„Freundlich bleiben, zueinander, zu sich selbst und den Blick auf die existentielle Hilfe für Menschen hier und dort nicht vergessen“ Karin Peschka, Schriftstellerin_5 Fragen zur Gegenwart 18.3.2020

 

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Liebe Karin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich versuche, einen zwanglosen Rhythmus zu finden und arbeite vieles auf, was in den letzten Wochen liegengeblieben ist. Das gilt für die Schreibarbeit genauso wie für den Haushalt. Belege ein- und Gewand aussortieren, Posteingang auf- und Kleiderschrank umräumen. So ungefähr. Wir wechseln uns mit dem Kochen ab. Und in den stillen Stunden sitze ich oft am Fenster und schau, was sich draußen abspielt. Dann wird geschrieben.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Freundlich bleiben, zueinander, zu sich selbst. Geduldig sein und wach: Vielen geht es äußerst schlecht. Die sind gestrandet irgendwo, können nicht heim oder haben kein Heim, sind arm oder sehr gefährdet, es zu werden, verlieren ihre Existenz, haben Angst, müssen diese Zeit der Isolierung unter extrem schlechten Voraussetzungen verbringen.

Die darf man nicht aus den Augen verlieren, wir nicht und die politischen Entscheidungsträger/innen erst recht nicht.

 

In Deinem neuen Roman „Putzt euch, tanzt, lacht“ geht es wesentlich um das Thema Aufbruch, Reflexion und auch Entscheidung. Inwieweit ist dies auch jetzt in der aktuellen gesellschaftlichen Situation gefordert?

Solidarität ist sicher jener Aspekt des Romans, der am ehesten auf die aktuelle Situation passt. Oder, schlichter gesagt: zusammenhalten. Das geht auch auf Distanz.

 

Was liest Du derzeit?

Meša Selimović, „Der Derwisch und der Tod“, Otto Müller Verlag

 

Welches Zitat, welche Textstelle aus Deinem neuen Roman möchtest Du uns mitgeben?

Das ist schwer. Ich hab gleich an drei Passagen gedacht, such Dir eine aus. An die erste glaube ich tief und fest. Auf Momente, wie in der zweiten beschrieben, freue ich mich, denn sie kommen bestimmt. Und das dritte Zitat aus dem Roman passt wahrscheinlich doch sehr gut auf unsere Gegenwart.

Kräuter, legale und immer noch nicht legale, bauen wir im Garten an, der, von einem Holzzaun eingefasst, zwischen Hütte und Waldrand liegt, Schatten gibt es dort, Häuplsalat, Zwiebeln, Heidelbeerstauden und ein verdrehtes, halbtotes, nicht produktives Nussbäumchen, das Ernst ausreißen wollte, es aber nicht konnte. Weil? Weil auch das in den Statuten stehen soll: Der Wert des Lebens ermisst sich nicht am Maß der Produktivität eines Menschen. (Somit ist die Walnuss ein Mensch?, fragte ich. Sei still, sagte Ernst.)

Manchmal ist diese Stunde. An Nachmittagen oft, und oft ist es keine Stunde, eher ein Gleiten der Zeit, wenn sich etwas Weiches in die Hitze legt, wenn der Tag diesen langen Sinkflug hin zur Nacht einleitet, so wie er es nur im Sommer tut, an Augusttagen. (Hilf mir, sei lebendig.) Das ist Glück, denke ich, schlüpfe aus Hose und Unterwäsche, ich bin ein Sonnenkollektor, ein Meer wogender Zellentierchen, Bartgeierchen, Silberfischchen, ein Amöbenheer mit flimmernden Beinchen.

Darin: In die Ferienwohnung auf dem Hof, in Barrierefreiheit, und über allem dann natürlich Ernst, der kurz mit der Faust auf den Tisch klopfte und es still wurde und er sagte: „Ihr seid zu schnell. Das Schnelle geht nicht.“

 

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Vielen Dank für das Interview liebe Karin, viel Freude und Erfolg für Deinen großartigen neuen Roman und alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Karin Peschka, Schriftstellerin

Aktuelle Romanneuerscheinung:  Karin Peschka „Putzt euch, tanzt, lacht“ Otto Müller Verlag

https://peschka.at/

 

17.3.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Fotos_Walter Pobaschnig 14.2.2020

 

https://literaturoutdoors.com

 

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