„Niemand zwingt uns dazu, egoistische Nutzenmaximierer zu sein“ Birgit Birnbacher, Bachmannpreisträgerin 2019 _ 5 Fragen an SchriftstellerInnen_ 19.3.2020

IMG_0288a

 

Liebe Birgit, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wir sind betroffen von den geschlossenen Kindergärten, alle sind zuhause. In meinem zweiten Beruf als Sozialarbeiterin gehe ich zweimal pro Woche normal in die Arbeit. Normalerweise wäre ich jetzt gerade sehr viel mit meinem Buch unterwegs gewesen. Jetzt fügt sich alles gut, denn nun werde ich gebraucht, wo ich gerade bin. Ich mag außerdem nicht mit Tatsachen hadern, die nicht zu ändern sind und herumjammern, dass mir Lesungen ausfallen, wenn die Welt in einem solchen Zustand ist. Man muss das Ganze schon auch im Verhältnis sehen.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Da fragen Sie mich was! Dass wir vor Angst um unsere Kinder und Familien nicht augenblicklich zu Tieren werden. Dass wir verdammt noch mal tun, was man uns sagt: Drinnen bleiben, sich einschränken, Kontakt vermeiden. Ab und zu einmal einen gscherten Schmäh machen, das hilft auch.

 

In Deinem neuen Roman „Ich an meiner Seite“ geht es um Herausforderungen am Weg zurück „ins Leben“. Der Kontext ist dabei eine Haftentlassung. Grundsätzlich ist es aber ein Neubeginn, von dem wir ja auch jetzt gesellschaftlich stehen bzw stehen werden. Welche inneren und äußeren Prozesse sind für einen Neubeginn ganz wesentlich?

Wir kennen das doch alle: Man wird ja nicht gefragt. Es gibt diesen Effekt, den wir von ernsten Diagnosen kennen oder schlimmen Beinaheunfällen: Über einen gewissen Zeitraum hinweg wollen wir vieles wirklich anders machen. Je nachdem, wie einschneidend unsere Erlebnisse sind, gelingt das ja auch ab und zu.

 

Was liest Du derzeit?

Ich habe mich noch rechtzeitig mit Frühjahrsneuerscheinungen von Karin Peschka, Nava Ebrahimi, Valerie Fritsch und Helena Adler eingedeckt. Jedes dieser Bücher ist auf seine Weise herausragend. Jedes werde ich noch öfter verschenken.

 

Welches Zitat, welche Textstelle aus Deinem neuen Roman möchtest Du uns mitgeben?

Weil ich mich nicht so gerne selbst zitiere, vielleicht lieber ein Gedanke, von dem das Buch getragen ist: Niemand zwingt uns dazu, egoistische Nutzenmaximierer zu sein. Weil im Moment Vieles auseinanderfällt, was wir gerade noch für selbstverständlich gehalten haben, haben wir vielleicht auch gute Chancen, uns zivilgesellschaftlich weiter zu entwickeln.

IMG_20200115_162727

 

Vielen Dank für das Interview liebe Birgit und viel Erfolg für Deinen großartigen neuen Roman und persönlich alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Birgit Birnbacher, Schriftstellerin, Bachmannpreisträgerin 2019

Aktuelle Romanneuerscheinung:  Birgit Birnbacher, Ich an meiner Seite, Zsolnay Verlag

 

18.3.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Fotos_Walter Pobaschnig 1_2020_Lesung am BRG19 Vienna, 1190 Wien.

 

https://literaturoutdoors.com

 

 

„Freundlich bleiben, zueinander, zu sich selbst und den Blick auf die existentielle Hilfe für Menschen hier und dort nicht vergessen“ Karin Peschka, Schriftstellerin_5 Fragen zur Gegenwart 18.3.2020

 

IMG_5375j

 

Liebe Karin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich versuche, einen zwanglosen Rhythmus zu finden und arbeite vieles auf, was in den letzten Wochen liegengeblieben ist. Das gilt für die Schreibarbeit genauso wie für den Haushalt. Belege ein- und Gewand aussortieren, Posteingang auf- und Kleiderschrank umräumen. So ungefähr. Wir wechseln uns mit dem Kochen ab. Und in den stillen Stunden sitze ich oft am Fenster und schau, was sich draußen abspielt. Dann wird geschrieben.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Freundlich bleiben, zueinander, zu sich selbst. Geduldig sein und wach: Vielen geht es äußerst schlecht. Die sind gestrandet irgendwo, können nicht heim oder haben kein Heim, sind arm oder sehr gefährdet, es zu werden, verlieren ihre Existenz, haben Angst, müssen diese Zeit der Isolierung unter extrem schlechten Voraussetzungen verbringen.

Die darf man nicht aus den Augen verlieren, wir nicht und die politischen Entscheidungsträger/innen erst recht nicht.

 

In Deinem neuen Roman „Putzt euch, tanzt, lacht“ geht es wesentlich um das Thema Aufbruch, Reflexion und auch Entscheidung. Inwieweit ist dies auch jetzt in der aktuellen gesellschaftlichen Situation gefordert?

Solidarität ist sicher jener Aspekt des Romans, der am ehesten auf die aktuelle Situation passt. Oder, schlichter gesagt: zusammenhalten. Das geht auch auf Distanz.

 

Was liest Du derzeit?

Meša Selimović, „Der Derwisch und der Tod“, Otto Müller Verlag

 

Welches Zitat, welche Textstelle aus Deinem neuen Roman möchtest Du uns mitgeben?

Das ist schwer. Ich hab gleich an drei Passagen gedacht, such Dir eine aus. An die erste glaube ich tief und fest. Auf Momente, wie in der zweiten beschrieben, freue ich mich, denn sie kommen bestimmt. Und das dritte Zitat aus dem Roman passt wahrscheinlich doch sehr gut auf unsere Gegenwart.

Kräuter, legale und immer noch nicht legale, bauen wir im Garten an, der, von einem Holzzaun eingefasst, zwischen Hütte und Waldrand liegt, Schatten gibt es dort, Häuplsalat, Zwiebeln, Heidelbeerstauden und ein verdrehtes, halbtotes, nicht produktives Nussbäumchen, das Ernst ausreißen wollte, es aber nicht konnte. Weil? Weil auch das in den Statuten stehen soll: Der Wert des Lebens ermisst sich nicht am Maß der Produktivität eines Menschen. (Somit ist die Walnuss ein Mensch?, fragte ich. Sei still, sagte Ernst.)

Manchmal ist diese Stunde. An Nachmittagen oft, und oft ist es keine Stunde, eher ein Gleiten der Zeit, wenn sich etwas Weiches in die Hitze legt, wenn der Tag diesen langen Sinkflug hin zur Nacht einleitet, so wie er es nur im Sommer tut, an Augusttagen. (Hilf mir, sei lebendig.) Das ist Glück, denke ich, schlüpfe aus Hose und Unterwäsche, ich bin ein Sonnenkollektor, ein Meer wogender Zellentierchen, Bartgeierchen, Silberfischchen, ein Amöbenheer mit flimmernden Beinchen.

Darin: In die Ferienwohnung auf dem Hof, in Barrierefreiheit, und über allem dann natürlich Ernst, der kurz mit der Faust auf den Tisch klopfte und es still wurde und er sagte: „Ihr seid zu schnell. Das Schnelle geht nicht.“

 

IMG_5368h

 

Vielen Dank für das Interview liebe Karin, viel Freude und Erfolg für Deinen großartigen neuen Roman und alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Karin Peschka, Schriftstellerin

Aktuelle Romanneuerscheinung:  Karin Peschka „Putzt euch, tanzt, lacht“ Otto Müller Verlag

https://peschka.at/

 

17.3.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Fotos_Walter Pobaschnig 14.2.2020

 

https://literaturoutdoors.com

 

„Das Bewusstsein gesellschaftlicher Fragilität und eine neue Wertschätzung realer Sozialkontakte könnte uns bleiben“ Felix Kucher_Schriftsteller_ 5 Fragen an KünstlerInnen _17.3.20

Felix Kucher_

 

 

Lieber Felix, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich im Brotberuf Schulleiter bin, verbringe ich die Vormittage derzeit in der Schule und im Homeoffice, von wo aus ich auf alle wichtigen Systeme zugreifen kann. Das E-Learning funktioniert sehr gut, den Umstieg haben alle Beteiligten reibungslos geschafft.
Dann koche ich! Für mich sehr ungewohnt, da ich sonst jeden Tag irgendwo mittagesse.
Der Nachmittag ist dem Lesen, der Hausarbeit und dem Spazierengehen gewidmet.
Nach wie vor schreibe ich am liebsten, wenn es dunkel ist.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, die sozialen Kontakte über die verschiedenen Netzwerke weiter zu pflegen. Vernachlässigte Kontakte wiederbeleben. Die Zeit zu nutzen fürs Lesen und Musik hören. Und natürlich in jeder Form respektvoll gegenüber den Mitmenschen zu leben.

 

In Deinem aktuellen Roman „Kamnik“ geht es um Lebenskatastrophen und Lebenswege im Kontext des Krieges. Es geht dabei um die Herausforderungen und belastenden Prozesse eines Neubeginns. Auch jetzt wird es ein Neubeginn sein, von dem wir gesellschaftlich und persönlich stehen bzw. stehen werden. Was ist dabei wesentlich?

Wenn man derzeit die Visionen für die Zeit „danach“ liest, so fallen einem die vielen optimistischen Entwürfe auf (z.B. bei Matthias Horx), die von einer „Kaskade von sozialen Innovationen“ und Paradigmenwechseln beim Thema Klimaschutz (Stichworte: Blauer Himmel in Tokio, Delfine in Triest) reden, die uns bevorstehen sollen.

Ich bin da eher skeptisch und fürchte, dass sich in Wirtschaft und Gesellschaft sehr schnell alte Muster wieder durchsetzen werden. Bleiben könnte am ehesten das Bewusstsein der Fragilität unserer globalisierten und wachstumsorientierten Gesellschaft und eine neue Wertschätzung realer sozialer Kontakte.

 

Was liest Du derzeit?

Karin Peschka: Putzt euch, tanzt, lacht!
Tonio Schachinger: Nicht wie ihr
Drago Jančar: Wenn die Liebe ruht
Haruki Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Hörbuch)

 

DSC_0068_Felix Kucher

 

 

Welches Zitat, welche Textstelle aus Deinem aktuellen Romanprojekt möchtest Du uns mitgeben?

„Es geht ja nicht nur um die Frauen, es geht um Gleichberechtigung für alle! Und dafür haben wir unterschrieben. Das Ziel bleibt eine klassenlose Gesellschaft ohne Herren und Diener. Und in einer solchen Gesellschaft ist die Frau selbstbestimmt, ob dir das passt oder nicht, Kichi.“

(Die Szene spielt im Jahr 1920, angesprochen ist Carl Sadakichi Hartmann)

 

Vielen Dank für das Interview lieber Felix, viel Freude und Erfolg beim Schreiben Deines Romans und alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Felix Kucher, Schriftsteller

Aktueller Roman: Kamnik, 2018, Picus Verlag

http://felix.kucher.at/

 

 

17.3.2020_Interview_Walter Pobaschnig

Fotos_Felix Kucher

 

https://literaturoutdoors.com

 

 

 

 

 

 

„Ich sehe Angst immer als Potential für Mut. “ Cornelia Travnicek _ Schriftstellerin_Interview _Station bei Hansi Lang_Wien.

IMG_6017kjhzoiuz

 

Grundsätzlich betritt jeder Mensch mit seinen Möglichkeiten, Interessen eine Stadt anders. Eine Stadt ist viele Städte und hat einfach viele Ebenen.

 

IMG_6022zt

 

Die Jungs in meinem neuen  Roman „Feenstaube“ stehen außerhalb sichtbarer Stadträume. Anknüpfungspunkte von Ihnen im gesellschaftlichen Leben sind nicht gewünscht. Sie sollen möglichst unauffällig und mit der Stadt nicht verwachsen sein. In Städten gibt es ja grundsätzlich ein Parallelleben, Parallelräume. Je nach gesellschaftlicher Position werden mehr und sichtbarere Räume besetzt.

 

ztr - Kopie

 

Die Jugendlichen in „Feenstaub“ haben Sehnsüchte. Sie sprechen über die Möglichkeiten „wie es wäre“.

Verlorene, ausgebeutete, missbrauchte Jugend, das ist ein Phänomen weltweit.

 

IMG_5973btg

 

Die Topographie der Insel im Roman lässt ja viele Zugänge zu. Ist der Nebel real, metaphorisch, imaginiert oder suggeriert? Ist es der Nebel im Kopf von den Jungs oder das Schweigen einer Gesellschaft, welche diese Insel nicht sehen will? Ich schätze es, wenn im Schreiben diese offenen Möglichkeiten des Lesens geschaffen werden.

 

IMG_6560bgtr

 

Jede Stadt hat „Inseln“. Räume und Möglichkeiten von Sozietät, Individualität und Kreativität, Freiheit. Wenn ich in ein Kaffeehaus ein Buch mitnehme, kann das meine Insel sein. Eine Insel ist immer das was wir daraus machen.

 

IMG_6557uzt

 

Es ist wichtig in einer Stadt viele und unterschiedliche Inseln für alle zu haben. Ob dies FreundInnen, Vereine oder einfach öffentliche Raummöglichkeiten sind.

 

IMG_6380nhzu

 

Menschen sollen sich auch von ihren eigenen Inseln aus bewegen, nicht bloß darauf sitzenbleiben – im Nebel.

 

IMG_6378nhzu

 

Städte haben Risiken. Die individuelle Erwartungshaltung ist dabei auch wesentlich.

 

IMG_6310nhz

 

Der Mensch ist auch ein „Angsttier“ und speichert Erfahrungen, Erzählungen anderer. Das kann eine Stadt dunkler, unsicherer machen.

 

IMG_6297juznhz

 

Jeder bewegt sich in Wahrheit durch seine eigene Stadt.

 

IMG_6248bgt

 

Kunst kann die verschiedenen Inseln in unserer Gesellschaft sichtbar machen. Kunst kann Brücken-Bauen zwischen den unterschiedlichen Inseln.

 

IMG_6576ztr

 

Das Spiel ist unerlässlich zur Selbst-, Körpererfahrung und der eigenen Grenzen.

 

IMG_6685nhz

 

IMG_6909bzt

 

IMG_6714bzt

 

Kunst kann die verschiedenen Inseln in unserer Gesellschaft sichtbar machen. Kunst kann Brücken-Bauen zwischen den unterschiedlichen Inseln.

 

IMG_7043nhznhz

 

Kunst, etwa Literatur, Film, gibt die Möglichkeit Fenster zu öffnen, authentische Erfahrungen im Blick auf anderes, andere zu machen.

 

IMG_7110nhzu87

 

Der Austausch im künstlerischen Raum ist ganz wichtig. Kunstfiguren können Emotionen auslagern und Diskussionen ermöglichen.

 

IMG_7142bg

 

Ein Ort kann Sehnsuchts- oder Verlustort sein. Verbunden oder gebunden.

 

IMG_7125nhz

 

Orte sind Momente in der Zeit wie im Raum. Orte verändern sich.

Orte hängen sehr mit individueller Erfahrung zusammen. Persönliche Erinnerungen, die sich auf einen Ort drauflegen und für andere nicht sichtbar sind.

 

IMG_6123ztr

 

Die Topographien im Roman sind Schlaglichter auf verschiedene Städte, die ich bereist habe oder die ich mir in der Phantasie erdacht habe.

Die Stadt im Roman ist eine, die überall und nirgends sein kann oder überall gleichzeitig ist.

 

IMG_6515nhz

 

 

Das „Keine Angst!“ hier an der Gedenksäule vor dem Wohnhaus von Hansi Lang erinnert mich an einen Asterix Band, in dem sich die Normannen auf den Weg machen, um die Angst kennenzulernen. Sie haben gehört, dass die Angst Flügel verleiht und sie wollen Fliegen lernen. Am Ende stellt sich heraus, nur wer die Angst kennt, kann auch wirklich mutig sein. Ich sehe Angst immer als Potential für Mut.

 

IMG_6019mnjhnh56

 

Jeder meiner Romane funktioniert anders von Struktur, Atmosphäre. In diesem Roman war viel Bedarf an Weißraum. Es geht darum Platz zu machen für die Poesie und Phantasie- Reflexionsräume an sich.

 Mein Schreiben ist organisch. Ein natürlicher Prozess. Ein Wachsen.

 

IMG_6036vc

 

Ich bin ein großer Fan des Nicht-Erzählens. Ich muss nicht alles in ein Buch reinschreiben.

Worte, Texte brauchen auch Hallraum, ein Echo, die eigenen Gedanken von Leserin und Leser.

 

IMG_6073mjunhz

 

Literatur ist ganz direkt. Da gibt es kein Rausnehmen aus den eigenen Gedanken, dem eigenen Kopf, eigenem Leben. Es ist eine sehr intime Kunstform.

 Literatur ist auch immer Selbsterfahrung.

Geschichten sind neben der Höhlenmalerei die älteste Kunstform, Unterhaltung des Menschen. Geschichten wird es immer geben.

 

IMG_6128uz

 

Ich denke Leserin und Leser beim Schreiben immer mit. Es muss da Platz sein für jemand anders. Inspiration ist dabei der Gedanke im Kopf, von dem Du nicht weißt, woher er kommt. Ich trage immer ein Notizbuch bei mir.

 Jedes meiner Bücher hat in seiner Entstehung auch mit Musik zu tun. Beim aktuellen Roman „Feenstaub“ war es Instrumentalmusik, sphärische Klänge.

Was wird gespielt? Was ist Wahrheit? Mein Roman stellt diese Fragen.

 

IMG_6132ztriuz

 

Cornelia Travnicek, Schriftstellerin _ Romanneuerscheinung „Feenstaub“ 3_20.  

Vielen Dank liebe Cornelia für den Fotospaziergang durch Wien und das Interview!

 

Alle Fotos_Interview _ Walter Pobaschnig 28.2.2020_Wien.

 

„Verdrängtes Sehnen kommt zurück, irgendwann.“ Karin Peschka _Schriftstellerin. Interview station by station_ Wien

 

 

IMG_4273aIch treffe Karin Peschka, Schriftstellerin, Trägerin des ALPHA Literaturpreises (2015) und des Bachmann Publikumspreises (2017), an einem öffentlichen Verkehrsknotenpunkt Wiens, Urban Loritz Platz. Alles ist in Bewegung hier. Wie auch im neuen Roman „Putzt euch, tanzt, lacht“ der österreichischen Autorin, der Ende Februar dieses Jahres erschienen ist. Menschen machen sich darin auf die Suche nach Möglichkeiten und Modellen des Lebens und Zusammenlebens. Hinterfragen das Vorhandene, das Innen und Außen, und sind unterwegs. Zentral dabei Fanni, eine 57jährige Supermarktverkäuferin. Alles ist zunächst geordnet bei ihr, mit Ehemann, erwachsenen Kindern und Haus, die Pension in Sichtweite. Doch dann die Ausfahrt aus diesem Leben, plötzlich – „So hatte etwas Neues begonnen…“.

 

Ich mache mich nun mit Karin Peschka auf den Weg. Es geht mit der Straßenbahn 49 zur West_Ausfahrt Wien, dem Romanschauplatz zu Buchbeginn.

 

IMG_5368h

 

Liebe Karin, heute ist Valentinstag, ich darf Dir im Namen Deiner begeisterten LeserInnen ein süßes Herz überreichen. Danke für Dein so spannendes, mitreißendes wie auch nachdenkliches Schreiben!

 

IMG_4341n

 

 

Der Valentinstag führt auch zu meiner ersten Frage. Lebenswege mit Herz, Sinn und Mut im persönlichen Orientieren, Hinterfragen und Ankommen sind auch eine Mitte Deines neuen Romans. Was lässt Liebe dauern?

 

Karin Peschka: Geduld und Realismus. Was ich beobachte ist, dass der Übergang vom Verliebtsein zur Liebe oft nicht funktioniert. Es ist wie das Scheitern an einer Illusion. Was suche ich in einer Beziehung, was erwarte ich, wie ehrlich bin ich zu mir, zu meinem Partner – das sind wesentliche Fragen. Sich selbst nicht zu verleugnen ist vielleicht ein wesentlicher Schlüssel für Moment und Dauer in einer Partnerschaft.

 

IMG_4402a

 

Im Roman bricht Fanni aus ihrer Ehe mit Bernhard, ihrem langjährigen Partner, aus. Mit ihm hat sie Kinder großgezogen, ein Haus gebaut. Sie steigt ins Auto und fährt davon. Wie wichtig ist es in der Liebe eine Reißleine zu ziehen und aufzubrechen?

Karin Peschka: Liebe kennt verschiedenste Formen. Fanni verlässt nicht ihre Familie, ihre „Liebe“, wenn man so will, sondern bricht vielmehr aus ihrem alten Leben aus. Sie hasst ihren Mann nicht, mit dem sie eine jener Kompromiss-Beziehungen führt, die auch gut funktionieren können. Fanni hat sich verloren und sucht einen Weg.

 

IMG_4480a

 

Fanni und Bernhard führen ja ein sehr geordnetes Leben. Schließlich scheitert dies. Nicht laut und nicht im Rosenkrieg. Aber es geht zu Ende. Wie viel Ordnung und Unordnung braucht Liebe, um bestehen zu können?

Karin Peschka: Jede und jeder braucht Ordnung und Struktur in einem eigenen, individuellen Ausmaß, als Orientierung und Halt. Die einen mehr, die anderen weniger. Gewisse Gewohnheiten und Rituale etwa, die sich über die Jahre in der Partnerschaft mit meinem Lebensgefährten etabliert haben, schätze ich sehr. Und habe bemerkt, dass ich sie zum Teil auch dann beibehalte, wenn er nicht bei mir ist, wie etwa bei meinem StadtschreiberInnenaufenthalt in Klagenfurt (2018) oder letztes Jahr beim Schreibprojekt im Kosovo. Pedanterie mag ich nicht, aber Gewohntes mit einer gewissen Lässigkeit beizubehalten, habe ich zu schätzen gelernt.

 

IMG_4514a

 

Fanni ist am Weg zum Erstgespräch mit einem Therapeuten. Aber Sie fährt einfach weiter und weg. Was lässt Fanni zum Punkt des Verlassens von Vertrautem und Gewohntem kommen?

Karin Peschka: Fanni erinnert sich an ihre Sehnsüchte, die sie als siebzehnjähriges Mädchen, als junge Frau hatte. An die Lebensentwürfe, von denen sie damals träumte. Ich denke, je konkreter Träume, Wünsche und Ideen sind, die man für sich entwirft, umso eher kommen diese zu einem zurück. Besonders an diesen Kreuzungen im Leben, die einen Richtungswechsel fast schon heraufbeschwören. In schwierigen Zeiten, meine ich. Dann kann die Frage schon mit Vehemenz vor einem stehen: Wie weit lässt sich eine Sehnsucht verwirklichen, was versuche ich, worauf bin ich bereit zu verzichten? Verdrängtes Sehnen holt einen irgendwann im Leben ein. Sich ihm zu stellen, ist eine Herausforderung.

 

IMG_4870a

 

Holen Fanni also um Ihre Lebensmitte Ihre ungelebten Träume ein?

Es ist in ihrem Leben nicht zum ersten Mal so, vielleicht war es nur noch nie so deutlich.

Ich vermute, dass für Frauen oft eine typische Haltung gilt: Ich habe Verantwortung übernommen und jetzt muss ich mich kümmern, ohne mich bricht das System zusammen. Das Ich-habe-zu-funktionieren-Gen, das fordert, erst soll es allen anderen gut gehen, dann bin ich an der Reihe. Das Wohlergehen der Familie als Zentrum der Welt. Das ist per se nichts Verwerfliches, natürlich. Solange es einen nicht auffrisst. Und/oder in eine Krise stürzt, wenn zum Beispiel die Kinder eigene Wege gehen. Braucht es nicht spätestens dann eine neue Dynamik von Verantwortung, Freiheit und Sinnfindung? Dieser Perspektivenwechsel oder diese innere Fragestellung sind wichtig. Fanni geht diesen Weg, zwar sehr spontan und ohne anfangs groß darüber nachzudenken. Aber letztlich konsequent.

 

IMG_4459a

 

Was lässt Fanni aufbrechen?

Karin Peschka: Sie weiß das selbst nicht genau und kommt erst nach und nach auf mögliche Gründe. Klar ist ihr von Beginn an nur, es geht nicht darum, Bernhard zu verlassen, sondern dem eigenen inneren Schwung zu folgen.

 

 

IMG_4541an

 

Ist der neue Weg Fannis auch eine Selbstkritik an ihrer Rolle als Mutter, da ja Ihre Tochter dasselbe Modell von Liebe und Ordnung gewählt hat?

Karin Peschka: Nein, Fanni wählt ihren persönlichen Weg, ohne Modelle von Liebe und Partnerschaft grundsätzlich abzulehnen. Auch nicht jenen ihrer Tochter Ines, deren Entscheidung sie akzeptiert. Was hätte sie auch sonst tun sollen? In der Charakterisierung von Ines im Roman hinterfrage höchstens ich, als Autorin, etwas. Nachbetrachtet glaube ich, dass Ines als Figur tragischer ist, als ich es beim Schreiben erkannt habe.

 

IMG_4456a

 

Bei Fanni und Bernhard ist Sex kein Thema (mehr). Welche Rolle kommt der Sexualität heute im Anspruch von Partnerschaft in verschiedenen Lebensphasen zu?

Karin Peschka: Ob Sexualität zwischen den beiden kein Thema mehr ist, wird im Buch nicht erwähnt, das ist eine Annahme, die man treffen kann, die aber nicht zutreffen muss. Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht.

Dem einen Paar genügen drei Umarmungen im Monat, das andere will bis ins hohe Alter lustvolle Sexualität leben. Dazwischen gibt es hundertausend Schattierungen. Sex ist Sex, in diversen Formen und Intensitäten, nicht mehr und nicht weniger.

Die Vorgaben allerdings können zum Problem werden. Was man machen soll, kann, muss. Was zu einer Art Norm wird, erzeugt doch im Umkehrschluss immer Unsicherheit. Ständig auf die Körperform, auf Ausstrahlung, auf sexuelle Attraktivität zu achten, ist anstrengend.

Ich kenne viele „best ager“, die Singles sind und denen es gut damit geht. Menschen, Lebensentwürfe sind vielfältig.

 

IMG_4427a

 

Fanni lebt auch Sexualität in ihrem Neubeginn wieder. Was bedeutet Sexualität für sie?

Karin Peschka: Fanni entdeckt sich wieder. Um es ganz profan zu sagen: Sie ist auf dem Weg zu sich selbst. Je besser ihr das gelingt, umso mehr ergibt sich alles andere ganz natürlich.

 

IMG_4478a

 

Fanni bricht auf und kehrt zu früheren Lebensorten zurück. Erinnerungen kehren zurück, Begegnungen, Gespräche ereignen sind dort. Wie wichtig sind Lebensorte für uns?

Karin Peschka: Ist nicht der wesentliche Ort zuallererst immer in einem selbst? Eine Landschaft, die man in sich trägt. Die Frage ist, wie wohl man sich darin fühlt, wie neugierig man ist, das zu erkunden. Ich habe erlebt, dass ich mich so gut auf eine fremde Umgebung, auf andere Länder und Lebensumstände einlassen kann.

 

IMG_4435a

 

Welche Anziehungskraft und Notwendigkeit haben Orte in verschiedenen Lebensphasen?

Karin Peschka: Die, die man ihnen zugesteht. Der Ort ist doch per se neutral. Ob ich dort bin oder nicht, ob ich eine Landschaft schön finde, mich darin wohlfühle, sie bewundere, ablehne, mich darin verliere, ist komplett nebensächlich. Der Ort ist, ob ich da bin oder nicht. Seine Bedeutung entsteht durch das, was ich erlebe – und hängt auch von den Menschen ab, die mir begegnen oder eben nicht begegnen. Sie haben wohl einen großen Anteil an der Bedeutung, die man Orten zumisst.

 

IMG_5236a

 

 

 

Fanni kehrt zurück zu Träumen und Orten – ist das Leben immer eine Bewegung hin nach einem Sehnsuchtsort?

Karin Peschka: Fanni macht sehr vieles nicht aus bewusster Überlegung. Sie ist in einer Krise und lässt sich treiben. Das Treibenlassen führt zu Orten, die für sie überraschend sind, die sie nicht erwartet hat. Sicherlich spielt das Unbewusste eine große Rolle. Ob es immer eine Bewegung hin zu einem Sehnsuchtsort gibt? Das weiß ich nicht.

 

IMG_5313j

 

Der Aufbruch von Fanni ist auch von einem biblischen Zitat begleitet „Haltet mich nicht auf, denn Gott hat Gnade zu meiner Reise gegeben“ (Mose 24,56). Warum hast Du diesen Bezug gewählt?

Karin Peschka: Ich habe in den Psalmen gestöbert, um ein gutes Zitat zu finden. Dabei bin ich auf diese Mose-Stelle gekommen, die genau zur Intention des konsequenten Aufbruches passte. Ich bin nicht bibelfest und war nur in meiner Jugend religiös. Damals, vor allem in der Kindheit, hatte das Römisch-Katholische logischerweise Einfluss auf mich.

 

IMG_5338a

 

IMG_5375j

 

Konsequenz im Weg von Leben und Liebe drückt sich im biblischen Kontext aus. Isaak lernt seine spätere Frau Rebekka in einem fremden Land kennen und hält an ihr über Landesgrenzen hinweg fest. Ist Konsequenz im persönlichen Weg von Leben und Liebe auch ein Charakterzug von Fanni?

 

Karin Peschka: Ja, vielleicht. Sie lebt ja davor konsequent und bricht konsequent auf, als die innere Qual sehr groß wurde.

 

IMG_5343a

 

IMG_5437a - Kopie

 

Was hat Dich zur Themenwahl Deines neuen Roman geführt?

Karin Peschka: Ich wollte dieses Buch schreiben, wollte dabei auch ein Risiko eingehen und sehen, wohin es mich führt. Dass es eher freundlich geworden ist, hat mich zuerst überrascht, aber dann nicht mehr groß gewundert. Nach den dystopischen Bildern in „Autolyse Wien“ war es das Schreiben an „Putzt euch, tanzt, lacht“ vielleicht auch eine Art Konsequenz.

 

IMG_5447j

 

 

 

Liebe Karin, herzlichen Dank für das Gespräch und viel Freude und Erfolg für Deinen neuen Roman!

Buch-Neuerscheinung: „Putzt euch, tanzt, lacht“ Karin Peschka. Roman. Otto Müller Verlag.

 

Interview_alle Fotos _ Walter Pobaschnig 14.2.2020. 

 

 

„Orte sind wie Musik“ Simone Rapp, Shiatsu-Praktikerin, KEM Trainerin, Model für_ Station bei Bachmann 13.3.20_Wien.

InkedIMG_0135mjuz_LIiuz

 

Es sind schon beim ersten Betreten und Wahrnehmen hier sehr intensive Eindrücke. Für mich ist es gut nachvollziehbar diesen Ort als einen Romanschauplatz zu wählen.

 

IMG_5571mnjuz

 

IMG_8916kuzt

 

Das Erzählen wie Geschichte an sich ist hier zu spüren.

 

IMG_8949kjuzt

 

Das Einlassen auf diesen Ort fällt leicht. Dieser lädt gleichsam ein zu sehen – nach Außen wie nach Innen.

 

IMG_8268kjuz

 

Ingeborg Bachmann thematisiert im Roman Malina die Zerrissenheit, die Fragen und auch die Ausweglosigkeiten des Menschen, der Frau zwischen der persönlichen Familiengeschichte und dem eigenen Weg in die Gesellschaft. Damit trifft Sie in das Herz der Zeit. Damals und auch über diesen gesellschaftshistorischen Kontext hinaus.

 

IMG_9629lkiuz

 

Es geht im Roman um Loslösung aber auch um den Anspruch und die Schwierigkeiten neuer persönlicher Orientierung wie Konsequenz. Was ist das neue Bild von mir, wo soll ich hin? Da ist viel Mut aber auch Einsamkeit in diesem Prozess.

 

IMG_6162mjuz

 

Wir leben in einer Zeit, in der es auch wesentlich darum geht persönlich Weiblichkeit und Männlichkeit wahrzunehmen und zu leben – gesellschaftlich und individuell.

 

IMG_6276njuzt

 

Es geht um das Finden einer Balance des Selbst, auch um ein Ausbrechen von traditionellen Rollenbildern.

 

IMG_8474iuzt

 

 

Wir müssen uns selbst neu entdecken.

 

IMG_6316njuzt

 

IMG_6558kuz

 

IMG_8459uztr

 

Die Sichtbarkeit ist wesentlich für die Frau. Aktivität. Für Männer geht es darum, ihre Emotionen wahrzunehmen und damit umzugehen. Der Roman spricht ja von diesen Themen – offen und kritisch, das ist sehr wichtig, auch heute.

 

IMG_9307kuzt

 

 

IMG_8729kuzt

 

Die Festigung der authentischen Persönlichkeit von Frau und Mann erfordert Vertrauen und Zutrauen.

 

IMG_9695ztr

 

Gesellschaftliche Unsichtbarkeit ist etwas, das noch immer sehr präsent ist. Das Thema des Verschwindens am Romanende thematisiert das ja sehr drastisch.

 

IMG_6111mjuz

 

Auch ich kenne diese Erfahrungen, Prozesse von Unsichtbarkeit und Sichtbarkeit.

 

IMG_9301iu876

 

Unsichtbarkeit ist ein Verlust von Bedürfnis und Ziel, auch eine Resignation, eine Kraftlosigkeit, ein Stehenbleiben – ein Verschwinden in einer Wand, die sich vor einem auftut, wie es ja auch Ingeborg Bachmann beschreibt.

 

IMG_9325kjuz

 

Ich habe sehr früh mit Shiatsu begonnen, dann auch die Ausbildung dazu gemacht. Jetzt gebe ich Wissen und Technik gerne in Seminaren weiter. Das ist auch ein spannender Weg des Dialoges und der Weiterentwicklung für mich.

 

IMG_9289oi987

 

Shiatsu, das heißt aus der Kraft der Stille zur Sichtbarkeit, der Präsenz zu kommen – in allem. Es heißt auf Türen, Lebensräume  zugehen. 

 

IMG_9219kjuz

 

IMG_9203kjuz

 

IMG_9212i876

 

Stille lädt zur Selbstauseinandersetzung ein, das kann auch Angst auslösen. Aber das ist der Beginn des Weges, der schmerzliche Beginn, der wichtig ist.

Stille ist frisches Wasser.

IMG_9409kuz

 

IMG_9420iu876

 

IMG_9383juzt

 

Leidenschaft ist ein Impuls und über den Moment hinaus eine Balance zwischen Verstand und Emotion, Kreativität. Davon erzählt der Roman.

 

IMG_8528iuzt

 

IMG_8485iuzt

 

Partnerschaft ist einer der schönsten wie schlimmsten Spiegel unseres Selbst.

 

IMG_8481kuzt

 

Orte sind Ereignis und Geschichte. Orte leben und berühren. Sie sind wie Musik.

 

IMG_8249kiuz

 

Ich bin an einem Ort eine Zuhörende, eine Spürende, auch eine Vorsichtige. Es geht um ein Kennenlernen und um Lernen – was will mir der Ort sagen? Wie will er mich begleiten?

 

IMG_8840kiuz

 

Orte sind auch ein Speicher von Erfahrungen. Das ist zu spüren. Der Roman Malina, Geschichten an sich erzählen ja davon. Auch Geistergeschichten sind ja ein Ausdruck davon.

 

IMG_6480jkuz

 

 

Die Wendeltreppe hier im Haus steht auch für das Weitergehen, den Blick nach Vorne, für das Nicht-Stehenbleiben.

 

IMG_6065juzt

 

 

 

IMG_6058njuzt

 

Meine Vision, meine Ziele wandeln sich – mit jeder Erfahrung. Ich habe mich im letzten Jahr von der Starre strikter Ziele gelöst.

 

IMG_6465jkuz

 

Die Offenheit für die Zukunft ist sehr wichtig.

 

IMG_6082mjuz

 

Begegnung in Achtsamkeit und Aufmerksamkeit bedeutet Wachstum und damit auch Verstehen.

 

IMG_5808iuzt

 

IMG_5618jhuz

 

IMG_5546nhzt

 

Die Löwen hier an der Tür stehen für Leidenschaft und Mut. Je mehr wir darauf zugehen, umso mehr nähern wir uns der vergessenen Kraft unserer vielen Persönlichkeitsanteile.

 

IMG_0395kiuz

 

Schreiben und Lesen sind immer auch Prozesse des Loslassens und des Neu-Orientierens, Findens. Jedes Buch ist ein Impuls dazu, ein wesentlicher.

 

IMG_8488zutr

 

Simone Rapp, Shiatsu-Praktikerin, KEM Trainerin _ am Romanschauplatz „Malina“_Wien_

Vielen Dank liebe Simone für Dein großartiges Bemühen in der Vorbereitung in Kostüm, Requisite wie Textzugängen und das beeindruckende Einlassen auf die Romanszenerie und das interessante Gespräch!

 

Station bei Bachmann _ 13.3.2020.

Idee, Regie, alle Fotos_Walter Pobaschnig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Feenstaub“ Cornelia Travnicek. Roman. Neuerscheinung Picus Verlag.

 

„Feenstaub“ Cornelia Travnicek. Roman. Neuerscheinung Picus Verlag.

Der Fluss und die Stadt. Dazwischen der Nebel. Die Brücke. Das Unwägbare und Unvermeidbare. Wenn die Schatztruhe da ist, heißt es liefern. Bis er zufrieden ist. Der Krakadzil. Dann wird der Nebel wieder leichter und alles heller. Töne kommen. Es scheint weit zu sein – „In mir wohnt eine wiederkehrende Melodie. Und manchmal würde ich sie gerne singen…“.

Und da ist das Gold der Feen. Der Staub. Die Sehnsucht und die Flucht. Das Niemandsland. Das Laufen. Irgendwohin. Noch weiter in die Kindheit. Oder schon längst aus ihr heraus?…

Begegnungen. Hin und wieder. Die Nixe. Dann das Mädchen Marja. Ein wenig miteinander. Lachen. Gehen. Hin und zurück. Wer weiß das schon…

Doch wohin werden jetzt Wege und Wunder führen? Fort von hier oder tiefer hinein? In Fluss, Nebel und dunkler Geheimnisse Ziel…

 

Die vielfach ausgezeichnete österreichische Schriftstellerin Cornelia Travnicek legt mit „Feenstaub“ einen Roman vor, der in Sprache und Handlungsfolge selbstbewusst experimentiert und Leserin und Leser zu einer poetischen Reise einlädt, die voller Überraschungen und Spannung ist.

Es ist ein ganz außergewöhnliches Stück moderner Literatur, welches die Autorin hier öffnet. Leserin und Leserin werden zu einem assoziativen Dialog mit dem Text eingeladen. Die Sprache wird zum Transferimpuls, die zu Gedankenräumen einlädt und so wechselseitig Text und Phantasie betreten lässt. Ein ganz besonderer literarischer Kunstgriff.

„Feenstaub“, das ist ein wunderbarer Roman mit Abenteuern in alle Richtungen – Sprache, Phantasie und Sinn.

 

Walter Pobaschnig 3_20

https://literaturoutdoors.com/

Foto_Walter Pobaschnig 2_20.

„Ich bin neugierig auf Geschichten“ Sophie Mashraki, Regie, Künstlerin. Station bei Bachmann_Malina _ 10.3.2020

IMG_3266mkuzt

 

Jeder Ort hat eine Geschichte, eine Story. Hat Qualität und Besonderheiten. 

 

IMG_1687iu87zt

 

Orte laden zu Aufmerksamkeit ein. Den Menschen und die Kunst.

 

IMG_2567nhzt

 

 

Ein Ort entwickelt sich auch im künstlerischen Prozess. Menschen kommen hinzu und es entsteht eine Dynamik, ein Ereignis. Es ist sehr spannend dies vorzubereiten und aufzunehmen.

 

IMG_1462nhzt - Kopie

 

Wenn ich als Regisseurin Geschichten erzähle, möchte ich Menschen in meine Welt einladen. Für das Publikum ist es eine neue, andere Welt. Diese Begegnung ist ganz wichtig. Für beide Seiten. 

 

IMG_1959oiui87

 

Ich frage mich derzeit wie und was kann ich erzählen? Was kann ich aufnehmen und zurückgeben? Welche Form wird sich dafür finden? Das experimentelle Schreiben bei Ingeborg Bachmann in „Malina“ ist dabei auch eine interessante Inspiration. 

 

IMG_2428iuzt

 

Ich suche derzeit einen Ort in Wien für meine Pläne, Projekte. Das ist herausfordernd und spannend. Es gibt viele Orte, die gleichsam auf die Kunst warten.

 

IMG_3125iu876

 

Ich bin Regisseurin. Es ist eine große Liebe für Geschichten und deren Inszenierung. Ich liebe auch die Wahrnehmung der Reaktion des Publikums. Und ich bin auch neugierig auf ihre Geschichten. Es geht da um den Transformationsprozess.

 

IMG_1347oiu87

 

Die Gemeinschaft der KünstlerInnen ist etwas besonders. Da ist eine große Unterstützung und auch so viele persönliche Geschichten, die inspirieren und motivieren.

 

IMG_1923987loi987

 

Der Ort hier, der Romanschauplatz von „Malina“, hat etwas Schweres und auch Verstecktes. Da ist vielleicht so etwas wie ein Geheimnis eines Rückzuges. Aber auch ein Lächeln, eine Leichtigkeit. Das spiegelt sich ja auch im Text und der Persönlichkeit Ingeborg Bachmanns.

 

IMG_2949iuzt

 

Ich bewundere wie Ingeborg Bachmann ihre künstlerische Richtung, die Form, auch selbstbewusst veränderte. Sie war da sehr entwicklungsorientiert und auch persönlich mutig.

 

IMG_2211mkuiuz

 

Ingeborg Bachmann ging ihren Weg als Künstlerin und als Frau. Sie hat ihre Kunst geatmet.

 

IMG_1466uztr

 

Ich liebe Wien. Das Klassische und das Punkige in dieser Stadt. Den Reichtum der Kunstszene.

 

IMG_2244kjuz

 

Sophie Mashraki , Regie/Produktion, Künstlerin _ Fotos am Romanschauplatz „Malina“_Wien_Station bei Bachmann _ 10.3.2020.

Vielen Dank liebe Sophie für Dein großartiges Bemühen in der Vorbereitung in Kostüm, Requisite wie Textzugängen und das beeindruckende Umsetzen der Romanszenerie und das interessante Gespräch!

 

Station bei Bachmann _ 10.3.2020.

Idee, Regie, alle Fotos_Walter Pobaschnig

„Theater ist ein Spiel aus dem Herzen ohne Urteil“ Miriam Strasser, Schauspielerin_Szenische Darstellung_Malina_Wien

 

IMG_2259aa

 

Schon mit zwei Jahren wollte ich auf der Bühne stehen. Meine Mutter musste immer den großen Koffer bringen und ich stellte mich drauf und spielte. Das war meine erste Bühne.

 

IMG_2216gfn

 

Nach der Matura habe ich Biologie studiert und wurde nach dem Bachelor eingeladen auf der Uni Wien mitzuarbeiten. Es gab für mich auch ein Angebot für ein Stipendium zum Masterstudium einer Universität aus den USA. Ein Professor hat mich dazu eingeladen. Der Weg in die Wissenschaft war auch lange ein für mich interessanter. Ich habe aber zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, dass mein Weg ein anderer sein sollte. So lehnte ich die Angebote der Universitäten dankend ab und ging nach Spanien, um eine Schauspielausbildung zu machen. Ich habe damals konsequent angefangen, dies zu machen was ich immer machen wollte. Was ich schon mit zwei Jahren wusste. So ist es bis zum heutigen Tag.

Manchmal gibt es eine Wehmut, dass ich nicht schon früher in Richtung der Kunst gegangen bin. Aber ich misse auch die Jahre des Studiums nicht, weil ich da sehr viel lernen und erfahren durfte.

 

IMG_2339a

 

Ingeborg Bachmanns Texte sind mir erstmals in der Schule begegnet. Es ist ein großer Name der österreichischen Literatur. Immer wieder hörte und höre ich von ihr. Ich habe großen Respekt vor ihr als Autorin. Ihre Themen finde ich sehr wichtig.

Das „Verschwinden“, das ich hier im Lebensraum Ingeborg Bachmanns in Wien darstelle, hat eine starke Symbolik aber auch immer wieder neue ganz reale aktuelle Bezüge, wenn es darum geht in einer Gesellschaft gesehen, gehört, wahrgenommen zu werden. Bachmann schreibt davon – von der Angst und Unsicherheit aber auch von Mut und Vision.

 

Szenische Darstellung „Verschwinden“ – Stadtpark Wien.

 

IMG_3835a

 

 

IMG_3514m

 

Ein Ort kann inspirierend sein aber dieser ist eigentlich nur eine Art Kulisse für Menschen, Begegnungen, Handlungen – also das was um Orte herum passiert, das ist mir sehr wichtig.

 

 

IMG_3496am

 

Ein schöner Ort gewinnt seine Bedeutung, seine schöne Form durch Menschen und Ihre Wege, ihre Träume, Ideen.  Ein Ort kann aber auch sehr angstvoll besetzt sein – durch Erfahrungen, Ereignisse.

 

IMG_3611k

 

 

 

IMG_3634n

 

Es ist eine Wehmut in den Texten Bachmanns zu spüren und ich verstehe woher das kommt. Es ist ein wichtiger Generationenweg, den Bachmann da gegangen ist.

 

IMG_3651n

 

In der Kunst ist es mir sehr wichtig innere Prozesse darzustellen, in abstrakter Form zu erzählen. Ich schätze sehr das Groteske, also das was wir nicht gerne zeigen, nicht gerne fühlen, verdrängen – dies sichtbar zu machen, ist sehr spannend und ganz wichtig. Um auch dahinzukommen, dass wir an unseren Schatten, Dämonen arbeiten, diese öffnen und damit diese vielleicht auch verschwinden zu lassen. Das ist ja auch der Weg des Schreibens bei Ingeborg Bachmann.

 

IMG_3771uzt

 

Clownerie schätzte ich sehr. Die Absurdität des Seins, das absurde Spiel, welches ja eine große Offenheit erfordert. Auf der Bühne und im Publikum. Das ist mir sehr wichtig, diese verletzlichen, zerbrechlichen Seiten des Menschseins zu zeigen. Gerade in einer Gesellschaft, die dies verdrängt.

 

IMG_3682

 

Theater ist ein Spiel aus dem Herzen ohne zu verurteilen. Zu beurteilen. Das ist eine große Schönheit und Stärke.

 

IMG_3672a

 

Der Überlebenswille im Kampf zwischen den Welten – davon spricht der Roman Malina. Es sind Fragen, die da geöffnet werden: Wie kann ich trotz allem einen Weg der Existenz finden? Wie findet der Mensch, ein Mensch seinen Lebensraum und behauptet diesen? Wo ist die Nische für mich, wie die einer Blume, die in der Stadt aus dem Asphalt ihren Weg zum Licht sucht und findet?

 

IMG_3671a

 

Realität und Surrealität im Roman Malina von Bachmann erinnert mich auch an die japanische Butoh Kunstform. Gerade auch der Blick in die Seele im Ineinander von Raum, Zeit und Existenz.

 

IMG_3744a

 

 

Butoh habe ich in Spanien kennengelernt. Es ist eine sehr transformatorische japanische Kunstform. Es geht dabei etwa im tänzerischen Ausdruck um die pure Existenz, um Leben und Tod. Um Achtsamkeit und Wahrnehmung, um Schönheit und Dunkelheit der Seele und der Zeit. Das Unbewusste ist dabei ganz wichtig. Auch in Wien gibt es ein sehr engagiertes Butoh Theater. Ein wichtiger künstlerischer Weg für mich. 

 

Gefühle sind immer universell und zugänglich.

 

IMG_3864aj

 

Die Themen Bachmanns, etwa Geschlechterrollen und Macht sind immer noch brisante, wichtige Themen. Etwa der Sexismus.

 

IMG_3870a

 

Ich wünsche mir mehr Wertschätzung für die Kunst in unmittelbarer Anerkennung und Ermöglichung. Kunst wird gerne gesehen aber es ist dann oft kein Geld dafür da. Kunst, das ist viel Arbeit und viel Energie, die KünstlerInnen aufbringen. Das ist auch wichtige Seelenarbeit für eine Gesellschaft.

 

IMG_3246ia

 

Kunst ist Seelennahrung jeder Gesellschaft.

 

IMG_2423aan

 

Miriam Strasser in der szenischen Rolle der „Eiskönigin“ und dem „Verschwinden in der Wand“ _ im Roman Malina, Ingeborg Bachmann.

 

Vielen Dank liebe Miriam für Dein großartiges Bemühen in der Vorbereitung in Kostüm, Requisite wie Textzugängen und das beeindruckende Umsetzen der Romanszenerie und das interessante Gespräch!

 

Station bei Bachmann _ Roman Malina _ Miriam Strasser, Schauspielerin _ Wien_Romanschauplatz 11.2.2020

Herzlichen Dank an den Eislaufverein Wien für die freundliche Kooperation!

 

Idee, Regie, Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig 2_20

https://literaturoutdoors.com/

„Kunst muss da sein und etwas bewegen“ Ino Matsou, Schauspielerin _ Station bei Bachmann, Wien_6.3.2020

InkedIMG_0149bhztnhztr_LI

 

Ich liebe die Atmosphäre von Orten. Das gestaltete Leben in Geschichte und Gegenwart, die Architektur und die Bewegungen des Lebens darin, herum. Es ist eine Ansprache, die mich fasziniert.

 

IMG_0186iuz

 

Grundsätzlich bin ich eher ein Stadtmensch. Städte bedeuten mir sehr viel. Ich brauche Menschen und das Überraschende. Die Dynamik und das Entdecken im um die Ecke biegen, sehen.

 

IMG_0220bgt78bgz

 

Ich bin 2009 nach Wien gekommen. Dieser neue Lebensraum war nicht Liebe auf den ersten Blick. Aber es ist in den Jahren für mich eine faszinierende Stadt in Stil, Geschichte und Moderne und eine tiefe, starke Liebe geworden.

 

IMG_0091bhzt76

 

Als Schauspielerin in einer neuen Stadt gibt es Träume und Erwartungen. Natürlich auch die Realitäten. Ich kann mich durchaus einfühlen in das Ankommen von Ingeborg Bachmann in Wien. Ihr Weg und Wille sich künstlerisch auszudrücken, auch unter schwierigen Voraussetzungen, das ist auch mein Wunsch, mein Anspruch.

 

IMG_0057nhzt09

 

Als ich nach Wien kam, habe ich meine Master Ausbildung in Zahnmedizin abgeschlossen und wurde auch eingeladen an der Universitätsklinik Wien tätig zu sein. Dann kam meine Tochter auf die Welt. Und als ich in Griechenland dann in einem Theater saß, dachte ich über meine Ziele, mein Leben nach und wusste – ich will auf die Bühne. Das tat ich dann auch und bin bis heute glücklich mit diesem Weg.

 

IMG_8804bgtr

 

Ein griechisch-österreichisches Theaterensemble ermöglichte mir dann den Weg auf die Bühne in Wien. Ich bin jetzt seit vielen Jahren Ensemblemitglied. 

Ich habe die Bühnenreifeprüfung in Wien absolviert. Das war natürlich eine große Freude und Motivation. Jetzt bin ich eine diplomierte Schauspielerin und gespannt auf die kommenden Möglichkeiten und Herausforderungen.

 

IMG_7615bgt

 

Aktuell probe ich für das Stück „Die strahlende Blume“ im Theater Arche, Wien. Es ist ein mythologischer Stoff. Es geht auch um Verliebtsein, das erste Verliebtsein. Das ist ganz wunderbar.

Ich spiele hier in Wien in verschiedenen Sprachen – Deutsch, Englisch, Griechisch. Ich liebe das.

 

IMG_7631nbz78

 

Musik war mir schon in der Kindheit wichtig. Da habe ich mit der Bürste in der Hand gesungen. Allerdings war ich da noch etwas schüchtern und habe das Rampenlicht einer Bühne gemieden. Später änderte sich das und ich war als Sängerin teil einer Band. Elektronische Popmusik – diese Live Gigs waren eine interessante Erfahrung.

 Besonders auch der Tanz ist eine große Leidenschaft von mir.

 

IMG_7652bgtr

 

Mein Weg zum Theater war verschlungen. Ich bin ausgebildete Zahnmedizinerin. Gemeinsam mit einer Freundin entschieden wir uns dann für eine Schauspielausbildung. Das hat auch meine Persönlichkeit sehr bereichert. Ich habe dann immer wieder in einem Ensemble gespielt. Mein Beruf war aber Zahnärztin. Ich war eine theaterspielende Zahnärztin. Das war super. Einerseits Geld und anderseits Bewunderung und Applaus.

 Ich habe mich schon in meinem Beruf als Zahnärztin sehr für die Menschen, die zu mir kamen, interessiert. Meine PatientInnen schätzten diese Aufmerksamkeit. Da ist auch viel Psychologie in diesem Beruf und natürlich auch eine Präsenz, die an Theater und Bühne erinnert.

 

IMG_7480ztr

 

Mein Beruf als Schauspielerin ist für mich auch ein persönlicher Rollenwechsel. Ich musste da erst neu zu mir selbst finden. Mich mit inneren Fragen, Konflikten auseinandersetzen und mich einer offenen Wahrnehmung stellen.

 Es ist als Schauspielerin in Wien nicht einfach. Die Möglichkeiten sind nicht so groß. Aber ich liebe diesen Beruf und mache es mit Leidenschaft.

 

IMG_8023bgt

 

In der Wissenschaft braucht es Beweise. Theater, Kunst kommt vom Herzen. Es geht um das Spüren und den Ausdruck. Um Emotionen.

 

IMG_7968zt654zt65

 

Momentan ist es eine schwierige Phase für das Theater was Produktionsprojekte und Rollenangebote betrifft. Das ist weltweit so. Interessanterweise blüht in Griechenland das Theater derzeit. Es ist für Menschen in Krisensituationen sehr wichtig. Es gibt tolle Produktionen in Athen und vielen Städten.

 

IMG_7427bgtbg98

 

 

Kunst findet und öffnet in Krisen Chancen. Das ist ganz wesentlich für jede Gesellschaft.

 

IMG_7415bgtr

 

Die Europäische Union ist ganz wichtig. Für die Idee vom Menschen an sich, für die Werte, die wir haben. Etwa Solidarität. Leider sehe ich das derzeit nicht.

 

IMG_7374bgtr

 

Menschen können sich nicht selbst lieben. Damit beginnen das Leiden und auch der Hass in einer Gesellschaft. Der Weg, die Sicht zu anderen Menschen sind versperrt.

 

IMG_7371

 

Kunst ist ein Spiegel der Gesellschaft in ihrer Schönheit und den Dunkelheiten. 

 

IMG_7364tre4

 

Für mich ist das Leben eine Reise. Darin liegt der Sinn. Erfahrung und Entwicklung. Nicht Stehenzubleiben.

Im Moment zu sein. Das ist im Theater wie im Leben sehr wichtig. Da-Zu-Sein, erleben. Die Folge von Momenten annehmen, annehmen können.

 

IMG_8039bgtr

 

Der Mensch sucht den Ausdruck. Kunst beginnt da. Auf allen Lebens- und Gesellschaftsebenen.

 

IMG_8586bgtr

 

Es gibt als Frau in der Gesellschaft den Druck schön zu sein. Es gibt ganz viele unterschiedliche Vorgaben. Du bist zu groß, zu dick, zu sexy, zu fad. Ich sage – wurscht. Es hat wurscht zu sein.

 Ich bin eine glückliche Frau.

 

IMG_9548bgtr

 

Als Frau müssen wir immer an alle Frauen in der Welt denken. Es hat sich vieles verbessert aber es ist ein Kampf und wir müssen weitermachen. Wir haben viel erreicht aber es ist nicht alles.

 

IMG_8825bgtr

 

 

 

In der Kunst lernst Du ständig. Du bist nie ohne ein Buch. Und es hört nie auf. Du lernst und lernst und lernst. Das ist toll.

 

 

IMG_9598bzt

 

Orte sind mir wichtig. Das Sommerhaus der Kindheit am Meer in Griechenland hat eine ganz besondere Bedeutung. Ich bin auch in Gedanken oft dort. Es ist ein großes Gefühl von Geborgenheit. Damals wie heute.

Das Meer, die Sonne, der leichte Wind – da ist so viel Ruhe. Auch in meiner Arbeit als Schauspielerin ist dieser Ort in Entspannung oft bei mir. Es ist Schönheit, die Raum gibt und Räume öffnet. Ganz real und im Kopf. Ich reise immer wieder in der Phantasie dorthin.

 

 

IMG_8508bgtr

 

Ingeborg Bachmann war eine mutige Feministin. Im Schreiben wie im Lebensstil.

 

IMG_0698bhztnbhz

 

Ingeborg Bachmann, damit verbinde ich auch wesentlich Selbstbewusstsein. Weitermachen gegenüber und in Schwierigkeiten.

Da war auch viel Schmerz im Leben dieser beeindruckenden Schriftstellerin. Sie versuchte damit umzugehen. Stellte sich diesem Schmerz mit allem was ihr möglich war. Die Kunst hat da auch eine Kraft der Verwandlung.

 

IMG_0840uztnbztr

 

Das Theater ist im Prozess der Veränderung. Es kommt etwas Neues, es ist zu spüren. Es bewegt sich sehr viel in den Möglichkeiten von Theater, Film, Video, Fernsehen und ich bin sehr neugierig was kommt.

 

IMG_0407bgzt

 

 

Die Herausforderungen moderner Kommunikation und Unterhaltung für die Bühne können auch ein push, ein Anstoß für das Theater sein. Theater muss gewinnen. Immer.

 

IMG_9423nhz

 

Künstler sind Kinder im Körper von Erwachsenen. Eine Gesellschaft braucht diese Phantasie um sich Herausforderungen zu stellen und Neues entwickeln zu können.

 

IMG_9429bgtr

 

Das künstlerische Reisen im Theater, der Kunst zu Epochen und Menschen ist faszinierend. Es ist ein Traum, diese Möglichkeit zu bekommen. 

 

IMG_9394bgtr

 

Für mich ist die Sprache ein ganz wesentlicher Zugang zu einem Bühnenstück. Das eigene Anderssein trifft sich mit dem der Sprache. Sprache ist ein Zauber.

Die deutsche Sprache ist eine große Inspiration. Sie lehrt auch Genauigkeit, eine gewisse Langsamkeit. Ich spreche selbst Griechisch, Deutsch, Englisch und Französisch, Slowakisch.

 

IMG_0268bgzt

 

Ohne Kunst wäre das Leben so fad.

 

IMG_0807bgtr

 

Vielen Dank liebe Ino Matsou für das Interview und Dein wunderbares szenisches Spiel bei Ingeborg Bachmann – viel Freude und Erfolg für alle Projekte und Träume!

Station bei Bachmann _ Ino Matsou, Schauspielerin, 6.3.2020, Wien. 

 

IMG_9388tre

 

Interview, szenische Regie und alle Fotos_Walter Pobaschnig _ 6.3.2020.

https://literaturoutdoors.com/