
Dieses unruhige Ich. Ingeborg Bachmann. Eine Biographie. Burdorf, Dieter. Beck Verlag.
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.
Ingeborg Bachmann die Schreibende. Einzigartige Schriftstellerin wie kulturelle Netzwerkerin, immer mutig, solidarisch und freundschaftlich Wege der Kollegen:innen begleitend, unterstützend. Das Wort, die Kunst – Zeit und Gesellschaft, Mensch und Welt entgegenstellen. Gemeinsam. Und das schonungslos kritisch mit dem besonderen Schuss Augenzwinkern der Übertreibung, einer Sprachmelodie, die keine Marschmusik ist und nicht sein will, sondern vielmehr Augenzwinkern und Sehnsucht im Stilmittel der Überzeichnung, die Emotion aus der Intelligenz, die be- und überschreibt, um den Schrecken der Welt beizukommen und zu überleben. Weiter zu gehen – im Wort und in der Liebe – „Ein Schriftsteller kann überhaupt nicht intelligent genug sein…Aber wer nicht emotiv ist, und ich bin eine Slawin, von beiden Seiten der Eltern her… der kann vielleicht auch kein Schriftsteller sein…“ (Gerda Haller, Gespräche in Rom; zitiert in „Dieses unruhige Ich“)

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 12/21, folgende
Ingeborg Bachmann die Liebende, Gebende, Fordernde, Scheiternde. Namen, Stationen, Aufbrüche, Erinnerungen – „Ist kein Schnaps da?“ (an Max Frisch, zitiert im Buch). Vieles bricht ab, manches rundet sich. Was bleibt ist der offene Himmel, das Weitergehen, Weiterlieben. Leben, Mensch, Zeit.


Ingeborg Bachmann. Werk und Leben. Eine Fülle. Ein Füllhorn – bereit dafür? Es lohnt in jedem Fall.
Dieter Burdorf, Professor für Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie an der Universität Leipzig, stellt sich in großer Expertise, Präzession und sehr beeindruckender Zusammenschau von Werk, Lebenszeugnissen, Briefen, Gesprächen, Gesellschaft und Kultur diesem „Füllhorn“ eines Literaturlebens und legt eine sensationelle Biographie vor, die in der Bachmannforschung neue Maßstäbe setzt.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 8/23, folgende

In zwölf Kapitel wird der Lebens- und Werkbogen in Originalzitaten Bachmanns wie vieler Bezugspersonen, Familie, Freunden, Kollegen:innen wie auch ganz besonderen Fotos geöffnet und Leserin und Leser werden Schritt für Schritt mit Voraussetzungen, Initiativen, Erfahrungen, Begegnungen, Ereignissen des Kosmos Ingeborg Bachmann vertraut gemacht und brechen dann zu eigenen weiteren Zugängen in persönlichen Erfahrungen auf. Im Weiter- und Neulesen des Werkes.
Die vorliegende Biographie hat viele Stärken, wobei vor allem der konsequente Weg des Faktischen, des Überlieferten – das ja so reich und umfassend ist – aufwendig und lohnend begangen wird und das ebenso reiche spekulative Spektrum gemieden wird. Das ist bei Bachmann außergewöhnlich und umso mehr anzuerkennen.

Eine weitere Stärke ist die gute Struktur der Kapitel, die sowohl chronologisch wie thematisch gut gewählt, spannend und stimmig sind. Eine Bachmann-Reiseroute mit Ein-. und Aussichten, die überraschen und eigene Sichtweisen bestens überprüfen.
Und nicht zuletzt ist die Fähigkeit des Autors zu begeistern, zu nennen. Da ist flüssiges Erzählen im sehr guten Zitatkontext, Neugierde, die Seite um Seite motiviert und das alles im besten wissenschaftlichen Rahmen. Dazu ist sehr zu gratulieren.
„Eine Bachmann Biographie als Meisterstück von Expertise, Spannung und Geheimnis!“

Dieses unruhige Ich. Ingeborg Bachmann. Eine Biographie. Burdorf, Dieter. Beck Verlag.
Hardcover, 764 S., mit 32 Abbildungen
ISBN 978-3-406-84484-3
Erscheinungsdatum _ 18. Mai 2026
38,00 €
Walter Pobaschnig 5/26