„Die Kultur des Lesens ist im Bad sehr ausgeprägt. Lesen und Schwimmen gehören zusammen“ Sommer am Wörthersee_ 2020

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„Ich bin hier im Strandbad Klagenfurt 24 Jahre als Bademeister tätig. Heuer war es ein sehr ungewohnter Start. Derzeit ist es eine gute Balance von Vorgaben und Eigenverantwortung. Die Öffnungszeiten sind gleichgeblieben. Hinweisschilder, Abstand-Markierungen werden gut angenommen.

 

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Unsere Badegäste sind sehr verständnisvoll und kooperativ. Der mittlere Bereich auf den Brücken muss heuer aufgrund der Distanzregeln frei bleiben. Wir desinfizieren regelmäßig. Der Besuch ist sehr gut, wenngleich doch internationale Gäste nicht so zahlreich wie gewohnt hier sind.“

 

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„Der Andrang hier im Promenadenbad Pörtschach ist an schönen Sonnentagen sehr groß und da muss der Zugang periodisch gesperrt werden. Das war heuer zweimal der Fall. Wir haben ein Nachbargrundstück, das wir öffnen können und wir versuchen dann auch auf andere Freibäder zu verteilen. Es ist ein Kommen und Gehen. Ein Bad ist immer in Bewegung. Das braucht auch Fingerspitzengefühl.

 

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(Bademeister_Harald_Promenadenbad Pörtschach) 

Wir haben keine Vorlagen zur BesucherInnenkapazität. Unsere eigenen Vorgaben sind 1000 Tageskunden und der Rest ist reserviert für Saisonkarten und Wörther See Plus Karten Besitzer. Wir halten den Steg auf einer Seite frei, damit jede/er kontaktlos zum See kommen kann – das und die Sicherheitsregeln funktionieren grundsätzlich sehr gut. Es klappt hervorragend, weil viel Rücksicht aufeinander genommen wird.

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In Durchsagen wird auch immer wieder Eigenverantwortung und Aufmerksamkeit angesprochen. Der Sinn ist, an die Kommunikation zu appellieren und so gleichsam eine gute „Nachbarschaft“ auf der Liegewiese zu fördern.“

 

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„An schönen Tagen wird das Krumpendorfer Parkbad  „gestürmt“, an Regentagen gemieden. Eigentlich wie in jeder Saison. Das Bad ist für 3000 BesucherInnen angelegt. Heuer gibt es eine Selbstbeschränkung auf 2000 Gäste. Wir haben jederzeit einen Überblick. Das Liegen am Steg ist untersagt. Dies und die Sicherheitsregeln funktionieren gut. Wir haben sehr viele Kärntner Gäste. Saisonkarten gibt es heuer etwas weniger.

 

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Die Kultur des Lesens ist im Bad sehr ausgeprägt. Lesen und Schwimmen gehören zusammen.

 

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Unser Bücherkasten ist schon Jahre hier. In den Jahren davor gab es auch ein Bücherboot der Bücherei AK Klagenfurt, das am See gut angenommen wurde. Es gab Warteschlangen an den Anlegestationen.“

 

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Beschliesser Helga, Geschäfstführerin Parkbad Krumpendorf am Wörthersee

 

Herzlichen Dank für die freundliche Kooperation und einen weiterhin so schönen Sommer in den wunderbaren Strandbädern am Wörthersee!

 

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Interviews_Fotos_Walter Pobaschnig  _ Juli/August_2020

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„Ich glaube, wir sind alle zu brav geformt. Beinah wie ein DinA4-Blatt“ Lotta Blau, Lyrikerin, Autorin_ Düsseldorf 15.8.2020.

Liebe Lotta Blau, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das kommt darauf an, was sich mir für Möglichkeiten bieten und das richtet sich natürlich auch nach meinen jeweiligen Arbeitszeiten in meinem Job. Aber ohne Kaffee geht bei mir nichts. Einige Dinge wiederholen sich gewollt…lesen, schreiben, Nachtspaziergänge, die Suche nach Stille, spüren, wie nichtig jenseits der Uhr im Kopf das Alltägliche gegen die Momente der inneren Stimmigkeit ist. Also, wenn ich die Möglichkeit habe ganz für mich abzuschalten und nichts anderes an Nutzen daraus ziehen will. Langsamkeit und Loslassen sind wie eine Berufung des eigentlichen Lebens.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Jetzt kommt es darauf an sich stark für einen gerechten gesellschaftlichen und staatlichen Umbruch zu machen. Die Stimme zu erheben, Impulse zu geben und auch NEIN zu sagen zu Ausgrenzung Einzelner oder zum Beispiel auch Minderheiten, weiterer Spaltung, Diskriminierung, Antisemitismus oder unverhältnismäßiger Eingrenzung der Rechte und Freiheiten.  Wichtig ist jetzt sich auf Gemeinsamkeiten und schon hinterlegte langatmige Erfolge in der Vergangenheit zu besinnen, wie zum Beispiel die Arbeitsschutzgesetze, die Tierrechte oder ein einst offenes und gediegenes Europa. Leider zeichnet sich immer mehr das Gegenteil ab und ich habe immer mehr das Gefühl, als würde an einer Zeitkurbel zurück gedreht.Ich hätte mir mehr kritische Stimmen gewünscht. Wir brauchen in einem demokratischen Staat eine Widerspruchskultur.Besonders, wenn die Demokratie infiziert ist. Der Blick von Sinn und Unsinn ist wichtig und das Differenzieren.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Poesie, der Kunst an sich zu?

Wesentlich ist jetzt, dass wir, die eigentlich auf einem gemeinsamen Weg  waren, diesen nicht verlassen oder andere zurückweisen, sondern ihn weiter gehen und dabei selbstverständlich immer auch wieder überdenken und nachbessern. Starre Systeme bringen ebensolche negativen Konsequenzen hervor. Das gab es alles schon. Besser wäre das Zugeständnis einer individuellen Entwicklung, als auch eine in der Gemeinschaft. Ich glaube, wir sind alle zu brav geformt. Beinah wie ein DinA4-Blatt. Passend für die Ablage oder Schublade. Das ist auch sichtbar am neuen, alten Wunsch vieler nach einer „starken Hand“ oder gar und leider nach einem „neuen Führer“. Die Gründe dafür sind vielfältig, neben dem  Überdauern der nationalsozialistischen Gesinnung wegen einer kaum aufgearbeiteten Vergangenheit, ist einer davon sicherlich, dass die Menschen die politische Lügerei und Täuschung satt haben. Und wir müssen wieder lernen andere Meinungen, die im Rahmen eines demokratischen Verständnisses liegen, auszuhalten. Das ist Toleranz, die jedoch dann aufhören sollte, wenn dieser Rahmen gesprengt wurde. Auch das Thema Covid gehört dazu, zu dem sich die Menschen zu recht Gedanken und Sorgen machen. Eigentlich ein ganz natürlicher Prozess und berechtigt, denn es betrifft uns alle. Ich würde sagen: Es muss sogar bei unserer geschichtlichen Vergangenheit hinterfragt werden dürfen. Wir müssen wachsam sein…auch gegen den Missbrauch für parteipolitische oder angestrebte totalitäre Gesinnungs- Zwecke.

Die Kunst in welcher Form auch immer, ist eigentlich jedermanns tägliches Brot, denn wie sagte Beuys schon: Jeder ist ein Künstler. So ist es…und jeder ist Philosoph, jeder ist Politiker, denn jeder ist täglicher Reformer seines und der anderen Leben, indem was er sagt, tut oder eben das Gegenteil…auch das ist Tun, das Nichtstun. Jeder handelt politisch schon indem er sich morgens entscheiden muss, was am jeweiligen Tag relevant sein wird. Er muss wählen…und das hat Auswirkungen auf sein eigenes, wie auch auf andere Leben. JETZT ist es entscheidend, wie jeder seinen Pinselstrich auf das Gesamtbild der Zukunft setzt! Das ist unser Gemeinschaftsprojekt…oder sollte es sein.

Die Literatur ist ein Motor und damit gerade würdig sie zu pflegen. Sie muss gerade heute aufmüpfig, aufzeigend und ermahnend sein. Natürlich muss Kunst und Kultur nicht nur „weh“ tun…sie darf auch geformt und weich sein, sich entziehend, melancholisch oder brachial…wie auch immer. Aber jene, die diese Möglichkeiten haben und schreiben, die sollten alle derzeitigen Worthülsen dokumentieren und auffangen, sowie mit Ehrlichkeit und Wahrhaften füllen. Uns allen fehlt, glaube ich, momentan Hoffnung und eine gewisse Widerspenstigkeit unseres Gewissens. Das momentan wohl bisschen schwächelt. Sprich: Wir nehmen zu viel einfach hin.

Was liest Du derzeit?

Momentan die Literatur von Ferdinand von Schirach, immer wieder mal Borchert, Celan, Gedichte von Bachmann oder Tucholsky, Kästner, letztens mal wieder Das siebte Kreuz oder auch wirtschaftliche und geschichtliche Bücher. So etwa JAHRHUNDERTZEUGEN, Gegen den Hass oder Rainer Mausfeld. Und andere. Ich habe immer mehrere Bücher, in denen ich aktuell lese. Das richtet sich auch oft nach den Gesprächen oder Erlebnissen, die ich habe. Da liest man dann auch schon mal nach und es entstehen Verknüpfungen zu den unterschiedlichsten Themen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Textimpuls: Glauben wir an das, was noch nicht ist, damit es werden kann. Das stammt von mir selbst.

Vielen Dank für das Interview liebe Lotta, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Film-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 5 Fragen an KünstlerInnen:

Lotta Blau, Lyrikerin, Autorin

17.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

„Lyriker leben immer noch gefühlt von Licht und Liebe“ Elizaveta Kuryanovich_Lyrikerin, Autorin _Frankfurt/Main 14.8.2020

Liebe Elizaveta, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hat sich durch die Pandemie nicht verändert. Nur, ich arbeite nun von zuhause, statt ins Büro zu fahren, und meine zwei Russisch Golden Katzen sind heilfroh, mich so oft zu Gesicht zu bekommen. Ich koche auch überwiegend selbst, also lebe viel
harmonischer als früher. Dadurch, dass die Fahrzeiten entfallen, habe ich mehr Zeit für mich und meine Hobbys, wie im Wald spazieren gehen, Wind und Wasser erfahren (Fahrrad fahren und schwimmen). Das nährt natürlich ungeheuer: alles in einem, eine fruchtbare Zeit für Lyrik und neue Projekte.

Elizaveta Kuryanovich _ Daria Murashko

 
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Entschleunigung ist das Wort, das mir gleich dazu einfällt. Verlangsamung, weg vom Veloziferischen (nach Goethe), auf dem Weg zu sich selbst sein. Den Sinn hinter einer 5-tägigen Arbeitswoche verstehe ich in unserer Zeit nicht mehr: Das ist ein Atavismus aus der Epoche der Industrialisierung. Ich glaube, in Finnland überlegt man, auf eine 4-tägige Arbeitswoche umzusteigen. Natürlich schreibe ich Gedichte ohne Wochenende und Urlaub. Dennoch sind wir insgesamt  zu getrieben durch die Wirtschaft. So sind viele Dichter schlecht bezahlte Workaholiker. Ein weiterer Traum: das bedingungslose Grundeinkommen, ganz im Sinne von Oscar Wilde („The Soul of Man Under Socialism“).

 

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Künstler sind sensible Visionäre, die etwas, was die Gesellschaft erst spürt, zum Ausdruck bringen und somit für eine Handlung als Anfangsidee fertigstellen. Lyrik ist
eine ganz besondere Gattung, eine höchst intellektuelle Praxis, die beinah außerhalb des Wirtschaftskreises funktioniert. Sogar Yoga hat es geschafft, sich daran anzuschließen, zu vermarkten, zu monetisieren. Lyriker leben immer noch gefühlt von Licht und Liebe. Rilke konnte sich seine eigenen Bücher nicht leisten. Heute, 100 Jahre später, hat sich nicht viel daran geändert.

 

Elizaveta Kuryanovich

 

Was liest Du derzeit?

Intensiv: Silke Scheuermann. Für mich eine der ungewöhnlichsten Stimmen in der deutschen Lyrik: mystisch, märchenhaft, magisch. Alte Liebe: Sascha Tscherni, ein russischer Dichter, der kaum ins Deutsche  übersetzt war. Ich wage es zu versuchen. Immer wieder: Ilma Rakusa. Ihre Mehrsprachigkeit fasziniert mich.

 

 
Welchen Impuls aus Theaterprojekten möchtest Du uns
mitgeben?

Ich liebe das Theater Willy Praml in Frankfurt: Dort gelingen hervorragende lyrische Inszenierungen, mit viel Feingefühl und ausgesprochener Detailliertheit. Ich liebäugle gerade mit einer Idee, die ich mir in diesem Theater gut vorstellen kann. Weiterhin schwebt mir vor: Balanchines „Edelsteine“ in Sankt Petersburg, mit Musik von Fauré, Strawinsky und Tschaikowski.

 

 

Vielen Dank für das Interview liebe Elizaveta, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur- und Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen

Elizaveta Kuryanovich, Lyrikerin, Autorin

https://www.elizaveta-kuryanovich.de/

Fotos_Daria Murashko und Elizaveta Kuryanovich

 

 

16.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gegenwart lässt sich nur retrospektiv erzählen“ Demian Lienhard, Schriftsteller_Zürich 13.8.2020

Lieber Demian, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Grunde sieht mein Tagesablauf noch immer aus, wie er schon seit geraumer Zeit aussieht: Ich stehe auf, dusche und frühstücke, trinke einen zweiten Kaffee, kontrolliere meinen Posteingang, um zu überblicken, was am Abend noch auf mich zukommt (in der Regel beantworte ich die Nachrichten erst dann), lege mich erneut ins Bett, um mich einzulesen, meistens eine, anderthalb Stunden, in zwei, manchmal drei Büchern, damit schon einmal Sprache geflossen ist durch meine Gehirnwindungen, die Leitungen wieder frisch sind, die Gedanken klar. Dann, weil Hunger mein größter Feind – sozusagen mein Angstgegner – ist, esse ich noch etwas, um dann um die Mittagszeit mit dem Schreiben anzufangen. Später als 14 Uhr sollte es nicht werden, Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich schreibe meistens bis halb sieben, sieben, nur in seltenen Fällen wird es acht oder später, bei spontanen Impetus oder Einfällen außerhalb der Routine. Dann esse ich zu Abend oder gehe spazieren, oder umgekehrt. Dann führe ich Korrespondenz, schließlich  lese ich, mache Notizen, gegen zwei Uhr lösche ich das Licht.

 

Demian Lienhard _Laura J-Gerlach

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir die Nerven nicht verlieren, dass wir besonnen vorwärts schauen, Maßnahmen treffen, die unser physisches ebenso wie unser wirtschaftliches Überleben möglichst sichern. Ich bin überzeugt, dass unsere Gesellschaft damit fertig werden wird.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Der Literatur ist schon immer die Rolle zugekommen, der Gesellschaft, ihren Entwicklungen, Tendenzen und vor allen Dingen den Akteuren genau auf die Finger zu schauen – allerdings funktioniert das nur retrospektiv. So wie sich die derzeitigen Entwicklungen und ihre Folgen kaum abschätzen lassen, lässt sich auch Gegenwart nicht erzählen (trotz oder entgegen den paradoxen Versuchen des sog. präsentischen Erzählens). Gut möglich also, dass der Corona-Roman erst in fünf bis zehn Jahren erscheinen wird, und nicht, wie wir alle witzeln, zur nächsten Leipziger Buchmesse (wobei sich natürlich die Frage stellt, wann die nächste Leipziger Buchmesse stattfindet).

 

 

Was liest Du derzeit?

Thomas Pynchon, Vineland, bei dem ich im Schnitt zweimal pro Seite lache; Jeremias Gotthelf, Die Schwarze Spinne, das in einer derart urtümlich-archaischen Sprache daherkommt, dass ich staunend zurückbleibe, und Julian Barnes, Die Geschichte der Welt in 10 ½ Kapiteln – bereits das erste Kapitel (die Geschichte der Arche Noah aus der Sicht eines Holzwurms) zeugt sprachlich und erzählerisch vom großen Können des Engländers.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Die sogenannte Schönheit gleicht einem faulen Zahn. Man bleibt so oft mit dem Zahn daran hängen, und sie wird wund. Er macht sich ständig bemerkbar, bis der Schmerz unerträglich wird, dass man ihn ziehen lässt. Und wenn man das blutige, schmutzig braune kleine Etwas dann auf der Handfläche sieht, fragt man sich, wie ein Stückchen Materie so viel Schmerz bereiten und so viel Aufmerksamkeit verlangen kann.“

Yukio Mishima, der Goldene Pavillon

 

Vielen Dank für das Interview lieber Demian, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen

Demian Lienhard, Schriftsteller

https://www.fva.de/Rightslist/Ich-bin-die-vor-der-mich-meine-Mutter-gewarnt-hat.html

Foto: Laura J.Gerlach

 

16.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Kunst ist dabei sich neu zu denken, neu zu gestalten“ Yvonne Schneider_Tänzerin, Choreografin _ Wien 12.8.2020

Liebe Yvonne, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich gehe morgens zur Arbeit wie gewohnt und dennoch hat sich die Qualität verändert, ich bin viel ruhiger und gehe die Dinge entspannter an.

Veranstaltungen für die Zukunft zu planen ist immer noch sehr schwierig. Dinge für die ich davor viel zu sehr gestresst war, haben sich jetzt in meinem Tagesablauf integriert wie das tägliche Training oder bewusst mit Genuss und Zeit zu essen.  Viele Menschen erlebe ich gereizt oder verängstigt, manche sind sehr fröhlich und dankbar wieder etwas „Normalität“ zu haben. Ich finde nach wie vor Briefmarken als Kunst im Kleinformat sehr lehrreich und auch spannend, was dieses kleine Stück Papier erzählt, und wie viel Arbeit darin steckt bis sie letztendlich verkauft werden kann. Mein besonderer Traum bleibt die Tanzpädagogik und die Umsetzung meiner Projekte.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Mensch zu werden! Auf jeden Fall Mut für die Liebe und Vertrauen in alles was kommt.  Für mich ist es verbunden mit Körper-Arbeit,  im Speziellen der Tanz, so fühle ich mich, meine Blockaden und es macht mich unfassbar glücklich, so bin ich sehr gut mit mir verbunden. Es heißt so schön „du schreibst dein Leben mit deinem Körper“.

 

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt gesellschaftlich und persönlich stehen. Welche Rolle kommt dabei der Literatur und der Kunst an sich zu?

Wesentlich wird sein wie wir weiterhin mit den Ressourcen unserer Umwelt und der Würde von Mensch und Tier umgehen wollen.

Werden wir weiterhin nur oberflächlich Worte nutzen deren Bedeutung wir längst nicht mehr verstehen?  Die Zukunft braucht viel mehr tun und weniger bla bla bla. Worte haben Macht und Worte haben ihre Bedeutung, vielleicht geben wir den Worten auch wieder ihre Bedeutung zurück.

Das Theater und auch die Kunst ist dabei sich neu zu denken, neu zu gestalten. Hier sollte von Herzen kommen was auf Herzen wirken soll. Der Unterschied ist bei jeder Aufführung im Theater, in jedem Bild, jedem Text, jeder Melodie, jeder Fotografie uvm. klar erkennbar, ob der Mensch der in seinem Werk wirken möchte mit Herz und Seele dabei war oder ob es einfach nur oberflächlich oder Mainstream ist.

Es sind jene die einen berühren, Gänsehaut bereiten, geprägt von einem Moment der einem im tiefsten Inneren bewegt, dies schaffen Menschen mit Visionen, mit Herz und Begeisterung, wenn sie selbst für das was sie tun brennen. Kunst zeigt immer auf, Kunst denkt quer und Kunst ist ewig, sie ist Teil der Geschichte, sie ist Teil der Menschheit.  Kunst ist Leben in all ihren Facetten.

Zum Abschluss eine Frage von Alexander Moszkowski:

„Kann sich eine  Kunst auf ihren Eigenwert berufen, auch wenn niemand vorhanden ist, der sie versteht?“

 

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Was liest du derzeit?

Leonardo da Vinci

 

 

Welches Zitat möchtest du uns mitgeben?

„Euer Körper ist die Harfe eurer Seele, und es liegt an euch, süße Musik aus ihm zu entlocken oder wirre Töne“  Khalil Gibran

 

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Vielen Dank für das Interview liebe Yvonne, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Tanz- und Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen

Yvonne Schneider:  Tanzpädagogin, Performerin, Choreografin, Model

„Kunst ist ganz wichtige Präsenz des Augenblicks“ Yvonne Schneider, Tanzpädagogin, Model _ Station bei Bachmann _ Romanschauplatz „Malina“ _ Wien_18.2.20

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16.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Gesellschaft will die Kunst konsumieren, aber sie will ihr keinen Wert geben“ Julia Santini, Musikerin _ Wien 11.8.2020

Liebe Julia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich jetzt eh wieder arbeiten darf, arbeite ich wieder in meinem Brotjob. Und ich bin auch wieder motiviert Konzerttermine (kleine, aber feine) auszumachen. Ich habe quasi eh nie einen immer gleichen Tagesablauf. Aber was ich sehr oft mache, ist doch laufen, Yoga, Musik, Termine ausmachen, Kontakte knüpfen, eigentlich eh das was ich immer gemacht habe. Seit dem ich keine Nachrichten mehr konsumiere, und mich nicht mehr auf die Panikmache dieser Welt einlasse, reguliert sich meine Psyche langsam wieder und auch mein Leben. Ich bin schon mehrmals im Leben dem Tod begegnet, und ich habe im Grunde kein Problem mit Corona. Das Leben ist lebensgefährlich, sag ich immer. Nix Neues.

 

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 Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was IMMER wichtig ist und schon IMMER wichtig WAR, auf sich zu schauen und auf seine Mitmenschen. Auch nix Neues. Krisen gibt’s immer wieder.

 

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Vielleicht einmal eine LOBBY organisieren. Vielleicht einmal aufstehen und sich Dinge nicht mehr gefallen lassen. Vielleicht es nicht mehr einfach so hinnehmen, dass der Arbeit als Künstler kein Wert in der Wirtschaft und in der Politik und leider auch in der Gesellschaft gegeben wird, ich bezeichne schon länger meine Arbeit als Arbeit, auch wenn es nicht bezahlt wird. DENN ES IST ARBEIT. UND ES HAT EINEN WERT. Die Gesellschaft will die Kunst konsumieren, aber sie will ihr keinen Wert geben. Das sollte man wirklich überdenken.

Ich habe jetzt Nadia Baha, eine Managerin, die mich sehr motiviert und aufbaut, sie ist keine von diesen Egotripperinnen, die sich nur einen Teil des Kuchens abschneiden wollen. Sie will wirklich und ehrlich hinter mir stehen. DAS brauchen Künstler.Innen. Ehrliche und aufrichtige Motivation und Inspiration.

 

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Was liest Du derzeit?

Ich bin nicht so die fleißige Leserin, aber ich lese manchmal ein paar Gedichte aus Michaela Hinterleitners „Räuber der Meere“, manchmal lese ich Kochbücher, manchmal lese ich Interviews, und seit Wochen nehme ich mir vor die ca 50 Seiten des AKM-Vertrages durchzulesen, damit ich dieses wichtige Dokument endlich unterschreiben kann. Bürokratie is nicht so mein Ding- jedoch wichtig.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Nur Intuition und Verstand ZUSAMMEN ergeben gute Entscheidungen. Und Intuition- so gern wir auch alles mit dem Verstand begreifen wollen – ist nicht wissenschaftlich nachvollziehbar. Um da werden wir niemals drum herum kommen.

 

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Vielen Dank für das Interview liebe Julia, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Ich danke

 

5 Fragen an KünstlerInnen

Julia Santini, Musikerin

„Wien ist eine große Inspiration“ Julia Santini, Sängerin, Station bei Falco, 17.1.2020

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16.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst spiegelt die persönliche Lebenssituation und die äußeren Umstände wider“ Larissa Tomasetti_Künstlerin _ Gmünd 10.8.2020

Liebe Larissa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Grundsätzlich hat sich mein Tagesablauf durch Covid19 nicht so sehr verändert,
außer, dass ich viel mehr Zeit zu Hause, im Atelier und in der Natur verbringe
und weniger auf Vernissagen und anderen Veranstaltungen.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich nutze die Zeit, um Ideen auszuarbeiten und neue Projekte zu entwickeln,
aber auch dafür mit den Menschen mehr Zeit zu verbringen, die mir besonders
wichtig sind.

 

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und
persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt
dabei der Kunst zu?

Die Kunst, genauer gesagt die Malerei, hat mich schon immer sehr beschäftigt,
sie spiegelt nicht nur meine persönliche Lebenssituation sondern auch die
äußeren Umstände wider. Die Sprache der Bilder ist jedoch immer eine
verschlüsselte, die wesentlich mehr in sich birgt, als auf den ersten Blick
erkennbar ist.

 

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Was liest Du derzeit?

Yuval Noah Harari „Eine kurze Geschichte der Menschheit“, 2015

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„The function of he artist in a disturbed society is to give awareness of the
universe, to ask the right questions, and to elevate the mind.” Marina
Abramovi´c

 

Larissa Tomasetti

 

Vielen Dank für das Interview liebe Larissa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen

Larissa Tomasetti, Künstlerin

http://www.larissa-tomassetti.com/

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Porträt_Rauchenwald Photography

 

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„Neue künstlerische Formate müssen entstehen“ Katia Sophia Ditzler, Schriftstellerin _ Berlin 9.8.2020

Liebe Katia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nach coronabedingtem Verdienstausfall habe ich einen Teilzeitjob bei einer Softwarefirma gefunden. Von daher arbeite ich meistens im Büro. Morgens und abends habe ich Zeit für meine Projekte und mein Sozialleben. Ich muss sagen, dass ich momentan ziemlich produktiv bin. Einen Überblick gibt es auf www.katiasophiaditzler.com, als Beispielvideo gibt es diesen Poetry Film Reel: https://vimeo.com/351281580

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Pragmatisch sein. Spaß haben.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Nun, die Strukturen haben sich nicht geändert. Im Gegenteil, Missstände erscheinen deutlicher: Beispielsweise bleibt die Sorgearbeit immer noch an Frauen hängen. Häusliche Gewalt ist gestiegen. Und das Privileg, im Home Office arbeiten zu können besitzen auch nicht alle.

Ich glaube, Kunst und Literatur dürfen sich einfach nicht zu ernst nehmen. Ansonsten: Wir sollten alle das Programmieren lernen und anfangen, uns für neue Medien zu interessieren. Es ist ja immer noch so, gerade in der Literaturszene, dass oft fast snobistisch auf neue Kunstformen wie z.B. Videospiele herabgeblickt wird. Davon muss man sich verabschieden, idealerweise einen weitergefassten Literaturbegriff entwickeln. Neue künstlerische Formate, die nicht nur das Offline-Erlebnis in einen Online-Kontext verlagern, müssen entstehen. Der häusliche Raum wird wichtiger werden, gleichzeitig werden wir durch immersive Technologien vielleicht eher in der Lage sein, in Erlebnisse abzutauchen, uns aber nicht vom Fleck zu bewegen – Reisen mittels Virtueller Realität, zum Beispiel. Bisher ist das Internet und unsere globale Vernetzung nicht unmittelbar erfahrbar. Dies wird sich ändern. Somit wird sich vielleicht eine neue Häuslichkeit einstellen, die aber durch noch intensiveren Kontakt zu unseren über die ganze Welt verstreuten Freunden wettgemacht wird.

 Es tun sich auch für die Kunst mannigfaltige Möglichkeiten auf. Insofern bin ich eher aufgeregt, was die Zukunft betrifft.

Aber die Corona-Apokalypse ist natürlich noch nicht vorbei. Vielleicht sollten wir auch einfach nur auf die Singularität warten und darauf, dass eine Künstliche Intelligenz uns obsolet macht.

 

Was liest Du derzeit?

Konz: 1000 ganz legale Steuertricks

 Steuern steuern: Mit der richtigen Steuerstrategie zu Vermögen und Wohlstand

 Steuern für Influencer: Die Steuererklärung tinderleicht meistern

 Steuern, aber lustig! Steuertipps für Existenzgründer und Jungunternehmer.: Von der Existenzgründung an Geld sparen!

 Reich werden an der Börse: 100 Weisheiten für Ihr Geld

 Als Immobilien-Investor nie wieder Steuern zahlen: Inklusive Praxisbeispiele und reale Zahlen von meinen Immobilien und meiner Steuererklärung

Leitfaden für Investmentstrategie, Steuerstrategie & steueroptimierte Rechtsformwahl: Das Erfolgsgeheimnis für den Aufstieg aus der Mittelschicht zum Millionär (Wegweiser zum Unternehmenserfolg)

 Der Weg zur finanziellen Freiheit: Die erste Million

 Ich zeige Dir wie Du reich wirst: Das einzigartige 6-Wochen-Programm, das wirklich funktioniert

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum! Wenn du etwas ganz fest willst, dann wird das Universum darauf hinwirken, dass du es erreichen kannst! Kriege mögen die anderen führen, du glückliches Österreich, heirate! Varium et mutabile semper femina! Das Leben ist eine Illusion, hervorgerufen durch Alkoholmangel! Live, love, laugh! Be the change that you wish to see in the world! Erfolg kommt dann, wenn du tust was du liebst! Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel anders setzen! Egal wie weit der Weg ist, man muss den ersten Schritt tun! Ein einstündiges Workout ist nur 4% deines Tages! Lernen, lernen und nochmals lernen! Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! Pazifismus und abstrakte Friedenspredigt sind eine Form der Irreführung der Arbeiterklasse! Nichts schmeckt so gut, wie sich Schlanksein anfühlt!

 

Vielen Dank für das Interview liebe Katia, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen

Katia Sophia Ditzler, Schriftstellerin

 

 

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„Kunst ist die Arena des Gegenwartsdiskurses“ Thomas J.Jelinek_Regisseur, Konzept_Künstler _ Wien 8.8.2020

Lieber Thomas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Entschleunigt. Was ich ehrlich gesagt sehr schätze.
Da es zur Zeit keine Touren oder physischen Auslandsprojekte gibt, heißt das
weniger Reisen, weniger Flughäfen, weniger Termine, was dazu geführt hat, dass ich
jetzt vorwiegend, wie so viele, im „homeoffice“ arbeite.
Der Ablauf dort hat sich nicht grundlegend verändert. Aber ich habe mehr Zeit, auch
mehr Zeit für mich und meine Familie. Zeit zu denken, zu lesen, zu schreiben und
auch konzentriert kreativ zu arbeiten. Als medial arbeitender Künstler, auch
Regisseur und Dramaturg, was nicht unbedingt eine bestimmte Form des Ausdrucks
braucht, habe ich das Glück die Schwerpunkte meiner Arbeit wechseln zu können.
Die Arbeit ist dadurch nicht weniger geworden. Aber anders und vor Allem weniger
gehetzt. Ich sehe das nicht als Einschränkung, sondern eher als gewonnene Zeit.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Diese gewonnene Zeit zu nutzen, sich selbst, die eigenen Prioritäten und Ziele zu
prüfen und zu überdenken. Auch in unserer Gesellschaft, die gegenwärtig labile
Situation, zu analysieren und mit etwas Abstand, einzuschätzen.
Auch wenn einige meinten verrückt zu werden, scheint mir der „Stop“ zu kurz
gewesen zu sein.
Die größte Gefahr ist, dass wir wieder in die alten Muster zurückfallen.
Das wir eine Ökonomie entwickelt haben, die durch eine Pause von nur 3-4 Monaten,
ohne Zeiteffizienz und Ressourcenvergeudung, zusammenbricht, zeigt, dass wir ein
grundlegend falsches System gewählt haben.
Ich möchte also behaupten, dass Corona weniger das Hauptproblem, sondern eher
ein Symptom einer bereits kranken Zivilisation ist.
Es steht eigentlich gerade alles am Spiel, die Freiheit, die Demokratie, das Leben
selbst, zumindest alles was uns Menschen ausmacht und das Leben lebenswert
macht.

 

Shanghai(c)Pucher

 
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle
gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich
sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, dem Schauspiel,
der Kunst an sich zu?

Ich persönlich arbeite, künstlerisch und entwicklungstechnisch, mit einem großartigen
Kollaborativ, an hybriden Formen der Performance und Installation, zwischen
digitalen und physischen Räumen und Ablaufprozessen, die versucht alle Formen
zukünftiger künstlerischer oder diskursiver Kommunikation prozessieren zu können.
Aber um die Frage zu beantworten, ein Aufbruch und Neubeginn würde
voraussetzen, dass wir das „Alte“ (Desaster) hinter uns gelassen hätten. Das haben
wir nicht.
Das ist, zugegeben, auch nicht einfach.
Aber die Rückkehr zur sogenannten „Normalität“ des toxischen und vollkommen
„verrannten“ Zustands vor dem Lock-down ist keineswegs erstrebenswert.
Ich möchte das näher erklären:
Neben dem Covid-19 Virus, der in unseren Medien fast alles überschattet, stehen
noch größere Probleme oder Themen am Plan.
Wir befinden uns in einem umfassenden Umbruch unserer Zivilisation, die wir
menschheitsgeschichtlich in diesem Ausmaß wahrscheinlich noch nie erlebt haben.
Fraglos steht an erster Stelle die stattfindende Veränderungen der Biosphäre, die
sich und damit auch für uns Menschen zur Klimakatastrophe verdichtet – dabei ist
unerheblich ob sie von der menschlichen Zivilisation ausgelöst wurde oder ob die
menschlichen Aktivitäten nur als Brandbeschleuniger wirken.
Dann wäre die bis ins kleinste, bereits privatesten Bereiche Algorithmisierung
unserer Gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Prozesse, die, medial
verkürzt, als die Übernahme der Gesellschaftssteuerung durch künstliche Intelligenz
beschrieben wird.
Und, last but not least, der Zusammenbruch der politischen Systeme und der
drohende Zerfall unserer Zivilisation.
Das Ende der alten Denkmodelle des Materialismus aus dem 19ten Jahrhundert, der
sich mit dem Niedergang des Kapitalismus, der folgerichtig dem Zusammenbruch
des (notwendigen) Counterparts der „real existierenden Sozialistischen Diktaturen“ –
ideologisch als kommunistische Regime bezeichnet – folgen musste und den wir
gerade mit der Implosion der USA und Englands erleben. – die wir in den 60er und
70er Jahren bekämpft aber dann immer zu bequem waren zu verändern, was sich
jetzt leider rächt.
Eine seit den Ende 80er Jahren begonnene und seit der Jahrtausendwende manifest
werdende sich beschleunigende Ungleichheit nicht nur Kontinental sondern
mittlerweile schon innerhalb Europas und der immer noch krampfhaft festgehaltenen
Nationalstaaten.
Die Veränderungen finden statt, egal ob wir es wollen oder nicht.
Es wird also die Normalität, von der alle gerne sprechen, so oder so nicht geben
können.
Was soll da noch Kunst ?
Die Vordergründige „Funktionslosigkeit“ der Kunst ist ihre Qualität.
Aber…
Ohne Kunst verfallen wir in eine zersetzende Demenz.
Weil wir unsere kreativen Fähigkeiten nicht trainieren, den Widerspruch nicht üben,
unsere Entscheidungs- und Beurteilungsfähigkeiten nicht schärfen. Zuletzt aber
wahrscheinlich am wichtigsten, kann unsere Empathiefähigkeit am „Modell“ an der
„Realsimulation“ nicht gebildet werden.
Empathie ist ja die positive Kraft mit der ich Leiden und Freude anderer
nachempfinden und internalisieren kann, banal gesagt, der Auslöser warum wir
einander helfen und nicht bekämpfen, was aber entscheidend sein wird für unser
Überleben als Spezies. Es ist aber noch fundamentaler die Grundvoraussetzung
überhaupt Situationen, Realitäten zu begreifen zu verstehen und als internalisiertes
Wissen auch beurteilen zu können.
In der Entwicklung von deep-learning KI in der „Robotik-Entwicklung“ nennt man das
„mirroring“.
Ich behaupte, dass wir ohne Empathie als Spezies, vermutlich auch als Individuen,
nicht mehr lebensfähig sein werden. Offensichtlich psychopathologische Grenzfälle
wie die Präsidenten der von Corona am meisten heimgesuchten Länder führen uns
das tagtäglich, prominent und deftig, vor Augen.
Ich möchte aber abschließend zur „Kunstfrage“ zurückkehren.
Nachdem wir Menschen ein kurzes Gedächtnis haben, möchte ich jetzt wiederholen
oder in Erinnerung rufen was, zumindest in meinem künstlerischen Umfeld,
Freund*innen und Umgang, Allgemeinplätze sind.
Kunst ist nicht nur ein Spiegel, Kunst ist die Arena des Gegenwartsdiskurses, eine wichtige,
weil freie Art unsere Gegenwart, uns selbst, im Kontext zu simulieren.
Wir lernen und üben im Spiel und in der Kunst, reflektieren und lernen neue Ansätze des
Denkens und Betrachtens der Dinge, letztlich unserer Realität, die wir uns täglich selbst
schaffen.
Wenn wir diese Kreativität verlieren, verlieren wir unser Mandat uns selbst zu bestimmen, die
Gesellschaft mitzugestalten und damit die Grundpfeiler der Demokratie, die gegenwärtig
bereits stark ausgehöhlt und zersetzt ist.
Dem möchte ich aktuell und verärgert hinzufügen, dass speziell das Theater in die
Kunst und nicht in die Politik gehört.

 

Jelinek@NEtNEt

 
Was liest Du derzeit?

Ich lese chaotisch, immer vieles „gleichzeitig“. Manches nur quer. Manches dann
wieder. Zur Zeit sind meine Schwerpunkte, auch der Arbeit geschuldet, „Kapital und
Ideologie“ von Thomas Piketty, „Das terrestrische Manifest“ von Bruno Latour und
„Future Politics“ von Jamie Susskind.
Mehr privat „Decamerone“ von Boccaccio, weil eine Freundin eine On-line Lesung im
shut-down veranstaltet hat und ich Lust hatte da wieder nachzulesen, und
lustigerweise, „Licht und Schatten“ von Pablo Casals.

 

©osaka_20180524_181 (1)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich könnte jetzt einfach sagen:
Keine Angst ! Denn Angst ist der schlechteste Ratgeber,
aber wenn wir eine andere Welt wollen, müssen wir sie alle wollen.
Oder Casals zitieren:
„Die einzigen Waffen, die ich hatte waren mein Cello und mein Taktstock, und
während dieses Bürgerkriegs habe ich sie, so gut ich konnte, eingesetzt, um die
Sache zu unterstützen, an die ich glaube – die Sache der Freiheit und Demokratie“
Aber das wäre mir doch zu einfach.
Also sage ich konzertiert:
1) Wir müssen uns endlich als Gesamtheit begreifen lernen.
Das heißt wir, die wir uns als „Menschen“ bezeichnen, nicht nur in unserer vielfältigen
aber dann doch nicht so unterschiedlichen Form und Denkstruktur als Menschen,
sondern im Zusammenhang mit allen, die wir als „Tiere“ und „Pflanzen“ bezeichnen,
inklusive Mikroben, bis zur oszillierenden Grenze der Biosphäre unseres Planeten,
der nicht nur sein Magnetfeld bis zur Umlaufbahn des Monds einschließt. Wenn wir
uns so begreifen, werden wir anders entscheiden.
2) Wir müssen schnell wieder lernen Verantwortung zu übernehmen.
Und:
3) Es ist also höchste Zeit, dass von der Gesellschaft und vor allem der Politik, im
eigenen Interesse, der Kunst ein anderer Stellenwert als dem gegenwärtigen
zugemessen wird. Es ist der letzte halbwegs freie Denkraum.
Mein Nachsatz: Wir haben dazu nicht mehr viel Zeit, aber die Menschheit, wie wir
einzelnen Individuen, haben das Potenzial in extremen Stresssituationen – unsere
Gegenwart ist so eine – eine enorme Kraft entwickeln zu können. Darauf müssen wir
nicht nur hoffen, sondern daran müssen wir arbeiten, wenn wir nicht jetzt schon
aufgeben wollen.

 

Vielen Dank für das Interview lieber Thomas, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunst- und Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen

Thomas J.Jelinek, Regisseur, Dramaturg, Installations- und Projektkünstler.

Thomas J. Jelinek
Regisseur, transdisziplinär arbeitender Konzept-Künstler, Dramaturg und Kurator
Arbeitet an der Herstellung von laborhaften Diskursräumen, kontextuellen Performance Prozessen, medialen und situativen Rauminstallationen.
Künstlerischer Leiter und Gründer von NOMAD-theatre und der LABfactory,
Co-gründer u.A. der transdisziplinären Kunst- Aktionsgruppe MESSING-network und der Performance-Company Liquid Loft

Preise (Auswahl): donaufestival / “best short”/ Kunststücke-Preis ORF 2003/
mit Liquid Loft: “Goldener Löwe” der Biennale Venedig 2007.

Fotos_Pucher_Jelinek

 

 

16.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

 

„Kunst hat immer die Aufgabe, dass wir keine Schritte zurückgehen“ Mercedes Spannagel, Schriftstellerin _Wien 7.8.2020

Liebe Mercedes, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Am Samstag war ich auf einer Mopsparty, da sind dann so zwanzig Möpse herumgelaufen. Sieht so jeder Tag aus bei mir? Nein. Würde ich gerne, dass jeder Tag so aussieht? Auch nein. Aber Samstag war ich sehr glücklich.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Fitness

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es sollte Änderungen geben. Es muss eine ausgeglichenere Work-Life-Balance ermöglicht werden. Es muss immer die Möglichkeiten geben, (nicht nur im Virtuellen) zusammen zu kommen, Kunst zu produzieren, zu konsumieren und zu diskutieren.

Kunst hat immer aber ganz besonders jetzt die Aufgabe, dass wir keine Schritte zurück gehen.

 

 

Was liest Du derzeit?

Mit „Hawaii“ von Cihan Acar gerade fertig geworden, dann „Die Infantin trägt den Scheitel links“ von Helena Adler zu Ende lesen, dann mit „The Wallcreeper“ von Nell Zink anfangen (nachdem ich die deutsche Übersetzung schon gelesen habe) oder mit Erzählungen von Ingeborg Bachmann oder was Neues kaufen z.B. „Fehlstart“ von Marion Messina oder „Monster wie wir“ von Ulrike Almut Sandig.

Immer gerne „Geliebtes Biest“ von Alke Stachler.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

 Jeder Mensch soll danach streben, ein Stein zu sein, der aus sich heraus explodiert. (Ianina Ilitcheva, @blutundkaffee)

 

Vielen Dank für das Interview liebe Mercedes, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schreibprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Mercedes Spannagel, Schriftstellerin

https://www.mercedesspannagel.at/

Foto: Ingo Pertramer

 

15.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com