„ich schließ euch einen Raum auf“ Kathrin Bach, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Berlin 20.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE


ich schließ euch einen Raum auf
mit Bett, fließend Wasser,
einer Heizung, die gluckert

ich schließ euch einen Raum auf
der euch an Fenster gewöhnt
und den Umgang mit Licht

ich schließ euch einen Raum auf
der hat keine Decke, keine Wände,
weder Boden noch Strom,
nur Worte, Hände

Kathrin Bach 8.3.2022

Kathrin Bach, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Kathrin Bach, Schriftstellerin

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Walter Pobaschnig _ 18.9.2022.

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„Oder gehen wir weiter wie bisher…“ Andreas Lukas, Schriftsteller _ Wiesbaden/D 19.10.2022

Lieber Andreas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Zunächst gilt es mein neues Buch „Welten-Gewitter“ bekannt zu machen. Die erste Lesung habe ich bereits hinter mir. Die offizielle Präsentation war auf der BuchBerlin. Dann hat der Publikumspreis beim Hildesheimer Literatur-Wettbewerb einiges verändert. Ich werde anders wahrgenommen und erhalte auch mehr Anfragen seit diesem Sommer. Daneben bin ich mit dem Musiker Aeham Ahmad, wir haben zusammen das Buch TAXI DAMASKUS geschrieben und gerade ist die Italienische Ausgabe erschienen, auf Konzertlesungen. In den nächsten Wochen stehen einige auf dem Programm und die Vorbereitungen laufen.

Corona hat mir neben der Prosa auch die Lyrik eröffnet. Inzwischen sind über 30 Stücke entstanden, die ich „Lyrische Gedankenwolken“ nenne, weil damit die Freiheit, die ich brauche, zum Ausdruck kommt. Da die Zeit so intensiv ist, entstehen ständig neue. Ich will daraus eine Publikation machen. Mit einigen Verlagen bin ich in Kontakt. Bin aber offen für weitere, die sich vielleicht durch dieses Interview angesprochen fühlen. Gebe gerne eine Kostprobe.

Als neues Mitglied der Gruppe 48 bin ich auch in der Jury für den Themenpreis 2023 „Auf der Flucht“. Die ersten Beiträge, die zu lesen und zu bewerten sind, sind eingegangen. Die Ausschreibung läuft bis Ende Oktober.

Nicht zuletzt arbeite ich an einer Projekt-Idee für ein neues Buch. Mehr dazu gibt es in den nächsten Monaten.

Andreas Lukas, Schriftsteller  

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die beiden zurückliegenden Jahre haben uns allen ein anderes Leben und eine andere Realität beschert. Wie fröhlich und voller Erwartungen sind wir in diese Dekade gestartet, die unsere 20er Jahre werden sollten. Das konnte man mit Rückblick auf die Goldenen 20er vor hundert Jahren immer wieder hören. Und dann kommen die Nanos. Aus dem Nichts und ohne Vorwarnung! Unvorbereitet treffen sie uns an. Sie wirbeln alles durcheinander. Sie erobern in kürzester Zeit den Globus. Vieles gerät ins Wanken. Unsicherheit und Angst machen sich breit. Was wird aus unserer Befindlichkeit? Wo wird unser Leuchten bleiben? Was wird uns noch Hoffnung geben? Was für ein Leben werden wir führen? Nach der Erschütterung – anders als bisher?

Fragen, die uns überrennen mit dem Ankommen der Winzlinge. Und dann das Jahr 2022 mit dem 24. Februar und dem sehr warmen und trockenen Sommer. Unsere Festungen und Gewohnheiten, in denen wir uns – so sicher geglaubt – eingemauert hatten, sind erschüttert. Risse zeigen sich überall. Wir müssen zu einem anderen Blick auf unser Leben und unser Tun kommen. Das allgemeine Bewusstsein muss eine andere Richtung einschlagen. Wir können nicht im „Weiter-so“ verharren!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich will dazu einen Gedanken bringen, der sich durch mein neues Buch „Welten-Gewitter“ zieht: „Sind die menschlichen Wesen wirklich unersättlich und wollen unaufhörlich mehr, ständig Anderes und Neues?“

Genau dies zu hinterfragen wird wesentlich sein. Schaffen wir eine Abkehr von eingefahrenen und lieb gewordenen Pfaden? Oder gehen wir weiter wie bisher nach dem Motto: „Nur nicht mein bisheriges Leben ändern, damit ich mich in meinem gemütlichen und gewohnten Lebensstil kuscheln kann.“ Die letzten Monate haben uns viele Grenzen aufgezeigt.

Literatur und Kunst kommen bei allem eine wichtige Rolle zu. Sie können die Dinge ins Bewusstsein rücken, die Sicht verändern und schärfen. Aus diesem Grund lautet der Titel meines gerade erschienen Buches auch „WELTEN-GEWITTER“.

Was liest Du derzeit?

Das Buch von Daniel Speck „Jaffa Road“. Aber insgesamt ist das im Moment etwas schwierig. Mir fehlt die Ruhe dazu. Ein Tag ist so schnell vorüber mit neuen Kontakten, Anfragen, Mails, Gesprächen, Schreiben usw. Und wenn ich dann eine Inspiration habe beim Lesen, lege ich das Buch auf die Seite, setze ich mich hin und schreibe schnell meine Gedanken nieder. So entstehen neue Ansätze und Ideen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Das Leben beginnt dort, wo Momente innehalten.“ (auf der Rückseite von „Welten-Gewitter“)

Andreas Lukas, Schriftsteller  

Vielen Dank für das Interview lieber Andreas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

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Andreas Lukas, Schriftsteller 

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2.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„ich wünsche mir frieden. aber ich hasse so viel“ Sünje Lewejohann, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Berlin 19.10.2022

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(ich wünsche mir frieden. aber ich hasse soviel)

Gespenster toben in deinen venen. du bist verflucht. es gibt keinen anderen weg.

In deinem leben ist kein gutes ende mehr vorgesehen

Verlauf dich im wald, vladimir! verlieb dich unsterblich in die bärin, erfahre absolute

Einsamkeit und dann wird es karmisch: knabbern die bären an deinen zehen,

Picken die krähen an deinen augen und brennnesseln wachsen aus deinem mund, schau:

Es wird dich verschlucken. du wirst einfach zerfallen

Als das, was aus dir geworden ist. mit einem körper aus

Charkiw und ich rate dir: bete um die gnade

Einer trauernden mutter, die sich deiner annimmt, die ihre

Arme um dich schließt, vladimir. die dich mit schwarzer tollkirsche füttert.

Cherubim kämpfen unter deiner haut. du bist verflucht. vielleicht

Hilft es deiner jämmerlichen seele, zehntausend mal

Als winziger käfer wiedergeboren zu werden, der sich um sich dreht

Nicht aufhören kann, sich zu drehen. denn du weißt, der grausame

Chor der waldtiere schweigt eben

Erst, wenn du es endlich wagst zu gehen, ohne abschied zu nehmen.


Sünje Lewejohann, 3.10.2022

Sünje Lewejohann, Schriftstellerin

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Sünje Lewejohann, Schriftstellerin

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Walter Pobaschnig _ 3.10.2022.

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„Bowie Odyssee71“ Simon Goddard. Hannibal Verlag

Das Leben der 1970er Jahre. Pulsierend, bunt, grell. Und voller Musik…von London bis New York City und über die ganze Welt gespannt. Neue Wege werden im Musikexperiment im Studio wie auf der Bühne begangen. Musikpersönlichkeiten finden sich, verlieren sich und formen neue Musikstile…Kein Tag gleicht dem anderen…und jeder Tag, jede Nacht bringt neue Erfahrungen, Inspirationen, Begegnungen…

Ein strahlender Stern am Bühnenhimmel ist dabei David Bowie, der in seiner Musik wie der unvergleichlichen Performance in schillernden Bühnenoutfits begeistert. Jeder Auftritt wird zum Ereignis…

Doch wie gestaltete sich das Leben um und abseits der Bühne? Wie lebte David Bowie in diesem klingenden Zeitalter der Kunst und Gesellschaft? Wem begegnete er und wie waren die Tage damals zwischen Bühne und neuen Erfahrungen…?

Simon Goddard legt mit „Bowie Odyssee71“ nun die Fortsetzung seines beeindruckenden Panoptikums der Zeit vor und nimmt Leserinnen und Leser auf eine faszinierende Zeitreise mit.

Goddard zeichnet sich als bester Kenner der Musikszene wie als mitreißender Erzähler aus und so wird das Buch ein wunderbares Erlebnis von Musik und Zeit und vielem mehr…

„Eine faszinierende Zeitreise zu einer der beeindruckensten Musikpersönlichkeiten und dem bunten Leben der 1970er Jahre“

„Bowie Odyssee71“ Simon Goddard. Hannibal Verlag

Walter Pobaschnig 10_22

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„Das Bedürfnis nach Poesie wird bestehen“ Francisca Ricinski, Schriftstellerin – Bad Neuenahr/Ahrweiler/D 18.10.2022

Liebe Francisca, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich mit der Eule verwandt bin, bricht mein Tag später an … Erst wenn sie über alle Schlafende wacht, kehre ich zum Schreibtisch zurück. Aber nicht immer lassen sich schwebende Sätze auf dem Blatt nieder. An manchen Tagnächten schlafen rebelle Gedanken oder Wortbilder ein und dann tanzen die Finger auf der Tastatur wie katzenfreie Mäuse oder zeichnen seltsame Hieroglyphen. Irgendwann weckt mich das Werfen herausgekloppter Mauerreste in Container. Was für einen guten, ruhigen Morgen, ein Jahr nach der Flut, sage ich mir dann, während ich die Küche wie eine Oase betrete …  Ich trinke den Kaffee beim Stehen auf Fenster, die Weinberge winken mir zu …

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich kann nicht pauschal antworten. Da jeder von uns einzigartig ist, hat jeder eine persönliche Hierarchie von Interessen und Zielen, seine Wichtigkeitsskala. Aber es gibt sicherlich die schon allseits bekannten Punkte, die einen gemeinsamen Codex für jetzt und für morgen bilden könnten, falls ein Morgen für alle gewünscht ist. Gemeint sind hier eine grundsätzliche Rückkehr zum Dialog und zum Respekt voneinander, die Rettung des Friedens, der globalen Natur sowie die Unterstützung der sozial Vergessenen, der ihrem harten Schicksal Überlassenen, über alle Differenzen und Trennungsmerkmale hinaus. Die Triage, auf welcher Ebene auch immer, wäre kein ethischer, schuldenfreier Lösungweg. Es mag utopisch klingen, wenn es auf taube Ohren fällt. Oder wenn man darauf wartet, dass der Wandel zum Guten – wie das biblische Manna – vom Himmel fällt …

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Leider merke bzw. spüre ich keinen Aufbruch, denn Aufbruch ist für mich ein positiv geladener Begriff.  Neubeginn ja, ein Neubeginn der irrationalen Konfrontationen. Die Taube mit dem Olivenzweig in dem Schnabel ist nur noch ein nostalgisches Symbol geworden. Der kriegerische Geist spuckt Feuer, droht und zerstört, zieht immer mehr Völker und Geschöpfe aller Art in sein Inferno hinein. Hysterie und vergiftete Statements generieren Revolte und existentielle Angst.

Die Kunst, ob Musik, Malerei, Theater, Literatur etc. werden sich wie bisher, in der langen Geschichte ihres Daseins, oder noch intensiver mit diesen in unserem Leben neu eingetretenen Aspekten und Fakten inhaltlich auseinandersetzen, die Kraft im eigenen Wesen suchen, um das Bewusstsein der Kunstfreunde und der Menschen im allgemeinen aufzurütteln, für den Not des Anderen zu sensibilisieren, auch zu trösten und stärken, neue Wege zu zeigen. Dafür werden vielleicht neue, gar nonkonforme, mutige Ausdrucksformen notwendig sein, die eine gerechte Rezeption des Werkes und dessen Wirksamkeit erleichtern. Das Bedürfnis nach Poesie wird bestehen. Dichter werden weiterhin das an sich Unaussprechliche in bedeutungsvolle Formeln übertragen. Dichter werden ihren Texten  Arme und Füße oder Flügel wachsen lassen, damit man zwischen den fröhlichen Klängen und Farben die Tränen der Erde und ihre Schreie hört, ihr jetziges Alphabet aus Feuer und Schatten.

Was liest Du derzeit?

Alle sind Relektüren, unterschiedlich begründet: Umberto Eco, „Quasi dasselbe mit anderen Worten“ (Über das Übersetzen), Silvia Plath, „Die Bibel der Träume“ ; Friedrich Nietzsche, „Gedichte“ und die Poeme des französischen Dichters Gérard Blua aus „Funeriales“, Edition Campanile, Nice, 2021, mit dem von mir geschriebenen Vorwort.  

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich zitiere aus Nietzsches zeitloses Gedicht: „Gebet in der Morgenröte“ : „Ach, so gebt doch Wahnsinn,/ihr Himmlischen, /Wahnsinn, dass ich endlich/an mich selber glaube!/Gebt Delirien und Zuckungen,/plötzliche Lichter und Finsternisse,/schreckt mich mit Frost und Glut,/wie sie kein Sterblicher noch empfand,/mit Getöse und umgebenden Gestalten,/lasst mich heulen und winseln/und wie ein Tier kriechen:/nur dass ich bei mir selber Glauben finde! „

Francisca Ricinski, Schriftstellerin und Journalistin   

Vielen Dank für das Interview liebe Francisca, Schriftstellerin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Francisca Ricinski, Schriftstellerin und Journalistin  

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13.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gegen morgen schleicht sich“ Melitta L. Roth, Schriftstellerin _Give Peace A Chance _ Hamburg 18.10.2022

Melitta L. Roth, Schriftstellerin und Bloggerin

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Gegen morgen schleicht sich

In aller Heimlichkeit Diktator P., den alle Welt bald als Wlad, den

Verlorenen kennen wird, aus seiner Residenz in Nowo-Ogarjowo.

Er trägt Tarnkleidung und hat seinen kleinen Rucksack dabei.

P. schleicht sich aus dem Vorort Moskaus, schleicht sich aus dem

europäischen Teil Russlands und zockelt gen Osten, bis sein Jeep

Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse steckenbleibt.

Cholera! Schimpft der Diktator und zockelt zu Fuß weiter.

Er erreicht erst Wochen später das abgelegene Dorf im

Altai und bittet die Bewohner um Unterschlupf, er werde zahlen.

Chren mit dir Väterchen, sagt eine Alte, bleib. Sie

Heizt die Sauna an. Für sich und P. und ihren Nachbarn Michail Iljitsch.

Als sie drei Stunden schwitzen und schweigen, will P. raus.

Nein, bleib du schön drin, sagt Iljitsch. Gib mal die Birkenreiser rüber.

Chren, was seid ihr Moskauer für Weicheier, meint die Alte drei Stunden später.

Eigentlich war der aus Piter, sagt Iljitsch und verlässt mit der Alten die Banja.


Melitta L. Roth, 12.10.2022

Melitta L. Roth, Schriftstellerin und Bloggerin

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Melitta L. Roth, Schriftstellerin und Bloggerin

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Walter Pobaschnig _ 12.10.2022.

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„maximal tohuwabohuös“ Katja Brunner, Schriftstellerin _ Wallisellen/CHE 17.10.2022

Liebe Katja, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aktuell sieht mein Tagesablauf leider maximal tohuwabohuös aus. Zwischen Arbeitsrückständen aufarbeiten und dem Flitter des Neuen, noch nicht Getanen, noch nicht Geschehenen herumrauschen, es steht und fällt irgendwie alles und nix. Aber jeden Tag Rote Beete Saft, immerhin das an der offenbar heilsamen Routine.

Zu Beginn der Pandemie fiel mir ein rigoroses Strukturregiment leicht, jetzt zerfasert grad alles – oder nein, ist schon zerschnitten daliegend ohne Sinn und Verstand. Eigentlich ist dann jeder Tag ein Tanz um jenes, was da liegt, sinn – und verstandslos, aber der geheimen Logik komm ich vielleicht noch auf die Schliche/Sprünge oder so. Also eigentlich hoffe ich jeden Tag. Und wenigstens tanze ich dabei.

Katja Brunner, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube, so im Hausflurrahmen: Der liebe Gruss, das nette Wort, das niemanden was kostet, aber die meisten irgendwie der Gutgeartetheit der gemeinhin als Welt erfassten Schichten versichert.

Sonst jenseits des Herumwandelns als konkreter Körper in Strassen, Ubahnen, Hausfluren etc: Ich glaube, sich nicht von der Angst packen zu lassen, die gerade agitativ kursiert, sich von ihr bestenfalls den nötigen Antrieb geben zu lassen, aber nicht die Nervosität, das Antizipieren des Aufpralls sekündlich vor Augen zu haben. Dazu zählt vielleicht: Nicht im Hasenbau des Medienkonsums zu verschwinden – und positiv formuliert: Umsicht, Gütigkeit, Versöhnung. (bald werd ich hier religiös ohje), aber mir ist es ernst: Rückversicherung im Jetzt, es steht nicht die Apokalypse bevor und Zorn kann heilig sein & vor allem produktiv.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Oh, es fällt mir stets schwer, solche großen Fragen irgend halbwegs adäquat zu beantworten, bin ich selber hilflos vor den Toren der Ahnung über die Dimension meiner eigenen Unwissenheit, also erstens: Vielleicht diese Unwissenheit / aufkeimende absterbende Ratlosigkeit nicht schlimm zu finden?,

Zweitens, Kunst: Die große Retterin! Die Versöhnerin! Die Ebnerin, wenns ruppig ist und Ruppigerin, wenn s zu eben ist! Ihre fortwährende Fähigkeit, Empathie zu boosten, Neugier zu kultivieren, all die angelebten Leben, all die gefundenen Bilder für diffus Empfundenes. Die ganze verdammte dunkel lockende und hell türmende Vielfältigkeit der Möglichkeiten von Kunst, diese zu schätzen, das ist so ein evergreen.

Was liest Du derzeit?

Aktuell vornehmlich Gedichte: Querbeet durch Majakowski und Langgedichte von Pasolini (Wer ich bin). Und Comics aus der Reihe RACHEL RISING. Und Deborah Levy! Preziosen sind das. Und Rachel Cusk.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Hélène Cixous: „It is easy to love and sing one’s love. That is something I am extremely good at doing. But to be loved, that is true greatness. Being loved, letting oneself be loved, entering the magic and dreadful circle of generosity, receiving gifts, finding the right thank-you’s, that is love’s real work.“

Vielen Dank für das Interview liebe Katja, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Sehr gerne!

5 Fragen an Künstler*innen:

Katja Brunner, Schriftstellerin

https://katjabrunner.com/

Foto_Diana Pfammatter

6.10.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Global Female Future“ Wie feminstische Kämpfe Arbeit, Ökologie und Politik verändern. Andrea Ernst, Ulrike Lunacek, Gerda Neyer, Rosa Zechner, Andreea Zelinka (Hrsg.). Kremyar&Scheriau Verlag

Das Jahr 1982. Die Welt ist in Angst und Bewegung. Krieg auf den Falklandinseln. Die Berliner Mauer, der „Eiserne Vorhang“ trennt Europa. Atomwaffen positionieren sich in Ost und West. Die Zukunft ist in vielen ungewiss. Und was ist jetzt zu tun? Als Frau hier und dort, was muss benannt, aufgezeigt, was muss verändert werden? Jetzt, sofort, wofür gilt es zu kämpfen?…

In dieser Situation mit so vielen regionalen wie weltpolitischen Herausforderungen bildet sich in Österreich eine Frauengruppe und bildet die Organisation und Zeitschrift „Frauen*solidarität“. Internationale Vernetzung und Bewusstwerdung erfolgt und kritisch engagiert werden Hilfestellungen und -aktionen durchgeführt. Um wesentliche Bausteine gesellschaftlicher Werte wird gerungen und diese bilden bis heute ein Fundament politischer Verantwortung.

Wie hat sich nun 1982 die Bildung, Organisation und Aktion des Frauenkollektivs gestaltet und wie sieht es 40 Jahre danach aus?

Die damaligen Aktivistinnen erzählen Hintergründe und laden gegenwärtige regional wie global engagierte Mitstreiterinnen ein über ihre Projekte und politischen Wege zu erzählen.

So entsteht in Schilderung, Erinnerung wie im Dialog zur Gegenwart ein Buch, das wie ein Regenbogen in buntesten Facetten von Aktionen wie Persönlichkeiten strahlt und beeindruckend Zeugnis gibt, wie aktiv und engagiert „Global Female Future“ damals wie heute ist.

„Ein Buch als feministische Erinnerung, Manifest und Auftrag“

„Global Female Future“ Wie feminstische Kämpfe Arbeit, Ökologie und Politik verändern.

Andrea Ernst, Ulrike Lunacek, Gerda Neyer, Rosa Zechner, Andreea Zelinka (Hrsg.). Kremyar&Scheriau Verlag

Walter Pobaschnig 10_22

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„Aufstand“ Céline Lassalle, Verlegerin _ Give Peace A Chance _ Berlin 17.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Gebt den

Igeln

Vibraphone, den

Elstern

Posaunen

E-Moll

A-Dur

Cis-Moll

E und U

Aufstand, ganz sanft und

Charmant

Husten Texte dazu

Anfangs albern

Nachts dann müde auf dem

Chaiselongue-Rücken eines summenden

Esels

Céline Lassalle, 2.9.2022

Céline Lassalle, Verlegerin 

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Céline Lassalle, Verlegerin 

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Walter Pobaschnig _ 2.9.2022.

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„Worte sind mein Verband, mein Pflaster“ Eva Christina Zeller, Lyrikerin _ Tübingen/D 16.10.2022

Liebe Eva, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Gerade unterrichte ich creative writing im Hamilton College, Clinton in Upstate New York und lese hier aus meinem gerade erschienenen Roman „Unter dem Teppich“, der in Teilen schon übersetzt wurde und hier „under the rug“ heißt. Es ist schön, in interessierte und aufgeweckte Gesichter der jungen, angehenden AutorInnen zu blicken, die mir Fragen stellen, als hätte ich eine Ahnung wie man schreibt!

Eva Christina Zeller, Lyrikerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Stellen Sie, Walter Pobaschnig die Frage im Kontext von Klimawandel, Krieg oder Covid?

Mit welchen Schrecklichkeiten oder Herausforderungen müssen wir zurechtkommen? Zum Krieg wurde so viel geschrieben und gesagt. Ich verstehe ihn nicht, wenn ich versuche ihn zu verstehen, dann stehen mir die Haare zu Berge und ich weiß nicht, wie ich mein tägliches Kleinklein bewältigen soll. Krieg zu führen ist verrückt, weil wir den Abgrund vermessen. Aber den Klimawandel nicht aufzuhalten und nur Feigenblätter zu verteilen, ist genauso verrückt.

Aber ich muss mich an die eigene Nase fassen. Ich bin in die USA geflogen, um hier zu arbeiten, um Studierenden meine Gedichte und Geschichten vorzulesen und um ihnen zu erzählen, warum ich schreibe und wie ich schreibe. Kreativität ist eine Kraft und das Schreiben hat mein Leben gerettet, um es pathetisch auszudrücken. Wie das genau vor sich ging, steht in meinem neuen Roman. Ich flog auch hierher, um meine ehemalige Gastfamilie von vor 45 Jahren zu besuchen. Wie kann ich dies rechtfertigen?

Ich sehe hier in den USA die allgemeinen Gegensätze überdeutlich. Die Reichen in ihren großen Autos und riesigen Häusern, die Auswahl von zwanzig verschiedenen Arten von Peanutbutter und gleichzeitig die Wohnungslosen auf der Straße, die die Mieten nicht mehr bezahlen können. Diese Gegensätze sind kaum auszuhalten und machen mich wütend.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?  

Für mich ist sie Nahrung. Ich lese Gedichte, ich schreibe Gedichte. Ich  gehe in die Natur und schaue mir die Bäume an. Sie geben mir einen guten Grund am Leben zu sein. Als ich gerade an der Westküste in Nordkalifornien in einem artist retreat war, hörte ich fast jeden Morgen die Erde beben und es tat weh, wenn wieder ein Redwoodtree, ein Mammutbaum, viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte alt, gefällt wurde.

Was liest Du derzeit?

Ich lese Gedichte von Elizabeth Bishop und das Buch der Anthropologin Nastassja Martin „An das Wilde glauben“. Wie können wir westliche Psychologie und Rationalität auf der einen Seite und den Pantheismus und Animismus auf der anderen Seite nicht nur als Gegensätze betrachten? Dieser Frage geht die Autorin aufgrund einer tätlichen Begegnung und Verletzung mit einem Bären nach. Ich kann nur dadurch leben, dass ich eine Verbindung mit Mensch und Tier und Baum aufzubauen versuche, das klingt jetzt plump. Nichts anderes mache ich in meinen Gedichten: ich verbinde mich mit Worten. Worte sind mein Verband, mein Pflaster. 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?  

„Ich war bereits einmal Knabe, Mädchen, Pflanze, Vogel und flutentauchender, stummer Fisch“

Empedokles, Über die Natur, Fragment 117

„Zur Ruhe kommen

Wenn der Leib unaufhörlich

in Bewegung gehalten wird,

wird er müde.

Wenn der Geist unaufhörlich

in Bewegung gehalten wird,

wird er sorgenvoll;

und Sorge verursacht Erschöpfung.

Das Wesen des Wassers ist,

dass es klar wird,

wenn man es in Ruhe lässt,

und still,

wenn man es nicht stört.“

Dschuang Dsi

Vielen Dank für das Interview liebe Eva Christina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Eva Christina Zeller, Lyrikerin

http://eva-christina-zeller.de/

Foto_Wolfgang Irg

6.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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