„Dass alles, was ich tue oder unterlasse, Wirkung hat“ Monika Schilfarth, Schriftstellerin_ Nürnberg 24.9.2021

Liebe Monika, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Viel freier als früher, weil unsere beiden Söhne Anfang letzten Jahres kurz hintereinander auszogen. Ich wache etwa um sieben Uhr von alleine auf. Braue mir eine große Tasse Tee und schreibe Morgenseiten. Lege Träume, Grübeleien, Gedankenwirrwarr auf diese Art ab. Verscheuche währenddessen mindestens ein Mal den Buntspecht, der jeden Morgen an der Giebelwand unseres Hauses hängt und Löcher in die Isolation hackt. (Löcher, die wiederum Spatzen als Nistplätze nutzen. So wachsen jedes Jahr in der Wand hinter meinem Lyrikregal Jungvögel heran.) Den Vormittag nutze ich für Bewegung, Haushalt, Organisatorisches, Zeug, das eben erledigt werden muss. Der Nachmittag gehört mit einem Cappuccino als Auftakt dem Schreiben und allem, was dazugehört. Ich überarbeite derzeit einen Romanentwurf. Da werden wohl noch einige Überarbeitungsdurchgänge folgen. Nach dem Abendessen mit meinem Mann sitze ich, wenn es das Wetter erlaubt, in dieser Jahreszeit gerne auf der Terrasse, lese, höre den Igel unter den Büschen schmatzen und Mauersegler schreien, beobachte, wie die Spatzenhorde allmählich ihre Schlafplätze in den Büschen einnimmt, sehe die ersten Fledermäuse kreisen …

Und zum Glück gibt es nun wieder Tage, an denen ich Freunde und Verwandte treffe, eine Lesung besuche … An denen mein Tagesablauf ganz anders als eben beschrieben aussieht.

Monika Schilfarth, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für alle kann ich nicht sprechen. Für mich ist es wichtig, eine gewisse Gelassenheit zu bewahren und den Mut zur Veränderung in meinem eigenen Leben nicht zu verlieren trotz der sich überschlagenden Nachrichten über Katastrophen aller Art; das Bewusstsein zu pflegen, dass alles, was ich tue oder unterlasse, Wirkung hat. Auf mein eigenes Leben, meine Umgebung, die Natur …

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, dass Mitgefühl und Empathie im Zusammenspiel mit Klarheit des Denkens und des Ausdrucks Werte sind, die viel dazu beitragen können, zu einem menschlicheren Miteinander und einem respektvolleren Umgang mit der Natur zu finden. Literatur und Kunst, egal ob in unterhaltender oder ernster Form, können meiner Meinung nach exemplarisch zeigen, inwiefern diese Werte wesentliche Teile der Lösung für persönliche und globale Krisen sein können, ohne in grenzenlose Toleranz, hilflos machendes Mitleid und jämmerliches Selbstmitleid umzuschlagen.

Was liest Du derzeit?

– Andreas Maier: „Ich“ (Frankfurter Poetikvorlesungen 2006)

– Ingo Schulze: „Die rechtschaffenen Mörder“

– Sven Stricker: „Schlecht aufgelegt“

– Und jeden Tag ein wenig Lyrik.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Marie von Ebner-Eschenbach: „Klarheit ist Wahrhaftigkeit in der Kunst“

Vielen Dank für das Interview liebe Monika, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Monika Schilfarth, Schriftstellerin

Foto_privat

23.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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