„Kunst kann uns helfen, die Welt anders und Anderes zu sehen“ Jens Schröter, Schriftsteller – Netphen/D 28.9.2021

Lieber Jens, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin, natürlich, viel zuhause, arbeite viel, am Rechner, ich male jetzt wieder mehr, gehe eigentlich nur zum Sport raus und natürlich zum Einkaufen. Aber mit den Lockerungen habe ich dann wieder Freundinnen und Freunde getroffen… und es war schön wieder einmal Essen zu gehen. Ganz banal eigentlich.

Jens Schröter_Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir sollten vorsichtig, aber ohne Angst wieder Freundinnen und Freunde treffen. Wieder sozialer werden. Aber wir sollten auch darüber nachdenken, was uns die Pandemie und mehr noch: der Klimawandel über die Welt sagen, in der wir leben. Was müssen wir anders machen? Wir sollten dabei auch eingespielte Gewohnheiten in Frage stellen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wie schon gesagt: Wenn nicht jetzt der Zeitpunkt ist, Gewohntes in Frage zu stellen, wann dann? Müssen wir unsere Ökonomie wirklich über Märkte und Geld organisieren? Gäbe es da nicht andere Formen? Braucht man 300 verschiedene Zahnbürsten im Supermarkt? Muss immer alles noch schneller gehen? Literatur und Kunst können – das mag ein Klischee sein, stimmt aber immer noch, gewohnte Wahrnehmungs- und Denkmuster in Bewegung versetzen. Sie können uns helfen, die Welt anders und Anderes zu sehen.

Was liest Du derzeit?

Wolfgang Koeppen, Ben Lerner, Joscha Wullweber, Iain Banks, Peter Handke, Jorge Luis Borges, Hannah Arendt….

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Als wir ihn ein zweites Mal lasen, stellten wir hinter seiner streng sachlichen Schreibweise eine grundlegende Verschwommenheit fest.“

Vielen Dank für das Interview lieber Jens, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Jens Schröter_Schriftsteller, Medienwissenschaftler

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9.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Themen liegen da. Hinschauen. Annehmen.“ Gabriela Kasperski, Schriftstellerin_Zürich 27.9.2021

Liebe Gabriela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Stehe früh auf, (bin eine zum Morgenmensch mutierte Nachtmenschin und daher permanent unausgeschlafen). Schicke meine Tochter in die Schule, (der Rest der Familie ist erwachsen und muss nicht geschickt werden). Mache den Versuch, 5000 Schritte zu gehen, (bin Geherin), setze mich ins Homeoffice (an den Laptop am Küchen-Wohnzimmer-Gartentisch, war schon immer so, nur seit der Pandemie hats halt einen Namen), erledige Brot-und Kreativjobs, je nachdem was gerade mehr gefragt ist, arbeite bis gegen Abend durch. Schwimme 5000 Schritte (also 1 Kilometer im Zürichsee, sehr privilegiert, sehr wunderbar), hoffe, jemand aus meiner Familie hat gekocht. Arbeite weiter oder auch nicht, lese und schaue ITV-News (Sucht, bin UK-affin, trotz allem).

Gabriela Kasperski, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Themen liegen da.
Reich und nicht arm, need anstatt greed,  
Ungerechtigkeit.
Umwelt. Klima.
Post Pandemie. Isolationweg, Einsamweg, Abstandeinwenigweg.
Kriegweg.
Hungerweg. Foodwasteweg. Plastikweg.
Socialmediaeinwenigweg.
 
Uff. Die total Überforderung.

Was für alle gilt, gilt das auch für mich? Bin ich alle? Sind alle ich? Gibt’s überhaupt Platz für ein Ich? Zusammen gegen den Rest der Welt. Zusammen mit dem Rest der Welt.

Keine Ahnung. Würde meine Tochter sagen, sweet 13.

Die Themen liegen da. Hinschauen. Annehmen. Weitermachen.  



Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt der Literatur, der Kunst an sich zu?

Aufbruch und Neubeginn sind zentral, das können wir eigentlich gut. Erleben wir im Kleinen jeden Morgen, jeden Montag, jeden Frühling. Jedes Neujahr. Ein Konzept, das sich bewährt hat über Jahrhunderte.

Der Neubeginn ist immer eine Chance. Immer. Nur schon die Chance an sich ist eine Chance. Achtung: Jede Chance birgt das Scheitern. Vielleicht sollten wir lernen, das Scheitern als Teil des Prozesses zu akzeptieren und dennoch, gerade weil, umso mehr weitermachen, in dem was uns bewegt, was wir bereit sind, dieser reichen Welt zurückzugeben. Klingt das zu pessimistisch? Ich hoffe nicht. Hoffnung ist auch Teil des Prozesses.

Literatur, Kunst? Auch das ist zentral, und das können wir auch gut. Erleben wir im Kleinen seit immer. Indem wir Geschichten, Stories, Narrative auf künstlerische Weise verdichtet, zu einem Roman, einem Bild, einem Musikstück, einer Skulptur, einer Performanc, indem wir diese Geschichten erleben, wird unser Horizont weit. Die Verzweiflung wird weniger, die Hoffnung mehr. Schaffenskraft überträgt sich.

Aber das klingt alles ein wenig geschwurbelt, gell.

Weil, ich bin doch ich. Was mache ich denn?

Ich persönlich lebe die Themen, die mich schon immer bewegen. Gender und Rassismus. Dafür setze ich mich ein, auf meine Weise. Indem ich meine Bücher (Krimis&Kinderromane) divers halte, neugierig und offen bin, und versuche, jeden Tag etwas von dem Reichtum, den ich erfahre, weiterzugeben.  

Was liest Du derzeit?

Mein Sub (Stapel ungelesener Bücher) ist mächtig. Als Autorin besuche ich viele Buchhandlungen. Aus keiner komme ich raus, ohne mindestens ein Buch. Darum freu ich mich so auf die Sommerferien. Da schreibe ich meinen nächsten Roman. Erforsche meine kleine Bretagnewelt.
Und lese, lese, lese.

In meinen Koffer packe ich darum:

Jeanluc Bannalec: Bretonische Idylle (Ferienfeeling)

Bernardine Evaristo: Girl, Woman, other (Ein Must)

Helen MacCarthy, Women of the world (Recherche)

Nicci French, The lying room (Topkrimi, les ich zum dritten Mal)

Emilia Roig, Why we matter (stellt Fragen, gibt Antworten, very important)

Pia O’Connell: ein irischer Todesfall (Autorinnenkollegin)

Kate Russo, Super Host (Entspannung)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

All the world’s a stage,

And all the men and women merely players, aus As you likeitI, von William Shakespeare. 
Begleitet mich seit meiner Jugend.
Finde Shakespeare gross. Finde , er findet die richtigen Wortfindungen.  

Gabriela Kasperski, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Gabriela, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Gabriela Kasperski, Schriftstellerin

Gabriela Kasperski war als Moderatorin im Radio- und TV‑Bereich und als Theaterschauspielerin tätig. Heute lebt sie als Autorin mit ihrer Familie in Zürich und ist Dozentin für Kreatives Schreiben, Figurenentwicklung und Synchronisation.

www.gabrielakasperski.com

Gabriela Kasperski: Home

Alle Fotos_Kasperski

24.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Sag nie, es gäbe nur den Tod für uns“ Judy Batalion. Die vergessene Geschichte jüdischer Freiheitskämpferinnen. Piper Verlag.

Polen. Ein Land, das im II.Weltkrieg zum ersten Angriffsziel des nationalsozialistischen Regimes wurde und in den folgenden Kriegs- und Besatzungsjahren größten Mordwellen und Greuel ausgesetzt war. Millionen jüdische Bürger*innen wie politisch und anderwertig Verfolgte wurden dabei ermordet. Eine Maschinerie aus Tod und Grausamkeit überrollte das Land und tauchte es immer wieder in Blut und unvorstellbarem Leiden.

Widerstand kam dabei etwa von Partisaneneinheiten in Wäldern wie auch in den jüdischen Ghettos, etwa in Warschau. Es waren todesmutige Widerstandskämpfer, die sich einem skrupellosen Regime entgegenstellten. Doch es waren nicht nur Kämpfer, auch Frauen stellten sich in vielfältiger Form in den Dienst von Freiheit und Widerstand. Voller Mut wie auch oft Aussichtslosigkeit…

Judy Batalion, in Kanada geborene Wissenschaftstheoretikerinund Kunsthistorikerin, greift nun Lebenswege von jüdischen Widerstandskämpferinnen in Polen während des Zweiten Weltkrieges auf und stellt diese in das erschütternde Panorama von Zeit und Mensch.

Die Autorin schildert dabei in beeindruckendem Sachwissen der politischen, organisatorischen wie persönlichen Umstände die Situation der Widerstandskämpferinnen und ihrer dramatischen Lebensumstände. Beeindruckend ist auch die Konstruktion dieses Werkes, das in erstaunlich anschaulicher Weise erzählt und gleichsam wie in einem Film Stationen des Lebens, des Kampfes und des Sterbens mitverfolgen lässt. Es ist da auch eine erstaunliche literarische Qualität zu erkennen, zu der nur zu gratulieren ist.

Ein ausführlicher Anhang mit Bibliographie, Fotonachweis und weiteren Informationen rundet dieses außergewöhnliche wie wichtige Werk sehr gut ab.

„Eine großartige Spurensuche und Darstellung weiblichen Widerstandes und Mutes in schlimmster Zeit –  ein Denkmal, Fanal und Auftrag für Demokratie und Freiheit zu jeder Zeit!

Walter Pobaschnig 9_21

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„Kunst braucht Raum, und zwar dreidimensionalen“ Katharina Klein, Schriftstellerin _ Wien 26.9.2021

Liebe Katharina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich lese oder höre die Nachrichten, dann meditiere ich, um die Nachrichten wieder zu vergessen. Ich bin viel zuhause, zeichne öfter und schreibe weniger.

Katharina Klein, Schriftstellerin, Bildende Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Pauschalaussagen finde ich immer schwierig. Wir leben alle in anderen sozialökonomischen, familiären, emotionalen, etc. Verhältnissen, abgesehen davon, will ich hier keinen Wertabsolutismus verteidigen, aber ich denke, dass das, was wichtig ist und war, dasselbe geblieben ist. Dass es nur schärfer hervortritt. Sich uns mehr aufdrängt in Krisen, aber, grundsätzlich, auf jeden Fall: ohne Empathie ist viel verloren.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Ich sehe das pessimistischer. Aufbruch wäre ja gut, aber wohin.

Welchen Wert die Kunst hat, haben uns die Zeiten ja schon schmerzhaft vorgeführt. Inmitten von Leere und Angst wirkt sie oft besser als so manche Antidepressiva. Aber, ähnlich wie psychische Krankheiten, hat sie gesellschaftlich gesehen, dennoch oft den leidigen Stellenwert einer Randnotiz. Wie fehlpositioniert das ist, hat man gesehen. Kunst braucht Raum, und zwar dreidimensionalen.

Was liest Du derzeit?

„Nach dem Gedächtnis“ von Stepanowa, „Digital Minimalism“ von Carl Newport, italienische Zeitungen und immer und immer wieder die Gedichte von Emily Dickinson.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtet Du uns mitgeben?

„Kopf Du Schweig“  irgendwo in Irre von Rainald Goetz gefunden und erinnert mich oft daran, dass man auch da im Hirn mal zwischendurch gern die Fenster zumachen würde und, wenns mal zu sehr windet, vielleicht auch mal sollte.

Vielen Dank für das Interview liebe Katharina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Katharina Klein, Schriftstellerin, Bildende Künstlerin

Foto_privat.

29.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ich will Klänge malen und greifen“ Fiona Franka Terler, Sängerin_ Wien 25.9.2021

Liebe Fiona, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf sieht immer anders aus. Je nachdem wo ich probe oder woran ich gerade arbeite. Gewisse Dinge wie Sport, Singen, Tanzen, Schauspielen, meditieren, Disziplin, Reisen, gutes Essen, Emotionalität, Spaß, viele Menschen und ein gewisses Maß an Verrücktheit kommen darin immer vor.

Fiona Franka Terler, Sängerin, Musicaldarstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Dinge wertzuschätzen, die unserer Gesundheit und unserer Seele gut tun. Dazu gehört ein nach individuellen Vorlieben  gestalteter Lebensstil soweit dies für jeden einzelnen möglich ist. Gutes Essen, gute Gedanken, Familie, Freunde und schöne Erlebnisse. Einen großen Part für das Wohlbefinden spielt hier auch die Kunst. Ihre Wirkung auf Körper, Geist und Seele darf keinesfalls unterschätzt werden. Darauf möchte ich aufmerksam machen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich kann nur für mich sprechen. Ich bin keine Wahrsagerin, aber von meiner Perspektive aus kann ich sagen: Die Kunst hatte für mich immer eine große Rolle. Sie hat mich verändert, aufgerüttelt, mein Bewusstsein erweitert, wach werden lassen, auf etwas hingewiesen, mich inspiriert,  mich beflügelt, mir Halt gegeben und mich geheilt. Ich bin überzeugt davon, dass sie diese Kraft immer noch hat und immer haben wird. Daher ist sie gerade in diesen Zeiten so wichtig und wird in der Zukunft hoffentlich auch immer wichtig sein, wenn die Menschen dieses Potential erkennen.

Was liest Du derzeit?

Ich lese gerade ein Buch über die Heilung des Inneren Kindes von Stefanie Stahl.

Ich beschäftige mich gerne mit meinem Innenleben, da ich denke, dass Seelenhygiene genauso wichtig ist wie Sport oder Persönlichkeitsentwicklung.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Manchmal ist es stärker schwach zu sein.

Und ein Gedicht von mir „An die Kunst“..

Eine Bitte an die große Kunst
Bitte schenk mir deine Gunst
deine Töne will ich ganz spüren
Mein Herz sollst du verführen
Durchdringe mich gar und ganz
Meine Augen spiegeln den Glanz
Ich kann es fühlen und sehen
Mit dir will ich gemeinsam gehen
Meine Seele schenke ich dir
Das Feuer entfachst du in mir
Ich will Klänge malen und greifen
Mein sein wirst du, nicht nur streifen
Ich will tief in dir schwimmen
Und für dich Großes anstimmen
Ich will dich spüren und halten
Über meine Kräfte sollst du walten
Ich danke für den Zugang zu dir
Leben sollst du für immer in mir.
c. Fiona Franka

Fiona Franka Terler, Sängerin, Musicaldarstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Fiona, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

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Fiona Franka Terler, Sängerin, Musicaldarstellerin

Alle Fotos_Robert Krenker

28.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Dass alles, was ich tue oder unterlasse, Wirkung hat“ Monika Schilfarth, Schriftstellerin_ Nürnberg 24.9.2021

Liebe Monika, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Viel freier als früher, weil unsere beiden Söhne Anfang letzten Jahres kurz hintereinander auszogen. Ich wache etwa um sieben Uhr von alleine auf. Braue mir eine große Tasse Tee und schreibe Morgenseiten. Lege Träume, Grübeleien, Gedankenwirrwarr auf diese Art ab. Verscheuche währenddessen mindestens ein Mal den Buntspecht, der jeden Morgen an der Giebelwand unseres Hauses hängt und Löcher in die Isolation hackt. (Löcher, die wiederum Spatzen als Nistplätze nutzen. So wachsen jedes Jahr in der Wand hinter meinem Lyrikregal Jungvögel heran.) Den Vormittag nutze ich für Bewegung, Haushalt, Organisatorisches, Zeug, das eben erledigt werden muss. Der Nachmittag gehört mit einem Cappuccino als Auftakt dem Schreiben und allem, was dazugehört. Ich überarbeite derzeit einen Romanentwurf. Da werden wohl noch einige Überarbeitungsdurchgänge folgen. Nach dem Abendessen mit meinem Mann sitze ich, wenn es das Wetter erlaubt, in dieser Jahreszeit gerne auf der Terrasse, lese, höre den Igel unter den Büschen schmatzen und Mauersegler schreien, beobachte, wie die Spatzenhorde allmählich ihre Schlafplätze in den Büschen einnimmt, sehe die ersten Fledermäuse kreisen …

Und zum Glück gibt es nun wieder Tage, an denen ich Freunde und Verwandte treffe, eine Lesung besuche … An denen mein Tagesablauf ganz anders als eben beschrieben aussieht.

Monika Schilfarth, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für alle kann ich nicht sprechen. Für mich ist es wichtig, eine gewisse Gelassenheit zu bewahren und den Mut zur Veränderung in meinem eigenen Leben nicht zu verlieren trotz der sich überschlagenden Nachrichten über Katastrophen aller Art; das Bewusstsein zu pflegen, dass alles, was ich tue oder unterlasse, Wirkung hat. Auf mein eigenes Leben, meine Umgebung, die Natur …

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, dass Mitgefühl und Empathie im Zusammenspiel mit Klarheit des Denkens und des Ausdrucks Werte sind, die viel dazu beitragen können, zu einem menschlicheren Miteinander und einem respektvolleren Umgang mit der Natur zu finden. Literatur und Kunst, egal ob in unterhaltender oder ernster Form, können meiner Meinung nach exemplarisch zeigen, inwiefern diese Werte wesentliche Teile der Lösung für persönliche und globale Krisen sein können, ohne in grenzenlose Toleranz, hilflos machendes Mitleid und jämmerliches Selbstmitleid umzuschlagen.

Was liest Du derzeit?

– Andreas Maier: „Ich“ (Frankfurter Poetikvorlesungen 2006)

– Ingo Schulze: „Die rechtschaffenen Mörder“

– Sven Stricker: „Schlecht aufgelegt“

– Und jeden Tag ein wenig Lyrik.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Marie von Ebner-Eschenbach: „Klarheit ist Wahrhaftigkeit in der Kunst“

Vielen Dank für das Interview liebe Monika, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Monika Schilfarth, Schriftstellerin

Foto_privat

23.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Dass man als Künstler*in nicht ständig günstigst oder kostenlos arbeitet“ Massud Rahnama, Schauspieler_ Wien 23.9.2021

Lieber Massud Rahnama, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das ist jeden Tag anders. Aber was ich immer mache, ist, nach dem Aufstehen ein Glas heißes Wasser mit etwas Kurkuma und wenig Pfeffer, etwas Zitronensaft und Essig zu trinken und Schafkäse mit Brot und Walnüssen zu essen. Dann checke ich meine Mails und gehe in meinen Proberaum. Entweder proben, schreiben oder unterrichten. Am Abend erledige ich meine Telefonate, treffe Freunde oder schreibe.

Massud Rahnama, Schauspieler, Regisseur

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir einander mit Respekt behandeln – das beinhaltet auch nicht zu erwarten, dass man als Künstler ständig günstigst oder kostenlos arbeitet. Es wird immer wieder von uns Künstlern erwartet, dass man Auftraggebern entgegenkommt – es wäre an der Zeit, dass die Auftraggeber endlich einmal uns entgegenkommen. Wenn wir uns ständig dumpen lassen, was kann man dann von der Kulturpolitik erwarten.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Sozialkritisch sein, politisch bleiben, das ist die große Verantwortung der Einzelperson und daher auch der Kunst.

Was lesen Sie derzeit?

Zum wiederholten Male lese ich den persischen Mystiker Rumi.

Welches Zitat, welche Textstelle möchten Sie uns mitgeben?

Frei ist der, den die Beleidigungen der Menschen nicht schmerzen, und ein Held ist, wer den nicht beleidigt, der es verdient hätte.

Hör mit den Ohren der Toleranz. Sieh durch die Augen des Mitgefühls. Sprich die Sprache der Liebe.

Vielen Dank für das Interview lieber Massud, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Film-, Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Massud Rahnama_Schauspieler, Regisseur

http://massud-rahnama.com/

Foto_privat.

2.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wir brauchen Kunst und Literatur, um mehr zu fühlen“ Lea Catrina, Schriftstellerin_Graubünden 22.9.2021

Liebe Lea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Morgens versuche ich den ersten Kaffee in Ruhe zu trinken, manchmal lese ich dazu Gedichte, manchmal scrolle ich leider durch mein Handy, bis der Kaffee kalt wird.

Dann schreibe ich.

Kurz vor dem Mittagessen gehe ich duschen, wasche den Morgen ab, um dann am Nachmittag nochmal frisch zu starten.

Meistens gehe ich im Verlaufe des Tages zwischendurch raus. Entweder fahre ich mit dem Auto irgendwohin, streife durch die Stadt oder ich lese ein wenig.

Schreibe weiter.

Als Letztes mache ich alles Administrative. Mails, Rechnungen, Haushalt.

Den Tag beende ich meist mit einem kühlen Bier, meinem Mann und einem guten Film. Wenn es das Wetter zulässt, auch mal mit einem BBQ unter Freunden.

Lea Catrina, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Eigentlich das gleiche wie immer.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wir brauchen Kunst und Literatur, um mehr zu fühlen und weniger zu denken.

Was liest Du derzeit?

«Sketchtasy« von Mattilda Bernstein Sycamore

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

«The world’s continual breathing is what we hear and call silence.»

Clarice Lispector

Lea Catrina, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Lea, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte – besonders auch für Deine Buchneuerscheinung „Die Schnelligkeit der Dämmerung“ – LEA CATRINA und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Lea Catrina, Schriftstellerin

LEA CATRINA

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26.7.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst holt aus dem ständigen Gedankenstrom“ Susanna Klein, Künstlerin_ Wien 21.9.2021

Liebe Susanna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Dackel Finn weckt mich auf- dann gehen wir spazieren, anschließend ins Atelier oder an den Laptop oder raus, um für mein aktuelles Projekt Pflanzen zu sammeln.

Susanna Klein, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig? 

Es ist immer wichtig, den Moment anzunehmen, wie er ist.

Wir leben in einer Überflussgesellschaft, sind medial- & konsumüberfordert. Es täte uns daher allen gut eine Auswahl zu treffen und zu reduzieren.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu? 

Die Kunst spiegelt unsere Gesellschaft wider und ist in der Lage einen aus dem ständigen Gedankenstrom zu holen, der meist mit Vergangenheit und Zukunft beschäftigt ist.

Was liest Du derzeit?

Krishnamurti, das Notizbuch

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben? 

 „Es ist kein Anzeichen von seelischer Gesundheit, an eine zutiefst gestörte Gesellschaft angepasst zu sein.“

Krishnamurti

Vielen Dank für das Interview liebe Susanna, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Susanna Klein, Künstlerin

Info — Susanna Klein (susanna-klein.com)

Susanna Klein (@kleinsusanna_) • Instagram-Fotos und -Videos

Foto_© eSeL.at – Joanna Pianka für Akademie der bildenden Künste Wien.

26.7.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Bis zum Wendepunkt“ Eine Fußballnovelle. Heinz Kröpfl. Sisyphus Verlag.

Die Sprechgesänge im Stadion sind in den Gängen der Spielerkabinen zu hören. Bald geht es hinaus zu der Erde und dem Himmel. Kleinstauber, Tormann, steht vor einem möglichen Höhepunkt seiner Karriere. Schwitzende Hände und viele Gedanken sind jetzt in seinem Kopf. Und dann geht es hinaus. Und das Spiel beginnt. Es ist ein Spiel des Lebens, seines Lebens…

Der österreichische Schriftsteller Heinz Kröpfl legt mit „Bis zum Wendepunkt“ eine sehr spannende literarische Konzeption vor, die mit erzählerischer wie dialogischer Rasanz Fußball als Spiel des Lebens inszeniert und reflektiert.

Es ist gleichsam Literatur in Echtzeit, die Anforderungen, Situationen, Emotionen eines Spiels mit Emotion und Existenz verbindet. Ein sehr interessantes literarisches Experiment, das auf allen Linien aufgeht. Das Lesen ist eine Freude und knüpft an große literarische Vorbilder an.

Sehr bemerkenswert ist auch das Nachwort des ehemaligen Nationalspielers Walter Schachner, das unmittelbare Erfahrungen von Spielsituationen wiedergibt.

„Eine Erzählung, die mit Rasanz und inhaltlicher Raffinesse ins Tor trifft.“

Walter Pobaschnig 9_21

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