerksamkeit gegenüber Erschriebenem zu praktisch 100 Prozent ein. Für dieses einzige Mal ist für denkbar alles gesorgt. Wenn der Text im Gepäck nur genug mit mir zu tun hat, so, komme ich mit jedweder Garantie beim Vortrag nicht zu kurz. Mit anderen Worten, es liegt idealerweise allein an der Übereinstimmung, mit der ich und der Text uns auf der Bühne hochschaukeln zu etwas sehr, sehr Befriedigendem.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich vermochte Trotz und Freude aufrechtzuerhalten. Es ist eigenartig froh stimmend, wenn die Jury spricht, als sei bei ihr eine fundamentale Beißhemmung installiert: charmant, leichtfüßig, unverbissen, mit Schalk und nicht ohne wahnwitzige Neugier.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Die beiden Teilnahmen haben mich nicht verhemmt, natürlich nicht! Ich bin gewiss nicht gelassener, nicht entspannter geworden durch sie. Aber die eigenen Ohren richten sich nach Klagenfurt fraglos vermehrt nach dem Stimmwunder aus, das sich als individuelle Literatur im Hals formiert. Diese perverse Großartigkeit eigener Sätze! Dass man nicht verzweifelt am harten Bandensystem Sprache, sondern Dummheiten und Frühlingsblumen ausheckt!

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Wichtig sind Autorinnen und Autoren ohne Akademie-Schielen. Autoren mit Vorgefasstem im Nacken und Horizont mögen ruhig Angstschweiß entwickeln. Sich selbst überraschen! Sich selbst fremd sein noch in der übernächsten Kommasetzung!

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Dankbarkeit dafür, dass Literatur ein großes, gewaltiges Abenteuer ist; denn Worte sind Tiere, etwa Hunde mit der Fähigkeit, sich abzukapseln.

Dieter Zwicky, Schriftsteller

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Dieter Zwicky, 1957 geboren. Lebt und arbeitet in Uster und Zürich. Dieter Zwicky ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Weitere Informationen zu Werk/Auszeichnungen: Dieter Zwicky

Aktuelles Buch:

Dieter Zwicky
Phay Phayderkohl und Fred Pyjama

Fadengeheftete Klappenbroschur
144 Seiten, 17.6 x 13.2 cm
Umschlagentwurf: Martina von Schulthess
ISBN 978-3-906061-36-8
28 Franken, 28 Euro
Herbst 2025 Phay Phayderkohl und Fred Pyjama

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Fotos: Dieter Zwicky _ Jenny Rova Edition Pudelundpinscher/privat.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 9.6.2026

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„Möchtest du glücklich sein?“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Lydia Steinbacher, Schriftstellerin _Wien 21.6.2026

Lydia Steinbacher, Schriftstellerin _Wien _ performing Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) 
100.Geburtstag _Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 7/23

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

MALINA _ Akrostichon

Text & Performance _ Lydia Steinbacher, Schriftstellerin _Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Lydia Steinbacher, Schriftstellerin _Wien _ performing Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) 
100.Geburtstag _Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 7/23
Lydia Steinbacher, Schriftstellerin _Wien _ performing Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) 
100.Geburtstag _Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 7/23

MALINA



Möchtest du glücklich sein?

Auch das ist eine Frage

Lamentandosi:

Ich kann nur Vergebliches tun

Nur lass das Grammophon noch laufen

Am Ende langsam herausdenken

Lydia Steinbacher, 7/23

Lydia Steinbacher, Schriftstellerin _Wien _ performing Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) 
100.Geburtstag _Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 7/23

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

MALINA _ Akrostichon

Text & Performance _ Lydia Steinbacher, Schriftstellerin _Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Lydia Steinbacher, Schriftstellerin _Wien

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Lydia Steinbacher, Schriftstellerin _Wien _ performing Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) 
100.Geburtstag _Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _ Walter Pobaschnig 7/23

Walter Pobaschnig   23.6.2026

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„Die Höchstdosis Literatur. Ein Ausnahmezustand.“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Anna Felnhofer, Schriftstellerin _ Wien 21.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Anna Felnhofer _ Bachmannpreisnominierte 2023

Im Interview _  Anna Felnhofer, Schriftstellerin _ Wien

Bachmannpreisnominierte 2023.

Deutschlandfunkpreisträgerin.

Liebe Anna, Du hast 2023 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen und den Deutschlandfunkpreis gewonnen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

An den Ausnahmezustand.

An die Höchstdosis Literatur.

An die kuriose Melange aus Anspannung und Ausgelassenheit, aus Arbeit und Amüsement, aus Solo-Auftritt und angeregtem Miteinander.

Und an das Erstaunen darüber, wie klein die physischen Dimensionen des ORF-Studios tatsächlich sind und welch Wunder eine Weitwinkelkamera vollbringen kann.

Ziehung der Lesereihenfolge im ORF Garten _ Ziehung Anna Felnhofer _ Bachmannpreis 2023
Am Lesesessel im ORF Studio

Was macht für Dich das Besondere des Bachmannpreises aus?

Dass sich sieben Kritikerinnen und Kritiker so intensiv mit einem Text auseinandersetzen und hierzu in ein Gespräch treten, diese Konstellation sucht seinesgleichen – ebenso wie die Bühne, der Austausch, die Kontakte, die vielen kleineren und größeren Anstöße für die eigene literarische Weiterentwicklung.

Vor der Lesung

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die sehr spannende Preisverleihung erlebt?

Die Lesung – das war die von allen Lesenden geteilte Erfahrung, dass man sich auf sich verlassen kann, ungeachtet der Angst.

Die Jurydiskussion – das war die Dankbarkeit, dass es ausschließlich um den Text ging, dies mit aller erdenklichen Wertschätzung.

Die Preisverleihung – das war der jähe Abfall der Anspannung gepaart mit einer unermesslichen Freude über das Ergebnis.

Preisträger:innen 2023 _ von links _
Martin Piekar _ KELAG Preis und BKS Publikumspreis; Anna Felnhofer _ Deutschlandfunkpreis; Valeria Gordeev _ Bachmannpreis 2023; Laura Leupi _ 3sat Preis.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Den Rückhalt aus Politik und Öffentlichkeit.

Jurymitglieder, die ihre Liebe zur Literatur pflegen.

Ein hungriges, begeisterungsfähiges Publikum.

Und natürlich, von Jahr zu Jahr, neugierige Lesende, die bereit sind, sich kopfüber in dieses Abenteuer zu stürzen.

Einlass in das ORF Studio _ großes Publikumsinteresse

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern: die Lust am Auftritt, am Miteinander, an dieser so unvergleichlichen Atmosphäre, sowie eine gehörige Portion Gelassenheit und an jeder Fingerspitze ein funkelndes Fitzelchen Zuversicht.

Der Jury: eine ungebrochene Lustbarkeit an den Texten.

Dem Publikum: Unersättlichkeit.

Dem Bachmannpreis: Planungssicherheit für die nächsten Jahre.

Abendstimmung _ Empfang der Stadt Klagenfurt im Schloss Loretto/Wörthersee

Was sind Deine aktuellen Literaturprojekte?

Im März 2026 ist mein neuer Roman „Prosopon“ (Luftschacht) erschienen. Seither verfolge ich seine Entwicklung voller knisternder Freude mit, ganz so, wie Eltern die ersten Schritte ihres Kindes mitverfolgen.

https://www.annafelnhofer.at/schreiben/buecher/prosopon/

https://www.luftschacht.com/produkt/anna-felnhofer-prosopon/

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Anna Felnhofer _ Station bei Malina_
Romanschauplatz Wien _

Alle Fotos: Anna Felnhofer/Bachmannpreis/ORF Studio/Station bei Malina _ Walter Pobaschnig _ 2023

Walter Pobaschnig, 2.6.2026

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„war ständig hin- und hergerissen zwischen Kind und Bewerb“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Bettina Balàka, Schriftstellerin _ Wien 21.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _Bettina Balàka, Schriftstellerin _ Wien

Bachmannpreisnominierte 2004

Liebe Bettina, Du hast 2004 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Es war eine unglaublich schwere Zeit für mich. Ich war alleinerziehend, meine Tochter gerade mal vier Jahre alt. Für die Tage des Wettbewerbs fand ich niemanden, der sie durchgehend übernehmen konnte. Ich musste sie also nach Klagenfurt mitnehmen, war ständig hin- und hergerissen zwischen Kind und Bewerb. Für den Auftritt selbst reisten mein Vater und seine Frau an, um währenddessen meine Tochter zu betreuen. Meine Haupterinnerung ist, dass sie ihr geliebtes Plüscheichhörnchen auf dem Gelände verlor und darob völlig verzweifelt war. Wir suchten stundenlang alles ab, bis wir es irgendwo in den Gängen wiederfanden.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Dass es so viel Fernsehzeit für Lesungen gibt, ist doch recht einzigartig.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Zweckpessismus erwies sich als sinnvolle Strategie. Insofern, als ich auf das Schlimmste vorbereitet war, konnte ich dann erleichtert sein, als es auch positive Rückmeldungen gab.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Gar nicht.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Seinen Fortbestand, also Finanzierung.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Viel Spaß!

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Bettina Balàka, Schriftstellerin

Zur Person: BETTINA BALÀKA, geboren in Salzburg, lebt als freie Schriftstellerin in Wien, schreibt Romane, Erzählungen, Lyrik, Essays. Ausgezeichnet unter anderem mit dem Salzburger Lyrikpreis, Österreich-1-Essay-Preis, Friedrich Schiedel-Literaturpreis, Georg-Trakl-Förderungspreis für Lyrik. Zuletzt erschienen: „Der Zauberer vom Cobenzl“, Roman (2023), „Die glücklichen Kinder der Gegenwart“, Gedichte und Kurzprosa (2024), „Vom Zähmen, Ausbeuten und Bestaunen. Eine ungeordnete Kulturgeschichte der Natur“, Essays (2024), alle im Haymon Verlag, Innsbruck – Wien. Herausgeberin der Reihe: „Haymon Her Story – Wiederentdeckte Literatur von Frauen“. Im Oktober 2026 erscheint ihr neuer Erzählband „Die Abgängigen“, ebenfalls bei Haymon.

Website der Autorin: Bettina Balàka | Bettina Balàka

Großes Publikumsinteresse an den Lesungen im ORF Studio Klagenfurt
Pause im Garten

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

ORF Garten
Wörthersee

Foto: _Bettina Balàka _ Alain Barbero

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 20.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„Es darf nicht um das Ego des Jurors, der Jurorin gehen“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Ilma Rakusa, Bachmannpreisjurorin _ Zürich 21.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Ilma Rakusa, Schriftstellerin _ Zürich

Bachmannpreisjurorin 2003 – 2007

(Bachmannpreisnominierte 1981)

Liebe Ilma, Du warst Jurorin beim Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Fünfmal hintereinander, von 2003 bis 2007, war ich Jurorin beim Bachmannpreis. Ich musste mich an das Procedere, das in der Maske mit Schminken und Kämmen anfing, zuerst gewöhnen. Von Natur aus bin ich eher introvertiert, scheue die mediale Aufmerksamkeit. Was mich motivierte, war die Möglichkeit, zwei Autor:innen meiner Wahl einzuladen und ihnen die Chance einer Teilnahme zu bieten. Das habe ich mit Freude genutzt. Und mit einigem Erfolg: Zwei meiner Kandidaten – Uwe Tellkamp und Lutz Seiler – bekamen den Bachmannpreis, Farhad Showghi den 3-Sat-Preis, der über sechzigjährige Bodo Hell den Telekom-Austria-Preis und Saša Stanišić den Publikumspreis. (Heute ist er ein gefeierter Bestseller-Autor.) Das Glück der Preisträger machte auch mich glücklich. Und bald schon hatte ich den Ruf einer „Avantgarde-Jurorin“, da ich mich auf sprachlich avancierte Texte fokussierte.

Wie hast Du als Juror/Jurorin die Lesungen, die Jurydiskussionen, die Preisverleihungen und die Begegnungen rundum erlebt? Wie gelingt es Objektivität zu bewahren?

In den Diskussionen versuchte ich, differenziert und konstruktiv zu sein. Denn apodiktische Urteile können viel Schaden anrichten. Es darf nicht um das Ego des Jurors, der Jurorin gehen, um persönliche Vorlieben bzw. Abneigungen, auch nicht um schiere Rhetorik. Was zählt, ist das stichhaltige Argument. Und dieses operiert ausschließlich textbezogen. So jedenfalls habe ich meine Aufgabe verstanden.

Aus solcher Textbezogenheit ergibt sich eine gewisse Objektivität. Man beurteilt, wie Inhalt und Form bzw. Machart eines Textes sich verbinden, ob der Text seine eigenen Voraussetzungen erfüllt. Tut man das gewissenhaft, ist es für die Autoren:innen nachvollziehbar und unter Umständen sehr gewinnbringend.

Wie hat sich diese Funktion auf Deinen weiteren beruflichen Weg ausgewirkt?

Das Jurieren in Klagenfurt war eine gute Schule für meine weitere Jurytätigkeit an anderen Orten. Dort ging es zwar weit weniger um Publikumswirksamkeit, doch sehr wohl um triftiges Argumentieren. Noch immer bin ich in mehreren Jurys aktiv, mit Überzeugung und Engagement.

Was braucht der Bachmannpreis für eine zukünftige gute Entwicklung?

Der Bachmannpreis sollte vielen Autoren und Autorinnen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Ausrichtung eine Plattform bieten. Was gegenwärtig an Literatur entsteht, ist thematisch und formal äußerst reichhaltig. Diese Reichhaltigkeit sollte der Preis unbedingt abbilden.

Was möchtest Du aktuellen Juroren:innen, Teilnehmer:innen und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Den aktuellen Juror:innen und Teilnehmer:innen wünsche ich Entdeckerfreude, gute Nerven und viel Glück!

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Ilma Rakusa, Schriftstellerin

Zur Person: Ilma Rakusa (*1946) studierte Slawistik und Romanistik in Zürich, Paris und Leningrad. Sie lebt als Autorin, Übersetzerin und Kritikerin in Zürich. Für ihr umfangreiches Werk, das Lyrik, Erzählungen, Tagebuchprosa, Essays, Dramolette und das Erinnerungsbuch Mehr Meer umfasst, erhielt sie u.a. den Schweizer Buchpreis, den Manès-Sperber-Preis, den Kleist-Preis und 2025 den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay. Sie ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und in verschiedenen Jurys tätig. Zuletzt erschienen: Mein Alphabet (2019), Kein Tag ohne. Gedichte (2022) und Wo bleibt das Licht. Tagebuchprosa (2025).

Website der Autorin: www.ilmarakusa.info

Bachmannpreis _ Studio ORF Klagenfurt
Pause im ORF Garten

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Abendstimmung Wörthersee _ Blick vom Schloss Loretto

Fotos: Ilma Rakusa _ 1 _ ORF Bachmannpreis _ 2_ Katalin Deer/Droschl Verlag

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Kärnten/Maltschacher See_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 16.6.2026

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