Liebe Johanna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Kaffee und Zigarette, Yoga, Diplomarbeit schreiben. Einmal am Tag durch die leere Stadt spazieren, das macht nachdenklich und bescheiden. Dafür habe ich mir in meinem üblichen Alltag oft nicht den Raum gegeben. Ich nehme mir jetzt anders Zeit über Dinge nachzudenken, ich schenke sie mir.
Johanna Mahaffy, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Empathisch sein, mehr zuhören, reflektieren und etwas daraus lernen. Dadurch, dass sich unsere Gesellschaft gerade in gewissen Themen spaltet, ist es wichtig, solidarisch miteinander umzugehen. Den eigenen Blick zu weiten und nach Lösungen nicht nach Sündenböcken zu suchen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich denke, dass Flexibilität, Geduld und ein gewisses Umdenken notwendig ist und sein wird. Im Sommer, mit Abschluss meines Schauspiel Studiums bin ich nicht davon ausgegangen, einen Platz als Schauspielerin am Theater zu finden, da unser Abschlussjahrgang von den Maßnahmen und Konsequenzen der Pandemie sehr betroffen war. Trotz dessen in dieser Zeit ein Engagement zu bekommen, arbeiten zu dürfen und meiner Leidenschaft nachzugehen, hat sich für mich wie ein großes Privileg angefühlt. Aber die Ungewissheit wie es im Beruf weitergeht, ist immer noch sehr präsent.
Ich hoffe auf eine positive Veränderung, nachdem man realisiert hat, was Kunst für eine essenzielle Rolle in unserem Leben spielt. Ich glaube, dass gerade in dieser Zeit bewusst wird, wie sehr wir Kunst und Kultur konsumieren und jeden Tag damit konfrontiert sind. Gerade auch deshalb hoffe ich auf eine größere Wertschätzung und Unterstützung für die Kunstszene.
Was liest du derzeit?
Eine kleine Geschichte der Menschheit von Juval Noah Harrari.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Verstohlen träumen wir von Wald und Wiese Und dem uns zugeworfnen Brocken Glück… Kein Morgen bringt das Heute uns zurück, Wir haben keine andre Zeit als diese
Mascha Kaleko
Johanna Mahaffy, Schauspielerin
Vielen Dank für das Interview liebe Johanna, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Johanna Mahaffy, Schauspielerin
Fotos_Marko Mastrovich.
6.12.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Lieber Felix, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Zur Zeit wieder einmal recht eintönig. Man möchte meinen man gewöhnt sich auch an das erratische auf und zu… also einigermaßen früh auf, zuerst wenn möglich immer etwas Zeit für mich. Ich trinke zwei Gläser Wasser, dann Kaffee und lese Zeitung. Dann meist ein Spaziergang ins Atelier im Nachbarbezirk. Vieles meiner Arbeit könnte ich zwar auch von zuhause aus erledigen; der Ortswechsel hilft aber der eigenen Disziplin ungemein.
Felix Huber, Bühnenbildner und Künstler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
„Wir“ glaubten ja lange, dass die Zukunft sowieso immer nur mehr vom Gleichen für uns bereithalten kann; die Gegenwart nur ein unausweichlicher Schritt auf dem Weg in eine feststehende (bessere) Zukunft ist. Daher ist, wie auch sonst immer, besonders wichtig mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und genau hinzuschauen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich weiß nicht ob „wir“ vor einem Neubeginn stehen. Ich bin da eher skeptisch. Ich denke aber es ist besonders wichtig den Glauben an Fakten und so etwas wie „Wahrheit“ zurückzuerlangen, obwohl die natürlich immer auch uneindeutig und verschwommen daherkommt. Ich glaube hier kann Kunst durchaus eine Rolle spielen, wenn sie versucht nicht einen Wunsch zu illustrieren sondern der Realität Fallen stellt. Darin treten Spannungen auf, die nicht immer schön sind, aber umso profundere Erfahrungen und vielleicht sogar Erkenntnisse zulassen.
Was liest Du derzeit?
Shakespeares „Coriolanus“ , weil ich daran zur Zeit arbeite. „Dark Star“ eine Biografie von Vivien Leigh und „The Brutality of Fact: Interviews with Francis Bacon“.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Art is an obsession with life and after all, as we are human beings, our greatest obsession is with ourselves“ (Francis Bacon)
und vielleicht noch
“Von zwei Dingen zu sagen, sie seien identisch, ist ein Unsinn, und von Einem zu sagen, es sei identisch mit sich selbst, sagt gar nichts” (Ludwig Wittgenstein)
Felix Huber, Bühnenbildner und Künstler
Vielen Dank für das Interview lieber Felix, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Stefanie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Den Morgen starte ich mit einem Glas Wasser, Kaffee und derzeit mit hoffnungsvollem Blick aus dem Fenster, ob es geschneit hat – ich finde, dann würde die Welt gleich so viel friedlicher aussehen. Das war‘s dann aber auch schon mit Regelmäßigkeiten. Ich habe Projekte, auf die ich mich vorbereiten kann. Das tut gut. Außerdem hab ich gerade organisatorisch einiges zu erledigen und bereite mich auf das neue Jahr vor. Für mich persönlich ist dieser Lockdown die bisher schwierigste Zeit der Corona Krise. So ermüdend… Normalerweise bedeutet mir ein Jahreswechsel wirklich nicht viel. Jetzt aber steh ich in den Startlöchern für das neue Jahr und hoffe, es bringt Hoffnung und bessere, klarere Perspektiven für uns alle mit sich.
Stefanie Früholz, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Vertrauen, Zuversicht und Zusammenhalt, noch ein wenig Geduld und Ausdauer, aber vor allem: Liebe und Nähe zu unseren Lieblingsmenschen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich glaube, wir sind noch mitten im Um- und Aufbruch. Der Neubeginn ist dann der nächste Schritt. Alte Strukturen und Systeme bröckeln und brechen, wo man hinschaut. Das ist turbulent, aufregend und gut. Dennoch muss noch viel passieren. In so vielen Bereichen muss endlich ein Umdenken stattfinden und gehandelt werden. Klimakrise, Flüchtlingskrise … Themen müssen enttabuisiert werden, mentale Gesundheit an Aufmerksamkeit gewinnen. Hierarchische Strukturen, vor allem männlich dominierte, müssen aufgebrochen werden – nicht nur in der Kunst… Ich will träumen: Sonnige Zeiten für ein gutes Miteinander sind angesagt, nachdem es Akzeptanz, Toleranz und Respekt geschneit hat.
In dieser Krisendichte kann Kunst uns helfen, zu erinnern, zu fordern, durchzuatmen, wachzurütteln. Sie kann Spiegel sein, sie kann Aussicht sein, Zuflucht und Eskapismus, Spekulation über die Zukunft und Reflexion der Vergangenheit. Welche Rolle sie genau in diesem Stück „Neubeginn“ übernehmen wird, weiß ich noch nicht. Aber sicher eine Mehrfachrolle J
Was liest Du derzeit?
„Ändert sich nicht, ändert sich alles“ von Katharina Rogenhofer. Keine Gute-Nacht-Lektüre für schöne Träume, aber ein so wichtiges Buch.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„da draußen. sprießt sie doch. die zukunft. die uns keine einkunft. die uns keine auskunft. die vielleicht eine ankunft. die dann ein schöner ort. wäre. vielleicht.“ – Renate Aichinger
Stefanie Früholz, Schauspielerin
Vielen Dank für das Interview liebe Stefanie, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Der Klagenfurter Fotograf, Ernst Peter Prokop, legt mit „Ansichtssache“ einen beeindruckenden Bilderbogen fotografischer Porträts des Kulturlebens in Kärnten vor, der in seiner Vielseitigkeit wie Überraschung begeistert.
Die Fotografien von Peter Handke, Udo Jürgens, Friedrich Gulda oder Kiki Kogelnig wie vielen anderen Künstler*innenpersönlichkeiten laden in ihrer natürlichen Porträtsprache zum spannenden Erinnern wie neugierigen Nachdenken und Nachfragen ein.
Ebenso sind die Texte zu den Fotos von Wegbegleitern wie Familienangehörigen persönliche wie kulturgeschichtliche Kurzporträts, die begeistern.
Die Herausgabe dieses Fotobandes würdigt in hervorragender Weise das vielseitige Foto- Kunstoeuvre eines außergewöhnlichen und immer an Innovation interessierten Fotografen, der Künstler, Chronist und wunderbarer Bilderzähler in einem ist.
„Ein eindrucksvoller Porträt-Fotoband als Schatzkiste Kärntner Kulturgeschichte der Moderne und deren vielseitigen internationalen Wegen“
Lieber Helmut, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Im Lockdown gerade an einigen Projekten feilen, mir einreden dass ich Bildungslücken fülle (indem ich zb Filme von meiner Filmliste abarbeite oder Podcasts süchtle) und mir sonst verhasste Tätigkeiten (aufräumen, sortieren, putzen, etc) liebgewinnen. Ansonsten ist auch social media durchaus was, wo mich ein Wurmloch manchmal erst nach ein paar unproduktiven Stunden wieder auswirft. Und viel schreiben/telefonieren mit (mir) lieben Menschen.
Helmut Frauenlob, Schauspieler und Kabarettist
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich bin kein Experte (abseits der Kunst vielleicht) und (leider) auch (noch) kein Guru, aber mal ein paar Überlegungen, die ich von mir geschätzten Personen geliehen habe:
Zuerst einmal Empathie für und Solidarität mit den am schwersten Betroffenen der Pandemie: Kranke, Gefährdete und Menschen, die Freunde/Angehörige verloren haben, Systemerhalter*innen aller Art und nicht zuletzt die Gruppen, die von den Maßnahmen am meisten betroffen waren (Kinder, Frauen, Arme sowie marginalisierte Gruppen). Die Liste ließe sich noch lange fortführen.
Aber auch nicht den Fehler machen, die Empathie soweit auszuweiten, dass die Toleranz für Andersdenkende, die natürlich unbedingt ratsam ist, mit einer völligen Ohnmacht gegenüber unwissenschaftlichen (Nicht-) Argumenten verwechselt wird. Freiheit ist etwas, das wir nur gemeinsam (wieder) erreichen können und ich würde mir wünschen, trotz aller Differenzen, doch den gemeinsamen Nenner und das gemeinsame Ziel (auf die schwächsten in der Gesellschaft zu schauen) nicht aus den Augen zu verlieren, weiter versuchen zu überzeugen statt zu bekämpfen und nicht den vermeintlich “einfachen” Lösungen zu folgen und damit auch den (Rechts-) extremen Hetzern und Demagogen auf den Leim zu gehen.
Ich persönlich kann mangels Expertise in den angesprochenen Bereichen nur versuchen, mein Vertrauen in meiner Meinung nach glaubwürdige Institutionen sowie kompetente Personen zu setzen und darauf zu hoffen, dass diese mich nicht enttäuschen. Eine andere Möglichkeit sehe ich für mich nicht (übrigens auch in vielen anderen Themenbereichen).
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Kunst ist und bleibt essentiell, auch wenn sie sich während akuten Krisen wie dieser meiner Meinung auch manchmal für einige Zeit zurückziehen sollte (und anderen eine Bühne bieten). Aber nicht um zu verschwinden oder nichts zu tun, sondern um mal für kurze Zeit die eintrainierten Beissreflexe abzulegen und wieder in eine Beobachterrolle (als Kunstschaffende, nicht als Privatpersonen) zu kommen, aus der das revolutionäre und verbindende Element der Kunst gedeihen kann, das nur mit wirklicher Radikalität und daher ein wenig Distanz gelingen kann, weil man dann auch die eigene Menschlichkeit wieder wahrnimmt und nicht nur den Lärm, der einen heutzutage immer und überall umgibt.
Was liest Du derzeit?
Generell zu wenig (ein Stapel von ungelesenen Büchern erinnert mich täglich daran), weil meine Aufmerksamkeitsspanne mittlerweile auch schon “instagramisiert” wurde, aber im Lockdown grad (mit einem neuen Versuch): “RIOT DO’NT DIET” von der Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Lechner über die Normierung von Körpern und wie Abweichungen von der Gesellschaft und unserem Wirtschaftssystem bestraft werden (vor allem bei Körpern von marginalisierten Gruppen).
Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Hab ehrlicherweise googlen müssen, weil mir aus dem Stehgreif kein berührendes/geniales Zitat eingefallen ist und bin dann auf diese Zuspitzung vom großartigen David Graeber gestoßen (der letztes Jahr leider viel zu früh von uns gegangen ist): “Je sinnvoller eine Tätigkeit für die Gesellschaft ist, desto schlechter wird sie bezahlt.”
Helmut Frauenlob, Schauspieler und Kabarettist
Vielen Dank für das Interview lieber Helmut, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel-, Kabarettprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Helmut Frauenlob, Schauspieler und Kabarettist
Fotos_ 1 Nina Siutz; 2 Michael Giefing.
3.12.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Stefanie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Nachdem ich am Tag vor dem Lockdown noch eine Premiere hatte – inklusive dem dazugehörigen Stress – nutzte ich jetzt die Zeit um aufzuholen was liegen geblieben ist. Als große Freundin der To-Do-Liste fühle ich mich also eh in meinem Element. Vor allem der Hund genießt Lockdowns geradezu – die langen Spaziergänge im Wald tun aber nicht nur ihm gut.
Stefanie Elias, Schauspielerin und Podcasterin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich denke, wir müssen alle aufpassen, dass wir nicht anfangen uns gegeneinander zu wenden. Ich merke selbst, dass ich in alltäglichen Situationen viel gereizter reagiere, als ich es von mir kenne. In Zeiten wo sich Menschen mehr und mehr polarisieren (lassen) – durch Medien, Informationsunterschiede, Social Media, die Politik und nicht zuletzt durch sich selbst – sollten wir alle bewusst darauf achten aufeinander zuzugehen, uns auf Augenhöhe gegenseitig zuzuhören und vorgefertigte Meinungen stets zu hinterfragen.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich denke, dass niemand genau weiß wie die Zukunft aussehen wird. Darin liegt aber meiner Ansicht nach auch eine Chance. Wenn Dinge, die wir für unumstößlich gehalten haben, plötzlich wegbrechen, kann das angsteinflößend sein. Aber die Möglichkeit Festgefahrenes komplett neu zu denken ist doch unglaublich spannend. Ich denke, dass Kunst gerade jetzt viel Neuland erobern kann.
Was liest Du derzeit?
Leben, um davon zu erzählen von Gabriel Garcia Márquez – ein Buch, das schon lange auf meinem Nachtkasterl wartet. Jetzt habe ich endlich die Zeit dazu. Und Untenrum Frei von Margarete Stokowski.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
It’s better to dance than to march through life. Yoko Ono
Stefanie Elias, Schauspielerin und Podcasterin
Vielen Dank für das Interview liebe Stefanie, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Ich wache meist gen 5:00 auf, egal ob ich das will oder nicht, tapse in die Küche, beende das Geschirrstapelchaos meiner Kinder vom Abend. Nachdem die Spülmaschine arbeitet, schlurfe ich mit dem Türkischen in der Hand ins Wohnzimmer, um eingemummelt auf meinem Lieblingssessel den herannahenden Tag zu treffen. Jeder einzelne davon hat andere Aufgaben, ich bin selbständig, aber diese dunkle Stille am Morgen ist immer gleich sicher.
Heute, Donnerstag, gibt es nur einen Außentermin nachmittags, AG Kreatives Schreiben in einer Gesamtschule Potsdam. Dort werde ich literarische Atmosphären besprechen. Wie und warum erschaffe ich sie? Was bewirken sie?
Es dämmert, ich ziehe mir den Laptop auf die Knie und arbeite weiter am Konzept für das Halbjahresprojekt mit zwei Kooperationspartnern, um mit Mitteln des Kreativen Schreibens, Treffen mit Wissenschaftlern, Kontakt mit Künstlern und Autoren den Kindern und Jugendliche, die nicht so umsorgt werden mit Bildung, Literatur und Kunst eine Arbeitsplattform zu schaffen. Vertrauen in ihre Fähigkeiten zu entwickeln, zu stärken, damit sie frei ihre Geschichten schreiben können oder erzählen, Bilder malen, Fotos machen. Die Deadline klebt neongrün am Laptop. Muss ich in Etappen denken. Mach ich erstmal Pause.
Die Spülmaschine piepst. Kinder wachen auf, Schule, Brote, Puschelei. Los.
Auf meinem Schreibtisch drängeln sich die Aufgaben. Sie machen mich wuschig, weil ich nicht weiß, was ich jetzt zuerst machen soll.
Die Radiosendung „Auslesen“ am 28.11. – 16:00h bei Max v.d.O. Meine vertonten Texte zum Vorlesen auswählen, meine Gedichte sichten, Musik, die mich vom Hocker reißt und zu mir gehört auswählen. Schwer, Ich hab ja nicht ewig Zeit, geht ja nur ne Stunde, dieses wunderbare Format um Autor:innen mit ihren Werken vorzustellen, quatschen, vorlesen, lachen, Musik zu hören. Mit Max wird das sicher gut gehen, auf UKW 91,0 MHz oder im Livestream www.alex-berlin.de/radio
Die Nachbereitung des Kreativen Schreibworkshops im Rahmen des Kunstphotoprojektes: Bestiarium. Stories von bedrohten Bestien.
Vier Dienstagstermine in folge, vier Klassen schreiben Fabeln, Kurzgeschichten, Gedichte, Comics unter meiner Leitung zu der Ausstellung im Gotischen Haus Berlin Spandau. Am Ende entsteht ein Buch. Vier Bücher liegen vor mir.
last but not least
Mein wort_trifft_ton_&_bild Programm fürs nächste Jahr zusammenstellen.
Mein Format, das Aufeinandertreffen von verschiedenen künstlerischen Ausdrucksweisen zu einem Thema gemeinsam ein Ganzes zu entwickeln, die Perspektiven der anderen wahrzunehmen, Empfindungen auszutauschen, jeder mit seiner Form und dann dem geneigten Publikum das Ergebnis zu präsentieren. Mit Wenzel Benn, einem jungen Jazzkomponisten und Improvisatoren, erschaffen wir experimentelle Klangteppiche aus Geräuschen, Tönen, Lauten, auf denen ich dann meine Texte und Gedichte lese und wir improvisieren. Die dritte Tour muss ich also organisieren, wenn sie stattfinden soll. Soll! Ich liebe es vor Menschen zu lesen, sie zu erreichen. Der Austausch danach ist unbezahlbar.
Mach ich also die Nachbereitung zuerst, da kann ich auch für das Halbjahresprogramm noch Gedanken notieren.
Nach dem Haushalt, den Kindern und so, nach dem schlechten Gewissen, was heute alles NICHT geworden ist, sitze ich und lese in meinen Universen, um in die Innenwelt, die Denkräume zurückzukehren, zu der Stille vom Morgen. Das hab ich mir verordnet. Lesen. Anhalten. Verdichten. Neue Szenen schreiben.
Jana Franke, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Mit Herzenswärme und Humor Frohsinn unter die Leute streuen. Seinen Geist nicht schläfrig werden lassen, die A-H-A und Umgangshygiene einhalten. Respektvoll und dankbar im Umgang mit Bundesmitteln, mit Zusammenarbeiten, mit geschenkten Zeiten und Aufmerksamkeiten, mit Freundschaften. Eigentlich wie sonst auch.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Kunst und Literatur bleiben Ausdruck der inneren Auseinandersetzungen, mit dem, was äußere Bedingungen bieten, egal ob sie ins Außen dringen, finden sie doch statt. Der Prozess, ist er einmal in Gang, versiegt nicht.
In der Zurückgezogenheit des Pandemiefrühlings 2020 waren die Wasseradern der Serenissima ungetrübt, sodass wir Schildkröten sahen und Delfine neben den Gondeln sprangen, die auch in brauner Brühe lebten, nur eben unsichtbar für uns. Der Himmel blau und unzerschnitten, die Vögel schrien weniger und unterhielten sich fassettenreicher. Die Luftverschmutzung nahm erstaunlich schnell ab. Natur, die sich selbst in kürzester Zeit regeneriert. Schreibpulsierend, möchte ich meinen.
Der digitale Raum ist zu einer festen Größe geworden, in der sich neue Kunst- und Literaturformate etabliert haben. Parallelwelten entwickeln sich, in der die Frage : Was ist Realität?, neu zu bewerten ist.
Nebenher wachsen autokratische Regierungen, die dem demokratischen Gedanken an die Gurgel gehen.
Der Begriff Narzissmus und wie sich zu verhalten ist, verschafften sich Platz auf der großen Bühne, wie auf den unzähligen Kleinen. Ein Schauspiel der besonderen Art. Weiß Gott nicht neu, aber nah und bedrohlich. So sichtbar, wie des Kaisers neues Kleid.
Da können wir uns nun verhalten mit unserer Kunst, schreiben und uns ausdrücken.
Was liest Du derzeit?
Ich hab Stapel und lese quer.
Momentan lebe ich in diesen Lyrikwelten : VLUST von Anna Hofmann. Ulrich Koch: Dies ist nur der Auszug … . Jan Wagner: Selbstporträt mit Bienenschwarm und von der wunderbaren Romina Nikolic geschenkt bekommen, Michael Stavaric: Zu brechen bleibt die See. Und natürlich, TISCH Tuch Notizen von Johanna Hansen.
Im Leserausch von Deborah Levi´s: Landschaft verschluckt. Übersetzt von Marion Hertle, mit Empfehlung meiner Buchhändlerin Stefanie auf meine Frage: Was gibt’s Neues?
Den poetischen Miniaturenroman, soeben erschienen, „Manchmal oben Licht“ von Monika Littau, den ich letztes Wochenende auf der Heimfahrt von Bonn las, zweimal nachorderte, um ihn in Haushalte zu schicken, denen diese literarische Einlassung Hilfe sein wird.
Das Manuskript von Carmen Winters Gedichtband : Tanz auf Distanz, der Anfang Dezember erscheinen will.
Naja und dann noch Rechercheliteratur für die Kreativen Schreibprojekte des nächsten Jahres, die ich machen darf, u.a. Dank der Unterstützung des Friedrich Bödecker Kreises Brandenburg. Kat Menschik – Mark Beneckes illustrirtes Thierleben Katharina Herrmann – Dichterinnen und Denkerinnen
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Einen Gedanken zu … was wir heute von Hilma af Klint lernen können: „In Anfängen zu denken und polarem Denken zu misstrauen. Nichts leuchtete Ihr weniger ein, als die Welt in Gegensätze zu ordnen“ … so ihre Biografin, die Kunsthistorikerin Julia Voss über die Pionierin der abstrakten Malerei.
Vielen Dank für das Interview liebe Jana, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Herzlichen willkommen, liebe Julia Lorünser, Sängerin, Schauspielerin, hier im Cafè Prückel in Wien!
Diese Interviewreihe mit Künstler*innen ist betitelt mit „Vienna Calling“ und nimmt dabei auf den Wiener Musiker Falco und die 80thies Bezug. Das Regenwetter heute erinnert an den Song „november rain“, der in den 80thies berühmt gewordenen Band Guns n`Roses. Gibt es einen Lieblingssong aus dieser Zeit von Dir?
Ich höre sehr gerne Musik aus den 80thies, daher ist es eine schwierige Frage, die Liste ist lang (lacht). Sehr gerne habe ich AC/DC gehört, da auch die älteren Nummern. „Gimme A Bullet“ würde mir jetzt einfallen, das ist aber glaube noch aus den 70thies. Ich möchte es aber dabei belassen, da AC/DC für mich die 80thies wesentlich mitgeprägt hat.
Was schätzt Du als Musikerin an AC/DC, die ja als Band über Jahrzehnte erfolgreich geblieben sind?
AC/DC haben einen ganz eigenen Stil des Rock `n` Roll entwickelt und waren nicht so angepasst. Die 80thies Band Bon Jovi war im Vergleich dazu etwas im „Schonwaschgang“ des Rock. AC/DC hat dagegen kompromisslos etwas auf den Plattenteller gehau`n (lacht). Ich schätze das und finde es faszinierend, wenn man nicht versucht, glattgekämmt mit dem Strom zu schwimmen, sondern etwas anderes macht, ohne sich dabei zu denken wie kommt das an, werden die Leute das mögen? Sondern dass man einfach neue Wege geht.
Du bist selbst Musikerin – in welche Richtung geht Deine Musik? Was inspiriert Dich?
Tatsächlich in diese Richtung. Es ist Rock, Hard Rock, aber da ich mit Punkrock aufgewachsen bin wie auch meine Bandkollegen sind auch diese Wurzeln zu hören. Es ist eine sehr energiegeladene Musik und so sind auch unsere Live-Auftritte.
Das Publikum empfindet es meist auch als ein outburst an Energie (lacht). Das ist so der allgemeine Tenor.
Wie heißt Deine Band und was inspiriert euch?
Die Band heißt „Igel vs.Shark“. Ursprünglich ist dabei der „Adler“ (Eagle) gemeint. Um Copyright Komplikationen mit einem gleichnamigen Film zu vermeiden, haben wir uns für das deutsche Wort Igel entschieden, das ja im Wortklang gleich ist.
Es steckt natürlich auch Selbstironie im Bandnamen gegenüber den gängigen Klischees von Rock nur mit Lederjacke und Tattoos und einem „Hartsein“ als Selbstdarstellung.
Ich spiele Bass und singe in unserer Band.
Wir sind Menschen, die sich dem Rock verschrieben haben, ohne die coolen Rocker als Programm ständig hinaushängen zu wollen. Wir nehmen uns in dieser Hinsicht nicht so ernst.
Es braucht auch im Rock immer ein Augenzwinkern, wie im Leben (lacht).
Das heißt Du bist Rockmusikerin ohne Lederjacke und Tattoos?
Ich habe eine Lederjacke aber es ist kein Muss (lacht).
Welche Bedeutung hat die Tiersymbolik im Bandnamen für Dich?
Es ist ja ein Gegenüber der Tiere, ein versus. Ein Igel gegen einen Hai. Wir werden oft gefragt, wer gewinnt denn da jetzt? Für mich steht der Igel für den underdog in diesem Duell, der dann doch gewinnt.
Was sind Themen Eurer Musik?
Alles mögliche (lacht). Vom Feiern, dem einfach eine gute Zeit zu haben bis zu Problemen, Themen der Gesellschaft.
Wir würden uns nicht als politische Band bezeichnen aber die Probleme im gesellschaftlichen Zusammenleben beschäftigen uns und finden Ausdruck in der Musik.
Unsere Konsumgesellschaft in ihrem „eat, drink, fuck, die – repeat“, wie es in einer unserer Textzeilen im neuen Album heißt – ich weiß gar nicht ob ich das schon verraten darf (lacht) – da sehen wir schon kritisch auf uns selbst, auf Mensch und Zeit, hin. Das beschäftigt uns auf jeden Fall.
Wir sind aber keine Zeigefinger Band was die Gesellschaft betrifft.
Welche weiteren Pläne gibt es jetzt mit Deiner Band?
Wir planen jetzt einen weiteren Entwicklungsschritt mit einem neuen Label und freuen uns auf diese spannende Zukunft.
Wir haben bis jetzt viel selbst organisiert, geplant und versuchten uns so durchzuschlagen. Jetzt hoffen wir, dass sich neue Möglichkeiten ergeben, wenn man sich da etwas unter die Arme greifen lässt.
Derzeit ist es natürlich pandemiebedingt eine paradoxe Situation. Einerseits gibt es Perspektiven und Wege und anderseits wird man aufgrund der Situation zurückgehalten, weil wir nicht spielen können und auch nicht wissen, wie lange dies so sein wird.
Wenn man neue Songs rausbringt, möchte man diese natürlich auf die Bühne, zum Publikum bringen.
Ist die Musik der 80thies und das damit verbundene Lebensgefühl auch heute inspirierend?
Die 80thies hatten viele musikalische Wege, Aufbrüche zu bieten. Da hat sich sehr viel getan. Auch politisch natürlich, wenn man etwa an den Mauerfall (Anm: Berlin 1989) denkt. Da haben sich ja fast wortwörtlich neue Welten aufgetan.
Ich würde mir wünschen, dass wir etwas von diesem „drive“ der 80thies mit in unsere Zeit nehmen.
Den Mut zu leben und auch den Mut für die Zukunft zu haben, in vielerlei Hinsichten, dass geben uns die 80thies zweifellos mit.
Du bist Musikerin, Schauspielerin und Kulturanthropologin. Wie kam es zu dieser spannenden Kombination und welche Inspirationen bzw. Zusammenschauen ergeben sich daraus?
Ich habe mich immer schon sehr für den Menschen und seine Lebensweisen in unterschiedlichen Kulturen interessiert. Diese Aufmerksamkeit, Wahrnehmung stand dann im Mittelpunkt meines Studiums der Sozial- und Kulturanthropologie.
Mich interessieren Menschen in ihrem Verhalten und Erleben, ich beobachte dies gerne. Das Cafè ist ja ein wunderbarer Ort dafür (lacht).
Dieses Interesse für den Menschen kommt mir natürlich auch im Schauspiel zugute, im Rollenspiel, der Erarbeitung und Darstellung von Charakteren.
Die Musik war vor allen anderen da (lacht). Damit bin ich aufgewachsen. Ich habe meinen Brüdern immer über die Schultern geschaut, wie sie damals in Bands gespielt und Musik gemacht haben, bin auch auf Konzerte mitgenommen worden – und das wollte ich auch- auf die Konzertbühne.
Auf der Bühne zu stehen, ob im Theater oder bei einem Konzert, hat einen Suchtfaktor. Man braucht das immer wieder, weil es einem so viel zurückgibt. Es ist für mich wie eine Droge.
Du bist nicht in Wien geboren und aufgewachsen. Wie war Dein Weg nach Wien?
Ich bin in Bludenz, Vorarlberg geboren und aufgewachsen, zur Schule gegangen.
In der Schule habe ich auch schon Theater gespielt. Mein Deutsch Professor hat mich damals in die Theatergruppe eingeladen, in der er auch inszenierte. Meine Liebe zum Theater hat da seine Wurzeln. Ich habe das Schauspiel meinem Deutsch Professor zu verdanken (lacht).
Nach der Matura wollte ich immer in Wien studieren. Für mich war klar, ich will in diese Stadt und das habe ich auch gemacht.
Wie war das Ankommen für Dich in Wien und wie ist es heute für Dich?
Das Ankommen war schwer. Ich brauchte einige Jahre, um mich in dieser Stadt zurechtzufinden. Dieses pulsierende Leben forderte heraus und faszinierte. Das ist heute noch so. Die Ruhe fehlt mir aber schon in der Stadt.
Ich schätze das kulturelle Angebot Wiens mit Konzerten, Theater, Kabarett und vielen weiteren kulturellen Möglichkeiten, wo du spontan hineinstolpern kannst, sehr. Derzeit ist ja leider dies nicht möglich.
Du spielst Bassgitarre und singst. Wie kam es dazu?
Ich habe in meiner Schulzeit ein musisches BORG (Gymnasium Oberstufe; Anm.) besucht und da Gitarre gelernt.
Als wir unsere erste Band gründeten, war der Bass naheliegend, da die Gitarre schon besetzt war. Ich habe dann zum Bass gewechselt.
Ich singe im Background, sehe mich derzeitnicht als Frontsängerin.
Welche Bezüge gibt es von Dir zum Wiener Musiker Falco, welcher ja wie Du zunächst auch Bass spielte, und dessen Musik?
Ich denke, dass man als Österreicher*in nicht an Falco vorbeikommt. Da hat jeder so seine Berührungspunkte. Für mich war es der Song „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“ in den 90thies. Das war ja ein Riesenhit und ich habe es damals lauthals mitgesungen (lacht).
Wir haben für das Fotoshooting “Vienna Calling“ das Tastentelefon der 80thies/90thies hier. Welche Gedanken hast Du dazu?
Ja, schön (lacht), da wird man ganz nostalgisch. Wir hatten auch ein Tastentelefon mit Kordel Zuhause.
Herumspazieren mit dem Telefon wie jetzt beim Shooting (lacht), konnte man natürlich damals nicht. Man war da ja gebunden an den Standort und beim Telefonieren im Mittelpunkt des Familiengeschehens (lacht).
Telefonierst Du gerne und viel?
Damals haben ich mit den Freundinnen aus der Schule telefoniert, aber nicht so lange (lacht), da es ja ein Familientelefon war.
Auch heute halte ich Telefongespräche meistens sehr kurz. Ich spreche lieber, wie jetzt, mit einem Gegenüber von Angesicht zu Angesicht.
Was sind Deine derzeitigen Projekte im Schauspiel?
Ich habe heuer leider kein Theater gespielt. Ich hatte Werbedrehs und ein Dreh für eine Hollywood Netflix Produktion in Prag steht nun bevor. Das ist sehr schön und ich freue mich darauf. Das sind dann diese positive Impulse, gerade in diesen Zeiten, die man ja in jedem Beruf braucht. Ich freue mich, dass wieder was weitergeht und daran halte ich fest (lacht).
Worum geht es bei diesem Film Projekt? Dürfen wir da schon etwas erfahren?
Ich darf jetzt nur den Drehort, Prag, verraten, mehr leider noch nicht.
Bezugnehmend auf „Vienna Calling“ – welche Lieblingsstädte gibt es für Dich?
Ich bin ein Fan von Edinburgh. Überhaupt England, Schottland, auch die Städte im Norden Europas gefallen mir sehr gut.
Das alljährliche Edinburgh Festival Fringe im Sommer ist auch ein absolutes Highlight mit einem unglaublich vielfältigen Angebot an Theater, Konzerten, Comedys und mehr. Ich war da auch einmal mit einer Produktion vor Ort und es war begeisternd, dieser so bunte Sommer von Kultur und Begegnung. Das ist für Künstler*innen im August der Himmel auf Erden (lacht), wenn es stattfinden kann.
Das Wiener Cafè, die Wiener Cafèhauskultur ist ja auch ein Ort des Schreibens. Du schreibst auch?
Ich schreibe die Songtexte zusammen mit dem Sänger unserer Band. Ich versuche mich immer wieder (lacht).
Die Inspiration zu den Texten sind meine persönlichen Erlebnisse. Das Erleben und auch das Durchmachen, da fließt auch viel Persönliches ein.
Ein Songtext ist immer auch ein von-der-Seele-schreiben.
Wir sind hier im Cafè von Spiegeln umgeben und haben da auch fotografiert. Wie beschreibst Du Dich selbst?
Ich habe in meinem Lebensweg und meinen vielseitigen Interessen und Projekten von Kindheit an immer Unterstützung erfahren. Dafür bin ich sehr dankbar und dies ist auch ein Privileg.
Diese Unterstützung meines Umfeldes gibt auch immer wieder Kraft im weiteren Weg, auch im Zweifel, der auch begleitet.
Welchen Tiersymbol Eures Bandnamens würdest Du Dich als Persönlichkeit eher zuordnen?
Dem Igel. Ein Igel ist neugierig, vielleicht auch etwas unterschätzt und dennoch überrascht wie überzeugt er. Da erkenne ich mich wieder (lacht).
Dein Blick auf den Menschen ist ein dreifacher als Musikerin, Schauspielerin und Kulturanthropologin. Wie siehst Du den Menschen der Gegenwart?
Derzeit sehe ich mehr die Abgründe unseres Menschseins. Das Gute im Menschen zu sehen und daran zu glauben, fällt oftmals schwerer. Da habe ich leider auch etwas eine misanthropische Geisteshaltung (lacht).
Ich hoffe und glaube aber doch daran, dass wir es bessermachen können. Ich hoffe (lacht).
Du hast von Abgründen gesprochen. Welche Abgründe hast Du selbst?
Ich denke, dies ist meine pessimistische Seite, dieser etwas fatalistische Blick auf die Welt – ab und zu tut sich dieser Abgrund auf (lacht).
Die Last der Welt kann schon manchmal auf die Schulter drücken und da kann ich schon mal vor mich hin schimpfen (lacht).
Das ab-und zu-schimpfen ist ja auch etwas Wienerisches. Inwieweit bist Du in den Jahren jetzt in der Lebensart Wienerin geworden?
Ich kann mich schon aufregen über bestimmte Verhaltensweisen, da bin ich schon Wienerin. Das kriegt halt dann meistens jemand ab (lacht). Da bin ich absolut wienerisch geworden (lacht).
Das Wienerische hat in der Lebensart etwas von ohne Filter sein, etwas von frei-von-der-Leber-weg sprechen. Da geht es um Gefühl, ganz direkt. Es ist ein kein Blatt-vor-den Mund-nehmen – „oida“.
Das Rauslassen der Seele in Emotion und Wort schützt vor einem Magengeschwür (lacht). Mich würde interessieren ob die Wiener*innen da weniger Magengeschwüre haben (lacht)?
Das Schimpfen ist in Wien auch immer etwas liebevoll. Hunde, die bellen…(lacht).
Österreichische, Wiener Literatur, Dramatik oder Psychoanalyse blickt in die Abgründe des Menschseins. Inwieweit ist dies auch für Dich künstlerisch inspirierend?
Diese Wege der Kunst und Wissenschaft nehmen den Menschen in seiner Ambivalenz sehr genau wahr. Da kommt etwa das unbewusste Lustbedürfnis oder auch eine brüchige Intellektualität in den Blick.
Wenn man einen Songtext schreibt, ist der Blick in die dunkle Seele natürlich ein Impuls und man setzt sich damit auseinander.
Wenn es so einen regnerischen November Tag in der Seele gibt, schreibt man ja die besten Texte, sagt man, weil es fließt dann. Ich denke, das ist so und es bringt schon Inspiration.
Von den Abgründen eines Novembertages zum, frei nach Peter Handke und Lou Reed, geglücktem Tag, perfect day. Was ist für Dich ein perfekter Tag in Wien?
Die Jahreszeit dazu ist Frühling oder Sommer. Wärme. Und rauf auf die Himmelwiese, mit Picknickkorb und Stadtblick (lacht). Ja, das ist mein erster Gedanke für einen perfekten Tag (lacht).
Es gibt in Wien ja viele Möglichkeiten perfekte Tage zu verbringen (lacht).
Ist das Wiener Cafè für Dich auch ein Ort für einen perfekten Tag?
Ja, sehr. In letzter Zeit ja leider schwierig.
Das Wiener Cafè ist Treffpunkt und Begegnung in vielerlei Hinsicht.
Im Cafè bist Du nie allein. Du kannst sprechen, erzählen oder einfach auf die Leute oder in die Stadt hinausblicken.
Die Auswahl an sehr netten Cafès als Orte des Zusammenseins ist in Wien sehr groß.
Jetzt, während unseres Interviews im Lockdown bedingtem leeren Cafè, fehlt die typische Geräuschkulisse. Das gehört einfach dazu.
Was trinkst, isst Du gerne im Cafè?
Auf jedem Fall Kaffee mit viel Milch (lacht). Und dazu gerne eine Torte, Mehlspeise.
Ich esse Süßspeisen aller Art sehr gerne (lacht). Ich bin ein großer Fan davon und Wien ist ein Ort, wo man da nicht zu kurz kommt (lacht).
Ein Kuchen, eine Mehlspeise gehört auf alle Fälle dazu zum Kaffee.
Kochst, bäckst Du gerne?
Ich backe sehr gerne. Das hat mir meine Mutter, sie ist Pädagogin, mitgegeben. Zuhause gab es auch immer einen Kuchen. Es wurde immer viel gebacken, etwa zur Weihnachtszeit.
Die Weihnachtszeit ist ja auch eine sehr musikalische Zeit. In der Rockmusik vielleicht auch eine Zeit der Balladen. Gibt es diese auch in Eurer Musik? Wie ist Eure Musik ausgerichtet?
In unserer Musik geht es im Normalfall eher schneller und härter zu.
Wir haben einen Song „step up“. Dieser ist jetzt keine Ballade, aber es ist etwas Ruhigeres. Ich würde es als Hymne bezeichnen, eine Motivationshymne.
In „step up“ geht es darum, dass man nicht aufgeben soll – „step up, don`t stop…giving it all…“.
Dieses „step up“ ist das Credo unserer Band und auch meines persönlich. Man muss einfach immer dranbleiben und weitermachen.
Dieser Song trifft ja auch die Situation der Zeit.
Ja, absolut.
Das Thema Liebe ist ja ein wesentliches im Rock`n`Roll. Wie siehst Du die Liebe heute?
Liebe hat grundsätzlich immer etwas Umfassendes. Sie ist Grundlage des Lebens von Mensch und Welt.
Die Liebe ist das Wichtigste auf ganz vielen verschiedenen Ebenen.
Ganz wesentlich ist für mich etwa die Liebe zur Musik, zum Schauspiel, zur Kunst.
Wir haben das Interview mit dem Impuls des Songs „november rain“ begonnen. Darum geht es um Liebe und Vergänglichkeit. Wie siehst Du die Lebensdauer von Liebe?
Natürlich wünscht man sich immer Ewigkeit in der Liebe.
Ich bin in der Liebe aber eher auf der realistischeren Seite (lacht). Ich habe nicht das Bild oder die Illusion einer unendlichen Liebe.
Ich denke, es gibt in der Liebe Stationen.
Liebe kann eine kurze Flamme oder ein Feuer sein.
Darf ich Dich zum Abschluss des Interviews zu einem Achrostikon zum titelgebenden „Vienna Calling“ dieser Interviewreihe in Wien bitten?
Liebe Fiona, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Das weiß ich aktuell selbst nicht so genau, er variiert ziemlich – wir leben in seltsamen Zeiten. Letzte Woche kam da schon mal ein Anruf in der Früh und ich hatte abends Vorstellung in einer abgeänderten Version gespielt. Aktuell befinde ich mich wieder in so einem Schwebezustand, indem ich nicht weiß wie und wann es weitergeht. Diese Unsicherheit nagt an mir. Deswegen versuche ich so gut es geht etwas Alltag reinzubekommen. Dazu nehme ich mir in der Früh eine „handylose“ Zeit, die ich mit Sport und Meditation verbringe – und dann lasse ich mich aufs Chaos ein.
Fiona Ristl, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich wünsche mir mehr Toleranz und Verständnis in einer Zeit, die polarisiert und damit Gräben aufwirft, die nur schwer zu schließen sind. Wir benötigen mehr Zusammenhalt und Respekt gegenüber unseren Mitmenschen. Besonders wichtig wäre jetzt eine Abkehr vom Egotrip unserer Gesellschaft hin zu einem nachhaltigen Denken und Verhalten, um uns allen eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Kunst kann ein Nährboden für gesellschaftliche Veränderung sein in dem sie Ideen und Ansätze zum Nachdenken zur Verfügung stellt. Als systemrelevante Komponente berührt sie den Geist, nährt die Seele und lässt einen in andere Welten eintauchen.
Was liest Du derzeit?
Ernst Lothar – das Wunder des Überlebens
Textbuch – Tom Stoppard – Leopoldstadt
Und ich bin gerade im Schiller Fieber und verschlinge da „sämtliche Gedichte und Balladen“
Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
F. Schiller („Einer“)
„(…) Immer war mir das Feld und der Wald, und der Fels und die Gärten
Nur ein Raum, und du machst sie, Geliebte, zum Ort.
Raum und Zeit, ich empfind es, sind bloße Formen des Denkens,
Da das Eckchen mit dir, Liebchen, unendlich mir scheint.“
E. Lothar:
„ (…) dass jemand mich beaufsichtigte, wusste ich nicht, dass andere Leute außer mir da waren, verschwand, ich war glücklich. Davon, was auf der Bühne vorging, weiß ich nichts mehr, nur von dem Glücksgefühl. Und von einer willigen Bereitschaft, dem Wirklichen zu entlaufen.“
Vielen Dank für das Interview liebe Fiona, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Fiona Ristl, Schauspielerin
Foto_Harald Fischerlehner
28.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Lieber Reinhard, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Nachdem wir uns ja gerade, dank dem meiner Meinung nach völligem Versagen der Regierung, bereits im vierten Lockdown befinden, etwas eingeschränkt. Ich darf wieder nicht arbeiten, bin daher viel zu Hause und kümmere mich darum, dass meine Tochter nicht nur Tik-Tok Videos dreht, sondern auch etwas lernt. Wir haben uns aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens entschieden sie im Homeschooling zu lassen. Diesmal werde ich auch versuchen mich etwas weniger vollzustopfen und mich auch mehr zu bewegen als in den früheren Lockdowns, in denen ich enorm an Gewicht zugelegt habe. Da ja auch die Gastronomie geschlossen ist, kochen wir wieder mehr und werden neue Rezepte ausprobieren.
Reinhard Nowak, Kabarettist und Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dass wir aus der Vergangenheit lernen, und nicht wieder bei sinkenden Inzidenzen auf alle Maßnahmen vergessen. Darum wäre es auch wichtig, dass seitens der Regierung nicht wieder die Pandemie frühzeitig für beendet erklärt wird. Jetzt ist die Situation leider so, dass es ohne Impfpflicht nicht zu schaffen sein wird, wieder ein halbwegs normales Leben zu führen. Dies ist nur möglich, wenn wir Alle an einem Strang ziehen und jeder Einzelne ohne egoistisch zu sein, an die Gemeinschaft denkt, auf die Wissenschaft vertraut und dementsprechend handelt.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Kabarett, dem Theater/ Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ganz wesentlich wird sein, dass wir uns nicht entmutigen lassen und wieder Freude am Leben finden sollten, falls sie der Eine oder die Andere verloren hat.
Hoffentlich kommen die Menschen in absehbarer Zeit wieder ins Theater oder ins Kabarett, damit wir Künstler sie dabei unterstützen mögen! Und sie uns, damit wir wieder etwas verdienen können. Das wäre doch eine schöne Win-Win Situation J
Was liest Du derzeit?
Wenn Bücher gemeint sind, lese ich zur Zeit gar nichts. Ist zwar eine unspannende Antwort ist aber so. Verbringe leider zuviel Zeit auf Facebook. Hab aber schon einige Bücher in meinem Leben gelesen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein passender Spruch zur Pandemie und für die vielen Fehlgeleiteten die irgendwelche Fakenews und Verschwörungstheorien verbreiten, und gleichzeitig ein Aufruf zur Impfung:
„Lieber glaube ich an Wissenschaftler, die sich mal irren, als Irren, die glauben sie seien Wissenschaftler.“
Vielen Dank für das Interview lieber Reinhard, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kabarett-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!