„Die Gesellschaft will die Kunst konsumieren, aber sie will ihr keinen Wert geben“ Julia Santini, Musikerin _ Wien 11.8.2020

Liebe Julia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich jetzt eh wieder arbeiten darf, arbeite ich wieder in meinem Brotjob. Und ich bin auch wieder motiviert Konzerttermine (kleine, aber feine) auszumachen. Ich habe quasi eh nie einen immer gleichen Tagesablauf. Aber was ich sehr oft mache, ist doch laufen, Yoga, Musik, Termine ausmachen, Kontakte knüpfen, eigentlich eh das was ich immer gemacht habe. Seit dem ich keine Nachrichten mehr konsumiere, und mich nicht mehr auf die Panikmache dieser Welt einlasse, reguliert sich meine Psyche langsam wieder und auch mein Leben. Ich bin schon mehrmals im Leben dem Tod begegnet, und ich habe im Grunde kein Problem mit Corona. Das Leben ist lebensgefährlich, sag ich immer. Nix Neues.

 

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 Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was IMMER wichtig ist und schon IMMER wichtig WAR, auf sich zu schauen und auf seine Mitmenschen. Auch nix Neues. Krisen gibt’s immer wieder.

 

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Vielleicht einmal eine LOBBY organisieren. Vielleicht einmal aufstehen und sich Dinge nicht mehr gefallen lassen. Vielleicht es nicht mehr einfach so hinnehmen, dass der Arbeit als Künstler kein Wert in der Wirtschaft und in der Politik und leider auch in der Gesellschaft gegeben wird, ich bezeichne schon länger meine Arbeit als Arbeit, auch wenn es nicht bezahlt wird. DENN ES IST ARBEIT. UND ES HAT EINEN WERT. Die Gesellschaft will die Kunst konsumieren, aber sie will ihr keinen Wert geben. Das sollte man wirklich überdenken.

Ich habe jetzt Nadia Baha, eine Managerin, die mich sehr motiviert und aufbaut, sie ist keine von diesen Egotripperinnen, die sich nur einen Teil des Kuchens abschneiden wollen. Sie will wirklich und ehrlich hinter mir stehen. DAS brauchen Künstler.Innen. Ehrliche und aufrichtige Motivation und Inspiration.

 

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Was liest Du derzeit?

Ich bin nicht so die fleißige Leserin, aber ich lese manchmal ein paar Gedichte aus Michaela Hinterleitners „Räuber der Meere“, manchmal lese ich Kochbücher, manchmal lese ich Interviews, und seit Wochen nehme ich mir vor die ca 50 Seiten des AKM-Vertrages durchzulesen, damit ich dieses wichtige Dokument endlich unterschreiben kann. Bürokratie is nicht so mein Ding- jedoch wichtig.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Nur Intuition und Verstand ZUSAMMEN ergeben gute Entscheidungen. Und Intuition- so gern wir auch alles mit dem Verstand begreifen wollen – ist nicht wissenschaftlich nachvollziehbar. Um da werden wir niemals drum herum kommen.

 

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Vielen Dank für das Interview liebe Julia, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Ich danke

 

5 Fragen an KünstlerInnen

Julia Santini, Musikerin

https://literaturoutdoors.com/2020/01/19/wien-ist-eine-grosse-inspiration-julia-santini-saengerin-station-bei-falco-17-1-2020/

Alle Fotos_Station bei Falco_Wien 1_20

 

 

16.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

 

 

 

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