„Der Kunst kommt die Rolle zu, die wir ihr beizumessen bereit sind“ Isabelle Hannemann, Bildende Künstlerin_Stuttgart 26.6.2021

Liebe Isabelle, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Während des Lockdowns konnte ich zum Glück noch einmal Elternzeit von meiner Lehrtätigkeit nehmen:

Der Wecker klingelt um 6.45 Uhr, mein Mann oder ich wecken die Kinder, bzw. vor allem unsere Älteste (11), die kleinen Jungs (8 und 5) sind oft schon wach und spielen.  Wir frühstücken miteinander und unsere meist noch sehr müde Tochter muss pünktlich um 7.45 Uhr am Rechner in ihrem Zimmer sitzen, dann beginnt ihr Online-Unterricht. Mein Mann geht um 8 Uhr aus dem Haus Richtung Arbeit. Ich mache die Küche, ziehe die Jungs an und gehe schnell duschen. Unser Zweitklässler hat entweder eine Online-Klassenbesprechung oder fängt direkt mit den Homeschooling-Aufgaben an. Ich helfe ihm, wo er Hilfe braucht, drucke Aufgabenblätter für die Tochter aus oder helfe beim Auf- und Abbau von Bio-Versuchen oder BK-Aufgaben ; ). Unser Jüngster wird ungeduldig und klagt spätestens ab 10 Uhr über Langeweile oder stellt Sachen an. Mit viel Glück ist sein großer Bruder bis dahin mit seinen Aufgaben fertig und sie spielen miteinander, bzw. hören Hörspiel. Sobald das der Fall ist, lasse ich Hausarbeit, Smartphone und andere Störfaktoren stehen und liegen und gehe für eine Stunde in mein Atelier, das sich im Untergeschoss des Hauses befindet und male. Danach koche ich Mittagessen. An schönen Tagen mit gutem Wetter rennen die Kinder nach dem Essen aus dem Garten in Richtung der großen Wiese und treffen dort ein paar Nachbarskinder, mit denen sie draußen spielen dürfen. Je nach Laune, Hunger und der Nachfrage nach Pflastern, Kühlpads oder tröstenden Worten, habe ich dann noch einmal ein bisschen Zeit zum Malen. Ich bin im Haus und da, wenn mich eines der Kinder braucht. An Tagen mit schlechtem Wetter schaffe ich es nachmittags nicht zu arbeiten. An guten Tagen kommen die Kinder gegen 18 Uhr erschöpft und meist begeistert zurück von ihren Wald- und Wiesenabenteuern und dürfen 30 Minuten „was anschauen“, während ich koche. Wir essen gemeinsam zu Abend und gegen zwischen 19 und 20 Uhr kommt Papa nach Hause. Einer von uns kümmert sich um die Badewanne, das abendliche Vorlesen usw. Gegen 21 Uhr ist Ruhe im Haus und je nachdem, woran ich gerade male, gehe ich noch mal für eine Stunde ins Atelier. Mein Mann setzt sich dann manchmal zu mir und erzählt.

Isabelle Hannemann, Bildende Künstlerin_©Juergen Pollak

Der Tagesablauf in „normalen Zeiten“ unterscheidet sich insofern, als dass alle Kinder vormittags bis 13.30 Uhr aus dem Hause sind, ich an zwei Vormittagen selbst unterrichte und an den anderen Vormittagen in Ruhe im Atelier arbeite. Nachmittags gehen die Kinder ihren Hobbys nach und treffen Freunde und ich muss die Kinder teilweise bringen und abholen und komme selten zum Malen.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ruhe, Zuversicht, Besinnung, Vernunft und keine Panik…und das Smartphone, um regelmäßig in Kontakt mit FreundInnen und Familie zu bleiben.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Ruhe, Zuversicht, Besinnung, Vernunft und keine Panik.

Der Kunst kommt die Rolle zu, die wir ihr beizumessen bereit sind.

Was liest Du derzeit?

Dornröschenschlaf von Banana Yoshimoto

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

The really important kind of freedom involves attention, and awareness, and discipline, and effort, and being able truly to care about other people and to sacrifice for hem, over and over, in myriad petty little unsexy ways, every day.

David Foster Wallace, This Is Water

Vielen Dank für das Interview liebe Isabelle, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Isabelle Hannemann, Bildende Künstlerin

ISABELLE HANNEMANN

Foto_Jürgen Pollak.

20.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gesellschaft und Kunst haben sich immer verändert“ Udo Hohenberger, Bildender Künstler_Wien 26.6.2021

Lieber Udo, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf  hat sich durch Corona und lockdowns in seiner Struktur verändert. Ich habe sehr viel Zeit im Atelier verbracht, war über einen langen Zeitraum sehr produktiv. Nach Monaten der sozialen Abstinenz wurde mir wieder bewusst  wie grundlegend soziale Kontakte und Erlebnisse für meine Arbeit sind.

Ich komme jetzt langsam wieder in meinen gewohnten Rhythmus .Aufstehen, mit meinem Hund laufen gehen dann ins Fitnessstudio, duschen, Frühstück und dann ins Atelier. Tagsüber erledige ich meist Termine, Konzepte schreiben, Ausstellungen planen, alles was nicht die Konzentration des Malprozesses braucht. Die künstlerische Arbeit beginnt bei mir meist erst am Abend.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Erkenntnisse, die wir durch die Reduktion unseres öffentlichen Lebens gemacht haben, in unser weiteres Tun einfließen zu lassen. Fokussiert an jeden Thema zu arbeiten. Dinge auszuscheiden, die Stress verursachen und das Wissen, dass sich unser Leben sehr schnell völlig verändern kann, behutsam zu bewahren. Wir können und müssen uns auf neue Situationen einstellen, dadurch bleiben wir beweglich.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Die Kunst war immer ein Spiegel der Zeit. Gesellschaft und Kunst haben sich immer verändert. Durch die Digitalisierung der Kunst verändern sich auch Präsentationsformen, die den Kunstbetrieb erweitern und einer breiteren Öffentlichkeit erschließen. Wichtig wird dabei sein, kritisch und fundiert der Kunst gegenüber zu treten. Ich denke wir haben eine sehr spannende Zeit vor uns in der sich auch die Kunstproduktion und auch die Themen der Kunst tätig weiter entwickeln.

Was liest Du derzeit?

Michael Bonke

Die Philosophie der Zeit

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!

Udo Hohenberger, Bildender Künstler

Vielen Dank für das Interview lieber Udo, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Udo Hohenberger, Bildender Künstler

Über Udo Hohenberger (udo-hohenberger.com)

Alle Fotos_privat.

29.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Pick mich auf!“ Mitreißende Uraufführung_Spitzwegerich/Werk X, Petersplatz_Wien 25.6.2021

Da ist die Bühne. Stille. Der Mensch. Der verharrende pinke Federhaufen. Dann das Wort. Die Bewegung, die Musik. Das Bild. Alles greift jetzt ineinander. Beginnt Worte aufzunehmen und ihnen Anschauung und Raum zu geben „Hier handelt die Sprache und Du  – handelst:mit!…“. Jetzt geht es um Heben und Erheben. Apelle und Versuche der Kraft der Phantasie und Poesie. Flug und Reise…

Ausgehend von Friedricke Mayröckers Text „Pick mich auf mein Flügel oder Anleitungen zu poetischen Verhalten“ (1976), entwickelten die experimentelle Wiener Künstler*innen Gruppe „Spitzwegerich“, die verschiedenste Kunstgenres ausgehend von Figuren- Objekttheater verbindet, gemeinsam mit der Schriftstellerin Natascha Gangl und der Produktionsleitung von Felix Huber und dem umfassenden Team einen Theaterabend, der in seiner Phantasie, Überraschung und poetischen Impulsgebung von Beginn an ergreift und in Staunen und Sinn begeistert.

Wie hier mit Sprache, Objekt, Musik inszeniert und performt wird, ist bestes Theaterstaunen, das große Traditionen österreichischen Kunst- und Bühnenexperimentes verbindet und neu belebt. Hier wird ein sehr sinnlicher Dialog geführt und ausgehend von konkreter Poesie großartig mit innovativem Figuren-, Objekttheater wie Musik spielerisch interagiert.

Die Bühnendynamik selbst ist dabei immer eine Dynamik von Form und Inhalt und dies ist auch an der Aufmerksamkeit des Publikums zu spüren. Die sinnliche Sensation, Wahrnehmung ist immer auch Reflexion und Ansprache. Das kommt vom ersten Bühnenmoment an wunderbar an. Aufmerksamkeit, Stille und Überraschung prägen den Abend und begeistern. Eine poetische Flugreise, die in vielerlei Weise inspiriert abheben lässt.

Hervorzuheben ist auch die Objektvielfältigkeit und -variation, das mitreißende dynamische Textfeld, die Musikperformance, welche vom Produktionsteam im gemeinsamen Erarbeitungsprozess selbst entwickelt, hergestellt und schließlich performt wird. Das ist einzigartig in Idee, Kompetenz und Umsetzung.

Ein wunderbarer Abend beflügelnder Poesie in beeindruckender Dynamik und Variation von Choreografie und Dramaturgie in Musik-, Bild-, Sprach- und Objektspiel, der mit langanhaltendem Applaus belohnt wird!

URAUFFÜHRUNG

PICK MICH AUF!
Ein Low-Tech-Spektakel
von Spitzwegerich

Mit: Emmy Steiner, Simon Dietersdorfer, Christian Schlechter
Musik: Simon Dietersdorfer

Mit Texten von Natascha Gangl,
freien Übersetzungen, Überschreibungen und Collagen nach Etel Adnan, Diane di Prima, Vicente Huidobro, Jenny Hval, Frieda Paris, Gerhard Rühm und Vandana Shiva. Für Friederike Mayröcker.

Eine Produktion von Spitzwegerich
in Kooperation mit WERK X-Petersplatz
Peterspl. 1, 1010 Wien

Weitere Vorstellungstermine:
25., 26., 27. und 30. Juni sowie 1. Juli 2021,
Beginn jeweils 19.30 Uhr.

WERK X-Peterspl. 1, 1010 Wien

Start | WERK X (werk-x.at)

https://www.spitzwegeriche.at

Walter Pobaschnig 6_21

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Alle Fotos_Performance: Apollonia Theresa Bitzan

Foto_Schlussapplaus_Walter Pobaschnig

„Dunkelkammer“ Bernhard Aichner. Ein Bronski Krimi. btb Verlag.

Da waren die guten Jahre. Jene als Fotograf. Die Orte und die Reisen. Die Aufträge der Presse. Das gute Leben. Er war immer in vorderster Reihe. Beim schrecklichen Lawinenunglück und dann beim Fund in den Alpen, der Sensation „Ötzi“. Die Kamera und dann die Dunkelkammer. Der Weg ins Licht. Der Zauber des Lichts. Und auch das Erschaffen eines Bildes. Die Welt und das Auge. Die Anerkennung dafür. Auch das Geld.

Und jetzt die Kälte. Der Winter. Die Einsamkeit. Den Beruf aufgegeben. Wie geht es weiter? Ein Tag reiht sich an den anderen. Wie viele noch?…

Jetzt steigt er in die Wohnung, die er von seinem Zelt aus beobachtet hatte. Er hatte kein Licht bemerkt. Und die Kälte treibt ihn an…

Er sucht in der Wohnung Schnaps. Doch da ist keiner. Er geht weiter und da sieht er es. Das Bett. Der tote Körper…

Und jetzt beginnt eine Reise in die Abgründe von Menschen in der Kälte dieser Zeit….

Bernhard Aichner legt mit der neuen Krimireihe erneut eine rasante hintergründige Erzählung vor, die alles hat, was es zu zum spannendem Lesevergnügen braucht.

Walter Pobaschnig 6_21

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„Utopien und Auswege durch die Musik bauen“ Anna Anderluh, Musikerin_Wien 25.6.2021

Liebe Anna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meistens in diese Richtung: Aufstehen, e-mails beantworten, Proben, üben für eine andere Probe, Konzert gehen, Konzert geben, ins Theater gehen. Jeden zweiten Tag gurgeln.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wer ist uns, und wer sind alle? Das Einzige was ich dazu verallgemeinert sagen kann, ist das ich es für wichtig halte den Humor nicht zu verlieren, oder einen zu entwickeln.

Auch halte ich es für wichtig sich gegenseitig zuzuhören und nicht Menschen voreilig als „Trottel“ abzustempeln, nur weil sie anderer Meinung sind.

Die Betonung liegt hier auf voreilig, weil natürlich steht es jedem frei sich eine Ansicht anzuhören, sich damit auseinander zu setzen und sie am Ende trotzdem nicht zu teilen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und
persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt
dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Mich würde interessieren wie diese Frage von jemandem beantwortet werden würde, der/die nicht selbst Kunst macht. (Ausgenommen PolitikerInnen)

Ich bin es nämlich langsam leid, dass wir uns seit ca. einem Jahr ausschließlich untereinander bestätigen müssen, und in unserer Bubble Diskussionen darüber führen wie wichtig und systemrelevant wir sind, und von außen relativ wenig davon merken.

Mir fehlt der Kontakt zum Publikum, durch den meine Rolle erst konkret wird.

Wir KünstlerInnen können unsere Rolle nicht alleine auf dem Weg in eine Einbahnstraße erfüllen. Genau das wurde aber von uns erwartet, ganz nach dem Motto „die wollen eh unbedingt und sind ganz heiß drauf“ egal unter welchen Bedingungen. Für mich braucht es gewisse Vorraussetzungen unter denen es möglich ist sich von Kunst berühren zu lassen und dazu gehört dass man überhaupt einmal damit in Berührung kommt und das zwischendurch auch einmal nicht vor dem Computer.

Vor ein paar Tagen hatte ich mein erstes Live Konzerte seit Monaten und da habe ich wieder ein Gespür dafür bekommen was die Aufgabe meiner Musik sein könnte. 

Generell frage ich mich, ob wir nun tatsächlich vor einem Neubeginn stehen, oder nur Pause gedrückt haben und die selbe alte Leier wieder losgeht. Auch ob Veränderung in Form von Aufbruch und Neubeginn kommen muss, oder auch graduell von statten gehen kann.

Ich hatte letztens einen Traum, in dem ich in ein spießiges Horrorferiendorf eingesperrt war, welches niemand lebend verlassen konnte. In der Geschichte war mein einziger Ausweg das dort bestehende System subtil zu stören und zu untergraben und damit kleine Risse zu finden die es zum Einstürzen bringen, statt auszubrechen. Das waren Kleinigkeiten wie zB mit Kindern beim Essen plötzlich unterm Tisch zu verschwinden und Blödsinn zu machen, oder Nacktfotoshootings (nicht mit den Kindern 😉 ) .

Bei Kunst ist es für mich dasselbe. Jeder einzelne Mensch, den ich damit erreiche und in dem ich dadurch was bewegen kann, zählt. So entstehen überall kleine Risse. Das hört aber nicht auf, wenn wir von der Bühne, oder aus der Ausstellung gehen. Das Leben wird über Kunst abstrahiert und verwandelt sich dann von der Kunst wieder zurück ins Leben usw.

Daher weiß ich auch nicht einmal ob es die „Kunst an sich“ – als abgetrennte Entität überhaupt gibt.

Was liest Du derzeit?

Es fällt mir derzeit schwer mich zu konzentrieren. Ich nehme an das liegt an der exzessiven Internetvermarktung und der E-mailschreiberei, die ich in letzter Zeit für den Release meines Soloalbums betrieben habe. Das zerstreut schon ganz schön. Auch wenn es mich freut, dass das so viel Positives zurückkommt, sehne ich mich schon wieder nach Zeiten wo ich nicht permanent nach draußen feuern muss und meine Konzentration zurückerlangen werde, um wieder etwas kreatives zu schaffen und zu lesen.

Derzeit beschränkt es sich auf gesangsphysiologische Fachliteratur und Anatomieatlanten. Interessanterweise das Einzige wo ich nicht während des Lesens abschweife.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die Einleitung aus „Trau keiner Melodie über dreißig“, 1976, Text/Musik: Georg
Kreisler

Was machen wir, wenn uns die Musik plötzlich abhanden kommt?
Durch Umweltverschmutzung, Energieverknappung, Krieg… Wenn die Musik eines Tages ganz einfach weg ist, vergessen, verloren, verschwunden wie jetzt zum Beispiel Wandergesellen, oder manche Arten von Schalentieren.
Was machen wir, wenn wir eines Tages aufwachen und jemand sagt uns:
Es gibt keine Musik mehr, leider, leider, Opfer der Technik,
aber dafür gibt es mehr Flugzeuge, mehr Elektronenrechner, mehr persönliche Bequemlichkeit, und im Völkerkundemuseum steht immerhin ein alter Bechsteinflügel,
aus dem allerdings kein Ton mehr herauskommt.

Was machen wir dann?
Nichts machen wir.

Das sieht man ja schon heute, dass wir nichts machen.
Aber was machen wir, wenn uns die freie Natur plötzlich abhanden kommt.
Durch Bevölkerungsexplosion, Hungersnot, exponentielles Wachstum.
Wenn die Natur eines Tages ganz einfach weg ist, ausgestorben, abgebröckelt, vertrocknet,
wie jetzt zum Beispiel Gaslampen, oder manche Arten von Stieglitzen.
Was machen wir, wenn wir eines Tages aufwachen, und jemand sagt uns:
Es gibt keine freie Natur mehr, leider, leider, Opfer der Technik,
aber dafür gibt es mehr Nachtlokale, mehr Kosmetika,
mehr industrielle Entwicklungshilfe,
und im Technischen Museum steht immerhin ein Weihnachtsbaum aus Plastik.
Denn man allerdings jede Woche neu bespannen muss.

Was machen wir dann?
Nichts machen wir.

Das sieht man ja schon heute, dass wir nichts machen.
Aber was machen wir, wenn uns der Hass plötzlich abhanden kommt,
wenn wir nichts mehr hassen können, nur noch lieben.
Und dann lieben wir die Technik, die Ausbeutung, die Ungerechtigkeit.
Wir lieben die Grausamkeit, den Neid, den Tod.
Wenn der Hass eines Tages ganz einfach weg ist, verspielt, verschlissen, verspekuliert,
wie jetzt zum Beispiel der Gemeinsinn, oder manche Arten von Demut.
Was machen wir, wenn wir eines Tages aufwachen, und jemand sagt uns:
Es gibt keinen Hass mehr!
Aber im Rathaus steht immerhin ein computergesteuertes Atomkraftwerk,
das die ganze Welt mit allem versorgt,
außer mit Hass gegen uns selber.

Was machen wir dann?

Ja, dann haben wir immerhin noch die Möglichkeit, Konzerte zu veranstalten!

Anna Anderluh, Musikerin, Sängerin, Komponistin, Performerin 

Vielen Dank für das Interview liebe Anna, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Anna Anderluh, Musikerin, Sängerin, Komponistin, Performerin 

Start – annaanderluh-blas Webseite!

https://annaanderluh.com

Alle Fotos_Maria Frodl

30.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ab heute können wir es anders machen!“ Christian Schiesser, Schauspieler_Wien 25.6.2021

Lieber Christian, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Zunächst einmal, danke für die Einladung zu diesem Interview! Mein Tagesablauf ist im Moment sehr dicht. Ich drehe gerade in Wien meinen Kurzfilm „Jakob & Maria“. Eine Geschichte die im ersten Lockdown entstanden ist, die ich jetzt produziere und Regie führe. Viel Arbeit, aber es macht viel Spaß und Freude – und ich habe das großartigste Team um mich, das man sich nur vorstellen kann – viele kreative, schöne Menschen, die mit mir an diesem Projekt arbeiten! Es ist eine schöne Geschichte, die Menschen animieren soll groß zu denken, und groß zu träumen, Visionen zu haben und umzusetzen.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sicherlich aus diesem Lockdown Schlamassel wieder rauszukommen. Wieder ein geregeltes Leben zu führen, ohne Einschränkungen. Ich denke nicht nur jetzt ist es wichtig wieder mehr zuzuhören. Beim Thema Corona sind die Fronten tw. verhärtet, wie das öfter war in der kürzeren Vergangenheit, meistens waren es soziale oder politische Themen, die Menschen gespalten hat. Und wenn wir beginnen uns gegenseitig anzubrüllen, uns nicht zuhören und einander nicht mehr verstehen, wie sollen wir dann einander respektieren. Das geht für mich gar nicht! Ein bisschen mehr gegenseitigen Respekt würde uns sicherlich helfen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Stehen wir wirklich vor einem Neubeginn oder Aufbruch? Ich habe nicht die Hoffnung verloren, aber wir haben es in der letzten Zeit oft genug vermasselt die Welt grundlegend zu ändern. Aber wie gesagt, was war, das war. Ab heute können wir es anders machen!

Der einfache Weg ist für mich nicht immer der nachhaltigste. Aber schön langsam kommen wir auch von dieser von dieser Superlativgesellschaft des „mehr, und billiger“ und „noch mehr und noch besser und schneller“ auch wieder ein bisschen ab. Dass es hoffentlich wirklich bald trendy sein wird, alte Sachen zu reparieren, oder im kleinen Geschäft ums Eck zu kaufen, oder nachzusehen woher das Produkt kommt, das ich kaufen will, das finde ich schon gut.

Und in unserem Zusammenleben ist Kunst immer ein wichtiger Motor des gesellschaftlichen Lebens und des Denkens. Kunst zeigt Grenzen auf und setzt Maßstäbe. Wir alle haben im letzten Jahr gemerkt, dass wir Kunst nicht einfach abdrehen können. Wenn ich in die Vergangenheit zurückblicke war es nicht anders. Kunst hat uns immer einen Spiegel vorgehalten. Und dieses Selbstbild brauchen wir, um uns weiterentwickeln zu können. Diese Entwicklung ist eben der Antrieb der Menschheit, auch wenn dieser Blick in den Spiegel nicht immer angenehm ist. Nicht jeder will das, aber das ist der Punkt wo wir uns weiterentwickeln, wenn wir aus unserer Komfortzone herauskommen.

Was liest Du derzeit?

Mein Drehbuch und meine Notizen zu „Jakob & Maria“ meinen Film. Sonst komme ich leider im Moment viel zu wenig dazu. Aber ich lese sehr gerne Biographien von Menschen die mich inspirieren… Angefangen von Charlie Chaplin, über Bob Dylan oder Arnold Schwarzenegger.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Vielleicht etwas von meinem Film „Jakob & Maria“:
Denke groß, Träume groß, hab große Visionen – aber bewege deinen Hintern und tu etwas!

Christian Schiesser, Schauspieler

Vielen Dank für das Interview lieber Christian, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Christian Schiesser, Schauspieler

HOME (christianschiesser.com)

Fotos_1 Alexander Bachmayer; 2 Barbara Wirl; 3 Moritz Schell.

29.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Im Jetzt zu sein. Wir haben nichts anderes“ Shira Karmon, Sängerin_ Wien 24.6.2021

Liebe Shira, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe auf und versuch den Tag langsam auf mich zukommen zu lassen. Manchmal gelingt es mir. Jeder Tag ist anders und eine Chance das Leben zu umarmen. Sei es mit Familie, Musik, mit meiner Stimme, mit einer Probe oder einem Konzert. Es kommen jetzt viele Konzerte im Sommer und ich probe schon intensiv mit weiteren Musiker*innen dafür.

Shira Karmon, Sängerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig? 

Es wird jetzt ganz wichtig sein, dass wir Menschen wach sind und aufeinander schauen. Das wir unseren Alltags schätzen lernen und die Natur. Dass wir offen bleiben und uns mit extremen Situationen ruhig auseinandersetzen können.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Es wird das Bewusstsein wesentlich sein, dass der Mensch ein soziales Tier ist. Dass wir einander brauchen und sei es für einen Blick Austausch auf der Straße. Ich hoffe, dass wir uns bewusst werden, im Jetzt zu sein. Wir haben nichts anderes. Die Musik hilft uns, in uns hinein zu fühlen, sie hilft uns unsere Sinne zu spüren und damit zu kommunizieren – dadurch entsteht soziales Leben. Die Kunst erlaubt uns, in dem Jetzt zu sein. Sie gibt uns auch Freiheit. Es gibt keine falsche Antwort auf eine künstlerische Frage. Die Kunst kann die Menschheit so vielseitig spiegeln.

Was liest Du derzeit?

Wenn ich die Ruhe habe, lese ich jetzt ein Buch von Nathan Shaham „Bone to its Bone“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ aus der  Tragödie Hamlet, Prinz von Dänemark von William Shakespeare.

Vielen Dank für das Interview liebe Shira, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Shira Karmon, Sängerin

https://shirakarmon.org

https://www.facebook.com/karmonshira

Nächster Konzerttermin: Samstag 26.6. 2021 Sobieskiplatz, Wien 1090,_ 19:30 h bis 21:00h – SHIRA Kultursommer Alsergrund – Eintritt frei

Weitere Termine siehe_homepage.

Foto_Karina Shabnam

24.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ingeborg Bachmann war so was von Frau!“ Christin Amy Artner_Schauspielerin _ Romanjubiläum Malina_Wien 24.6.2021

In Kärnten in eine Musikerfamilie hineingeboren zu werden, bedeutet, dass ich mit 4 Jahren Noten lesen, schreiben und spielen konnte (lacht)! Meine Schauspielleidenschaft begann ebenfalls sehr früh und ich konzentrierte mich anfangs auf Musical, weil ich begeistert Gesangs- und Tanzunterricht nahm. Meine Tante war besonders prägend für mich und machte mich mit der deutschen Sprache und Literatur, vor allem Theaterliteratur, vertraut.

Christin Amy Artner_Schauspielerin, Sprecherin, Drehbuchautorin, Produzentin.

Da Sprachen immer schon ein Steckenpferd von mir waren, studierte ich neben dem Musikstudium auch Englisch, Italienisch, Französisch und Spanisch. Ich ging nach Wien, um mein Musikstudium an der damaligen Hochschule für Musik und darstellende Kunst (jetzt mdw) abzuschließen. Das war ein großer erster beruflicher Schritt und Erfolg für mich als 22 -jährige.

Danach ging es direkt nach Berlin. Ein Umzug mit elf Kartons im Zug (lacht). Ab diesem Zeitpunkt war mein Fokus für längere Zeit ausschließlich auf den darstellenden Bereich gerichtet und ich studierte Schauspiel in Berlin.

Wieder zurück in Wien machte ich mein Schauspieldiplom und bekam meinen ersten Sohn. Kurz danach kam mein zweiter Sohn auf die Welt. Als alleinerziehende Mutter spielte ich vorwiegend im Theater. Erst als mein dritter Sohn kam, hat sich mein Fokus auf Film verlagert, wo ich als Schauspielerin, Regisseurin, Drehbuchautorin, Cutterin und Musikerin alle meine Schwerpunkte vereinen kann. Es macht mir zuviel Spaß, das Bild im Ganzen zu kreieren, als mich nur auf einen Bereich zu beschränken.

Das Loslösen und neu Ankommen, Lebenswege an sich, da ist immer viel Freude, viel Spannung und auch Schmerz dabei.

Wien war und ist künstlerisch sehr lebendig. Wien sucht sich jetzt neu nach den Lockdowns. Es bildet sich gerade viel Neues, viele künstlerische Initiativen.

Kultur ist dabei, sich einen neuen Stellenwert zu schaffen. Kunst und Alltag werden sich mehr verbinden. Das ist zu spüren.

Kultur ist Leben. Vom Essen bis zur Musik. Es ist eine ineinandergreifende, ganz wesentliche Entwicklung.

Liebe, das sind Gedanken und Geheimnisse des Momentes. Ich erinnere mich da an jeden Moment minuziös – welche Kleider ich trug, wieviel Uhr es war, was wir sprachen, auch was die Kellnerin im Restaurant sagte (lacht). Das war bei mir immer so.

Liebe auf den ersten Blick gibt es. Und diese ist lebbar, ist machbar. Schon in Teenagerzeiten erlebte ich Liebe auf den ersten Blick, die große Liebe. Es ist ein Spüren, das alles will und alles kann. Das muss man auch zulassen können.

Liebe hat mit Vertrauen, bedingungslosem Vertrauen zu tun. Das ist etwas, das ich mir erarbeitet habe. Das braucht Erfahrungen. Wenn man diese Erfahrungen integriert, kann man stärker werden, im Leben und in der Liebe.

Ingeborg Bachmann hat in Malina Erfahrungen der Liebe geöffnet, ganz radikal. Persönlich hat sie einen hohen Preis für die Liebe gezahlt. 

Sehnsucht und Suche sind immer in der Liebe.

Glück muss man auch loslassen können, damit es wieder kommen kann. Für Ingeborg Bachmann war das Schreiben so ein Loslassen, ein Verarbeiten.

Ich denke, Ingeborg Bachmann war sehr einsam in ihrer Sehnsucht.

Dankbarkeit öffnet in der Liebe.

Liebe lebt von jedem Moment. Ununterbrochen. Da gibt es nichts Unwichtiges.

Liebe braucht viel Gespräch. Viel freies Gespräch.

Das Männer- und Frauenbild hat sich gewandelt. In der jungen Generation hat sich sehr viel verändert. Viel weniger männliches oder weibliches Gehabe, gleichberechtigter.

Ingeborg Bachmann war eine absolut emanzipierte Frau. Sie war eine Vorreiterin. Wild und stark, auch in einer Schüchternheit.

In meiner Familie hatten die Frauen immer eine zentrale Rolle. Es war nicht männlich dominiert. Es gab immer Gleichberechtigung.

Es braucht in der Erziehung eine gute Kommunikation der Eltern, die Egos müssen im Rahmen sein. Frau und Mann sind da ganz wichtig in ihrer Rolle als Einheit, was besonders für uns alleinerziehende Mütter ein schwieriges Thema ist .

Kommunikation ist ein Heilmittel. Zuhören, reden, reflektieren. In gleichberechtigter Weise, ohne Gefälle.

Die Malinas sind die, mit denen man eine sehr lange Beziehung haben kann, wenn man Fadesse aushält. Mit den Ivans kann man nie eine Beziehung haben, aber es wird keine Sekunde fad. Ich kenne beide Extreme. Wir haben auch beide in uns.

Beide Typen, Ivan und Malina, sind spannend, erfahrungsreich aber es geht an die Substanz, ist sehr anstrengend. 

Ivan und Malina, das ist auch eine Frage des Lebensabschnittes. Menschen verändern sich, können sich verändern. Es geht auch um Leidensdruck und Toleranz.

Neuanfang – Wohnungswechsel, neue Wohnung, neuer Bezirk, neue Möbel, neues Gewand – loslassen, um neu zu beginnen.

Wir haben einen selbstzerstörerischen Hang in uns. Wenn wir da Grenzen überschreiten, führt eine Abwärtsspirale in die Hölle unserer Ängste, die es anzusehen und gehen zu lassen gilt.  

Ingeborg Bachmann war so was von Frau! Ganz normal, durch und durch Frau.

Ich sehe und spüre an Ingeborg Bachmann so viele Facetten des Frauseins.

Es gibt im Roman eine große Sehnsucht nach Berührtwerden, Berührtsein, in unterschiedlichen Lebensfacetten. Da ist ein sehr großes, weiches, schönes Herz.

Ingeborg Bachmann war echt und suchte danach, noch echter zu sein. Das kann nicht gelingen.

Ingeborg Bachmann begleitet mich seit der Schulzeit. Sie war da immer eine Art Heilige. Im Lauf des Lebens gab und gibt es ein immer tieferes Verstehen von ihr. Als Schriftstellerin und Frau.

Beim Lesen von Malina findet ein innerer Monolog statt.  Das hat auch mit dem szenischen Charakter des Buches zu tun. Da sind viele Bilder und Gefühle. Es ist wie ein Sehen.

Liebe Ingeborg, Du warst viel größer als alle Ivans und Malinas.

Ivan war zu feig und Malina war zu schwach für Bachmann.

Christin Amy Artner_Schauspielerin, Sprecherin, Drehbuchautorin, Produzentin.

50 Jahre Malina _ 1971 – 2021 – Roman _ Ingeborg Bachmann _

im Gespräch und szenischem Fotoporträt: Christin Amy Artner_Schauspielerin, Sprecherin, Drehbuchautorin, Filmproduzentin_ Wien

CAA | NEWS de – Christin Amy Artner

_Station bei Ingeborg Bachmann _Hotel Regina_Wien_5_2021

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _ 5_2021.

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„Wir sollten alle miteinander arbeiten und nicht gegeneinander“ Veronika Koth, Maskenbildnerin_Wien 24.6.2021

Liebe Veronika, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Momentan ist mein Tagesablauf immer recht ähnlich: Zuerst einmal so lange wie nur möglich schlafen (das kann auch gerne mal bis 11 Uhr sein). Da ich Ende Juni die Lehrabschlussprüfung zur Maskenbildnerin habe, besteht mein Nachmittag aus lernen, üben, lernen, üben. Sowohl Theorie als auch Praxis, da es eine 3- tägige Praxisprüfung und eine 1- tägige Theorie/Rechnen/Zeichnen- Prüfung ist. Hier kommen auch regelmäßig meine Prüfungsmodelle zu mir, damit ich an ihnen die Aufgaben bereits üben kann und die Teile, die ich im Vorhinein anfertigen muss, herstellen und anpassen kann. Am Abend arbeite ich circa 2-3 Mal pro Woche als Maskenbildnerin in der Volksoper. Auch sonst habe hin und wieder tagsüber Nebenjobs bei etwaigen Fotoshootings, Videodrehs, etc. Nach der Arbeit kümmere mich dann um meine Haustiere, mache mir meistens noch eine Gesichtsmaske, höre meine Lieblingsmusik und singe dazu (zur Freude meiner Nachbarn) und gehe um circa 1 ins Bett.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Durchhaltevermögen, Zusammenhalt und Geduld. Außerdem müssen sich die Leute mehr an die Regeln halten, damit der Wahnsinn hoffentlich bald aufhört oder zumindest weniger wird und auch der Sommer etwas entspannter wird. Wir sollten alle miteinander arbeiten und nicht gegeneinander- egal aus welcher Branche wir kommen. Man hat auch gemerkt wie wichtig familiärer und freundschaftlicher Zusammenhalt und Kontakt ist in den Lockdowns- sei es auch teilweise nur per Skype, Zoom oder FaceTime. Auch Tiere können in dieser Zeit eine große Stütze gewesen sein! Besonders wichtig ist auch die Hoffnung nicht zu verlieren- so vielen Leuten geht es durch den Virus psychisch schlechter und viele Leute sind perspektivenlos geworden- so schwer es klingt: Positiv in die Zukunft blicken! Es kann nur mehr wieder besser werden!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Man kann hoffen, dass wir Menschen in dieser Zeit der Isolation, etc. erkannt haben was wirklich wichtig ist im Leben und was nicht. Was man braucht und was nicht. Und was alles eigentlich nur Luxusgüter sind. Was man auch wieder gesehen ist, dass wir in Österreich ein tolles Gesundheitssystem haben- vor allem im Verhältnis auch zu manch anderen Ländern. Dadurch, dass im Prinzip die ganze Welt von diesem Virus betroffen ist, wird man hoffentlich noch mehr zusammenarbeiten und zusammenhelfen und noch mehr die Länder unterstützen, die nicht die finanziellen Mittel dazu haben.

Für die Kunst würde ich mir wünschen, dass die Leute sie endlich höher ansehen würden. Die Theater waren bei allen Listen und Öffnungen immer an letzter Stelle und so sollte das nicht sein. Kunst und Kultur ist wichtig- für die die sie ausüben, die die sie erschaffen und die die sie erleben.

Was liest Du derzeit?

Lesen ist für mich derzeit nicht möglich, da ich, wie bereits erwähnt, mich voll und ganz auf die Prüfung konzentriere, doch ich lese für die Prüfung alle möglichen Bücher über historische Frisuren, Make up, Stilkunde, Formenbau, Maskenbildnerbücher,… alles was eben für die Prüfung wichtig sein könnte! Für mich spielt eher Musik eine wichtige Rolle.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„You are the artist of your own life.“ ~Lady Gaga

„I grew up with this understanding that you can be brave in many different ways, and one of those ways is make up.“ ~Lady Gaga

„There is no darkness- but ignorance.“ ~William Shakespeare

Veronika Koth, Maskenbildnerin/Make up Artistin

Vielen Dank für das Interview liebe Veronika, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Veronika Koth, Maskenbildnerin/Make up Artistin

Fotos_ 1, 4 stage shadows; 2,3 Veronika Koth.

29.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Künstler*innen überleben immer irgendwie“ Ingo Weber, Filmemacher_ Guttaring/K 24.6.2021

Lieber Ingo, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich arbeite prinzipiell immer an mehreren Projekten gleichzeitig, und widme mich dem was gerade kommt um in Angriff genommen zu werden, welches sich gerade ergibt und auf eine gewisse Werkbank gelegt wird.

Ich versuche täglich zu üben, da beschäftige ich mich mit Rhythmik und Noten, betreibe auch regelmäßig Sport, erledige meine Post, ich koche mir Essen, ich kümmere mich auch um meine Familie, spiele Sessions, und wir sind gerade dabei einen neuen Film fertig zu machen, ich hab auch schon ewig meine nächsten zwei Arbeiten im Kopf.

Ingo Weber, Filmemacher

Und ich versuche sehr auf meinen Körper zu achten, wenn du die Schlagzeug-Bude wirklich gut und ausdauernd spielen willst, dann musst du halbwegs fit sein und ständig an dir arbeiten, auch das Schlagzeug will dass du ständig mit ihm arbeitest, hahahahah!

Und ich bin ja so ein bisschen eine orthopädische Baustelle und hab da immer was zu tun, was mich dazu bringt lange Wald-Wanderungen zu unternehmen. Die nütze ich auch fürs Nachdenken und Reflektieren.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Mitgefühl, Fokus, viel gute Kunst, Musik. Weg von der Trübheit der Herzen, rein in die Sonne. Aber nehmt auch den Nebel ernst, der ist nicht schlecht!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Film, der Musik, der Kunst an sich zu?

Gesellschaftlich:

Wesentlich wird sein dass wir brüderlicher mit Uns Mitmenschen und der Natur, der Umwelt, und dem Tier umgehen. Nicht alles ist selbstverständlich.

Genau das hat uns ja Corona jetzt gezeigt.

Weg vom zerstörerischen Egoismus und der Ausbeute!

Die Menschen sollten sich auch um die Tiere kümmern, Barbareien und Ausbeute dieser Art oder auch auf menschlicher Ebene erzeugen soviel unnötiges, bei Tieren auch nicht auf den ersten Blick ersichtliches Leid.

Die Leute sollten nicht vergessen die Ohren aufzureissen und die Natur zu hören, und natürlich kann man sie auch sehen.

Auch das städtische urbane hat seinen eigenen Reiz.

Aufbruch und Neubeginn ist natürlich nichts ungewöhnliches und eigentlich ist es nichts Neues. Wenn man es genau betrachtet. Das ist ein ganz natürlicher Zyklus, der uns unser ganzes Leben lang begleitet. Selbst im Universum spiegelt sich das wieder.

Frei nach Goethe:

Und so lang du das nicht hast,

dieses Stirb und Werde,

bist du nur ein trüber Gast

auf der dunklen Erde.

Persönlich: Jede Krise ist eigentlich gut, also sehe ich auch Corona als eine Möglichkeit oder sogar eine Chance.

Ich bin prinzipiell ein sehr optimistischer Mensch, und ich lege große Hoffnung in die Generationen die nach uns kommen, ich glaube da sind sehr sehr großartige junge, kleine Menschen unterwegs…

Film:

Hoch interessant finde ich die Filmemacher die auf analoges Material zugreifen, eigentlich ist es ja in der Filmindustrie, jedoch eher im Ausland, gar nicht unüblich bzw. sehr häufig der Fall dass auf Film gedreht wird.

Leute wie Scorsese und viele andere, sind wahre Romantiker des analogen Celluloid.

Solche Freaks, selbst einer wie Tarantino oder viele in US oder anderen Ländern arbeiten mit analogem Film.

Dieses Faszinosum Film, ja Mysterium, das eigentlich jeden Menschen in seinen Bann lockt und ihn begeistert und oder Rätsel aufgibt.

Eigentlich sollten wir wieder da hin dass es in jedem Kaff, jeder Kleinstadt ein Kino gibt.

Musik:

Musik ist Leben, und Leben ist Musik. Sie behellt die Geister, fördert und bringt die Liebe zutage. Wahre Leidenschaft, ja sogar Ekstase. Natürlich kann sie auch destruktiv und zerstörerisch wirken, je nachdem auf welches Konzert man sich verirrt oder auf welche Leute man gerade stößt…

Im Grunde jedoch hat Musik immer etwas vermittelndes, gemeinschaftliches, vereinendes. Es sollte viel mehr musiziert werden, von mir aus an jeder Ecke und die Musiker sollten überall auf Sessions gehen können.

Kunst:

Vielen, hauptsächlich den meisten bleiben gewisse Aspekte der Bildung überhaupt unerschlossen und müssen es selber lernen oder draufkommen, das fängt schon bei der Kunst an. Welche Schülerin hat schon gesagt, „super ich hab in der Volksschule Blockflöte gelernt, mittlerweile spiele ich seit 20 Jahren oder so und spiele mehrere verschiedene aus anderen Ländern.

Alles was wir lernen ist prinzipiell auf Leistung und Optimierung aufgebaut um Maximalstes für Geringeres einzulösen…

Was sollen da so viele kleinen Leute tun, als zu saufen, zu fressen, fette Autos zu fahren und um sich zu schleudern…

Und es ist ja echt für viele so schwierig sich durchzusetzen und zu verwirklichen, und da schätze ich die Künstler so sehr, die überleben immer irgendwie und schöpfen einfach aus anderem und sind aber meistens auch noch so hilfsbereit um anderen zu helfen.

Aber eigentlich sollten wir alle vom selben schöpfen.

Was natürlich nicht heisst das jeder ein Maler, Musiker oder ähnliches sein muss.

Jeder sollte seine Genugtuung dort finden wo er es am besten genießen kann und seine Tätigkeit liebt.

Es sind so kleine Dinge auch, die die Menschen wieder durchringen sollten, einen Vogel zu beobachten oder einer Katze oder einem Hund länger zuzusehen zb.

Wie meldet sich David Lynch aus L.A.? „Heute habe ich gerade den ganzen Tag darüber nachgedacht, wie schön Bäume sind!“ Hahahaha

Die Kunst wird uns immer dienen als der Nektar und der Honig um uns an ihr zu laben, sie auszuüben oder uns einfach daran zu erfreuen.

Schön wärs einfach, wenn die Welt so bunt wie möglich wird, die toten Städte sollten wieder nette Cafés haben und Ecken wo man Essen kann, vlt dann am Abend irgendwo ein Ausstellungs oder Theater-Besuch oder in ein Kino reinspringen oder auf ein Konzert gehen.

Das sollte so ein Minimum sein für viele Menschen die hungrig danach sind und dafür brennen, besser als isoliert irgendwo in einem Park zu saufen oder zu Hause in das Tablet schauen oder am Smart-Phone verbringen. Oder am Smart-Tv… Natürlich ist der Stream eine tolle Sache und das Netz, man kann alle Information haben.

Jedoch greife ich lieber zu Büchern oder Vinyl oder einer simplen DVD.

Was liest Du derzeit?

Ich nehme das Buch zur Hand das mir in die Hand fliegt. Es liegen schon länger über 10 Bücher zur Hand, von Filmtheorie und Filmgeschichte bis zu Viktor Rogy. zb…. Lord of the Rings ist komischerweise auch wieder auf Englisch aufgetaucht,

Mit einigen Büchern studiere ich und versuche sowas wie Forschung zu betreiben.

Meine kleine feine Bibliothek begleitet mich schon mein ganzes Leben, und viele Bücher kommen auch durch Zufall oder Empfehlungen zu mir.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Trachtet immer dem Unmöglichen entgegen, bringt es ins Mögliche. Lasst die Menschen träumen und realisieren. Jeder soll sich so gut wie möglich finden und grösste Freude verspüren.

Wer Augen hat der Sehe,

Wer Ohren hat der Höre,

So einfach

Vielen Dank für das Interview lieber Ingo, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Filmprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Ingo Weber, Filmemacher

Ingo Weber Cinema | Short Film. Experimental. Animation. Movies. (weberingo.com)

Fotos_privat.

25.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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