„Kunst und Literatur? Das Einpendeln in einen hellen Schwebezustand über dem Abgrund“ Arnulf Ploder_ Schriftsteller _ Klagenfurt_ 28.11.2020

Lieber Arnulf, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Spazieren gehen, Notizen machen, Austausch mit Freunden pflegen

Arnulf Ploder, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Besonnenheit und Rücksicht.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Aufbruch und Neubeginn sind zu bezweifeln. Höchstens, dass man um einen großen Schrecken leichter sein wird, umso übermütiger sodann.  Kunst und Literatur? Das Einpendeln in einen hellen Schwebezustand über dem Abgrund.

Was liest Du derzeit?

Olga Tokarczuk: Die grünen Kinder

Dzevad Karahasan: Ein Haus für die Müden

Michel de Montaigne: Essais

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Denkbar wäre, irgendwann an jenen Punkt zurückzukehren, von dem man einmal ausgegangen ist. Und an diese Stelle gekommen, wo alles angefangen hat, könnte man dann mit einem Schritt davon zurücktreten und das Leben einen anderen Ausgang nehmen lassen als den, der einem überdeutlich vor Augen ist.“

Vielen Dank für das Interview lieber Arnulf, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Arnulf Ploder, Schriftsteller

https://www.bibliothekderprovinz.at/autor/arnulf-ploder/

Foto_privat

25.10.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst ist viel- und weitschichtig – ich bin neugierig was da alles noch kommen wird“ Birgit Bachmann, Künstlerin _ Gmünd/Kärnten _ 28.11.2020

Liebe Birgit, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich arbeite, soweit es mir möglich ist. Das Atelier ist der beste Platz zum sein.

Birgit Bachmann, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Achtungsvoller Umgang und Selbstfürsorge

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Die Kunst hat die Fähigkeit alles sein zu können und zu dürfen, was wir uns vorstellen können. Sie ist so viel- und weitschichtig – daher bin ich schon neugierig was da alles noch kommen wird.

Was liest Du derzeit?

Das Paradies meines Nachbarn von Nava Ebrahimi

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„wir schaffen das“

Vielen Dank für das Interview liebe Birgit, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Birgit Bachmann_Künstlerin_Malerin_Grafikerin

Birgit Bachmann

Foto_Cornelia Caufmann

11.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Was im Leben wirklich wichtig ist – das ist ein Prozess und ich denke, der ist auch nie zu Ende“ Birgit Fuchs, Schauspielerin _ Wien 28.11.2020

Liebe Birgit, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Immer anders, obwohl ich um Struktur bemüht bin. Auf jeden Fall beginnt er mit Kaffee. Dann versuche ich im Tag anzukommen, möglichst positiv aufgeladen. Meditieren, meinen Körper aufwecken und spüren, Atemübungen usw., also alles aus dem Yogarepertoire – was ich gerade brauche. Manchmal dauert dieses Ankommen auch nur sehr kurz, weil ich gleich beim Aufwachen irgendein Erledigungsbedürfnis verspüre. Heute zum Beispiel hatte ich gleich den Impuls, mich an dieses Interview zu setzen!

Und dann folgt die Entscheidung auf was ich mich fokussiere: Eigene Projekte ausarbeiten, Büroarbeit, Fortbildung, Recherche, Bewerbungen, Yogakurse ausarbeiten… zu tun gibt es immer was. Früchte tragen tut momentan nur wenig. Aber es ist ja auch bald Winter.

Irgendwann im Verlauf des Tages gehe ich raus, möglichst in die Natur oder ich treffe mich mit einem Menschen, der mir guttut. Und wenn ich gar nicht mag, bleibe ich mittlerweile sogar in der Wohnung und trotze mit guten Gefühl dem „Aber man sollte schon raus gehen…(vor allem heute, wo die Sonne so schön scheint).“

Birgit Fuchs, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Möglichst oft in eine freudvolle Energie kommen. Durch was auch immer und egal wie lange es andauert.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, Theater, der Kunst an sich zu?

Bei den Worten Aufbruch und Neubeginn kommen bei mir sofort Assoziationen wie

– Vertrauen, in sich selbst und auch Urvertrauen, dass alles schon irgendwie so sein soll – daraus kann man Energie schöpfen

– Im Fluss mit dem Leben zu sein, auf seine Intuition hören

– Wandel als naturgegebenes Phänomen anzunehmen und sich daran zu erfreuen (was schwer ist, weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist und nach Sicherheit strebt, aber es ist möglich).

Man mag mir in manchen Bereichen Naivität nachsagen, aber ich glaube, dass es immer mehr Menschen gibt, die nicht mehr in dem gigantischen Hamsterrad des immensen Leistens, des Wachsens (kapitalistisch gemeint), des Drucks, der Schnelligkeit, der Überfokussiertheit (Tunnelblick) … mitlaufen wollen. Sie werden sich bewusst, dass es andere Werte sind, die ein gutes Gefühl geben. Und ich habe so ein schönes Bild, dass wenn dieser Anteil eine gewisse Größe übersteigt, dass dann ein wirklich großer Wandel passiert. Und ich glaube das diese kritische Masse sogar weit weg ist von der Hälfte, weil Liebe, Vertrauen, Dankbarkeit und die ganzen anderen schönen Gefühle und Emotionen gebündelt viel stärker sind als alles Negative.

Ich war vor meiner Entscheidung eine Schauspielausbildung zu machen auch ein Hamster, hab durch eine Weltreise aber zum Glück die Kraft gefunden, mir bewusst zu werden, was mir im Leben wirklich wichtig ist. Das ist ein Prozess und ich denke, der ist auch nie zu Ende, denn durch unsere Prägungen und Muster fallen wir immer wieder zurück, aber immer seltener und immer weniger stark, wenn wir es schaffen unbewusste Anteile in unser Bewusstsein zu holen.

Ich glaube, dass Schauspiel, Theater und die Kunst an sich das Potenzial hat, eben das zu erreichen, wovon ich geschrieben habe, bei der vorherigen Frage, was für uns alle wichtig ist: möglichst oft in eine freudvolle Energie zu kommen. Wenn wir uns einlassen auf ein Theaterstück, einen Film, ein Konzert, ein Kunstwerk usw. dann kommen wir ins Staunen, etwas Kindlichem, etwas ganz Ursprünglichem, was uns mit unserem Kern verbindet.

Birgit Fuchs, Schauspielerin

Was liest Du derzeit?

Da kommt jetzt eine ganze Liste, weil ich ständig das hernehme, auf was ich gerade Lust habe…

Theaterarbeit mit Grotowski an physischen Handlungen von Thomas Richards

Lachen ist der erste Schritt zum Glück von Laura Chaplin

Elfriede Jelinek – Ein Portrait von Mayer und Koberg

Vom Geist des Ayurveda von Dr. David Frawley

Dann schmökere ich wieder in unterschiedlichsten Gedichtbänden und Theaterstücken.

Als Hörbuch bin ich gerade bei diversen Allgemeinbildungsbüchern von Physik bis Geschichte und staune, was man alles seit der Schule vergessen hat…

Birgit Fuchs, Schauspielerin

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein. Wir müssen es nur wieder zu leben lernen.“ Charlie Chaplin, Der große Diktator

Vielen Dank für das Interview liebe Birgit, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Birgit Fuchs, Schauspielerin, Sprecherin

https://www.birgitfuchs.eu/

Fotos _

Portrait_Patrick Connor Klopf

Szenenfotos_Tamara Salamin

1.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Literatur muss das Dunkle, Lyrische, Unabhängige, Rohe zeigen“ Hannah Bründl, Schriftstellerin_Wien 28.11.2020

Liebe Hannah, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

mein tagesablauf ist nicht täglich gleich geregelt. ich arbeite gern abends und nachts, deshalb kommt der lockdown meinem biorhythmus entgegen.

das studium ist natürlich momentan digital. als textarbeitende studierende sind wir in einer priviligierten situation und sollten dafür dankbar sein. andere studien, die labore, ateliers und proberäume benötigen, haben es da schwieriger.

wenn ich nicht schreibe, mache ich musik, spiele guitarre. es geht um den drang, sich selbst und was mensch zu sagen hat auszudrücken. kreativität hilft, den schmerz, den turmoil, die unruhe zu verarbeiten.

Hannah Bründl, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

RÜCKSICHTNAHME auf die schwächsten unter uns. maske tragen, zuhause bleiben, auf fucking schifahren verzichten, zoom meetings abhalten und impfen lassen, wenns soweit ist. das rettet leben! verdammt nochmal weniger rummotzen, dass mensch nicht rausgehen kann. die eigenen privilegien reflektieren. wir sitzen alle in einem boot – zeigen wir uns solidarisch, halten wir zusammen. liebe, oida.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

bzgl neubeginn hoffe ich, dass endlich ein digitaler aufschwung in der breiten bevölkerung kommen wird und die menschen statt flugreisen vermehrt onlinetreffen einrichten. einen text auszudrucken verbraucht mehr co2 als ihn am bildschirm zu lesen. digitalität ahoi!

die kunst, die literatur muss neben der nutzung der digitalen, interdisziplinären möglichkeiten auch wieder zurückfinden zur REALNESS. literatur muss authentisch sein, das hässliche genauso zeigen, das dunkle, lyrische, unabhängige, unkonventionelle, rohe, planlose, angstridden and anguished. es geht nicht zuletzt um die frage, wem raum und bühne geboten wird, sich zu äußern, die eigenen traumata und die eigene geschichte zu erzählen – und wer in der hegemonie der schönheit, des patriarchats und der weißen cis-männlichkeit nicht sprechen darf oder nicht gehört wird.

Was liest Du derzeit?

Meta Merz und Sarah Kane und Anne Carson und eine menge alter zines aus den 90ern.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„die schlimmste verletzung ist zu spüren dass du nicht sehr

dir gehörst“

-Claudia Rankine, citizen

Vielen Dank für das Interview liebe Hannah, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Hannah Bründl, Schriftstellerin

Hannah Bründl-Home (hannahbruendl.com)

Foto_Pamela Rußmann

27.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„A place where things stay frozen and a place where they are sweet“ Tanja Schwarz, Schriftstellerin_ Hamburg 28.11.2020

Liebe Tanja, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nicht wirklich anders als zu anderen Zeiten. Ich schmeiße die Kinder aus den Betten und schiebe sie zur Tür hinaus. Ich sortiere mich und arbeite zu Hause an meinen Texten. An einzelnen Tagen ziehe ich maskiert in die pandemische Welt hinaus zum Geldverdienen. An wieder anderen radle ich weit aus der Stadt hinaus, wo Hamburg ländlich wird. Dort wohnt erstens in einer Hütte am Elbstrand, hinter dem Deich eine alte Dame, die ich für ein Theaterprojekt interviewe. Sie erzählt mir ihr ganzes, fast 92-jähriges Leben. Zufällig in die gleiche Richtung, am Zollenspieker in Vierlanden, liegt mein Acker. Den bewirtschafte ich nebenbei, eine kleine Teilzeit-Ranch mit Obst, Gemüse und massenhaft Wildwuchs. Im Sommerhalbjahr schreibe ich auch da draußen. In der Lockdown-Situation ist es natürlich toll, ein Stück Land mit einem bewegten Himmel drüber zu haben.

Tanja Schwarz, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Uns gegenseitig nicht aus den Augen, aus dem Sinn zu verlieren. Es sind herausfordernde Zeiten, in denen wir uns kaum der Zusammengehörigkeit versichern und uns unbefangen austauschen können. Dann jeden Tag schreckliche Nachrichten von Terror, Hass von rechts, von religiösen Extremisten, gegen Juden, Flüchtlinge, LGBT-Menschen. Geköpfte Politiklehrer, und erst gestern Abend bewaffnete Islamisten in Wien. Sich davon nicht einschüchtern, vereinzeln und entmutigen lassen ist schwer. Wenn ich merke, ich ersticke in schlechten Nachrichten, packe ich das Handy tief in die Tasche und radle auf den Acker hinaus. Erinnere mich im Lauf des Tages an diese allein lebende Freundin, jenen afghanischen Jungen, der allein nach Deutschland gekommen ist und unbedingt Abi machen will. Zu denen nehme ich dann an diesem Tag Kontakt auf. Wie geht es dir? Was machst du so? Die sozialen Medien sind dann tatsächlich der Kommunikationskanal der Stunde. Telefonieren mag ich nicht so gern. Oder ich lade mal jemand ein, mit nach draußen zu kommen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich  zu?

Kunst und also auch Literatur muss zeigen, dass sie unverzichtbar ist. Dass wir uns mittels Kunst unserer selbst versichern. Vermitteln zwischen den ganzen Blasen und Einzelzellen, in denen wir feststecken. Es gibt einen großartigen Schwung von Büchern junger, nicht-weißer, politisch ganz wacher und entschiedener Autorinnen. Die bedeuten mir sehr viel, machen Hoffnung: Mely Kiyak, Kaśka Bryla, Ronya Othmann, Olivia Wenzel, Deniz Ohde. Und das sind längst nicht alle. Ist es nicht toll, dass es eine so lange Liste ist, von welthaltigen, sprachlich anspruchsvollen, eigenwilligen Texten? Die wirklich was zu erzählen haben? Als ich mein Studium abschloss, war in der deutschen Literatur die Rede vom „Fräuleinwunder“. Bei dem Wort schon klappte mir das Messer auf. Insofern bewegen wir uns literarisch in einer interessanten Gegenwart. Aber nicht nur deutschsprachig schreibende Frauen lese ich, nein. Edouard Louis habe ich entdeckt, den jungen Franzosen. Amos Oz wartet, Eine Geschichte von Liebe und Finsternis. Ich hätte gern ein paralleles Lese-Leben ohne irgendwelche Verpflichtungen.

Was liest Du derzeit?

Ich habe GRM – Brainfuck von Sibylle Berg angefangen. Ihre Kraft pustet mich wirklich um! Auf ihre radikale Art empfinde ich sie als sehr zärtlich.

Anne Webers Annette – Ein Heldinnen-Epos – habe ich mir auch bestellt.

Um die Erzählungen meiner alten Dame einordnen zu können, lese ich eine großartig lesbare Zeitgeschichte von Harald Jähner: Wolfszeit, gerade bei Rowohlt erschienen. Er beleuchtet das unmittelbare Nachkriegsjahrzehnt in Deutschland, 1945-1955, zwischen Kapitulation, Besatzung durch die Alliierten und Gründung der Bundesrepublik bzw. DDR. Das ist sehr interessant. Im täglichen Überlebenskampf zwischen Schwarzmarkt, komplett zerstörten Städten, der Allgegenwart entwurzelter Menschen hat man die Frage nach den Millionen Opfern des Nationalsozialismus gar nicht gestellt. In der „schweren Zeit“ fühlten sich alle als Opfer. Die Verantwortlichen waren irgendwelche bizarr bösen und besessenen Nazifunktionäre. Weder die Wehrmachtssoldaten, die halbtot aus Russland zurückkehrten, die Frauen, die den täglichen Mangel an allem ausgleichen mussten, die Männer, die zu alt fürs Kämpfen gewesen waren und nur aus Pragmatismus „in der Partei“, die Vertriebenen aus Polen, sie alle fühlten sich als Überlebende, als Opfer. Wenn dazwischen Überlebende aus den Lagern oder entlassene Zwangsarbeiter herumliefen, waren sie eigentlich Fremdkörper. Ihr bloßes Vorhandensein beschämte und störte eigentlich. Gar nicht hoch genug kann man die zivilisatorische Leistung der Alliierten, insbesondere der USA anrechnen. Deutschland hatte wirklich ganz unverdientes Glück, auf eine so großmütige und großzügige Art demokratisiert zu werden. Das ist vielleicht zur Stunde auch etwas, das man sich vor Augen halten kann.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein Gedicht! Ich fand es vor ein paar Monaten im New Yorker. Es ist von Christian Wiman.

I Don’t Want to Be a Spice Store

I don’t want to be a spice store.
I don’t want to carry handcrafted Marseille soap,
or tsampa and yak butter,
or nine thousand varieties of wine.
Half the shops here don’t open till noon
and even the bookstore’s brined in charm.
I want to be the one store that’s open all night
and has nothing but necessities.
Something to get a fire going
and something to put one out.
A place where things stay frozen
and a place where they are sweet.
I want to hold within myself the possibility
of plugging one’s ears and easing one’s eyes;
superglue for ruptures that are,
one would have thought, irreparable,
a whole bevy of non-toxic solutions
for everyday disasters. I want to wait
brightly lit and with the patience
I never had as a child
for my father to find me open
on Christmas morning in his last-ditch, lone-wolf drive
for gifts. “Light of the World” penlight,
bobblehead compass, fuzzy dice.
I want to hum just a little with my own emptiness
at 4 a.m. To have little bells above my door.
To have a door

Vielen Dank für das Interview liebe Tanja, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Tanja Schwarz_Schriftstellerin

https://www.forum-hamburger-autoren.de/autorinnen-autoren/tanja-schwarz/

Foto_Marc Wortmann

2.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Dass wir der Angst nicht so viel (Lebens)Raum schenken“ Jutta Fastian, Schauspielerin_Wien 28.11.2020

Liebe Jutta, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
So wie sonst auch – immer unterschiedlich und doch ähnlich. Als freischaffende Schauspielerin lernt man seit jeher, sich eine Struktur zu schaffen für die Zeiten zwischen den Engagements; mal gelingt das besser, mal schlechter. Ich hab das Meditieren wieder in mein Leben integriert, das hilft.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir der Angst nicht so viel (Lebens)Raum schenken und darauf vertrauen, dass es irgendwann auch wieder schwitzenden und umarmenden Rock’n Roll geben wird.
Und Menschlichkeit und Humor. Eine große Menge davon.

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle
gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein
und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Die Zukunft war schon immer ungewiss. Und die Kunst hat sich schon immer damit beschäftigt. Das wird so bleiben.

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Was liest Du derzeit?
„Der Gott der kleinen Dinge“ von Arundhati Roy und
„Kurze Antworten auf große Fragen“ von Stephen Hawking

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Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Take your protein pills and put your helmets on.“ David Bowie – Space
Oddity

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Vielen Dank für das Interview liebe Jutta, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Jutta Fastian_Schauspielerin

http://www.juttafastian.com/

Alle Fotos_Walter Pobaschnig_Hotel Regina_Wien_11_2020

27.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst visualisiert und konkretisiert die Alltagswelt“ Verena Kandler, Künstlerin _ Augsburg_ 28.11.2020

Liebe Verena, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Prinzip nicht sehr viel anders wie vor der Pandemie. Vormittags schaue ich, dass ich organisatorische Dinge fertigbekomme, sodass ich nachmittags Zeit habe für Praktisches oder meine Arbeit im Atelier. Am Wochenende fehlen mir allerdings Kneipenbesuche, Ausgehen oder Konzerte schon sehr.

Verena Kandler, Künstlerin _Portrait_2019


Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Einigermaßen einen Fokus auf die eigene Arbeit bewahren, für Gesundheit sorgen und in regelmäßigen Abständen offline gehen. Gerade ist im Prinzip die perfekte Zeit um unabgelenkt zu arbeiten und sich auf eine Sache/Projekt etc. zu konzentrieren. Dennoch scheint mir, dass die verschiedenen Diskussionen um die Pandemie und deren Einschränkungen selbst einen viel zu großen Anteil einnehmen und den Platz für andere,
eigentlich wichtigere Themen – u.a. die Klimakrise – wegnehmen. Die Pandemie ist keine Auszeit an sich, es ist zwar eine ungewöhnliche Zeit, die Zeit bleibt dadurch aber nicht stehen.

#boobssexy“ 2019

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und
persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt
dabei der Kunst an sich zu?

Es liegen derzeit sicher viele Spannungen in der Luft, manchmal hat man das Gefühl es herrscht die Ruhe vor dem Sturm, dann wiederum meint man wir befinden uns schon mittendrin. Ob es ein Aufbruch oder ein Neubeginn wird – da bin ich mir bei beidem noch nicht sicher. Es gibt eine Menge abstrakte, ungreifbare Problematiken, die deswegen so viele Menschen nicht wahrhaben, da sie nicht wirklich sichtbar sind. Ich denke eine Facette der Kunst ist es, diese zu visualisieren und zu konkretisieren und die nötigen Bilder, Klänge etc. zu schaffen, damit uns vieles greif- und nahbarer wird. Ich versuche daher Zeichen und Gefundenes der Alltagswelt in meine Arbeit zu integrieren, um Ansatz- und Referenzpunkte herzustellen.

„Haltungsform“ 2020
„Hundemeute“ 2020


Was liest Du derzeit?

Prinzipiell bin ich keine große Leseratte, lese aber gerade Fachtexte zur Appropriation Art und Barbara Kruger, habe ein Buch von Michel Houellebecq und Christa Wolf angefangen

„Unser Erbe“ 2020
„Sitz oder Spring“ 2020


Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein Zitat aus einem ZEIT-Artikel von 2018 zur Klimakrise: „Wer sich für das Richtige einsetzt, tut das nicht, weil er glaubt, es wird funktionieren. Er tut es, weil es das Richtige ist. Ethisches Handeln muss nicht skalierbar sein um ethisch zu sein.“ (Tobias Haberkorn: Die Sintflut kommt, 4.11.2018).

„Plastic Neptune“ 2019

Vielen Dank für das Interview liebe Verena, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen

Verena Kandler_Künstlerin

www.verenakandler.com

Alle Werke im Beitrag_Verena Kandler _ „Sitz oder Spring“ 2020, „Haltungsform“ 2020, „Plastic Neptune“ 2019, „Unser Erbe“ 2020, „#boobssexy“ 2019, Portrait 2019, „Hundemeute“ 2020

Alle Werke_Fotos_Verena Kandler_privat.

28.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst lässt dich träumen, weinen, lachen, tanzen, nachdenken, diskutieren, vergessen und vieles mehr“ Caro Athanasiadis, Kabarettistin, Sängerin_Wien 28.11.2020

Liebe Caro, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Stressiger als vor dem Lockdown. Dadurch, dass die Kinder zu hause sind, vergeht die Zeit viel schneller und ich habe das Gefühl ich komme zu nichts mehr.

Caro Athanasiadis_Kabarettistin_Kernölamazonen_Sängerin, Schauspielerin, Moderatorin. .


Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht die Nerven zu verlieren und bewusst Zeit für sich alleine zu schaffen, sonst dreht man durch und das würde niemanden weiterbringen.


Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle
gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein
und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Ohne Kunst und Kultur kann der Mensch zwar leben, aber nicht überleben. Die Kunst ist dazu da anzuregen, sowohl den Geist, als auch die Gefühlswelt. Sie lässt dich träumen, weinen, lachen, tanzen, nachdenken, diskutieren, vergessen und vieles mehr. All das versüßt unseren Alltag und lässt uns glücklicher und zufriedener unser Leben
leben.

Was liest Du derzeit?

Das Biologie Buch meines Sohnes.


Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Nicht ärgern, nur wundern!
Ganz bewusst diesen Satz anwenden, wirkt Wunder!

Vielen Dank für das Interview liebe Caro, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kabarett-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen

Caro Athanasiadis,_Kabarettistin, Sängerin, Schauspielerin, Moderatorin.

Fotos_Felicatas Matern

KERNÖL​AMAZONEN (kernoelamazonen.at)

28.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Rolle von Kunst und Kreativität ist eine positive, welche die Welt wieder zusammenbringen wird“ Carolin Anna Pichler_Komponistin _ Klagenfurt_28.11.2020

Liebe Carolin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Durch die Online Seminare meines noch andauernden Studiums an der Gustav Mahler Privatuniversität haben einige Wochentage ohnehin schon eine Struktur mit mehreren 1,5 stündigen Einheiten, ansonsten versuche ich viel nach draußen zu gehen und auch mit meinen Freunden in Kontakt zu sein. Diese Zeit ohne aktuelle Konzerte nutze ich auch, um neue Werke zu schaffen und über Vergangene nachzudenken.

Carolin Anna Pichler_Komponistin, Autorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir sollten auch in dieser schwierigen Zeit uns nicht selbst verlieren und trotzdem weiter machen. Natürlich ist Gesundheit derzeit am wichtigsten! Und auch wenn es schwer vorstellbar ist, immer daran denken, dass auch diese Zeit vorübergehen wird.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Musik, der Kunst an sich zu?

Ich sehe in der Thematik oder Perspektive eine große Frage. Soll man als Künstler*in nun wirklich die schwierige durchstandene Zeit aufgreifen oder vielleicht nach vorne sehen? Soll man dokumentieren und über Isolation schreiben, oder vielleicht über den Wiederaufbau des eigenen Soziallebens und the new roaring twenties? Dies ist aber natürlich jedem selbst überlassen. Kunst soll hinterfragen, kritisieren, aber andererseits ist die Rolle von Kreativität auch eine positive, die die Welt danach wieder zusammenbringen wird.

Was liest Du derzeit?

„Why Theatre?“, die neue Publikation von NTGent, greift ein Thema auf, mit welchem ich mich während dieses Jahres auch in meiner (nun abgeschlossenen) Masterarbeit beschäftigt habe – das Medium Theater steht heute vor einer Krise, oder wie ich es sehe, vielen neuen Möglichkeiten. In diesem Buch haben viele Künstler*innen rund um den Globus sich zu dieser Lage geäußert. Außerdem lese ich derzeit eine Biografie von Leonard Bernstein, der für mich als Komponistin natürlich eine wichtige und spannende Persönlichkeit ist.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

 „Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann.“

Dieses Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach passt für mich deswegen gut in diese Zeit, da uns die Pandemie gezeigt hat, wie schnell Dinge sich ändern können. Das können wir uns in Zukunft mitnehmen, und nicht mehr zögern, wenn es beispielsweise um die Erfüllung unserer Träume als Künstler*in geht.

Vielen Dank für das Interview liebe Carolin Anna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen

Carolin Anna Pichler_Komponistin, Autorin

http://www.carolinannapichler.com/

Fotos_Daniel Waschnig

9.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Mit einem Maß an Nichtgewissheit leben“ Sabine Burkhardt, Schriftstellerin _ Schwabach/D _28.11.2020

Liebe Sabine, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf ist jetzt mehr auf das Schreiben/Lesen/Korrigieren/Soziale Medien als auf Präsenzangebote konzentriert. Die äußere Begrenztheit tut auf eine Art gut. Dann ist der Einkauf, auch mal das Saubermachen ein bewussterer Akt, der neue Gedanken entstehen lässt. Bewegung schafft wieder mehr Raum. Inzwischen plane ich eine ganze Reihe von Präsenzangeboten wieder neu (Philosophie/Gesellschaft/Literatur) in der Nicht-Gewissheit des Stattfindens.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

In einer der Pausen ist es sehr wichtig, in den nahe gelegenen Stadtpark unter alten Bäumen ‚Luft zu holen‘. Manchmal treffe ich mich dort mit einer Kanne Kaffee mit einer Person meiner Wahl auf einer Bank, mit Abstand und Nähe. Analoges Leben war lange mein Normal, daran halte ich gerne fest, wenn auch gezielter. Dieser Austausch, ob harmonisch oder kontrovers, gibt mir immer Zuversicht. In Ruhe und Bewusstheit atmen, denken, handeln. Eine Gangart, die wohler tut als das Atemlose. Pausen sind existentiell wichtig. Für uns alle.

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wesentlich ist für mich auch hier Bewusstheit. Über das, was wir lieben, wertschätzen. Es ist möglich, dass wir weniger, aber wertschätzender konsumieren. Und damit gut über die Runden kommen. Weil es einen Mehrwert ergibt durch das Schätzen einer guten Lektüre, eines gut gemachten Films, einer Performance, eines Interviews, einer Führung, eines kunstvollen Gegenstandes … (hier können beliebig viele Künste eingesetzt werden). Auch mit einem Maß an Nichtgewissheit leben, solange das Existentielle geklärt ist, setzt neue Ideen frei.

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 Was liest Du derzeit?

Christopher Kloeble: Das Museum der Welt, dtv
Christine Langer: Körperalphabet und: Findelgesichter, Klöpfer&Meyer
Margarete Stokowski: Untenrum frei, rororo.

 

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Auf der Suche nach etwas Schönem wie Schnee ging ich leer aus bis es des Wegs zu schneien begann. (Elisabeth Borchers)

Vielen Dank für das Interview liebe Sabine, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Sabine Burkhardt, Schriftstellerin

https://www.thomasruegerverlag.de/die-autoren/sabine-burkhardt/

Fotos_Klaus Burkhardt

31.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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