„Ich nehme mir in der Früh eine „handylose“ Zeit und dann lasse ich mich aufs Chaos ein“ Fiona Ristl, Schauspielerin _ Wien 4.12.2021

Liebe Fiona, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das weiß ich aktuell selbst nicht so genau, er variiert ziemlich –  wir leben in seltsamen Zeiten. Letzte Woche kam da schon mal ein Anruf in der Früh und ich hatte abends Vorstellung in einer abgeänderten Version gespielt. Aktuell befinde ich mich wieder in so einem Schwebezustand, indem ich nicht weiß wie und wann es weitergeht. Diese Unsicherheit nagt an mir. Deswegen versuche ich so gut es geht etwas Alltag reinzubekommen. Dazu nehme ich mir in der Früh eine „handylose“ Zeit, die ich mit Sport und Meditation verbringe – und dann lasse ich mich aufs Chaos ein.

Fiona Ristl, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich wünsche mir mehr Toleranz und Verständnis in einer Zeit, die polarisiert und damit Gräben aufwirft, die nur schwer zu schließen sind. Wir benötigen mehr Zusammenhalt und Respekt gegenüber unseren Mitmenschen. Besonders wichtig wäre jetzt eine Abkehr vom Egotrip unserer Gesellschaft hin zu einem nachhaltigen Denken und Verhalten, um uns allen eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Kunst kann ein Nährboden für gesellschaftliche Veränderung sein in dem sie Ideen und Ansätze zum Nachdenken zur Verfügung stellt. Als systemrelevante Komponente berührt sie den Geist, nährt die Seele und lässt einen in andere Welten eintauchen.

Was liest Du derzeit?

Ernst Lothar – das Wunder des Überlebens

Textbuch – Tom Stoppard – Leopoldstadt

Und ich bin gerade im Schiller Fieber und verschlinge da „sämtliche Gedichte und Balladen“

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

F. Schiller („Einer“)

 „(…) Immer war mir das Feld und der Wald, und der Fels und die Gärten

Nur ein Raum, und du machst sie, Geliebte, zum Ort.

Raum und Zeit, ich empfind es, sind bloße Formen des Denkens,

Da das Eckchen mit dir, Liebchen, unendlich mir scheint.“

E. Lothar:

„ (…) dass jemand mich beaufsichtigte, wusste ich nicht, dass andere Leute außer mir da waren, verschwand, ich war glücklich. Davon, was auf der Bühne vorging, weiß ich nichts mehr, nur von dem Glücksgefühl. Und von einer willigen Bereitschaft, dem Wirklichen zu entlaufen.“

Vielen Dank für das Interview liebe Fiona, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Fiona Ristl, Schauspielerin

Foto_Harald Fischerlehner

28.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s