„Widerstand in Kärnten“ Vinzenz Olip. Hermagoras Verlag.

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Gegenwart und Verantwortung. Geschichte und Verantwortung. Zukunft und Verantwortung. Zeit und Leben befindet sich immer in dieser Perspektive und Aufgabe. Der kritischen Perspektive und verantwortungsvollen Aufgabe zu sehen, zu benennen, zu recherchieren, zu präsentieren was Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft war und ist. Daraus eröffnen sich Wege in ein Morgen in Vertrauen und Hoffnung. In Freiheit und Verantwortung.

Vinzenz Olip, Historiker, legt mit dem Buch „Widerstand in Kärnten – Agenten, Patrouillen, Militärmissionen nördlich der Drau“ eine umfassende historische Recherche und Quellenkunde (Akten der Gestapo wie der Partisanenabteilungen und der alliierten Militärmissionen, weitere) vor, die Einblicke in die Widerstandssituation in Kärnten in der NS-Zeit gibt. Olip geht dabei bis auf die politischen Auseinandersetzungen der 1930er Jahre zurück und spannt dann den Bogen über den Anschluss 1938, die Kriegsjahre und die Entwicklungen und Ereignisse des Widerstandes bis zum Kriegende 1945.

Ganz außergewöhnlich sind auch die Bilddokumente der Zeit, die Einblicke in die Situation und die Aktivitäten des Widerstandes geben. Ein umfassender Anhang mit Quellen-, Archiv wie Orts- und Personenverzeichnis ermöglicht das unmittelbare Zuordnen von Ereignissen und Berichten.

Zusammenfassend ist das große Bemühen des Autors in Quellenrecherche, Dokumentation und Zusammenschau hervorzuheben, welche Grundlage eines Buches ist, welche die weitere historische Perspektive und Forschung befruchtend begleitet wird. Dafür ist dem Autor herzlich zu danken.

 

„Ein Buch, das umfassend erinnert und dokumentiert und damit an Menschrecht, Frieden und Freiheit zu allen Zeiten mahnt“

 

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„Ein gutes Buch bewirkt im besten Fall: Klarheit. Und sei es nur die, dass alles unklar ist“ Paul Auer, Schriftsteller_ Millstatt/Wien _ 3.9.2020 

Lieber Paul, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich verbringe den Sommer am Millstätter See, wo ich ein Appartementhaus betreibe. Genieße das beschauliche Leben am Land … Protzautos, die die durch kleine Dorfgassen brettern; der Lärm der Rasenmäher; die Schlagermusik, mit der die betagte Nachbarin die ganze Siedlung beglückt; und natürlich die unzähligen Baustellen, jene im Nachbarort Seeboden ist mein heuriger Favorit … Wenn der Bürgermeister einer Tourismusgemeinde während der Hauptsaison einen Kreisverkehr errichten lässt, was täglich Staus provoziert, kann nicht alles so schlimm sein. Oder die Apokalypse naht. Diesbezüglich bin ich noch unentschieden und werde erst im Herbst klarer sehen. Wenn im Oktober die Rollläden in Kärnten heruntergezogen werden, löse auch ich mich von meiner Touristiker-Existenz und wechsle in die Winterruhe. Im Gegensatz zum klassischen Kärntner Vermieter verarbeite ich die sommerliche Auslastung nicht am Strand von Thailand, sondern am Schreibtisch von Rudolfsheim-Fünfhaus.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir Nerven bewahren. Die kommenden Zeiten werden nicht leichter, für niemanden. Wie meist ist die persönliche Befindlichkeit nicht scharf von der allgemeinen zu trennen, aber ich spüre doch eine gewisse ans Absurde grenzende Ambivalenz in der Gesellschaft zwischen Angst und Ignoranz. Vielleicht ist das an einem Kärntner See noch einmal deutlicher wahrzunehmen, auf offener Bühne wird das Stück „ein Sommer wie immer“ gespielt, indes SchauspielerInnen und Publikum in jedem Moment mit der Schließung des Theaters rechnen. Da niemand sagen kann, wie lange diese Vorstellung dauert und ob sie danach noch einmal ins Programm genommen wird, wirken alle Beteiligten etwas outriert.

Abgesehen davon sollten wir uns all der schönen Illusionen aus der Zeit des Lock-Downs erinnern, Veränderungen, die wir uns für das eigene Leben und die Gesellschaft gewünscht haben. Wenn auch die dem Virus umgehängten Erwartungen für die Welt, neoromantischer Destruktivismus, vollkommen überzogen waren und mehr von der Sehnsucht nach einem anderen Sein denn dem Wissen um die Trägheit großer Transformationen zeugten. Manche haben ja getan, als lägen nach zwei Wochen Lock-Down 20 Jahre Ausnahmezustand hinter uns, als wären wir Helden, weil wir nicht daran zerbrochen sind. Was womöglich stimmt. Daher: Nerven bewahren.       

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wesentlich ist der Dialog. Empathie zu üben, hierbei jedoch klare Positionen einzunehmen. Und darin sehe ich das größte Problem: Denn um eine klare Position einzunehmen, muss man sich gut kennen, wissen, was und wohin man will, welche Erwartungen man hat. In einer relativierenden Gesellschaft wie unserer ist die Artikulation dieser Klarheit herausfordernd. Wenn Kunst im Menschen über welche Umwege auch immer Klarheit evozieren kann, ist schon vieles erreicht. Das ist es auch, was, um in meinem Metier zu bleiben, ein gutes Buch im besten Fall bewirkt: Klarheit. Und sei es nur die, dass alles unklar ist.   

Was liest Du derzeit?

Louis-Ferdinands Célines „Reise ans Ende der Nacht“. Jedoch geht in der Lektüre nichts weiter, da mich der Schriftzug einer großen Baufirma am Kran unterhalb meines Hauses in seinen Bann zieht. Ich wage nach Wochen dieses Anblicks zu behaupten, ein Seeblick wird erst durch einen Baukran veredelt.  Zudem werde ich Tag für Tag daran erinnert, dass wir in Zeiten des Umbruchs leben und alle BauarbeiterInnen sind.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Aus meinem Text „Wilder Vogel“:

„Denn bekanntlich hat jener Mensch in kindischen Zeiten wie diesen verloren, der seine eigenen oder die Bedürfnisse seiner Mitmenschen ernst nimmt (dass der Mensch sich wichtig nimmt, bedeutet nämlich leider keinerlei Ernsthaftigkeit) – denn etwas ernst zu nehmen heißt in erster Linie, sich der möglichen Blöße enttäuschter Erwartungen hinzugeben, was sich nach all den Jahrzehnten grausamer Blutrünstigkeit und peinlicher Pathetik kein halbwegs auf- und abgeklärter Mensch erlauben kann, weswegen nicht nur Gott tot ist, sondern auch alle, die ihn getötet haben, aber eben auch alle, die ihn wiederzubeleben versuchen.“   

Vielen Dank für das Interview lieber Paul, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Paul Auer, Schriftsteller

Foto: privat

26.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ohne Atem des Publikums fühlt sich das Theater tot an“ Ambra Berger, Schauspielerin _ Wien 2.9.2020

Liebe Ambra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Eine sehr lebendige Form zwischen kochen, zwei Kinder beschäftigen und sich immer wieder den Raum nehmen um die eigenen Projekte voranzutreiben.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Im Moment zu sein und die Angst los zu lassen vor dem was kommt…den Aufbruch und die Veränderung wahr zu nehmen. Viel zu lachen, Zeit mit Lieblings – Menschen zu verbringen und der kreativen Streitkultur zu frönen.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, Schauspiel,  der Kunst an sich zu?

Ich habe oft darüber nachgedacht was es bedeutet in einem „System relevanten“ Job zu arbeiten und mich gegen diesen Begriff gewehrt aber Kunst gibt es schon so lange und zieht sich durch alle Krisen hindurch…Ich glaube es ist wesentlich weiterhin dran zu bleiben und sich von dieser Schockstarre zu lösen: Dem Theater wurde der Stecker gezogen und es wurde in den virtuellen Raum verbannt aber das funktioniert nicht, denn Theater braucht den Strom des Publikums das ist wie eine gegenseitige Wechselwirkung. Ohne Atem des Publikums fühlt sich das Theater tot an.

Kunst nährt die Seele, im Theater kann man sich in Momente/ Figuren verlieben, man kann träumen, sich verlieren im Augenblick um dann wieder bitterböse mit der Realität konfrontiert zu sein. Im Theater kannst du frei sein, das ganze Leben in einen neuen auch absurden Kontext stellen- das ist einfach herrlich.

 

 

Was liest Du derzeit?

 *Gleis 4“ von Franz Hohler, einem Schweizer Autor… Er zieht mich mit seiner klaren, einfachen Sprache in seinen Bann.

 

 

 Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

*Soll ich essen machen oder Mayonnaise lachen?“  Ein Hoch auf Kazim Akboga.

 

Vielen Dank für das Interview liebe Ambra viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater- und Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Ambra Berger, Schauspielerin

https://www.ambraberger.ch/

 

24.7..2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Herz und Kopf sollten immer Freiheit haben“ Fanny Kant, Autorin _ Station bei Bachmann_Wien 30.8.2020

Orte sind wichtig. Sie können Geschichten erzählen. Da ist viel Kraft. Viel Anziehung oder auch Ablehnung. Ich schaue bei Orten immer genau hin. Etwa hier zum Fenstersims oder diese Taube am Weg. Ich liebe diese Besonderheiten eines Ortes.

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In Wien schätze ich etwa den Arkadenhof und Brunnen im Palais Harrach sehr. Schönheit, Ästhetik, Ruhe. Das ist ein besonderer Ort für mich.

Velden am Wörthersee ist für mich auch so ein „Kraftplatz“ des Rückzugs und der Stärkung. Die Wege, die Natur, das ist mir sehr vertraut und ich schätze dies sehr.

Ich bin in Wien und Kärnten aufgewachsen. Beides ist für mich Heimat, Herkunft. Das Hier und Jetzt ist aber das Wichtige, Wesentliche. Wohin der Weg führt. Weiter führt. 

 

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Worte sind genauso wichtig wie Orte. Auch sie haben viel Kraft. Können trösten wie verletzen. Da liegt auch viel Verantwortung für uns Menschen. Wie bei Orten. Es geht um Respekt, Rücksicht, auch um bewahren.

 

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Sprache in all ihren Möglichkeiten von Ausdruck und Ansprache, etwa auch von Hilfe, kommt leider immer mehr in Vergessenheit. Menschen sprechen weniger miteinander und sie wissen oft nicht mehr wie sie sich ausdrücken sollen in Worten, Sätzen, der Welt der Sprache an sich.

Ich selbst schätze Sprache sehr und gehe sehr bewusst und vorsichtig damit um. Ich sage nicht so schnell etwas, sehe lieber einmal hin. Nicht alles muss kommentiert werden.

 

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In der modernen Kommunikation wird heute oft vergessen, dass auf der anderen Seite auch ein Mensch sitzt. In der Anonymität wird das Wort dann auch leider immer wieder zum Instrument der persönlichen Verletzung. Das hängt auch viel mit Erziehung, Gespräch zusammen. Der Respekt vor dem Menschen ist ganz wichtig. Das vergessen Menschen heute so schnell.

Der Hass im Netz wurzelt in der Unzufriedenheit mit sich selbst, dem eigenen Leben und dies wird nach außen projiziert. 

 

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Schreiben ist alles für mich. Ich habe immer schon geschrieben. Schreiben ist Phantasie, das Öffnen eines Fensters in eine andere Welt. Und dieses Fenster kann ich öffnen wann und wie ich will.

Schreiben und lesen war vom frühesten Zeitpunkt an ganz wichtig. Ich habe gelesen und gelesen. Bücher um Bücher. Diese Begeisterung ist bis heute geblieben. Ich lese überall. In der U-Bahn muss ich allerdings aufpassen, um den Ausstieg nicht zu verpassen.

Die Genres sind dabei sehr vielfältig. Von Paolo Coelho bis Georg Orwell. Ich lese immer wieder gerne Klassiker. Diese sind immer aktuell. Ich lese auch gerne Lyrik, etwa Rilke. Oder auch die poetry slammerin Julia Engelmann.

Schreiben ist der Blick ins Freie. Der Spalt in der Wand. In allem.

 

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Es ist wichtig am Lebensweg nach Vorne zu blicken. Herkunft, Geschichte ist wichtig aber die Gegenwart ist Aufgabe und Ziel. 

Herz und Kopf sollten immer Freiheit haben.

Selbst Gedanken machen! Nicht das Vorgekaute essen.

 

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Ich weiß bis heute sehr genau was ich will. Irrungen und Wirrungen gehören natürlich dazu. Diese sind ja oft Wegweiser.

Es gibt heute so viele Zurufe dieses oder jenes zu tun, zu sein, zu werden. Am Besten nicht darauf hören.

Worte helfen am Weg. Immer. Gesprochene. Gelesene.

Selbstbewusstsein und das Wissen, ich bin als Frau nie allein.

 

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 Wege abseits von Standards stören mich nicht.

 Am Besten ist es, jemanden zu finden, der mit einem den Weg geht.

 

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Das Suchen, Fragen nach sich selbst im Roman „Malina“ bleibt auch heute aktuell, es ist menschlich, zeitlos.

 Sich verlieren, sich suchen und hoffentlich sich finden.

 Lebenssuche ist sehr individuell. Es ist Lebenssehnsucht. Es ist mehr als eine Affäre.

 

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Wissen wer ich bin. Nur das ist der Weg zum happy end. Scheitern gehört dabei dazu. Suche. Versuchen. Immer wieder versuchen. Ohne Fehlversuche gebe es wohl kein Feuer.

Worte, klare Worte eröffnen Wege. Gerade auch neue Wege.

Die Wahrheit muss immer zumutbar sein. Die Wahrheit vor, in und hinter der (stummen) Wand. Der eigenen und der anderen. 

Ich bin eine starke Frau. Wir Frauen können alles.

 

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Lieben und Liebe zulassen können. Keine Angst davor zu haben.

Bauchgefühl ist ganz wichtig.

Liebe auf den ersten Blick – JA!  Der Liebe gegenüber nie verschlossen sein.

 

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Station bei Bachmann _ Fanny Kant _ Autorin, Bloggerin 

https://www.diedrittefrau.at/steckbrief/

 

Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig 8_20.

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„Besser ein lebender Hund als ein toter Löwe“ Peter Hodina, Schriftsteller _Berlin 1.9.2020

Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Wesentlichen nicht anders als sonst. Nur zu den Spitzenzeiten von COVID-19
in Österreich, als bereits an bestimmten Orten die Berge abgesperrt worden
waren, kaum noch Autos fuhren, die Busse komplett leer waren, kam es vor,
dass ich ganz gegen die Uhrenvernunft bereits um halb fünf in der Früh einen
Spaziergang machte. Das Schauspiel der leeren Straßen und des reinen Himmels
habe ich auch genossen, in mich eingesogen. Andererseits machte ich schon vor
Corona lange Spaziergänge immer, in langsamem Tempo, wie mir andere
sagen. Durch Corona gab es viel zusätzlich zu schauen. Furcht hatte ich sehr
lange nicht, erst als die Kurve wirklich exponentiell anstieg und es tausend
Neuinfektionen pro Tag gab, teilweise Hamsterkäufe sich abzuzeichnen
begannen, wurde mir die Sache unheimlich. Dann aber gingen bald und
kontinuierlich die Zahlen zurück. Ab Mitte April war für mich Corona kein
wirkliches Thema mehr, zumindest was Österreich betrifft. Als die Gastronomie
wieder aufmachte, war das für mich spürbar eine Lebenserleichterung, weil ich
kein Koch bin. Ich hielt problemlos alle Schutzmaßnahmen ein. Erst im Juli dann
wieder zeichnete sich eine zweite Welle ab.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Maske aufzusetzen, Abstände einzuhalten und nicht die Nerven zu verlieren.
Und es nicht in Leichtsinn umschlagen lassen (Corona-Partys usw.) wie in
einigen Ländern. Das ist unsozial und gemeingefährlich, das müsste mit saftigen
Geldstrafen abgestellt werden.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und
persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt
dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die alte Rolle und die alte Bedeutung, die sie, seit es sie gibt, gehabt hat. Sie
dient der Konkretisierung der Situation, ihrer Bewusstwerdung, aber vermittelt
diese mit den Gefühlen, sie hat auch eine kommunikative Funktion. Es ist zwar
ein unmodernes Wort: eine tröstende und tröstliche. Und als LeserInnen sind wir
ja schon in eine gewisse Isolation eingeübt: meist sitzt man ja mit sich allein bei
einem Buch. Abwarten, Lesen und Teetrinken. Abenteuerromane lesen, Joseph
Conrad etwa. Oder Camus‘ „Die Pest“, warum nicht?

 

 

Was liest Du derzeit?

Mehreres. Die Heimito-von-Doderer-Biographie von Wolfgang Fleischer, ferner
die Memoiren von Chateaubriand („Aufzeichnungen von jenseits des Grabes“),
einige Bände von Leo Schestow. Auch erarbeite ich mir das philosophische
Hauptwerk von Salomo Friedlaender/Mynona, „Das magische Ich“, das 60 Jahre
brauchte, um posthum veröffentlicht zu werden und das Dokument des
Durchhaltens eines Einzelnen unter widrigsten Außenbedingungen ist: hier eines
jüdischen Künstlerphilosophen im besetzten Paris, der, wenn ich es etwas
salopp formuliere und verkürze, so lange im Bett blieb, bis der
Nationalsozialismus vorbei war.

 
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Tja, das wird jetzt schwierig. Ich schau mal in die Bücher vor mir, ob ich etwas
angestrichen habe. Es bringt ja doch alles nichts, wenn ich eins suche, finde ich
kein Geeignetes. Ja, bleiben wir beim genannten Mynona, einem Freund von
Alfred Kubin: „Das Ich wird nicht gesucht, sondern gefunden.“ Und noch aus der
Bibel, aus dem Buch Kohelet, schicke ich nach: „Besser ein lebender Hund als ein
toter Löwe.“

 

Vielen Dank für das Interview lieber Peter viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Peter Hodina, Schriftsteller

http://www.dielavoir.com/category/hodinas-lavoir-philosophie/

 

24.7..2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Existenzbedrohende Szenarien machen uns wohl als Kunstschaffende noch bissiger, um es mal positiv zu konnotieren“ Slivo Slivovsky_Sänger _ Wien 31.8.2020

Lieber Slivo, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da meine beiden Kinder Ferien haben, vor allem die tägliche Routine als Familienvater. Damit uns nicht allzu fad wird, gehört da natürlich auch immer ein abwechslungsreiches Programm dazu. Wir sind viel im Mostviertel und laufen in der Natur herum oder gehen ins Freibad.

Die letzten Tage hatte ich wieder die Freude, mit meinen KollegInnen vom E3-Ensemble und Thomas Bischof zu arbeiten. Die Tage am Set waren lehrreich, konzentriert und sehr schön. Ansonsten bereite ich mich schon geistig auf den Herbst vor. Da stehen wieder Auftritte als Romantic Slivo im Rabenhof, als auch die verschobene Tournee mit dem neuen Album der 5/8erl in Ehr’n am Programm.

Slivo Slivovsky_ Foto _Astrid Knie

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zusammenhalt, aufmerksam bleiben und der Blick und das Ohr füreinander. Wir, die auf den Bühnen stehen, sind zumindest sichtbar. Der Großteil spielt sich aber im „toten Winkel“, im Hintergrund, ab. Ein Techniker oder eine Technikerin wird wohl eher selten zu einem Interview geladen oder bekommt die Sichtbarkeit, die wir bekommen. Der Arbeitsplatz ist aber der gleiche.

 

 

Vor einem Aufbruch, Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Als Kulturschaffende in der Mitte der Gesellschaft zu stehen und den Spiegel hoch zu halten ist in egal welcher Zeit, eine herausfordernde und wichtige Arbeit. Die Krise ist wie immer auch eine Chance, solange man sich selbige auch „leisten“ kann. Existenzbedrohende Szenarien machen uns wohl noch bissiger, um es mal positiv zu konnotieren.

 

 

Was liest Du derzeit?

Neben dem Drehbuch von Thomas Bischof lese ich gerade „Segel&Riggtrimm“, ein Sachbuch von Ivar Dedekam.

 

 

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Sinnvolle Zitate sind da eher Mangelware aber trotzdem passend fällt mir folgendes ein:

„Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen manche Mauern und andere Windmühlen“

(unbekannt)

 

 

Vielen Dank für das Interview lieber Slivo, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musik- und Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Slivo Slivovsky_Sänger, Komponist, Texter und Schauspieler.

Foto_Astrid Knie

 

25.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Zorn und Stille“ Sandra Gugic. Roman. Hoffmann und Campe Verlag.

 

Das fast leere Zimmer. Die Kartons am Gehsteig. Das unbenutzte Festnetztelefon. Es ist Erinnerung und Abschied. Jetzt und immer. Der Blick zum Himmel. Fort…

Es ist eine Reise zurück. Der Ausgangspunkt und das danach. Die Tourismuswerbung jetzt in der Botschaft. Die Erzählungen des Vaters kommen zurück. Und die Bilder, das Video und seine kindliche Freude darin, die so fremd war. So ungewohnt. War doch alles stets still. Das Bemühen, die Zurückhaltung und auch der Zorn.

„Wenn du an deinen Vater denkst, was ist deine erste Erinnerung? Ich suchte und fand kein Bild, keinen Geruch, keinen Ton, an dem ich mich festhalten konnte, nur eine Leerstelle…“

Im Gepäck hat sie nicht viel. Kameratasche, Stativ, Laptop, ein paar Kleider. Sie ist Fotografin. Das ist der „Ist-Zustand“ ihres Lebens. Das Unterwegssein, die Bilder und die Erinnerung. Und da ist Ira, und auch die „Normsehnsüchte“ nach Schutz und Geborgenheit, Sicherheit. Zwischen Aufbruch und Rückkehr. Zwischen dem Gestern und dem Heute.

Und der Morgen? Was wird dieser sein? Was war dieser je? Für Vater, Mutter, Tante und den Bruder?  Lass` mich sehen, spüren. Lass` mich erzählen. Gestern, heute, morgen…

 

Sandra Gugic, mehrfach ausgezeichnete österreichische Autorin, legt mit „Zorn und Stille“ einen Roman vor, der das Leben, dort wo es ganz still und wortlos in Sonne und Regen verharrt, in die Mitte der Kraft der Sprache katapultiert und damit weit über Person und Zeit hinausträgt. Die Autorin packt Form und Möglichkeit der Literatur an Herz und Seele. Jeder Satz ist und will Welt. Will das Leben fordern und zur Rede stellen. Im Kontext von Ereignis und Geschichte und weit darüber hinaus. Reflektiert, kritisch, mitreißend.

„Wenn Sandra Gugic erzählt, blickt die Welt in den Spiegel. Eindringlich, mitreißend und unmittelbar.“

 

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„Was da gerade abläuft, können wir nicht ändern, wir müssen damit zurechtkommen“ Roland Zingerle, Schriftsteller_Klagenfurt_ 30.8.2020

Lieber Roland, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da der Großteil meines Alltags aus PC-Arbeit besteht, hat sich am Ablauf kaum etwas geändert.

Geändert hat sich jedoch ein wesentlicher Teil meiner Arbeit: Veranstaltungen sind derzeit kaum organisierbar, weil niemand weiß, wohin die Reise gehen wird und sich deshalb niemand festlegen will. Darüber hinaus haben die Sponsoren ihre Budgets gekürzt, weil sie selbst Einbußen hatten, und viele Printmedien haben wegen der zurückgegangenen Werbeeinnahmen ihren Seitenumfang reduziert, was es schwieriger macht, an die Öffentlichkeit zu kommen.

Alles in allem arbeite ich momentan sozusagen ins Blaue und ich fürchte, dass sich dieser Zustand in absehbarer Zeit nicht ändern wird.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was da gerade abläuft, können wir nicht ändern, wir müssen damit zurechtkommen. Deshalb: Locker bleiben und neue Wege suchen.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wenn wir aus der Gegenwart etwas Gutes für unsere Zukunft lernen und auch anwenden können, verwandeln wir Hindernisse in Stufen, die uns nach oben führen – das ist etwas, das jeder für sich selbst tun kann.

Was die Rolle der Literatur betrifft: Eine ihrer wesentlichen Leistungen ist, andere Welten zu zeigen, neue Wege, alternative Verhaltensmodelle. Davon kann jeder profitieren, der einen offenen Geist bewahrt.

 

 

Was liest Du derzeit?

„Österreich im Jahre 2020“

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Angst ist ein gutes Stoppschild, aber ein schlechter Wegweiser.

 

Vielen Dank für das Interview lieber Roland, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Roland Zingerle: Schriftsteller, Schreibcoach

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23.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„SchriftstellerInnen haben keine andere Schulzeit als andere Menschen“ Ronya Othmann, Schriftstellerin _ Station bei Bachmann_Ursulinengymnasium Klagenfurt _7_2020

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„Es ist krass hell hier, sehr schön, wie eine Klosterschule im Roman. Meine Schulzeit war in einem 60/70er Betonbau. Ein Gebäude spiegelt ja auch eine Geisteshaltung, Bildung. Eine konzentrierte Atmosphäre ist hier zu spüren.“

 

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„Ich bin in Bayern aufgewachsen.  Meine Grundschule kam mir immer endlos riesig vor. Später dann klein. es waren zwei Grundschulen nebeneinander, in der Mitte eine Sporthalle, eine ganz andere Architektur. Es war keine konfessionelle Schule wie hier.“

 

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„In meiner Schulzeit habe ich mich gelangweilt und heimlich unter der Bank gelesen. Ich habe viel unter der Bank gelesen.

Es gab aber auch das Entdecken von Lektüre durch Lehrerimpulse. Ich habe etwa Herta Müller durch eine Lehrerin entdeckt oder auch Elfriede Jelinek, das war ganz cool, auch Lyrik. Ich hatte coole Deutschlehrer. Es gab auch creative writing nach dem Unterricht, das habe ich besucht.“

 

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„Ich habe zunächst ein naturwissenschaftliches Gymnasium besucht und bin dann in ein musisches Gymnasium gewechselt. Da gab es viel Raum für Kunst“

„Ingeborg Bachmann hat ja über ihre Schulzeit etwa in der Erzählung „Jugend in einer österreichischen Stadt“ geschrieben.

 

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Ich denke SchriftstellerInnen haben keine andere Schulzeit als andere Menschen. Die Wahrnehmung verändert sich mit den Lebenserfahrungen und-stationen.“

 

Ronya Othmann, Schriftstellerin, Stadtschreiberin _Klagenfurt 2020, BKS Publikumspreisträgerin 2019. 

Station bei Bachmann_Ursulinengymnasium 9020 Klagenfurt. Schule der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1929 – 1973).

 

 

Fotos_Ronya Othmann_Ursulinengymnasium und Interview Ronya Othmann_Walter Pobaschnig _7_20 Klagenfurt. 

Foto_Ingeborg Bachmann an der Tür ihrer Schule des Ursulinengymnasiums Klagenfurt_1968 _Ingeborg Bachmann Erben.

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„Das Seltsamste an unserer Zeit ist doch, dass kein sichtbarer Bruch stattfindet, alles zerfällt mehr und mehr“ Nico Feiden, Schriftsteller_Köln 29.8.2020

Lieber Nico, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hat sich nur wenig verändert. Ich versuche mir stets Freiräume zu schaffen, in denen ich eine Bereitschaft zur Kreativität erschaffe.

Zu meinen morgendlichen Ritualen zählt  ein früher Spaziergang…

Dort erst erkenne ich die Substanz des Tages, dort kristallisiert sich heraus, welchen literarischen Ausdruck meine Arbeit haben wird. Ein früher Morgen trägt die Magie des Unbeschriebenen in sich, eine Freiheit, die ich sonst nur von weißem Papier kenne.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Mein Denken teilt sich nicht in pre- und post-Corona. Diese Pandemie hätte auch  eine Chance sein können, alles zu hinterfragen, was wir seit Jahrzehnten leben und zelebrieren. Das Seltsamste an unserer Zeit ist doch, dass kein sichtbarer Bruch stattfindet, alles zerfällt mehr und mehr, aber da ist kein Krieg (in Europa) kein Untergang, alles besteht weiter fort, vielleicht verändert, aber die scheinbare Sicherheit bleibt und dieses langsame Gleiten zum Abgrund hin löst eine seltsame Art von Erwarten aus, etwas worauf wir uns hinbewegen und was unausweichlich scheint, ob es nun Klimakatastrophen, Kriege oder Hungersnöte sind. Manchmal habe ich das Gefühl, der Mensch hätte sein Schicksal längst akzeptiert.

Aber da ist kein Platz für stilles Hinnehmen, ich fordere einen Aktionismus von  Jedermann/frau. Aus den scheinbar kleinsten Gesten, kann etwas erwachsen, was in allem eine Art Hoffnung weckt.

Ich meine, beginnt damit, dass zu tun, was ihr tun könnt, egal was, Hauptsache es beginnt!

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kunst im Allgemeinen ist von jeher ein Spiegel der Gesellschaft. Was nicht gesagt werden kann, wird geschrieben, gemalt, oder gespielt. Wir können uns dieser Wahrheit hingeben und davon lernen.

In jeder Krise, vor allem in einer, die von Entbehrungen und askeseähnlichen Tagen geprägt ist, kann ein Buch, ein Lied, ein Gemälde das Tor zur Welt symbolisieren.

Wir öffnen uns und lassen die Welt hinein.

Ich glaube vielen Menschen erging es so, dass sie gar nicht mehr wussten, wohin mit all den Stunden eines Tages…

Die Beschäftigung mit dem Selbst ist wohl die grundlegendste Erfahrung der Selbstreflektion. Nur wer über sich selbst im klaren ist, was er oder sie ist, kann die Zusammenhänge des Lebens erkennen und somit sich selbst.

Die Kunst kann im Falle der Selbsterkenntnis einen Reiz und Impuls geben, ein Streben nach innerer Weisheit.

Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, wir sehen sie, wie wir sind, und auch im kreativen Ausdruck eines anderen Menschen erkennen wir meist uns selbst.

Jedes Lesen, jedes Betrachten, jedes Zuhören ist eigentlich nur ein In-sich -selbst-Blicken und Erkennen

 

 

Was liest Du derzeit?

Zurzeit lese ich nichts, da ich mich im Schaffensprozess zu einem neuen Roman, einem Theaterstück und einem Gedichtband befinde. In diesen Phasen lese ich nie andere Autor*innen, um meinen eigenen Ausdruck nicht zu verfälschen.

Meine Leseliste wächst aber dennoch jeden Tag. Neben einer seltsamen Art von Prokrastination – in diesem Fall – dominiert aber die Vorfreude auf all die ungelesen Bücher um mich herum.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Es gibt im Leben Augenblicke, da die Frage, ob man anders denken kann, als man denkt, und auch anders wahrnehmen kann als man sieht, zum Weiterschauen und Weiterdenken unentbehrlich ist“

Michel Foucault

 

Vielen Dank für das Interview lieber Nico, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Nico Feiden, Schriftsteller

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23.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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