„Ich will träumen: Sonnige Zeiten für ein gutes Miteinander sind angesagt, nachdem es Akzeptanz, Toleranz und Respekt geschneit hat“ Stefanie Früholz, Schauspielerin _ Wien 8.12.2021

Liebe Stefanie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Den Morgen starte ich mit einem Glas Wasser, Kaffee und derzeit mit hoffnungsvollem Blick aus dem Fenster, ob es geschneit hat – ich finde, dann würde die Welt gleich so viel friedlicher aussehen. Das war‘s dann aber auch schon mit Regelmäßigkeiten. Ich habe Projekte, auf die ich mich vorbereiten kann. Das tut gut. Außerdem hab ich gerade organisatorisch einiges zu erledigen und bereite mich auf das neue Jahr vor. Für mich persönlich ist dieser Lockdown die bisher schwierigste Zeit der Corona Krise. So ermüdend… Normalerweise bedeutet mir ein Jahreswechsel wirklich nicht viel. Jetzt aber steh ich in den Startlöchern für das neue Jahr und hoffe, es bringt Hoffnung und bessere, klarere Perspektiven für uns alle mit sich.

Stefanie Früholz, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Vertrauen, Zuversicht und Zusammenhalt, noch ein wenig Geduld und Ausdauer, aber vor allem: Liebe und Nähe zu unseren Lieblingsmenschen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, wir sind noch mitten im Um- und Aufbruch. Der Neubeginn ist dann der nächste Schritt. Alte Strukturen und Systeme bröckeln und brechen, wo man hinschaut. Das ist turbulent, aufregend und gut. Dennoch muss noch viel passieren. In so vielen Bereichen muss endlich ein Umdenken stattfinden und gehandelt werden. Klimakrise, Flüchtlingskrise … Themen müssen enttabuisiert werden, mentale Gesundheit an Aufmerksamkeit gewinnen. Hierarchische Strukturen, vor allem männlich dominierte, müssen aufgebrochen werden – nicht nur in der Kunst… Ich will träumen: Sonnige Zeiten für ein gutes Miteinander sind angesagt, nachdem es Akzeptanz, Toleranz und Respekt geschneit hat.

In dieser Krisendichte kann Kunst uns helfen, zu erinnern, zu fordern, durchzuatmen, wachzurütteln. Sie kann Spiegel sein, sie kann Aussicht sein, Zuflucht und Eskapismus, Spekulation über die Zukunft und Reflexion der Vergangenheit. Welche Rolle sie genau in diesem Stück „Neubeginn“ übernehmen wird, weiß ich noch nicht. Aber sicher eine Mehrfachrolle J

Was liest Du derzeit?

„Ändert sich nicht, ändert sich alles“ von Katharina Rogenhofer. Keine Gute-Nacht-Lektüre für schöne Träume, aber ein so wichtiges Buch.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„da draußen. sprießt sie doch. die zukunft. die uns keine einkunft. die uns keine auskunft. die vielleicht eine ankunft. die dann ein schöner ort. wäre. vielleicht.“ – Renate Aichinger

Stefanie Früholz, Schauspielerin

Vielen Dank für das Interview liebe Stefanie, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Stefanie Früholz, Schauspielerin

www.stefanie-frueholz.com

Fotos_Volker Schmidt.

6.12.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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